Vier Spiele und nur eines davon war halbwegs spannend. Leider war das mehr ein Punt-Festival und eine Ansammlung von unsinnigen Penalties und die Implosion eines Kickers, der in der laufenden Saison eine formidable Präzision an den Tag gelegt hatte, aber heute aus dem Tritt kam. Mit anderen Worten: Die NFL dokumentiert gegen Mitte der Playoffs eine Zweiklassen-Gesellschaft von krassem Zuschnitt: Die New Orleans Saints, die Minnesota Vikings und die Indianapolis Colts repräsentieren die Luxus-Suite. Der Rest wirkt wie ein Haufen zusammengeschüttete Scrabble-Buchstaben, aus dem man so gut wie keine vernünftigen Wahrheiten herausschnitzen kann. Die drei Top-Teams hingegen lassen sich leicht beschreiben: Rund um die hervorragenden Quarterbacks existieren quicklebendige, ideenreiche und zielstrebige Spieler. Die Defensivformationen sind unglaublich schnell zu Fuß unterwegs und kaltblütig.
Und was ist mit den New York Jets, die im letzten Spiel der Divisional Playoff-Runde in San Diego die Chargers demontierten? Die konnten echt froh sein, dass ihnen die Chargers einen Teil der schweren Arbeit abgenommen haben. Die Jets brauchten bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit, um ihren allerersten First Down zu erzielen. Der entscheidende Touchdown entsprang einer Interception in der Nähe der Chargers-Endzone – in der Wirkung gedoppelt durch ein albernes Head-Butt-Foul, durch das die Jets noch ein paar wichtige Yards näher ans Ziel heranrücken durften. Und selbst danach hätte es San Diego zumindest in die Verlängerung schaffen können. Aber Kicker Nate Keading hatte heute einen tiefdunklen Tag. Er verschoss im entscheidenden Augenblick aus harmloser Distanz auf trockenem Rasen und ohne irgendwelchen Wind. Vermutlich werden die Jets den Colts in einer Woche das Leben schwer machen. New York hat zwar eine beeindruckende Defensive. Aber selbst wenn die Offensive 17 Punkte gegen die Colts schaffen sollte wie heute gegen die Chargers, wird das nicht reichen. Und viel mehr sind nicht drin.
Allerdings wird einem angesichts der Jets die Football-Saison wenigstens einigermaßen schmackhaft. Denn die straften die sogenannten Fachleute Lügen, von denen sage und schreibe vier im Studio der übertragenden Network CBS herumsitzen (auch Fox hat vier dieser Bauchredner im Einsatz). Alle vier erklärten die San Diego Chargers vor der Begegnung zum Sieger. Und alle vier werden wir nächste Woche wiedersehen (Colts gegen die Jets). Solche Leute werden einfach nicht entlassen.
Das Spiel der Woche wird allerdings auf Fox laufen. Mehr als 100 Oktan stecken in der NFC Championship-Begegnung zwischen den Vikings und den Saints im Tank. Die Auseinandersetzung im Superdome in New Orleans ist ein Sahneklecks auf zehn Jahre einer Evolution des Spiels zu einer ungemein schnellen und (vor allem auch) reaktionsschnellen Angelegenheit. Eine Spielkultur, die wirkt wie herausgemeißelt aus den Köpfen genialer Videospiel-Designer, die den Mut hatten, sich Spielzüge auszumalen, bei denen Quarterbacks zentimetergenaue Pässe werfen. Diese NFL sieht neuerdings wie eine Versammlung von Feinmechanikern aus. Gut, dass man das alles inzwischen auf HD serviert bekommt.
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17. Januar 2010
20. Januar 2008
Selbst müde noch gut genug
Es sah nicht so aus, als ob die Patriots am Sonntag wirklich aus ihren warmen Betten herausgefunden hätten. Aber ihre schwache Energieleistung reichte trotzdem. So ist Football: Die San Diego Chargers erzielen vier Treffer und machen zwölf Punkte. Die New England Patriots erzielen drei Treffer und erzielen 21 Punkte. Ungerecht? Nicht wenn man so wenig Mut hat wie Chargers-Coach Norv Turner, der nicht mal dann auf volles Risiko setzt, wenn es keine vernünftige Alternative gibt. Was wollte er mit noch einem Field Goal beim Stand von 9:14? Aber so passiert es dann. Statt aus 6 Yards den 4th Down (4th and 3) zu versuchen, der ihnen die Chance auf einen Touchdown offen hält, machen sie ihre drei Punkte und stellen auf 12:14. Und was machen sie dann? Sie geben den Patriots eine schöne Chance für den Gegenangriff durch einen Kick-off, der vom Returner weit nach vorne geschleppt wird - zur 33-Yard-Linie. Football ist ein Spiel, bei dem es auch um Field Position geht. Wenn sie im schlimmsten Fall den vierten Down nicht nutzen, liegen sie immer noch um nur fünf Punkte zurück, aber der Angriff der Patriots muss von einem viel schlechteren Ausgangspunkt starten (in diesem Fall von der 6-Yard-Linie). Ein Angriff, der nur deshalb keine Punkte produziert, weil der Pass von Tom Brady in den Endzone abgefangen wird. Bradys drei Interceptions waren die Enthüllung des Tages. So schlecht hat er schon lange nicht mehr gespielt. Geh wieder ins Bett, Tom. Iss wärmer da.Leider gab es so gut wie nichts vom verletzten LaDainian Tomlinson zu sehen. Vielleicht hätten die Chargers mit ihm als Running Back heute eine Chance gehabt. Das ganze Match zum Nachlesen gibt es hier.
Blick zurück: Kige Ramsey und seine Prognose in Sachen Chargers
Blick zurück: Turner und das Kollen
Blick zurück: Bloß kein Risiko eingehen - die Head Coaches in der NFL haben Angst
18. Januar 2008
Lebenslust à la Quarterback: Kein Sex vor der Ehe
Wenn man sich nur einen kurzen Augenblick umdreht und sein Augenmerk auf die anderen Clubs richtet, die an diesem Wochenende die beiden Conference Finals in der NFL bestreiten, reibt sich man die Augen. Die Packers mögen ja die merkwürdigsten Fans haben und die Patriots den seltsamsten Trainer, aber die Chargers erhalten den Preis für abgedrehte Spieler. Quarterback Philip Rivers führt die Tabelle an: Mit diesem Video (via Deadspin) zum Thema Enthaltsamkeit vor der Ehe ("eine verloren gegangene Kunst"). Auf Platz zwei liegt LaDainian Tomlinson, der sich auf seiner Webseite als bester Spieler in der NFL feiern lässt. Selbstherrlich, möchte man sagen.
Besonders reizvoll stellen wir uns ein Gespräch zwischen Rivers und Brady am Sonntag über die Beziehung zwischen dem Patriots-Quarterback und Super-Model Giselle Bündchen im besonderen vor sowie über uneheliche Vaterschaft im allgemeinen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Brady eine ziemlich deutliche Antwort parat hätte. Vor allem mit dem Ball in der Hand gegen Ende der Partie. Die ARD hat das Spiel Sonntagnacht (ab 0:15 Uhr) nur in der Schlussphase auf dem Sender und wird wohl eine Zusammenfassung anbieten. Live komplett läuft nur Green Bay Packers gegen New York Giants.
P.S.: In der gedruckten FAZ morgen eine Geschichte über Tomlinson. Er hat es verdient. Trotz seiner Eigenlobhudelei.
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14. Januar 2008
Es liegt am Kollen
Manchmal möchte man einfach ein neues Wort erfinden, weil man mit den existierenden Begriffen nicht ausdrücken kann, was man sagen will. Der Playoff-Sonntag gestern in der NFL zum Beispiel - der schreit danach. Wie soll man schließlich erklären, dass mit den Indianapolis Colts und den Dallas Cowboys gleich zwei Favoriten vor eigenem Publikum ausgeschieden sind? Und wie, dass sie das beide auf ähnliche Weise hinbekommen haben - durch das Versieben von zahlreichen Chancen im letzten Spielabschnitt? Denn sie waren beide wirklich nicht die schlechteren Mannschaften.
Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.
Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).
Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.
P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.
Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.
Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).
Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.
P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.
23. Oktober 2007
Waldbrandgefahr vertreibt NFL-Club aus San Diego
Die Waldbrandkatastrophe in Südkalifornien, die etwa 250.000 Bewohner von Los Angeles bis San Diego bedroht, wirkt sich auch auf den Sportbetrieb aus. Die San Diego Chargers zogen am Dienstag nach Tempe in Arizona um, wo sie die Trainingsanlagen der Arizona Cardinals benutzen dürfen. Running Back LaDainian Tomlinson gehörte zu jenen, der aus seinem Haus evakuiert wurde. Die Mannschaft hat für Sonntag ein Heimspiel gegen die Houston Texans geplant. Ob es stattfinden kann, weiß derzeit noch niemand.
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20. Februar 2007
Turner geht nach San Diego, Dungy macht weiter
Man kann in der NFL seinen Job verlieren, weil man besser ist als der Schnitt. Und man kann in der NFL denselben Job bekommen, weil man schlechter ist als der Schnitt. Das klingt nicht nur paradox, das ist es auch. Aber das liegt an den Erwartungen und Einschätzungen, mit denen ein Gewerbe belegt wird, für das es durchaus ein paar objektive Bewertungskritierien gibt. Die werden jedoch meistens nichts angewendet. Das jüngste Beispiel sind die San Diego Chargers, die sich neulich mit sehr viel Verspätung von Marty Schottenheimer getrennt haben (und das Geld für den noch ein Jahr weiter laufenden Vertrag bezahlen) und die gestern Norv Turner als seinen Nachfolger ernannten. Schottenheimer ist der Mann, der das Team nach oben gebracht hat, das es vorher zehn Jahre lang nicht mal bis in die Playoffs geschafft hatte. Turner ist der Mann, der an seinen zwei Stationen als Cheftrainer (Washington Redskins und Oakland Raiders) zu gut wie nichts gebacken bekam und in insgesamt neun Jahren nur einmal die Playoffs erreichen konnte. Die Mutmaßungen über Norv kreisen darum, dass er einen hervorragenden Ruf als Offensive Coordinator hat. Was erstainlich ist, denn der stammt aus seiner Zeit mit den Dallas Cowboys in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Das war obendrein eine Mannschaft, die - einmal eingstellt - auch ganz alleine funktionierte.
Das sollte der Angriff der Chargers allerdings eigentlich auch. Denn dort arbeitet mit LaDainian Tomlinson der gegenwärtig beste Running Back der Liga. Für Turner scheinen aber andere Qualitäten zu sprechen. Ungefähr das, was auch für Erich Ribbeck den Ausschlag gab: Er sieht gut im Anzug aus und kann sich gepflegt artikulieren. Ach, ja und er war im Jahr 2001 der Offensive Coordinator der Chargers (mehr über die weiteren Rochaden bei allesaussersport).
Die vermutlich sehr viel wichtigere Nachricht an der Trainerfront in der NFL ist die Rückkehr von Tony Dungy. Kaum jemand hatte Notiz davon genommen, dass der Coach von Super-Bowl-Gewinner Indianapolis Colts ernsthaft darüber nachgedacht hatte, ob er seinen Vertrag erfüllt, bei dem er noch ein Jahr auf der Uhr hat. Nun muss niemand auch nur grübeln.
Blick zurück: Schottenheimer und der Rauswurf
Blick zurück: Das Spiel, das Schottenheimers Schicksal in San Diego besiegelte
Blick zurück: Besuch auf dem Tomlinson Hill - die Armut, der der Running Back entfloh
Das sollte der Angriff der Chargers allerdings eigentlich auch. Denn dort arbeitet mit LaDainian Tomlinson der gegenwärtig beste Running Back der Liga. Für Turner scheinen aber andere Qualitäten zu sprechen. Ungefähr das, was auch für Erich Ribbeck den Ausschlag gab: Er sieht gut im Anzug aus und kann sich gepflegt artikulieren. Ach, ja und er war im Jahr 2001 der Offensive Coordinator der Chargers (mehr über die weiteren Rochaden bei allesaussersport).
Die vermutlich sehr viel wichtigere Nachricht an der Trainerfront in der NFL ist die Rückkehr von Tony Dungy. Kaum jemand hatte Notiz davon genommen, dass der Coach von Super-Bowl-Gewinner Indianapolis Colts ernsthaft darüber nachgedacht hatte, ob er seinen Vertrag erfüllt, bei dem er noch ein Jahr auf der Uhr hat. Nun muss niemand auch nur grübeln.
Blick zurück: Schottenheimer und der Rauswurf
Blick zurück: Das Spiel, das Schottenheimers Schicksal in San Diego besiegelte
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13. Februar 2007
San Diego Chargers setzen Schottenheimer den Stuhl vor die Tür
Der erfolgreichste NFL-Coach, der noch nie mit einer Mannschaft den Super Bowl erreicht hat, wird wohl auch in der nächsten Saison an diesem Umstand nichts ändern können. Nicht nachdem sich die San Diego Chargers in der Nacht zum Dienstag von ihm trennten und weit und breit keine Aufgaben in verantwortlicher Stellung frei sind. Marty Schottenheimer war bereits nach dem überaschenden Playoff-Aus gegen die New England Patriots in die Kategorie Dead Man Walking eingeordnet worden, aber dann hatte Clubbesitzer Dean Spanos ihm sogar eine Verlängeung seines Vertrages um ein Jahr angeboten. Doch das hatte der 63jährige Coach abgelehnt, der noch zwölf Monate im Rahmen seines laufenden Vertrages im Wort war. Anschließend allerdings brachen in der Hierarchie des Trainerstabs unter Schottenheimer die wichtigsten Balken weg. Offensive Coordinator Cam Cameron ging als erster - als Head Coach zu den Miami Dolphins. Defensive Coordinator Wade Phillips folgte vor ein paar Tagen. Er übernimmt die Verantwortung bei den Dallas Cowboys. Drei Positionstrainer kamen ebenfalls woanders unter. Nun also der Mann an der Spitze, der im Jahre 2004 die zehn Jahre sang- und klangloser Existenz des Teams in den unteren Tabellenzonen beendet hatte und die Mannschaft Baustein um Baustein in einen Titelfavoriten transformiert hatte. Der Nagel in den Sarg war offensichtlich Schottenheimers Entscheidung, seinen Bruder als Defensive Coordinator zu heuern und darauf auch angesichts des Widerstands seiner Vorgesetzten zu bestehen. Die Provokation hatte die vorhersehbaren Folgen. "Schottenheimlich" - ein Spitzname, der an das Heimlich-Manöver anspielt, das man bei Menschen anwendet, bei denen Lebensmittel in die Speiseröhre geraten ist, wurde an die Luft gesetzt.Die Entscheidung seitens der Clubspitze wirkt logisch und idiotisch zugleich. Logisch, weil man einem Mann, der nur noch ein Jahr auf der Uhr hat, nicht gestatten möchte, einen völlig neuen personellen Unterbau einzuarbeiten, wo doch sowieso in einem Jahr der große Schnitt anstände. Iditiotisch, weil man jetzt erst einmal einen Mann finden muss, der auch nur annähernd so gut ist wie Schottenheimer, der 21 Jahre in der NFL Cheftrainer war - bei den Cleveland Browns, den Kansas City Chiefs und den Washington Redskins und zuletzt in Kalifornien. Namen werden zuhauf gehandelt, aber ehrlich gesagt, der Markt für Fachkräfte ist leer. Hätte man den Schnitt vor Wochen vollbracht, wären die Assistenten vermutlich noch da. Und einer von ihnen wäre jetzt nicht woanders Chef, sondern in San Diego
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15. Januar 2007
Hut ab vorm Megafon
Wer das vergangenene Wochenende mit seinen vier NFL-Playoff-Spielen ausgiebig und mit Vergnügen begleiten wollte, kam um eines nicht herum: allesaussersport lesen - das souveräne Megafon für detaillierte Berichterstattung und Einschätzungen der hilfreichen, sachverständigen Art. Das Beeindruckende daran ist, mit welch hervorragendem Blick fürs Geschehen selbst aus so großer Distanz die Fernsehbilder ausgewertet werden. Es stand hier schon einmal. Aber es sei gerne noch einmal wiederholt und dick unterstrichen: Die ARD kann froh sein, solche Guerilla-Kämpfer für den US-Football zu haben. Aber was macht die Presseabteilung? Sie findet die Arbeit von dogfood nicht unterstützenswert. Grund: Er ist kein Journalist. Diese ablehnende Haltung ist lachhaft und ignorant. Wissen die Jungs vom Bezahlsender überhaupt, was sie tun?
Hier noch zwei Gedanken zu den Sonntagsspielen: Den Sieg der New England Patriots gegen die San Diego Chargers empfinden viele als abschreckendes Beispiel für eine Mannschaft, die auf jede erdenkliche Weise gewinnt (Stichwort: Bayern München). Vielleicht sollte man darauf hinweisen, mit welchem Blatt dieses Team spielt. Ohne die Linebacker Willie McGinest und Roman Phifer, ohne Kicker Adam Vinatieri, ohne Cornerback Ty Law, ohne die Wide Receiver David Patten und Deion Branch. Weg, gegangen, weil die Salary Cap Clubs dazu auf indirekte Weise zwingt, bessere Spieler ziehen zu lassen. So entsteht Parität. Und so entstehen Playoff-Begegnungen, die bis zum Schluss offen sind.
Was fehlt noch? Die Patriots spielen ohne die Trainer Charlie Weis (Head Coach Notre Dame), Eric Mangini (Head Coach New York Jets) und Romeo Crennel (Head Coach Cleveland Brown), die alle gut genug waren, um woanders den Laden zu übernehmen. Und wie spielen sie? Es gibt keine technisch besseren Verteidiger als die Patriots. Keine Mannschaft führt Blocks so elegant, gewissenhaft, schnell und konsequent aus. In anderen Teams sind die Linebacker und Defensive Ends eher wie hyperaktive Kinder unterwegs, die nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Die Patriots verteidigen mit einem Höchstmaß an Verstand - individuell wie in der Kombination. Die Patriots sind weniger Tom Bradys Team als das Abbild von Bill Belichicks jahrzehntelanger konsequenter Arbeit an allem, was eine Defensive wissen und beherzigen sollte. Im entscheidenden Moment kommt im Angriff auch noch der eine oder andere Westentaschentrick dazu: Bemerkenwertes Beispiel: Running Back Faulk bekommt den Snap beim Two-Point-Conversion-Versuch vom Center direkt zugespielt und hat so mehr Zeit, sich in die Endzone zu tanken.
Die San Diego Chargers sind zweifelsohne das von der Substanz her bessere Team, streckenweise brilliant - so wie die Dallas Cowboys der neunziger Jahre, die auf den entscheidenden Positionen Hall-of-Fame-Personal aufbieten konnte. 1991 schafften sie nach vielen schrecklichen Jahren mit diesen Figuren erstmals wieder die Playoffs. Ein Jahr später besaßen sie dann das Können und die Durchsetzungskraft, um die San Francisco 49ers auf deren Schlammplatz an der Bay auszuhebeln. Von da ab waren sie nicht mehr zu stoppen. Marty Schottenheimer ist vermutlich das größte Problem der Chargers im Moment. Und das unter anderen auch deshalb, weil er Stunk mit seinem General Manager hat. Obwohl: Bei einer Analyse der Niederlage gegen die Patriots kann man wirklich keine gravierenden Fehler seinerseits finden. Die Entscheidung, beim ersten Drive kein Field Goal zu probieren, sondern den 4th Down auszuspielen, ist im Nachhinein nicht zu bemängeln. Wer sagt denn, dass der Kicker aus der Distanz (Line of Scrimmage: die 30-Yard-Linie) und gegen den böigen Wind die drei Punkte gebunkert hätte? Tatsächlich verlieren die Chargers das Spiel aufgrund einer extrem seltenen Ereigniskette bei einem Fourth-Down-Pass von Tom Brady im vierten Viertel: Interception, Fumble, Patriots-Receiver Troy Brown sammelt den Ball ein. New England bleibt in Ballbesitz und punktet.
Also dann hier eine Prognose, die über den Tag hinaus geht: Die Chargers verpflichten Bill Cowher, einen Wettkampf-Trainer von Format, und bügeln in der nächsten Saison alles faltenfrei flach, was sich ihnen in den Weg stellt. Was spräche dagegen? Dass Cowher lieber bei seiner Familie in North Carolina Ferien macht? Wir sprechen uns wieder, wenn die Offerte auf dem Tisch liegt.
Hier noch zwei Gedanken zu den Sonntagsspielen: Den Sieg der New England Patriots gegen die San Diego Chargers empfinden viele als abschreckendes Beispiel für eine Mannschaft, die auf jede erdenkliche Weise gewinnt (Stichwort: Bayern München). Vielleicht sollte man darauf hinweisen, mit welchem Blatt dieses Team spielt. Ohne die Linebacker Willie McGinest und Roman Phifer, ohne Kicker Adam Vinatieri, ohne Cornerback Ty Law, ohne die Wide Receiver David Patten und Deion Branch. Weg, gegangen, weil die Salary Cap Clubs dazu auf indirekte Weise zwingt, bessere Spieler ziehen zu lassen. So entsteht Parität. Und so entstehen Playoff-Begegnungen, die bis zum Schluss offen sind.
Was fehlt noch? Die Patriots spielen ohne die Trainer Charlie Weis (Head Coach Notre Dame), Eric Mangini (Head Coach New York Jets) und Romeo Crennel (Head Coach Cleveland Brown), die alle gut genug waren, um woanders den Laden zu übernehmen. Und wie spielen sie? Es gibt keine technisch besseren Verteidiger als die Patriots. Keine Mannschaft führt Blocks so elegant, gewissenhaft, schnell und konsequent aus. In anderen Teams sind die Linebacker und Defensive Ends eher wie hyperaktive Kinder unterwegs, die nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Die Patriots verteidigen mit einem Höchstmaß an Verstand - individuell wie in der Kombination. Die Patriots sind weniger Tom Bradys Team als das Abbild von Bill Belichicks jahrzehntelanger konsequenter Arbeit an allem, was eine Defensive wissen und beherzigen sollte. Im entscheidenden Moment kommt im Angriff auch noch der eine oder andere Westentaschentrick dazu: Bemerkenwertes Beispiel: Running Back Faulk bekommt den Snap beim Two-Point-Conversion-Versuch vom Center direkt zugespielt und hat so mehr Zeit, sich in die Endzone zu tanken.
Die San Diego Chargers sind zweifelsohne das von der Substanz her bessere Team, streckenweise brilliant - so wie die Dallas Cowboys der neunziger Jahre, die auf den entscheidenden Positionen Hall-of-Fame-Personal aufbieten konnte. 1991 schafften sie nach vielen schrecklichen Jahren mit diesen Figuren erstmals wieder die Playoffs. Ein Jahr später besaßen sie dann das Können und die Durchsetzungskraft, um die San Francisco 49ers auf deren Schlammplatz an der Bay auszuhebeln. Von da ab waren sie nicht mehr zu stoppen. Marty Schottenheimer ist vermutlich das größte Problem der Chargers im Moment. Und das unter anderen auch deshalb, weil er Stunk mit seinem General Manager hat. Obwohl: Bei einer Analyse der Niederlage gegen die Patriots kann man wirklich keine gravierenden Fehler seinerseits finden. Die Entscheidung, beim ersten Drive kein Field Goal zu probieren, sondern den 4th Down auszuspielen, ist im Nachhinein nicht zu bemängeln. Wer sagt denn, dass der Kicker aus der Distanz (Line of Scrimmage: die 30-Yard-Linie) und gegen den böigen Wind die drei Punkte gebunkert hätte? Tatsächlich verlieren die Chargers das Spiel aufgrund einer extrem seltenen Ereigniskette bei einem Fourth-Down-Pass von Tom Brady im vierten Viertel: Interception, Fumble, Patriots-Receiver Troy Brown sammelt den Ball ein. New England bleibt in Ballbesitz und punktet.
Also dann hier eine Prognose, die über den Tag hinaus geht: Die Chargers verpflichten Bill Cowher, einen Wettkampf-Trainer von Format, und bügeln in der nächsten Saison alles faltenfrei flach, was sich ihnen in den Weg stellt. Was spräche dagegen? Dass Cowher lieber bei seiner Familie in North Carolina Ferien macht? Wir sprechen uns wieder, wenn die Offerte auf dem Tisch liegt.
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18. Dezember 2006
NFL: San Diego rollt die Liga von Westen her auf
Wenn man das dicke Infopaket auf allesaussersport zur NFL sieht und liest, kann man nur sagen: Die ARD kann froh sein, dass ihr zum Super Bowl und zu den Conference Finals solch kundige Fans die Zuschauer zutreiben (und wenn sie schlau wären bei dem Bezahlsender-Konsortium, dann würden sie mal mit dogfood über eine Kooperation reden). Von New York kann man nicht viel hinzufügen, vielleicht nur eine kurze Ergänzung aus besonderem Anlass zu zwei Stichwörtern: Die FAS hat gestern meine Terrell-Owens-Geschichte gebracht, die wirklich schon eine Weile lange fällig war. faz.net zieht Beiträge vom Sonntag oft, aber nicht immer montags nach. Das ist noch nicht passiert. Also fehlt hier das Link (mehr zu Owens in der Arena hier und hier
Das zweite sind die Dan Diego Chargers, die gestern abend unserer Zeit die Kansas City Chiefs vernascht haben. Ihr Running Back LaDainian Tomlinson hat so ganz nebenbei einen uralten Scoring-Rekord pulverisiert. Die Mannschaft hat sich das Heimrecht für alle Playoff-Runden gesichert und wirkt wie ein starker Aspirant auf den Titel, dem sie seit Ewigkeiten erfolglos hinterherher rennen. Es wäre verfrüht, auf ein Super-Bowl-Duell zwischen San Diego und den Chicago Bears zu setzen, die sich ebenfalls Heimrecht gesichert haben. Denn in diesem Jahr gibt es in der American Conference ebenso wie der National Conference hinreichend sportliche Kapazität an der Spitze. Prognose: Die Playoff-Begegnungen werden interessanter sein als in so manchen anderen Jahren zuvor. Ob das bei der ARD jemand geahnt hat?
Blick zurück: Die populärsten Trikots in der NFL
Das zweite sind die Dan Diego Chargers, die gestern abend unserer Zeit die Kansas City Chiefs vernascht haben. Ihr Running Back LaDainian Tomlinson hat so ganz nebenbei einen uralten Scoring-Rekord pulverisiert. Die Mannschaft hat sich das Heimrecht für alle Playoff-Runden gesichert und wirkt wie ein starker Aspirant auf den Titel, dem sie seit Ewigkeiten erfolglos hinterherher rennen. Es wäre verfrüht, auf ein Super-Bowl-Duell zwischen San Diego und den Chicago Bears zu setzen, die sich ebenfalls Heimrecht gesichert haben. Denn in diesem Jahr gibt es in der American Conference ebenso wie der National Conference hinreichend sportliche Kapazität an der Spitze. Prognose: Die Playoff-Begegnungen werden interessanter sein als in so manchen anderen Jahren zuvor. Ob das bei der ARD jemand geahnt hat?
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