14. Januar 2008

Es liegt am Kollen

Manchmal möchte man einfach ein neues Wort erfinden, weil man mit den existierenden Begriffen nicht ausdrücken kann, was man sagen will. Der Playoff-Sonntag gestern in der NFL zum Beispiel - der schreit danach. Wie soll man schließlich erklären, dass mit den Indianapolis Colts und den Dallas Cowboys gleich zwei Favoriten vor eigenem Publikum ausgeschieden sind? Und wie, dass sie das beide auf ähnliche Weise hinbekommen haben - durch das Versieben von zahlreichen Chancen im letzten Spielabschnitt? Denn sie waren beide wirklich nicht die schlechteren Mannschaften.

Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.

Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).

Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.

P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.

Kommentare:

Olaf hat gesagt…

Eventuell ist ja aber die New York Post schuld an der Niederlage der Cowboys ;)
http://www.nypost.com/seven/01142008/news/nationalnews/boys_seeing_double_409749.htm

Trainer Baade hat gesagt…

Gibt es eigentlich eine Regelung, bei welchen Wetterverhältnissen Football nicht mehr gespielt werden darf? Ich frage das vor allem wegen der Bilder aus Green Bay, natürlich.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich musste das erst mal nachschlagen: http://football.calsci.com/TheRules11.html
Die Essenz: Abgesagt wird nur im extrem schlimmen Fall. Man spielt auch auf Eis und bei dichtem Nebel. Es gibt denn auch ganz berühmte Partien in der Geschichte der Liga, in denen das Wetter zum Thema wurde.

Der Chef-Schiedsrichter hat gar nicht die Autorität, solche Sachen zu entscheiden. Das macht ein Liga-Beauftragter, der im Stadion sitzt. Und wenn der nicht will oder kann, wandert das Problem in der Hierarchie nach oben. Grundsätzlich ist das nicht nur von dem wirtschaftlichen Rahmen geprägt (feste Fernsehtermine, riesige Lizenzgeschäfte, Stadiennutzung), sondern von der Tradition einer extrem harten Schlechtwettersportart. Früher (im Collegesport, wo alles anfing) ging allerdings die Saison (und das tut sie auch eute noch) schon im November zu Ende. Da war das Risiko nicht so hoch. Die NFL arbeitet auch im Dezember und Januar.