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25. Juni 2009

Shaq muss wandern – von einem Ort zum andern

Wenn der Handlungszwang zu groß wird, kommt so etwas dabei heraus: Ben Wallace, Sasha Pavlovic und ein Draft-Platz plus eine Summe Bargeld für Shaquille O'Neal. Das ist das Arrangement zwischen den Cleveland Cavaliers und den Phoenix Suns, das beiden Mannschaften auf unterschiedliche Weise NICHT hilft, sondern nur an der Optik bastelt. In Phoenix ist es die Optik der Gehaltsstruktur, weil man in O'Neal einen extrem teuren Center hatte. Jetzt kann man ein Sparprogramm fahren. In Cleveland ist es die Anmutung einer Lösung für ein Problem auf dem Platz. Und das funktioniert auch nur unter einer Bedingung: Dass O'Neal nicht verletzt zuschauen muss. Aber der Umbau sorgt wirklich für nicht mehr als ein Heftpflaster. Dass LeBron James jetzt manchmal den Ball an jemanden in Korbnähe abgeben kann, der ihm diesen Ball dann wieder zuwirft, führt gegen die beste Verteidigungsarbeit der Liga, also das, was die Los Angeles Lakers zuletzt gezeigt haben, zu nicht mehr als Geplänkel. Tempogegenstöße mit O'Neal? Viel Glück, möchte man da sagen. Die letzte Mannschaft, die noch etwas von diesem einst wirklich ganz bemerkenswerten und wirkungsvollen Spieler hatte, war Miami Heat. Lang, lang ist's her. Immerhin: Die Gerüchte um einen Wechsel von Yao Ming sind damit vom Tisch.

18. Dezember 2008

Wie man den Spurs heimleuchtet


Steve Nash gehört zu wenigen Profis in den USA, die hin und wieder eine politische Stellungnahme abgeben. Diesmal geht es um Stromsparen und also auch um Umweltschutz. Das heißt, eigentlich geht es darum, den San Antonio Spurs heimzuleuchten. Mit einem Jux auf deren Kosten. Die Mannschaft ist berühmt für ihre Schwalben-Künstler wie Tony Parker und Manu Ginobili, die bei jedem Windhauch zu Boden gehen. (Englisch: flops).
via With Leather

12. Oktober 2008

NBA-Test: Ein Spiel unter freiem Himmel

Das beste Wort für den Abstecher der NBA in die Wüste von Kalifornien und in ein Tennis-Stadion: Gimmick. Aber damit war wohl zu rechnen, dass die Liga einen Weg findet, den Eishockeybossen nachzueifern, die von jetzt ab jeden Neujahrstag in großen Stadien spielen lassen wollen. Also mussten die Phoenix Suns und die Denver Nuggets nach Indian Wells fliegen (ein Nachbarort von Palm Springs) und unter Flutlicht unter freiem Himmel ein Vorbereitungsspiel austragen. Es muss ziemlich kalt gewesen sein (normal für die Nächte in der Wüste) und obendrein auch noch windig. Die Zusammenfassung kann man hier lesen. Mehr Fotos findet man hier. Man kann übrigens die Gegend durchaus empfehlen, außer im Sommer. Im Juni, bei meinem letzten Abstecher, hatte man tagsüber Brutkastentemperaturen von 40 Grad im Schatten und keinen Schatten. Es ist eine blitzblanke, neureiche Oasenlandschaft mit vielen, rechtschaffen guten Golfplätzen, inzwischen auch einer Reihe von Indianer-Casinos und einem sehr informativen Wüsten-Lehrpfad in Palm Desert. Die beste Zeit ist das Frühjahr, wenn die karge Pflanzenlandschaft blüht und man auf dem ziemlich hohen Bergrücken gleich nebenan noch durch den Schnee wandern kann. Man fährt mit einer Gondel hoch.

26. Juni 2008

Draft-Tag mit vielen Querpässen

Brook Lopez ging mit dem zehnten Pick zu den New Jersey Nets, sein Zwillingsbruder Robin als Nummer 15 zu den Phoenix Suns. Und beide waren zufrieden. Wer in der ersten Runde der NBA-Draft gezogen wird, hat erst mal ausgesorgt. Ob die Golferin Michelle Wie ebenso gut gelaunt war, ließ sich in der Eile nicht ermitteln. Anzunehmen ist es nicht. Nach ihrem respektablen Resultat bei den Ladies German Open außerhalb von München produzierte sie heute bei den US Open eine häßliche Kennziffer. Dank eines Super-Dooper-Fünffach-Bogeys am vierten Loch (eine neun an einem Par 4) kam sie mit einer 81 ins Clubhaus. Sie liegt auf Platz 146 von 156 Teilnehmern (Bettina Hauert liegt drei Schläge besser auf Platz 124 und hat zumindest theoretisch noch eine Chance auf den Cut).

Was hat Wie mit der NBA zu tun? In den USA nennt man das Dating. Was viel und wenig heißen kann, solange keiner der beiden - weder Michelle noch Robin - offiziell zum Stand der Dinge Stellung nimmt. Das Foto in diesem Blog aus dem März kann man nur als Scheinbeweis bezeichnen. Wo soll ein so langer Lulatsch wie der ehemalige Center von Stanford seinen Arm hintun, wenn er neben einer nicht gerade kleinen Frau bei einer Veranstaltung sitzt und sie sich an ihn lehnt? Aber, der fleißige espn.com-Kolumnist Andy Katz hat neulich Robin gefragt und herausgefunden, dass zumindest mal etwas an der Klatschgeschichte dran gewesen sein muss. Derzeit befinde sich die Beziehung in einem Schwebezustand.

Das ist sicher auch das beste Wort für Mannschaften wie die New Jersey Nets, die nach Jason Kidd (jetzt in Dallas) heute Richard Jefferson abgaben, um sich den Chinesen Yi Jianlian aus Milwaukee zu holen, der damit endlich in die Nähe einer ordentlichen Chinatown zieht – in Lower Manhattan. Sein neuer Kollege, Robins Zwillingsbruder Brook, ebenfalls ein Center, gilt übrigens als der bessere und fleißigere der beiden Lopez-Burschen. Das Wort Schwebezustand könnte man auch auf die New York Knicks anwenden, die das Kunststück fertig brachten, den Sohn eines ehemaligen Mannschaftskameraden des neuen Trainers zu verpflichten. Das liegt daran, dass Coach Mike D'Antoni einst in Mailand spielte, wo ein gewisser Vittorio Gallinari sein Nebenmann war. Der Trainer denkt europäisch und will Tempo spielen, etwas was die New York Daily News heute schon vorausgeahnt hatte. Und so kam's Danilo Gallinari, ein 19-jähriger Small Forward, ging an Nummer sechs weg.

Aber die Michelle-Wie und die Italian Connection waren nicht mal hübscheste Verbindung der NBA in andere Bereiche. Das Attribut repräsentierte gestern Kevin Love. Sein Vater Stan spielte vier Jahre in Baltimore und bei den Lakers in der Liga. Sein Onkel Mike Love ist der Sänger der Beach Boys.

19. April 2008

Suns verlieren in San Antonio: Unbegreiflich

Unbegreiflich. Wenn sich die Phoenix Suns innerlich auf einen Gegner in den NBA-Playoffs eingestellt hatten, dann diesen - die San Antonio Spurs. Wegen Tim Duncan hatten sie Shaquille O'Neal aus Miami geholt und eine Menge Substanz und Tempo abgegeben. Heute hatten sie erste und beste Gelegenheit zu zeigen, wie man die Umbauarbeit in Erfolg ummünzt.

Unbegreiflich: Die San Antonio Spurs gingen erst zweieinhalb Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit zum ersten Mal im gesamten Match in Führung. Sie brauchten einen Dreier von Michael Finley, um sich in die erste Verlängerung zu quälen. Sie brauchten einen Dreier von Tim Duncan - den ersten der gesamten Saison -, um sich in die zweite Verlängerung zu quälen. Und dann machten sie langsam, aber sicher den Sack zu und waren klug genug, die Partie zwei Sekunden vor dem Ende zu entscheiden. Die Suns hatte keine Auszeiten mehr. Ja, und das war's. 117:115.

Unbegreiflich. Denn das war die Begegnung, die die Suns in der Halle der Spurs gewinnen mussten. Denn sie haben in der Best-of-Seven-Serie als schlechter Platzierter nur maximal drei Heimspiele. Das war die Begegnung, die sie dreimal gewinnen konnten. Aber gegen Schluss kulminierte die Leistung in kleinen mentalen Fehlern. Der schwerwiegendste war vermutlich der von Steve Nash im vierten Viertel, als er die Shot Clock aus den Augen verliert und die Suns ohne Wurfversuch den Ball abgeben. O'Neal ist sicher nicht das viele Geld wert, das ihm die Suns bezahlen. Aber er war durchaus ein brauchbarer Fels in der Brandung.

Die San Antonio Spurs mögen diese Art von Basketball innerlich richtig gut finden - ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg. Aber damit stehen sie vermutlich weit und breit alleine da. Am meisten wird sich Mark Cuban ärgern. Der bezahlt noch immer das Gehalt für Michael Finley. Die Mavericks sind übrigens in ein paar Minuten an der Reihe.

9. März 2008

Warum Shaq und Cejka plötzlich wach werden

Wenn mehr auf dem Spiel steht, werden selbst Sportler noch mal wach, die bereits so wirkten, als wären sie auf dem Weg in die Frührente. Wir reden von ersten Spiel von Shaquille O'Neal im Trikot der Phoenix Suns, bei dem er seinen müden schweren Körper endlich auf die Betriebstemperatur gebracht hat, die man von ihm in Arizona von Anfang an erwartet hat. Wenn man sieht, wie reaktionsschnell Shaq auf einmal arbeitet und wie er in die dritte Sitzreihe fliegt, um noch einen Ball im Spiel zu halten (siehe Video), kommt man nur auf eine Erklärung für die Energieleistung: ein Gegner von der Klasse der San Antonio Spurs. Das ist gut. Denn um in den Playoffs gegen die Spurs und gegen Tim Duncan zu bestehen, wurde O'Neal geholt. Da macht es Sinn, dass er bereits kurz vorher mal aufblitzen lässt, was die Suns mit ihm gegen San Antonio auszurichten in der Lage sind.


Im Golf haben wir einen ähnlichen Fall. Obwohl die Anhaltspunkte dafür eher verschwommen sind. Aber wieso spielt Alex Cejka auf einmal so viel besser als in den letzten Jahren, in denen er immer froh sein durfte, wenn er die Tourkarte für ein weiteres Jahr behalten durfte? Falls er die Forumsbeiträge auf seiner eigenen Webseite liest, vermag man nur auf eine Erklärung für den Aufschwung zu kommen: Martin Kaymer. Der 23jährige macht dem einst als Nachfolger von Bernhard Langer apostrophierten Exil-Tschechen mit dem deutschen Pass und dem amerikanischen Lebensmittelpunkt gerade vor, wie man eine Karriere so exerziert, dass die richtigen Leute aufmerksam werden. Der Sieg in Abu Dhabi und der zweite Platz in Dubai war nicht die einzige Botschaft, die Kaymer an die Welt geschickt hat. Die viel deutlichere Nachricht stand in Dubai auf seiner Mütze zu lesen, auf der sich in Abu Dhabi noch kein Sponsorenname befand: Er hatte einen Vertrag mit Titleist abgeschlossen, der renommiertesten Firma im internationalen Ausrüstergeschäft. Das heißt unter anderem: dass er die besten (und populärsten) Bälle im Bag hat. Cejka muss, weil ihn niemand anderer haben wollte, Srixon spielen. Was keine Schande ist. Aber trotzdem ist das so etwas wie der Ausweis seines Zweit-Liga-Status. Ein Status, auf die Stirn gedruckt, mit dem man jede Woche, vertraglich bedingt, öffentlich herumlaufen muss. Natürlich gibt es da nur eins: Besser spielen, positiv auffallen, die Vertreter der anderen Firmen beeindrucken, um bei der nächsten Vertragsrunde ein bemerkenswertes Angebot auf den Tisch zu bekommen. Am besten von einer Firma mit einem guten Namen. Und mit hervorragendem Material (Disclaimer: Ich spiele Ping-Eisen, einen Cleveland-Driver, Callaway-Hölzer, einen Mizuno-Putter und gefundene Bälle der Marken Titleist, Callaway und Nike - ich bin keiner Marke verpflichtet).

7. Februar 2008

Shaq in Phoenix: Einreiher mit drei Knöpfen

Sie müssen auf ihn gewartet haben. Das steht fest. Sehnlich gewartet haben. Und weil sie noch nicht wussten, welches Trikot er tragen wird, haben sie einfach ein anderes Kleidungsstück genommen. Oder heißt das, dass die Phoenix Suns damit rechnen, dass Shaquille O'Neal nur auf der Bank sitzen wird? Zuhause und auswärts? Quelle: Le Basketbawl. Es gab vorher bereits andere Visionen. Zu dem Trade wird es noch mehr zu sagen geben. Zumal keiner so richtig versteht, was die Suns dabei gewonnen haben.

23. Dezember 2007

Nichts zu Weihnachten


Kurz vor Weihnachten schenkte Dirk Nowitzki seinem Freund Steve Nash eine Kleinigkeit, über die er sich nicht so richtig freuen wird: eine Niederlage. Hinterher musste der Sieger mal wieder dumme Fragen zum Thema Kumpeltum beantworten. Von wegen Weihnachtsgeschenke und so. Antwort? Niemand bekommt welche. Eine solche Einstellung gegenüber dem Rummel und Gedöns können wir gut verstehen. Geschenke sind so was von overrated. (via Can't Stop the Bleeding)

2. Oktober 2007

Eine Fratze im Maisfeld

Manchmal sind Ähnlichkeiten mit lebenden Personen durchaus beabsichtigt. Wie hier in einem Maisfeld unweit von Phoenix, wo die Familie Schnepf eine Farm betreibt und sich seit ein paar Jahren in so 'ner Art Land Art versucht. Der Mann, der auf diese Weise porträtiert wurde, hatte nur wenig dazu zu sagen, als er die Farmer-Familie besuchte: "Es ist bizarr", sagte Steve Nash, der zweifache MVP der NBA und Spielmacher der Suns. "Ich weiß wirklich nicht, was ich davo halten soll. Es ist ziemlich cool." Besucher, die das Ganze natürlich nicht aus der Vogelperspektive sehen können, haben aber immerhin die Gelegenheit, auf den herausgemähten Linien durchs Feld zu wandern, und dürfen versuchen, sich dabei nicht zu verlaufen. Familie Schnepf hat natürlich eine Webseite, weiß, wie man Pressemitteilungen verfasst, hat das Lokalblatt da gehabt und einen Kameramann für ein Video aus Anlass der
Steve-Nash-Visite. Nicht schlecht für eine riesige Fratze, die noch vor Beginn der neuen Saison abgeerntet sein wird (via Deadspin und 100 Percent Injury Rate)
Blick zurück: Steve Nash versteht Spaß

1. Juni 2007

LeBron James im Alleingang: eine Basketball-Gala

Es gibt also doch noch Hoffnung auf eine halbwegs interessante NBA-Finalserie. LeBron James hat gerade mit einer Super-Sondershow im Alleingang die Cleveland Cavaliers die Schweiß-Roboter der Detroit Pistons an die Wand geschoben. Das Spiel ging über zwei Verlängerungen und war denkbar knapp (109:107). Aber es brachte die Cavaliers mit 3:2 in der Serie in Führung. Nun brauchen sie nur noch einen Sieg - entweder am Samstagabend zu Hause oder notfalls in einem siebten Match in Detroit am Montag. Cleveland hätte das Marathon-Spiel am Donnerstag nicht nötig gehabt. Aber dazu hätten sie die eklatante Freiwurfschwäche ablegen müssen, wie sie die Mannschaft schon in der Tabellenrunde plagte. Mit nur verwandelten 71,8 Prozent nämlich hat man einen schweren Stand. Die ersten Reaktionen auf die Leistung von James, der fast alle von Clevelands Punkten im vierten Viertel und restlos alle in den beiden Verlängerungen erzielte und dabei aus allen Lagen traf waren emphatisch. AP spricht von "einer der spektakulärsten Leistungen in der Playoff-Geschichte" und Fernsehkommentator Steve Kerr nannte den Auftritt des 22jährigen "jordanesk".

Kerr, der neben Michael Jordan bei den Bulls dreimal Meister wurde und später bei den San Antonio Spurs zwei weitere Titel holte, wird Meldungen zufolge neuer Chefmanager der Phoenix Suns. Ihm gehört bereits ein geringer Anteil des Clubs.

Nachtrag: Eine paar Gustostückerl von King James aus dem Spiel gibt es in dieser kurzen Zusammenfassung.

16. Mai 2007

Ende der Fahnenstange für die Warriors

Nellie-Ball war zwar gegen die harmlosen Mavericks gut genug. Gegen die ambitionierten Utah Jazz reichte es nicht. Das heißt: Es reichte meistens für drei Viertel oder ein bisschen mehr, aber so gut wie nie am Schluss der Spiele. Das war am Dienstagabend in Salt Lake City erneut zu sehen. 87:100 aus Sicht der Golden State Warriors war alles, was die Gäste herausholen konnten, die selbst in guten Momenten nie den Eindruck machten, als könnten sie das Playoff-Aus noch wenden. In den Phasen, in denen es lief, produzierten sie einen Haufen hastiger Abspielfehler. In den Zeiten, in denen es klemmte, zeigten sich die blank gescheuerten Nerven. 4:1 für Utah, das im Western Conference Final auf den Sieger der Serie zwischen den Phoenix Suns und den San Antonio Spurs wartet.

Vieles spricht für die Spurs, die mit ihren biederen Gesichtern so aussehen, als würden sie keinem etwas zu Leide tun können. Wohl kaum: Abgesehen von Bruce Bowen macht sich auch Robert Horry gerne die Hände schmutzig. Und nachdem er Steve Nash am Montag aufs Kreuz legte und daraufhin Amare Stoudamire und Boris Diaw Richtung Spielfeld rannten, sieht die Sache ziemlich gut aus. Horry wurde zwei für zwei Spiele gesperrt. Aber die beiden Suns-Spieler dürfen am Mittwoch in Match 5 ebenfalls zuschauen. Die Provokation hätte nicht wirkungsvoller ausgehen können. Das hat sich die NBA selbst eingeschenkt, dass sie unappetitlich spielende und auf unattraktive Weise gewinnende Mannschaften auf diese Weise weiterkommen lässt. Die Einschaltquoten von Spurs-Spielen sind legendär niedrig. Hier die Horry-Szene und die Reaktionen der Spieler, die zu den Sperren führten:

14. Mai 2007

Der sehr dreckige Herr Bowen arbeitet weiter mit seinen fiesen Tricks

Manche in der Blogosphäre nennen es selbstreferentiell, wenn man seine eigenen Artikel abstaubt und aus dem Archiv zieht. Aber da ich aus Anlass der Playoff-Serie zwischen den Dallas Mavericks und San Antonio Spurs vor einem Jahr schon einmal ausführlich in der FAZ über Bruce Bowen geschrieben habe, halte ich es für angebracht, den Artikel in Auszügen zu zitieren. Damals hatte Nowitzki das Problem. Diesmal sind es die Phoenix Suns. Dazu mehr weiter unten:
"Auf jeden Star in der besten Basketballliga der Welt kommen mindestens fünf Spieler, deren Namen sich niemand merken kann. Sie sitzen am hinteren Ende der Ersatzbank und sind froh, wenn sie überhaupt zum Einsatz kommen. Manche warten Jahre und erleben schließlich ein bizarres Debüt vor den Kameras des amerikanischen Fernsehens. "Meine Familie in Kalifornien hat zugeschaut", sagt Bruce Bowen in Erinnerung an den Tag in Miami, an dem er sich nervös aus seinem Trainingsanzug pellte und mitten im Spiel gegen die Houston Rockets auf den Platz trabte. Alles schien nach Plan zu laufen, als er wenige Sekunden später mit einer Energieleistung einen sicheren Korb verhinderte. "Das war ein Block von . . .", sagte der Kommentator und stockte. "Er hatte keine Ahnung, wer ich bin", sagt Bowen....

... Bowen, der mit seinem rasierten Kopf und den großen melancholischen Augen eher harmlos aussieht, verläßt schon einmal den grauen Bereich zwischen dem, was man in der NBA als normale körperliche Härte akzeptiert, und unsportlichen Angriffen, bei denen er die Gesundheit seiner Gegner riskiert. Kein Wunder, daß er unter den NBA-Profis den Ruf eines "dirty player" genießt. So wurde er Ende März [2006] von der Liga mit 10 000 Dollar Strafe belegt, weil er Ray Allen von den Seattle Supersonics bei einem Zweikampf, bei dem beide zu Boden gegangen waren, wutentbrannt in den Rücken getreten hatte. Das ist nichts gegen eine Szene aus einer Partie vor ein paar Jahren, als er im Stile eines Fußballers einen Widersacher mit einem Bein voraus ansprang und am Kopf traf...

...In das erfolgreiche System der San Antonio Spurs paßt er...bestens hinein. Beim Meister von 2005 herrschen drei Grundregeln: Kein Spieler zählt mehr als der andere - auch nicht Center Tim Duncan, der an guten Tagen alleine ein Spiel entscheiden kann. Trainer Gregg Popovich ist der uneingeschränkte Chef und duldet keine Aufsässigkeit. Vor allem aber ist hartnäckige Defensivarbeit der zentrale Bestandteil der Spielkultur..."

Bowen spielte übrigens damals im Trikot der Miami Heat, war nur ganze 33 Sekunden im Einsatz und saß anschließend den Rest der Saison auf der Bank. Die NBA täte gut daran, ihn auszusieben. Die Belege seiner Unsportlichkeit sind unübersehbar. Die Attacke gegen Amare Stoudamire war genauso unsportlich wie die gegen Steve Nash (ein Knietritt in die Geschlechtsteile). Bei YouTube gibt es bislang nur das Stoudamire-Video:

15. März 2007

Nash vs. Nowitzki: Eine MVP-Show vom Feinsten

Dies war ein Spiel, das wirklich mehr bot, als es versprach: vor allem spektakuläre, athletische, kluge, einfallsreiche Basketballszenen und ein atemloses Tempo. Und das noch über 58 Minuten. Denn so lange brauchten die Phoenix Suns und die Dallas Mavericks, um auszusortieren, wer an diesem Abend einen Hauch besser war. MVP-Kandidat Dirk Nowitzki hatte es nicht nur einmal, sondern gleich dreimal in der Hand, das Schicksal zu wenden. Die größte Panne unterlief ihm kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit, als er nur einen von zwei Freiwürfen verwandelte und MVP-Kandidat Steve Nash anschließend einen Dreier versenkte und ausglich. Nowitzki hatte den Ball im Gegenzug wieder in der Hand. Doch sein Sprungwurf zum Sieg verfehlte das Ziel. Kurz vor dem Ende der zweite Verlängerung hatte der Würzburger die Chance, auszugleichen und einen dritten Nachschlag zu erzwingen. Aber er traf nur den Ring und ausgerechnet sein Freund Steve Nash schnappte sich den Rebound.

Das Spiel - 129:127 lautete der Endstand - war eine Galavorstellung auf beiden Seiten. Nowitzki zeigte attraktive Pässe und einen mächtigen Dunk, der seinen Anspruch auf die Auszeichnung most valuable player unterstrich. Aber Steve Nash war einfach noch besser. Seine Dribblings und Pässe auf engstem Raum unterstrichen, dass hier ein Einfädler am Werk ist, wie er nur alle zehn bis 20 Jahre in der NBA auftaucht. Von seiner Punktausbeute gar nicht zu reden.

Dallas hatte sich beim Spiel davor gegen Golden State ganz gut ausgeruht und wirkte frisch. Vor allem im dritten und über weite Strecken des vierten Viertels. Aber irgendwann schien die Mannschaft zu glauben, dass sie das Ding lässig als Sieg abbuchen kann und leistete sich zu viele kleine Fehler. Die beiden Mannschaften werden vor den Playoffs noch einmal aufeinander treffen. Das Match könnte nicht nur entscheiden, wer als Nummer eins im Westen rangiert, sondern, wer MVP wird. Steve Nash hat heute viele der stimmberechtigten Journalisten beeindruckt.

22. Januar 2007

Zahlenspiele: Das definitive Power Ranking in der NBA

Immer mehr kluge Amerikaner mit Spass am Mannschaftssport akzeptieren, dass es statistische Analyseansätze gibt, um den rein sportlichen Wert von einzelnen Spielern und ganzen Teams mit Hilfe von Zahlen zu objektivieren. Das Interesse hängt unmittelbar mit dem Erfolg der Fantasy-Ligen zusammen, die in Deutschland als Manager-Spiele für den Fußball adaptiert wurden. Der Grund: Wer sich als Fantasy-Clubbesitzer einen Kader zusammenstellt, will schließlich eine vernünftige Grundlage für seine Entscheidungen haben. Das funktioniert mit den meisten amerikanischen Ligen auch deshalb so gut, weil sie mit ihren zahllosen Spielen eine ordentliche Datensammlung gestatten. Stichwort: Sample-Größe.

Nach dieser Vorrede blenden wir uns ein in das Geschehen in der NBA, wo eine halbe Saison vorbei ist und damit bereits ein ordentliches Power Ranking möglich ist. Das Ranking ist kein bombensicheres Prognoseinstrument, wenn es um die Playoffs geht, aber eine gute Ausgangsbasis, um seinen Blick zu schulen.

Das Power Ranking von John Hollinger gefällt Statistikern wie Wages of Win sehr gut (da kommt auch der Hinweis auf diesen Post her). Es nutzt folgende Zahlenwerte:
• Die durchschnittliche Punktedifferenz von erzielten und erhaltenen Körben
• Die durchschnittliche Punktedifferenz von erzielten und erhaltenen Körben der letzten zehn Begegnungen
• Die Anforderungen des Spielplanes (sind die Gegner stärker oder schwächer)
• Die Anforderungen des Spielplanes in den letzten zehn Begegnungen
• Die Tatsache, ob eine Mannschaft bislang hauptsächlich Heimspiele oder Auswärtsspiele ausgetragen hat

Das wird in einer Formel, die einzelnen Faktoren unterschiedliche Gewichtungen gibt, durchgerechnet. Im Vergleich zu diesen Ergebnissen verliert der klassische Tabellenstand, der Siege und Niederlagen gleich schwer gewichtet, deutlich an Aussagewert.

Und so kommt es, dass zur Zeit in der NBA die Phoenix Suns auf dem ersten Platz von Hollingers Power Ranking stehen und die Dallas Mavericks nur auf Platz zwei, obwohl sie nach dem Tabellensystem höher eingestuft werden. Nach den gleichen Kalkulationen landet der amtierende Meister Miami Heat, den die Mavericks am Sonntag vor den NFL-Playoffs in einer Revanchebegegnung knapp bezwangen, sage und schreibe auf Platz 24. Viel schlechter geht in der NBA gar nicht.

Die Liste wird jeden Tag aktualisiert und ist deshalb immer auf dem neuesten Stand.

3. Januar 2007

Sieben Sekunden verpackt in eine Ewigkeit

Man kann jedem Sportblogger und jedem Sportjournalisten nur wünschen, wenigstens einmal im Leben eine Erfahrung zu machen, die einen ähnlich nahe an das Thema heranbringt wie die Recherche von Jack McCallum für sein jüngstes Buch: Seven Seconds or Less: My Season on the Bench with the Runnin' and Gunnin' Phoenix Suns. Der Redakteur von Sports Illustrated hatte ein Jahr Zeit, um sich auf der Bank eines der attraktivsten Teams der NBA herumzudrücken und das Erlebnis aufzuschreiben. Als Einstieg für alle, die nicht an das Buch herankommen können, sehr zu empfehlen: das ausführliche Interview mit ihm beim GelfMagazine-Blog von vor vier Wochen. Bei True Hoop gibt es auch Spurenelemente aus einem separaten Gespräch mit McCallum und folgendes Zitat: "Ich mache das schon seit 36 Jahren. Ich bin seit 25 Jahren bei Sports Illustrated. Und ich schreibe seit zswei Jahrzehnten über die NBA. Du kommst an einen Punkt, an dem du dich fühlst, als wärst du zwischen Mühlsteine geraten. Das ist mir bei den Suns nie passiert...Es war wirklich regenerierend."