17. Juli 2008

Erinnerungen an ein Denkmal der Sportgeschichte

Das All-Star-Spiel im Baseball am Dienstag war Anlass für eine Reminiszenz auf das Yankee Stadium, das nach dem Ende der Saison irgendwann im kommenden Winter abgerissen wird. Den Text gibt es hier. Es hätte noch sehr viel mehr zu erzählen gegeben. Denn das Stadion ist uralt und war der Austragungsort für eine enorme Menge von unterschiedlichen Veranstaltungen. So fehlen denn auch Hinweise auf Muhammad Ali oder den College-Football mit dem Duell zwischen Army und Navy. Man hätte auch erwähnen können, wie das erste Spiel der Yankees nach dem Doppelanschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 die Stimmung und das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt widerspiegelte. Aber Zeitungsartikel sind keine Buchbeiträge.

Bei den Recherchen fiel mir auf, dass es übrigens gar nicht so abwegig ist, die Arena in die Reihe mythischer ausländischer Sportstätten mit markantem deutschen Bezug mit Wankdorf (WM-Finale 1954) und Wembley (WM-Finale 1966) zu stellen. Und das gar nicht mal, weil die Halbgötter der Yankees – Babe Ruth und Lou Gehrig – deutscher Abstammung waren. Es sind eher die beiden Boxkämpfe zwischen Jou Louis und Max Schmeling 1936 und 1938, die beide live im Radio über Kurzwelle nach Deutschland gingen und damals von Millionen verfolgt wurden, die diesen Bezug nahelegen. Zum zweiten Fight, bei dem es um die Weltmeisterschaft ging, hat der amerikanische Journalist David Margolick 2005 ein Buch veröffentlicht, das auch auf Deutsch erschienen ist. Titel: Max Schmeling und Joe Louis - Kampf der Giganten - Kampf der Systeme.

Ich habe Margolick damals getroffen und wir haben uns angeregt über seine Arbeit unterhalten. Darin schildert er nicht nur en detail die Begleitumstände des Kampfes von 1938, bei dem Schmeling in der ersten Runde KO ging. Sondern er kratzt ganz erheblich am Lack der in Deutschland üblichen unkritischen Verehrung für das Boxidol. Ein Ausschnitt aus dem Interview, das damals in der FAZ erschien (nicht online verlinkt):

Es gibt kaum einen populäreren deutschen Sportler als Max Schmeling. Was haben die Amerikaner für Probleme mit ihm?

MARGOLICK: Erstens war er der erste Schwergewichtsweltmeister, der seinen Titel gewann, indem er auf dem Rücken lag und sich beschwerte. Er galt als illegitimer Champion. Zudem wurde Schmeling als Hitlers Lieblingsboxer gesehen, ein Nazisympathisant, wenn nicht sogar ein Nazi. Im Ring wirkte er teutonisch, methodisch, langweilig. Dieser Mythos hielt sich bis nach dem Krieg, als ihm jahrelang die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde. In der jüngeren Vergangenheit ist dann der dritte Mythos entstanden: das Klischee des rechtschaffenen Menschen, eine Stauffenberg-Figur, der sich gegenüber Hitler behauptete, seinen jüdischen Manager behielt und alle möglichen Juden rettete. Das alles sind Klischees, und sie sind alle falsch.

Was ist denn Ihre Analyse, nachdem Sie mehrere Jahre lang Zeitungsarchive ausgewertet und Zeitzeugen interviewt haben?

MARGOLICK: Ich sehe ihn als Chamäleon. Erst ist er ein Held der Intellektuellen in der Weimarer Republik. Als die fliehen, paßt er sich an Nazi-Deutschland an. Und nach dem Krieg wird er zur Verkörperung des Wirtschaftswunders und zum Millionär. Es gibt nicht viele Menschen, die sich so mühelos von einem Kulturkreis zum anderen bewegen können.

Mit anderen Worten ein klassischer Mitläufer?

MARGOLICK: Ja. Aber er war besser als jeder andere Deutsche seiner Generation in der Lage, sich öffentlich zu äußern. Er war einer der berühmtesten Sportler der Welt. Er verdiente sein Geld in Amerika. Er hatte viele jüdische Freunde. Aber kaum war Hitler an der Macht, hat Schmeling ihn reingewaschen. Er hat die amerikanische Presse angelogen, als er erklärte, er habe noch nie Hitler getroffen. Nur wenige Wochen nach der Machtübernahme kam er herüber und sagte, alles sei bestens. Jeder habe Arbeit. Deutschland sei ruhig. Als die Amerikaner kurz davor standen, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu boykottieren, hat er sich für das Regime verbürgt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist eine Schande, dass einer wie Sie, ein Mitläufer des politisch korrekten linken Zeitgeistes, es wagt, Dreck auf Max Schmeling zu werfen. Sich aus heutiger Sicht, aus der bequemen Sicherheit unseres heutigen Lebens, über die damals lebenden Menschen moralisch zu erheben, zeigt wie wenig Sie sich das Leben in einer schrecklichen Diktatur vorstellen können. Hoffentlich schmeißt Sie die FAZ bald raus.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich habe mich schon oft gefragt, weshalb Menschen, die nicht lesen können, auf die Idee kommen, sie könnten schreiben. Die Antwort geht mir ab. So weiß ich natürlich schon gar nicht, was solche Menschen hierhin bringt. Wenn jemand mehr weiß, bitte melden.

Anonym hat gesagt…

Haha, nach der Anzahl der geposteten Kommentare zu urteilen, liest Ihren Blog ja sowieso kaum jemand. Und die, die es tun sind auch noch Analphabeten! Köstlich...

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Da Sie offensichtlich keine simplen Sachverhalte begreifen, dürfte es mit den subtilen noch sehr viel schlechter bestellt sein. Deshalb sollten wir diese Unterhaltung an dieser Stelle beenden. Es muss doch irgendwo im Netz eine Stelle geben, wo man Ihre anonymen Einsendungen zu schätzen weiß und wo Sie Freunde im Geiste finden. Hier bestimmt nicht.

Anonym hat gesagt…

Kalwa: schreibt was

Leser: schreibt kritischen Kommentar.

Kalwa: Leser offensichtlich Analphabet.

Analphabet: macht sich über Kalwa lustig.

Kalwa: Leser offensichtlich dummer Analphabet, soll sich verpissen.

Dummer Analphabet: denkt angestrengt nach was an Kalwas Holzschnitt-Weltbild "subtil" sein könnte. Dummer Analphabet aber zu dumm dafür.