Vorsorgliche Warnung an alle Amerika-Besucher, die auf ihrer Reise die eine oder andere Sportveranstaltung besuchen wollen. Man kann aus Stadien und Hallen geworfen werden, wenn man während des Abspielens der Nationalhymne (am Anfang) oder der patriotischen Weise God Bless America (meistens irgendwann zwischendurch) aus welchen Gründen auch immer nicht aufsteht. Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Natürlich stellt sich bei so etwas immer die Frage: Haben Veranstalter überhaupt das Recht, einem Ticketzahler solches Verhalten aufzunötigen? Vermutlich nicht. Weshalb auch zur Zeit drei Jugendliche einen Minor-League-Baseball-Club in Newark/New Jersey verklagen, dessen Chef sie exakt solches vorwerfen. Das Problem: Der bestreitet die Vorwürfe. Also müssen die Teenager erst einmal nachweisen, dass die Geschichte so abgelaufen ist, wie sie behaupten. Persönliche Anmerkung: Wundern würde es mich nicht, wenn die Version der jungen Herren den Fakten entspricht. Siehe oben: Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Da nützt es nichts, dass der sehr geschätzte Woody Guthrie God Bless America kritisierte und als Reaktion darauf This Land Is Your Land schrieb (und es zunächst God Blessed America For Me nannte).
Falls jemand wissen möchte, wie das Lied von Irving Berlin aus dem Jahre 1938 klingt, wenn es eine Kanadierin mit öligem blechernem Timbre singt:
16. September 2009
Murdoch: Mit Olympia verdient man kein Geld
So undurchsichtig wie das riesige Imperium des Medienunternehmers Rupert Murdoch geworden ist, der inzwischen das gute alte Premiere in die Kette seiner Sky-Tochterfirmen eingegliedert hat, so undurchsichtig ist die Haltung gegenüber den Olympischen Spielen. Der alte Mann höchstpersönlich, der noch immer über den Mutterkonzern News Corp. die Strippen zieht, hat gestern nämlich etwas gesagt, das sogar nicht zu den Aktivitäten seiner Tentakelbarone in Europa passt: Man habe noch nicht über eine Teilnahme an der Rechteauktion der amerikanischen Sender für 2014 und 2016 nachgedacht, meinte er auf einer Aktionärsversammlung. Aber er glaube nicht, dass Tochterfirma Fox ein Angebot unterbreitet, selbst falls Chicago den Zuschlag für 2016 erhalte. Das "wäre ziemlich verlockend", sagte er. "Aber ich nehme an, dass die Angebote hoch ausfallen. Und abgesehen von all der Propaganda und so – ich will niemanden einen Lügner nennen – aber keiner hat bisher damit Geld verdient."
Die Ansage steht zunächst mal im Widerspruch zum Verhalten von solchen Töchtern wie Sky in Italien und in der Türkei. Sky Italia hat für 2010 bis 2016 bereits einen Vertrag mit dem IOC. Fox in der Türkei hat die Spiele 2014 in Sotchi (liegt fast vor der Haustür) und 2016 gebucht. allesaussersport macht heute außerdem auf eine Veröffentlichung im Handelsblatt aufmerksam, dass Sky in Deutschland wiederum auf der Bremse steht, obwohl sie offensichtlich mitbieten.
Die Äußerung von Murdoch, der bekannt dafür ist, immer mal wieder einfach und direkt seine Ansichten zum Geschäftlichen öffentlich bekannt zu geben, ist durchaus bemerkenswert. Auch wenn sie zunächst nur die Astrologen aus der Medienjournaille beschäftigt. Denn nach Jahren einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit NBC und ständig steigenden Einnahmen aus dem amerikanischen Fernsehrechtetopf hatte man im IOC den Eindruck gewonnen, es wäre an der Zeit, die Lizenzen wieder über miteinander konkurrierende Gebote zu verkaufen und gleichzeitig auf solche Pakete wie den langjährigen Vertrag mit der EBU und den darin automatisch im Paket bedienten öffentlich-rechtlichen Stationen in Europa zu verzichten. Die Kalkulation war simpel: Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft.
Was sie allerdings auch belebt, ist die Phantasie der IOC-Leute, deren wirtschaftliche Existenz fast völlig auf den Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft basiert. Anders als beim klassischen Ligasport, wo die Finanzierung des Geschäfts über Eintrittskarten, Merchandising und Sponsoren noch immer den Hauptanteil ausmacht. Dass man eine hundert Jahre alte Idee ("der olympische Geist") im 21. Jahrhundert in Form im Rahmen von gigantischen Veranstaltungen, die Milliarden kosten, gigantisch an die Wand fahren kann, mag man sich in Lausanne einfach nicht vorstellen.
Wo soll das Geld aber herkommen? NBC, das zuletzt für die Übertragungen aus Peking 894 Millionen Dollar bezahlt, musste zum ersten Mal intensiv in eine begleitende Berichterstattung im Internet einsteigen, weil selbst eine Bilder-Präsenz auf mehreren Kanälen gleichzeitig nicht mehr ausreicht. Schon gar nicht, wenn man wichtige Ereignisse nicht live überträgt, sondern konserviert und erst im Abendprogramm ausstrahlt.
Gerade das Internet ist die Achillesferse teurer Rechte-Deals geworden. Denn keiner der Fernsehkonzerne kann zur Zeit abschätzen, wieviel Geld er dort realistischerweise über Werbung einspielen kann, um jene Einbrüche wettzumachen, die sich bei der Fernsehwerbung (adäquat zu den Verlusten der Tageszeitungen auf dem Anzeigensektor) niederschlagen werden.
Unterm Strich: ESPN kann sicher in den USA in die Lücke springen, denn es wird nicht über Werbung, sondern vom Geld von Kabelfernsehabonnenten finanziert. Aber ob sich das fürs IOC lohnt, wird man sehen.
Blick zurück: Das Fernsehereignis Olympische Spiele nach Art des amerikanischen TV
Blick zurück: Zum Rezeptionswandel der Olympischen Spiele
Die Ansage steht zunächst mal im Widerspruch zum Verhalten von solchen Töchtern wie Sky in Italien und in der Türkei. Sky Italia hat für 2010 bis 2016 bereits einen Vertrag mit dem IOC. Fox in der Türkei hat die Spiele 2014 in Sotchi (liegt fast vor der Haustür) und 2016 gebucht. allesaussersport macht heute außerdem auf eine Veröffentlichung im Handelsblatt aufmerksam, dass Sky in Deutschland wiederum auf der Bremse steht, obwohl sie offensichtlich mitbieten.
Die Äußerung von Murdoch, der bekannt dafür ist, immer mal wieder einfach und direkt seine Ansichten zum Geschäftlichen öffentlich bekannt zu geben, ist durchaus bemerkenswert. Auch wenn sie zunächst nur die Astrologen aus der Medienjournaille beschäftigt. Denn nach Jahren einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit NBC und ständig steigenden Einnahmen aus dem amerikanischen Fernsehrechtetopf hatte man im IOC den Eindruck gewonnen, es wäre an der Zeit, die Lizenzen wieder über miteinander konkurrierende Gebote zu verkaufen und gleichzeitig auf solche Pakete wie den langjährigen Vertrag mit der EBU und den darin automatisch im Paket bedienten öffentlich-rechtlichen Stationen in Europa zu verzichten. Die Kalkulation war simpel: Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft.
Was sie allerdings auch belebt, ist die Phantasie der IOC-Leute, deren wirtschaftliche Existenz fast völlig auf den Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft basiert. Anders als beim klassischen Ligasport, wo die Finanzierung des Geschäfts über Eintrittskarten, Merchandising und Sponsoren noch immer den Hauptanteil ausmacht. Dass man eine hundert Jahre alte Idee ("der olympische Geist") im 21. Jahrhundert in Form im Rahmen von gigantischen Veranstaltungen, die Milliarden kosten, gigantisch an die Wand fahren kann, mag man sich in Lausanne einfach nicht vorstellen.
Wo soll das Geld aber herkommen? NBC, das zuletzt für die Übertragungen aus Peking 894 Millionen Dollar bezahlt, musste zum ersten Mal intensiv in eine begleitende Berichterstattung im Internet einsteigen, weil selbst eine Bilder-Präsenz auf mehreren Kanälen gleichzeitig nicht mehr ausreicht. Schon gar nicht, wenn man wichtige Ereignisse nicht live überträgt, sondern konserviert und erst im Abendprogramm ausstrahlt.
Gerade das Internet ist die Achillesferse teurer Rechte-Deals geworden. Denn keiner der Fernsehkonzerne kann zur Zeit abschätzen, wieviel Geld er dort realistischerweise über Werbung einspielen kann, um jene Einbrüche wettzumachen, die sich bei der Fernsehwerbung (adäquat zu den Verlusten der Tageszeitungen auf dem Anzeigensektor) niederschlagen werden.
Unterm Strich: ESPN kann sicher in den USA in die Lücke springen, denn es wird nicht über Werbung, sondern vom Geld von Kabelfernsehabonnenten finanziert. Aber ob sich das fürs IOC lohnt, wird man sehen.
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15. September 2009
Meinungsfreiheit? Nicht bei Olympischen Spielen
Man wird den Verdacht nicht los, dass die Behandlung chinesischer Bürger durch die chinesische Polizei und Regierung während der Olympischen Spiele ganz im Sinne des IOC war. Das Gefühl konnte man schon allein deshalb bekommen, weil die Roggerianer nichts Substanzielles zu den Restriktionen und Verhaftungen zu sagen hatten, mit denen mögliche Protestaktionen erstickt wurden. Denn wenn man liest, was der kanadische Fernsehsender CBC herausgefunden hat, erkennt man einen Trend. Die Direktive, mit der während der Olympischen Spiele in Vancouver jegliche Form von Meinungsäußerung in den Arenen und auch außerhalb unterdrückt werden soll, wurde nicht vom IOC veröffentlicht, sondern vom TV-Kanal über eine Anfrage auf der Basis des kanadischen Freedom of Information Act ans Licht gezerrt. 20 Gruppen wird das Organisationskomitee durch die Gegend schicken, die in den Arenen sogar Polizeigewalt ausüben wollen, um unliebsame Banner zu konfiszieren. Die Konfrontation mit Besuchern, deren Recht auf freie Meinungsäußerung auf diese Weise beschnitten wird, soll allerdings nicht "allzu aggressiv" betrieben werden. Aus Angst vor schlechter Presse.
Der Klingelbeutel: Was Wie wo macht
Wir warten auf den Gretzky-Dokumentarfilm, den ESPN Anfang Oktober ausstrahlen will. Titel: Kings Ransom. Hier eine erste Einschätzung der Arbeit von Filmemacher Peter Berg.
• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).
• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, de
n Sportler von sich geben. Natürlich muss man einrechnen, dass die junge Frau erst 19 Jahre alt ist und ihre Weltsicht von nur wenigen ungebremsten Erfahrungen geprägt ist. Der Blog ist anonym. Aber wer sie auf Twitter verfolgt, konnte Spuren finden, die den Schluss zulassen, dass sie die Autorin ist.
• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.
• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).
• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, de
• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.
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14. September 2009
RIP Jim Carroll
Wie das so ist mit den Übersetzungen von Büchern in eine andere Sprache: Der Text selbst wird meistens pflichtgenau und kongenial übertragen. Beim Titel nimmt sich der Verlag gerne alle Freiheiten dieser Welt. So wurde aus The Basketball Diaries auf Deutsch In den Straßen von New York. Der Autor Jim Carroll ist am Freitag gestorben. Und natürlich haben in den USA die Nachrufe auf den Poeten, Tagebuchschreiber, Warhol-Texter und Rockmusiker, der mal gerade 59 Jahre alt wurde, zunächst mal seine Beziehung zum Sport gewürdigt. Schließlich geht es bei dem eben genannten Buch zu Anfang um Basketball. Hier der erste Satz:
“Today was my first Biddy League game and my first day in any organized basketball league. I’m enthused about life due to this exciting event.”
Das Buch wurde 1995 mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt. Und erneut hatte der deutsche Verleiher keine andere Idee, als inhaltlich seine eigene Duftmarke im Titel zu setzen: Jim Carroll – In den Straßen von New York nannte er das Werk, über das Wikipedia folgendes zusammentrug: "Carroll lebt in einem heruntergekommen Viertel von New York. Als 13-Jähriger erhält er von der renommierten katholischen High School auf Grund seines Basketballtalents ein Stipendium. Doch außerhalb des Spielfeldes verfällt er, zusammen mit seinem Freund Mickey, immer mehr den Drogen. Bald dreht sich im Leben von Jim Carroll alles um Drogen, Sex, Verbrechen und Gewalt. Seine Drogensucht führt dazu, dass er der Schule verwiesen wird und seine Mutter ihn aus der gemeinsamen Wohnung wirft. Seinem sozialen Abstieg steht nun nichts mehr im Wege und so rutscht er zusammen mit seinen Freunden immer weiter ab. All seine Erlebnisse hält er in seinen Tagebüchern fest, die ihm später dabei helfen, sich von den Drogen zu befreien."
Die meisten amerikanischen Kritiker lobten DiCaprio und sahen in seinem Auftritt die Arbeit eines vielversprechenden Schauspielers. Den Film selbst fand die Mehrzahl eher mau.
Carroll hatte bereits mit 17 sein erstes Buch veröffentlicht (Organic Trains) und erregte in New Yorks literarischen Kreisen Aufsehen mit seinen Gedichten. The Basketball Diaries erschien 1978, auf dem Höhepunkt einer Phase, in der New York von innen wie von außen völlig kaputt und schmuddelig wirkte. Durch die Bekanntschaft mit Patti Smith kam er zur Musik, wo er sich nicht unbedingt als Sänger empfahl, sondern mehr eine Mischung aus Diseur und Shouter. Die künstlerische Weiterentwicklung führte zur Zusammenarbeit mit Musikern wie Lou Reed, Boz Scaggs und Pearl Jam.
“Today was my first Biddy League game and my first day in any organized basketball league. I’m enthused about life due to this exciting event.”
Das Buch wurde 1995 mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt. Und erneut hatte der deutsche Verleiher keine andere Idee, als inhaltlich seine eigene Duftmarke im Titel zu setzen: Jim Carroll – In den Straßen von New York nannte er das Werk, über das Wikipedia folgendes zusammentrug: "Carroll lebt in einem heruntergekommen Viertel von New York. Als 13-Jähriger erhält er von der renommierten katholischen High School auf Grund seines Basketballtalents ein Stipendium. Doch außerhalb des Spielfeldes verfällt er, zusammen mit seinem Freund Mickey, immer mehr den Drogen. Bald dreht sich im Leben von Jim Carroll alles um Drogen, Sex, Verbrechen und Gewalt. Seine Drogensucht führt dazu, dass er der Schule verwiesen wird und seine Mutter ihn aus der gemeinsamen Wohnung wirft. Seinem sozialen Abstieg steht nun nichts mehr im Wege und so rutscht er zusammen mit seinen Freunden immer weiter ab. All seine Erlebnisse hält er in seinen Tagebüchern fest, die ihm später dabei helfen, sich von den Drogen zu befreien."
Die meisten amerikanischen Kritiker lobten DiCaprio und sahen in seinem Auftritt die Arbeit eines vielversprechenden Schauspielers. Den Film selbst fand die Mehrzahl eher mau.
Carroll hatte bereits mit 17 sein erstes Buch veröffentlicht (Organic Trains) und erregte in New Yorks literarischen Kreisen Aufsehen mit seinen Gedichten. The Basketball Diaries erschien 1978, auf dem Höhepunkt einer Phase, in der New York von innen wie von außen völlig kaputt und schmuddelig wirkte. Durch die Bekanntschaft mit Patti Smith kam er zur Musik, wo er sich nicht unbedingt als Sänger empfahl, sondern mehr eine Mischung aus Diseur und Shouter. Die künstlerische Weiterentwicklung führte zur Zusammenarbeit mit Musikern wie Lou Reed, Boz Scaggs und Pearl Jam.
13. September 2009
Serena Williams rastet aus
Es lohnt sich, diese sechs Minuten Zeit aufzubringen, um die Entwicklung und den Ausgang des bizarren Geschehens bei den US Open in Flushing Meadows am Samstagabend nachzuvollziehen. Das simple Faktum: Serena Williams verliert das Match gegen Kim Clijsters, als der Schiedsrichter der Belgierin den Matchball zuspricht, weil die Amerikanerin eine Linienrichterin beschimpft hat. An dieses Match werden sich vermutlich noch lange viele Leute erinnern. Nicht nur die Zuschauer im Arthur-Ashe-Stadion, die zunächst gar nicht nachvollziehen konnten, welches Drama sich auf dem Platz abspielt. Die Erinnerung wird mit dem Namen Serena Williams gekoppelt sein und kaum mit dem von Clijsters, die an diesem Abend auf jeden Fall die bessere Spielerin war. Das Verhalten von Williams war deshalb so teuer, weil sie bereits im Verlaufe der Begegnung eine Verwarnung erhalten hatte. Die nächste Eskalationsstufe der Disziplinarstrafen im Tennis ist der Punktverlust. Wobei Verlust in dem Fall nicht wörtlich zu nehmen ist. Denn dem zu bestrafenden Spieler wird nichts abgezogen, sondern dem Gegner wird der Punkt gut geschrieben.
Auslöser der Konfrontation war ein Fußfehler von Serena Williams beim zweiten Aufschlag zum Punkt davor. Diese Entscheidung provozierte die 27-jährige dazu, auf die Linienrichterin zuzugehen und in einer drohenden Haltung zu beschimpfen. Was sie rief, wollte sie in der Pressekonferenz nicht wiederholen. Zunächst tat sie so, als habe sie die Worte vergessen. Später weigerte sie sich, den wartenden Journalisten die Details zu zu schildern. Die Begründung: Sie habe das bereits hinter sich gelassen.
Tennis.com vermochte zumindest, den Kernsatz der Tirade von Williams aufzuschnappen und nahm in der Berichterstattung hinterher nach amerikanischer Manier die Schimpfwörter heraus (vermutlich benutzte sie zweimal das Wort "fucking"): "I swear to God, I'll [expletive] take this ball and shove it down your [expletive] throat, do you hear me?"
Der ganze Beitrag jedoch bestand aus einer umfangreichen Rechtfertigung ihres Verhaltens. Williams habe jedes Recht gehabt, wütend auf die Fußfehler-Entscheidung zu reagieren. "Das war eine schreckliche, dumme, grauenhafte, alberne Entscheidung." Eine solche Solidaritätserklärung wirkte so, als habe das Fachorgan ein Interesse daran, sich mit der Williams-Familie gut zu stellen. Das Argument, dass ein Linienrichter in einer solchen Situation nicht die Regeln konsequent anwenden soll, ist aburd und entspringt einer in den USA oft gepflegten Betrachtungsweise des Ablaufs von sportlichen Wettbewerben. Danach gelten die letzten Punkte oder Treffer gegen Ende eines Spielabschnitts oder gegen Ende einer Begegnung als bedeutungsvoller als all die anderen. Diese Einschätzung ignoriert die Prinzipien der Arithmetik. Denn tatsächlich zählt jeder Punkt und jedes Tor exakt genausoviel – auch in einer Sportart mit einer altertümlichen Art des Zählens (15:0, 30:0, 40:0). Ihr Ursprung dürfte der in Amerika gepflegte und vom Fernsehen gespeiste Highlight-Kult sein, der ausschließlich von ausgewählten Momenten lebt und sich keinen Deut um Abläufe, Entwicklungen, Strategie und Taktik schert.
Kein Wunder, dass anlässlich eines solchen Moments die Argumentation gegen das Regelelement "Fußfehler" im Tennis hervorgekramt wird. Die Beschwerde geht so: Der Profi habe keinen wirklichen Vorteil, wenn er von einem Punkt ein paar Zentimeter näher am Netz zum Aufschlag abspringt. Das wirkt logisch, macht aber keinen Sinn. Denn die Linie ist die Linie ist die Linie. Sie ist Teil des Spiels und wird auch in anderen Situationen immer wieder Meinungsverschiedenheiten produzieren. Die eigentliche Frage in diesem Zusammenhang wäre eher: Warum setzt man nicht hier, wie auch bei anderen Konstellationen im Tennis die Technik ein. Denn niemand weiß bis heute ganz genau, ob es überhaupt ein Fußfehler war.
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10. September 2009
Was Caster Semenya alles fehlt
Eine Frau ohne Uterus und ohne Eierstöcke und eingewachsenen Hoden ist – eine Frau? DAS hier meldet der Daily Telegraph in Australien (via Deadspin) über die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya aus Südafrika:"Untersuchungen, die während der Weltmeisterschaft in Berlin im letzten Monat durchgeführt wurden, wo Semenyas Geschlecht nach ihrem Sieg über 800 Meter das Thema einer aufgeheizten Debatte wurde, haben ergeben, dass sie ein Hermaphrodit ist. Jemand mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Semenya, 18, produziert das Dreifache an Testosteron, was eine "normale" Frau erzeugen würde. Nach Angaben einer Person, die in die Untersuchungen der IAAF involviert ist, ergaben unterschiedliche Prüfungen, dass sie in ihrem Bauchraum über Hoden verfügt, männliche Geschlechtsorgane, die Testosteron produzieren."
Der Verband wird sich schwer tun, den Fall auf eine kluge Weise zu lösen. Es gibt offensichtlich nicht mal klare Regeln wie etwa beim Doping, die festlegen könnten, wo die Grenze zu einem unfairen Vorteil für einen sogenannten Intersex-Athleten erreicht ist. Seit 2005 wurden wohl – meistens in aller Stille – acht Leichtathleten abgehandelt, vier von ihnen wurden vom Verband gebeten, ihre Karriere zu beenden.
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Piraten unterstützen Hartplatzhelden
Die Hartplatzhelden erhalten prominente Unterstützung – von der Piratenpartei, die am 27. September erstmals bei den Bundestagwahlen kandidiert. Die offizielle Pressemitteilung zur Aktion - eine Reaktion auf den vom Württemberischen Fußballverband angestrengten Prozess gegen das innovative Internet-Portal – ging soeben raus. Die Auseinandersetzung um die Frage, wem eigentlich die Bilder vom Amateurfußball (und all den anderen Amateursportveranstaltungen) gehören, wird in naher Zukunft vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden. Die Hartplatzhelden hatten in der ersten beiden Instanzen gegen den WFV verloren. Eine außergerichtliche Einigung, die das Oberlandesgericht Stuttgart angeregt hatte, war am Widerstand der Funktionäre gescheitert.
In der Zwischenzeit rüsten in den Verwaltungszentralen der Fußballverbände die Justiziare auf und attackieren andere Bemühungen. In Hessen wurde sogar ein Mitgliedsverein aufgefordert, selbst produzierte Videos nicht mehr bei YouTube zu parken. Der Club hatte diesen Weg gewählt, um die Bilder ohne weitere Kosten auf der eigenen Webseite einbetten zu können und auf diese Weise den eigenen Anhängern zugänglich zu machen. Er gab lieber nach, als einen teuren Rechtsstreit zu riskieren. Über einen ähnlich gelagerten Versuch aus Niedersachsen berichtete neulich der Fußball-Blog direkter freistoss. Dort geht es hauptsächlich um Fotos. Betroffen sind nicht die Hartplatzhelden, sondern die Initiative MyHeimat.
Hinter der Salami-Taktik steckt ganz offensichtlich eine Strategie. Die spiegelt das Selbstverständnis des Deutschen Fußballbundes wieder, der sich möglicherweise zu fein war/ist, die vielen Enthusiasten und ihre Ideen zur Popularisierung des Amateurfußballs selbst in die Mangel zu nehmen. Ein solches Verhalten würde einen ähnlichen Effekt produzieren, wie bereits im Fall Zwanziger vs. Jens Weinreich deutlich wurde. Bei solchen Machtdemonstrationen entsteht inzwischen automatisch Gegenöffentlichkeit und schlechtes Image, sobald die etablierten Medien einsteigen und die Methoden offenlegen. Die kleineren regionalen Verbände hingegen können mit sehr viel größeren Erfolgsaussichten behaupten, dass ihre Interessen von den Aktivitäten außerhalb ihres Einflussbereichs tangiert werden. So klagte der WFV seine Position auf der Basis des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb ein. Keinem der Richter schien aufzufallen, dass die Hartplatzhelden den Wettbewerb um das öffentliche Interesse am Amateurfußball eher fördern und dass sie dabei keineswegs dem Verband irgendetwas streitig machen. Der kann durchaus seine eigenen Videobilder selbst ins Netz stellen. Er könnte auch mit Initiativen wie den Hartplatzhelden kooperieren. Aber für solche Nuancen im Leben fehlt den Verbandsoberen das Gespür. Sie wollen alles. Und sie wollen es sofort. Ganz egal, ob es ihnen überhaupt gehört.
Blick zurück: Zur Nachahmung nicht empfohlen
In der Zwischenzeit rüsten in den Verwaltungszentralen der Fußballverbände die Justiziare auf und attackieren andere Bemühungen. In Hessen wurde sogar ein Mitgliedsverein aufgefordert, selbst produzierte Videos nicht mehr bei YouTube zu parken. Der Club hatte diesen Weg gewählt, um die Bilder ohne weitere Kosten auf der eigenen Webseite einbetten zu können und auf diese Weise den eigenen Anhängern zugänglich zu machen. Er gab lieber nach, als einen teuren Rechtsstreit zu riskieren. Über einen ähnlich gelagerten Versuch aus Niedersachsen berichtete neulich der Fußball-Blog direkter freistoss. Dort geht es hauptsächlich um Fotos. Betroffen sind nicht die Hartplatzhelden, sondern die Initiative MyHeimat.
Hinter der Salami-Taktik steckt ganz offensichtlich eine Strategie. Die spiegelt das Selbstverständnis des Deutschen Fußballbundes wieder, der sich möglicherweise zu fein war/ist, die vielen Enthusiasten und ihre Ideen zur Popularisierung des Amateurfußballs selbst in die Mangel zu nehmen. Ein solches Verhalten würde einen ähnlichen Effekt produzieren, wie bereits im Fall Zwanziger vs. Jens Weinreich deutlich wurde. Bei solchen Machtdemonstrationen entsteht inzwischen automatisch Gegenöffentlichkeit und schlechtes Image, sobald die etablierten Medien einsteigen und die Methoden offenlegen. Die kleineren regionalen Verbände hingegen können mit sehr viel größeren Erfolgsaussichten behaupten, dass ihre Interessen von den Aktivitäten außerhalb ihres Einflussbereichs tangiert werden. So klagte der WFV seine Position auf der Basis des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb ein. Keinem der Richter schien aufzufallen, dass die Hartplatzhelden den Wettbewerb um das öffentliche Interesse am Amateurfußball eher fördern und dass sie dabei keineswegs dem Verband irgendetwas streitig machen. Der kann durchaus seine eigenen Videobilder selbst ins Netz stellen. Er könnte auch mit Initiativen wie den Hartplatzhelden kooperieren. Aber für solche Nuancen im Leben fehlt den Verbandsoberen das Gespür. Sie wollen alles. Und sie wollen es sofort. Ganz egal, ob es ihnen überhaupt gehört.
Blick zurück: Zur Nachahmung nicht empfohlen
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Golf: Das 10-Millionen-Dollar-Duell
Wenn der Sommer zu Ende geht und die wichtigsten Turniere gespielt sind, gibt es für die besten Golfer auf der amerikanischen Tour nur noch eine Ambition: Sich möglichst weit oben in der Punktewertung für den FedEx Cup festzusetzen. Denn damit steigen die Chancen auf einen warmen Dollarregen am Ende der Saison. Der Wettbewerb um den Silberpokal, der den Charakter eines Play-offs hat und jede Woche reihenweise Spieler aussiebt, ehe schließlich bei der Tour Championship die letzten 30 das Rennen unter sich ausmachen, wird sportlich zwar nie ganz den Rang der Majors erreichen. Aber in einem Jahr, in dem Tiger Woods ungewohnte Schwächen zeigt und schon mal am Cut scheitert, verbreitet er einen eigenen Reiz. Und sei es nur für jene Zuschauer, die jemandem wie Steve Stricker die Daumen halten.
Der 42-jährige Amerikaner, der eine Woche zuvor im Weichbild der Skyline von Manhattan knapp einen Putt verpasst hatte, mit dem er in das entscheidende Stechen gekommen wäre, hatte am Montag mit zwei Birdies auf der 17 und der 18 die Deutsche Bank Championship in Boston gewonnen und sich damit in der FedEx-Cup-Wertung vor Woods an die Spitze geschoben. Seine konstant gute Form schlägt sich auch in der Weltrangliste nieder. Dort kletterte er mit dem Sieg auf den zweiten Platz. So weit oben stand er noch nie.
Der Mann, den seine Kollegen sowohl wegen seiner stillen, bedachten Art als auch wegen seines Feingefühls beim kurzen Spiel schätzen, könnte dieser Tage denn auch keinen besseren Ort finden als den Cog Hill Country Club vor den Toren von Chicago. Denn der Mittlere Westen der USA mit seinen welligen Parkland-Plätzen ist im weitesten Sinne die Heimat von Stricker. Er wuchs im Nachbarstaat Wisconsin auf und lebt auch dort noch und nicht etwa wie soviele Profigolfer im Steuerparadies Florida. Außerdem verbrachte er seine Studienzeit im Rahmen eines Golfstipendiums an der University of Illinois, dem Bundesstaat, in dem die Metropole Chicago liegt.
Mit einer Einschränkung allerdings. “Sie haben ihn verändert. Keiner ist wirklich mit ihm vertraut”, sagte Stricker über den Platz, an dem im Wechsel mit dem Belle Rive Country Club in St. Louis und dem Crooked Stick Country Club in Carmel/Indiana die BMW Championship ausgetragen wird. Die kosmetische Operation wurde dem für seine Renovierungsarbeiten an klassischen anspruchsvollen US-Open-Schauplätzen wie Bethpage und Torrey Pines bekannten Architekten Rees Jones übertragen. Der durfte vier Millionen Dollar ausgeben und schuf neue, welligere Grüns, tiefere Bunker und zog das Layout auf 6900 Meter in die Länge. Trotz der Veränderungen glaubt Stricker, dass er sich wie zuhause fühlen wird: “Ich habe hier 1996 gewonnen und bin sehr erfreut, wieder hin zugehen. Ich habe viele Fans dort.”
Die werden heute von Anfang an erleben können, ob er die Nerven hat, um in der Aura des besten Golfers der Welt seine Form zu halten. Die Turnierverantwortlichen haben ihn mit Tiger Woods und seinem Landsmann Heath Slocum in einer Gruppe gesteckt. Stricker, der sich in Boston ganz bescheiden vor dem Weltranglistenersten verneigte (“Er ist der Mann. Es seine Welt, in der wir unseren Platz einnehmen.”), spielt bei solchen Gelegenheiten aber womöglich ein kluges taktisches Spiel. Er inszeniert sich als Außenseiter, der “langsam wieder mehr Selbstvertrauen” hat. Auch so kann man Druck abbauen.
Stricker gehört übrigens zu jenen Figuren, die das Achterbahn-Gefühl einer Karriere im Profigolf besonders krass erlebt haben. Nachdem er in den neunziger Jahren zahlreiche Achtungserfolge erzielte, knickte er weniger später psychisch ab und wirkte wie ein Mann auf der Suche nach dem verlorenen Schwung. Vor vier Jahren fand er ihn wieder und schaffte etwas, was niemand vor ihm erreicht hatte und kaum jemand jemals wiederholen wird: Er wurde sowohl 2006 als auch 2007 zum Comeback-Spieler des Jahres der PGA Tour gewählt. 2008 belegte er in der FedEx-Cup-Wertung den 14. Platz.
Der von Tiffany produzierte Pokal wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgespielt. Während nach jeder Saison zahlreiche kleinere Facetten am Regelwerk geändert wurden, blieb die eigentliche Idee intakt: Der Spieler mit den meisten Punkten am Ende der Tour Championship erhält ein Preisgeld von zehn Millionen Dollar. Auch die Nächstplatzierten werden noch hervorragend bezahlt: Der Zweite bekommt drei Millionen, der Dritte zwei Millionen Dollar.
Keine Chance auf das Geld hat Vijay Singh, der 2008 den Wettbewerb in Abwesenheit des verletzten Tiger Woods überlegen gewonnen hatte. Er schaffte es am Wochenende nicht bis in die Top 70 der Punkteliste.
Der 42-jährige Amerikaner, der eine Woche zuvor im Weichbild der Skyline von Manhattan knapp einen Putt verpasst hatte, mit dem er in das entscheidende Stechen gekommen wäre, hatte am Montag mit zwei Birdies auf der 17 und der 18 die Deutsche Bank Championship in Boston gewonnen und sich damit in der FedEx-Cup-Wertung vor Woods an die Spitze geschoben. Seine konstant gute Form schlägt sich auch in der Weltrangliste nieder. Dort kletterte er mit dem Sieg auf den zweiten Platz. So weit oben stand er noch nie.
Der Mann, den seine Kollegen sowohl wegen seiner stillen, bedachten Art als auch wegen seines Feingefühls beim kurzen Spiel schätzen, könnte dieser Tage denn auch keinen besseren Ort finden als den Cog Hill Country Club vor den Toren von Chicago. Denn der Mittlere Westen der USA mit seinen welligen Parkland-Plätzen ist im weitesten Sinne die Heimat von Stricker. Er wuchs im Nachbarstaat Wisconsin auf und lebt auch dort noch und nicht etwa wie soviele Profigolfer im Steuerparadies Florida. Außerdem verbrachte er seine Studienzeit im Rahmen eines Golfstipendiums an der University of Illinois, dem Bundesstaat, in dem die Metropole Chicago liegt.
Mit einer Einschränkung allerdings. “Sie haben ihn verändert. Keiner ist wirklich mit ihm vertraut”, sagte Stricker über den Platz, an dem im Wechsel mit dem Belle Rive Country Club in St. Louis und dem Crooked Stick Country Club in Carmel/Indiana die BMW Championship ausgetragen wird. Die kosmetische Operation wurde dem für seine Renovierungsarbeiten an klassischen anspruchsvollen US-Open-Schauplätzen wie Bethpage und Torrey Pines bekannten Architekten Rees Jones übertragen. Der durfte vier Millionen Dollar ausgeben und schuf neue, welligere Grüns, tiefere Bunker und zog das Layout auf 6900 Meter in die Länge. Trotz der Veränderungen glaubt Stricker, dass er sich wie zuhause fühlen wird: “Ich habe hier 1996 gewonnen und bin sehr erfreut, wieder hin zugehen. Ich habe viele Fans dort.”
Die werden heute von Anfang an erleben können, ob er die Nerven hat, um in der Aura des besten Golfers der Welt seine Form zu halten. Die Turnierverantwortlichen haben ihn mit Tiger Woods und seinem Landsmann Heath Slocum in einer Gruppe gesteckt. Stricker, der sich in Boston ganz bescheiden vor dem Weltranglistenersten verneigte (“Er ist der Mann. Es seine Welt, in der wir unseren Platz einnehmen.”), spielt bei solchen Gelegenheiten aber womöglich ein kluges taktisches Spiel. Er inszeniert sich als Außenseiter, der “langsam wieder mehr Selbstvertrauen” hat. Auch so kann man Druck abbauen.
Stricker gehört übrigens zu jenen Figuren, die das Achterbahn-Gefühl einer Karriere im Profigolf besonders krass erlebt haben. Nachdem er in den neunziger Jahren zahlreiche Achtungserfolge erzielte, knickte er weniger später psychisch ab und wirkte wie ein Mann auf der Suche nach dem verlorenen Schwung. Vor vier Jahren fand er ihn wieder und schaffte etwas, was niemand vor ihm erreicht hatte und kaum jemand jemals wiederholen wird: Er wurde sowohl 2006 als auch 2007 zum Comeback-Spieler des Jahres der PGA Tour gewählt. 2008 belegte er in der FedEx-Cup-Wertung den 14. Platz.
Der von Tiffany produzierte Pokal wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgespielt. Während nach jeder Saison zahlreiche kleinere Facetten am Regelwerk geändert wurden, blieb die eigentliche Idee intakt: Der Spieler mit den meisten Punkten am Ende der Tour Championship erhält ein Preisgeld von zehn Millionen Dollar. Auch die Nächstplatzierten werden noch hervorragend bezahlt: Der Zweite bekommt drei Millionen, der Dritte zwei Millionen Dollar.
Keine Chance auf das Geld hat Vijay Singh, der 2008 den Wettbewerb in Abwesenheit des verletzten Tiger Woods überlegen gewonnen hatte. Er schaffte es am Wochenende nicht bis in die Top 70 der Punkteliste.
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Steve Stricker
9. September 2009
US-Open-Sensation Oudin flog aus ihrem Hotel
Die 17-jährige Tennisspielerin Melanie Oudin lebt trotz ihrer Erfolge noch immer so wie einst. Bei ihren Hotelbuchungen in einer Turnierstadt plant sie nicht mit langen Aufenthalten. Und für die Bedürfnisse in der knapper werdenden Freizeit hat sie einen boyfriend, der zwei Jahre jünger ist. Oudin, die nacheinander in überraschender Manier bei den US Open die russische Eliteliga mit Spielerinnen wie Jelena Dementjewa, Maria Scharapowa und Nadja Petrowa aus dem Weg räumte, spielt heute abend im Nachtrag: Oudin verlor heute abend das Spiel klar in zwei Sätzen. Trotzdem werden die Zeitungen morgen sich morgen erneut mit ihrem Umfeld beschäftigen: Das Ehescheidungsverfahren ihrer Eltern bringt so viele saftige Details ans Licht. Ihre Mutter soll ein Affäre mit ihrem Trainer gehabt haben.
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