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2. August 2010

Männer von der schnellen Truppe brauchen nur 15 Sekunden

An einem Tag wie heute, an dem mal wieder die Aktienkurse an Wall Street deutlich nach oben gezuckt sind, herrscht unter den Leuten, die durch solche Bewegungen ihren Kontostand aufbessern, gewöhnlich ziemlich gute Laune. Die Wirtschaft in unseren New Yorker Breiten hängt nämlich noch immer leicht beduselt in den Seilen. Aber es gibt Zeichen, dass zumindest in der Medienindustrie mit ihren gebeutelten Tagszeitungsverlagen wieder Schwung in die Geschäftemacherei kommt. Der unwiderstehliche Rupert Murdoch (über dessen Ambitionen mit dem Wall Street Journal ich vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk berichtet habe) interessiert sich für die Sickergrube namens Texas Rangers, wo der FC-Liverpool-Co-Eigentümer Tom Hicks, der auch in England nichts als Schulden produziert hat, das Geld anderer Leute verbrannt hat. Übrigens: Die Tage von Hicks am Mersey River scheinen gezählt. Nicht alle Schwätzer und Marodeure haben das Zeug, auf den Wellen des Kapitalismus zu reiten. Hicks wirkte schon länger wie ein Absturzkandidat.

Sagten wir reiten? Der New Yorker Sport-Blog Deadspin nimmt auf dem Parcours der sogenannten neuen Medien schon länger weder die Wörter "Sport" noch "Blog" wahnsinnig wichtig. Das hat unter anderem mit den Hauptpersonen zu tun. A. J. Daulerio, der Nachfolger von Will Leitch im Amt des Redaktionsleiters, ist ein lupenreiner Gossip-Voyeur – je schmuddeliger, desto lieber. Unter ihm wurden Interna aus dem Leben der Mitarbeiter der Mediengroßmacht ESPN zum ständigen Thema. Und so darf man sich nicht wundern, dass er heute 2000 Dollar für die Zusendung eines ganz bestimmten Fotos auslobte, das er gerne publizieren würde. Wohl wissend, dass die Veröffentlichung dieses Fotos den Traffic nach oben peitscht.

2000 Dollar Honorar sind in der Niedriglohn- und Selbstausbeutungswelt der Blogger eine stattliche Summe. Sie sind aber auch so etwas wie ein neue Marke. Der Preis für das nächste Foto von Belang wird vermutlich mehr kosten. Vielleicht sollte man kurz den Hintergrund zu diesem Vorgang ausleuchten, damit Menschen, die weder Deadspin verfolgen noch das außereheliche Sexualleben von berühmten katholischen College-Basketballtrainern, sich ein Bild machen können.

Hier also im Schweinsgalopp: Zur Zeit findet in Louisville/Kentucky ein Prozess statt, in dem eine 50-jährige Frau namens Karen Sypher auf der Anklagebank sitzt, weil die Staatsanwaltschaft den Eindruck gewonnen hat, sie habe versucht, den besagten Trainer Rick Pitino zu erpressen. Die Sache begann mit einem Quickie in einem Restaurant in Louisville im Jahr 2003, führte zu einer Abtreibung (keiner vermag zu sagen, wer tatsächlich der Vater war, Pitino erklärte im Zeugenstand en detail, dass er nach ganzen 15 Sekunden den Coitus abruptus praktiziert habe). Dann ging es weiter mit Syphers Hochzeit mit einem Assistenztrainer von Pitino, mit einer Scheidung, mit weiteren Affären, dem besagten Prozess gegen die gesichts- und wohl auch brustkosmetisch stark behandelte Frau, und in diesem Prozess kam es Beschreibung weiterer sexueller Handlungen. Das von Deadspin gesuchte Foto zeigt angeblich Sypher beim Fellatieren ihres Scheidungsanwalts, dem sie anschließend die Rechnung schuldig blieb. Auch der Anwalt hat inzwischen ausgesagt und die Fotos penibel beschrieben. Ach, ja, und nicht zu vergessen: Sypher hat sechs Jahre nach dem Quickie den Vorgang als Vergewaltigung bezeichnet. Ein massiver Vorwurf. Bei den Berichten über das Geschehen im Gerichtssaal ist übrigens der Blog kentuckysportsradio.com nicht zu schlagen. Dessen Berichterstattung stellt den Versuch, klassischer Medien in den Schatten, ihren Lesern die bizarren Abläufe zu erklären. Und sie ist allemal besser als die aufwiegelenden Juxereien von Deadspin, die nicht eine Spur leisten, um aufzuhellen, was die bürgerlichen Schichten von Louisville miteinander und gegeneinander treiben, wenn ihnen das Leben zu langweilig wird, sie Geld brauchen und wenn sie so tun, als sei Collegesport eine der unschuldigsten Abteilungen des Sportkommerzes.

Klingt alles ein bisschen klebrig und unübersichtlich. Zumal die Frage im Raum steht: Wieso ist Rick Pitino eigentlich immer noch der Trainer der Universität Louisville und damit in einer Position, in der er ständig mit einiger Autorität jungen Spielern den Hang riskanten Leben und zu Verstößen gegen gesellschaftliche Normen ausreden muss? Aber die Normen verschieben sich ganz langsam. Hochbezahlte Heuchler müssen nicht länger um ihre Jobs fürchten, wenn sie nur die richtige Miene zum schlechten Spiel machen.

Weshalb auch junge Basketballprofis, die allzu früh das College verlassen und sich vom ersten Geld einen schnellen Schlitten aus Untertürkheim kaufen, mit Bewährung davon kommen, wenn sie die Autobahn unsicher machen und dabei die doppelte der erlaubten Geschwindigkeit fahren. Immerhin kam für die Gosspip-Voyeure ein hübsches Video dabei heraus. Geschossen wurde es vor ein paar Wochen aus der Kanzel des Polizei-Hubschraubers, der Tyreke Evans von den Sacramento Kings verfolgt und auch noch die Festnahme aufnimmt (ein Motorrad-Polizist mit gezogener Waffe). Wer ist Tyreke Evans? Der Rookie des Jahres in der NBA und theoretisch ein guter Kandidat für das Team der Amerikaner bei der WM in der Türkei, die ohne einen einzigen Olympia-Teilnehmer antreten. Evans darf zu Hause bleiben.


Blick zurück: Hicks und das Ausmaß der Probleme in Texas und Liverpool
Blick zurück: Pitino im Zwielicht

15. Dezember 2009

Advent, Advent, die Doping-Kerze brennt

Weil die New York Times und die New York Daily News gestern abend im Wettbewerb miteinander das Thema nach ganz oben gezogen und mit sehr vielen Hintergrundinformationen ausgestattet haben, gehen kurz vor Weihnachten erstmals ein paar Kerzen an, die Einblick in eine noch nicht besonders gut ausgeleuchtete Zone des Dopings geben. Wir reden von Doping mit zentrifugiertem und angereichertem Eigenblut. Und von einem Mittel namens Actovegin, das man aus Kalbsblut gewinnt und das den Sauerstofftransport im Körper stimuliert. Und von Wachstumshormonen.

Das ganze Reden zielt ab auf eine neue Figur im Zentrum des von Medizinern unterfütterten Athleten-Komplotts: auf den kanadischen Arzt Dr. Anthony Galea. Die ausführliche Darstellung der ihm zur Last gelegten Vorwürfe, die ihm eine Festnahme und eine Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft in Toronto eingehandelt haben, findet man auf faz.net und am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen. Eine Zusammenfassung des aktuellen Wissensstands wird heute abend im Deutschlandfunk zu hören sein. Interessante und vielleicht auch pikante Note: Die Querverbindungen zwischen Galea, seinem Praxispartner in Kanada, einem Chiropraktiker und dessen einstige Beziehungen zu BALCOs-Doping-Bemühungen um den ehemaligen 100-Meter-Weltrekordler und Lebensgefährten von Marion Jones: Tim Montgomery. Der war übrigens der erste Athlet, der lange vor Claudia Pechstein auf der Basis von Indizien und ohne Geständnis und ohne Testresultate gesperrt wurde. Inzwischen sitzt er eine fünfjährige Strafe wegen Heroinhandel ab.

Man sollte zwar nicht gleich so etwas wie "guilt by association" kreieren. Weder was Tiger Woods betrifft, der ohnehin schon ziemlich tief in der Tinte sitzt, nachdem sich die ersten Sponsoren von ihm distanzieren, weil ihnen das Medienecho auf seine außerehelichen Eskapaden nicht gefällt. Noch was den Chiropraktiker Mark Lindsay angeht. Aber die Informationen daüber, wer eigentlich wen kennt und wer wen fit macht, sind wertvolle Hilfen, um das Koordinatensystem zu verstehen, in dem Sportler (und Doper) wandeln.

In dem Zusammenhang als Lektüre ebenso zu empfehlen: Neue Hinweise zur Wiener Blutbank und den Ermittlungen, die in alle Himmelsrichtungen zeigen – auch nach Norden. Thomas Kistner hat den letzten Stand für die Süddeutsche zusammengetragen.

24. August 2009

Fünf Jahre Gefängnis für Nowitzkis Ex

Die ehemalige Lebensgefährtin von Dirk Nowitzki ist heute in St. Charles im Bundesstaat Missouri zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Und alles nur, weil Cristal A. Taylor, inzwischen 38, seit Jahren gegen die Auflagen einer zu Bewährung ausgesetzten Haftstrafe verstoßen hatte, mit der sie aufgrund einer alten Geschichte zu tun hatte. Wann sie wieder herauskommt, ist noch nicht ganz klar. Ein Teil der neuen Strafe wird ihr angerechnet. Gute Führung hinter Gittern würde ihre eine weitere Ermäßigung bringen. In den Meldungen von der Urteilsverkündung wird erneut nicht verbindlich gesagt, ob Taylor tatsächlich schwanger ist, sondern nur spekuliert. Was Nowitzki und den möglichen Nachwuchs angeht, so hat sein Anwalt bereits für den Fall des Falles das alleinige Sorgerecht beantragt. Dass sich die Mama um den Säugling kümmern wird, ist aufgrund des heutigen Urteils schlichtweg ausgeschlossen.
Blick zurück: Nowitzki redet über seine privaten Probleme
Blick zurück: Kein bisschen Mitleid – Nowitzki kurioser Mangel an Interesse für die Frau, die er fast geheiratet hätte

18. August 2009

Käufmännisches Rechnen

Weshalb sich in deutschen Medien ziemlich stabil die Idee hält, dass ein ehemaliger Leichtathletik-Bundestrainer im Falle eines Prozesses, der ihm theoretisch 15 Jahre Gefängnis einhandeln kann, nur mit einem abgekürzten Nachnamen genannt werden darf, ist und bleibt ein Rätsel. Übereinstimmenden Berichten zufolge hat der Mann inzwischen sogar ein Geständnis abgelegt – und zwar über den hundertfachen sexuellen Missbrauch junger Menschen. Wir reden also nicht mehr von bloßen Anschuldigungen und Vorwürfen, die ein Angeklagter in einem Strafprozess bekanntlich theoretisch entkräften kann. Wir reden von einem Serientäter, der zugegeben hat, systematisch (und bis zu seiner Festnahme) ohne weitere Konsequenzen Kindern das Leben zur Hölle gemacht hat. Nicht irgendein Mensch in der Provinz war das. Sondern ein Mann auf der Lohnliste des Deutschen Leichtathletikverbandes. Ein Mann, der im Rahmen seiner Arbeit und seiner Rolle als Coach einen Weg fand, seine Opfer zum Schweigen zu bringen. Und dann noch das: "In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu", liest man bei SpOn.

Der Mann hat natürlich einen Namen. Er heißt nicht Ewald K., sondern Ewald Kaufmann. Er hat natürlich auch eine Biographie. Und er hat Spuren in der deutschen Presselandschaft hinterlassen, die man heutzutage immerhin im Internet finden und nachverfolgen kann. Ewald K. wurde er da nie genannt.

Hier zwei Links, die auf Berichte in der Süddeutschen Zeitung zurückgehen:
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-26_kaufmann.htm
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-11_talentschule.htm
Hier ein Foto, das nach Angaben der Leichathletik Coaching Academy jenen Mann zeigt, der sich vor Gericht eine Kladde vor den Kopf halten durfte, um sein Gesicht nicht in den Zeitungen wiederzufinden.

Die Frage, die einem angesichts solch einer frivolen Angst vor Bloßstellung einfällt, ist: Welches Interesse hat eine Gesellschaft daran, einen solchen Menschen nicht bloßzustellen? Wie weit reicht die Zurückhaltung, wenn doch deutsche Richter durchaus einen Unterschied machen:
"Dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit über schwere Straftaten kommt [...] im Rahmen der aktuellen Presseberichterstattung, also im unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Tat und einem Strafverfahren, der Vorrang gegenüber dem Persönlichkeitsrecht des Täters unter dem Gesichtspunkt des Anonymitätsinteresses, zu."

Wem dient aber die Anonymisierung? Und was bezweckt sie?

17. April 2009

Helio schrammt am Knast vorbei

Der brasilianische Automobilrennfahrer Helio Castroneves wurde gestern in Miami von schwerwiegenden Steuerbetrugsvorwürfen freigesprochen. Er und seine Schwester, die ihn als Manager berät, sowie sein Anwalt standen vor Gericht und mussten im Falle einer Verurteilung mit mehrjährigen Freiheitsstrafen rechnen. Das Finanzamt und die Staatsanwaltschaft hatten Castroneves und seinen Berater vorgeworfen, einen Dreh gefunden zu haben, wie sie einen erheblichen Teil des Honorars, das der ehemalige Indy-500-Sieger auf den Rennpisten in den USA verdient, mit Hilfe einer speziellen Zwischenfirma über die Niederlande widerrechtlich an der amerikanischen Steuer vorbeilavieren. Die Fernsehbilder zeigen einen Mann auf den Stufen des Gerichts, der seien Tränen der Erleichterung freien Lauf ließ. Knast ist offensichtlich nicht halb so attraktiv wie das lebensgefährliche Risiko auf dem Speedway.

3. Oktober 2008

Die Steuerfahndung ist langsam, aber wehe, wenn sie dich einholt

Ein paar Millionen hier, ein paar Millionen da. Und plötzlich reden wir über eine ordentliche Menge Geld. Leider reden wir in diesem Fall auch über eine ordentliche Strafe. Aber anders als im Fall Emig sind die Fronten völlig klar: Auf der einen Seite der brasilianische Automobilrennfahrer Hélio Castroneves, seine Schwester und sein Anwalt, auf der anderen die amerikanische Steuerbehörde. Dazwischen? Ein Gericht, das entscheiden wird, ob die drei im Zusammenhang mit den happigen Einnahmen des ehemaligen zweifachen Indy-500-Siegers einen happigen Fall von Steuerbetrug und mehrere Fälle von Steuerhinterziehung begangen haben. Castroneves lebt in Carol Gables, einer Villengegend von Miami, hatte aber offensichtlich ein paar Konstruktionen in Panama und den Niederlanden installiert, um das Geld im großen Stil am US-Finanzamt vorbei zu leiten. Im Zeitraum von drei Jahren soll er nur eine Million Dollar an Einnahmen in seinen Steuererklärungen angegeben haben. Mehr als 5 Millionen wanderten nach Auffassung der Steuerfahnder über andere Kanäle ins Ausland.

Das Besondere am Stand der Dinge: Normalerweise wird ein säumiger Steuerzahler nicht gleich vors Gericht gezerrt, sondern erhält die Gelegenheit, die Faktenlage noch einmal geradezurücken (was mit dem Nachzahlen von Steuern und empfindlichen Geldbußen einher geht). Castroneves scheint auf dem Standpunkt zu stehen, nicht gegen die Gesetze verstoßen zu haben. Beziehungsweise er scheint seine Verteidigung darauf aufzubauen, dass ihm seine Steuerberater ihn in diese missliche Lage gebracht haben. Es droht allen Angeklagten Gefängnis.

2. Oktober 2008

Doktor-Spiele

In fast jeder Moritat die unsereins interessiert, verbirgt sich irgendeine ganz besondere Ironie. Besonders bei Vergehen und Verbrechen der mittleren und oberen Schichten, die ja meistens nicht ganz spontan begangen werden, sondern mit Absicht, und auch nicht von unmittelbaren akuten Bedürfnissen ausgelöst werden wie, sagen mir mal, Mundraub. Aber soviel Ironie wie im Prozess gegen den diplomierten Sportlehrer und Fernsehjournalisten Dr. Jürgen Emig ist dann doch eher selten. Wie Jens Weinreich in einem Eintrag zur Urteilsnachricht schreibt, hat der soeben mit zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis belegte ehemalige Ressortleiter Sport des Hessischen Rundfunks seine Studienjahre mit dieser Doktorbeit abgeschlossen:
Barrieren eines investigativen Sportjournalismus – Eine empirische Untersuchung zu Bedingungen und Selektionskriterien beim Informationstransport.

Die Schrift hätte man in diesem Augenblick gerne zur Hand. Vor allem auch deshalb, weil ein Verweis auf der Open Library Webseite diesen Untertitel zitiert: "Informationsgenerierung über einen mehrstufigen journalistischen Selektions- und Entscheidungsprozess, dargestellt an der Hintergrundberichterstattung im Bereich des Sports". Es macht einen neugierig, weil man erfahren möchte, was der promovierende Jürgen Emig wusste, ehe er dann ins Leben ging, sich auf einen gut bezahlten Posten vorarbeitete und eine Frau zur Gattin nahm, die ihm "Selektionskriterien beim Informationstransport" vermittelte, an die er womöglich bei der Erstellung der Doktorarbeit noch gar nicht gedacht hatte.

Der Form halber wollen wir an dieser Stelle betonen, dass das Urteil gegen Dr. Emig noch nicht rechtskräftig ist, weshalb wir uns mit unseren Einschätzungen zum Sachverhalt zurückhalten wollen. Das Zitat aus der Schrift, das man hier finden kann, spricht eher für einen Autor, der das Thema Sportjournalismus ziemlich verquast gesehen hat. Oder vielleicht auch nur matt erleuchtet, wie man aus diesem Verweis entnehmen kann (Fußnote Nummer neun). Aber wohl soviel steht fest: Ohne den investigativ arbeitenden Journalisten Frank Thonicke aus Kassel wäre Emigs Arbeitsweise womöglich nie ans Tageslicht gekommen. Dessen Selektionskriterien beim Informationstransport hat Emig damals bei seiner Dissertation bestimmt nicht kommen sehen.

11. September 2008

Auch linke Titten haben Rechte

Vor ein paar Stunden haben amerikanische Staatsanwälte, die sich im Kampf gegen Doping im Sport und in den Bodybuilding-Studios des Landes schon sehr weit vorgerobbt hatten, einen herben Rückschlag erlitten. Da schlug der Richter im Verfahren gegen die Eigentümer und wichtigsten Mitarbeiter einer Apotheke in Orlando die Anklageschrift nieder, weil er mit der Vorgehensweise der Ermittler nicht einverstanden war. Die mögliche Folge: Die Figuren, die aus ihrer Apotheke eine Online-Drogenfabrik gemacht hatten und mit zahllosen Ärzten zusammenarbeiteten, die getürkte Rezepte ausstellten, um auf diese Weise den Anschein regulärer Verschreibungen aufrecht zu erhalten, kommen vom Haken, sie behalten das viele Geld, das sie mit ihren rechtswidrigen Geschäften verdient haben und können sich als Opfer der bösen Staatsgewalt gebärden.

Wie ist es nur möglich, vor allem angesichts der Tatsache, dass eine Reihe von Mittätern bereits Geständnisse abgelegt haben und sich bereit erklärt hatten, als Belastungszeugen auszusagen? Ganz einfach: Amerikas Rechtsverständnis, abgeleitet aus der Verfassung, macht es den Strafverfolgungsbehörden im Prinzip sehr schwer. Beweismittel, seien es Waffen oder Geständnise, die auf fragwürdige Weise besorgt wurden, können vom Richter als unzulässig eingestuft werden. Fehlerhaftes Verhalten der Anklagevertretung innerhalb des Verfahrens kann, wenn es auf Kosten des Angeklagten geht, den ganzen Prozess kippen. Auf der einen Seite heißt das: Jeder Kriminelle kann auf diese Weise, vorausgesetzt er hat einen klugen Anwalt hat, der ständig punktgenaue Anträge einreicht, davon kommen. Berühmtes Beispiel: O. J. Simpson. Auf der anderen Seite bedeutet es: die Behörden müssen sich wirklich Mühe geben und dürfen sich keine Fehler leisten. Der Staatsanwalt von Albany, den ich nicht um die Mehrarbeit beneide, die er auf sich genommen hat, hat immerhin noch eine Chance, den Karren aus dem Dreck und wieder auf die Straße zu ziehen. Er kann in die Berufung gehen. Hoffentlich hat er dann die besseren Argumente.

Mehr zu dem Umfang der Enthüllungen, die die 2007 durchgeführten Beschlagnahmeaktionen ans Tageslicht gebracht haben. Plus die Geschichte über den Selbstmord eines Apothekers in New York, der im Rahmen der gleichen Fahndungsaktion als Mega-Lieferant aufflog.

Blick zurück: Die Rapper, die als Kunden geoutet wurden
Blick zurück: Der erste Bericht über die Razzien

21. Mai 2008

Dem Redakteur ist nichts zu schwör

Es gibt Leute in der Medienbranche, die haben einen Hang zur Vorverurteilung. Sie wollen Klarheit und Eindeutigkeit. Und solche Wörter wie "mutmaßlich" oder "angeblich", "Verdacht" oder "Vorwurf" stehen ihnen dabei im Weg. Es gibt auch welche, die keine Ahnung haben. Und trotzdem geradewohl drauf los schreiben. Was meistens auf das gleiche herauskommt.

Aktuelles Beispiel: In San Francisco läuft ein Prozess gegen den Leichtathletik-Trainer Trevor Graham, der einen bemerkenswerten Kader an Sprintern betreut hat: Sie haben Medaillen gewonnen und Rekorde aufgestellt. Bis irgendwann.....

Marion Jones und Tim Montgomery, das einstige Liebespaar, landete vor Gericht. Sie sitzt im Gefängnis. Er muss noch. Ein weiterer Sprinter, Justin Gatlin, ist gesperrt. Alle drei sind über die Dopingbestimmungen gestolpert. Und alles nur weil sie so wie andere auch glaubten, die könnten das existierende System aus Urinkontrollen, Tests und Strafen austricksen.

Graham hat nach eigenen Angaben 2003 jene Injektionsspritze an das Doping-Labor in Los Angeles geschickt, in der sich das bis dahin noch nicht identifizierte THG befand, das ein gewisser Patrick Arnold in Illinois entwickelt hatte und ein gewisser Victor Conte über seine Firma BALCO unter dem Namen "the clear" unters Volk brachte. Das war eine gute Tat. Denn es war eine entscheidende Hilfe im Kampf gegen die Doping-Epidemie in der amerikanischen Leichtathletik.

Graham steht NICHT wegen Doping vor Gericht oder weil er allem Anschein nach den Stoff besorgt und verteilt hat, mit dem sich seine Sprinter aufpumpt haben. Die Ermittler, die ihn im Jahr 2004 vernommen haben, sicherten ihm etwas zu, was es im amerikanischen Strafrecht gibt, wo man viele Verfahren aus einem Tauziehen zwischen Anklagevertreter und Verteidiger bestehen und Zeugen mitunter Immunität, sprich Straffreiheit erhalten, damit sie mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Denn zur Aussage zwingen kann man in den USA niemanden. Einzige Bedingung in solchen Situationen: Sie müssen bei ihren Aussagen bei der Wahrheit bleiben.

Graham soll allerdings bei seiner Vernehmung gelogen haben (was er bestreitet) und dadurch die Behörden in ihrer Aufklärungsarbeit behindert haben. Das hat zu diesem Prozess geführt, in dem die Anklage auf uneidliche Falschaussage in drei Fällen lautet. Uneidlich, wohlgemerkt. Kein Meineid, wie Die Zeit online publiziert. Der Unterschied? Er ist so groß, dass es im deutschen Strafgesetzbuch dafür zwei unterschiedliche Paragraphen gibt: 153 und 154. Dazu kommt ein Rattenschwanz an Variablen und Abwägungen, jede schön in einen eigenen Paragraphen verpackt.

Unbedeutend? Ganz sicher nicht. Und in einem Prozessbericht aus Deutschland würde das sicher auch korrekt wiedergegeben. Aber diesmal geht um die USA. Und da nimmt man es schon mal bei der Übersetzung von relevanten Begriffen nicht so genau. Aber das ist noch nicht alles: Der Text beginnt mit einer hammerartigen Feststellung: "Die Beweislage ist eindeutig." Nicht "sieht eindeutig aus", "wirkt überwältigend", "dürfte schwer vom Tisch zu wischen sein". Nein glasklar: IST eindeutig. Was weiß der Autor, was wir nicht wissen? Oder ist er ein Meinungsmacher? Ein Kampagnenjournalist im Stil der BILD-Zeitung?

Der Autor redet dabei offensichtlich von den vielfältigen Dopinganschuldigungen an die Adresse von Graham (die er abstreitet). Von denen sind bereits vor dem Prozess eine ganze Reihe an die Öffentlichkeit gesickert. Aber Graham steht in San Francisco NICHT wegen Verstößen gegen das amerikanische Arzneimittelgesetz vor Gericht. Das heißt: Wenn es überhaupt um Beweislage geht, dann um die Frage: Kann ihm die Staatsanwaltschaft wirklich nachweisen, ob er gelogen hat? Der Nachweis muss so überzeugend sein, dass die Geschworenen "beyond a reasonable doubt" (jenseits eines jeden begründeten Zweifels) die Überzeugung gewonnen haben, dass die Vorwürfe stichhaltig sind. Und nicht nur das: Sie müssen bei ihren Beratungen zu einem einstimmigen Resultat kommen. Die Anklagevertreter brauchen ein 12:0 gegen Graham. Sonst gewinnt der Angeklagte den Prozess.

Weiß das der Autor? Weiß das der Online-Redakteur, der den Text beim Tagesspiegel abgegriffen hat, wo die Spur dann zum Mitarbeiter einer großen deutschen Nachrichtenagentur führt und mit etwas Googelei zu anderen Seiten, die alle bei diesem Falschmünzer-Spiel mitgemacht haben?

Trevor Graham muss damit rechnen, dass er im Gefängnis landet. Genauso wie die Bahnradsportlerin Tammy Thomas (die neulich als erste aus dem BALCO-Komplex einen Prozess riskierte und wegen Meineid (!) verurteilt wurde). Es kann sein, dass er gelogen hat. Aber das können wir auch noch schreiben, wenn die Geschworenen ihre Entscheidung bekannt gegeben haben.

2. März 2008

Dem Barry Bonds sein Protokoll

Man kann ganz bestimmt seine Zeit mit etwas Besserem verbringen als das Prokoll der stundenlangen Vernehmung eines Baseballprofis vor der Staatsanwaltschaft zu lesen. Aber wenn man wissen möchte, wie die Ermittler ticken und welche Details sie bei Ihrer Beschlagnahmeaktion im Doping-Supermarkt BALCO vor ein paar Jahren ausfindig machen konnten, sieht die Sache schon anders aus. Zumal dieses Protokoll bei zwei schwerwiegenden historischen Begleitumständen eine Rolle gespielt hat. Weil sie daraus zitiert hatten, ohne es zu dürfen, standen zwei Journalisten vor etwas mehr als einem Jahr mit einem Bein im Gefängnis. Und weil die Strafverfolgungsbehörden, glauben, dass der Protokollant sie damals im Rahmen der in diesem Papier festgehaltenen Vernehmung mehrfach angelogen hat, steht nun Barry Bonds mit einem Bein im Gefängnis.

Dem bislang offiziell als Verschlusssache eingestuften Dokument wurde übrigens Ende der Woche von der Richterin, die den Prozess gegen Baseball-Profi Bonds leitet, offiziell der Schleier des Geheimnishaften genommen. Was Sinn macht. Denn wie sollte der anhängige Prozess öffentlich geführt werden, wenn das Ausgangsmaterial versiegelt bleibt?

Nachdem Marion Jones vor ein paar Wochen eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten erhielt, weil sie - unter anderem - die gleichen Staatsanwälte in ihren Bemühungen um eine Aufklärung der illegalen BALCO-Aktivitäten angelogen hatte, wartet Football-Profi Dana Stubblefield noch auf das Strafmaß. Er hatte im Januar zugegeben, nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Jedes Lügengebäude ist anders gezimmert. Manches besser, manches schlechter.

Barry Bonds zum Beispiel bestritt bei seiner Vernehmung nicht, Substanzen erhalten und benutzt zu haben. Er erklärte einfach standfest, dass er keine Ahnung hatte, um was es sich dabei handelte und dass er seinem Fitnesstrainer blind vertraute. Die Einlassung wirkt unglaubwürdig, ist aber schwer zu erschüttern, weil der besagte Fitnesstrainer sich weigert, Stellung zu nehmen, und lieber in Beugehaft ging, anstatt auszusagen. Aus diesem Verhalten lassen sich natürlich Schlüsse ziehen, aber keine rechtswirksamen Indizien ableiten, um Bonds zu verurteilen. Welche Beweismittel die Staatsanwaltschaft besitzt, um ihre Anklage wegen Meineid abzustützen, ist noch nicht bekannt. Der Prozess steckt noch in der ersten Phase.

Das Protokoll (als pdf-Datei abzurufen) ist 152 Seiten lang und nicht besonders erhellend. So gelingt es den Staatsanwälten zu keinem Zeitpunkt, den eitlen Bonds auch nur in die Enge zu treiben.

12. Januar 2008

Es kann schon sein...

...dass der Chef vom Madison Square Garden doch noch die Geduld verliert, die er bisher mit Isiah Thomas in seiner Rolle als Manager und Trainer der New York Knicks hatte. Bloss wann?

...Dirk Nowitzki nie wieder Trompete spielt, vielleicht auch nie wieder wieder Scottie Pippen als Arschloch bezeichnet und nie wieder eine ausführliche Fernsehdokumentation mit einem Sender in Europa dreht, in der er soviel von seiner privaten Seite zeigt. Denn dieser Beitrag auf arte (auf YouTube in sieben Teilen) ist bereits vier Jahre alt. Und wenn überhaupt, dann ist er mit zunehmendem Erfolg noch zugeknöpfter geworden. Aber damals mit Till Brönner war das noch ganz anders (via Ball in Europe).

...dass Marion Jones demnächst als Zeugin der Anklage gegen ihren alten Trainer Trevor Graham aussagen wird. Weil ihr Prozess am Freitag mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten zu Ende ging, kann sie nicht mehr ihre Kooperation verweigern. Mehr über den Urteilsspruch morgen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

...dass Brett Favre noch eine Saison dranhängt. Mit 38 Jahren. Heute spielt er erst mal gegen seinen Ex-Coach Mike Holmgren und die Seahawks. Playoff-Time in der NFL. Wir sind gespannt.

...dass Glen Rice einfach zu keiner anderen Reaktion fähig war, als er den Geliebten seiner Gattin in einem Kleiderschrank vorfand. Obwohl: Es gibt da so einen Besitzstandskomplex, der durch zuviel Testosteron eher schlimmer wird. Dann zählt auch nicht mehr, dass man selbst und die Gattin ein ziemlich abgearbeitetes Verhältnis haben, das Richtung Scheidung driftet. Der Bericht sagt, dass der Mann ins Krankenhaus musste, wo eine Wunde, die ihm der ehemalige Basketballprofi zugefügt hatte, mit neun Stichen genäht werden musste. Schlecht für Rice. Das nennt man Körperverletzung. Und es ist strafbar.

...dass es keine bessere Lösung gab, als die letzten 51,8 Sekunden des Spiels Miami Heat gegen die Atlanta Hawks noch einmal neu zu spielen. Die Fehlentscheidung in Sachen Shaquille O'Neal, der fälschlicherweise wegen zu vieler Fouls gegen Ende des Matches in die Kabine geschickt wurde, war schließlich von einer spielentscheidenden Bedeutung. Es kann aber auch sein, dass einem unsereins diese dauernden Live-Übertragungen mit den Miami Heat im Fernsehen langsam zum Hals raushängen. Gestern war es das Match gegen die New Orleans Hornets. Kann nicht jemand mal den Programmplanern sagen, das es kaum eine Mannschaft in der NBA gibt, die schlechter spielt? Und dass wir gerne mal die Portland TrailBlazers sehen würden? Oder genießen die auch nach ihrer jüngsten Bilanz - 17 Siege in 19 Spielen im Dezember und Januar - noch immer keinen Respekt?

11. Dezember 2007

Bonds und der Orthopäde

Bei faz.net findet man heute einen Artikel über die rechtlichen Probleme von Barry Bonds, der gleichzeitig in der gedruckten Ausgabe erschienen ist. Bonds war am Freitag in San Francisco zu einem ersten Termin in seinem Meineid-Prozess im Gericht. In dem Text geht es es unter anderem darum, die Beweismittelsituation auszuloten. Wozu ein Promi-Orthopäde gehört, der den Baseballprofi seit Jahren betreut hat. Die Staatsanwaltschaft kann sich zu ihrem Bedauern nicht auf Aussagen des ehemaligen Fitnesstrainers stützen, der lieber die Beugehaft akzeptiert hat und ins Gefängnis gegangen ist, als Auskunft über die Doping-Beziehung zu geben. Falls Bonds ernst macht und das Verfahren bis zum Ende durchzieht (und nicht vorher einknickt und ähnlich wie BALCO-Chef Victor Conte oder Marion Jones eine Gefängnisstrafe akzeptiert), wird die Öffentlichkeit erstmals einen Blick auf das Panorama aus Akten, Bluttests und Kalendereintragungen werfen können, die im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmt wurden. Sie bilden bislang das Hauptgerüst für die Arbeit der Anklagevertretung.

3. Oktober 2007

Der geistige Erbruch vom Herrn Armstrong

Irgendwo genau zwischen den Augen unter hinter der Stirn muss eine Stelle in meinem Gehirn sitzen, an der die ganze Arschigkeit von Lance Armstrong noch jedes Mal einen Impuls auslöst, sobald der Mann nur den Mund aufmacht und die Nachricht über den geistigen Erbruch über den Bildschirm kommt. Es ist wahrscheinlich pathologisch. Denn eigentlich könnte einem ein Radrennfahrer aus Texas so was von egal sein. Genauso wie in jener Zeit, als er noch keinen Krebs hatte und noch nichts bei der Tour de France gewonnen hatte und noch nicht dieses Prinzip an den Tag legte, wonach seine Logik die verbindliche sei. Und ich meine Logik mit Anführungszeichen. Denn mit den Grundsätzen abendländischer Denkkultur hat das nur die Sprache und Grammatik gemein, nicht jedoch die Reflektion über Konstellationen wie Ursache und Wirkung, Wissenschaft und Forschung, und unser Rechtsverständnis, das sehr viel feinsinniger daher kommt, als sich das in dem Grundsatz manifestiert: im Zweifel für den Angeklagten.

Aber Armstrongs Logik hat Durchschlagskraft. Am Anfang konnte er behaupten, die negativen Tests seien Beweis dafür, dass er nicht dedopt war. Als Tests von altem eingefrorenen Urin belegten, dass er gedopt war, attackierte er den Modus des Verfahrens. Als ihm eine Versicherung mehrere Millionen Dollar schuldete, attackierte er im Zivilprozess die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die hinreichend Indizien für seine Vorgehensweise vorgebracht hatten, und einigte sich gütlich. Die Nebelkerzen seiner angeblichen Verleumdungsprozesse gegen Buchautoren in Europa sind alle abgebrannt. Der von ihm zum Extrem-Buhmann hochstilisierte Dick Pound von der Wada tritt ab. Was bleibt noch? Wie wär's mit einem ganz frischen Statement darüber, dass ein normales amerikanisches Zivilgericht mit Geschworenen, also etwa das, was gestern Knicks-Coach Isiah Thomas in New York verurteilt hat, dem Sportbetrüger Floyd Landis einen Freispruch besorgt hätte. Die damit verbundene Unterstellung: Ein Schiedsgerichtsverfahren wie das gegen Landis sei nicht fair: "Wenn du gegen jemandem ein Todesurteil verhängst, was sie hier im Grunde getan haben, dann kannst du keine schlampige Arbeit akzeptieren, was sie eindeutig getan haben."

Der Skandal besteht eigentlich darin, dass solch ein Unsinn auch noch von Associated Press verbreitet und nicht relativiert wird. Nichts an dem Schiedsgerichtsverfahren war fehlerhaft. Es basiert auf amerikanischen Rechtsnormen. Es wird in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft tagtäglich angewandt, solange sich die beiden streitenden Parteien auf diesen Regelungsmechanismus einigen können. Landis hat 2 Millionen Dollar für seine Verteidigung ausgegeben. Das einzige, was an dem Resultat nicht gepasst hat, war das....Resultat.

Armstrongs Absicht geht vermutlich in zwei Richtungen: Er will das existierende Antidoping-System desavouieren, weil es ihn ins Zwielicht gerückt hat. Und er will seinen Ex-Domestiken Landis öffentlich unterstützen, damit der nicht eines Tages doch noch auspackt und erzählt, wie es damals im Team von United Postal Service war. Denn Landis würde das helfen, weil er sich damit eine kürzere Sperre einhandeln könnte. Aber Armstrong wäre der Gelackmeierte. Aber sicher auch dann noch hätte Lance irgendetwas aufzubieten, um eine solche Enthüllung als Erfindung zu brandmarken. Hat man dem Mann damals bei der Tumoroperation frankensteinmäßig am Hirn herumgefummelt?

2. Oktober 2007

Knicks zu machen: Isiah verliert Prozess

Das Urteil im Prozess gegen Isiah Thomas und MSG Sports wird vermutlich heute gefällt. Es gab am Montag Anzeichen dafür, dass der Coach und General Manager der New York Knicks schuldig befunden wird. Die Geschworenen kommunizierten mit dem verhandlungsführenden Richter über den neunten und letzten Anklagepunkt, nachdem sie in den anderen acht bereits zu einer Entscheidung gekommen waren. Der letzte dreht sich nur um die Frage, ob Thomas erhöhte, (punitive) Schadensersatzgelder bezahlen soll.
Nachtrag: Das Urteil ist gesprochen. Details gibt es hier.
Blick zurück: Knicks-Mann Marbury und die Praktikantin
Blick zurück: Sexuelle Nötigung ist ein Delikt

25. September 2007

Marbury hat ein wirklich großes Herz für Praktikantinnen

Wer geglaubt hatte, die Praktikantin der New York Knicks, die sich damals von Basketballer Stephon Marbury zu einer kleinem Sexeinlage in sein Auto locken ließ, habe Mitleid verdient, der muss sich eines besseren belehren lassen. Ms. Kathleen Decker wurde wenig später vom Club-Management MSG Sports mit einem richtigen Job bedacht. Und nicht nur das. Vor sechs Wochen erhielt sie eine Beförderung. Was das mit ihrer Zeugenaussage im laufenden Prozess zu tun hat? Das wissen wir noch nicht. Aber Spekulationen sind erlaubt. Vielleicht macht man in einem Männerverein alter Prägung immer noch am besten auf die Decker-Tour Karriere. Jedenfalls nicht so wie Anucha Browne Sanders (Bild hier), die den Laden verklagt hat, weil sie nach einer internen Beschwerde wegen sexueller Nötigung ihren gut bezahlten Job verlor. Deckers Auftritt am Montag als Zeugin der Verteidigung warf aber auch ein schlechtes Licht auf die Klägerin. Das interessanteste Detail (denn die meisten bisher vor Gericht zitierten Protagonisten - Isiah Thomas, Chefmanager Steve Mills und Browne Sanders sind schwarz) : Decker ist weiß.

24. September 2007

Der Klingelbeutel: Becks to where he belongs?

Irgendjemandem muss aufgefallen sein, dass die Saison von Major League Soccer bald zu Ende ist und vor dem kommenden April nicht wieder beginnt. Und dann hat er sich gesagt: Da ist doch dieser Beckham. Und der hat doch bisher auch jeden Winter gespielt. Kann man den nicht nach England holen, wo er dann bei einem dieser Edelclubs trainiert? Wäre doch eine prima PR-Aktion. Und so kam das Gerücht in den Sunday Mirror, wonach Becks den Winter womöglich bei Arsenal verbringt.

Die Anklage lautet auf Körperverletzung und wird von Videoaufnahmen untermauert. Trotzdem hat sich Jose Offerman in Bridgeport im ersten Teil des Verfahrens für nicht schuldig erklärt. Sein Anwalt erklärte, er glaube nicht, dass sein Mandant irgendeinen der Gegner mit dem Baseball-Schläger getroffen habe. Im Oktober geht's in medias res.

Michael Vick wartet auf das Strafmaß. Aber das hält niemanden davon ab, das Haus zu besuchen, in dem er seine Kampfhunde hielt und umbrachte. Es ist zur Touristenattraktion geworden. Vermutung: Bald wird an Ort und Stelle der erste Hot-Dog-Stand aufmachen, und Leute werden T-Shirts verhökern.

9. April 2007

Ex-Weltrekordler Tim Montgomery: Nach Doping-Sperre nun Gefängnis

Als ob das was Neues wäre: Hin und wieder spielt einem die Erinnerung einen Streich. Kein Wunder, wenn man die Zahl der seit dem letzten Juli hier abgehandelten Themen addiert. Erst dachte ich, die Such-Funktion der Blogger-Software schummelt und streikt, als im Zusammenhang mit dem Namen Tim Montgomery nichts von seiner Verwicklung in einen Scheckbetrugsring hoch kam. Dann habe ich beim Blick ins Archiv der FAZ gesehen: Die Geschichte lief bereits im Mai 2006, eine Weile, ehe American Arena auf Kiel ging. Aber da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, dauerte es ein Jahr, bis sich wieder etwas Berichtenswertes tat. Here it is: Der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler und ehemalige Lebensgefährte der Sprinterin Marion Jones (und Vater eines gemeinsamen Kindes) hat sich in der Angelegenheit für schuldig erklärt und darf mit einer Gefängnisstrafe von drei Jahren plus rechnen. Sein ehemaliger Trainer Steven Riddick - Bild links - (noch immer der Betreuer von Frau Jones), der ebenfalls in die Angelegenheit verwickelt ist, will lieber den Prozess riskieren, während insgesamt acht Mitangeklagte bereits ihre Teilschuld eingestanden haben. Der Prozess beginnt morgen in New York und wird voraussichtlich drei Wochen dauern. Der Betrugsring soll nach Informationen der Strafverfolgungsbehörden mehr als zehn Mitglieder gehabt haben, die danach ein Betrugsvolumen von über 5 Millionen Dollar zu verantworten haben. Marion Jones soll ebenfalls einen dieser dubiosen, nicht gedeckten Schecks eingelöst haben. Und zwar über einen Betrag von 25.000 Dollar. Die Ermittler sahen jedoch davon ab, ihr irgendwelchen kriminellen Motive nachzuweisen. So wird sie auch nicht als Zeugin erwartet.