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25. Oktober 2009

Jetzt redet Trevor Graham

Die Weißwaschkampagne des ehemaligen Trainers von Marion Jones, Tim Montgomery und Justin Gatlin hat begonnen. New-York-Times-Reporter Duff Wilson durfte Trevor Graham in seinem Haus in Raleigh/North Carolina besuchen, wo er bis zum letzten Freitag als Teil seiner Strafe unter Hausarrest stand. Graham hatte eines die Kanüle mit jenem Stoff an ein Dopinglabor in Los Angeles geschickt, die das Ausmaß der bestens verschleierten Dopingaktivitäten der Firma BALCO dokumentierten. Der amerikanische Leichtathletikverband hat Graham auf Lebzeiten gesperrt. Angeblich trainiert er jedoch wieder Sportler. Welche das sind, wollte er der Zeitung nicht verraten. Nur soviel wollte er sagen: Natürlich hat er niemals niemandem Dopingmittel gegeben. Wer etwas anderes im Prozess gegen ihn gesagt hat, der habe gelogen. Graham gegen den Rest der Welt...
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9. März 2009

Doping: Chambers erzählt, wie's war

Nachdem in der vergangenen Woche der Meineid-Prozess gegen Barry Bonds auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, werden wir uns in Geduld üben müssen, wenn wir herausfinden wollen, wie es wirklich damals bei BALCO zuging. Auch das Buch von BALCO-Chef Victor Conte hängt noch in der Luft. Von ihm erhoffen wir uns noch ein paar hübsche Enthüllungen. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Bonds-Prozess wie das Horneberger Schießen ausgeht. Eines der Indizien sind die Signale aus Washington, wo mit Präsident Obama und seinem neuen Justizminister Eric Holder zwei Männer an der Steuerseilen sitzen, die in Sachen Doping nichts von der starken Hand des Staates halten. Dazu mehr in einem Radiobeitrag im Deutschlandfunk, der am Sonntag über den Sender ging.

Einer der gedopten Sportler aus Contes Kundenkreis, der britische Sprinter Dwain Chambers, hat inzwischen sein eigenes Buch publiziert und erzählt davon, wie er sich vollpumpte. Chambers wurde gesperrt und musste seine Siegprämien zurückzahlen. Am Wochenende in Turin wurde er Europameister in der Halle über 60 Meter. Aber der Fall geht in die zweite Runde. Chambers hat in dem Buch zugegeben, was ihn die Doping-Mast kostete: 30.000 Dollar im Jahr. Ein happiger Kostenansatz in der Kalkulation, aber wiederum nicht so hoch, als dass er sich angesichts der Erfolge nicht auch wirtschaftlich rechtfertigen ließe. Angeblich will der Internationale Leichtathletikverband IAAF sich noch mal mit der Akte Chambers beschäftigen.

29. Dezember 2008

Der Klingelbeutel: Wo sich die Balken biegen

• Ein paar Jahre, nachdem die NBA und die NFL ihren eigenen Fernsehkanal an den Start gebracht haben, kommt MLB Network. Ab dem 1. Januar. Und angeblich in 50 Millionen amerikanischen Haushalten. 1. Januar? Seit wann ist das ein wichtiger Termin im Baseball-Kalender?

• EPO und Anabolika im Boxen, was kaum jemand bestreiten würde, aber gerne unter den Teppich gekehrt wird. Diesmal fliegen wahrscheinlich sogar die Fetzen. Victor Conte, der einst als BALCO-Betreiber die erste und beste Adresse für dopende Sportler aus allen Disziplinen war, muss sich diesmal gegenüber Shane Mosley wehren. Vor Gericht.

• Wind im Winter produziert kuriose Bilder aus der Welt des Sports. Das Foto der Woche entstand in Buffalo, wo sich die Goalposts verbogen. Zuviel Wind.

9. Juli 2008

Schwimmen im Dunst

Die Fragezeichen um die Legitimität der Leistung von Dara Torres werden immer größer. In den Kommentaren zum Beitrag vom Montag stapeln sich die Hinweise, die alle den Verdacht erhärten, dass eine Frau mit 41 nicht schneller schwimmt als mit 21, wenn sie einfach immer nur fleißig trainiert und einen Stab von Masseuren beschäftigt. So ein Athletenkörper braucht mehr. Zum Beispiel illegale Substanzen. In den USA hat seit dem Ende der Trials in Omaha ein Eiertanz um die Frage begonnen: Dürfen und müssen wir als Journalisten jede ungewöhnliche Leistung anzweifeln? Brauchen wir nicht einen Rest an Naivität, um uns den Spaß am Sport zu erhalten? Und so was wird dann noch angereichert über dümmliche Beiträge wie den von Gwen Knapp im San Francisco Chronicle, wonach angeblich nur die Frauen im Sport stark in Verdacht geraten, Männer aber nur dann kritisch angegangen werden, wenn die Testresultate bereits vorliegen. Diesen Unsinn hat Steroid Nation auf hervorragende Weise ad absurdum geführt.

Was in diesem Zusammenhang zu erwähnen wäre, ist nicht nur die Tatsache, dass mit Amy van Dyken auch eine Schwimmerin als BALCO-Kundin enttarnt wurde (aber davon kam, weil sich die investigativen Journalisten auf andere Sportler konzentrierten). Es gibt da ein Zitat in der Washington Post aus dem Jahr 2004, dass einen aufhorchen lässt. Danach musste Dara Torres vor Sydney keinerlei Doping-Tests absolvieren, konnte sich also theoretisch ungestört ein schönes Fundament an Leistungsreserven einpfeifen, mit dem sie bei den Spielen stark genug war, um ein paar Medaillen einzufahren. Damals hat ihr eigener Trainer sich zwar über den Mangel an Tests beschwert, aber dass Trainer nicht allesamt sauber sind, wissen wir mittlerweile auch. Siehe der ehemalige Coach von Marion Jones und Justin Gatlin.

Der bislang größere Skandal ist allerdings, dass es keine Informationen über die Aussage von Amy van Dyken bei den BALCO-Ermittlungen gibt. Die kotzfreche Schwimmerin, die einst einer Gegnerin provokativ in die Bahn spuckte, um ihre Abneigung deutlich zu machen, war auch damals in San Francisco kein Freudenspender, als sie Journalisten vor dem Gerichtsgebäude, die sie nicht erkannten, ihren Namen nicht nennen wollte. So als habe sie etwas zu verheimlichen. Als dieser Name jetzt von Gary Hall im Rahmen seiner Tirade gegen Doping im Schwimmen genannt wurde, schoss sie giftig zurück: Vorwürfe, sie habe leistungssteigernde Mittel genommen, seien "verleumderisch, unerhört und entbehren jeder Grundlage". Nun würde man sich angesichts solcher Retourkutschen einen Zivilprozess wünschen, durch den die Öffentlichkeit endlich Akteneinsicht erhält. Vielleicht hat van Dyken ja den Mut, Hall zu verklagen.

21. Mai 2008

Dem Redakteur ist nichts zu schwör

Es gibt Leute in der Medienbranche, die haben einen Hang zur Vorverurteilung. Sie wollen Klarheit und Eindeutigkeit. Und solche Wörter wie "mutmaßlich" oder "angeblich", "Verdacht" oder "Vorwurf" stehen ihnen dabei im Weg. Es gibt auch welche, die keine Ahnung haben. Und trotzdem geradewohl drauf los schreiben. Was meistens auf das gleiche herauskommt.

Aktuelles Beispiel: In San Francisco läuft ein Prozess gegen den Leichtathletik-Trainer Trevor Graham, der einen bemerkenswerten Kader an Sprintern betreut hat: Sie haben Medaillen gewonnen und Rekorde aufgestellt. Bis irgendwann.....

Marion Jones und Tim Montgomery, das einstige Liebespaar, landete vor Gericht. Sie sitzt im Gefängnis. Er muss noch. Ein weiterer Sprinter, Justin Gatlin, ist gesperrt. Alle drei sind über die Dopingbestimmungen gestolpert. Und alles nur weil sie so wie andere auch glaubten, die könnten das existierende System aus Urinkontrollen, Tests und Strafen austricksen.

Graham hat nach eigenen Angaben 2003 jene Injektionsspritze an das Doping-Labor in Los Angeles geschickt, in der sich das bis dahin noch nicht identifizierte THG befand, das ein gewisser Patrick Arnold in Illinois entwickelt hatte und ein gewisser Victor Conte über seine Firma BALCO unter dem Namen "the clear" unters Volk brachte. Das war eine gute Tat. Denn es war eine entscheidende Hilfe im Kampf gegen die Doping-Epidemie in der amerikanischen Leichtathletik.

Graham steht NICHT wegen Doping vor Gericht oder weil er allem Anschein nach den Stoff besorgt und verteilt hat, mit dem sich seine Sprinter aufpumpt haben. Die Ermittler, die ihn im Jahr 2004 vernommen haben, sicherten ihm etwas zu, was es im amerikanischen Strafrecht gibt, wo man viele Verfahren aus einem Tauziehen zwischen Anklagevertreter und Verteidiger bestehen und Zeugen mitunter Immunität, sprich Straffreiheit erhalten, damit sie mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Denn zur Aussage zwingen kann man in den USA niemanden. Einzige Bedingung in solchen Situationen: Sie müssen bei ihren Aussagen bei der Wahrheit bleiben.

Graham soll allerdings bei seiner Vernehmung gelogen haben (was er bestreitet) und dadurch die Behörden in ihrer Aufklärungsarbeit behindert haben. Das hat zu diesem Prozess geführt, in dem die Anklage auf uneidliche Falschaussage in drei Fällen lautet. Uneidlich, wohlgemerkt. Kein Meineid, wie Die Zeit online publiziert. Der Unterschied? Er ist so groß, dass es im deutschen Strafgesetzbuch dafür zwei unterschiedliche Paragraphen gibt: 153 und 154. Dazu kommt ein Rattenschwanz an Variablen und Abwägungen, jede schön in einen eigenen Paragraphen verpackt.

Unbedeutend? Ganz sicher nicht. Und in einem Prozessbericht aus Deutschland würde das sicher auch korrekt wiedergegeben. Aber diesmal geht um die USA. Und da nimmt man es schon mal bei der Übersetzung von relevanten Begriffen nicht so genau. Aber das ist noch nicht alles: Der Text beginnt mit einer hammerartigen Feststellung: "Die Beweislage ist eindeutig." Nicht "sieht eindeutig aus", "wirkt überwältigend", "dürfte schwer vom Tisch zu wischen sein". Nein glasklar: IST eindeutig. Was weiß der Autor, was wir nicht wissen? Oder ist er ein Meinungsmacher? Ein Kampagnenjournalist im Stil der BILD-Zeitung?

Der Autor redet dabei offensichtlich von den vielfältigen Dopinganschuldigungen an die Adresse von Graham (die er abstreitet). Von denen sind bereits vor dem Prozess eine ganze Reihe an die Öffentlichkeit gesickert. Aber Graham steht in San Francisco NICHT wegen Verstößen gegen das amerikanische Arzneimittelgesetz vor Gericht. Das heißt: Wenn es überhaupt um Beweislage geht, dann um die Frage: Kann ihm die Staatsanwaltschaft wirklich nachweisen, ob er gelogen hat? Der Nachweis muss so überzeugend sein, dass die Geschworenen "beyond a reasonable doubt" (jenseits eines jeden begründeten Zweifels) die Überzeugung gewonnen haben, dass die Vorwürfe stichhaltig sind. Und nicht nur das: Sie müssen bei ihren Beratungen zu einem einstimmigen Resultat kommen. Die Anklagevertreter brauchen ein 12:0 gegen Graham. Sonst gewinnt der Angeklagte den Prozess.

Weiß das der Autor? Weiß das der Online-Redakteur, der den Text beim Tagesspiegel abgegriffen hat, wo die Spur dann zum Mitarbeiter einer großen deutschen Nachrichtenagentur führt und mit etwas Googelei zu anderen Seiten, die alle bei diesem Falschmünzer-Spiel mitgemacht haben?

Trevor Graham muss damit rechnen, dass er im Gefängnis landet. Genauso wie die Bahnradsportlerin Tammy Thomas (die neulich als erste aus dem BALCO-Komplex einen Prozess riskierte und wegen Meineid (!) verurteilt wurde). Es kann sein, dass er gelogen hat. Aber das können wir auch noch schreiben, wenn die Geschworenen ihre Entscheidung bekannt gegeben haben.

2. März 2008

Dem Barry Bonds sein Protokoll

Man kann ganz bestimmt seine Zeit mit etwas Besserem verbringen als das Prokoll der stundenlangen Vernehmung eines Baseballprofis vor der Staatsanwaltschaft zu lesen. Aber wenn man wissen möchte, wie die Ermittler ticken und welche Details sie bei Ihrer Beschlagnahmeaktion im Doping-Supermarkt BALCO vor ein paar Jahren ausfindig machen konnten, sieht die Sache schon anders aus. Zumal dieses Protokoll bei zwei schwerwiegenden historischen Begleitumständen eine Rolle gespielt hat. Weil sie daraus zitiert hatten, ohne es zu dürfen, standen zwei Journalisten vor etwas mehr als einem Jahr mit einem Bein im Gefängnis. Und weil die Strafverfolgungsbehörden, glauben, dass der Protokollant sie damals im Rahmen der in diesem Papier festgehaltenen Vernehmung mehrfach angelogen hat, steht nun Barry Bonds mit einem Bein im Gefängnis.

Dem bislang offiziell als Verschlusssache eingestuften Dokument wurde übrigens Ende der Woche von der Richterin, die den Prozess gegen Baseball-Profi Bonds leitet, offiziell der Schleier des Geheimnishaften genommen. Was Sinn macht. Denn wie sollte der anhängige Prozess öffentlich geführt werden, wenn das Ausgangsmaterial versiegelt bleibt?

Nachdem Marion Jones vor ein paar Wochen eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten erhielt, weil sie - unter anderem - die gleichen Staatsanwälte in ihren Bemühungen um eine Aufklärung der illegalen BALCO-Aktivitäten angelogen hatte, wartet Football-Profi Dana Stubblefield noch auf das Strafmaß. Er hatte im Januar zugegeben, nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Jedes Lügengebäude ist anders gezimmert. Manches besser, manches schlechter.

Barry Bonds zum Beispiel bestritt bei seiner Vernehmung nicht, Substanzen erhalten und benutzt zu haben. Er erklärte einfach standfest, dass er keine Ahnung hatte, um was es sich dabei handelte und dass er seinem Fitnesstrainer blind vertraute. Die Einlassung wirkt unglaubwürdig, ist aber schwer zu erschüttern, weil der besagte Fitnesstrainer sich weigert, Stellung zu nehmen, und lieber in Beugehaft ging, anstatt auszusagen. Aus diesem Verhalten lassen sich natürlich Schlüsse ziehen, aber keine rechtswirksamen Indizien ableiten, um Bonds zu verurteilen. Welche Beweismittel die Staatsanwaltschaft besitzt, um ihre Anklage wegen Meineid abzustützen, ist noch nicht bekannt. Der Prozess steckt noch in der ersten Phase.

Das Protokoll (als pdf-Datei abzurufen) ist 152 Seiten lang und nicht besonders erhellend. So gelingt es den Staatsanwälten zu keinem Zeitpunkt, den eitlen Bonds auch nur in die Enge zu treiben.

18. Januar 2008

Noch ein Profi gibt BALCO-Lügen zu: Stubblefield von den 49ers

Das wird langsam eine richtig interessante Liste. Nach Marion Jones, die im März für sechs Monate ins Gefängnis geht, hat nun der ehemalige Footballprofi Dana Stubblefield von den San Franciscoer 49ers zugegeben, dass er die BALCO-Ermittler verkohlen wollte, als sie ihn nach seinem Anabolika-Konsum gefragt haben. Das sieht für Barry Bonds nicht gut aus. Sein Fall hat zwar theoretisch nichts mit den anderen zu tun. Jeder lügt schließlich auf seine eigene Weise. Aber die Staatsanwälte dürften inzwischen sehr viel Routine darin haben, den ehemaligen Kunden von Victor Conte solange die Daumenschrauben zu zeigen, bis sie freiwillig ihre Geschichte korrigieren. Denn spätestens, wenn man begreift, dass sechs Monate so etwas wie das Supersondersparangebot bei Wal-Mart ist, eine Verurteilung jedoch drei bis fünf Jahre Haft nach sich ziehen kann, dürfte sich bei so manchem die Überlegung durchsetzen, dass eine Kooperation mit den Behörden keine so schlechte Idee ist.

11. Dezember 2007

Bonds und der Orthopäde

Bei faz.net findet man heute einen Artikel über die rechtlichen Probleme von Barry Bonds, der gleichzeitig in der gedruckten Ausgabe erschienen ist. Bonds war am Freitag in San Francisco zu einem ersten Termin in seinem Meineid-Prozess im Gericht. In dem Text geht es es unter anderem darum, die Beweismittelsituation auszuloten. Wozu ein Promi-Orthopäde gehört, der den Baseballprofi seit Jahren betreut hat. Die Staatsanwaltschaft kann sich zu ihrem Bedauern nicht auf Aussagen des ehemaligen Fitnesstrainers stützen, der lieber die Beugehaft akzeptiert hat und ins Gefängnis gegangen ist, als Auskunft über die Doping-Beziehung zu geben. Falls Bonds ernst macht und das Verfahren bis zum Ende durchzieht (und nicht vorher einknickt und ähnlich wie BALCO-Chef Victor Conte oder Marion Jones eine Gefängnisstrafe akzeptiert), wird die Öffentlichkeit erstmals einen Blick auf das Panorama aus Akten, Bluttests und Kalendereintragungen werfen können, die im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmt wurden. Sie bilden bislang das Hauptgerüst für die Arbeit der Anklagevertretung.

19. November 2007

Der Klingelbeutel: Meineid, Deineid, Seineid

Nachdem die Staatsanwaltschaft von San Francisco Anklage gegen den Baseballprofi Barry Bonds wegen Meineid erhoben hat, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf den Ermittler zu richten, der seit mehreren Jahren den BALCO-Fall auf allen Haupt- und Nebengeleisen vorangetrieben hat. Da wir das bereits im Jahre 2004 in der FAZ getan haben, fällt es etwas schwer, das alles noch mal zu wiederholen. Also hier dann ein Blick auf die aktuelle Geschichte in der New York Times. Sie bringt ein seltendes Foto von jenem Strafverfolger, der Marion Jones und Victor Conte und vielen anderen unerbittlich nachgesetzt hat.

Hinreichend bekannt unter Leuten, die den amerikanischen Sport verfolgen: Der Fluch, den jemand vefällt, wenn er auf dem Titel der Zeitschrift Sports Illustrated aufgetaucht ist. Und der Madden Curse, der etwas mit dem populären Football-Videospiel zu tun hat. Jetzt neu: Die geschäftsschädigende Wirkung der anspruchsvollen Zeitschrift The New Yorker, die neulich den mächtigen Baseball-Agenten Scott Boras in einem wirklich lebenswerten Porträt ausleuchtete. Der Autor hatte Zeit und Zugang. Nun feuerte der Pitcher Kenny Rogers Boras und beschloss, Vertragsserhandlungen alleine zu führen. Und auch sein prominentester Mandant - Alex Rodriguez oder auch A-Rod genannt - marschiert auf eigenen Wegen.

Das war kein gutes Wochenende für Boston: die Fußballer von New England Revolution haben die Meisterschaft verpasst. Und die bislang ungeschlagenen Celtics aus der NBA mussten die erste Niederlage hinnehmen. Angesichts der vorausgegangenen Erfolgsserien (noch intakt: der streak der Patriots in der NFL) und der Meisterschaft der Boston Red Sox werden plötzlich junge Republikaner ganz hibbelig. Einer glaubt: Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (war bisher Gouverneur in Massachusetts, davor Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele von Salt Lake City) habe demnach ebenfalls die besten Karten, um die Vorwahlen zu gewinnen, die im Januar beginnen. Kann schon sein. Der bislang populärste Konkurrent in seiner Partei, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, hat noch sehr viele Probleme vor sich. Und dass der angebliche lebenslange Yankees-Fan neulich erklärte, er halte den Red Sox bei der World Series die Daumen, hat seine Populariät auch nicht befördert. Dafür wurde er als eindeutiger Opportunist geoutet.

21. Oktober 2007

Beten und Dopen - das hormonelle Tandem

Es gibt Sportler, die wollen der Welt glauben machen, dass man durch Beten zu einem besseren Athleten werden kann. Das dürfte ungefähr genausogut funktionieren wie die Trainingstipps eines Schamanen oder eines Medizinmanns aus dem Busch. Obwohl. Das Wort Medizinmann bringt einen plötzlich auf Gedanken. Denn während Paul Byrd, der Pitcher der Cleveland Indians, der heute abend im siebten Spiel gegen die Boston Red Sox um den Einzug in die Word Series eingesetzt werden soll, seit Wochen so tut, als habe Beten etwas mit seinen anhaltenden Erfolgen zu tun (er hat sogar ein Buchmanuskript darüber geschrieben und es nett angepriesen), ist seit diesem Artikel im San Francisco Chronicle völlig klar, was für ein Medizinmann, seine Finger im Spiel hatte: Ein Zahnarzt in einer Anti-Alterungsspezialklinik in Florida, der die Rezepte ausstellte, mit deren Hilfe Byrd im Laufe der Zeit Wachstumshormone im Wert 25 000 Dollar erwarb. Der Pitcher hat bislang eine eigene Version zu dieser Geschichte parat, die an die alten Ausreden der vielen ertappten Dopingsünder erinnert. Angeblich hat er einen Tumor an der Hirnanhangdrüse. Und der Arzt habe Wachstumshormone verschrieben, um seinem Körper das zuzuführen, was er selbst nicht produziert.

Die hübschen Kleinigkeiten der Geschichte machen sehr viel Vergnügen. So hörte Byrd mit dem Einkauf auf, als Major League Soccer 2005 die Substanz offiziell auf die Dopingliste setzte. Die Indiskretion entsprang den gleichen Ermittlungen, die vor ein paar Monaten ruchbar wurden und bereits mehrere Sportler als schwere Dopingkonsumenten entlarvt haben. Die besondere Kuriosität an der Enthüllung von heute sind die Namen der beiden Autoren Mark Fainaru-Wada und Lance Williams, die das Buch Game of Shadows geschrieben hatten, in den versiegelte Informationen aus den Ermittlungen des BALCO-Skandals enthalten sind. Ihre investigative Arbeit hätte sie beinahe ins Gefängnis gebracht.
Blick zurück: Warum die Reporter dann doch nicht hinter Gittern mussten

4. Oktober 2007

Bonds, Bell, Schmidt, Harding - irgendwie miteinander verbunden

In den nächsten Tagen werden in den USA nicht nur die Baseball-Playoffs abgewickelt, sondern es bricht eine Orgie an schlüpfrigen Details über Barry Bonds und seine ehemalige Geliebte über uns herein, die der amerikanische Playboy als Cover-Girl verpflichtet hat. Das ist die Dame, die vor Gericht bezeugen kann, dass der in den BALCO-Skandal verwickelte Home-Run-König illegale leistungsfördernde Mittel genommen hat (und dass ihm dadurch eine Hodenschrumpfung widerfuhr). So weit so normal. Nun kommt die Pointe: Kimberly Dell ließ sich bei den Vertragsverhandlungen mit dem Magazin von einem gewissen David Hans Schmidt aus Phoenix vertreten, der in den letzten Jahren immer wieder als Zwischenhändler an Wegkreuzung zwischen Porno und Prominenten agierte. Das Geld, das er einnahm, ist weg. Schmidt ist auch weg. Und zwar so was von weg. Er nahm sich am Freitag in seinem Badezimmer mit einem Ledergürtel das Leben. Nicht wegen Bell, sondern wegen einer Geschichte mit Tom Cruise, bei der er sich eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren eingehandelt hatte. Der Schauspieler, der nicht lange fackelt, wenn ihm etwas in die Quere kommt (und wir reden hier nicht von jenem legendären getürkten Interview in einem deutschen Magazin, obwohl das auch ganz gut hierhin passen würde), war nicht damit einverstanden, dass ihn Schmidt mit Hilfe von unrechtmässig erworbenen Hochzeitsphotos zu erpressen versuchte. Schmidts Ruhm entstand vor ein paar Jahren, als er das Tonya-Harding-Wedding-Video in die Finger bekam, das sie mit ihrem damaligen Ehemann zeigt.

21. September 2007

San Francisco weist Barry Bonds die Tür

Barry Bonds hat am Donnerstag von den San Francisco Giants klaren Bescheid erhalten: Der umstrittenste Baseballprofi Amerikas wird ab der kommenden Saison nicht mehr gebraucht. Die kommerziellen Erwägungen dahinter leuchten ein. Das Theater um den Home-Run-Rekord brachte Zuschauer und geschäftliche Erträge. Alles, was jetzt noch kommt, falls Bonds wie angekündigt weiter macht, sind statistische Petitessen ohne Zugkraft. Man wird ihn vermutlich aber trotzdem hin und wieder in San Francisco sehen. Vor allem, wenn das laufen Ermittlungsverfahren wegen Meineidsverdacht im Nachgang der BALCO-Dopingaffäre in ein Prozess-Spektakel ersten Ranges mündet.
Blick zurück: Rekorde sind dafür da, gebrochen zu werden
Blick zurück: Die Enthüllungen über den Dopingfall Barry Bonds und die Probleme der Reporter, die beinahe im Gefängnis gelandet wären

5. Juli 2007

BALCO produziert Champions...und Sträflinge

Es muss einen Grund geben, weshalb noch niemand bei ebay auch nur ein Gebot abgegeben hat, um dieses wunderbare Poster mit der Signatur von Barry Bonds zu erwerben. Was wird es sein? Zweifel an der Authentizität? Sorge vor einem Preisverfall? Ethik und Moral angesichts eines Sportlers, der den Gebrauch von Anabolika damit erklärt, dass ihm sein Fitness-Trainer BALCO-Produkte gegeben hat, sie aber als harmlose und erlaubte Mittel deklarierte? Der Anbieter verlangt 10.000 Dollar, was angesichts des Marktes für Sportsmemorabilia in den USA nicht vermessen klingt.

Wer könnte der geheimnisvolle Anbieter sein? Vermutlich BALCO-Besitzer Victor Conte, der nach seiner Gefängnistrafe wieder in einem alten Büro sitzt und neulich Fernsehleuten Interviews gab und dabei nicht nur seinen Bentley vor der Haustür stolz präsentierte, sondern auch eine Galerie von Memorabilia an den Wänden. Angeblich floriert sein Geschäft mit legalen Nahrungsergänzungsmitteln ganz enorm. Wer's glaubt, wird selig... (via WBRS Sports Blog)

20. Mai 2007

Doping: Giambi hat ein schlechtes Gewissen

Seit ein paar Jahren ribbelt sich der warme dicke Pullover auf, den man sich in den USA gestrickt hat, um den Dopingskandal zu verhüllen, der die ganze Bigotterie des Mythos vom amerikanischen Sport auf den Punkt bringt. Im Zweifel war das Publikum meistens für den Angeklagten, a.k.a "die arme Sau", die erwischt wurde. So wie man auf der Straße in Manhattan erst mal unwillkürlich den Mitmenschen zur Seite springen will, wenn ihn die Polizei am Wickel hat. Wir mögen keine Polizisten. Im Zweifel war das Publikum auch eher für nicht groß nachfragen, lieber wegschauen, für "was ist das Problem?" Betrügen nicht alle irgendwann ein bisschen, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen?

Vor ein paar Tagen müsste ein gewisser Jason Giambi, Baseballprofi in Diensten der New York Yankees, den letzten die Augen geöffnet haben, um was beim Doping geht. Nicht um arme Säue, sondern um reiche. Nicht um kleine Vorteile, sondern um große Verträge. Jason Giambi will zwar inzwischen zumindest ein bisschen sein schlechtes Gewissen los werden, aber nicht die 120 Millionen Dollar, die ihm die Hilfe aus dem Hause BALCO bei den Verhandlungen 2001 mit den Yankees eingebracht hat. Giambi war einer der Kunden von Victor Conte. Einer der Zeugen bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Einer, der eine verworrene Entschuldigungslitanei von sich gab, ohne sagen zu wollen, um was es sich handelt. Einer, der sich wundert, ob sein gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse durch seinen Drogenkonsum verursacht wurde.

Am Samstag saß Floyd Landis zum ersten Mal im Zeugenstuhl bei seiner Anhörung in Malibu und bestritt alles. Wahrscheinlich hätte er auch bestritten, dass Luft in den Reifen ist, wenn er sich davon etwas versprochen hätte. Am Montag ist Kreuzverhör. Dann wird die Usada das Unmögliche versuchen: einen Mann, der es faustdick hinter den Ohren hat und der hundert seiner Artgenossen in den Alpen das Gesäß gezeigt hat, von vorne anzufassen. Dorthin, wo's weh tut. Ich muss gestehen, das würde ich mir gerne aus der Nähe anschauen. Vielleicht klappt's beim nächsten Mal.

Nachtrag: Noch ist es reine Spekulation. Aber nach einer Meldung der New York Daily News versuchen die Yankees den Vertrag mit Giambi zu kippen. Das wäre eine interessante Wendung der Ereignisse.

27. April 2007

Doping im Baseball: Endlich Licht im Dunklen

Das Bild einer dopingverseuchten Baseball-Liga wird konkreter und deutlicher: Ein ehemaliger Bat Boy der New York Mets hat im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft gestanden, jahrzehntelang Spielern illegale Mittel besorgt und verkauft zu haben. Einige der Profis stehen noch immer in der Liga in Lohn und Brot. Wie weit die Angelegenheit gediehen ist beschreibt die New York Times. Für alle, die nicht wissen können, was ein Bat Boy ist: Er arbeitet traditionell als Geh-mal-mach-mal-tu-mal-Assi in der Umkleidekabine und auf dem Spielfeld, wo er tatsächlich den Baseballschläger einsammelt, wenn der Batter ihn vor dem Antritt zum Lauf zur ersten Base hinter sich/neben sich fallen lässt. Unser Junge heißt Kirk Radomski, ist inzwischen 37 und zwar zwischen 1985 und 1995 bei den Mets im Einsatz. In den zehn Jahren danach sattelte er um: Er besorgte Anabolika, Amphetamine, Wachtumshormone und hinterzog das Geld der Steuer. Dafür drohen ihm jetzt bis zu 25 Jahre Gefängnis. Sein Geständnis wird allerdings dafür sorgen, dass er relativ leicht vom Haken kommt.

Die Namen seiner Kunden wurden von den Ermittlungsbehörden bislang nicht genannt. Die Spur zu ihm scheinen die Strafverfolger im Rahmen ihrer Arbeit im BALCO-Verfahren gefunden haben. Dafür spricht, dass Jeff Novitzky, der schon in Kalifornien die treibende Kraft war, auch hier involviert ist.

BALCOs Nummer eins Victor Conte konzentriert sich, nach abgesessener Gefängisstrafe, mittlerweile in seinem alten Büro wieder auf das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln. Die Einnahmen scheinen zu sprudeln. Vor seiner Tür stand neulich ein Bentley.

15. Februar 2007

BALCO-Reporter müssen nicht ins Gefängnis: Ihr Informant hat gestanden

Die beiden Journalisten, denen wir die vielen Informationen über den größten Dopingskandal in der Geschichte des amerikanischen Sports verdanken, müssen nun doch nicht ins Gefängnis. Lance Williams und Mark Fainaru-Wada vom San Francisco Chronicle, die später das Buch Game of Shadows geschrieben hatten, waren in Schwierigkeiten geraten, weil ihre wichtigsten Enthüllungen aus Protokollen von richterlich versiegelten staatsanwaltlichen Vernehmungen von bekannten Sportlern wie Baseball-Profi Barry Bonds und Sprinter Tim Montgomery im BALCO-Verfahren stammten. Niemand hatte den Wahrheitsgehalts ihrer Berichte bestritten. Das einzige Problem: Die Auswertung der Zeugenaussagen in der Öffentlichkeit war vom Gericht ausdrücklich verboten worden. Und die beiden Reporter verweigerten gegenüber den Ermittlern, die die Umstände dieser Enthüllung aufklären sollten, die Aussage. Daraufhin sollten sie eigentlich wegen Missachtung des Gerichts auf unbestimmte Zeit hinter Gittern, reichten aber gegen diese Entscheidung Berufung ein, was aufschiebende Wirkung hatte.

Gestern meldete der San Francisco Chronicle, dass einer der Verteidiger im BALCO-Prozess zugegeben hat, dass er den Journalisten Zugang zu den Protokollen gestattete. Die Konsequenzen für ihn dürften erheblich sind, insbesondere nachdem er zuvor unter Eid exakt dies bestritten hatte. Das Geständnis ist Teil einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft, die ausdrücklich erwähnt, dass die Strafverfolgungsbehörden kein weiteres Interesse an einer Aussage der Reporter haben.

Troy Ellerman, der anfänglich BALCO-Chef Victor Conte vertreten hatte und später einen Mitangeklagten, muss mit zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 250 000 Dollar rechnen. Er dürfte mit Sicherheit seine Zulassung als Anwalt verlieren.
Blick zurück: Der erste Beitrag über den Fall im letzten Juli und eine aktuellere Nachricht im August

1. November 2006

Doping-Coach Graham wird angeklagt

Vom BALCO-Skandal und seinen späten Auswirkungen war hier schon häufiger die Rede. Auch von Trevor Graham, einst der Trainer der Sprinter Marion Jones und Tim Montgomery. Zuletzt der Betreuer von Justin Gatlin. Ein Mann, der einen traurigen Rekord hält: Keiner hatte eine so große Dopergemeinde unter seinen Fittichen. Er war der lange Zeit unbekannte Coach, der eine Kanüle mit THG anonym in einem Labor abliefern ließ, wodurch die lange Zeit praktizierte doppelte Moral in der amerikanischen Leichtathletik entlarvt werden konnte.

Nun kommt der Bumerang zurück: Trevor Graham wird in San Francisco am Donnerstag eine Anklage wegen uneidlicher Falschaussage und Behinderung von staatsanwaltlichen Ermittlungen serviert werden. Das berichtet AP (via yahoo)
Blick zurück: Die Vertragskündigung von Nike
Blick zurück: Graham unterzieht sich einem Lügendetektortest
Blick zurück: Hausverbot vom Olympischen Komitee
Blick zurück: Die Geschichte vom beschuldigten Gatlin-Masseur

4. August 2006

THG-Designer muss in Gefängnis

Im Dezember 2004 dämmerte vielen, wer hinter dem chemischen Designer-Cocktail namens THG steckt, der für einen Teil der BALCO-Kundschaft das Leistungsplus bedeutete. Ich schrieb damals für die FAZ unter der Überschrift "Mast und Mysterium" über den Mann:
"Von allen Jobs in der Kette zwischen Erzeuger und Verbraucher von Nahrungsergänzungsmitteln für Bodybuilder und Freizeitsportler hat Patrick Arnold den schwersten. Er muß Chemiker sein, um in die unendliche Tiefe des atomaren Raums steigen zu können und zu wissen, welche Moleküle sich auf welche Weise miteinander vertragen. Er muß Manager sein, um kompetente Labors zu finden, die die Wirkstoffe zuverlässig in feinsten Mikrogramm-Dosierungen abfüllen. Und er muß eine Nase fürs Marketing haben, um in dem unübersichtlichen Angebot an mysteriösen Produkten mit seiner eigenen Ware zu reüssieren. Arnold scheint für all diese Tätigkeitsfelder eine natürliche Begabung zu haben. Sonst hätte er nicht mit Mitte Zwanzig seine Doktorarbeit aufgegeben, um seine erste eigene Firma zu gründen. Und sonst wäre er nicht wenige Jahre später vom amerikanischen Magazin "Sporting News" in seiner traditionellen Liste zu einem der hundert mächtigsten Männer im Sport ausgerufen worden."

Heute kam die Nachricht, dass Patrick Arnold genauso wie sein Mitstreiter, BALCO-Chef Victor Conte, für drei Monate ins Gefängnis und danach noch drei Monate Hausarrest verbüßen muss. Es gibt eine stärkere Macht als den Sport.

20. Juli 2006

Anklage gegen Bonds? Noch nicht

Ein Jahr nach dem Geständnis des Erfinders von Designersteroiden wie THG muss einer der prominentesten amerikanischen Athleten noch immer mit einer Anklage wegen Meineids rechnen. Die Staatsanwaltschaft in San Francisco verlängerte heute offiziell ihre Ermittlungen. Nach Recherchen von Mark Fainaru-Wada und Lance Williams, zwei Reportern des San Francisco Chronicle (Bild unten), hatte der Baseballprofi Barry Bonds bei seinen Vernehmungen unter Eid die Unwahrheit gesagt, als er bestritt, jemals wissentlich Anabolika eingenommen zu haben.

Davon gehen wohl auch die Strafverfolger aus. Während zwei seiner Lieferanten, der Laborunternehmer Victor Conte von der Bay Area Laboratory Co-Operative BALCO in Kalifornien und sein Fitness-Trainer Greg Anderson, für ihre Rolle in dem gesetzwidrigen Handel mit leistungsfördernden Substanzen bestraft wurden, war Bonds ebenso wie allen anderen Sportlern für ihre Zeugenaussagen Immunität zugesichert worden.

Die Enthüllungen der beiden Journalisten befinden sich in ihrem Buch
Game of Shadows. für das sie mehr als 1000 Seiten Beweismaterial sichten konnte und über 200 Personen interviewt haben. Mehr über das Buch auf der Webseite www.gameofshadows.com.

Mehr über alle weiteren Entwicklungen, darunter die über den ehemaligen Marion-Jones-Tim-Montgomery-Trainer Trevor Graham, in der Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.