27. November 2009

NASCAR laufen die Zuschauer davon

Nascar
Es sieht weiterhin eher trübe aus in der NASCAR-Welt. Vor allem bei den Fernsehübertragungen, wo der Abschwung in den Einschaltquoten querbeet durch alle Sender, die Rennen live übertragen (Fox, TNT, ABC) anhält. Es sind keine dramatischen Zuschauerverluste, aber sie sind deutlich genug, um den Verdacht zu nähren, dass diese uramerikanische Automobilserie den Zenit überschritten hat. Jahrzehntelang standen alle Zeichen auf Wachstum. Das galt für die Zahl der Schauplätze, das Fassungsvermögen der Rennstrecken, die geographische Ausdehnung aus dem Süden in alle Himmelsrichtungen und für die Einnahmen aus den Sponsorentöpfen. Es schien so, als hätten sie in Daytona im Hauptquartier des Familienunternehmens das von einem Otto-Motor betriebene Perpetuum mobile gefunden. Tatsächlich hatten sie nichts anderes gefunden als das Patentrezept, um einem vorwiegend weißen Publikum eine Sportart zu offerieren, in dem die Protagonisten anders als im Basketball und Football nicht schwarz sind.

Aber solches Wachstum sorgt für Sättigung. Besonders wenn der populärste Fahrer – Dale Earnhardt jr. – nicht gewinnt und wenn die Autos einen technologischen und stilistischen Standard repräsentieren, der irgendwo zwischen den siebziger und den achtziger Jahren stehen geblieben ist. Alle auflackierte Farbenpracht der Fahrzeuge mit ihren Firmenlogos und alle noch so große Bereitschaft der Fahrer und ihrer Teams, sich Fans und Medien gegenüber stets freundlich und zuvorkommend zu verhalten, reicht irgendwann nichts mehr aus, zusätzliches Interesse anzustacheln. Und natürlich hilft es NASCAR nicht, wenn die amerikanische Autoindustrie so aussieht, als ob sie die Fabriken zumachen muss, weil sie keine ansprechenden Fahrzeuge entwickelt. Gute Metakommunikation ist das nicht.

Die ersten Anzeichen für die Baisse kamen mit den exorbitanten Benzinpreisen des Jahres 2008, als es viele Zuschauer zuhause hielt, weil sie sich die Trips zu den Rennstrecken nicht mehr leisten konnten. Was die eigentliche Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet die Mineralölfirmen und die Spekulanten hinter ihnen als Steigbügelhalter eines Trends arbeiteten, die ihren eigenen Interessen zuwider läuft. Aber das sehen wir in diesem Wirtschaftssystem häufiger, dass die Profiteure nie wissen, wann sie auf die Bremse treten müssten, um nicht selbst zu Schaden zu kommen (Stichwort: die an Wall Street hochgekochte jüngste Finanzkrise). Das Minus beim Live-Publikum hätte den Abfall der Einschaltquoten der Fernsehsender aufhalten können. Fans, die zuhause bleiben, würden ja normalerweise die Glotze einschalten, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das mag so sein. Wenn ja, dann haben sich andere Publikumsgruppen abgewendet. Vermutlich also jene Peripherie- und Schönwetter-Zuschauer, die sich nicht wirklich für eine Sportart interessieren, sondern nur für den Unterhaltungswert, den sie abwirft.

Die werden vielleicht für kurze Zeit wiederkommen, wenn Danica Patrick am Steuer eines NASCAR-Autos sitzt. Denn sie wird jene vordergründig interessante Medienaufmerksamkeit auslösen, die sich kurzfristig in eye balls auswirken wird. Aber wenn die Frau genausowenig an Erfolg auf die Beine stellt wie in der Vergangenheit, normalisiert sich das schon bald wieder.

Kommentare:

DonDahlmann hat gesagt…

Naja, die NASCAR schrumpft eben wieder auf Maß zurück, in dem sie in Ende der 90er Jahren gesteckt haben. Was schon groß war, aber das Wachstum hat man nur erreicht, weil verschiedene US-Sportarten ebenso belanglos geworden sind (NHL).
Die Leute in Kansas, Chicago und LA fanden die NASCAR eben mal für drei Rennen spannend, jetzt kommt das "been there, done that" Syndrom. Was den Verantwortlichen viel mehr Sorgen machen sollte, ist die Tatsache, dass selbst Charlotte nicht mehr ausverkauft ist. Das Daytona Tickests für 55 Dollar raus haut. Das Bristol in diesem Jahr zum ersten Mal seit Jahren wieder Karten hatte, wo man man sonst immer sagte, dass man die erlangt, wenn man sie vererbt bekommt.
Die NASCAR ist zu nett geworden. Zu glatt. Was sie brauchen sind Rivalitäten wie Waltrip vs. Earnhardt usw. Heute müsste es Hendrick gegen Roush, RCR gegen Gibbs heissen. Montoya gegen Stewart, Earnhardt gegen Kyle Busch. Emotionen halt, wie Yankees gegen Red Sox. Das bekommt man aber nicht hin, wegen der Sponsoren. Die werden noch mindestens zwei Jahre weiter schrumpfen, wenn nix passiert.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Ich denke, zum Schrumpfen wird es auch gehören, ein paar kleinere Tracks ins Programm aufzunehmen, um eine gewisse Intimität zu erzeugen. Und Gedränge um die Karten. Wenn sie in der Nähe von Ballungszentren liegen, umso besser. Bristol wäre da vermutlich genau das Richtige. Aber der Platz liegt verdammt weit weg von allem.