9. März 2009
Doping: Chambers erzählt, wie's war
Einer der gedopten Sportler aus Contes Kundenkreis, der britische Sprinter Dwain Chambers, hat inzwischen sein eigenes Buch publiziert und erzählt davon, wie er sich vollpumpte. Chambers wurde gesperrt und musste seine Siegprämien zurückzahlen. Am Wochenende in Turin wurde er Europameister in der Halle über 60 Meter. Aber der Fall geht in die zweite Runde. Chambers hat in dem Buch zugegeben, was ihn die Doping-Mast kostete: 30.000 Dollar im Jahr. Ein happiger Kostenansatz in der Kalkulation, aber wiederum nicht so hoch, als dass er sich angesichts der Erfolge nicht auch wirtschaftlich rechtfertigen ließe. Angeblich will der Internationale Leichtathletikverband IAAF sich noch mal mit der Akte Chambers beschäftigen.
2. März 2008
Dem Barry Bonds sein Protokoll
Man kann ganz bestimmt seine Zeit mit etwas Besserem verbringen als das Prokoll der stundenlangen Vernehmung eines Baseballprofis vor der Staatsanwaltschaft zu lesen. Aber wenn man wissen möchte, wie die Ermittler ticken und welche Details sie bei Ihrer Beschlagnahmeaktion im Doping-Supermarkt BALCO vor ein paar Jahren ausfindig machen konnten, sieht die Sache schon anders aus. Zumal dieses Protokoll bei zwei schwerwiegenden historischen Begleitumständen eine Rolle gespielt hat. Weil sie daraus zitiert hatten, ohne es zu dürfen, standen zwei Journalisten vor etwas mehr als einem Jahr mit einem Bein im Gefängnis. Und weil die Strafverfolgungsbehörden, glauben, dass der Protokollant sie damals im Rahmen der in diesem Papier festgehaltenen Vernehmung mehrfach angelogen hat, steht nun Barry Bonds mit einem Bein im Gefängnis.Dem bislang offiziell als Verschlusssache eingestuften Dokument wurde übrigens Ende der Woche von der Richterin, die den Prozess gegen Baseball-Profi Bonds leitet, offiziell der Schleier des Geheimnishaften genommen. Was Sinn macht. Denn wie sollte der anhängige Prozess öffentlich geführt werden, wenn das Ausgangsmaterial versiegelt bleibt?
Nachdem Marion Jones vor ein paar Wochen eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten erhielt, weil sie - unter anderem - die gleichen Staatsanwälte in ihren Bemühungen um eine Aufklärung der illegalen BALCO-Aktivitäten angelogen hatte, wartet Football-Profi Dana Stubblefield noch auf das Strafmaß. Er hatte im Januar zugegeben, nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Jedes Lügengebäude ist anders gezimmert. Manches besser, manches schlechter.
Barry Bonds zum Beispiel bestritt bei seiner Vernehmung nicht, Substanzen erhalten und benutzt zu haben. Er erklärte einfach standfest, dass er keine Ahnung hatte, um was es sich dabei handelte und dass er seinem Fitnesstrainer blind vertraute. Die Einlassung wirkt unglaubwürdig, ist aber schwer zu erschüttern, weil der besagte Fitnesstrainer sich weigert, Stellung zu nehmen, und lieber in Beugehaft ging, anstatt auszusagen. Aus diesem Verhalten lassen sich natürlich Schlüsse ziehen, aber keine rechtswirksamen Indizien ableiten, um Bonds zu verurteilen. Welche Beweismittel die Staatsanwaltschaft besitzt, um ihre Anklage wegen Meineid abzustützen, ist noch nicht bekannt. Der Prozess steckt noch in der ersten Phase.
Das Protokoll (als pdf-Datei abzurufen) ist 152 Seiten lang und nicht besonders erhellend. So gelingt es den Staatsanwälten zu keinem Zeitpunkt, den eitlen Bonds auch nur in die Enge zu treiben.
18. Januar 2008
Noch ein Profi gibt BALCO-Lügen zu: Stubblefield von den 49ers
11. Dezember 2007
Bonds und der Orthopäde
19. November 2007
Der Klingelbeutel: Meineid, Deineid, Seineid
Hinreichend bekannt unter Leuten, die den amerikanischen Sport verfolgen: Der Fluch, den jemand vefällt, wenn er auf dem Titel der Zeitschrift Sports Illustrated aufgetaucht ist. Und der Madden Curse, der etwas mit dem populären Football-Videospiel zu tun hat. Jetzt neu: Die geschäftsschädigende Wirkung der anspruchsvollen Zeitschrift The New Yorker, die neulich den mächtigen Baseball-Agenten Scott Boras in einem wirklich lebenswerten Porträt ausleuchtete. Der Autor hatte Zeit und Zugang. Nun feuerte der Pitcher Kenny Rogers Boras und beschloss, Vertragsserhandlungen alleine zu führen. Und auch sein prominentester Mandant - Alex Rodriguez oder auch A-Rod genannt - marschiert auf eigenen Wegen.
Das war kein gutes Wochenende für Boston: die Fußballer von New England Revolution haben die Meisterschaft verpasst. Und die bislang ungeschlagenen Celtics aus der NBA mussten die erste Niederlage hinnehmen. Angesichts der vorausgegangenen Erfolgsserien (noch intakt: der streak der Patriots in der NFL) und der Meisterschaft der Boston Red Sox werden plötzlich junge Republikaner ganz hibbelig. Einer glaubt: Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (war bisher Gouverneur in Massachusetts, davor Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele von Salt Lake City) habe demnach ebenfalls die besten Karten, um die Vorwahlen zu gewinnen, die im Januar beginnen. Kann schon sein. Der bislang populärste Konkurrent in seiner Partei, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, hat noch sehr viele Probleme vor sich. Und dass der angebliche lebenslange Yankees-Fan neulich erklärte, er halte den Red Sox bei der World Series die Daumen, hat seine Populariät auch nicht befördert. Dafür wurde er als eindeutiger Opportunist geoutet.
21. Oktober 2007
Beten und Dopen - das hormonelle Tandem
Es gibt Sportler, die wollen der Welt glauben machen, dass man durch Beten zu einem besseren Athleten werden kann. Das dürfte ungefähr genausogut funktionieren wie die Trainingstipps eines Schamanen oder eines Medizinmanns aus dem Busch. Obwohl. Das Wort Medizinmann bringt einen plötzlich auf Gedanken. Denn während Paul Byrd, der Pitcher der Cleveland Indians, der heute abend im siebten Spiel gegen die Boston Red Sox um den Einzug in die Word Series eingesetzt werden soll, seit Wochen so tut, als habe Beten etwas mit seinen anhaltenden Erfolgen zu tun (er hat sogar ein Buchmanuskript darüber geschrieben und es nett angepriesen), ist seit diesem Artikel im San Francisco Chronicle völlig klar, was für ein Medizinmann, seine Finger im Spiel hatte: Ein Zahnarzt in einer Anti-Alterungsspezialklinik in Florida, der die Rezepte ausstellte, mit deren Hilfe Byrd im Laufe der Zeit Wachstumshormone im Wert 25 000 Dollar erwarb. Der Pitcher hat bislang eine eigene Version zu dieser Geschichte parat, die an die alten Ausreden der vielen ertappten Dopingsünder erinnert. Angeblich hat er einen Tumor an der Hirnanhangdrüse. Und der Arzt habe Wachstumshormone verschrieben, um seinem Körper das zuzuführen, was er selbst nicht produziert.Die hübschen Kleinigkeiten der Geschichte machen sehr viel Vergnügen.
Blick zurück: Warum die Reporter dann doch nicht hinter Gittern mussten
4. Oktober 2007
Bonds, Bell, Schmidt, Harding - irgendwie miteinander verbunden
27. September 2007
Der Klingelbeutel: Rollen, Rauch und Revanche
Wenn man wie Michael Vick einer längeren Gefängnisstrafe entgegen sieht (wahrscheinlich gibt's noch Nachschlag im Rahmen eines Verfahrens des Staates Virginia), ist einem vermutlich irgendwann auch egal, dass man in der Zwischenzeit regelmäßig auf die Einnahme von verbotenen Substanzen untersucht wird. Ron Mexico mag also Marihuana. Wer hätte das gedacht?
Der Mann, der den von Barry Bonds bei seinem Rekord-Home-Run geschlagenen Ball ersteigert hat, hat sein Geld nicht umsonst ausgegeben. Das Artifakt wird mit einem Sternchen versehen (auf Englisch Asterisk), um so unterschwellig auf die Doping-Phase in der Karriere von Bonds hinzuweisen und damit den Wert der Bestleistung in Frage zu stellen. Und dann geht der Ball an die Hall of Fame in Cooperstown, damit jeder Anhänger der Sportart bei einem Besuch daran erinnert wird, dass Bonds ein Sportbetrüger war. Die Revanche des kleinen Mannes.
21. September 2007
San Francisco weist Barry Bonds die Tür
Barry Bonds hat am Donnerstag von den San Francisco Giants klaren Bescheid erhalten: Der umstrittenste Baseballprofi Amerikas wird ab der kommenden Saison nicht mehr gebraucht. Die kommerziellen Erwägungen dahinter leuchten ein. Das Theater um den Home-Run-Rekord brachte Zuschauer und geschäftliche Erträge. Alles, was jetzt noch kommt, falls Bonds wie angekündigt weiter macht, sind statistische Petitessen ohne Zugkraft. Man wird ihn vermutlich aber trotzdem hin und wieder in San Francisco sehen. Vor allem, wenn das laufen Ermittlungsverfahren wegen Meineidsverdacht im Nachgang der BALCO-Dopingaffäre in ein Prozess-Spektakel ersten Ranges mündet.
Blick zurück: Rekorde sind dafür da, gebrochen zu werden
Blick zurück: Die Enthüllungen über den Dopingfall Barry Bonds und die Probleme der Reporter, die beinahe im Gefängnis gelandet wären
8. August 2007
Ein kaputtes Spiel, bei dem Rekorde gebrochen werden
6. August 2007
Bonds nachgeliefert
31. Juli 2007
Barry Bonds: Warten auf Nummer 755
Zu Bonds wurde das wichtigste an anderer Stelle längst gesagt, zuletzt in einem Kommentar auf dem Sports Law Blog. Davor in Beiträgen zum Buch Game of Shadows und dem Schicksal seiner Autoren. Gegen Bonds ist weiterhin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Meineid anhängig, ein Resultat des Verfahrens gegen die BALCO-Doper, bei dem er ausgesagt hatte.
5. Juli 2007
BALCO produziert Champions...und Sträflinge
Wer könnte der geheimnisvolle Anbieter sein? Vermutlich BALCO-Besitzer Victor Conte, der nach seiner Gefängnistrafe wieder in einem alten Büro sitzt und neulich Fernsehleuten Interviews gab und dabei nicht nur seinen Bentley vor der Haustür stolz präsentierte, sondern auch eine Galerie von Memorabilia an den Wänden. Angeblich floriert sein Geschäft mit legalen Nahrungsergänzungsmitteln ganz enorm. Wer's glaubt, wird selig... (via WBRS Sports Blog)