
Kurze Zeit später wurde über Pellman bekannt, dass er in seinem Lebenslauf ein paar zurechtgebogen hatte. So hatte er unterschlagen, dass er in Mexiko studiert hatte, und seine Rolle als Assistenzprofessor an einer medizinischen Hochschule geschönt. Damals hätten alle Ampeln angehen sollen, um Pellman den Abschied von seiner Hauptfunktion nahezulegen: seine Position als Teamarzt bei den New York Jets und den New York Islanders. Das ist jedoch noch immer nicht passiert. Nicht mal, nachdem er vor ein paar Tagen gezwungen wurde, als Vorsitzender eines Fachkomitees der National Football League für die Untersuchung der Folgen von Gehirnerschütterungen zurückzutreten.
Die Mühlen mahlen langsam. Immerhin scheint das Thema Gehirnerschütterungen in der NFL mehr emotionale Kraft zu entwickeln als Doping. Vor allem seitdem ein Neurologe in Pittsburgh den Selbstmord des 44jährigen ehemaligen NFL-Profis Andre Waters auf eine von zahlreichen Gehirnerschütterungen verursachten Depression zurückführte. Und seit ein Arzt von Ted Johnson, einem ehemaligen Linebacker der New England Patriots erklärt hatte, dass seine Gehirnerschütterungen der Grund für seine Depression und Ansätze zu Alzheimer sei.
Es besteht der Verdacht, dass Pellman und seine Kollegen die zu erwartenden gesundheitlichen Schäden wider besseres Wissen heruntergespielt haben. Bislang wurden Spieler regelmäßig nach schweren Kollisionen und sogar nach kurzen Augenblicken, in denen sie das Bewusstsein verloren hatten, wieder von ihren Trainern ins Spiel geschickt. In der NFL herrscht eine absolute Gladiatoren-Mentalität, die dafür sorgt, dass jeder Profi um seinen Platz in der Mannschaft fürchtet, wenn er sich in solchen Situationen weigert und seine Gesundheit höher einstuft. Spieler können jeder Zeit ihren Job verlieren und haben auch bei längerfristigen Verträgen keine Gehaltsgarantien, wie das etwa in der NBA oder der NHL üblich ist.
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