15. September 2007

Die Baseball-Oper und der Blog

Man produziert mit einem Blogeintrag bisweilen mehr, als beabsichtigt war. Das kommt wohl auf die Zielscheibe an. Und darauf, ob sie sich wehrt. Beispiel: Die Beschwerde von UmpBump neulich über den Komponisten einer neuen Oper, die einem so gut wie vergessenen schwarzen Baseballspieler gewidmet ist. Denn auf einmal meldete sich der Komponist mit einem selbstbewussten Kommentar und zwang selbigen Blog in eine Schamhaltung, die zu einem E-Mail-Interview führte, das wiederum beim größten amerikanischen Sportblog Deadspin aufschlug, wo es für weit mehr Beachtung sorgt. Die Oper heißt The Summer King. Der Komponist Daniel Sonenberg. Der Baseballspieler Josh Gibson. Und hier ist ein Ausschnitt:

Übrigens ist das Musikwerk nicht das erste, das sich mit Baseball beschäftigt. Das Musical Damn Yankees ist ein Klassiker und wird immer mal wieder erfolgreich am Broadway aufgeführt.

Klinsmann-Watch: Ein Vorfall namens Bandscheibe

Man sollte den Jungs von der Bild-Zeitung dankbar sein. Besonders dann, wenn sie die Informationen ausgraben, die die Welt bewegt. Nun gibt es seit einer Weile bereits eine Sonderabteilung der Bloggerwelt, die - sehr erfolgreich übrigens - den Jungs beim Ausgraben zuschaut und das Gekröse so viel genauer betrachtet als jeder andere. Das ist der BILDblog (obwohl: der nennt sich wohl DAS BILDblog...). Deren gute Arbeit nimmt unsereins regelmäßig die Butter vom Brot. Weshalb wir uns schon damit abgefunden hatten, dieses Feld komplett zu räumen. Aber dann war da der Bericht über Jürgen Klinsmann und seine Operation in Hannover, die angeblich heimlich ausgeführt wurde (Wir lernen: Heimlich ist, wenn man vorher keine Presseklärung herausgibt, sondern sich einfach von einem Arzt behandeln lässt). Und dabei tauchte dieses Verständnisproblem auf: Bild sagt (und hat das hoffentlich recherchiert): Klinsmann sei an der Bandscheibe operiert worden. Woraus wir zwingend schließen würden, dass man dem ehemaligen Bundestrainer entweder schon früher sehr viel mehr an der Wirbelsäule herumgeschnitten und dabei allerlei Körperteile entfernt wurden (vielleicht ein Großteil des Rückgrats - wenn ja, vermutlich, nein, ganz bestimmt, auch heimlich). Oder dass er nur mit einer einzigen Bandscheibe aufgewachsen ist, die jetzt unter dem Druck der Belastung Schwierigkeiten machte. Wikipedia meint: "Die Wirbelsäule des Menschen besitzt 23 Bandscheiben." Wir fragen Bild und BildBlog: Wenn Klinsmann auch soviele hat, welche war's?

Solheim Cup: Hauert zu stürmisch

Mit einem missratenen Lag-Putt für einen Birdie auf der 10 fing alles an. Von da ab wirkte die anfänglich extrem aufgedrehte Bettina Hauert (Bild) so, als müsse Teampartnerin Iben Tinning aus Dänemark das Match alleine nach Hause bringen. Aber das ist beim Foursome ein bisschen viel verlangt. Und so ging der erste Solheim-Cup-Auftritt von Deutschlands bester Golferin bereits auf dem 16. Grün zu Ende. Die Niederlage (4&2) war keine Schande für eine Spielerin, die in diesem Jahr zum ersten Mal ganz oben in Europa dabei ist. Aber Kapitän Helen Alfredsson kann sich leider keine Ausfälle leisten, wenn die Mannschaft am Sonntag die Glasvase gewinnen will. Die einen Hauch zu extrovierte Golferin aus Hagen wäre sicher bei ihrem ersten Match besser in einer Four-Ball-Konstellation aufgehoben gewesen. Wieso Alfredsson diese Chance lieber der Schwedin Linda Wessberg am Nachmittag gab, bleibt ein Rätsel. Die Interviews mit der Chefin verlaufen dieser Tage alle viel zu einsilbig.

Die vier Nachmittagsrunden mussten wegen Einbruch der Dunkelheit unterbrochen werden. Das Programm hatte am Morgen erst mit zweieinhalb Stunden Verspätung begonnen, nachdem stürmische Winde mit Böen von bis 70 Stundenkilometern die Organisatoren zwangen, den eine Zeitlang komplett Platz zu sperren. Ihre Sorge galt der Sicherheit der Zuschauer, die von herunterfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen bedroht war. Die Fortsetzung am Sonntag schiebt die nachfolgenden Einzel zeitlich nach hinten und könnte erneut für Terminprobleme sorgen.

Spielstand am Samstagabend: 5 1/2 zu 6 1/2 aus Sicht der Europäer. Der Zwischenstand bei den Four-Ball-Partien: 3 1/2 zu 1/2 für die Europäer. Der Vorsprung in jedem Match ist allerdings nur hauchdünn: +1 (1 up).

14. September 2007

Auf den Spuren eines Sponsors

Die Reise nach Chicago zur BMW Championship, dem Halbfinale um den FedEx-Cup der amerikanischen Golfer, war gespickt mit einer Reihe von sehr attraktiven Erlebnissen - der Teilnahme am ProAm-Turnier, dem Besuch eines Spiels der Chicago Cubs in Wrigley Field und ein Konzert der Extraklasse der amerikanischen Retro-Soul-Diva Macy Gray. Heute hat faz.net die Geschichte online gestellt, die der eigentliche Auslöser für den Trip war: ein Text über das Sponsorenengagement der Bayerischen Motoren Werke in den USA, einem Markt, auf dem sie inzwischen mehr Autos verkaufen als in Deutschland.

Solheim Cup: Europas Stars liefern nicht genug Punkte

Das Wetter in Südschweden mit Wind und viel Regen hat dafür gesorgt, dass die Solheim-Cup-Spielerinnen gleich einen ganzen Schrank voller Kopfbedeckungsvarianten vorführen konnten: Mützen, Vollkappen, Schirmkappen, Hüte, riesige Stirnbänder (hauptsächlich über den Kappen). Wirkliche Enthüllungen waren darunter nicht zu entdecken. Dass Laura Davies auf einem Par 3 ein Par spielt, nachdem sie den Abschlag hinters Grün in die Büsche semmelt, war irgendwie zu erwarten. Dass Annika Sörenstam noch einen halben Punkt aus einem Match herausquetscht, das schon verloren schien, irgendwie auch. Aber das ändert nichts daran, dass sich der europäische Kapitän Helen Alfredsson am ersten Tag verrechnet hat. Ihre Stars brachten nicht die erwarteten Resultate. Sörenstam, Davies und Gustafson holten jede nur einen halben Punkt in je zwei Einsätzen. Nach der Vormittagsbilanz von 1 1/2 zu 2 1/2 meinte Alfredsson: "Wir sind zufrieden damit, wie wir das Team zusammengestellt haben. Das ist das einzige, was zählt." Wirklich? Dann sollte die verehrte Frau mal auf den Zwischenstand blicken: 3 1/2 zu 4 1/2 ist die Quittung nach den ersten acht Matches. Da war viel mehr drin.

Bettina Hauert musste auch am Nachmittag aussitzen. Da nach den Regeln den Solheim Cup jede Spielerin bis zu ihrem Einzel wenigstens einmal eingesetzt werden muss, darf sie am Samstag zeigen, ob sie noch etwas herausreißen kann. Vermutlich wird sie im Best-Ball-Wettbewerb am Vormittag antreten. Die Paarungen werden noch heute bekanntgegeben.

Nachtrag: Inzwischen stehen die Ansetzungen für Samstagmorgen fest. Bettina Hauert im dritten Match der vier Foursomes (jedes Team spielt mit einem Ball und schlägt abwechselnd. Tee Time: 8.35 Uhr. Die Scorekarte gibt es hier.

Werkspionage: Liga geht Belichick heftig ans Portemonnaie

Bill Belichick ist der beste Coach in der National Football League. Ab jetzt wird diese Aussage mit einem Sternchen versehen werden müssen. Die Liga hat ihm gestern eine Geldstrafe von 500.000 Dollar verpasst, weil man ihn für die Videoaktion verantwortlich macht, die am Sonntag während der Begegnung der New England Patriots und New York Jets aufgeflogen war. Die Patriots dürfen noch 250.ooo Dollar oben drauf legen und müssen auf den Erst-Runden-Draft-Platz im nächsten Jahr verzichten, falls sie die Playoffs erreichen (falls nicht wird ihnen statt dessen auf den Zweit-Runden- und den Dritt-Runden-Pick abgeknöpft). Das Vergehen: Belichick hatte einen Assistenten beauftragt, die verschlüsselten Signale zu filmen, mit denen die Defensive Coaches der Jets an die Spieler auf dem Platz kommunizieren. Wer solche Informationen sammelt, hat unter Umständen einen taktischen Vorteil. Weshalb die Liga solche Art der Werkspionage verboten hat. Die Strafe ist die höchste, die die Liga je gegen einen Trainer verhängt hat.
Blick zurück: Die erste Meldung über den Fall

13. September 2007

Solheim Cup: Hauert schaut erst mal zu

Die einzige deutsche Vertreterin beim Solheim Cup im schwedischen Halmstad darf zum Auftakt des Turniers am Freitagmorgen bei den vier Foursomes erst einmal zuschauen. Bettina Hauert hatte erst eine Aufgabe: Sie kurbelte die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier am Donnerstagnachmittag im Stadtzentrum hoch, während ein Jugendchor das Lied der Deutschen sang. Die Hymnen aller beteiligten Länder wurden gespielt. Die beiden Captains hielten Ansprachen und taten so, als sei der Cup so etwas wie die Olympischen Spiele der Golferinnen. So kann man natürlich auch eine Veranstaltung hochreden, bei der die beste Spielerin des Jahres - die Mexikanerin Laurena Ochoa - und die gesamte koreanische Garde plus die guten japanischen Golferinnen fehlen. Ein Blick auf die Weltrangliste zeigt, wie selektiv die Sache ist. Von den ersten 10 sind nur die Schwedin Annika Sörenstam (3.), die Amerikanerin Cristie Kerr (4.), die Norwegerin Suzann Pettersen (5.), die Amerikanerinnen Paula Creamer (7.), Morgan Pressel (8.), Juli Inkster (10.) dabei. Unter den nächsten zehn auf der Weltrangliste dominieren die Japanerinnen. Bettina Hauert steht diese Woche auf Platz 117. Wenn man den Wettbewerb wirklich aufwerten will, sollte man über eine Formatänderung nachdenken. Und zwar nicht eine Lösung wie bei den Männern, die alle zwei Jahre im Wechsel den Presidents Cup austragen (in diesem Jahr vom 28. bis 30. September in Montreal), bei dem die USA gegen den Rest der Welt minus Europa spielt. Besser wäre ein Format mit drei Teams, um die Spieler aus Lateinamerika, Australien und Asien zu integrieren. Wie man unter einer solchen Voraussetzung noch ein Matchplay-Turnier austragen kann, sollen sich schlauere Leute überlegen. Der Solheim Cup läuft ab Freitag live auf dem amerikanischen Golf Channel.

Am Nachmittag gibt es vier Fourball-Matches. Es ist damit zu rechnen, dass Hauert dann zum Einsatz kommt. Denn das Format ist besser geeignet, um Neulinge an die Aufgabe heranzuführen: Jede im Zwei-Frauen-Team spielt ihren Ball, der beste der beiden wird gewertet. Beim Foursome-Format spielt eine Mannschaft nur einen Ball und zwar im steten Wechsel.

7 aus 50 (fast wie bei den Lottozahlen)

Es ist dringend an der Zeit, den geistigen Zustand der englischen Fußball-Journaille zu überprüfen. Oder wenigstens den der Burschen von der Times in London. Die haben eine Liste der 50 besten Trainer aller Zeiten zusammengepopelt. Und dabei nach einem undurchsichtigen Wertungsschema den Dummschwätzer (Copyright: Trainer Baade) zum besten deutschen Mann an der Linie ernannt. Hier die Platzierungen (Erster wurde Rinus Michels):
20. Franz Beckenbauer
31. Ottmar Hitzfeld
34. Helmut Schön
38. Sepp Herberger
40. Udo Lattek
42. Otto Rehhagel
50. Hennes Weisweiler
Wenn es noch mehr Leuten die Sprache verschlägt, bitte fleißig kommentieren. Die komplette Liste und die dazugehörigen Texte findet man hier. (via The Offside)

NBA: Fällt Oden die ganze Saison aus?

Was nützt der erste Pick bei der Draft, wenn der Mann, den man sich ausgeguckt hat, anschließend ein kaputtes Knie hat und voraussichtlich eine ganze Saison rehamäßig ausfällt? Nicht viel. Greg Oden heißt er. Und das Team, das sich mit ihm und durch ihn in die Playoffs bringen wollte, heißt Portland TrailBlazers. Über die ersten Schmerzen berichtete Oden noch selbst im Rahmen seines Blogs. Über die neueste Entwicklung wird man heute abend mehr erfahren. Ganz offiziell.

Auf dem Dach und aus dem Häuschen

Foto: flickr/creativecommons/jill
Für Major League Soccer haben die Leute in den USA gerne sehr viel Spott parat, weil die Spiele mal gerade 10.000 oder 12.000 Zuschauer auf die Beine bringen, die sich dann in den großen Stadien der NFL-Teams verlaufen. Immerhin ist Abhilfe geplant. Überall werden neue kleine Fußball-Schatullen mit einem Fassungsvermögen von knapp 30.000 gebaut. Vielleicht sollten sich die Soccer-Manager an dem einen oder anderen Ort noch eine Alternative ausdenken: die Zusammenarbeit mit den Baseball-Clubs, die beim besten Willen niemand sehen will, aber ebenfalls in riesigen Stadien vor sich hin pitchen. Das Spiel am Mittwoch in Miami war fast schon obszön. Geschätzte 400 Besucher (in Worten: vierhundert) hatten sich im Dolphins-Stadion eingefunden, um das Spiel der Florida Marlins gegen die Washington Nationals anzuschauen. Das Fassungsvermögen: in der Football-Konfiguration etwa 75.000. Es half natürlich nicht gerade, dass beide Mannschaft in der National League ganz tief im Tabellenkeller logieren und null Chance auf die Playoffs haben. Was Stimmung in einem schicken alten Baseball-Stadion ist, konnte ich letzte Woche in Wrigley Field in Chicago bei einem ausverkauften Spiel der Cubs erleben. Ausverkauft. Und alle Sitze auf den Dächern der Häuser außerhalb des Stadions proppenvoll. Die Ränge auf den Privathäusern (siehe Bild aus dem Flickr-Archiv) sind eine echte Kuriosität. Man kommt dort auch gar nicht kostenlos hin. Das Eintrittsgeld allerdings ging früher nicht an die Cubs. Weshalb der Club vor ein paar Jahren eine Zivilklage anstrengte und im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs einen Teil der Einnahmen erstritt.

Im Rahmen der Recherche stieß ich auf den Verweis auf eine richterliche Entscheidung zum Thema Urheberrecht und Sportveranstaltungen. Etwas, das in Deutschland durch das Verhalten der Bundesliga akut geworden ist. Zugegeben, die Buchstaben des Gesetzes in den USA und in Deutschland sind nicht gleich. Aber der Grundgedanke, der in den Vereinigten Staaten formuliert wurde, ist dennoch bemerkenswert. Wohlgemerkt: Fernsehaufzeichungen (oder Radioaufnahmen etc.) werden in den USA vom Urheberrecht geschützt, nicht aber das Originalereignis selbst, weil es kein "orginäres Produkt einer Autorenleistung" ist.

Das fragliche Gesetz benennt acht unterschiedliche Autorenleistungen, darunter "literarische Werke", "musikalische Werke" und "dramatische Werke", aber nicht die kreative Leistung von Sportlern. Anders als Filme, Bücher, Theaterstücke und ähnliche klassische Werke im Sinne des Urheberrechts, fehlt Sportveranstaltungen eine rechtsrelevante Schöpfungshöhe. Athleten müssen sich zwar intensiv vorbereiten und bringen ein gewisses Können mit, aber dem Ereignis fehlt etwas Wesentliches: ein Manuskript, ein Gestaltungskonzept, eine Handlungsvorlage, ein Plan. Sport ist - außer wenn abgekartet wird - das Produkt von Zufallsketten. Für Sportarten wie Turnen oder Eiskunstlauf, in denen Athleten eindeutig kreativ tätig sind und Sprünge oder Bewegungskombination erfinden, zog das Gericht damals gleich noch eine interessante Linie. Wer einen Axel, Rittberger oder einen Gienger-Salto unter Urheberrechtsschutz stellen wolle, konterkariere das ganze Konzept von Sport und Wettbewerb. Der Anspruch, dass man "der einzige Athlet sei der ein bestimmte Leistung erbringen darf, bedeutet nicht viel, wenn niemand anderer das gleiche versuchen darf".
Blick zurück: Die Bundesliga und ihre Jagd auf Fans, die im Stadion fotografieren und Videos aufnehmen