11. November 2009
Daily Show: Die legendären Helden des Mauerfalls
Jon Stewart hat gestern den 20. Jahrestag des Falls der Mauer dazu benutzt, all die eitlen Fernsehnachrichten-Leute vorzuführen, die meinten, auf diesen Umstand hinweisen zu müssen: Sie seien im November 1989 in Berlin gewesen. Als sei die Anwesenheit an einem Ort zu einem geschichtsträchtigen Zeitpunkt eine besondere erkenntnisfördernde Leistung und nicht schlichtweg nur die Funktion eines Präsentationsstils von Nachrichten im Fernsehen, bei dem Anchormen rund um die Welt geflogen und ins Bild geschoben werden, um die Glaubwürdigkeit und Authentizität vorzutäuschen, die der Zuschauer erwartet. Natürlich fehlte nicht das Bild von Bill O'Reilly, dem arroganten Fox-Quotenbringer, der in seiner Sendung seinen Stand-up von damals am Brandenburger Tor einspielte und meinte: "I was there" (1:52).
Das kann ich bestätigen. Ich stand damals neben der Kamera, als die Aufnahme gemacht wurde. O'Reilly kam übrigens in dem Beitrag der Daily Show ungeschoren davon. Statt dessen bekam der Schwatzbart Wolf Blitzer von CNN eine Ladung ab. Doch das war nur ein Sprungbrett für das Team, um die Absurdität der Arbeit amerikanischer TV-Leute auf den Punkt zu bringen.
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10. November 2009
Joe Montana braucht Kleingeld
Wahrscheinlich nur ein Gag. Aber ein teurer. Joe Montana will 49 Millionen Dollar für sein 250 Hektar großes Anwesen am Nordende vom Napa Valley haben, wo Kaliforniens gute Weine angebaut werden. Der Gag? Der Mann spielte einst für die San Francisco 49ers. Was die Besitzung wirklich wert ist, wird sich zeigen. Denn Kalifornien gehört zu den von der Wirtschafts- und Immobilienkrise am stärksten betroffenen Teilen der USA. Was bekommt man für sein Geld? Eine Reitanlage, zwei Bäche, einen Teich, ein Basketballspielfeld, einen Schießstand für dir Wurfscheiben-Sportart Skeet, eine Wohnung für den Hausmeister, ein Gästehaus, ein Swimming Pool, ein Fitness-Raum und lauter Olivenbäume. Familie Montana war nur selten da. Die Villa ist also so gut wie neu (via ProFootballTalk).
Vollmer im Mittelpunkt
Der Artikel geht auf eine Besonderheit ein, mit der Vollmer am Sonntag in Stadion der Colts zum ersten Mal konfrontiert werden wird. Die enorme Lautstärke der Zuschauer, die versuchen, den Snap Count der gegnerischen Angriffsreihe zu ersticken. Für eine eingespielte Angriffsreihe ist eine solche Ausgangslage schon schwierig genug. Einen Neuling muss es geradezu nervös machen. Das Problem: Wer zu schnell loslegt, verursacht womöglich eine Strafe, bei der die Mannschaft an Yards verliert. Wer von den Offensive Linemen zu langsam reagiert, so Coach Bill Belichick, kommt einen halben Schritt zu spät: "Das bedeutet nicht nur Tackles und Sacks, sondern gewöhnlich Ballverlust."
Das Match findet am Sonntagabend Ortszeit statt und wird von NBC übertragen. Indianapolis ist noch ungeschlagen. Die Patriots haben von ihren acht Partien zwei verloren.
Bild: New England Patriots
9. November 2009
Die Freiheit des Ostens
Wir sind an diesem Samstagmorgen auf dem Flughafen Tegel angekommen, wo es lange Schlangen von Menschen gab, die anstanden, um sich ein Begrüßungsgeld abzuholen. Ich habe damals ein paar von den Wartenden gefragt, ob sie Englisch sprächen und ob sie bereit wären, sich für eine amerikanische Fernsehsendung interviewen zu lassen. Das war nämlich mein Job an diesem Wochende im November. Dafür hatte mich die Redaktion von Inside Edition angeheuert – und weil ich die Stadt kannte. Ich sollte zwei Reporter begleiten, die mit mir zusammen am Tag zuvor von New York aus in Marsch gesetzt wurden.
Ich hatte zur Sicherheit noch jemanden in Berlin angeheuert, um in dem Heuhaufen aus schüchternen, besorgt drein blickenden DDR-Bürgern jene zu finden, die eine Geschichte zu erzählen hatten, die nach den Vorstellungen der Fernsehredaktion umgefähr so aussehen sollte: Zwei Geschwister treffen sich zum ersten Mal seit dem Bau der Berliner Mauer wieder, liegen sich in den Armen und genießen öffentlich, was unter anderen Umständen ihre Privatsache wäre: Die Aufhebung einer unüberwindbaren Grenze, an der in den Jahrzehnten zuvor Menschen erschossen worden waren, die versucht hatten, vom Osten in den Westen zu wechseln.
Das war natürlich der typische amerikanische Traum. Eine Illusion. Nicht getrübt vom Wissen um Passagierschein-Abkommen und Rentnerbesuche und all den anderen bürokratisch gesteuerten Kanälen, die in den Jahren nach 1961 die Grenze wenn nicht geschleift, so doch durchlöchert hatten. Mittags hatten wir unsere erste Besprechung mit den beiden Kamerateams, die aus Paris angereist waren. Wir beschlossen einen Plan für den Produktionsablauf. Wir wollten nachmittags am Brandenburger Tor drehen, anschließend am Checkpoint Charlie und abends in in den Kneipen in der Nähe vom Kudamm. Am Sonntagmorgen wollten wir bei der Öffnung eines Stücks der Mauer in der Einöde des Pariser Platzes dabei sein und in dem Strom der Besucher aus dem Osten jenes herbeigesehnte emotionalisierte Wiedersehen filmen und dann diese Menschen in West-Berlin begleiten.
Was ich am Brandenburger Tor sah, war vor allem deshalb bemerkenswert, weil die breite Avenue, deren Namen an einen anderen Tag in der Geschichte des ostdeutschen Widerstands gegen die aufgezwungene Herrschaft einer einzigen Partei erinnerte, mit Plattformen voll gestellt war, auf denen sich zahllose Kamerateams eingerichtet hatten. Von hier aus hatten die Leute von NBC jene Einstellung eingefangen, in der Anchorman Tom Brokaw am 9. November in den Abendnachrichten live die Nachricht von den Menschen auf der Mauer gebracht hatte. LIVE. Ich hatte das in New York gesehen. Zusammen mit Millionen von Amerikanern, die sich in diesem Ereignis irgendwie widergespiegelt sahen. Die Menschen in der DDR hatten das geschafft, was man ihnen in den USA seit dem Beginn des Kalten Krieges so sehr gewünscht und gegönnt hatte: Die Freiheit des Westens.
Was mir am Brandenburger Tor auffiel: dass die Kameras von ARD und ZDF, die damals so gerne mit dem Spruch warben, man säße bei ihnen in der ersten Reihe, tatsächlich erst in der zweiten Reihe postiert waren. Die amerikanischen Sender hatten den Braten wohl eher gerochen und sich rechtzeitig von weit weg aufgemacht, um sich einen Ausguck zu bauen und ihren Zuschauern ein Spektakel zu bieten, das einst als Fata Morgana verlacht worden wäre: Dass Menschen auf der Mauer stehen und tanzen und sich in den Armen liegen und trinken. Ich habe an diese Wochenende Geschichten von deutschen Reportern gehört, die ihre festgebuchten Reservierungen auf Flügen nach Tegel verloren hatten, weil findige amerikanische Medienleute mehr boten. Nun war ich also einer von ihnen: den "Amerikanern". Weshalb ich nichts dabei fand, am Montagmorgen in Tegel einen der beiden Reporter, mit denen ich gekommen war, auf eine ausverkaufte Maschine nach Paris zu boxen. Der Mann musste schließlich in Charles-de-Gaulle die Concorde erwischen, um das geschnittene Videomaterial nach New York zu transportieren. Es war zwar nur eine Sicherheitsmaßnahme, weil man sich bei Inside Edition Sorgen machte, dass die Übertragung über den Satelliten funktionieren würde. Aber es bedeutete nichts anderes als: das Unmögliche möglich machen.
Wir haben an diesem Wochenende eine Menge guter Bilder gedreht und zwei Beiträge produziert. Mit Leuten, die auf der Westseite an der Mauer herumhacken, mit hupenden Autos, die aus dem Osten durch den Übergang an der Friedrichstraße kamen, mit jungen DDRlern in den Kneipen am Kudamm. Die Geschichte mit der Familienzusammenführung kam nicht zustande, obwohl wir über eine Stunde lang in der dunstigen Kälte am Pariser Platz standen und lauerten. Am Ende konnte ich eine Familie mit einem kleinen Jungen überzeugen, dass wir sie begleiten durften. Was für sie sprach: Es war ihr allererster Besuch im Westen. Der kleine Junge war ein attraktiver Kamerablickfang. Und der Ehemann sprach wenigstens ein paar Fetzen Englisch. Für die sehr zurückhaltenden, sehr introvertierten Ost-Besucher hatte die Sache sogar ein paar Vorteile. Wir hatten Autos, um ihnen den Westen zu zeigen. Und wir hatten Westmark. Sie mussten sich nicht in die Schlangen für das Begrüßungsgeld anstellen.
In der Nacht zum Montag wurden die Beiträge in einem Studio in Charlottenburg geschnitten. Ich fuhr früh den einen Reporter direkt von dort zum Flughafen, nachdem ich in unserem Hotel seine schmutzige Wäsche in seinen Koffer gepackt hatte. Am frühen Abend fuhr ich nach Kreuzberg, wo ich an einem improvisierten Übergang ein paar Brocken der aufgehackten Betonmauer aufsammelte und in die Tasche steckte. Die Ost-Grenzer dort wirkten entspannt. Ich dachte: Jetzt wäre doch ein idealer Zeitpunkt, um einfach mal in den Osten zu fahren und sich anschauen, wie es dort aussieht, nachdem Millionen von Ostmenschen in den Westen gegangen und wieder in ihre Wohnungen zurückgekehrt waren. Ich hatte keinen Plan. Ich wollte mich treiben lassen, vielleicht am Alex herumlaufen, wo mir jemand viele Jahre zuvor beim Schwarztausch DDR-Geld vermacht und mich dabei belogen hatte: "Was du nicht ausgibst, kannst du bei deiner Rückkehr an der Grenze wieder zurücktauschen."
So ging ich am Übergang Heinrich-Heine-Straße auf den Wachposten zu und zeigte den beiden Uniformierten meinen Pass. Sie sahen überhaupt nicht freundlich aus, eher grimmig und verstimmt. Aber was noch besser war: Sie erklärten mir, sie könnten mich nicht reinlassen. Ich war verblüfft. Alle dürfen raus, aber unsereins darf nicht rein? Ich wurde belehrt: Wer ein Tagesvisum für den Ausflug nach Ost-Berlin haben wollte, der musste bis 16 Uhr an der Grenze erschienen sein. Wer später ankam, wurde zurückgewiesen. Bestimmungen waren eben Bestimmungen.
Das passte irgendwie zu der Erinnerung an jene Silversternacht in den frühen achtziger Jahren, als ich mit einem Freund und tausend anderen Neugierigen kurz vor Mitternacht auf den Kreuzberg wanderte, um von dieser nicht besonders hohen natürlich Erhebung aus das Feuerwerk über der Stadt zu sehen. Als um 12 Uhr die Raketen hochschossen, sah man nur im Westen, wie die Leuchtspurgeschosse durch die Luft flogen. Der Osten Berlins war komplett dunkel. Auch an diesem Abend blieb für mich der Osten einfach dunkel.
Ich bin ein paar Tage später nach New York zurückgeflogen und las auf dem Weg die neueste Ausgabe der ZEIT mit einem Artikel von Martin Ahrends, der einige Jahre zuvor in den Westen gewechselt war. Er schrieb darin über die "Freiheit des Ostens", jene schwer zu erklärende und doch so ganz reale Gemengelage, die hervorragende Schriftsteller, sehr gute Musiker und begabte Maler hervorgebracht hatte, mit denen ich mich einst in meinen Jahren in Berlin in der Halbdistanz so gerne beschäftigt und sie doch nie richtig verstanden hatte, weil wir in der gemeinsamen Sprache dann doch nicht eine gemeinsame Sicht der Welt formulieren konnten.
Ich hatte die Betonbrocken im Gepäck und habe sie nach meiner Rückkehr in einer kleinen Plastikschachtel dem Redakteur von Inside Edition geschenkt, dessen Tochter damit anschließend in die Schule ging, um ihren Mitschülern ein piece of history zu zeigen. Den einen Reporter sehe ich jetzt manchmal, aber ungerne bei Fox News im Fernsehen. Er ist ein big shot. Seine politischen Ansichten sind mir zuwider. Mit der Familie aus der DDR habe ich noch ein paar Monate lang Briefe ausgetauscht, die mir das Gefühl gaben, dass die drei noch immer auf einem anderen Planeten leben und ich ihnen nicht die Spur meiner Welt erklären kann, selbst wenn ich wollte. Bei Martin Ahrends habe ich mich wenig später bedankt. Zunächst per Brief. Und dann auch persönlich. Er hat mir damals ein Stück Welt erklärt. Weshalb ich heute aus Anlass dieser 20-Jahre-Erinnerungs-Nummer diesen Text noch mal hervorkramen werde. Zum Glück kann man ihn inzwischen online lesen.
Ich hatte zur Sicherheit noch jemanden in Berlin angeheuert, um in dem Heuhaufen aus schüchternen, besorgt drein blickenden DDR-Bürgern jene zu finden, die eine Geschichte zu erzählen hatten, die nach den Vorstellungen der Fernsehredaktion umgefähr so aussehen sollte: Zwei Geschwister treffen sich zum ersten Mal seit dem Bau der Berliner Mauer wieder, liegen sich in den Armen und genießen öffentlich, was unter anderen Umständen ihre Privatsache wäre: Die Aufhebung einer unüberwindbaren Grenze, an der in den Jahrzehnten zuvor Menschen erschossen worden waren, die versucht hatten, vom Osten in den Westen zu wechseln.
Das war natürlich der typische amerikanische Traum. Eine Illusion. Nicht getrübt vom Wissen um Passagierschein-Abkommen und Rentnerbesuche und all den anderen bürokratisch gesteuerten Kanälen, die in den Jahren nach 1961 die Grenze wenn nicht geschleift, so doch durchlöchert hatten. Mittags hatten wir unsere erste Besprechung mit den beiden Kamerateams, die aus Paris angereist waren. Wir beschlossen einen Plan für den Produktionsablauf. Wir wollten nachmittags am Brandenburger Tor drehen, anschließend am Checkpoint Charlie und abends in in den Kneipen in der Nähe vom Kudamm. Am Sonntagmorgen wollten wir bei der Öffnung eines Stücks der Mauer in der Einöde des Pariser Platzes dabei sein und in dem Strom der Besucher aus dem Osten jenes herbeigesehnte emotionalisierte Wiedersehen filmen und dann diese Menschen in West-Berlin begleiten.
Was ich am Brandenburger Tor sah, war vor allem deshalb bemerkenswert, weil die breite Avenue, deren Namen an einen anderen Tag in der Geschichte des ostdeutschen Widerstands gegen die aufgezwungene Herrschaft einer einzigen Partei erinnerte, mit Plattformen voll gestellt war, auf denen sich zahllose Kamerateams eingerichtet hatten. Von hier aus hatten die Leute von NBC jene Einstellung eingefangen, in der Anchorman Tom Brokaw am 9. November in den Abendnachrichten live die Nachricht von den Menschen auf der Mauer gebracht hatte. LIVE. Ich hatte das in New York gesehen. Zusammen mit Millionen von Amerikanern, die sich in diesem Ereignis irgendwie widergespiegelt sahen. Die Menschen in der DDR hatten das geschafft, was man ihnen in den USA seit dem Beginn des Kalten Krieges so sehr gewünscht und gegönnt hatte: Die Freiheit des Westens.
Was mir am Brandenburger Tor auffiel: dass die Kameras von ARD und ZDF, die damals so gerne mit dem Spruch warben, man säße bei ihnen in der ersten Reihe, tatsächlich erst in der zweiten Reihe postiert waren. Die amerikanischen Sender hatten den Braten wohl eher gerochen und sich rechtzeitig von weit weg aufgemacht, um sich einen Ausguck zu bauen und ihren Zuschauern ein Spektakel zu bieten, das einst als Fata Morgana verlacht worden wäre: Dass Menschen auf der Mauer stehen und tanzen und sich in den Armen liegen und trinken. Ich habe an diese Wochenende Geschichten von deutschen Reportern gehört, die ihre festgebuchten Reservierungen auf Flügen nach Tegel verloren hatten, weil findige amerikanische Medienleute mehr boten. Nun war ich also einer von ihnen: den "Amerikanern". Weshalb ich nichts dabei fand, am Montagmorgen in Tegel einen der beiden Reporter, mit denen ich gekommen war, auf eine ausverkaufte Maschine nach Paris zu boxen. Der Mann musste schließlich in Charles-de-Gaulle die Concorde erwischen, um das geschnittene Videomaterial nach New York zu transportieren. Es war zwar nur eine Sicherheitsmaßnahme, weil man sich bei Inside Edition Sorgen machte, dass die Übertragung über den Satelliten funktionieren würde. Aber es bedeutete nichts anderes als: das Unmögliche möglich machen.
Wir haben an diesem Wochenende eine Menge guter Bilder gedreht und zwei Beiträge produziert. Mit Leuten, die auf der Westseite an der Mauer herumhacken, mit hupenden Autos, die aus dem Osten durch den Übergang an der Friedrichstraße kamen, mit jungen DDRlern in den Kneipen am Kudamm. Die Geschichte mit der Familienzusammenführung kam nicht zustande, obwohl wir über eine Stunde lang in der dunstigen Kälte am Pariser Platz standen und lauerten. Am Ende konnte ich eine Familie mit einem kleinen Jungen überzeugen, dass wir sie begleiten durften. Was für sie sprach: Es war ihr allererster Besuch im Westen. Der kleine Junge war ein attraktiver Kamerablickfang. Und der Ehemann sprach wenigstens ein paar Fetzen Englisch. Für die sehr zurückhaltenden, sehr introvertierten Ost-Besucher hatte die Sache sogar ein paar Vorteile. Wir hatten Autos, um ihnen den Westen zu zeigen. Und wir hatten Westmark. Sie mussten sich nicht in die Schlangen für das Begrüßungsgeld anstellen.
In der Nacht zum Montag wurden die Beiträge in einem Studio in Charlottenburg geschnitten. Ich fuhr früh den einen Reporter direkt von dort zum Flughafen, nachdem ich in unserem Hotel seine schmutzige Wäsche in seinen Koffer gepackt hatte. Am frühen Abend fuhr ich nach Kreuzberg, wo ich an einem improvisierten Übergang ein paar Brocken der aufgehackten Betonmauer aufsammelte und in die Tasche steckte. Die Ost-Grenzer dort wirkten entspannt. Ich dachte: Jetzt wäre doch ein idealer Zeitpunkt, um einfach mal in den Osten zu fahren und sich anschauen, wie es dort aussieht, nachdem Millionen von Ostmenschen in den Westen gegangen und wieder in ihre Wohnungen zurückgekehrt waren. Ich hatte keinen Plan. Ich wollte mich treiben lassen, vielleicht am Alex herumlaufen, wo mir jemand viele Jahre zuvor beim Schwarztausch DDR-Geld vermacht und mich dabei belogen hatte: "Was du nicht ausgibst, kannst du bei deiner Rückkehr an der Grenze wieder zurücktauschen."
So ging ich am Übergang Heinrich-Heine-Straße auf den Wachposten zu und zeigte den beiden Uniformierten meinen Pass. Sie sahen überhaupt nicht freundlich aus, eher grimmig und verstimmt. Aber was noch besser war: Sie erklärten mir, sie könnten mich nicht reinlassen. Ich war verblüfft. Alle dürfen raus, aber unsereins darf nicht rein? Ich wurde belehrt: Wer ein Tagesvisum für den Ausflug nach Ost-Berlin haben wollte, der musste bis 16 Uhr an der Grenze erschienen sein. Wer später ankam, wurde zurückgewiesen. Bestimmungen waren eben Bestimmungen.
Das passte irgendwie zu der Erinnerung an jene Silversternacht in den frühen achtziger Jahren, als ich mit einem Freund und tausend anderen Neugierigen kurz vor Mitternacht auf den Kreuzberg wanderte, um von dieser nicht besonders hohen natürlich Erhebung aus das Feuerwerk über der Stadt zu sehen. Als um 12 Uhr die Raketen hochschossen, sah man nur im Westen, wie die Leuchtspurgeschosse durch die Luft flogen. Der Osten Berlins war komplett dunkel. Auch an diesem Abend blieb für mich der Osten einfach dunkel.
Ich bin ein paar Tage später nach New York zurückgeflogen und las auf dem Weg die neueste Ausgabe der ZEIT mit einem Artikel von Martin Ahrends, der einige Jahre zuvor in den Westen gewechselt war. Er schrieb darin über die "Freiheit des Ostens", jene schwer zu erklärende und doch so ganz reale Gemengelage, die hervorragende Schriftsteller, sehr gute Musiker und begabte Maler hervorgebracht hatte, mit denen ich mich einst in meinen Jahren in Berlin in der Halbdistanz so gerne beschäftigt und sie doch nie richtig verstanden hatte, weil wir in der gemeinsamen Sprache dann doch nicht eine gemeinsame Sicht der Welt formulieren konnten.
Ich hatte die Betonbrocken im Gepäck und habe sie nach meiner Rückkehr in einer kleinen Plastikschachtel dem Redakteur von Inside Edition geschenkt, dessen Tochter damit anschließend in die Schule ging, um ihren Mitschülern ein piece of history zu zeigen. Den einen Reporter sehe ich jetzt manchmal, aber ungerne bei Fox News im Fernsehen. Er ist ein big shot. Seine politischen Ansichten sind mir zuwider. Mit der Familie aus der DDR habe ich noch ein paar Monate lang Briefe ausgetauscht, die mir das Gefühl gaben, dass die drei noch immer auf einem anderen Planeten leben und ich ihnen nicht die Spur meiner Welt erklären kann, selbst wenn ich wollte. Bei Martin Ahrends habe ich mich wenig später bedankt. Zunächst per Brief. Und dann auch persönlich. Er hat mir damals ein Stück Welt erklärt. Weshalb ich heute aus Anlass dieser 20-Jahre-Erinnerungs-Nummer diesen Text noch mal hervorkramen werde. Zum Glück kann man ihn inzwischen online lesen.
6. November 2009
Frauenfußball: Hart im Geben
Jetzt wird auch im College-Fußball der Frauen ordentlich zugelangt. ESPN hat Ausschnitte aus einem Spiel zwischen der Universität Brigham Young in Provo/Utah (Kürzel: BYU) und New Mexico zusammengeschnitten. Höhepunkt: eine extrem giftige Person im roten New-Mexico-Trikot reißt eine von der Attacke total überraschte Gegnerin derart massiv am langen Zopf zu Boden, dass man fürchten muss, ihr würde dabei der Nacken gebrochen. BYU gewann das Match mit 1:0 und erreichte damit das Finale des Conference-Turniers (via The Big Lead)
Viele der Berichte zu dem üblen, mit vielen hintertückischen Fouls gespickten Auftritt der Lobos sind übrigens ähnlich bedenklich: Da ist meistens von catfight die Rede, einem Begriff mit dem man in den USA die Auseinandersetzung zwischen Frauen charakterisiert. Garniert mit Aussagen wie dieser: "Das unterstützt, was viele Sportfans seit ganz, ganz langer Zeit sagen: weibliche Athleten sind eindeutig härter als die Männer. Egal in welcher Sportart, du kannst genauso mit einem Schlagabtausch in einem Spiel der Frauen rechnen wie in einem der Männer."
Mal abgesehen davon, dass die Tatsache, dass Frauen sich womöglich auf dem Fußballplatz genauso in die Haare geraten wie die Männer – es bedeutet nicht, dass sie sich härter und womöglich brutaler und unfairer verhalten. Das Problem ist eher die Klischeevorstellung von einem Rollenbild, das man Frauen zugemessen hat. Danach haben die sich selbst auf dem Sportplatz gefälligst nett und zuvorkommend zu verhalten. Es gibt allerdings Phänome im Frauensport, die man von den Männern nicht kennt. Das beste Beispiel: Jene bizarre Abstrafungsaktion gegenüber der Torfrau der US-Nationalmannschaft bei der letzten WM in China. Immerhin: die Torfrau – Hope Solo – spielt wieder. Der Coach, den sie laut und vernehmlich attackiert hatte, verlor seinen Job.
Viele der Berichte zu dem üblen, mit vielen hintertückischen Fouls gespickten Auftritt der Lobos sind übrigens ähnlich bedenklich: Da ist meistens von catfight die Rede, einem Begriff mit dem man in den USA die Auseinandersetzung zwischen Frauen charakterisiert. Garniert mit Aussagen wie dieser: "Das unterstützt, was viele Sportfans seit ganz, ganz langer Zeit sagen: weibliche Athleten sind eindeutig härter als die Männer. Egal in welcher Sportart, du kannst genauso mit einem Schlagabtausch in einem Spiel der Frauen rechnen wie in einem der Männer."
Mal abgesehen davon, dass die Tatsache, dass Frauen sich womöglich auf dem Fußballplatz genauso in die Haare geraten wie die Männer – es bedeutet nicht, dass sie sich härter und womöglich brutaler und unfairer verhalten. Das Problem ist eher die Klischeevorstellung von einem Rollenbild, das man Frauen zugemessen hat. Danach haben die sich selbst auf dem Sportplatz gefälligst nett und zuvorkommend zu verhalten. Es gibt allerdings Phänome im Frauensport, die man von den Männern nicht kennt. Das beste Beispiel: Jene bizarre Abstrafungsaktion gegenüber der Torfrau der US-Nationalmannschaft bei der letzten WM in China. Immerhin: die Torfrau – Hope Solo – spielt wieder. Der Coach, den sie laut und vernehmlich attackiert hatte, verlor seinen Job.
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NFL: Sorgenkind Jacksonville

Der Favorit für einen Umzug nach Los Angeles, wo die NFL seit Jahren keine Franchise hat: die Jacksonville Jaguars. Das sagt ESPN-Autor Greg Garber, der sich das Elend in Florida genauer angeschaut hat. Der Club hat in diesem Jahr 17.000 Jahreskarten weniger abgesetzt als in der Vergangenheit. Das Stadion ist nicht ausverkauft, weshalb die Heimspiele in Jacksonville und Umgebung nicht vom Fernsehen ausgestrahlt werden dürfen. Ein weiterer Faktor, der die Chancen der Jaguars reduziert, sich seinem Publikum zu empfehlen.
Man hat die Zuschauerkapazität schon händisch verkleinert. Aber auch das nützt nichts. 67.164 gehen rein. Nur 68,3 Prozent des Gestühls sind besetzt. Was Platz eins in der Liste der Sorgenkinder bedeutet. Die anderen Durchhänger Detroit Lions kommen immerhin auf 76,5 Prozent Auslastung. Die Oakland Raiders auf 77,8 Prozent. Die Eintrittskarte kostet im Schnitt 45 Dollar. Eigentlich nicht schlecht, aber auch das nützt nichts. Zumal die Ansetzungen in dieser Saison solche Schlappmeier wie die St. Louis Rams und die Tennessee Titans nach Jacksonville gebracht haben. Man könnte sich natürlich – mit einiger Verspätung – fragen, was hat die NFL eigentlich dazu gebracht, in einer solchen Region einen Club zu installieren? Denn dass das Einzugsgebiet ähnlich wie in New Orleans und in Green Bay eher klein ist, war ja kein Geheimnis.
Diese Geschichte auf foxsports ruft die fatale Begeisterung einer Reihe von einflussreichen Clubbesitzern der frühen neunziger Jahre wach und dokumentiert, mit welchen Arzneimitteln man zur Zeit in Jacksonville an der Saison laboriert: Man träumt davon, einige Heimspiele in Orlando austragen zu dürfen, um die Football-Fans dort neugierig machen zu können. Die beiden Städte liegen rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto voneinander entfernt. Das wäre also etwas so, wie wenn man mit dem TSV 1860 München in Nürnberg ankommen würde, um dort Wurzeln zu schlagen.
Nur eines scheint klar: Die Taschen von Jaguars-Besitzer Wayne Weaver (Bild) sind tief genug. Er kann Geld zubuttern, egal wie hoch die Verluste auch ausfallen. Und auch das scheint klar: Wer diesen Winter in Florida Ferien macht, könnte sich in Jacksonville ohne Probleme eine Karte für ein NFL-Spiel besorgen. Nicht dass ich deshalb gleich dorthin fahren würde, aber wenn man in der Nähe ist...
5. November 2009
Football-Karriere mit Kino-Appeal
Soeben im Kino gab es den Trailer zu The Blind Side mit Sandra Bullock, eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Michael Lewis. Darin ist ein junger Schwarzer die zentrale Figur des einen Erzählstrangs. Er heißt Michael Oher und ist inzwischen in der NFL angekommen, und zwar bei den Baltimore Ravens, die ihn im Frühjahr an 23. Stelle gedraftet haben. Der andere Strang im Buch ist die Entwicklung des Offensivspiels im Football, der vor allem den Left Tackles eine wichtigere Rolle als den Beschützern des (rechtshändigen) Quarterbacks zukommen lässt und sie entsprechend gut dafür entlohnt. Darüber gab es vor einiger Zeit schon etwas mehr zu lesen - im Blog und in der FAZ.Der Film beschäftigt sich nach den Vorberichten ausschließlich auf die Person des als Jugendlichem verwahrlosten Footballspielers, der von einer weißen Familie aufgenommen wird, die ihm die Chancen eröffnet, die ihm vorher gefehlt hatten. Sein Vater wurde umgebracht, als er noch klein war. Die Mutter war cracksüchtig.
Soweit sich das zur Zeit recherchieren ließ, hat der Film keinen deutschen Starttermin. Hier einer der Trailer, die im Moment zirkulieren.
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4. November 2009
New York Yankees gewinnen
Die New York Yankees haben das sechste Match der World Series mit 7:3 gewonnen. Pedro Martinez war als Pitcher für die Philadelphia Phillies kein ernthafter Gegner. Hideki Matsui mit einem Home Run und insgesamt sechs RBIs war der Mann der Stunde. Die Yankees gewinnen zum 27. Mal die World Series. Alex Rodriguez zum ersten Mal. Über ihn wird noch zu reden sein.
Nachtrag: Die Nachrede ist soeben bei faz.net erschienen: Gestelzter Stolz des geläuterten Stars
Nachtrag: Die Nachrede ist soeben bei faz.net erschienen: Gestelzter Stolz des geläuterten Stars
Extrablatt, Extrablatt: Kaman und Nowitzki waren zusammen essen
ESPN-Reporter Marc Stein, der in den Anfangsjahren von Dirk Nowitzki in der NBA als Reporter der Dallas Morning News im Einsatz war, muss eine besondere Schwäche für den Deutschen haben. Anders kann man nicht erklären, weshalb er seinem amerikanischen Publikum heute eine ausführliche Betrachtung über ein rein deutsches Thema servierte. Auslöser: Dirk Nowitzki war am Wochenende in Los Angeles zusammen mit Chris Kaman essen. Wir erinnern uns: Kaman von der Clippers ist der Mann, der rechtzeitig zur Olympia-Qualifikation im vergangenen Jahr ohne irgendein Kriterium des zuständigen Gesetzes zu erfüllen, die deutsche Staatsangehörigkeit geschenkt bekam. Ein Center, der anschließend für Deutschland in Peking spielte und danach deutlich machte, dass er womöglich nie wieder in Bauermanns Mannschaft auflaufen werde.
Da der normale ESPN-Leser diese Sachverhalte nicht kennen kann, muss Stein ziemlich weit ausholen und sich in Andeutungen ergehen, auf welche Weise die Antipoden Kaman und Deutschland vor London 2012 doch noch irgendwie auf einen Spielberichtsbogen gelangen könnten. Denn sonst stände ja die Idee für die schöne Geschichte nur einem dünnen Bein und würde in sich zusammenfallen. Falls der Reporter über diesen Teil der Zukunft etwas wissen sollte: Geschrieben hat er es jedenfalls nicht. Der ganze lange Artikel dient eigentlich nur als kaugummiartige Einleitung zu einem kurzen spekulativen Gedanken am Schluss: Da sich Kaman und Nowitzki so gut privat verstehen, wären sie doch sicher auch daran interessiert, mal in der NBA zusammen in einer Mannschaft zu spielen. Und was hat Stein darüber von Nowitzki in Erfahrung bringen können?
"Darüber reden wir kaum", sagte der Mavericks-Mann, der einen Beißer und Rackerer vom Typ Kamen in Dallas hervorragend gebrauchen könnte. "Darüber haben wir keine Kontrolle."
Na, supi. So etwas hatten wir uns bereits gedacht (Hat Tip an Björn Hesse).
Da der normale ESPN-Leser diese Sachverhalte nicht kennen kann, muss Stein ziemlich weit ausholen und sich in Andeutungen ergehen, auf welche Weise die Antipoden Kaman und Deutschland vor London 2012 doch noch irgendwie auf einen Spielberichtsbogen gelangen könnten. Denn sonst stände ja die Idee für die schöne Geschichte nur einem dünnen Bein und würde in sich zusammenfallen. Falls der Reporter über diesen Teil der Zukunft etwas wissen sollte: Geschrieben hat er es jedenfalls nicht. Der ganze lange Artikel dient eigentlich nur als kaugummiartige Einleitung zu einem kurzen spekulativen Gedanken am Schluss: Da sich Kaman und Nowitzki so gut privat verstehen, wären sie doch sicher auch daran interessiert, mal in der NBA zusammen in einer Mannschaft zu spielen. Und was hat Stein darüber von Nowitzki in Erfahrung bringen können?
"Darüber reden wir kaum", sagte der Mavericks-Mann, der einen Beißer und Rackerer vom Typ Kamen in Dallas hervorragend gebrauchen könnte. "Darüber haben wir keine Kontrolle."
Na, supi. So etwas hatten wir uns bereits gedacht (Hat Tip an Björn Hesse).
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3. November 2009
Wie Hollywood Frauen Baseball erklärt
Weil die World Series schon heute zu Ende gehen kann, hier eine kleine Reminiszenz. Im Film Woman of the Year (1942) lädt Sam Craig (Spencer Tracy), der Sportkolumnist des New York Chronicle, Tess Harding (Katherine Hepburn), eine politische Journalistin bei der gleichen Zeitung, zu einem Baseballspiel zwischen den Yankees und den A's ein (ab 6:35). Die Szene in der Pressbox ist von feinsinniger Komik. Nicht nur, weil man zu jener Zeit noch laut rufen durfte: "No women in the pressbox!", sondern weil Tracy der Dame die Grundzüge der Baseballregeln zu erklären versucht. Bei den A's dürfte es sich übrigens um die Philadelphia Athletics handeln, die zu den Gründungsmitgliedern der American League gehörten und später abwanderten (1955 nach Kansas City und dann 1968 weiter nach Oakland).
Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"
Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"
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