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2. Oktober 2009

Second City nur Vierter

Wie kann man so daneben liegen?

Chicago fliegt in Kopenhagen in der ersten Runde raus. (Die Kopie des Resultats im ersten Wahlgang als Foto bei Jens Weinreich.)

Amerikas nächste Herausforderung in einer Woche. Schafft es Golf, ins olympische Programm aufgenommen zu werden? Mehr dazu in einem Radiobeitrag für den Deutschlandfunk mit dem Stimmungsbild und ein paar Tönen von vor ein paar Tagen (Sendetermin war der 26. September). Die Interviews fanden allesamt am Rand der BMW Championship vor den Toren von Chicago statt.)

30. September 2009

Chicago wird's

Olympische Spiele waren schon immer irgendwie auch Politik. Hitler in Berlin und seine Rassenshow. Die Boykott-Maßnahmen gegen die Veranstaltung 1980 in Moskau und die Revanche der Geschmähten 1984 in Los Angeles. Der Ritterschlag für die chinesische Diktatur 2008.

Da darf man sich nicht wundern, wenn Barack Obama nach Kopenhagen fliegt, um beim IOC-Kongress ein paar Wahlberechtigten tief in die Augen zu schauen und ihnen in wenigen Worten zu bedeuten, dass Chicago den Zuschlag für 2016 zu bekommen habe. Es ist ihm ein Anliegen. Denn Chicago ist die Stadt, in der er sich nach Wanderjahren wirklich zu Hause fühlt und die er zusammen mit dem Staat Illinois im Senat vertreten hat. Sollte er 2012 wiedergewählt werden, wäre er das Staatsoberhaupt, dem es obläge, die Spiele offiziell zu eröffnen.

Die Olympischen Spiele fanden in den letzten Jahrzehnten ziemlich oft in den USA statt: 1980 in Lake Placid, 1984 in Los Angeles, 1996 in Atlanta, 2002 in Salt Lake City. In Südamerika noch nie. Weshalb sich professionelle Deuter, die den Stimmungspegel gerne schon vor der offiziellen Abstimmung ausloten, Rio de Janeiro sehr gute Chancen für 2016 einräumten. Die ursprüngliche Entscheidung von Barack Obama, nur seine Frau Michelle zu schicken und nicht selbst nach Dänemark zu gehen, wirkte wie eine Bestätigung. Die Theorie: Der Mann im Weißen Haus kann es sich nicht leisten, sich auf einer so großen Bühne eine Niederlage einzuhandeln. Also bleibt er lieber zu Hause. Dann kann ihm niemand nachsagen, er habe seine Zeit vertan.

Am Montag wurde in Washington offiziell verkündet, dass der Präsident nun doch nach Kopenhagen reist. Folgt man der dargelegten Logik, heißt das: Er verfügt über hinreichende Informationen, wonach Chicago das Rennen machen wird. Darüber, wie der Meinungsbildungsprozess der IOC-Mitglieder abläuft, kann man nur spekulieren. Sicher ist: Chicago wäre eine bestens ausgerüstete und präparierte Stadt für die Mammutveranstaltung und böte mit ihrer attraktiven Wolkenkratzerlandschaft als Hintergrund den Kanuten, Ruderern, Seglern und Triathleten ideale Bedingungen direkt vor der Haustür. Den letzten Rest Zweifel beseitigten die Ortspolitiker, als sie eine Subventionsgarantie beschlossen, die die finanziellen Risiken der privat finanzierten Veranstaltung ausräumt.

Für Chicago spricht aber auch, dass die Fernsehrechte noch immer nicht vergeben sind. Die dürften hunderte von Millionen Dollar mehr wert sein, wenn die Spiele in den USA stattfinden. Zumal diesmal einem Mitanbieter mit riesigen Taschen die Tür geöffnet wurde. ESPN sollte in der Lage sein, die anderen amerikanischen Sender aus dem Feld zu schlagen und bis zu 1,5 Milliarden Dollar offerieren können. Fände das Ereignis in einer anderen Stadt in einem anderen Land statt, würde das Interesse nicht halb so groß sein.

Das Bild, das das Bewerbungskommittee herausgegeben hat, zeigt übrigens Michelle Obama nach der Landung in Kopenhagen.

Blick zurück: Mein Radiobericht aus Chicago von vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk, als Obama beschloss, in Washington bleiben zu wollen.

18. Juli 2009

Chicago das Opfer der Kabale?

In eigener Sache: Der Deutschlandfunk hat heute einen ausführlichen Bericht über den Streit zwischen dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (hierzulande gerne USOC genannt) und dem IOC ausgestrahlt. Es geht ums Geld. Und um einen eigenen Fernsehkanal, den die Amerikaner ohne NBC und notfalls auch ohne das Wohlwollen von NBC auf die Beine stellen wollen.

Die Gemengelage ist inzwischen derart kitzlig, dass man das Gefühl nicht los wird, dass womöglich Chicago zum Opfer der Kabale wird. Die Stadt tritt gegen Madrid, Rio de Janeiro und Tokio bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an. Die Entscheidung fällt am 2. Oktober in Kopenhagen. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, bei der die Rolle des Dritten, des Senders NBC, von purem Eigennutz getrieben ist. Das taktische Verhalten der NOK-Führung, die erst vor kurzem neu besetzt wurde, wirkt dagegen vergleichsweise generös, allerdings auch ungeschickt. Mal wieder besonders dubios sind die Signale aus den Reihen des IOC, wo man sich wohl offensichtlich von dem Schock der letzten Jahre der Samaranch-Ära erholt hat, als man sich angesichts von zahllosen Korruptionsfällen vor dem Zorn des mächtigen amerikanischen Kongresses fürchten musste, der über allerlei Daumenschrauben verfügt, um die grandiose olympische Idee auf ein kleineres Format zusammenzustauchen.

Das wurde durchgestanden. Der Salt-Lake-City-Skandal wurde abgearbeitet. Samaranch ging in den Ruhestand. NBC zahlte Milliarden und stach dabei dank der gut geölten Kontakte die inneramerikanischen Konkurrenten aus. Nun verlangt der Sender wohl den return on investment aus Lausanne: eine harte Haltung gegenüber dem NOK in Sachen Fernsehprojekt. Der Medienkonzern hat dabei seine beste Karte bereits gespielt, als er dafür sorgte, dass die Vergabe der Fernsehrechte für 2016 bis nach Kopenhagen vertagt wurde. Ich sah das zu seiner Zeit als interessantes Druckmittel an, um den IOC-Mitgliedern aus dem Rest der Welt durch die Blume zu sagen: Wenn ihr wieder viel Geld wollt, solltet ihr uns (NBC) die Spiele in Chicago geben.

Mittlerweile könnte angesichts des Fehlens eines jeden echten quid pro quo sicher auch jemand anderer das Rennen machen. Und NBC würde sich möglicherweise aus der Olympiaberichterstattung zurückziehen. Dick Ebersol, dem Chef, wäre das sicher auch egal, ob er die Rechte hat oder nicht, wenn die Spiele 2016 in Tokio stattfinden. Er hat das Ende seiner Karriere erreicht.

14. April 2009

ESPN: Die ersten Lokalseiten sind da

Nach der Ausdehnung in die Breite hat die Disney-Tochter ESPN die Buddelei in die Tiefe begonnen. Die erste lokale Newsseite im Internet ist da. Schauplatz Chicago. Woraus sich folgende Gedanken ableiten lassen: Es ist ein Experiment, das nicht unter dem Brennglas der New Yorker Medien stattfinden soll. Es bedient eine Stadt, in der die Printmedien ächzen. Die Chicago Tribune leidet unter dem schuldenbelasteten Aufkauf des Mutterkonzerns und ist nicht mal in der Lage, im gegenwärtigen wirtschaftlichen Klima einen Käufer mit tiefen Taschen für die Chicago Cubs zu finden. Die Sun-Times hat andere Sorgen. Stichwort: Conrad Black. Das Projekt zielt auf einen lokalen Markt ab, der groß genug ist und mit zahllosen Sportclubs gesegnet. Die Medienlandschaft hat obendrein traditionell sehr gute Schreiber hervorgebracht (Nein, nicht du, Jay Mariotti, und nicht du, Sam Smith). Prognose: In ein paar Monaten wird ESPN das Konzept hinreichend getestet und herausgefunden haben, wo die Werbeeinnahmen herkommen. Dann werden andere Märkte attackiert.

Die Vorgehensweise ist übrigens mehr als konsequent. Denn auch der national übers Fernsehen materiell bestens finanzierte Sport ist am Ende nichts anderes als eine regional verwurzelte Angelegenheit. Dort gibt es weniger Prestige zu holen, aber viele loyale Verbraucher (und die Anzeigenkundschaft, die sich ganz konkret an dieses Publikum wenden möchte).

7. November 2007

Schöner Wohnen

Wir berichten selten genug über die Immobiliengeschäfte der Stars, obwohl das sicher viele Leute interessiert. Wegen Geld und Glamour und so. Aber da wir vor einer Weile den Versuch von Shaquille O'Neal erwähnt haben, seine Riesen-Villa in Miami loszuschlagen (wie sich später herausstellte, hatte das mit der Scheidung zu tun), soll dann auch diese Meldung zur Komplettierung nachgereicht werden: Alex Rodriguez, der Golden Boy des amerikanischen Sportgeschäfts, der soeben seinen Vertrag mit den New York Yankees sausen ließ (weil er sich ausmalt, dass er woanders noch mehr bekommt als 25 Millionen Dollar im Jahr) wird Shaq wohl den Palast von der Hand nehmen. Der Preis ist auf rund 25 Millionen Dollar gefallen. A-Rod hat bislang ein pied-à-terre in Miami, das nur halb so groß ist. Welche Gründe Kobe Bryant haben könnte, sich für das riesige Anwesen von Michael Jordan zu interessieren (Foto: siehe hier), das sich außerhalb von Chicago befindet, ist nicht klar. Es sei denn, er weiß etwas, was sonst noch niemand weiß: daß er demnächst für die Bulls spielt, die momentan so aussehen, als ob sie einen Weckruf gebrauchen könnten. Auch Jordan hat eine Scheidungssache laufen und braucht die Anlage nicht mehr.

Die Nachricht des Tages rund um Alex Rodriguez allerdings hat nichts mit schöner Wohnen zu tun, sondern mit Vertragsrecht. Die Yankees überlegen gerade, ob sie nicht einfach die Rechte an ihrem Third Baseman im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahrens (arbitration) beanspruchen sollen, was aufgrund des Tarifvertrags theoretisch möglich ist. Der Spieler wiederum kann das ablehnen. In einem solchen Fall aber bekämen die Yankees zwei Draftplätze von dem Team, das mit Rodriguez handelseinig wird. Es kann sogar theoretisch noch zu einer anderen Lösung kommen. Aber weil das alles wirklich viel zu hypothetisch und zu kompliziert ist, empfehlen wir unentwegten Baseballkundigen die Lektüre dieses Artikels in der New York Post.

8. Oktober 2007

Tod beim Marathon

Vor einem Jahr gab es nur den Sturz des Siegers zu beklagen, der auf der Ziellnie ausrutschte und mit Hinterkopf auf dem Asphalt aufschlug. In diesem Jahr produziert der Chicago Marathon sogar einen Toten und hunderte von Läufern, die vor totaler Erschöpfung zusammenbrachen und teilweise zwischendurch das Bewusstsein verloren. Die Situation war so schlimm und das medizinische Personal derart überfordert, dass die Veranstaltung nach nur vier Stunden abgebrochen wurde. Der Grund dafür waren die klimatischen Verhältnisse mit 35 Grad und extrem schwül. Vor allem für weniger austrainierte Langsteckenläufer sind solche Bedingungen die reinste Strapaze. Ideal sind Temperaturen um die 10 Grad und eine niedrige Luftfeuchtigkeit.
Blick zurück: Das Video vom Sturz des Marathon-Siegers 2006 in Chicago

14. September 2007

Auf den Spuren eines Sponsors

Die Reise nach Chicago zur BMW Championship, dem Halbfinale um den FedEx-Cup der amerikanischen Golfer, war gespickt mit einer Reihe von sehr attraktiven Erlebnissen - der Teilnahme am ProAm-Turnier, dem Besuch eines Spiels der Chicago Cubs in Wrigley Field und ein Konzert der Extraklasse der amerikanischen Retro-Soul-Diva Macy Gray. Heute hat faz.net die Geschichte online gestellt, die der eigentliche Auslöser für den Trip war: ein Text über das Sponsorenengagement der Bayerischen Motoren Werke in den USA, einem Markt, auf dem sie inzwischen mehr Autos verkaufen als in Deutschland.

3. Mai 2007

Am Ziel. Am Boden. Am Verdienen.

Der kenianische Marathonspezialist Robert Cheruiyot, der letzten Oktober auf der Ziellinie in Chicago ausrutschte, mit dem Hinterkopf auf dem Asphalt aufschlug und trotzdem das Rennen gewann, verlangt von den Veranstaltern Geld für seine Unbill. Von der Siegesprämie allein kommt man als Langstreckler wohl nicht ausreichend zurecht. Obwohl: Cheruiyot gewinnt dauernd. So wie neulich in Boston. Der 28jährige ist deshalb auch Favorit Nummer eins auf den Super-Extrapreis, der am Ende der laufenden Saison im Rahmen eines Zwei-Jahreszyklus an den Punktbesten der sogenannten World Marathon Majors ausgeschüttet wird: Sage und schreibe 500.000 Dollar. "Ich habe seit dem Sturz immer noch Kopfschmerzen", meinte er. Kein Wunder, wenn man sich nicht ins Bett legt und lieber die Erschütterungen von Millionen von Laufschritten erträgt.
Blick zurück: Die Bilder vom Sturz des Siegers

16. April 2007

Chicago 2016 - wer sonst?

Es war eigentlich vorauszusehen, wie sich die Amerikaner entscheiden, nachdem man aus dem IOC ein paar Signale nach dem Motto verlauten ließ: Man wollen keine Städte für die Olympischen Spiele der Zukunft, die bereits in der Vergangenheit als Ausrichter fungiert haben. Der eine Kandidat - Los Angeles - hatte bereits zweimal diese Rolle gespielt. Chicago noch nie. So geht nun die Stadt der Bulls und Bears und Blackhawks und White Sox und Cubs in das Rennen um die Kandidatur für 2016 und muss als ganz großer Favorit angesehen werden, falls sich nicht Kapstadt beteiligt. Nach Peking und London kommen einfach keine anderen Kontinente für die engere Auswahl in Frage. Toronto würde daran scheitern, dass die Winterspiele 2010 in Vancouver stattfinden.

23. Oktober 2006

Am Ziel. Am Boden.


Fast alle Marathonläufer treffen irgendwann spät im Rennen auf die sogenannte Wand. Da will der Körper einfach nicht mehr, während der Athlet irgendwo in seinem Gehirn den Rest an Willenskraft freisetzen muss, um durchzuhalten. Dass selbst die Ziellinie eine Wand sein kann, hat am Sonntag beim Chicago Marathon der Kenianer Robert Cheruiyot erlebt. Er wollte gerade seinen Erfolg feiern, da lag er auch schon auf dem Boden und hatte sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen. "Habe ich gewonnen?", fragte er, als er benebelt wieder zu sich kam. "Was ist passiert?"

Die Antwort auf die Frage gibt es bei YouTube. Die Einzelheiten zum Marathon bei Yahoo

14. August 2006

Chicago - 25 Or 6 To 4 (live on Tonight Show)

Dieses Stück der Band Chicago ist nicht nur eines der besten in der langen Geschichte der Gruppe, die sehr viel gute Musik geschrieben und aufgenommen hat. Es hat den mysteriösesten Titel. In einem Internet-Forum, in dem die Frage nach der Bedeutung der Ziffernkombination erörtert wurde, sahen einige eine Anspielung auf zwei verschiedene LSD-Sorten. Die wahre Geschichte ist wohl etwas harmloser. Die Zeile würde komplett so lauten: 25 or 26 to 4. Und damit wäre nichts anderes als die Angabe einer Uhrzeit gemeint ("25 oder 26 Minuten vor 4"). Das Stück befindet sich auf dem Doppelalbum Chicago II, das 1970 erschien und neben diesem einen weiteren Top-Ten-Song enthielt: Make Me Smile. Alles über die Band auf dieser Website: http://www.bignoisenow.com/chicago.html