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27. November 2009

NASCAR laufen die Zuschauer davon

Nascar
Es sieht weiterhin eher trübe aus in der NASCAR-Welt. Vor allem bei den Fernsehübertragungen, wo der Abschwung in den Einschaltquoten querbeet durch alle Sender, die Rennen live übertragen (Fox, TNT, ABC) anhält. Es sind keine dramatischen Zuschauerverluste, aber sie sind deutlich genug, um den Verdacht zu nähren, dass diese uramerikanische Automobilserie den Zenit überschritten hat. Jahrzehntelang standen alle Zeichen auf Wachstum. Das galt für die Zahl der Schauplätze, das Fassungsvermögen der Rennstrecken, die geographische Ausdehnung aus dem Süden in alle Himmelsrichtungen und für die Einnahmen aus den Sponsorentöpfen. Es schien so, als hätten sie in Daytona im Hauptquartier des Familienunternehmens das von einem Otto-Motor betriebene Perpetuum mobile gefunden. Tatsächlich hatten sie nichts anderes gefunden als das Patentrezept, um einem vorwiegend weißen Publikum eine Sportart zu offerieren, in dem die Protagonisten anders als im Basketball und Football nicht schwarz sind.

Aber solches Wachstum sorgt für Sättigung. Besonders wenn der populärste Fahrer – Dale Earnhardt jr. – nicht gewinnt und wenn die Autos einen technologischen und stilistischen Standard repräsentieren, der irgendwo zwischen den siebziger und den achtziger Jahren stehen geblieben ist. Alle auflackierte Farbenpracht der Fahrzeuge mit ihren Firmenlogos und alle noch so große Bereitschaft der Fahrer und ihrer Teams, sich Fans und Medien gegenüber stets freundlich und zuvorkommend zu verhalten, reicht irgendwann nichts mehr aus, zusätzliches Interesse anzustacheln. Und natürlich hilft es NASCAR nicht, wenn die amerikanische Autoindustrie so aussieht, als ob sie die Fabriken zumachen muss, weil sie keine ansprechenden Fahrzeuge entwickelt. Gute Metakommunikation ist das nicht.

Die ersten Anzeichen für die Baisse kamen mit den exorbitanten Benzinpreisen des Jahres 2008, als es viele Zuschauer zuhause hielt, weil sie sich die Trips zu den Rennstrecken nicht mehr leisten konnten. Was die eigentliche Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet die Mineralölfirmen und die Spekulanten hinter ihnen als Steigbügelhalter eines Trends arbeiteten, die ihren eigenen Interessen zuwider läuft. Aber das sehen wir in diesem Wirtschaftssystem häufiger, dass die Profiteure nie wissen, wann sie auf die Bremse treten müssten, um nicht selbst zu Schaden zu kommen (Stichwort: die an Wall Street hochgekochte jüngste Finanzkrise). Das Minus beim Live-Publikum hätte den Abfall der Einschaltquoten der Fernsehsender aufhalten können. Fans, die zuhause bleiben, würden ja normalerweise die Glotze einschalten, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das mag so sein. Wenn ja, dann haben sich andere Publikumsgruppen abgewendet. Vermutlich also jene Peripherie- und Schönwetter-Zuschauer, die sich nicht wirklich für eine Sportart interessieren, sondern nur für den Unterhaltungswert, den sie abwirft.

Die werden vielleicht für kurze Zeit wiederkommen, wenn Danica Patrick am Steuer eines NASCAR-Autos sitzt. Denn sie wird jene vordergründig interessante Medienaufmerksamkeit auslösen, die sich kurzfristig in eye balls auswirken wird. Aber wenn die Frau genausowenig an Erfolg auf die Beine stellt wie in der Vergangenheit, normalisiert sich das schon bald wieder.

18. August 2009

Pferd und Wagen

Außerhalb von New York erlebt man so etwas schon mal mit Rehen. Die interessieren sich nicht für den Straßenverkehr und rumms. Schon hat man sie erlegt. In Argentinien sind die Rehe offensichtlich etwas größer. Und man nennt sie deshalb auch Pferde. Aber über die Straße rennen sie auch. So entstanden diese Bilder – bei einer Rallye in Patagonien. Am Steuer: Mitsubishi-Fahrer Federico Villagra. Sein Tempo: etwa 140 km/h.

Mitsubishi hat übrigens durchaus ein Herz für Pferde. Die Firma sponsert ein Turnier in Badminton.

1. Juli 2009

Der Klingelbeutel: Wenn man nicht zählen kann

Die Boston Red Sox zeigen einen interessanten Fall von Regelkenntnis. Sie traben in einem Inning gegen die Baltimore Orioles bereits nach zwei Outs vom Feld. Der Fernsehkommentator sagt, so was habe er noch nicht gesehen. Musst du gucken.

• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.

• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.

• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.

15. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Tote fahren länger

Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.

...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).

...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.

...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.

2. Juni 2009

Männer auf hohen Hacken

Irgendjemand, auf den sie hört, sollte Danica Patrick mal sagen, dass nicht jeder Werbespot mit jeder Firma und für jedes Produkt lustig ist, nur weil
1) sie mitmacht
2) das Thema über irgendein merkwürdiges Frauending abgewickelt wird
3) dass sie endlich mal wieder ein Rennen gewinnen sollte.

P.S.: Die Musik ist gut und würde besser zur Geltung kommen, wenn in dem Spot nicht so viel gequasselt würde.

23. Mai 2009

Wieder drei Frauen im Indy-Feld

Zur Einstimmung auf die Indy 500 am Sonntag und als Echo auf die spekulativen Nachrichten, dass Danica Patrick womöglich in die Formel 1 wechselt: ESPN hat die Vita der kleinen Person mit den großen Ambitionen im Video zusammengefasst. Erstmals sind auch Videoaufnahmen von ihren Kart-Rennen zu sehen, die entstanden, als sie noch etwas kleiner war. Zwei weitere Frauen sind im Rennen: Sarah Fischer, die ihr eigenes Team finanziert. Und Milka Duno, die offensichtlich schnell genug war, um mal wieder die Qualifikation zu überstehen.

Gegen Helio Castroneves wurden in der letzten Woche die letzten Anschuldigungen wegen Steuerhinterziehung von der Staatsanwaltschaft zurückgezogen. Er ist inzwischen schon zweimal wieder gefahren. Er wurde in Long Beach Siebter und in Kansas Zweiter. Der Brasilianer hatte schon zweimal in Indianapolis gewoinnen.

Die New York Times hat neben Patrick und Castroneves, über die alle reden, zur Fahndung als interessante Fahrer ausgeschrieben: den Sohn von Bobby Rahal, den Australier Will Power (was für ein großartiger Name) und den Kanadier Paul Tracy.

14. November 2008

Handgas




...und dann war da noch der Rallye-Fahrer, der in den Motorraum kletterte, um den abgerissenen Gaszug zu bedienen, während sein Beifahrer den Wagen über den Rest der Strecke bis zum nächsten Kontrollpunkt pilotierte. Die eingebaute Kamera hinter den Sitzen hielt das Abenteuer in bewegten Bildern fest. Die Szene aus etwas anderer Perspektive sah so aus:Aufgetrieben wurde das Material zu dieser wilden Fahrt (bei der Rallye de Serrians) in Frankreich vom Blog Axis of Oversteer und mit der hübschen Frage garniert: "Zielstrebigkeit oder Darwin?" Keine schlechte Werbung für Renault. Solche Autos baut doch heute sonst niemand mehr. Aufgespürt bei With Leather.

3. Oktober 2008

Die Steuerfahndung ist langsam, aber wehe, wenn sie dich einholt

Ein paar Millionen hier, ein paar Millionen da. Und plötzlich reden wir über eine ordentliche Menge Geld. Leider reden wir in diesem Fall auch über eine ordentliche Strafe. Aber anders als im Fall Emig sind die Fronten völlig klar: Auf der einen Seite der brasilianische Automobilrennfahrer Hélio Castroneves, seine Schwester und sein Anwalt, auf der anderen die amerikanische Steuerbehörde. Dazwischen? Ein Gericht, das entscheiden wird, ob die drei im Zusammenhang mit den happigen Einnahmen des ehemaligen zweifachen Indy-500-Siegers einen happigen Fall von Steuerbetrug und mehrere Fälle von Steuerhinterziehung begangen haben. Castroneves lebt in Carol Gables, einer Villengegend von Miami, hatte aber offensichtlich ein paar Konstruktionen in Panama und den Niederlanden installiert, um das Geld im großen Stil am US-Finanzamt vorbei zu leiten. Im Zeitraum von drei Jahren soll er nur eine Million Dollar an Einnahmen in seinen Steuererklärungen angegeben haben. Mehr als 5 Millionen wanderten nach Auffassung der Steuerfahnder über andere Kanäle ins Ausland.

Das Besondere am Stand der Dinge: Normalerweise wird ein säumiger Steuerzahler nicht gleich vors Gericht gezerrt, sondern erhält die Gelegenheit, die Faktenlage noch einmal geradezurücken (was mit dem Nachzahlen von Steuern und empfindlichen Geldbußen einher geht). Castroneves scheint auf dem Standpunkt zu stehen, nicht gegen die Gesetze verstoßen zu haben. Beziehungsweise er scheint seine Verteidigung darauf aufzubauen, dass ihm seine Steuerberater ihn in diese missliche Lage gebracht haben. Es droht allen Angeklagten Gefängnis.

20. Juli 2008

Frauen am Steuer: Fehde-Handtuch in den Boxen

...und wir hatten gedacht, dass die Frauen in der IndyCar-Welt Autos fahren, um ihren Frust und ihren Ehrgeiz auf der Piste aneinander auszulassen. Nun stellt sich heraus, dass jemand wie Danica Patrick am liebsten mit ihren Konkurrentinnen in den Boxen verbal zur Sache geht. Problem: Videokameras und Mikrofone, die solche Auseinandersetzungen – eine Frau wirft der anderen ein Handtuch ins Gesicht – im Detail einfangen. Und dann gibt es natürlich auch noch YouTube...

"You like show, you like show, you like show, go, go out here...", sagt die Brasilianerin Milka Duno und zeigt der kleinen Patrick unmissverständlich den Weg aus der Box.

(via Deadspin und FanIQ. Mehr zur der Geschichte gibt es hier)
Blick zurück: Milka in Indianapolis
Blick zurück: Wie sich Danica Patrick einen Namen macht

21. April 2008

Ehrenrunde

Der Nachdreher zu Danica Patrick in der FAZ druckt bereits und wird morgen in der Zeitung stehen. Online geht natürlich schneller. Dazu übrigens ein guter, weiterführender Kommentar von Anno Hecker über die Situation in der Formel 1, wo die Mosley-Mafia Frauen wohl gerne bei Sexspielen ans Steuer lässt, nicht jedoch auf der Piste.

20. April 2008

Danica ganz vorne

Von dieser Frau war hier schon ein paar Mal die Rede. Unter anderem im Rahmen eines Hinweises auf das letzte Indy 500, das eine kleine Invasion von weiblichen Fahrern verzeichnete. Die gingen alle leer aus. Aber Räder müssen rollen bis zum Sieg. Und der kam heute: Danica Patrick gewinnt als erste Frau ein Automobilrennen in einer amerikanischen Serie von Belang und löst also ein, worauf die Vermarkter und Sponsoren im Hintergrund schon immer gehofft hatten. Das Rennen in Japan heute morgen war ihr 50. in der Indy Racing League. "Ich habe immer gewusst, dass ich gewinnen kann." Hier das Interview auf ESPN nach der Siegerehrung.

Das letzte, was wir von der ziemlich klein und leicht geratenen Rennfahrerin gehört hatten, war die Nachricht von einer Spezialbehandlung der Rennaufsicht, um den Wettbewerb im Vergleich zu den korpulenteren Kerlen auszutarieren. Ihre Reaktion war eher beschämend: Es gäbe auch im Football keinen Versuch, das Gewicht der Spieler aneinander anzupassen und im Basketball gebe es extrem lange Menschen, denen auch niemand deswegen einen Vorwurf macht. So sprach sie, wohl vergessend, dass es im Automobilsport jede Menge Regeln gibt, die nichts anderes erreichen sollen, als die Bedingungen zu nivellieren, unten denen die Leute auf die Piste gehen. Sonst gewinnt nämlich meistens der mit der dicksten Antriebsaggregat. Und nicht unbedingt der beste Pilot. Wie groß ist das Mädchen? 1,57 Meter. Und wie schwer? 47 Kilogramm.
Blick zurück: Danica Patrick und Michelle Wie im Vergleich
Blick zurück: Frau am Steuer im Musik-Video von Jay-Z

8. Februar 2008

Zwei alte Feinde kurz vorm Zusammenschluss

Die alte Theorie aus der Volkswirtschaft, wonach Konkurrenz das Geschäft belebt, scheint nicht überall zu gelten. Nicht mal im Musterland des Kapitalismus, dem hiesigen. Zwölf Jahre haben sich die Indy Racing League (IRL) mit dem mächtigen Besitzer des Speedways in Indianapolis und die Urversion des Monocoque-Geschäfts in den USA - einst CART genannt, später in Champ Car umgetauft - wie zwei Boxer was auf die Augen gegeben. Jetzt wollen sie sich zusammenschließen. Das, nachdem beide extrem an Zuschauerinteresse eingebüßt haben. Die Reste zusammenfegen und zu einer Serie unter dem Dach der IRL zusammenkippen, ist wohl auch deshalb nicht mehr so schwierig, weil Speedway-Besitzer Tony George die Formel 1 verloren hat. Und weil die ChampCar-Herrschaften, finanziert von australischem Geld, kaum noch Teams haben. Unterschrieben ist noch nichts. Aber die Signale von den Verhandlungstischen klingen vielversprechend. Es wird höchste Zeit, wenn man sich anschaut, welche Typen ab der kommenden Woche in Daytona aus der Open-Wheel-Welt in die NASCAR-Kisten umsteigen. Montoya im letzten Jahr war nur der Anfang einer Karawane.

6. November 2007

Auf der Piste

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Dirk goes NASCAR. Natürlich sieht er dann nicht aus wie Michael Schumacher. Nowitzkis Abstecher auf die Rennbahn wurde ausführlich bei MavsMoneyball gewürdigt. Tatort: Texas Motor Speedway in Fort Worth, Tatzeit: 4 November 2007. Dirk wurde im Pressezentrum im Infield nach dem üblichen Kram gefragt. Welches Auto er fährt? "Ich habe einen Mercedes. Ich bin immer ein Mercedes-Fan gewesen. Und ich habe einen Pick-up-Truck. Wenn du in Texas lebst, musst du einen Pick-up-Truck haben." Welches die höchste Geschwindigkeit war, die er bisher gefahren ist? "Auf der Autobahn kannst du Gas geben. Ich sage mal 150 [entspricht 240km/h]. Für die Autobahn ist das ziemlich gut. Aber immer nur kurz. Es gibt nur zwei Spuren.")

10. Oktober 2007

Jedem Tierchen sein Pläsierchen


Geisterte da nicht immer diese Behauptung herum, dass Känguruhs ziemlich schnell unterwegs seien? So schnell wir Rennwagen sind sie dann wohl doch nicht (via With Leather)

27. September 2007

Wenn Dale jr. etwas enthüllt

Braucht jemand ein Synonym-Wörterbuch für den Begriff "devot"? Nicht im amerikanischen Sport. Da ist er - so geradlinig wie die Starrachse eines in Detroit gebauten Autos die Hinterräder verbindet - mit einem Begriff direkt verschweißt: NASCAR-Fans. Wie das kommt? Die lange Geschichte ist wirklich lang. Jahrelang. Die kurze geht so: Als Getränkehersteller Pepsi neulich eine Pressekonferenz veranstaltete, um zu verkünden, dass sie ab der kommenden Saison das Logo ihrer Marke AMP Energy Drink dick und breit auf das Auto von Dale Earnhardt jr. kleben, saßen 277.000 Zuschauer an ihren Fernsehgeräten und verfolgten die Übertragung live auf dem Speed Channel. Weitere 200.000 saßen am Computer und sahen die Veranstaltung über Streaming Video auf nascar.com. Major League Soccer wäre froh, wenn so viele Leute einschalten, um David Beckham spielen zu sehen. Von der National Hockey League, die an diesem Wochenende in London die neue Saison einläutet, gar nicht zu reden. "Das waren fast 500.000 Leute am Morgen irgendeines Wochentages, die bereits wussten, was er sagen wird und trotzdem einschalteten", fasst der FanHouse-Blog von AOL zusammen, wo wir diese Info gefunden haben. Wie langweilig war die Veranstaltung, bei der das Auto mit der Nummer 88 enthüllt wurde (das noch mit einem Co-Sponsor fährt - der Militäreinheit namens National Guard)? Wer zwei Minuten Zeit hat, sollte mal hier klicken.

20. August 2007

Schrauben locker


Eigentlich fing das Rennen so gut an, aber dann passiert so etwas... Eine Rallye-Szene aus Italien (vermutlich aus dem Jahr 2005, aber immer noch gut).

8. Juli 2007

NASCAR: Am 7.7. Siebter mit Wagen Nummer 07

Kein Witz: Am 7.7.07 wurde die Nummer 07 Siebter bei einem NASCAR-Rennen. Es war das Abendrennen in Daytona - genannt Pepsi 400. Erst recht kein Witz: NASCAR wird demnächst den Hauptsponsor für die Jahreswertung offiziell umtaufen - von Nextel zu Sprint. Der Schritt schien nur eine Frage der Zeit, nachdem Nextel schon eine Weile von Sprint aufgekauft worden war und als Brand vom Planeten verschwindet. Wahrscheinlich kam nun alles zuletzt alles ganz schnell ans Laufen, weil der Rechtsstreit mit Sprint-Konkurrent AT&T um die Werbepartnerschaft eines der Teams in die entscheidende Phase kommt. Da konnte sich das NASCAR-Management nicht leisten, solche konkurrenz- und brandrelevanten Fragen weiterhin so leger zu behandeln wie bisher. Sprint ist endlich mal ein guter Name für einen Pott aus dem Automobilrennbereich. Der Wechsel wird am 1. Januar 2008 vollzogen.

16. Juni 2007

Schwarzer Humor

Man kann Amerikanern ja vieles vorwerfen. Zum Beispiel, dass sie mit Scheuklappen den Rest der Welt betrachten, die auf so eng gestellt sind, dass man sich fragt, ob sie überhaupt noch etwas sehen können. Aber solche Fehlleistungen sorgen bisweilen für Heiterkeit. Zum Beispiel in diesem Fall, bei dem zwei seriöse Medienunternehmen - ESPN und der Charlotte Observer - ihre Schnitzer hinterher eingestanden:
"In einem Nachrichtenüberblick am 11. Juni in der Sendung Mike and Mike in the Morning auf ESPN2 wurde der Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton, der erste Schwarze, er ein F1-Rennen gewonnen hat, als Afroamerikaner bezeichnet. Er ist aus England."

"Eine Geschichte auf den Sportseiten vom Montag hat Lews Hamilton als ersten afroamerikanischen Fahrer falsch identifiziert. Er hätte als der erste schwarze Fahrer der Serie bezeichnet werden sollen. Hamilton ist Brite."

(siehe auch Kommentare)

26. Mai 2007

Sarah, Danica, Milka - es geht um Milch, nicht um Schokolade

Sonntag in Indianapolis auf dem Programm: ein ellenlanges Autorennen, bei dem jede Menge Äthanol verheizt wird und niemand richtig weiß, um was es geht. Sicher. Der Sieger muss am Ende immer eine Flasche Milch köpfen. Und das ist bekanntlich gesund. Aber der Rest ist reine Selbstbefriedigung. Man kann sich das auch einreden, dass ein Fahrer, der noch nie die Indy 500 gewonnen hat, in der Geschichte des Automobilrennsports als Versager gilt. Man kann sich auch einreden, dass es eine besondere Leistung ist, was Robby Gordon schon häufiger getan hat: morgens in Indianapolis fahren, dann ins Flugzeug und anschließend irgendwo im NASCAR-Land noch ein Rennen anhängen. Und man kann auch so tun, als ob das irgendeine Aussagekraft besitzt: dass diesmal drei Frauen im Feld der 33 Teilnehmer an den Start gehen. Denn das gab es bekanntlich auch noch nicht. Aber das zeigt nur, dass man immer wieder neu auf die jeweiligen aktuell PR-gesteuerten Themen hereinfällt (wozu ich mich schuldig bekenne). Die drei Frauen heißen: Sarah Fischer (zum sechsten Mal dabei, bestes Resultat: 21. Platz, Startplatz: 21), Danica Patrick (dritte Teilnahme, zehrt noch immer davon, dass sie beim ersten Start vor zwei Jahren mal kurzfristig in Führung lag, Startplatz: 8) und Milka Duno aus Venezuela, die mit 35 Jahren sehr viel älter ist als die beiden anderen Frauen, aber in Südamerika bereits die flotten Pontiac-Werbespots dreht. Sie fuhr in der Qualifikation einen Wagen zu Schrott, steht aber auf dem 29. Startplatz. Duno ist keineswegs die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt. Sie ist vor allem deshalb interessant, weil von der Benzinmarke Citgo gesponsert wird, die dem venezolanischen Staat gehört, und weil dieser Staat mitsamt seinem Präsidenten Hugo Chavez von der politischen Elite Amerikas dämonisiert wird. Milkas Nachname sprechen die Amerikaner aber aus einem anderen Grunde immer falsch aus: ihre allgemeine Ignoranz gegenüber den Ausspracheregeln von Vokalen in anderen Sprachen lässt einfach nicht zu, dass sie auch nur probieren, es richtig zu machen.

Es gibt übrigens sehr sachkundige Beobachter der 500 Meilen von Indianapolis, die nicht daran glauben wollen, dass es irgendwann mit dieser Art von Rennen zu Ende geht, bei dem alle einen Motorenlieferanten haben (Honda) und einen Chassis-Hersteller (Dallara). Hier sind die Gedanken eines Kommentators auf foxsports.com, die zeigen, was alles verbessert werden kann/müsste.

Nachtrag: Frauen im Motorsport haben einfach kein Glück. Bei manchen kommt dann aber auch noch Pech dazu. Man denke nur an Fatemah Angela Harkness, die es fertig gebracht hat, einer Bank in Texas eine Millionen Dollar abzuschwatzen, um ihr eigenes NASCAR-Team auf die Beine zu stellen. Die Sache ging nicht mit rechten Dingen zu. Jetzt muss die 31jährige Frau, die mal als Stripperin angefangen hatte, für 40 Monate ins Gefängnis. Den Schuldspruch kassierte sie bereits, aber weil sie dann ins Ausland floh und erst vor wenigen Wochen in Dubai von amerikanischen Strafverfolgern festgenommen wurde, kam die Angelegenheit jetzt wieder hoch und wurde mit der Verkündung des Strafmaßes abgeschlossen (via deadspin)

24. Mai 2007

Foreman schlägt wieder zu: Ein Boxer in den Boxen


George Foreman hat mit seinen elektrischen Grillapparaten hunderte von Millionen Dollar verdient. Etwas, was ihm im Rahmen seiner langen Boxerkarriere nicht gelungen war. Das Geld muss arbeiten. Und die vielen hungrigen Kinder, die er gezeugt hat und die alle George heißen, müssen es auch. Also hat sich Foreman neulich in ein Team der Indy Racing League (IRL) eingekauft. Das heißt Panther Racing und hat am Montag bei den Indy 500 gleich drei Autos am Start. Der ehemalige Schwergewichtsweltmeister versteht sicher sehr wenig von Autos, aber das interessiert Team-Eigentümer John Barnes auch gar nicht. Foreman ist ein unglaubliches Talent als Vermarkter und lächelnder Sprücheklopfer (deshalb der Risenerfolg mit den Grillapparaten). Die Söhne George jr. und George III werden ebenfalls eingebunden.

Bei YouTube gefunden: Ein Fachmann von Panther Racing beschreibt, wie man die Reifen wechselt: