8. September 2009

ESPN will die Olympiarechte

Wenn man viel verdient, kann man seine enormen Einnahmen für die Acquise von allerlei teuren Gutsle ausgeben. Das tut ESPN dieser Tage. Die Fortschritte im Bereich Fußball in Europa, wo man vor ein paar Wochen in die Premier League einstieg, sind da vermutlich nur ein Anfang (und waren einer der Faktoren, weshalb man sich neulich bei allesaussersport mit der Frage beschäftigte, ob die Disney-Tochter nicht demnächst DSF übernimmt). Ich skizzierte in den Kommentaren mal folgende Überlegungen zum Thema:

"ESPN in Deutschland wäre zunächst mal ein kleiner Fisch im Teich. Aber ganz und gar nicht chancenlos. Zieht man mal ab, dass sie die Nuancen des deutschen Themenmarktes nichts so gut einschätzen können – so dürfte das die enorme Medienkompentenz der Macher schnell wettmachen. Außerdem denkt man dort stets mittelfristig und langfristig. Minimum bis zum nächsten Bundesliga-Fernsehvertrag in ein paar Jahren. An dem Tag, an dem sie die Senderechte haben, sind sie am Ziel. Und sie wissen auch, dass die ihnen nicht in den Schoß fallen werden.... ein ESPN gelenktes DSF [wird] den Rechteinhabern immer mehr bieten als bloßes Hochhypen und Abnudeln von Sport. Die wissen, wie man Hintergrund und Konstanz journalistisch und markenphilosophisch herstellt, um einen Dauerkunden an sich zu binden."

Vielleicht muss DSF auf den Inhalator aus den USA noch etwas warten. Demnächst werden die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele verhandelt. Der Sender will ernsthaft für den amerikanischen Markt mitbieten. Gegen den Kanal NBC, der seit Jahren im Sattel saß, aber neulich die Chance verstreichen ließ, vorzeitig einen neuen Exklusiv-Vertrag abzuschließen, und gegen Fox. Um die IOC-Gesprächspartner zubeeindrucken, liess man via USA Today verlauten, wie man sich die Übertragungen von der Fußball-WM im nächsten Jahr aus Südafrika vorstellt: als Großereignis mit allen Schikanen.

Und im sechsten Jahr kauft sich Beckham einen Club

Heute wurde in Amerika eine Meldung aus dem amerikanischen Fußball in Umlauf gesetzt, die keinen nachrichtlichen Wert hat, die aber trotzdem einer nach dem anderen zitiert. David Beckham hat nämlich der BBC erzählt: "Ich das Recht, einen MLS-Club zu besitzen, worum ich mich kümmern werde, sobald ich nicht mehr spiele."

Die New York Times hat daraufhin ausgerechnet, dass das schon 2012 passieren könnte, wenn der Fünf-Jahres-Vertrag von Beckham mit Los Angeles Galaxy ausläuft. Und dann wurde spekuliert, wie denn wohl der Wille des englischen Fußballstars mit den Expansionsbemühungen von Major League Soccer zusammenpasst. Reporter Jack Bell (der vor Monaten von Jermaine Jones hören musste, dass er sich wichtige Sätze ausgedacht habe) malte sich aus den Zutaten einfach mal eine kleine Prognose zusammen. Derzufolge könnte Beckham den Zuschlag für eine Franchise in Montreal bekommen.

So what...

Dies sind die Informationen, auf denen diese "Nachricht" basiert: Eine anonyme Person, die angeblich etwas über die Pläne von Beckham weiß, ließ durchblicken, dass sich die Managementfirma des Fußballer für eine Partnerschaft mit dem Besitzer von Montreal Impact interessiert. Der wiederum verweigert die Aussage, wer ihm denn wohl eine Offerte gemacht hat. Die ach so berühmten Montreal Impact, die in der United Soccer League stecken, die mit MLS null sportliche und wirtschaftliche Verbindungen hat, aber immer mal wieder deren Clubs als funktionstaugliches Gefäß für die eigenen Ausdehnungsbemühungen benutzt und die dann umtopft. Ach, ja, und ebenso gut könnte zu den Red Bulls noch ein zweites Team in New York installiert werden. Aber auch das weiß keiner. Auch das wird man erst noch sehen.

Und was wäre schon so heiß, wenn es wirklich so käme? Mario Lemieux hat einen Club – die Pittsburgh Penguins. Michael Jordan hat einen Club – die Charlotte Bobcats. Und beide haben dabei kein goldenes Händchen bewiesen. Lemieux, siehe Stanley Cup, war allerdings erheblich erfolgreicher. Was an Sydney Crosby liegt (den die Penguins als damals schlechtester Club ohne Mühe draften konnten) und an den engen Grenzen der Salary Cap, die es dem Club ermöglichte, mit den besser ausgestatteten Teams beim Zugriff auf ältere Talente mitzuhalten.

6. September 2009

Das Millionen-Spiel

Mal ein paar Zahlen aus der NFL aus einem Beitrag auf Deadspin vom Freitag:

Durchschnittliche Einnahmen pro Team
Eintrittskarten: 59 Millionen Dollar
Regulärer Fernsehvertrag: 94 Millionen Dollar
DirectTV Satelliten-Fernsehvertrag: 22 Millionen Dollar
Ertrag nach Abzug aller Kosten und Gehälter: 32,3 Millionen Dollar

Warum ist das alles interessant? Die Durchschnittszahlen basieren – anders als in den anderen großen Ligen in den USA – auf einer relativen Parität. Der Unterschied im wirtschaftlichen Bruttoergebnis zwischen dem einnahmestärksten Club (Washington Redskins) und dem schwächsten (Detroit Lions) liegt bei 66 Prozent.

Nicht im Text angesprochen, aber gerne an dieser Stelle hinzugefügt:
Die Salary Cap steigt in der kommenden Saison auf 128 Millionen Dollar. Mit anderen Worten: Die Spieler partizipieren in toto ganz ordentlich an den Erlösen. Die Probleme der Aktiven liegen woanders: Es gibt keine garantierten Verträge. Der Job geht extrem auf die Knochen. Die tarifvertraglich abgesicherte Altersvorsorge ist anämisch.

Darüber wird die Spielergewerkschaft demnächst mit der Liga zu reden haben. Denn der Tarifvertrag läuft aus. Ohne einen neuen Deal läuft auch die Salary Cap aus und ermöglicht den wohlhabenden Clubs, sich ähnlich zu verhalten, wie das die Hyperreichen in den anderen Ligen tun (New York Yankees, New York Knicks). Mal abgesehen davon, dass Geld allein nicht reicht, um sportlichen Erfolg zu erzielen, dürfte damit der große Zahltag für Top-Spieler kommen, die sich auf dem freien Markt befinden werden.

NHL-Blog trotz Erfolg auf der Kippe

Die New York Islanders haben vor einem Jahr ein Experiment probiert: Sie haben den Blog eines ehemaligen Mitarbeiters aus der Presseabteilung finanziert, dem Mann aber inhaltlich freie Hand gelassen. Obwohl das NHL-Team grottenschlecht spielte, war Islanders Point Blank ein Erfolg – mit rund 500.000 Besuchern im Monat hatte kaum jemand gerechnet. Die Islanders, die im Großraum New York im Schatten der Rangers und der Devils spielen, haben nun dem Blogger die wirtschaftliche Unterstützung entzogen. Der sucht zur Zeit nach neuen Finanziers. Das Experiment steht auf der Kippe.

5. September 2009

Einer kam durch: Sebastian Vollmer im Kader der Patriots

Das schrieb der Boston Globe vor drei Wochen über den "überraschenden Aufstieg von Sebastian Vollmer":

"Als die Patriots mit ihrem letzten Zweit-Runden-Pick Offensive Tackle Sebastian Vollmer von der University of Houston drafteten, wurde das von vielen Fachleuten als weit hergeholt eingestuft. Vollmer war nicht mal zur Combine eingeladen worden, an der mehr als 300 Aspiranten teilnehmen. Aber mit seinen 2,03 Meter und 140 Kilogramm besitzt er die Körpergröße, die Armlänge und das athletische Vermögen, um Left Tackle zu spielen und die Härte, um Right Tackle zu spielen. Gegenwärtig rechnet man damit, dass er als Swing Man zum Einsatz kommt und auf beiden Positionen als Ersatzmann eingewechselt wird. Aber er wird in Spielen beweisen müssen, dass er das kann."

Die Chance hat er. Vollmer, 25 Jahre alt, geboren in Düsseldorf und in Neuss zur Schule gegangen, überstand das Trainingslager der New England Patriots und gehört zum Kader für die Saison, die in einer Woche beginnt. Er ist der erste Deutsche, der es über die Draft in die NFL geschafft hat. Der letzte, der zumindest einen Vertrag als Free Agent hatte, war Constantin Ritzmann. Seine sportliche Bilanz war jedoch nicht der Rede wert.

4. September 2009

Armstrong: Verdacht auf Blutdoping

Wir hatten schon fast aufgegeben zu hoffen, dass mal irgendjemand kommt und Lance Armstrong über eine Auswertung seiner Laborwerte etwas ans Zeug flickt. Aber nun hat es doch jemand geschafft: Der dänische Blutforscher Jakob Mørkeberg. Die einfache Interpretation seiner Erkenntnisse liest sich nach Angaben der Webseite der dänischen Sportethik-Organisation Play The Game so: Während des diesjährigen Giro zeigten die Daten das normale Profil eines Menschen, der jeden Tag Schwerstarbeit verrichtet. Bei der Tour de France, bei der Armstrong Dritter wurde, seien die Werte so gut wie unverändert geblieben. Ein Anzeichen für Blutdoping. Der Astana-Teamarzt hat die Mutmaßungen inzwischen als Spekulation abgetan. Armstrong selbst hat sich noch nicht geäußert. Woraus man nichts schlussfolgern sollte. Sobald die großen amerikanischen Medien einsteigen, wird er sich schon lauthals beschweren. Das einzige, was er diesmal nicht sagen kann, ist, dass ihm die Franzosen schlecht gesonnen sind, weil er deren Schleife beherrscht hat. Erstens hat er nicht gewonnen. Und zweitens kommt der Befund aus Dänemark.

3. September 2009

Der Klingelbeutel: Da kommt nichts nach

Im Leben von Dirk Nowitzki werden seit heute die Karten wieder neu gemischt. Die ehemalige Freundin, die vor kurzem zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, ist nicht schwanger. Er muss kein Kind im Sololauf aufziehen.
Blick zurück: Fünf Jahre Strafe für Crystal Taylor wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen

• In der Auseinandersetzung zwischen der Firma JAKO und Blogger Trainer Baade hat es eine neue Entwicklung gegeben. Nachdem das Unternehmen tagelang ohne jeden öffentlichen Kommentar dabei zuschaute, wie ein Sturm negativer Public Relations in der deutschen Medienlandschaft aufbrauste und den Namen des Sportausrüsters in Verruf brachte, meldete sich Firmengründer und Chef Rudi Sprügel heute mit einer Stellungnahme. Die Kernaussage lautet, dass Sprügel sich dafür einsetzen will, "dass Baade aus dieser Auseinandersetzung 'keine finanziellen Nachteile erwachsen'". Eine Zusage, die so klingt, als verzichte man auf die Abmahngebühren und anderen Forderungen, die in einer zweiten Runde ins Gigantische gewachsen waren.

Der Trainer hat sich zu dem neuesten Stand der Dinge noch nicht geäußert. Bis kurz vor der Verlautbarung von JAKO schienen sich die Verhandlungen zwischen den beiden Seiten um eine Formalie der Verhaltenskultur zu drehen. Danach sollte Baade um seines lieben Friedens willen einen Text in seinen Blog stellen, der dem Unternehmen gute Führung bescheinigt.

Wer in dem enormen Aufkommen an Reaktionen zu dem Fall den Überblick behalten will, sei an allesaussersport verwiesen, wo der Stein ins Rollen kam, als Blog-Betreiber dogfood die Sachlage und die Pressionen auf Baade en detail schilderte. Das wäre schon jetzt aus meiner Sicht der Blogbeitrag des Jahres, wenn es eine solche Abstimmung noch mal geben sollte. Ebenso hilfreich ist die Arbeit von probek, der die aktualisierte Liste der Blogbeiträge und Zeitungsveröffentlichungen pflegt. Zu den Alpha-Medien, die das Thema aufgegriffen haben, gehören die Süddeutsche Zeitung, die taz, das Handelsblatt und SpOn.

Noch eine Anmerkung zur Medienkompetenz von JAKO-Meister Sprügel und der Süddeutschen Zeitung: Beide scheinen zu glauben, dass es sich beim Blogger um einen Fußballtrainer handelt. Und nicht um die Kunstfigur eines Autors, der die besten Fußball-Glossen in ganz Deutschland schreibt. Vielleicht liegt das auch daran, das seine Webseite gestern zwischendurch aufgrund exorbitanten Leserinteresses nicht zu erreichen war. Inzwischen kann man ihn wieder im Original lesen (minus den gelöschten JAKO-Beitrag). Viele von denen, die nicht durchkamen, trugen sich offensichtlich als Follower seiner Tweats bei Twitter ein. Diese Zahl wuchs um ein paar hundert. Die alle warten geduldig auf ein Wort. Darunter befinden sich übrigens nicht nur neue Fans, sondern auch neugierige Anwalts- und PR-Kanzleien.

2. September 2009

Trainer und Twitter

Bei den US Open im Tennis werden die Spieler von offizieller Seite davor gewarnt, nicht zuviel zu twittern. Angeblicher Grund: Die Gefahr, dass sie auf diesem Weg Informationen ins Netz hinausposaunen, die von Zockern, die auf den Ausgang von Tennisspielen Geld setzen, ausgewertet werden können. Andy Roddick war nicht zufrieden. Das sei "lahm", sagte er.

Stichwort Twitter: Die Resonanz auf die Veröffentlichung von allesaussersport in der Angelegenheit JAKO vs. Trainer Baade ist beeindruckend. Nicht nur, was die Quantität angeht. Nachdem der Twitter-Traffic dem Sportartikler aus dem Schwäbischen den ersten Platz der Rangliste bescherte und tonnenweise Empörung dazu und Blogger zahlreiche Beiträge schrieben, gingen auch erste Profi-Medien auf das Thema ein. SpOn und Handelsblatt beschäftigten sich ausführlich und sachlich vor allem mit einer Dimension der Geschichte: Der fehlenden Medienkompetenz auf Seiten des Unternehmens, das bis zur Stunde noch keine offizielle Stellungnahme formuliert hat.

Was durchschimmert: Es scheint eine Einigung zwischen beiden Seiten in Sicht. Zu einem weitergehenden Aspekt des aktuellen Falles – dem Abmahn-Wahn und seinen Risiken für den Meinungsstreit – habe ich bei CARTA einen Beitrag gepostet. In dem Text findet sich auch ein Querverweis zu einem Post von Jens Weinreich auf seinem Blog. Er hat dort eine Abrechnung der Spendenaktion vorgelegt, die ihm half, sich gegen den Feldzug des DFB zu wehren. Die wichtigste Zahl: 17.000 Euro. Soviel kosteten nur die Anwälte im Streit mit jemandem, der larmoyant von sich behauptet hatte, er sei kein Prozesshansel. Weinreich, der obendrein Zeit- und Verdienstausfall hatte, aber dafür nicht in die Spendenkasse griff, will den Überschuss an eine neue Organisation freiberuflicher Journalisten weitergeben – an die Freischreiber. Die Berufsgruppe, die von den existierenden Standesorganisationen nicht hinreichend unterstützt wird, kann jeden Support gut gebrauchen.

Die aktuelle Übersicht über das Echo in Sachen JAKO vs. Trainer Baade findet man übrigens bei probek, der vor kurzem ein informelles Netzwerk von deutschen Sportbloggern angeschoben hatte.

1. September 2009

Wie wird man Top-Quarterback? Mit der richtigen Gesichtssymmetrie

Was macht einen NFL-Quarterback erfolgreich? Ein starker Arm? Ein Brustkorb, der jeder anrollenden gegnerischen Dampfwalze standhält? Der Blick für den Vordermann, der irgendwo hinter einem Zaun aus lauter Spielern herumrast und im Augenblick x an Punkt y sein wird? Ja, ja, und ja – und vielleicht auch nicht. Eine Untersuchung des Gesichtsschnitts der namhaften Spieler hat ergeben, dass ihre Visagen überdurchschnittlich symmetrisch aussehen. Symmetrie von Nase, Augen, Mund und Kinn wirkt sich von Kindesbeinen als Basis für ein ganz bestimmtes Erfolgsmuster aus. Die Symmetrie wird von anderen Menschen nämlich als attraktiv empfunden, die wiederum den Symmetrikern mehr Zuwendung entgegenbringen und ihnen mehr Entfaltungschancen gewähren.

Das mag man glauben oder nicht. So jedenfalls steht es in diesem Artikel im Orange County Register, einer einflussreichen Zeitung in Südkalifornien. Danach erhalten besser aussehende Quarterbacks übrigens in der NFL auch mehr Gehalt als die Burschen mit den aus dem Rahmen fallenden Konterfei. Die Frau, die solche Sachen untersucht, ist übrigens keine Psychologin, sondern Volkswirtschaftlerin. Sie lies die Zeitung mit folgendem Zitat zurück: "Unsereins interessiert sich nur für die Zahlen, während die Sportfans sagen: Das stimmt doch nie im Leben."

Trecker: Verband wirft Sand ins Getriebe

Der amerikanische Fußballverband spielt seine Macht aus, um einen missliebigen Journalisten die Arbeit zu erschweren. Das Angriffsziel ist Jamie Trecker, der seit Jahren für foxsports arbeitet. Die Behauptungen, die der Verband in die Welt gesetzt hat, um ihm Akkreditierungen zu verweigern, sind womöglich justiziabel. Heute wurde das Thema erstmalig in der Bloggeröffentichkeit abgehandelt. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Organisationen und Firmen Druck auf die Medien ausüben, um eine freundliche und unkritische Berichterstattung zu erzwingen.

Blick zurück: Trecker und der Klinsmann-Scoop, der keiner war