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7. Oktober 2009

Der Apfel fiel endlich vom Stamm

Wer sich den Namen Michael Crabtree merken will, sollte sich eine Eselsbrücke basteln: Der erste Teil des Wortes deutet als Ursprung den crab-apple an (malus pumila), der auf Deutsch als Johannisapfel firmiert und als Urvater vieler gekreuzter Apfelsorten gilt. Oder er sollte ab demnächst mal bei den San Francisco 49ers vorbeischauen. Denn nach vier Spielen der laufenden Saison hat sich der talentierte Wide Receiver endlich dazu entschlossen, einen Vertrag mit dem Club zu unterschreiben. Die späte Einigung kam vor allem deshalb zustande, weil der in der ersten Draft-Runde gezogene Football-Spieler begriffen hatte, dass er sich mit seiner Weigerung karrieretechnisch in eine miserable Situation hineinmanövriert. Vermutlich hatte er vor Beginn der Spielzeit angenommen, dass sich der Club die Hacken abläuft, um ihn zu verpflichten. Denn die 49ers, einst der Goldstandard der NFL, waren zuletzt extrem schlecht und schienen auf jeden guten Spieler angewiesen. Die ersten Begegnungen (Zwischenstand 3:1) haben jedoch gezeigt, dass die Mannschaft theoretisch auch ohne Crabtree klar kommt, weil die von Trainer Mike Singletary geformte Gruppe diszipliniert spielt und sich nicht länger selber schlägt. San Francisco sah keinen Grund, den Johannisapfelbaum an einen anderen Club abzugeben und zwang ihn auf diese Weise in die Enge. Seine einzige Alternative wäre gewesen: Sich für den Draft-Pool des Jahres 2010 anzumelden und dort auf ein besseres Resultat zu hoffen. Mal abgesehen von dem Geld, das man auf diese Weise nicht verdient: Solch eine Strategie birgt viele Risiken.

Der jetzt unterschriebene Vertrag bindet ihn für mindestens fünf Jahre an die 49ers und dürfte eine ordentliche Vorabbonus-Garantie enthalten, mit der man dem Wide Receiver eine derart lange Laufzeit schmackhaft machen konnte. Dass er noch in dieser Saison groß zum Zuge kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Zumal die Mannschaft mit Shaun Hill keinen besonders begabten Quarterback besitzt, von dem man lange exakte Pässe erwarten kann.

Die Angelegenheit wird noch ein Nachspiel haben, weil die 49ers den New York Jets vorwerfen, sich hinter den Kulissen eigenmächtig eingemischt zu haben. Angeblich soll Ex-Profi Deion Sanders, der zur Zeit für NFL Network als Fernsehmann arbeitet, beteiligt gewesen sein. Die Liga wird den Sachverhalt untersuchen.
P.S.: Wie Football-Profis ticken, hat die Frauenzeitschrift Cosmopolitan zu ergründen versucht. Das Resultat ist nicht ermutigend. Aber vielleicht liegt es auch an den Reportern des Magazins. Die sollten vielleicht mal die Frauen fragen, die sich nichts Besseres vorstellen können, als sich einen Profisportler zu angeln. Auf diese Weise müssten eigentlich viel interessantere Details zu ermitteln sein.

28. April 2009

Wie die Schimpansen am Lostopf

Ja, sischer, dat. Es gab vor ein paar Tagen eine Draft in der NFL. Und mächtig war die Meute jener, die vorher, während und nachhher nichts anderes unternommen haben, um ihren Senf dazu zu tun. Und das Resultat von all diesen Bemühungen? Die angeblichen Experten erzielen Trefferquoten eines Schimpansen, der einfach in den Topf gegriffen hätte. Im nächsten Jahr wird das niemanden dieser sogenannten Experten davon abhalten, das gleiche Spiel zu spielen. Das Karussell muss sich drehen. Und natürlich wird sich bis dahin zeigen, dass auch viele Clubs mit ihren Entscheidungen daneben lagen. Aber das ist etwas anderes. Die müssen für ihre Fehler wenigstens sportlich büßen. Die sogenannten Experten (vor alem die im Fernsehen) hingegen müssen für gar nichts büßen. Ein ähnliches Phänomen haben wir in der Berichterstattung vom Finanzmarkt erlebt und zwar vor allem bei der Arbeit des Senders CNBC. Die hätten doch vorher schon mal berichten können, dass an Wall Street der GAU bevorsteht. Aber dazu waren sie nicht in der Lage. Wurden die Leute nach Hause geschickt? Nur ein bisschen von Jon Stewart zur Rechenschaft gezogen und lächerlich gemacht. Das war alles.
The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
CNBC Financial Advice
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic CrisisPolitical Humor

26. Juni 2008

Der Film zur NBA-Draft

Die New York Times hat noch einen hübschen Hinweis im Zusammenhang mit der NBA-Draft, die keine großen Überraschungen produzierte. In New York läuft in dieser Woche ein Dokumentarfilm in den Kinos an, der das Milieu der High-School-Talente beschreibt: Gunnin’ for That #1 Spot. Hauptfiguren: Michael Beasley, der als Zweiter von den Miami Heat verpflichtet wurde, Kevin Love, der als Fünfter an die Memphis Grizzlies ging und Jerryd Bayless, an 11 von den Indiana Pacers gezogen. Hier ein Ausschnitt über Kevin Love.

Nachtrag: Love wurde noch in der Nacht an die Minnesota Timberwolves weitergereicht. Im Tausch für O. J. Mayo. Der Tausch war tatsächlich ein Hauch komplizierter und betraf insgesamt acht Spieler.

Draft-Tag mit vielen Querpässen

Brook Lopez ging mit dem zehnten Pick zu den New Jersey Nets, sein Zwillingsbruder Robin als Nummer 15 zu den Phoenix Suns. Und beide waren zufrieden. Wer in der ersten Runde der NBA-Draft gezogen wird, hat erst mal ausgesorgt. Ob die Golferin Michelle Wie ebenso gut gelaunt war, ließ sich in der Eile nicht ermitteln. Anzunehmen ist es nicht. Nach ihrem respektablen Resultat bei den Ladies German Open außerhalb von München produzierte sie heute bei den US Open eine häßliche Kennziffer. Dank eines Super-Dooper-Fünffach-Bogeys am vierten Loch (eine neun an einem Par 4) kam sie mit einer 81 ins Clubhaus. Sie liegt auf Platz 146 von 156 Teilnehmern (Bettina Hauert liegt drei Schläge besser auf Platz 124 und hat zumindest theoretisch noch eine Chance auf den Cut).

Was hat Wie mit der NBA zu tun? In den USA nennt man das Dating. Was viel und wenig heißen kann, solange keiner der beiden - weder Michelle noch Robin - offiziell zum Stand der Dinge Stellung nimmt. Das Foto in diesem Blog aus dem März kann man nur als Scheinbeweis bezeichnen. Wo soll ein so langer Lulatsch wie der ehemalige Center von Stanford seinen Arm hintun, wenn er neben einer nicht gerade kleinen Frau bei einer Veranstaltung sitzt und sie sich an ihn lehnt? Aber, der fleißige espn.com-Kolumnist Andy Katz hat neulich Robin gefragt und herausgefunden, dass zumindest mal etwas an der Klatschgeschichte dran gewesen sein muss. Derzeit befinde sich die Beziehung in einem Schwebezustand.

Das ist sicher auch das beste Wort für Mannschaften wie die New Jersey Nets, die nach Jason Kidd (jetzt in Dallas) heute Richard Jefferson abgaben, um sich den Chinesen Yi Jianlian aus Milwaukee zu holen, der damit endlich in die Nähe einer ordentlichen Chinatown zieht – in Lower Manhattan. Sein neuer Kollege, Robins Zwillingsbruder Brook, ebenfalls ein Center, gilt übrigens als der bessere und fleißigere der beiden Lopez-Burschen. Das Wort Schwebezustand könnte man auch auf die New York Knicks anwenden, die das Kunststück fertig brachten, den Sohn eines ehemaligen Mannschaftskameraden des neuen Trainers zu verpflichten. Das liegt daran, dass Coach Mike D'Antoni einst in Mailand spielte, wo ein gewisser Vittorio Gallinari sein Nebenmann war. Der Trainer denkt europäisch und will Tempo spielen, etwas was die New York Daily News heute schon vorausgeahnt hatte. Und so kam's Danilo Gallinari, ein 19-jähriger Small Forward, ging an Nummer sechs weg.

Aber die Michelle-Wie und die Italian Connection waren nicht mal hübscheste Verbindung der NBA in andere Bereiche. Das Attribut repräsentierte gestern Kevin Love. Sein Vater Stan spielte vier Jahre in Baltimore und bei den Lakers in der Liga. Sein Onkel Mike Love ist der Sänger der Beach Boys.

25. Juni 2008

Statt College: Als NBA-Aspirant nach Europa

Die zusammengestöpselte amerikanische Basketball-Welt hat einen der engsten Flaschenhälse, den man sich vorstellen kann: die Draft der NBA. Da kommen jedes Jahr 60 Spieler durch. Aber für 18-jährige, frisch von der High School, ist der Hals noch enger. Von denen kommt keiner durch. Denn Commissioner David Stern hat vor ein paar Jahren eine Altersgrenze eingeführt. Warum? Das Experiment mit den Schulabgängern Kobe Bryant und Kevin Garnett war schlichtweg zu gut gelaufen. Und so tauchten ganz viele neue Aspiranten auf. Aber auf jeden LeBron James, der noch vor der neuen Regelung durchrutschte, kommt so mancher Kwame Brown, der einfach nichts reißt. Ganz abgesehen davon nehmen die jungen Talente dem sehr populären College-Basketball die letzte sportliche Legitimität und damit auf Dauer womöglich auch die Luft und das Fernsehgeld zum Atmen.

Stern würde am liebsten das Altersminimum um ein weiteres Jahr hochschrauben. Denn tatsächlich spielen sich dieser Tage im College-Basketball absurde Szenen ab. Die Universitäten werden von Jung-Stars mit Potenzial ganz bewusst danach ausgesucht, wo der PR-Effekt und die Sprungbrett-Situation am ertragreichsten ist. Und nach einem Jahr zieht der Jung-Spunt von dannen. Nicht selten unter Hinterlassung dubioser Spuren, die den Amateurgedanken an den Hochschulen untergraben (siehe hier).

Dass sich die Sportler so verhalten, kann man verstehen. Sie kommen oft aus armen Verhältnissen und können sich ein College-Stipendium gar nicht leisten. Denn an der Universität werden einem zwar die teuren Studiengebühren erlassen, und man muss nichts für die Unterbringung und das Essen in der Mensa bezahlen. Aber was ist mit einem Taschengeld für Auto, Ausgehen, iPod, Tätowierungen und was sonst noch zum Lifestyle gehört? Wenn die Eltern nichts übrig haben, muss der Stipendiat neben seinem Trainingspensum und Studium auch noch arbeiten gehen. Das mache man mal einem 18-jährigen schmackhaft, der weiß, dass er als Profi theoretisch mehr als 1 Million Dollar pro Saison verdienen kann.

So ist denn auch keine Überraschung, dass der erste 18-jährige mit der Idee flirtet, das Übergangsjahr in Europa zu verbringen. Dort bezahlt man zwar nicht so viel wie in der NBA, aber genug zum Überleben. Solche existenziellen Überlegungen wirken in den Ohren von altväterlichen Sportkommentatoren wie Defätismus. Komisch eigentlich, diese Einschätzung. Kommt nicht inzwischen der Großteil des guten Basketballnachwuchses sowieso aus Europa? Könnten die Jungs dort nicht womöglich noch etwas lernen?

Im Sektor College-Baseball läuft übrigens auch nicht alles rund. Hier ein paar Informationen und Überlegungen zum Thema "Wieso spielen da fast nur Weiße, wenn fast ein Drittel aller Profis in den Major Leagues aus Mittel- und Südamerika kommen?"

2. Dezember 2007

Wie ein kalter, flacher Pfannekuchen

Die Probleme eines Clubs wie die Toronto Maple Leafs kann man aus New Yorker Sicht gut verstehen. Da rollen reiche Inhaber angesichts einer loyalen, aber anspruchsvollen Fangemeinde gerne vermeintlich starken Spielern Schubkarren voller Dollars hinterher. Und alles, was am Ende dabei heraus kommt, ist so flach und öde wie ein kalter Pfannekuchen. Die Knicks im Basketball und die Rangers im Eishockey haben das fast schon zu einer Kunstform kultiviert. Zur Zeit warten wir auf den Raufwurf von Isiah Thomas, dem Manager und Trainer in Personalunion, was den ohnehin schon aufgeblähten Etat noch weiter aufpumpen wird (ohne wirklich einen Neuanfang zu bringen, ohne den es nicht geht, denn die Spieler sind danach immer noch da).

Aber zurück zu Toronto, der Dampfmaschine der kanadischen Wirtschaft, Sitz der Eishockey Hall of Fame (die im Vergleich zu der Baseball Hall of Fame in Cooperstown nur ein schlappes Hallchen ist. Oder sagt man Hallein?). Hauptstadt des kanadischen Selbstwertgefühls und Produktionsstätte einer der zehn besten Zeitungen der Welt - des Globe & Mail. Das Blatt versteht sich zwar als überregional, seine Eishockey-Reporter wären aber ganz bestimmt nicht traurig, wenn es mehr und besseres über das örtliche Team zu berichten gäbe. Man ist nun mal als Berichterstatter immer auch Lokalpatriot.

Aber bis auf weiteres gilt es wohl, die allenfalls ein einzigartiges Regime aus lauter Mismangement zu evaluieren. Mit weniger vordergründigem Zynismus als man das in New York macht. Aber mit sehr viel Kopfschütteln, nevertheless. Hier ist das jüngste Testat: eine Abhandlung über die Draftleistungen der Verantwortlichen im Laufe der letzten 20 Jahre, Unterabteilung erste Runde. Der Club hat das fast schon von der Wahrtscheinlichkeitsrechung her Unmögliche hinbekommen und lauter Platzpatronen geladen. Der beste Scorer ist Sean Thornton (278 Punkte im Laufe von 18 Jahren mit sechs Mannschaften). Die beste Jahresbilanz: Brad Boyes mit 26 Toren und 43 Vorlagen (für die Boston Bruins und nicht für die Maple Leafs). Der Globe & Mail hat es durchgerechnet:
"Der beste Club, die Quebec Nordiques/Colorado Avalanche, hat ein Erst-Runden-Kontingent gezogen, das im Schnitt 24 Tore und 37 Vorlagen pro Saison verbuchen konnte. Der NHL-Durchschnitt liegt bei 42 Punkten [Tore plus Vorlagen]. Mehr als 60 Prozent besser als die Leafs."
Wer ist für solch ein konsequentes Versagen verantwortlich? Und wie soll das weitergehen im Zeitalter einer Salary-Cap-Politik, die den reichen Clubs nicht mehr die Möglichkeit einräumt, sich teure Namen zu kaufen, um die Löcher in der Aufbauarbeit des Kaders zu kaschieren?

Ich nehme mal an, wenn der Autor des Artikels die Antwort wüsste, würde man ihm bei den Maple Leafs schon morgen den Job des Chefmanagers antragen. Übrigens: den Fans in Vancouver (oder auch Detroit) passt die Dauerkrise ganz gut ins Konzept. Sie hassen die Leafs und produzieren Videos, um das zu illustrieren.

30. Juni 2007

NBA: Das Feilschen und Pokern beginnt

Der alljährliche Draft-Abend in der NBA ist ein konsumierbares Fernsehereignis, bei dem - in der ersten Runde - der Herr Commissioner persönlich alle paar Minuten aus einem Raum hinter der Kulisse durch ein Tor und an ein Mikrophon tritt und die Entscheidung des Clubs verkündet. Er liest vom Blatt ab und schaut mindestens dreimal genau hin: Wenn er sagen muss, um welchen Pick es sich handelt, wenn er den Namen des Clubs nennt und wenn er den Namen des Spielers verlautbart. Das ist spätestens ab Pick Nummer 10 nicht mehr sonderlich spannend, besitzt aber eine formaltheatralische Konsequenz. Und wir alle sind Zeugen.

Ab heute nacht läuft das komplette Gegenstück ab. 130 Spieler (also etwa ein Viertel von allen) werden in diesem Augenblick auf einen Schlag und offiziell vertragsfrei und können mit jedem Club verhandeln, der ihnen ein Angebot macht. Das läuft ohne Commissioner, ohne Bühne und ohne Kameras ab. Man muss sich das mehr so vorstellen wie in einem Bienenstock. Viel Gesumme, viel Flügelschlag, aber alles im Dunkeln. Und jeder hofft, dass am Ende Honig dabei herauskommt.

Mal abgesehen davon, dass sich zu diesem Zeitpunkt keine Spekulation darüber lohnt, wie das Geschiebe und Geschacher ausgehen wird - soviel steht fest: Der Effekt der Free-Agent-Transaktionen ist größer als der der Verpflichtung von hoch eingeschätzten Nachwuchsspielern. Mit anderen Worten: Die Draft-Show ist im Prinzip mehr Augenauswischerei als alles andere. Eine Art von Theater, das den publizistischen und kommerziellen Stellenwert einer Sportinstitution wie der NBA dokumentiert und darin mit dem All-Star-Weekend zu vergleichen wäre. Der größte Unterschied: Die All-Star-Veranstaltungen wandern durchs Land. Die Draft hat einen festen Standort: New York. Madison Square Garden. Mit dem lauten New Yorker Publikum, das sich gelegentlich unmissverständlich zu Wort meldet (diesmal als der Trade mit Portland bekannt wurde, der Zach Randolph zu den Knicks bringt und Steve Francis an die Westküste expediert).

Wer einen Überblick über die Free-Agent-Situation gewinnen möchte, dem sei dieser Artikel in der New York Times empfohlen, in dem die vertragslosen Gesellen etwas abschätzig als pawns (die Bauern im Schachspiel) charakterisiert werden. Die Analogie ist schief. Bauern haben wirklich kein Mitspracherecht bei der Wahl ihrer Einsatzzone. Und die wenigsten schaffen es bis zur Grundlinie und zu einer Umwandlung in einen Offizier. Free Agents haben Wahlmöglichkeiten (längere Verträge/kürzere Verträge, Meisterschaftsaspiranten/Aufbauprojekte). Und vor allem können sie sich ihre Agenten und Berater vorher aussuchen. Das heißt: Sie stehen nicht einfach nur so dumm da.

Aber es ist schon klar, was Times-Mann Howard Beck sagen will: Am Ende sind die meisten Spieler einfach nur Gestaltungsmasse in den Plänen irgendwelcher Manager und Trainer. Und da sich die nicht in ihre Karten schauen lassen, entwickeln die Profis (und die Öffentlichkeit) das Gefühl, dass da immer mehr an geheimnisvollen Machenschaften im Spiel ist, als tatsächlich der Fall sein dürfte.

Über den interessantesten Freien haben wir neulich schon gesprochen. Chauncey Billups kann ganze Kaskaden an neuen Trades auslösen - je nachdem, wo er landet. (Dallas wäre gut beraten, ihn zu holen). Rashard Lewis von den Seattle SuperSonics braucht man das nicht zuzutrauen. Landet er bei den Lakers (als Friedensangebot an Kobe Bryant, weil sie Kevin Garnett nicht bekommen) oder bei den Miami Heat, wo man nachrüsten muss, um im Osten mithalten zu können, dürfte das keine großen Wellen schlagen.

29. Juni 2007

Fazekas ein Bringer? Die Rechenkünstler sagen ja

Nachdem die NBA-Saison vorbei war, gab es eigentlich keinen Grund mehr, sich bei den Statistikern von Wages of Win zu tummeln. Schon gar nicht, wenn man mit Mathematik so wenig anfangen kann. Die Zahlenmeister hatten ihre Schuldigkeit getan und zum Beispiel den Fall Iverson und den Aufschwung bei den Philadelphia 76ers ohne ihn vorab hinreichend gut vorausgesehen. Doch David Berri und seine Gastautoren haben nicht aufgehört, zu rechnen und zu schreiben. Und so finden wir dieser Tage auf WoW eine hübsche Aufstellung auf der Basis der Rechenformel des sogenannten Win Score bezogen auf die Draft-Aspiranten. Zusammengestellt wurde sie übrigens vor dem letzten Donnerstag. Umso reizvoller ist es, sie am Freitagabend zu studieren, einen Tag nachdem sich die Clubs entschieden haben. Denn tatsächlich bietet die Übersicht einen Knaller: Sie bewertet Nick Fazekas von der University of Nevada als den Spieler mit dem besten Win-Score-Wert - und zwar mit Abstand. An welcher Stelle wurde Fazekas gepickt? Als 34. in der zweiten Runde. Von wem wurde er gepickt? Von den Dallas Mavericks, die vorher keine Picks hatten und vermutlich froh waren, dass sie sich so spät noch ein solchen Spieler angeln konnten. Ein anderer Spieler, der aufgrund seinem Rang in der Statistik als regelrechter Gewinn eingestuft werden muss, ist Stephane Lasme aus Gabun von der University of Massachusetts, der mit dem 46. Pick von den Golden State Warriors genommen wurde. Wages of Win ist keine total sichere Einschätzungsgrundlage, aber eine überdurchschnittlich gute. Hier wurde bereits das Talent von Leuten wie Josh Howard und Carlos Boozer erkannt, ehe der Rest der Basketballwelt richtig hingeschaut hat.
Foto: flickr/creativecommons/mrjerz

28. Juni 2007

Draft-Tag in der NBA: Hochgejazzt und doch so tonlos

Nichts an den Spekulationen rund um die heute anstehende NBA-Draft ist wirklich inspirierend. Außer den Chefs von Portland und Seattle (und vielleicht noch Atlanta) weiß sowieso niemand, welche Szenarien greifen. Und die reden nicht darüber. Ein Grund mehr, sich mit anderen Aspekten der Draft zu beschäftigen, zum Beispiel den Edelsteinen, die manche Manager immer wieder weiter unten ausbuddeln. Aber das ist schwieriger, als wieder und wieder der hochgejazzten Frage nachzuhetzen, wer denn wohl die vermeintlichen Stars pickt. Warum? Dazu muss man sich ausführlicher mit dem weiten Angebot an Nachwuchsspielern beschäftigen, muss Collegemannschaften kennen, die es nicht bis zu den Final Four geschafft haben, und Basketballer aus anderen Ländern. Man muss sich auch ausmalen können, dass das Spiel Fünf gegen Fünf nicht nur von dominanten Figuren geprägt wird, sondern von einer geheimnisvollen Mischung von Talenten, die einander in einem bestimmten taktischen Gefüge ergänzen und sich gegenseitig besser machen. Und da müssten viele, nein, fast alle, eingestehen, dass sie gar nicht genug wissen, um sich auch nur leicht aus dem Fenster zu lehnen. Also gibt es von dieser Stelle aus keinen Piep zum Vor-Draft-Gedöns - nur ein Hinweis auf eine hübsche Geschichte in der New York Times von heute, in der jemand recht kundig die Schieflage in den populären Einschätzungen analysiert. Sein stärkstes Beispiel: Josh Howard, den Don Nelson 2003 nach Dallas holte - mit dem 29. Pick. Vier Jahre später schaffte er es ins All-Star-Team.

27. Mai 2007

NBA: Das wird ein tauschaktiver Sommer

Langsam werden die Gestaltungsräume für ein paar dringend notwendige Umbaumaßnahmen in einer Reihe von NBA-Clubs immer größer. Deshalb heißt es jetzt für wohlhabende Teams wie die Dallas Mavericks einfach: Nerven bewahren, cool bleiben. Die jüngste Personalie ist niemand anderer als Kobe Bryant, der bei den Lakers ein Ultimatum gestellt hat: Entweder kommt Jerry West als Manager zum Club zurück oder ich verlange einen Trade. Er gesellt sich damit zu solchen namhaften Umzugskandiaten wie
• Kevin Garnett (Minnesota Timberwolves), der in einem Jahr sowieso seinen Club verlassen kann und im Moment den Timberwolves noch einen ordentlichen Gegenwert bringen kann,
• Zach Randolph (Portland TrailBlazers), der ein Problemkind in Sachen Disziplin ist,
• Rashard Lewis (Seattle SuperSonics), der die Nase voll hat von den vielen Niederlagen und Free Agent wird,
• Chauncey Billups von den Detroit Pistons, der sich ebenfalls seine neue Bleibe frei aussuchen kann (obwohl er im Moment am stärksten mit Detroit liebäugelt,
• Vince Carter, der theoretisch die New Jersey Nets verlassen kann,
• Michael Finley, der in San Antonio ein Zubrot verdient (die dicke Gage zahlt Mavericks-Besitzer Mark Cuban, seit er ihn aus der Vertrag herausgekauft hat), aber sich nach Ablauf der Saison einem neuen Arbeitgeber andienen kann, wenn er denn möchte,
• Pau Gasol, der Restposten vom Frühjahr, der bei den Memphis Grizzlies als Kanonenfutter im Einsatz ist und frustriert,
• Jermaine O'Neal, den es nicht mehr bei den Indiana Pacers hält,
• Ron Artest, der in Sacramento nicht mehr gerne gesehen ist, seitdem er dort, seiner dritten Arbeitsstelle in der NBA, gezeigt hat, dass seine Tendenz zum unkalkulierbaren Handeln nicht behandelbar ist.

Die Liste zeigt, dass der Markt hinreichend mit spielstarken Figuren ausgestattet ist, die sich locker auf dem Schachbrett verschieben lassen. Vorausgesetzt die Tauschgeschäfte machen Sinn für die Beteiligten. Am meisten Kreativität sollte man im Moment den Chicago Bulls zutrauen, die noch nicht am Ende ihrer Wiederaufbauarbeit angekommen sind und drei Zweitrunden-Picks haben, die sich vor der Draft oder auch hinterher zu einem interessanten Paket schnüren lassen. Ein weiterer Aspirant für Bewegung sind die Philadelphia 76ers, die zwei Erst-Runden-Picks haben, aber keinen überragenden Spieler. Portland könnte Randolph mit Hilfe von mindestens einem Zweit-Runden-Pick als Bonus obendrauf leichter los werden. Auf das Karussell darf man gespannt sein.