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13. September 2009

Serena Williams rastet aus


Es lohnt sich, diese sechs Minuten Zeit aufzubringen, um die Entwicklung und den Ausgang des bizarren Geschehens bei den US Open in Flushing Meadows am Samstagabend nachzuvollziehen. Das simple Faktum: Serena Williams verliert das Match gegen Kim Clijsters, als der Schiedsrichter der Belgierin den Matchball zuspricht, weil die Amerikanerin eine Linienrichterin beschimpft hat. An dieses Match werden sich vermutlich noch lange viele Leute erinnern. Nicht nur die Zuschauer im Arthur-Ashe-Stadion, die zunächst gar nicht nachvollziehen konnten, welches Drama sich auf dem Platz abspielt. Die Erinnerung wird mit dem Namen Serena Williams gekoppelt sein und kaum mit dem von Clijsters, die an diesem Abend auf jeden Fall die bessere Spielerin war. Das Verhalten von Williams war deshalb so teuer, weil sie bereits im Verlaufe der Begegnung eine Verwarnung erhalten hatte. Die nächste Eskalationsstufe der Disziplinarstrafen im Tennis ist der Punktverlust. Wobei Verlust in dem Fall nicht wörtlich zu nehmen ist. Denn dem zu bestrafenden Spieler wird nichts abgezogen, sondern dem Gegner wird der Punkt gut geschrieben.

Auslöser der Konfrontation war ein Fußfehler von Serena Williams beim zweiten Aufschlag zum Punkt davor. Diese Entscheidung provozierte die 27-jährige dazu, auf die Linienrichterin zuzugehen und in einer drohenden Haltung zu beschimpfen. Was sie rief, wollte sie in der Pressekonferenz nicht wiederholen. Zunächst tat sie so, als habe sie die Worte vergessen. Später weigerte sie sich, den wartenden Journalisten die Details zu zu schildern. Die Begründung: Sie habe das bereits hinter sich gelassen.

Tennis.com vermochte zumindest, den Kernsatz der Tirade von Williams aufzuschnappen und nahm in der Berichterstattung hinterher nach amerikanischer Manier die Schimpfwörter heraus (vermutlich benutzte sie zweimal das Wort "fucking"): "I swear to God, I'll [expletive] take this ball and shove it down your [expletive] throat, do you hear me?"

Der ganze Beitrag jedoch bestand aus einer umfangreichen Rechtfertigung ihres Verhaltens. Williams habe jedes Recht gehabt, wütend auf die Fußfehler-Entscheidung zu reagieren. "Das war eine schreckliche, dumme, grauenhafte, alberne Entscheidung." Eine solche Solidaritätserklärung
wirkte so, als habe das Fachorgan ein Interesse daran, sich mit der Williams-Familie gut zu stellen. Das Argument, dass ein Linienrichter in einer solchen Situation nicht die Regeln konsequent anwenden soll, ist aburd und entspringt einer in den USA oft gepflegten Betrachtungsweise des Ablaufs von sportlichen Wettbewerben. Danach gelten die letzten Punkte oder Treffer gegen Ende eines Spielabschnitts oder gegen Ende einer Begegnung als bedeutungsvoller als all die anderen. Diese Einschätzung ignoriert die Prinzipien der Arithmetik. Denn tatsächlich zählt jeder Punkt und jedes Tor exakt genausoviel – auch in einer Sportart mit einer altertümlichen Art des Zählens (15:0, 30:0, 40:0). Ihr Ursprung dürfte der in Amerika gepflegte und vom Fernsehen gespeiste Highlight-Kult sein, der ausschließlich von ausgewählten Momenten lebt und sich keinen Deut um Abläufe, Entwicklungen, Strategie und Taktik schert.

Kein Wunder, dass anlässlich eines solchen Moments die Argumentation gegen das Regelelement "Fußfehler" im Tennis hervorgekramt wird. Die Beschwerde geht so: Der Profi habe keinen wirklichen Vorteil, wenn er von einem Punkt ein paar Zentimeter näher am Netz zum Aufschlag abspringt. Das wirkt logisch, macht aber keinen Sinn. Denn die Linie ist die Linie ist die Linie. Sie ist Teil des Spiels und wird auch in anderen Situationen immer wieder Meinungsverschiedenheiten produzieren. Die eigentliche Frage in diesem Zusammenhang wäre eher: Warum setzt man nicht hier, wie auch bei anderen Konstellationen im Tennis die Technik ein. Denn niemand weiß bis heute ganz genau, ob es überhaupt ein Fußfehler war.

Blick zurück: Lieber essen und meckern

9. September 2009

US-Open-Sensation Oudin flog aus ihrem Hotel

Die 17-jährige Tennisspielerin Melanie Oudin lebt trotz ihrer Erfolge noch immer so wie einst. Bei ihren Hotelbuchungen in einer Turnierstadt plant sie nicht mit langen Aufenthalten. Und für die Bedürfnisse in der knapper werdenden Freizeit hat sie einen boyfriend, der zwei Jahre jünger ist. Oudin, die nacheinander in überraschender Manier bei den US Open die russische Eliteliga mit Spielerinnen wie Jelena Dementjewa, Maria Scharapowa und Nadja Petrowa aus dem Weg räumte, spielt heute abend im Achtelfinale Viertelfinale in Flushing Meadows gegen die Dänin Caroline Wozniacki. Die Amerikanerin musste sich kurz zuvor ein neues Hotel suchen. Sie hatte sich ins Marriott am Times Square eingebucht, wurde dort aber auf die Straße gesetzt. Eine solche Behandlung passiert nur wenigen aufstrebenden Sportstars und hat der Hotelkette schlechte Public Relations eingehandelt. Oudin kam trotzdem unter - im International (vermutlich ohnehin das bessere Haus). Bei genauem Hinsehen würde man eher dem Manager des Teenagers einen blauen Brief schreiben. Um was kümmert sich der eigentlich den ganzen Tag lang? Mehr über den frischen Ruhm der kleingewachsenen Defensivkünstlerin gibt es hier (auch mehr über den boyfriend).

Nachtrag: Oudin verlor heute abend das Spiel klar in zwei Sätzen. Trotzdem werden die Zeitungen morgen sich morgen erneut mit ihrem Umfeld beschäftigen: Das Ehescheidungsverfahren ihrer Eltern bringt so viele saftige Details ans Licht. Ihre Mutter soll ein Affäre mit ihrem Trainer gehabt haben.

11. Juli 2009

LPGA: Kein Licht am Ende des Tunnels

Zwischenstand beim Golf: Unter den ersten sechzehn bei den US Open der Frauen sind nach drei Runden acht Südkoreanerinnen. Man sollte meinen, die koreanische Industrie exportiert nur noch Golfspieler. Dazu kommen zwei Chinesinnen (aus Taiwan) und eine Japanerin und machen die Dominanz der Asiatinnen perfekt. Vielleicht sollten die Amerikaner mit ihrem Turnier mal auf Reisen gehen und es auf der anderen Seite des Pazifik austragen? Ein Drittel aller 156 Teilnehmerinnen kommen aus dem Ausland, darunter 26 aus Südkorea. Das ist nichts Neues, aber muss im Lichte all der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich die LPGA eingehandelt hat, als einer der Gründe genannt werden, weshalb kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.

In der nächsten Woche wird die Frau, die als Commissioner die Verantwortung inne hatte, auf Druck einer Reihe von Topspielerinnen den Hut nehmen. Der Abgang von Carolyn Bivens, die den Job übernahm, nachdem der langjährige Geschäftsführer Ty Votaw in einer weniger prominenten Rolle zur PGA Tour wechselte, löst keines der Probleme der LPGA. Sicher, an Ms. Bivens werden sich nur wenige nostalgische Gedanken anknüpfen lassen. Sie war die Frau, die den Turnierveranstaltern sagte, sie müssten sogenannte sanctioning fees von 100.000 Dollar aufbringen – ein Anstieg um ein Vielfaches, der kleinere Termine aus dem Kalender scheuchte, Sie war es, die den Asiatinnen abverlangte, dass sie vernünftig Englisch sprechen, damit sie bei ProAms und bei Medienterminen eine halbwegs ordebntliche Konversation in der Sprache des Landes betreiben können. Der Gegenwind blies schon lange. Was sicher in erster Linie daran lag, dass sie keinen Weg suchte und fand, um die potenziell größte Zugnummer in die LPGA einzubinden. Michelle Wie musste – den Regeln entsprechend – so lange warten, bis sie alt genug war und sich über die Qualifying School eine Tourkarte erspielen konnte. In der gleichen Zeit spielte sie für Antrittsgeld bei Männerturnieren.

Dabei zeigt gerade das Beispiel Wie, die als junge Spielerin exorbitante Werbeveträge abschließen konnte und von vielen etablierten Profigolferinnen mit sehr viel Skepsis betrachtet wurde, dass ein Commissioner eigentlich nie alles richtig machen kann. Hält er/sie sich an die Regeln, kann sich das zum Nachteil auswirken. Bevorteilt er eine bestimmte Person zum Nachteil von anderen, führt das vermutlich ebenfalls zum Aufstand. Ganz obendrein hat Wie in den vergangenen Jahren leistungsmäßig nichts von dem Potenzial eingelöst, das sie als 13-jährige gezeigt hat. Und mit der Etiquette auf dem Golfplatz nahm sie es auch nicht so genau. Besonders krass war ihr Verhalten 2007, als sie bei einem LPGA-Turnier, zu dem sie eine Ausnahmestartgenehmigung erhalten hatte, während der ersten Runde wegen einer angeblichen Verletzung vom Platz ging und wenige Tage später fleißig auf der Anlage der US Open trainierte. Warum hatte sie so getan, als hätte sie Probleme mit ihren Handgelenken? Weil ihr der Agent unterwegs rechtzeitig zugeflüstert hatte, dass die LPGA eine Regel hat, die einem die Einladungen für alle möglichen anderen Turniere des Jahres kosten kann. Sie lag zu dem Zeitpunkt bei 14 über Par und befand sich am 17. Loch. Mit einer 16 über Par hätte die 88er Regel gegriffen, die besagt: Wer als Sondergast eine 88er Runde (oder schlechter) abliefert, ist nicht gut genug und kann die Saison über nicht mehr mitmachen.

Zurück zu Bivens und den eigentlichen Problemen der LPGA. Die sind mit solchen Namen wie Stanford Financial und Bobby Ginn verbunden. Also mit Figuren, die auf allerlei schattige Art und Weise das Geld anderer Leute abgegriffen haben und denen in schlechten Zeiten die Puste ausgeht. Der angebliche Milliardär Allen Stanford sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft. Ginn wurde von zahllosen Zivilklagen eingedeckt. In vermeintlich besseren Zeiten mussten sich die Profigolferinnen in den USA über solche Sponsoren nicht den Kopf zerbrechen. Da hätten sie vermutlich rasch neue gefunden. Aber in diesen Zeiten, in denen jeder Liga und jede Sportart die Grenzen des Wachstums erlebt, sind Frauensporten stärker betroffen. Sie sind schließlich leistungsmäßig nur zweite Wahl, müssen sich aber übers Fernsehen in den USA finanzieren, wo die Männer mit der regulären PGA Tour (und dem Amerikaner Tiger Woods) und der Champions Tour der Altstars bereits jede Menge Aufmerksamkeit und Geld absorbieren.

Da hilft es nicht, wenn Frauen, die fast alle Kim, Park oder Lee heißen und keinen amerikanischen Zuschauer hinter dem Ofen hervorlocken können, auch noch die Ranglisten dominieren.

Ach, ja. Sandra Gal ist in der dritten Runde der US Open mit einer 77 rapide ins Mittelfeld abgesackt. Ihre Chancen auf eine Top Twenty-Platzierung sind so gut wie dahin.

10. Juli 2009

Gal auf dem Vormarsch

Sie begann heute früh morgens mit einem Birdie und schaffte einer 71er Runde. Das war auf diesem schweren Platz eine richtig gute Leistung und bedeutete, dass Sandra Gal am Freitag im Klassement der US Open auf den 19. Platz vorrückte. Sie befindet sich damit in Sichtweite einer sehr guten Platzierung und gehört zu einer Handvoll von Europäerinnen, die oben mitspielen. Wie schon befürchtet: Anja Monke hatte auf der zweiten Runde nicht genug Fortüne und scheiterte am Cut.

Nicht zu vergessen: Martin Kaymer, der in Schottland seine Form halten konnte, mit der er vor einer Woche in Frankreich sein drittes Turnier auf der European Tour gewonnen hatte. Er liegt bei den Scottish Open in Loch Lomond nach zwei Runden auf dem dritten Rang. Noch bemerkenswerter. Deutschlands bester Golfer liegt mittlerweile auf dem 19. Platz der Weltrangliste und würde mit einem Top-Five-Resultat an diesem Wochenende weiter nach oben klettern.

9. Juli 2009

Sandra Gal: Immer noch Chancen auf den Solheim Cup

Morgen wird's eng für die Teilnehmerinnen der US Open im Golf in Bethlehem/Pennsylvania. Am Ende des Tages wird gesiebt. Den Cut überstehen nur die besten 60 (und alle die sich den letzten Platz teilen, auf dem man sich noch qualifizieren kann). Es sei denn, die Spitze und die Mitte schrumpfen so eng zusammen, dass eine andere Regel greift. Nach der kommt jeder weiter, der maximal zehn Schläge hinter der Führenden liegt.

Wie dem auch sei: Sandra Gal hat nach der ersten Runde durchaus gute Chancen. Sie liegt auf dem 50. Rang mit 75 Schlägen (vier über Par) und damit sieben hinter der Spitze, die von der Koreanerin Na Yeon Choi gehalten wird. Für Anja Monke, die in diesem Jahr permanent mit der Cut-Grenze flirtet, sieht es schon erheblich schlechter aus. Platz 84 und sechs über Par. Martina Eberl, die dritte Deutsche im Feld, die anders als ihre beiden Landsleute auf der Ladies European Tour spielt, stieg nach knapp der Hälfte der ersten Runde mit einer Handgelenksverletzung aus. Sollte sie das Problem kurieren können, bleiben ihre Chancen auf die europäische Solheim-Cup-Mannschaft erhalten. Dort liegt sie in der Wertung zur Zeit auf Rang vier. Die entscheidenden Punkte stammen allerdings aus der vergangenen Saison. Nur fünf kommen automatisch über diese Liste in die Mannschaft. Gute Chancen haben auch noch Suzann Peterson (Norwegen), Anna Nordqvist (Schweden) und der letzte Solheim-Captain Helen Alfredsson (Schweden). Denn vier Frauen kommen automatisch über die ziemlich kuriose Weltrangliste in die Mannschaft.

Dort sieht für Sandra Gal zur Zeit nicht so gut aus. Sie hält momentan den 71. Platz und ist mit ihrer Punktzahl nicht in Reichweite von Maria Hjorth, die jene Vierte wäre, die es auf diese Weise schafft. Viel hängt also davon ab, wie Captain Alison Nicholas (England) die restlichen drei Positionen besetzt. Die Europäerinnen wurden 2007 stramm abgefertigt und sind klare Außenseiter. Der Wettbewerb wird vom 17. bis 23 August in Rich Harvest Farms in Illinois ausgetragen.

Eine Frau ist in diesem Jahr ganz bestimmt nicht dabei: Annika Sörenstam. Die ehemalige Weltranglistenerste zog sich in der vergangenen Saison vom aktiven Golf zurück und meldete im Frühjahr, dass sie schwanger ist. Die Spielerinnen für den Cup werden am 2. August nach den British Open benannt.

22. Juni 2009

Für Lucas haut's so gerade hin

Es gab zwei sentimental favorites und beide hatten eine Chance auf den Pott: David Duval und Phil Mickelson. Es gewann bei den US Open jedoch ein totaler Außenseiter: Lucas Glover, weil er einen enormen Vorsprung und viel Geduld auf die durch den Regen auf Montag gerutschte letzte Runde mitbrachte. An diesem Sieger werden die amerikanischen Medien nicht viel Spaß haben. Er ist scheu und sieht meistens so aus, als ob er schmollt. Duval büßte seine Möglichkeiten gleich am ersten Loch des Tages ein, dem dritten auf dem Black Course von Bethpage. Sein Abschlag landete in einem dieser riesigen steilen Bunker und steckte tief im Sand und das auch noch unmittelbar unter der Oberkante. Das Missgeschick kostete ihn drei Schläge. Denn er erzielte eine sechs statt eines Pars mit drei Schlägen. Ohne diesen Rückschlag wäre er heute unschlagbar gewesen. Mickelson lag gegen Ende kurz mit Glover gleichauf an der Spitze, nachdem einige Fehler gemacht hatte. Aber Lefty patzte auf der 15 und der 17 und ging einmal mehr leer aus. Zum fünften Mal bei den US Open auf dem zweiten Platz. Das ist Rekord. Gewonnen hat er das Turnier noch nie.

21. Juni 2009

Typisch New York: Golfer auf dem Nervengrill

Es gibt einen unausgesprochenen Kodex für den Besuch eines Golfturniers: Leise sein, bestenfalls flüstern, positiv denken und freundlich applaudieren. Das ist ein Ausfluss der jahrhundertalten Etiquette, die Golfspieler pflegen, wenn sie in Gruppen über den Platz gehen. Sie stammt aus dem Großbritannien der guten alten Zeit, wo man Sport stets als Übung in sportsmanship betrachtet hat. Fairness und Redlichkeit im Umgang mit den Regeln, nicht bescheißen wollen – das sind alles Konzepte eine adeligen Gesellschaftsschicht, die allerdings längst ihren Einfluss auf das Verhalten von Menschen im Alltag eingebüßt hat.

Bei Golfturnieren in Augusta und anderen Gegenden der Vereinigten Staaten bringen die Zuschauer noch die Selbstdisziplin mit, die Spieler möglichst nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Weichbild von New York kann man das vergessen. Die US Open im Tennis waren da der Tempomacher. Sie locken seit dem Umzug nach Flushing Meadow in kavernöse Stadienbauten die lautesten und respektlosesten Grand-Slam-Zuschauer auf dem Globus an. Im Golf sieht das nicht anders aus. Bethpage, das eine Tages-Kapazität von 45.000 Zuschauern verkraften kann, ist das jüngste Beispiel für eine Verhaltenskultur, die auf den Straßen von Manhattan geboren ist. Statt gehupt wie dort, wird auf dem Platz nun zynisch gebrüllt. Und es werden Witze gerissen. Alles nach dem Motto: Provozieren geht über studieren. Irgendein Spieler wird doch vielleicht reagieren, ärgerlich werden und auf diese Weise aus dem Tritt geraten. Das ist vor sieben Jahren, als das Turnier zum letzten Mal in Bethpage ausgetragen wurde, dem Spanier Sergio Garcia passiert. Damals hat er noch minutenlang in einem Anflug von manierierter Nervösität vor dem Schlag den Griff immer wieder neu angesetzt. Das dauerte den Zuschauern zu lange. Also haben sie den Mund aufgemacht. Garcia, der Chancen hatte, das Turnier zu gewinnen, was not amused und zeigte Nerven.

Ein ähnliches Opfer hat sich in diesem Jahr noch nicht herausgeschält. Aber das kann sich noch ändern. Die ersten haben sich bereits in Stimmung gebracht. Denn nicht nur der Regen fließt in Strömen, auch das Bier.

US Open: Hank und das Wetter

Hinweis in eigener Sache. Ein Porträt von Hank Haney, dem Trainer von Tiger Woods, ist heute in der FAS erschienen. Anlass: die US Open in Bethpage, bei denen frühestens ab heute mittag Ortszeit weitergespielt wird. Die Regenmengen von gestern abend waren sintflutartig. Die neuerliche Verschiebung bedeutet, dass die vierte Runde des Turniers auf jeden Fall erst am Montag zu Ende gehen wird. Theoretisch bedeutet das aber nicht wirklich das Ende. Sollten zwei oder mehr Spieler dann ex equo an der Spitze liegen, gibt es ein Stechen über 18 Löcher – am Dienstag. Eine weitere Golf-Geschichte ist heute in der Schweizer SonntagsZeitung erschienen. Da geht es um den besonderen Charakter des Turniers, für das sich auch Amateure qualifizieren können, vorausgesetzt sie sind richtig gut. Das waren in diesem Jahr mehr als 9000 Freizeitspieler. Den Text gibt es nur am Kiosk.

20. Juni 2009

Die Koffer stehen bereit

Die Wetterverhältnisse beim Golf in Bethpage sind verschärft. So verschärft, dass Tiger Woods gleich losgeht – am dritten Tag der US Open – um seine zweite Runde zu spielen. Den ersten Teil der ersten Runde hatte er am Donnerstagmorgen abgeliefert. Den zweiten gestern früh. Beide Teile unter schwierigen Bedingungen. Und für heute muss man erneut mit Trouble von oben rechnen. Diesmal wird es vermutlich nicht nur Regen geben, sondern womöglich auch Gewitter. Eine Situation, bei der man zehntausende von Zuschauern in Sicherheit bringen muss und das Spiel unterbrochen wird.

Wenn er sich nicht verbessert – sein Zwischenstand ist vier über Par – kann er seine Koffer packen. Warum? Die Leute an der Spitze konnten gestern in der zweiten Tageshälfte spielen, teilweise bei strahlendem Sonnenschein und auf einem Platz, der aufgrund des Regens seine Fangzähne eingebüßt hatte. Wenn die Grüns wattig weich sind anstatt knallhart, wie sonst bei den US Open, platzieren die Profis ihre Bälle viel näher an die Fahnen. Und da die Grüns auf dem Bethpage Black nicht diabolisch gestaltet sind, kommen auf diese Weise einige Birdies zustande. Diese Vorausetzungen hat Woods heute fürs erste auch. Aber nicht, wenn die Himmelschleusen aufgehen. Zuviel Wasser produziert auf diesem Platz auch wieder Probleme. Das konnte man am Donnerstag sehen, als Brigaden von Helfern mit Wischroll-Geräten herumliefen, um die enormen Pfützen wegzubringen. Schafft also Tiger Woods überhaupt den Cut? Das ist die Frage des Tages. Martin Kaymer hat ein ähnliches Schicksal getroffen. Auch er muss sein Zwischenresultat verbessern. Auch er saß gestern den ganzen Tag herum.

Mehr zum Thema auf faz.net: "Spielen, bis ein Champion gefunden ist"

17. Juni 2009

Gal schafft US-Open-Qualifikation

Während die berühmte Michelle Wie zusammen mit der ebenfalls ziemlich berühmten Nathalie Gulbis die Qualifikation für die US Open der Frauen verpasst hat, erspielte sich die nicht halb so berühmte Sandra Gal die Spielberechtigung für das Prestigeturnier, das vom 9. bis 12. Juli in Bethlehem/Pennsylvania stattfindet.

Übrigens steht Martin Kaymer ab Donnerstag bei den US Open der Männer in Bethpage vor einer neuerlichen Bewährungsprobe. Ich werde das Turnier für die FAZ und den Züricher Tages-Anzeiger verfolgen. Vorberichte werden morgen in beiden Zeitungen erscheinen. Möglich, dass die Online-Ausgaben die Texte vorher bringen. Auf wen sollte man, abgesehen von Tiger Woods, achten? Auf Paul Casey und Henrik Stenson auf jeden Fall. Martin Kaymer hat zwar theoretisch viel zu bieten, um den schweren Platz in den Griff zu kriegen (an den ich mich noch gut anlässlich zweier vor ein paar Jahren selbst gespielter Runden erinnern kann). Aber man wird bei dem 24 Jahre alten Golfer noch immer nicht das Gefühl los, dass er mit zuviel Respekt an die Sache geht und sich aus der Perspektive an die schweren Plätze nähert, dass er dort ganz viel lernen will. Während Lernbereitschaft sicher eine schätzenswerte Tugend ist, zeigt sie sich im direkten Kampf gegen die Besten der Welt eher als hinderlich. Die Jungs mögen noch so zurückhaltend wirken. Sie haben alle keine Scheu. Vor nichts und niemandem.

Nachtrag: Die beiden angesprochenen Beiträge kann man inzwischen online lesen. Hier und hier.

25. August 2008

Witze beim Tennis: Wer lacht am letzten?

Wenn man liest, was sie in diesem Jahr aufgeboten haben, um eines der bedeutendsten Tennisturniere der Welt zu lancieren, fällt einem nichts mehr ein: Box-Promoter Don King bei einer Art von Wiegen mit Roger Federer und Rafael Nadal und eine Wrestling-Parodie für einen Werbespot, den man sich bei YouTube reinziehen kann. Was kommt als nächstes?

Hatten wir neulich nicht in Wimbledon eines der besten und spannendsten Tennisfinale aller Zeiten? Ach so, die allgegenwärtige Firma Nike ist verwickelt und bezahlt diesen Spaß – Titel Grapple in the Apple – mit dem einstigen Knacki Don King, der seine Boxer regelmäßig wirtschaftlich über den Tisch gezogen hat und berühmt ist für ein kreatives Idioten-Englisch und seine Beziehung zu Mike Tyson. Die Rolle der Ausrüsterfirma erklärt die Sache natürlich schon sehr viel besser. Denn die Marketing-Leute dieser Firma interessieren sich nicht für Tennis, sondern nur für den Verkauf von Paraphernalia. Das angesprochene Turnier, die US Open, hat übrigens heute angefangen.

via Awful Announcing

27. Juni 2008

Hauert: Tief im Keller

Bettina Hauert endete nach zwei Tagen bei den US Open am unteren Ende des Tableaus und dürfte den Trip nach Minnesota in die Akte "Außer Spesen nichts gewesen" einordnen. Die deutsche Profi-Golferin landete auf dem 143. Platz (von 156 Teilnehmerinnen) und befand sich unterhalb der Cut-Linie in guter Gesellschaft: Laura Davies, Natalie Gulbis, Sophie Gustafson, Juli Inkster, Carin Koch – alles Mitstreiter und Gegner aus dem Solheim-Cup – schieden ebenfalls aus. Die Veranstaltung könnte sich am Wochenende zu einer koreanischen Meisterschaft entwickeln. Von den 30 (in Worten: dreißig) Frauen aus Asien, die an den Start gegangen waren, flogen nur neun raus. Die im Klassement führende Angela Park stammt auch aus Korea ab, startet aber für Brasilien. Die aus Korea stammende Michelle Wie, die einen amerikanischen Pass hat, darf wie Hauert vorzeitig nach Hause fahren.

25. Juni 2008

Hauert ist nach Interlachen zumute

Die Golferin Bettina Hauert ist nicht gut in Form in diesem Jahr. Der Abwärtstrend begann beim Solheim-Cup, bestätigte sich bei einem Abstecher nach Kalifornien und setzte sich 2008 bei den Turnieren der LET (Ladies European Tour) fort. Wenn man dadurch vom Radarschirm rutscht, fällt natürlich auch keinem auf, dass die Frau aus Hagen bei den US Open antritt, eines der vier Majors für die Frauen. Die finden auf dem wunderschönen alten Platz des Interlachen Country Club in Edina/Minnesota statt. Hauert hatte sich im letzten Jahr qualifiziert - als Zweite auf der LET-Geldrangliste. Das ist lange her. Zur Zeit steht sie auf Platz 109.

16. Juni 2008

Nach dem Putt zum Patt: Montagsgolf in Torrey Pines

Gestern abend mussten einige kurzfristig ihre Flüge und und Hotels umbuchen. Tiger Woods hatte in Torrey Pines mit dem letzten Putt auf dem letzten Grün ein Stechen erzwungen. Und Stechen bei den US Open heißt: eine neue Runde am Montagmorgen über 18 Löcher mit den Spielern, die nach den regulären vier Runden gleichauf an der Spitze liegen. Die Pressekonferenzen der beiden hätten nicht unterschiedlicher verlaufen können. Erst kam Rocco Mediate an die Reihe, der schon an normalen Tagen so wirkt, als müsse man seinen Mund verkorken, um ihn abzuschalten, und der in einem Bad aus Euphorie schwamm, weil er direkt gegen den besten Golfer auf dem Planeten antreten kann. Dann der unterkühlte Woods, der erstmals mit der Frage konfrontiert wurde, ob sein linkes Knie nicht vielleicht auf immer im Eimer ist, aber auswich. Mediate und Woods spielen zur Zeit da draußen am Rand der Klippen nördlich von San Diego den amerikanischen Meister aus. Für Woods geht es um Major Nummer 14. Für Mediate um seine einzige und sicher letzte Chance, eines der bedeutendsten Turniere der Welt zu gewinnen. Vier Tage lang hat Rocco, der am Abschlag 30 Meter auf Woods verliert, so präzise gespielt, dass er sich Chancen auf einen Sieg ausrechnen durfte. Heute morgen fliegen die Bälle nicht mehr so gerade. Prognose? Schwer. Woods hat in den ersten vier Runden vor allem auf den ersten neun Löchern stark gespielt und nach hinten im Schnitt schwer gekämpft. Mediates bessere Hälfte kommt noch. Wenn es am Ende der Runde noch immer remis steht, gibt es ein Sudden-Death-Playoff.

15. Juni 2008

Kaymer: Neue Ziele nach dem Cut

Der nächste enorme Schritt auf der Karrierleiter für Martin Kaymer war der Cut am Freitag. Nachdem er das wichtigste Ziel dieser Reise geschafft hatte, fand er auch Samstag einen Weg, sich entspannt und konzentriert zugleich auf 18 schwierige und abwechslungsreiche Golflöcher einzustellen. US-Open-Plätze sind extrem schwer, was an der Mischung aus der Ur-Architektur und der Präparierung liegt. Der South Course von Torrey Pines, auf dem an normalen Tagen jeder Amateur spielen kann (für 45 Dollar Green Fee, wenn man in San Diego und Umgebung lebt), wurde vor ein paar Jahren von Rees Jones noch einmal gründlich überarbeitet. Ein Teil der Grüns wurde hochgepuffert und mit einem stärkeren Gefälle ausgelegt. Dazu kommen viele tiefe Bunker, ein Kragen aus hochstehenden Halmen und eine Grassorte für die Puttfläche, die unter den Metallspikes der Profis während einer Runde so sehr leidet, dass die Bälle am Abend bei den letzten schon mal holpern und hüpfen, statt sanft auf einer Linie zu rollen.

Das und die engen Fairways, die von einem Rough eingerahmt werden, das in drei Mähstufen auf Länge gehalten wird (je weiter weg von der Mittelachse desto tiefer), und ein bisweilen kräftiger Wind vom Pazifischen Ozean erhöhen noch den Schwierigkeitsgrad und belohnen vor allem jene Spieler, die vier Stunden lang bei jedem Schlag hochkonzentriert sind, die Bedingungen in jeder Ball-Lage richtig einschätzen und sich nicht von irgendwelchen Pannen aus der Ruhe bringen lassen. So schob Martin Kaymer am Samstag auf seiner dritten Runde auf den erstne beiden Grüns Par-Putts aus etwa einem Meter knapp am Loch vorbei und war den ganzen Tag lang nicht in der Lage, diese leichten Fehler auf der Scorekarte wieder wettzumachen. Er spielte eine 73 - zwei über Par.

Aber bei den US Open kämpft jeder mit Schwierigkeiten. Bogeys gehören zum Alltag. Und so rutschte Kaymer um drei Plätze in der Zwischenwertung nach oben - von 22 auf 19. Was eine neue interessante Zielvorgabe für die abschließende Runde von heute ins Visier brachte: Die besten 15 qualifizieren sich automatisch für das US Open des nächsten Jahres in Bethpage außerhalb von New York.

12. Juni 2008

Kaymer: "Keine Angst, nur Respekt"

Die US Open ist das dritte Turnier in diesem Jahr, bei dem Martin Kaymer auf die komplette Weltspitze trifft. Und das zweite nach dem Matchplay-Event in Tucson in Arizona, das hier aus nächster Nähe abgehandelt werden kann. Und ich meine: ganz nah. Eine Handvoll von akkreditierten Golfjournalisten erhalten bei Turnieren die sogenannte Inside-the-Ropes- Armbinde. Das heißt, sie müssen nicht hinter der Absperrung mit den Zuschauern um einen Spalt kämpfen, von dem aus sie etwas sehen. Sie marschieren innerhalb der Demarkation mit der Spielergruppe ihrer Wahl mit.

Als er in Tucson am Start war, habe ich auf dem Platz nur die beiden letzten Bahnen gesehen. Dann schied er aus. Wir haben uns anschließend wie geplant zum Interview zusammengesetzt. Das große Porträt erschien vor ein paar Wochen in der Zeitschrift Capital (nicht online). Die Radioversion lief im Deutschlandfunk. Diesmal wird er zumindest zwei Runden abwickeln. Die erste beginnt um 1:47 Uhr Ortszeit, also um 22:47 Uhr MEZ (Premiere überträgt live, wieviel sie von Kaymer bringen, ist von hier aus nicht abzuschätzen.)

Live-Bloggen wird es also nicht geben. Denn da draußen auf dem Platz gibt es keine WiFi-Anschlüsse, nur im Pressezentrum. Die Zusammenfassung des Tages wird dann am Samstag in der FAZ erscheinen, bei der im Moment online alles auf Fußball abgestellt ist. So lief der Vorbericht heute auch nur in der gedruckten Ausgabe. Schwerpunkt: die wachsende Belastung für den 23jährigen, der vor einem Monat nicht nach Florida zur Players Championship flog, weil er sich lieber eine Auszeit von der vielen Reiserei nach Amerika nehmen wollte. Seine Einschätzung von den US Open schickte er mir vor ein paar Tagen per E-Mail: "Das ist sehr, sehr schwer den Cut hier zu schaffen. Ein sehr gutes Teilnehmerfeld und ein schwerer Platz. Aber wie in Augusta habe ich keine Angst, nur Respekt."

26. August 2007

"In den Tiefen der Häuserschluchten wurlt es auf den Gehsteigen"

Wir haben hohen Besuch. Deutschsprachige Tennisbeschreiber sind eingeflogen und melden ihre ersten Eindrücke zurück an ihre Heimatredaktionen. Die Österreicher scheinen besonders fleißig und rechtschaffen impressioniert:
"US-Open zieht die Massen in den Bann, der Big Apple liegt im Tennis-Fieber." (Die Presse in Wien).
Dieses Fieber scheint vor allem die Besucher zu befallen, während die Ortsansässigen, ehrlich gesagt, einen ganz normalen coolen Eindruck machen.
"In den Tiefen der Häuserschluchten wurlt es auf den Gehsteigen wie bei einem Viehabtrieb. Auf den achtspurigen Avenues schieben sich die gelben Taxis begleitet von einem Höllenlärm nur langsam voran. Und die Schwüle lässt den Gestank der Großstadt noch unerträglicher erscheinen. Aber so ist New York eben - faszinierend!" (Kleine Zeitung, Graz)
Mal sehen, ob diese Faszination in den nächsten zwei Wochen sprachlich noch ein paar Zacken höher gedreht wird. Wahre Sportpoeten sollten nicht gleich am Anfang ihr Pulver verschießen.

17. Juni 2007

Cabrera gewinnt und darf jetzt ganz oft spielen

Wir werden Ángel Cabrera von jetzt ab noch öfter sehen. Ihn und diesen mächtigen, schweren Gang und dieses ovale Gesicht, auf dem das Lächeln so spontan und unmittelbar heraufzieht, als käme es von tief innen und nicht mechnisch von oben unterm Hut. Fünf Jahre hat der Argentinier jetzt erstmal automatisch Startberechtigungen bei den vier Majors (sogar zehn bei den US Open) und auf der PGA Tour - egal wie gut er spielt. Und alles nur, weil er die US Open gewonnen hat: in Oakmont, auf dem mutmaßlich schwersten Platz, den man im professionellen Golfsport den Spielern zumutet. Nichts gegen Carnoustie, wo der Tross der besten in ein paar Wochen bei den British Open Station macht. Das ist für die meisten ebenfalls eine enorme Nuss zu knacken. Aber solche Grüns gibt es dort nicht.