18. August 2008

Abgesang auf die Leiharbeiter aus der NBA

Der Fahnenträger hat zum Schluss seines Auftritts in Peking angekündigt, was er schon vorher angedeutet hatte: eine Pause von der deutschen Nationalmannschaft. Vielleicht war es auch ein Abschied für immer. Das werden wir erst in ein paar Jahren wissen. Was das für die Zukunft von Chris Kaman im Bundestrikot bedeutet, wissen wir: Der hat keine Lust, ohne Dirk Nowitzki irgendwelche Kärrner-Arbeit zu leisten. Der wollte nur zu den Olympischen Spielen. Herr Schäuble und die Kinderlandverschickung vom Deutschen Basketballbund haben das hinbekommen.

Schwamm drüber. Strich drunter. Und auf zu neuen Ufern. Und zwar in jenem Land, in dem man als überdurchschnittlicher Basketball-Profi auch wirklich stattlich entlohnt wird. The American Dream in der Nowitzki-Version geht so: Er will mit den Dallas Mavericks NBA-Meister werden. Kaman spielt bei den Los Angeles Clippers und hofft auf eine Qualifikation für die Playoffs im kommenden Frühjahr.

Übrigens: Der Fahnenträger genießt bei anderen Olympiateilnehmern aus den USA einen guten Ruf. So erwähnte der Über-Athlet der Spiele, der amerikanische Schwimmer Michael Phelps, nicht etwa die Mitglieder vom Redeem Team, sondern die Tennisprofis Rafael Nadal und Roger Federer sowie Dirk Nowitzki, als er von einem amerikanischen Reporter nach seinen Eindrücken aus dem Olympischen Dorf gefragt wurde.

Kamans Vater hat sich wohl insgeheim gefreut, dass Kobe und Co. heute die Deutschen klar und deutlich aus dem Turnier geworfen haben. Er ist Amerikaner – durch und durch.

Kommentare:

Stephen hat gesagt…

Herr Kalwa, was für ein Problem haben Sie eigentlich mit Dirk Nowitzki. Dass Sie ihn als Fahnenträger abqualifizieren kann ich ja noch einigermaßen verstehen, denn Nowitzki zum Fahnenträger zu machen ist eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung. Aber ihn jetzt als Leiharbeiter aus der NBA zu titulieren? Ich weiß ja nicht.

Viele andere so genannte NBA-Stars lassen sich ja nicht mal dazu herab, für ihre jeweiligen Nationalmannschaften zu spielen. Wollen Sie Nowitzki einen Strick daraus drehen, dass er sagt, er ist nicht mehr der Jüngste und braucht jetzt seine Erholung im Sommer. Finde ich schade und sicherlich einen herben Schlag für die deutsche Nationalmannschaft, aber man kann es nicht ändern und irgendwo hat er ja jahrelang dafür gesorgt, dass das DBB-Team nicht gänzlich unterging bei großen Events.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich hoffe, doch nicht, dass jeder Anflug von Ironie in diesem Blog gleich auf die Goldwaage gelegt wird. Aber wenn wir es etwas ernsthafter betrachten: Die beiden NBA-Spieler kosten den Deutschen Basketballbund Geld. Viel Geld. Und zwar in einer Preisklasse, in der man im Süddeutschen das beste Basketball-Internat des Landes (die Urpsringschule) zu einer noch besseren Talenteschmiede ausbauen könnte. 200.000 Dollar hat nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts allein der Vier-Wochen-Gig von Nowitzki im letzten Jahr gekostet (http://www.abendblatt.de/daten/2007/08/02/777760.html) Die Summen in diesem Jahr kann man sich ausmalen. Ohne diese Versicherungsprämien würden Nowitzki und Kaman nicht im deutschen Nationaltrikot spielen. So weit geht ihre Liebe zum Vater- beziehungsweise Urgroßvaterland nun doch nicht. Viele Fans sehen über solche Dinge gerne hinweg. Entweder weil sie es nicht wissen oder nicht wichtig finden. Beides ist bedauerlich.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Korrektur: Urspringschule

Stephen hat gesagt…

War es nicht so, dass Nowitzki die Versicherungssumme zum Teil selber trägt/getragen hat? Aber ich mag mich da täuschen.
Andererseits ist es ja auch so, dass der DBB nicht unerheblich davon profitiert, wenn Dirk sich das Dress der Nationalmannschaft anzieht. Denn wer kennt da draußen schon die restlichen Basketballer beim Namen?

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Nowitzki soll mal vor vielen Jahren angeboten haben, selbst zu bezahlen. Aber aus der verlinkten und sehr gründlichen Abendblatt-Geschichte wird deutlich, dass das nicht der Fall sein kann. Sicher produziert sein Mitwirken jeweils mehr Medienecho. Aber den Effekt sollte man nicht überbewerten. Denn eines sollte nach diesen Jahren klar sein: Nowitzki mobilisiert nicht und generiert nicht spürbar mehr Basketballbegeisterung. Man muss sich nur die Einschaltquoten bei Premiere für die Mavericks-Spiele anschauen: http://american-arena.blogspot.com/2007/05/7500-nachteulen.html