12. Juli 2009

Fixiert auf Star

Es ist noch keine anderthalb Jahre daher, da brachen sich die Medien in Deutschland sprachlich bei dem Versuch einen ab, den Entwicklungsstand des jungen Profigolfers Martin Kaymer in den Griff zu bekommen. Das war kein Ruhmesblatt für die Zunft, denn solche Sprachbilder wie "Lehrgeld", des kleinen Bernhards Langers "große Fußstapfen" und "Shooting Star" dominierten und ließen einen ratlos zurück: Wo bleibt die angemessene journalistische Leistung, wenn mal ein Sportler aus Deutschland in die Weltklasse vorstößt, lautete die Frage. Die Urenkel von Goethe und Schiller können zwar hervorragende Autos bauen. Ihre Alltagssprache jedoch kommt wie ein Gogo daher. Man befürchtet das Schlimmste. Wird die schöpferische Leistung inzwischen billig in Indien oder Slowenien hergestellt?

Zum Glück hat Martin Kaymer mittlerweile durch seine Leistungen höchstpersönlich die Wortfindungsprobleme der jüngeren Vergangenheit für obsolet erklärt. Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen.

Ob aber die deutschen Medien ein solches Phänomen sprachlich verdauen können, halte ich für sehr viel unwahrscheinlicher. Wie stand heute über der Nachricht über den erneuten Turniererfolg des 24-jährigen etwa auf der Online-Seite der Financial Times? "Golfstar Kaymer". Und was hatte Focus zu bieten? "Golf-Shootingstar", Zu dem Unsinnswort Shootingstar gibt es hier eine ausführliche Erläuterung. Die Ortsangabe "in Glasgow" im selben Text kann ich leider nicht erklären. Die Südspitze von Loch Lomond, wo die Scottisch Open ausgetragen werden, liegt mehr als 30 Kilometer von der schottischen Metropole entfernt, der Golfplatz mehr als 50 Kilometer.

Die neue Diktion scheint übrigens quer durch viele Blätter der Begriff "Golfstar" zu sein. Verzeihung: Aber es stellen sich einem die Nackenhaare auf, vor allem, wenn man solche Begriffe aus angelsächsischen Sportteilen nicht gewöhnt ist. Da wird nicht mal Tiger Woods so etikettiert. Und der hat wenigstens gewisse Glamourwerte (und eine riesige Villa, und eine riesige Yacht und ein eigenes Flugzeug). Mal abgesehen von dem inflationären Gebrauch der Vokabel "Star", die aus der Filmindustrie stammt, wo man einst die Hauptdarsteller gerne mit einem hübschen weichen Lichtkranz um den Kopf fotografierte: Das Wort ist einfach extrem unsachlich und wertet die sportliche Leistung nicht auf, sondern ab. Es ist in diesem konkreten Fall nicht mal in einem übertragenden Sinne sinnvoll eingesetzt. Der Martin Kaymer, den ich kennengelernt habe, ist ein zurückhaltender, nachdenklicher, entspannter Typ, der viel arbeitet und sich extrem gut auf seinen Beruf konzentriert. Nun kommt zu diesem Ehrgeiz und diesem Fleiß ein wachsender Erfolg. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Kaymer vollbringt Erstaunliches: Zweiter Sieg in einer Woche

Was soll man sagen? Da bleibt einem einfach die Spucke weg. Martin Kaymer gewinnt innerhalb von einer Woche sein zweites Turnier auf den European Tour. Nachdem er an den Tagen zuvor nie weit von der Spitze entfernt in Lauerstellung lag, drehte er an der Wende nach neun Löchern den Hahn auf und ging in die Führung. Die baute er zwischendurch auf drei Schläge aus und schloss das Ganze mit einem Vorsprung von zwei Schlägen ab. Der Sieg brachte ihm soviele Weltranglistenpunkte ein, dass er am Montag im Computer von der 19 auf Platz 11 vorrücken wird. Damit ist er so gut wie durchgebucht für die beiden ersten Majors des nächsten Jahres – dem Masters und den US Open. Von den British Open in der nächsten Woche und den PGA Chamiponships in ein paar Wochen gar nicht zu reden. Kann er die Form konservieren und auf dem extrem windigen und schwierigen Platz in Turnberry um die Silberkanne kämpfen? Die Spannung steigt....

11. Juli 2009

LPGA: Kein Licht am Ende des Tunnels

Zwischenstand beim Golf: Unter den ersten sechzehn bei den US Open der Frauen sind nach drei Runden acht Südkoreanerinnen. Man sollte meinen, die koreanische Industrie exportiert nur noch Golfspieler. Dazu kommen zwei Chinesinnen (aus Taiwan) und eine Japanerin und machen die Dominanz der Asiatinnen perfekt. Vielleicht sollten die Amerikaner mit ihrem Turnier mal auf Reisen gehen und es auf der anderen Seite des Pazifik austragen? Ein Drittel aller 156 Teilnehmerinnen kommen aus dem Ausland, darunter 26 aus Südkorea. Das ist nichts Neues, aber muss im Lichte all der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich die LPGA eingehandelt hat, als einer der Gründe genannt werden, weshalb kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.

In der nächsten Woche wird die Frau, die als Commissioner die Verantwortung inne hatte, auf Druck einer Reihe von Topspielerinnen den Hut nehmen. Der Abgang von Carolyn Bivens, die den Job übernahm, nachdem der langjährige Geschäftsführer Ty Votaw in einer weniger prominenten Rolle zur PGA Tour wechselte, löst keines der Probleme der LPGA. Sicher, an Ms. Bivens werden sich nur wenige nostalgische Gedanken anknüpfen lassen. Sie war die Frau, die den Turnierveranstaltern sagte, sie müssten sogenannte sanctioning fees von 100.000 Dollar aufbringen – ein Anstieg um ein Vielfaches, der kleinere Termine aus dem Kalender scheuchte, Sie war es, die den Asiatinnen abverlangte, dass sie vernünftig Englisch sprechen, damit sie bei ProAms und bei Medienterminen eine halbwegs ordebntliche Konversation in der Sprache des Landes betreiben können. Der Gegenwind blies schon lange. Was sicher in erster Linie daran lag, dass sie keinen Weg suchte und fand, um die potenziell größte Zugnummer in die LPGA einzubinden. Michelle Wie musste – den Regeln entsprechend – so lange warten, bis sie alt genug war und sich über die Qualifying School eine Tourkarte erspielen konnte. In der gleichen Zeit spielte sie für Antrittsgeld bei Männerturnieren.

Dabei zeigt gerade das Beispiel Wie, die als junge Spielerin exorbitante Werbeveträge abschließen konnte und von vielen etablierten Profigolferinnen mit sehr viel Skepsis betrachtet wurde, dass ein Commissioner eigentlich nie alles richtig machen kann. Hält er/sie sich an die Regeln, kann sich das zum Nachteil auswirken. Bevorteilt er eine bestimmte Person zum Nachteil von anderen, führt das vermutlich ebenfalls zum Aufstand. Ganz obendrein hat Wie in den vergangenen Jahren leistungsmäßig nichts von dem Potenzial eingelöst, das sie als 13-jährige gezeigt hat. Und mit der Etiquette auf dem Golfplatz nahm sie es auch nicht so genau. Besonders krass war ihr Verhalten 2007, als sie bei einem LPGA-Turnier, zu dem sie eine Ausnahmestartgenehmigung erhalten hatte, während der ersten Runde wegen einer angeblichen Verletzung vom Platz ging und wenige Tage später fleißig auf der Anlage der US Open trainierte. Warum hatte sie so getan, als hätte sie Probleme mit ihren Handgelenken? Weil ihr der Agent unterwegs rechtzeitig zugeflüstert hatte, dass die LPGA eine Regel hat, die einem die Einladungen für alle möglichen anderen Turniere des Jahres kosten kann. Sie lag zu dem Zeitpunkt bei 14 über Par und befand sich am 17. Loch. Mit einer 16 über Par hätte die 88er Regel gegriffen, die besagt: Wer als Sondergast eine 88er Runde (oder schlechter) abliefert, ist nicht gut genug und kann die Saison über nicht mehr mitmachen.

Zurück zu Bivens und den eigentlichen Problemen der LPGA. Die sind mit solchen Namen wie Stanford Financial und Bobby Ginn verbunden. Also mit Figuren, die auf allerlei schattige Art und Weise das Geld anderer Leute abgegriffen haben und denen in schlechten Zeiten die Puste ausgeht. Der angebliche Milliardär Allen Stanford sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft. Ginn wurde von zahllosen Zivilklagen eingedeckt. In vermeintlich besseren Zeiten mussten sich die Profigolferinnen in den USA über solche Sponsoren nicht den Kopf zerbrechen. Da hätten sie vermutlich rasch neue gefunden. Aber in diesen Zeiten, in denen jeder Liga und jede Sportart die Grenzen des Wachstums erlebt, sind Frauensporten stärker betroffen. Sie sind schließlich leistungsmäßig nur zweite Wahl, müssen sich aber übers Fernsehen in den USA finanzieren, wo die Männer mit der regulären PGA Tour (und dem Amerikaner Tiger Woods) und der Champions Tour der Altstars bereits jede Menge Aufmerksamkeit und Geld absorbieren.

Da hilft es nicht, wenn Frauen, die fast alle Kim, Park oder Lee heißen und keinen amerikanischen Zuschauer hinter dem Ofen hervorlocken können, auch noch die Ranglisten dominieren.

Ach, ja. Sandra Gal ist in der dritten Runde der US Open mit einer 77 rapide ins Mittelfeld abgesackt. Ihre Chancen auf eine Top Twenty-Platzierung sind so gut wie dahin.

Yahoo hält ESPN in Schach

Manche Völker hören dieser Tage laute und vernehmliche Signale. Zum Beispiel die Leute von Sparty and Friends, wo man sich sehr aufmerksam mit der Arbeitsleistung der Sportreporter der Internetplattformen Yahoo und ESPN beschäftigt. Das Kriterium, das dort für eine Analyse zu Grunde gelegt wird, ist nicht Intelligenz, Schreibstil oder die Attitüde gegenüber Sport und Stars. Es sind die guten alten Journalisten-Tugenden Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Das sind übrigens zwei Eigenschaften, die in der Hetze des Medienalltags stets im Konflikt zueinander stehen. Wer schneller sein will als die Konkurrenz, wird bei der Genauigkeit der Information rasch mal fünf gerade sein lassen, weil er sich nicht die Zeit nimmt, das Gehörte von mehreren Quellen bestätigen zu lassen. Wer Wert auf akkurates Berichten legt und nicht verlacht werden will, weil er zu früh am Abzug war, landet im Rennen um die Breaking-News-Ehre schnell auf dem zweiten Platz.

Im Internet, dieser rasanten Infoschleuder verdient der rasende Reporter meistens trotzdem mehr an Lorbeeren. Denn da draußen wartet eine große hungrige Masse am Computer, inzwischen längst auf den Nachrichtenempfang über Feeds und ähnliche Automatismen eingestellt. Wer da zuerst kommt, erhält mehr Clicks. Wer mehr Clicks bekommt, gewinnt bei der Werbekundschaft.

ESPN war da bislang aufgrund seiner Struktur einfach immer im Vorteil. Der Sender kann sich aufgrund seiner ertragreichen zahlreichen anderen Plattformen – Fernsehen, Radio, Magazin – ein Heer von Zuträgern leisten, die fast alle von der gleichen Scoop-Mentalität beseelt sind. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren fleißig profilierte Schreiber und sogar Blogger von draußen eingekauft und dabei immer wieder signalisiert: Wir sind groß und mächtig und wir wollen das auch bleiben. Auf der Strecke geblieben bei diesen aggressiven Manövern ist die Konkurrenz von Sports Illustrated, die einst den Goldstandard im Sportjournalismus darstellte – und zwar vor allem, weil sie nicht auf das schnelle Geschäft setzte, sondern auf das ausführliche und nachdenkliche Programm. Die Marke Sports Illustrated ist so gut wie verbrannt, trotz zahlreicher Ankäufe von guten Journalisten. Aus dem Magazin wurde nie eine Anlaufadresse im Internet, was angesichts der enormen Aktivtität im Hause Disney langsam zu einem richtigen Problem geworden sein dürfte.

Bei Yahoo hat man dagegen keine Stunde geschlafen, sondern an einem Anspruch gebastelt, der angesichts der schwachen Stellung gegenüber dem Google-News-Konkurrenten geradezu erstaunlich ist. Die Logik war simpel: Als schlichter Aggregator à la Google kann man sich im Sport nicht profilieren. Da braucht man eigene Arbeitsbienen, eigenständige Themensetzung und muss denn auch oft genug vor allen anderen die Nachricht haben – exklusiv. Die durch diese Überlegungen entstandene Konstruktion reicht nicht, um den standhaften Erfolg zu erklären. Bei Sparty deutete ein Kommentator an, was auch wichtig ist: Leser nicht zu nerven und zu überfordern. Das Angebot muss übersichtlich serviert werden. Und es bringt nicht viel, jedem Nachrichtenpups ein Video einzuspielen, das der Nutzer erst mal abstellen muss, wenn er genervt ist. Die Fantasy-Sports-Komponente kommt dazu. Yahoo gilt hier als führend. Bei der hier verlinkten Messung aus dem Mai dieses Jahres steht zwar ESPN ganz oben, aber wenn man die frei nachfolgenden Yahoo-Werte zusammenrechnet, kann man erkennen, wer stärker ist.

ESPN hat bestimmt nicht die Absicht, die Hände in den Schoß zu legen. So wurde neulich ein regionales Konzept angeschoben, um ähnlich wie eine Tageszeitung mit ihrem Lokalteil eine Dienstleistungsebene einzuziehen, die neue Nutzer ansprechen könnte.

10. Juli 2009

Lieber essen und meckern

Glücklicherweise schrieb er nur: "Sie ist möglicherweise der begabteste weibliche Athlet unserer Zeit." Betonung auf "Athlet" – von Tennisspieler war nicht die Rede. Denn sonst hätte man Jason Whitlock vielleicht mal einen Vortrag über die Feinheiten dieser Sportart und die mangelnden Fähigkeiten jener Dame halten müssen, um die es in seinem jüngsten Traktat geht. Um Serena Williams. Und natürlich hätte man ihm Vorhaltungen darüber machen müssen, dass eine Frau, die sehr viel mehr rohe Kraft (und Energie und Ausdauer) hat als ihre Gegnerinnen, durchaus gegen technisch bessere Spielerinnen Erfolg haben kann. Dass es also gar kein Wunder ist, dass sie die anderen von der Platte putzt. Aber zum Glück hat er sich nicht darauf versteift, sondern nur auf die Behauptung, dass Serena Williams in ihrer Karriere viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht hat. Und auf der Basis dieser Hypothese gibt er ihr ordentlich Saures. Zitat:

"Sie würde lieber essen und halbärschig unbedeutende Turniere abspulen und sich darüber beschweren, dass sie wegen ihrer elf Grand-Slam-Titel nicht genug Respekt erhält. Sie beschwert sich darüber, dass sie auf Platz zwei der Weltrangliste steht, wenn sie nicht auf Twitter oder ihrem Blog über die die neuen Regeln in Wimbledon herummeckert, die es Spielern untersagen, in der Umkleidekabine zu essen. Ernsthaft: Wie könnte Serena auch ihre Shorts in Grösse 44 ausfüllen, ohne zwischen Spielen vor ihrem Spind zu sitzen und zu futtern?"

Blick zurück: Wenn Jason Whitlock den Mund voll nimmt, dann richtig
Blick zurück: Was Serena schon vor langer Zeit in einem ausgelöst hat und Was Leute beim Googlen suchen

Coyotes-Konkurs: Das Geheul will nicht enden

Die Nerverei um die Lösung unlösbarer Probleme rund um die Phoenix Coyotes geht weiter. Das liegt unter anderem daran, dass der Eigentümer, der den Laden zum Konkurs angemeldet hat, behauptet, er sei so etwas wie ein bevorrechtigter Gläubiger. Klingt komisch, oder? Nicht für Jerry Moyes, der zuerst die Klitsche am hellichten Tag an die Wand gefahren hat, über 400 Firmen nicht bezahlt hat, die alle noch immer auf ihr Geld warten, Darlehen und Vorschüsse von der NHL verbraucht hat, bis nichts mehr da war, und sich nun hinstellt und: Mir steht das Geld aus einem Verkauf der Restbestände zu, ehe die anderen abgefunden werden.

Der arme Konkursrichter versucht angesichts des Durcheinanders, für das die Liga und die Stadt Glendale mit der eigens für die Coyotes gebauten Halle und der Big Spender aus Kanada, der den Club nach Hamilton in Ontario verpflanzen will, genauso verantwortlich sind wie Jerry Moyes noch die Übersicht zu behalten. Schwierig, so etwas. Der einzig klare Sachverhalt ist die Tatsache, die vor dem Richter bekannt wurde, wonach Wayne Gretzky als Trainer der Coyotes sieben Millionen Dollar im Jahr erhalten hat. Das ist wäre schon viel, wenn man nur an die Verhältnisse in der NHL denkt. Aber es ist extrem hoch, wenn das in Beziehung zu der Leistung des Great One setzt. Wie oft war Phoenix unter Gretzky in den Playoffs? Kein mal. In wie vielen Saisons? In vieren.

In einer anderen Konkurssache fiel diese Woche Gretzkys Name noch einmal. Wenn auch nur als Vorbesitzer einer Villa außerhalb von Los Angeles, die er an den Papiertiger Lenny Dykstra verkaufen konnte, als man für solche Anwesen noch viel Geld erzielen konnte. Rund 18 Millionen Dollar gab es für diesen Schuppen mit Tennisplatz, Swimmingpool, Muckibude und Gästehaus. Dykstra wollte neulich 25 Millionen dafür haben. Ohne Möbel, denn die wurden inzwischen von gewitzten Gläubigern abgeholt.


Blick zurück: Dykstra lebte einst auf großem Fuß

Gal auf dem Vormarsch

Sie begann heute früh morgens mit einem Birdie und schaffte einer 71er Runde. Das war auf diesem schweren Platz eine richtig gute Leistung und bedeutete, dass Sandra Gal am Freitag im Klassement der US Open auf den 19. Platz vorrückte. Sie befindet sich damit in Sichtweite einer sehr guten Platzierung und gehört zu einer Handvoll von Europäerinnen, die oben mitspielen. Wie schon befürchtet: Anja Monke hatte auf der zweiten Runde nicht genug Fortüne und scheiterte am Cut.

Nicht zu vergessen: Martin Kaymer, der in Schottland seine Form halten konnte, mit der er vor einer Woche in Frankreich sein drittes Turnier auf der European Tour gewonnen hatte. Er liegt bei den Scottish Open in Loch Lomond nach zwei Runden auf dem dritten Rang. Noch bemerkenswerter. Deutschlands bester Golfer liegt mittlerweile auf dem 19. Platz der Weltrangliste und würde mit einem Top-Five-Resultat an diesem Wochenende weiter nach oben klettern.

9. Juli 2009

Sandra Gal: Immer noch Chancen auf den Solheim Cup

Morgen wird's eng für die Teilnehmerinnen der US Open im Golf in Bethlehem/Pennsylvania. Am Ende des Tages wird gesiebt. Den Cut überstehen nur die besten 60 (und alle die sich den letzten Platz teilen, auf dem man sich noch qualifizieren kann). Es sei denn, die Spitze und die Mitte schrumpfen so eng zusammen, dass eine andere Regel greift. Nach der kommt jeder weiter, der maximal zehn Schläge hinter der Führenden liegt.

Wie dem auch sei: Sandra Gal hat nach der ersten Runde durchaus gute Chancen. Sie liegt auf dem 50. Rang mit 75 Schlägen (vier über Par) und damit sieben hinter der Spitze, die von der Koreanerin Na Yeon Choi gehalten wird. Für Anja Monke, die in diesem Jahr permanent mit der Cut-Grenze flirtet, sieht es schon erheblich schlechter aus. Platz 84 und sechs über Par. Martina Eberl, die dritte Deutsche im Feld, die anders als ihre beiden Landsleute auf der Ladies European Tour spielt, stieg nach knapp der Hälfte der ersten Runde mit einer Handgelenksverletzung aus. Sollte sie das Problem kurieren können, bleiben ihre Chancen auf die europäische Solheim-Cup-Mannschaft erhalten. Dort liegt sie in der Wertung zur Zeit auf Rang vier. Die entscheidenden Punkte stammen allerdings aus der vergangenen Saison. Nur fünf kommen automatisch über diese Liste in die Mannschaft. Gute Chancen haben auch noch Suzann Peterson (Norwegen), Anna Nordqvist (Schweden) und der letzte Solheim-Captain Helen Alfredsson (Schweden). Denn vier Frauen kommen automatisch über die ziemlich kuriose Weltrangliste in die Mannschaft.

Dort sieht für Sandra Gal zur Zeit nicht so gut aus. Sie hält momentan den 71. Platz und ist mit ihrer Punktzahl nicht in Reichweite von Maria Hjorth, die jene Vierte wäre, die es auf diese Weise schafft. Viel hängt also davon ab, wie Captain Alison Nicholas (England) die restlichen drei Positionen besetzt. Die Europäerinnen wurden 2007 stramm abgefertigt und sind klare Außenseiter. Der Wettbewerb wird vom 17. bis 23 August in Rich Harvest Farms in Illinois ausgetragen.

Eine Frau ist in diesem Jahr ganz bestimmt nicht dabei: Annika Sörenstam. Die ehemalige Weltranglistenerste zog sich in der vergangenen Saison vom aktiven Golf zurück und meldete im Frühjahr, dass sie schwanger ist. Die Spielerinnen für den Cup werden am 2. August nach den British Open benannt.

Neues vom Velo-Jesus

Es ist sicher unfair darauf hinzuweisen, dass Lance Armstrong einst auch Metastasen im Hirn hatte, die im Rahmen seiner Krebsbehandlung herausoperiert wurden. Denn der Typ war schon vorher ziemlich unerträglich. Außer vielleicht, um darauf hinzuweisen, dass die Ärzte damals eine Form der Metastisierung nicht in den Griff bekommen haben: die langsame, aber unaufhaltsame Transformation zum Velo-Jesus, der alles und jeden instrumentalisiert, um sich zu mehr als nur zu einem Helden der Landstraße aufzubrezeln. Natürlich hat so ein Jesus auch seine Apostel. Die mit dem lautesten Megaphon sind die von Nike. Die verstehen viel vom Zuschnitt von Marketing-Botschaften und der Außendarstellung von Kotzbrocken jeder Preisklasse. Das war einst Teil des gesamten Markenauftritts.

Mit Armstrong kann man allerdings noch einen Schritt weiter gehen. Der Mann hat schließlich einen Verfolgungskomplex allererster Güte und sieht hinter jedem Baum einen Gegner, den es aus dem Weg zu rempeln gilt. Und so kommen Werbespots zustande, die den Eindruck erzeugen, als sei er der einzige Mensch auf der Welt, der wirklich etwas für die Krebsbekämpfung und gegen eine Krankheit tut, deren Ursachen, Auslöser und Mechanismen das wissenschaftliche Establishment auch nach hundert Jahren Forschung nicht versteht. Der einzige, dessen Methoden man nicht kritisch hinterfragen darf. Denn, merke, wer Lance Armstrong angreift, bedroht das Wohlergehen von Millionen....

Dies ist der neueste Werbespot:


Und dies sind Stimmen aus den USA von Leuten, die sich mit den Augen reiben, wenn sie so etwas sehen – hier und hier. Deadspin sieht in dem Werbespot die Arbeitsweise aus der amerikanischen Politik, wo Republikaner seit Jahren einen trickreiche Methode kultivieren und sich als Opfer der Medien, der gesellschaftlichen Elite und anderer Bösewichter darstellen und sich auf Schritt ins Sternenbanner hüllen, um im gleichen Atemzug die wildesten Politikprojekte durchzusetzen oder den Fortschritt zu torpedieren. Das nennt man auf gut Englisch resentment politics. Der Hinweis auf Sarah Palin wirkt allerdings eher daneben. Armstrong wäre auch ohne Dope ein ziemlich guter Radrennfahrer. Sarah Palin ist wirklich nur ein Schwätzer.

Musikvideos: Raus dem gemachten Bett

Gestern kursierte in den USA die Meldung, wonach sich eine der beiden Urheberrechtsgesellschaften der Musikbranche nicht nur an YouTube schadlos halten (der Streit wird zur Zeit vor Gericht ausgetragen), sondern sich auch mit Webseiten-Betreibern anlegen will, solche YouTube-Videos einbetten. Damit kommt die fragliche Firma zwar möglicherweise nicht durch. Aber wer das ausfechten und sich dagegen wehren will, braucht gute Anwälte und viel Geld. Wer das nicht hat, lässt wohl erst einmal besser die Finger von den Videos und koppelt die alten wieder aus. Exakt das ist hier passiert.

Wie sich beim Hausputz herausstellte, gab es manche der Song-Darbietungen (meistens von Live-Aufnahmen und keine MTV-artigen Kunstproduktionen) auch bei YouTube nicht mehr, weil irgendjemand interveniert hatte. Weshalb ich in solchen Fällen einfach gar nichts gemacht habe. In den anderen habe ich ein Link zur entsprechenden YouTube-URL gesetzt. Man kann die Aufnahmen also immer noch finden. Es ist damit alles nur ein Hauch umständlicher geworden. Die Linksammlung in der rechten Spalte weiter unten musste natürlich umgetauft werden. Sie heißt jetzt: Beiträge über Musiker und Musik. Denn die Texte selbst blieben unverändert.

8. Juli 2009

Der Klingelbeutel: Wie steigert man bizarr?

Die Mordsache Steve McNair bleibt bizarr. Nachdem bekannt wurde, dass die tote Freundin neben ihm wenige Tage vorher eine Waffe gekauft hatte, wurden Rap-Songs ihres Ex-Freundes aufgestöbert. In einem der Musikstücke spricht er eine ähnliche Situation mit kaputtgegangenen Beziehungen und Rachgelüsten an. Jetzt ließ seine Schwester ausrichten, dass der Text nichts mit dem akuten Fall zu tun hat, sondern mit einer Geschichte, die ihren eigenen Ex betrifft. Wer blickt noch durch?

Nachtrag sieben Stunden später: Die Polizei geht nun mehr ganz offiziell davon aus, dass die Freundin erst McNair erschossen hat und dann sich selbst.

• Coach K bleibt wohl der Trainer der US-Basketballnationalmannschaft. Das spricht dafür, dass es aus dem Lakers-Gig nichts wird.

• Die NBA inszeniert die Deflation jenes Schwellenwerts, den sie einst selbst erfunden hatte, um den Anstieg der Spielgehälter zu bremsen. Anstieg? Nichts mehr mit Anstieg. Die Salary Cap sinkt. Demnächst vermutlich sogar dramatisch. Wir werden uns sich demnächst mal etwas ausführlicher mit der Geschichte beschäftigen müssen. Denn sie wird sich ganz direkt auf den nächsten Nowitzki-Vertrag auswirken. Bis dahin sollte mal ein kurzer Blick zurück genügen. In diesem Post steht ziemlich klar, dass die NBA unter einer extremen Verzerrung des Gehaltssystem leidet. Nicht die Besten und Erfolgreichsten verdienen querbeet am besten. Wenn das so wäre, wäre der Druck auf die Gehaltsstruktur nicht halb so stark.

Joe Sakic hört auf

Zwanzig Jahre NHL sind genug. Joe Sakic, der Kapitän der Colorado Avalanche, geht in den Ruhestand. Gedraftet wurde er von den Quebec Nordiques (falls sich jemand nicht daran erinnern kann: Das war mal ein Eishockey-Team in der NHL, das 1995 die Koffer packte und von Kanada nach Denver umzog). Zweimal Gewinner des Stanley Cup, der beste Spieler des olympischen Turniers 2002 in Salt Lake City. Sakic kommt aus dem Großraum Vancouver, weshalb viele geglaubt haben, er würde sich noch um einen Platz in der Olympiamannschaft für den kommenden Winter bemühen. Aber die Aussichten darauf waren mehr als gering. In der letzten Saison war er die meiste Zeit verletzt.

Zu den Nordiques fallen einem bei der Gelegenheit noch zwei Dinge ein: Uwe Krupp spielte dort und wechselte mit dem Club nach Colorado. Und die Saga rund um Eric Lindros, den das damals notorisch schlechte Team als ersten aus dem Draft-Pool ziehen konnte. Lindros galt als Riesentalent in der Größenordnung eines Wayne Gretzky und wollte nicht im hohen Norden spielen, wo man auch noch Französisch sprechen muss, wenn man mit dem Umfeld kommunizieren will. Nach einem Jahr Gezerre wurde er schließlich an die Philadelphia Flyers abgegeben. Der Tausch brachte den Nordiques jede Menge Bausteine für den späteren Erfolg: fünf Spieler namens Peter Forsberg, Mike Ricci, Ron Hextall, Steve Duchesne und Kerry Huffman, einen nicht sofort benannten Spieler, aus dem Chris Simon wurde, zwei Erst-Runden-Draft-Plätze und 15 Millionen Dollar in bar. Aus einem der Draftplätze wurde der Torwart Jocelyn Thibault. Lindros wurde zu einem spielbestimmenden Spieler, aber nicht zum Superstar und musste wegen häufiger Gehirnerschütterungen schon vor einer Weile seine Karriere beenden.

Das Highlight-Video zu Ehren von Sakic:

7. Juli 2009

Die anderen Hartplatzhelden

Auch das sind irgendwie Hartplatzhelden: diese Jungs, die in der Halle spielen und dort ihre Kunststückchen abspulen. Hier der Alessandro Rosa Vieira, der sich in einer Verbeugung vor einer Legende Falcão nennt, in einem Match gegen Brasilien mit einem einmaligen Sololauf und einem verblüffenden Heber. Diese Fußball-Variante nennt sich Futsal und ist in Deutschland nicht besonders verbreitet (sagt Wikipedia). Wenn das so ist, genießen wir einfach nur, was die anderen zu bieten haben. Eine Szene aus einem Match zwischen Brasilien und Rumänien.

6. Juli 2009

Federer ganz oben

Kaum hat Roger Federer Wimbledon gewonnen und damit Pete Sampras in der Liste der Grand-Slam-Erfolge überholt, sitzen Leute vor ihren Computer und machen sich Gedanken darüber, wie man total nicht vergleichbare Kritierien zu Rate zieht, um eine dieser unsäglichen Listen aufzustellen. Diesmal ist es die Liste der großartigsten Sportler aller Zeiten. Und diesmal war der Londoner Telegraph am schnellsten. Ehe wir uns mit den Feinheiten beschäftigen, hier die Rangordnung Sammlung (siehe Kommentar von probek):

1. Roger Federer (Tennis)
2. Jack Nicklaus (Golf)
3. Muhammad Ali (Boxen)
4. Michael Jordan (Basketball)
5. Michael Phelps (Schwimmen)
6. Martina Navratilova (Tennis)
7. Pelé (Fußball)
8. Usain Bolt (Leichtathletik)
9. Valentino Rossi (Motorradrennen)
10. Babe Ruth (Baseball)
11. Michael Schumacher (Automobilrennen)
12. Lance Armstrong (Radrennen)
13. Sir Steve Redgrave (Rudern)
14. Jackie Joyner-Kersee (Leichtathletik)
15. Wayne Gretzky (Eishockey)
16. Carl Lewis (Leichtathletik)
17. Don Bradman (Cricket)
18. Gareth Edwards (Rugby)
19. Joe Montana (American Football)
20. Shane Warne (Cricket)

Wer fehlt? Tiger Woods. Ella ("Babe") Didrikson Zaharias (dominant in der Leichtathletik UND im Golf, der Bergsteiger Reinhold Messner (wenn Schumacher ein Sportler ist, dann ist er das tausendfach), mindestens ein herausragender Zehnkämpfer, die logischerweise nicht über Jahrzehnte ihre Form halten können, weil deren Programm wirklich auf die Knochen geht. Obendrein ist es ist Unsinn, den besten Reiter beziehungsweise den besten Jockey aller Zeiten als Beispiel für Langzeiterfolge auszulassen. Wer Gretzky für ausreichend qualifiziert hält, macht einen Fehler, wenn er nicht zumindest einen Russen ebenfalls nominiert und so weiter und so fort...

Aber zum Glück gibt es Alternativen. Hier eine Liste der besten fiktionalen Sportheroen. Der Sieger? Al Bundy von Eine schrecklich nette Familie.

Jason Kidd bleibt in Dallas

Mark Cuban fand, dass Jason Kidd in seinem Alter noch 25 Millionen Dollar wert ist. Und Jason Kidd sagte: Danke. Und so steht er in den nächsten drei Jahren den Dallas Mavericks zur Verfügung. Natürlich kann das Team ihn nun per Trade an einen anderen Club abgeben. Aber das scheint nicht die erste Option. Unter Strich: Nowitzkis Mannschaft wurde mit dieser Maßnahme nicht besser. Wenn sie die Playoffs erreichen wollen, brauchen sie noch ein paar stämmige Kerle.