In ein paar Tagen wird sich herausstellen, ob die deutsche Bewerbung für den Ryder-Cup 2018 gut genug war. Oder ob die Konkurrenz aus Ländern wie Frankreich und Schweden die besseren Offerte vorgelegt haben. Für die deutsche Bewerbung spricht einiges: Man schickt Bernhard Langer als treibende Kraft ins Rennen. Der Mann hat als Spieler und als Captain eine beeindruckende Bilanz in dem alle zwei Jahre stattfindenden Kontinental-Wettkampf aufzuweisen. Mit Martin Kaymer dürfte das Land auch noch in den nächsten Jahren wieder einen Publikumsmagneten haben, der sich für das Cup-Team qualifizieren kann. Zum ersten Mal sollte ihm das in diesem Jahr bei der Neuauflage in Wales gelingen. Außerdem lassen sich in Deutschland rund ums Golfspiel lukrative Sponsoren auftreiben, vor allem aus dem Kreis der darunter die Großbanken und die Autofirmen. Die großen Fragezeichen sind der Platz und die Infrastruktur. In den Wettbewerb wird dieses Gelände in Neuburg an der Donau geschickt. Offensichtlich kamen existierende Clubanlagen wie der hervorragende von Nick Faldo entworfene Links Course in Bad Saarow im Umfeld von Berlin nicht in Frage. Der Parcours selbst müsste noch baulich angepasst und ausgebaut werden, was der hochgelobte Architekt Thomas Himmel übernehmen wird.
Der amerikanische Golf-Autor Gary Van Sickle spottet übrigens über das Auswahlverfahren und zitiert einen Artikel aus Golfweek. Er sagt: Man sollte es eine Auktion nennen. Der Ryder-Cup stehe bei solchen Gelegenheiten schlichtweg zum Verkauf.
Der Wettkampf fand bislang nur in den USA und auf den britischen Inseln statt. Ausnahme: der Abstecher 1997 ins spanische Valderrama. Traditionell standen sich beim Ryder-Cup nur Spieler aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien gegenüber. Das Kontingent wurde in den siebziger Jahren auf Teilnehmer aus ganz Europa ausgedehnt, um der Dominanz der Amerikaner ein Gleichgewicht entgegenzustellen. Seitdem führten die Europäer die US-Golfer regelmäßig vor. Selbst der Weltranglistenerste Tiger Woods wirkte im Matchplay-Format besiegbar. Geht man nach Ländern außerhalb der britischen Inseln mit dem stärksten Nachschub an Talenten wäre sicher Schweden der attraktivste Kandidat für die Ausrichtung des 2018-Wettkampfs. Ob sie und die Holländer oder Portugiesen, die sich ebenfalls bewerben, beim Thema Geld mithalten können, muss man bezweifeln. Bleiben also allenfalls die Franzosen als ernsthafter Aspirant.
Nachtrag: Artikel von Wolfgang Scheffler auf faz.net
12. Januar 2010
McGwires Doping-Geständnis – ein Flashback
Übrigens: Falls sich jemand fragt, weshalb Mark McGwire nach so vielen Jahren den Mund aufmacht und zugibt, was er im Grunde nie bestritten, sondern immer nur pflaumenweich umschifft hatte. Dies wäre eine Spur: Sein Bruder Jay, mit dem er schon jahrelang keinen Kontakt mehr hat, wird nach Angaben von Amazon in ein paar Tagen mit einem Buch auf den Markt kommen, dass das Doping-Thema Schwarz auf Weiß belegt. Jay hatte eigenen Angaben zufolge einst als Bodybuilder und Fitnesstrainer den Baseball-Bruder mit Anabolika bekannt gemacht und ihm wohl auch die ersten Spritzen verpasst. McGwire wollte vermutlich den neuerlichen Anschuldigungen (die alten kamen konkret von seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Jose Canseco) den Wind aus den Segeln nehmen. Trotzdem hat er mit dem späten Eingeständnis aus heiterem Himmel gestern keine Sympathiepunkte gesammelt. Der Tenor vor allem unter anderen ehemaligen Spielern, ist eindeutig: Die Leistungen von Leuten wie McGwire haben in dem statistikversessenen Spiel natürlich ihre eigenen Werte schlechter aussehen lassen. Wer weiß, wer alles in jener Zeit als Trainer oder redlicher Spieler seinen Job verloren hat, weil plötzlich die aufgepumpten Michelin-Männchen antraten und die Maßstäbe für Erfolg verschoben.Mir ist in diesem Zusammenhang übrigens eine Episode aus dem Jahr 1998 wieder eingefallen, als ich für den Züricher Tages-Anzeiger zunächst über McGwire schrieb: "Zu seinem Aufbauprogramm gehören nicht nur Steaks und Hamburger, sondern ebenso die unter Amerikas Profis populäre Muskelsubstanz Kreatin und das testosteronfördernde Mittel Androstenedion, das ausser im Baseball und Basketball in fast allen Sportarten auf der Dopingliste steht." Wenige Tage später monierte ich die Art und Weise, wie man in den USA das Auslöschen des alten Rekords von Roger Maris gefeiert hatte: Mit einer Unterbrechung mitten im Spiel, in der McGwire ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekam und eine Ansprache halten durfte. Parallel liefen damals auf der Anlage in Flushing Meadow die US Open im Tennis. Und die Schweizer Spielerin Martina Hingis wurde tatsächlich von den anwesenden Journalisten in der Pressekonferenz genötigt, zu diesem Baseball-Theater eine wohlwollende Stellungnahme abzugeben.
Ich charakterisierte diesen Vorgang als "krankes Wir-Gefühl". Das gefiel den Baseball-Fans in der Schweiz ganz und gar nicht. Und so findet man noch heute in den Archiven der Zeitung einen ärgerlichen Leserbrief mit pauschalen und völlig überzogenen Vorwürfen an meine Adresse.
Schwamm drüber. Es war natürlich krank. Und ein Symbol für all das, was an dem Massenwahnsinn des amerikanischen Sports bisweilen durchknallt. Ja, und Mark McGwire war gedopt. Seinen Ruf als Sportbetrüger zementierte er allerdings erst vor vier Jahren, als er bei einer Anhörung im Kongress in einem denkwürdigen Auftritt unter Eid wiederholt einer Antwort auf die zentrale Frage auswich. Ein Betrüger. Geständig, ja. Aber ein Mann ohne Mumm, der sich immer nur Sorgen um sich selbst machte, weil der Anabolika-Konsum gegen Gesetze verstoßen hatte und die Verjährungsfrist für seine Vergehen noch nicht abgelaufen war. So jemand wirkt im Jahr 2010 denn einfach nur wie eine Karikatur.
Die nächste Frage lautet: Wann wird Major League Baseball darüber nachdenken, die Rekorde aus der Anabolika-Zeit zu streichen? Mit jedem Geständnis der Top-Spieler wie zuletzt Alex Rodriguez fällt die Blase in sich zusammen. Aber wahrscheinlich darf man von Commissioner Bud Selig in der Richtung nichts erwarten. Amerikas nostalgisch angehauchte Sportart leistet sich im höchsten Amt einen Menschen, der aussieht wie einen Schluck Wasser in der Kurve.
5. Januar 2010
Nowitzki Statitzki
Wenn man denn schon unbedingt muss und nicht anders kann und die Bedeutung eines Basketballspielers von den Leistungswerten aus der Statistik ableiten will, dann ist diese Betrachtung der NBA-Karriere von Dirk Nowitzki auf BallinEurope.com gar nicht so schlecht. Sie bemüht sich um Ausgewogenheit und zeigt, dass mit Pau Gasol bereits ein aussichtsreicher Kandidat für den Titel "bester Europäer aller Zeiten in der NBA" bereit steht. Noch allerdings geht dieses Premium-Siegel an den Deutschen.
Die vielen Referenzwerte, die da übrigens zu Rate gezogen werden - darunter der überbewertete Index von Herrn Hollinger, genannt Player Efficiency Rating (PER) – zeigen im Grunde nur eines: Genauso wie bei der klassischen Bewertung eines Spielers aus dem Bauch heraus sehr viele Kriterien zusammenkommen, die zusammen ein Bild ergeben, kann man auch mit Statistiken jeden Vorbehalt und jede Sympathie abstützen. Es kommt immer darauf an, was man wichtig findet. Interessanteste Beobachtung vom Geschehen in dieser Saison: Wenn Nowitzki für die Dallas Mavericks auf dem Platz steht, sorgt das Team für Vorsprung und Punktepuffer. Wenn er auf der Bank sitzt, laufen die Ersatzspieler dem Gegner jedes Mal nur hinterher. Die Mavericks brauchen offensichtlich stärkere Reserven, sonst fehlt ihnen in den Playoffs das gewisse Etwas.
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4. Januar 2010
Eine Witz-Bolt-Geschichte
Keiner vermag zu sagen, ob man diese Herausforderung überhaupt ernst nehmen sollte oder nicht. Aber sie stand zunächst mal im Raum: Chris Johnson von den Tennesse Titans wollte gegen 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika antreten, weil er sich eine Chance ausrechnet, ihn zu schlagen. Das Spektakel sollte Geld einspielen. Und dieses Geld soll an eine karitative Einrichtung gespendet werden. Der Witz-Bolt schien einem solchen Renntermin nicht abgeneigt gegenüberzustehen. Aber dann meldet sich doch noch der Verstand in Form seines Agenten. Der ließ ausrichten: "Usain verfolgt die NFL nicht aufmerksam und kennt die Spieler gar nicht. Er mag Fußball und Cricket. Aber was noch wichtiger ist: Er hat einen Zeitplan und einen Trainer, denen er folgt. Und es gibt keine Möglichkeit, dass wir solch ein Ereignis ausrichen würden."
Gut. Denn anders als so viele in dieser schnelllebigen Zeit seltsamer Sport-Schlagzeilen kann ich mich noch das hochgehypte Rennen zwischen dem Kanadier Donovan Bailey und dem Amerikaner Michael Johnson in Toronto erinnern. Ich bin eigens hingeflogen, um darüber zu berichten. Die Veranstaltung am 1. Juni 1997 brachte die beiden Olympiasieger von Atlanta über die 100 einerseits und die 200 und 400 Meter anderseits zusammen. Man einigte sich auf eine Strecke über 150 Meter. Heike Drechsler trat im Weitsprung im Vorprogramm auf.
Es war ein totaler Reinfall. Hier die Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens.
Gut. Denn anders als so viele in dieser schnelllebigen Zeit seltsamer Sport-Schlagzeilen kann ich mich noch das hochgehypte Rennen zwischen dem Kanadier Donovan Bailey und dem Amerikaner Michael Johnson in Toronto erinnern. Ich bin eigens hingeflogen, um darüber zu berichten. Die Veranstaltung am 1. Juni 1997 brachte die beiden Olympiasieger von Atlanta über die 100 einerseits und die 200 und 400 Meter anderseits zusammen. Man einigte sich auf eine Strecke über 150 Meter. Heike Drechsler trat im Weitsprung im Vorprogramm auf.
Es war ein totaler Reinfall. Hier die Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens.
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Nach dem Boom: In Arizona gegen die Golfplätze pleite
Tiger Woods ist nicht der einzige im Golfbusiness, der zur Zeit eine Krise durchläuft. In Arizona häufen sich die Probleme von Golfplatz-Eigentümern und Betreibern, weil man erstens in den Boom-Zeiten zuviele Plätze gebaut hat und zweitens die Leute immer weniger Geld für diese Form der Freizeitbetätigung haben oder übrig machen wollen. Das ist gut für Amateurspieler, die plötzlich zu Discount-Preisen auf guten Anlagen abschlagen können oder in Clubs aufteen können, zu denen sie sonst keinen Zutritt gehabt hätten, weil man die Spielflächen den Mitgliedern exklusiv überlassen wollte.
Ein Teil des Spiels läuft zur Zeit so: Wer mit seiner Clubanlage nicht profitabel wirtschaftet, meldet wegen der Schuldenlast Konkurs an. Im Rahmen der Insolvenzverfahren schnappen andere Investoren zu. Zu den Plätzen, die zuletzt unter den Hammer kamen gehören auch einige, an die ich mich ganz gut erinnere (unter anderem, weil sie ziemlich anspruchsvoll sind): darunter das Wigwam Resort außerhalb von Phoenix.
Besonders dramatisch scheint die Entwicklung bei abgeschlossenen Wohnanlagen, die in den letzten zwanzig Jahren Golfplätze in die Mitte pflanzten, um so die Bauplätze oder die Villen ringsherum zu höheren Preisen verkaufen zu können. Viele von denen sind in Gefahr, nicht mehr unterhalten zu werden. Die Natur bekommt zurück, was man aus ihr herausgebastelt hat.
Ein Teil des Spiels läuft zur Zeit so: Wer mit seiner Clubanlage nicht profitabel wirtschaftet, meldet wegen der Schuldenlast Konkurs an. Im Rahmen der Insolvenzverfahren schnappen andere Investoren zu. Zu den Plätzen, die zuletzt unter den Hammer kamen gehören auch einige, an die ich mich ganz gut erinnere (unter anderem, weil sie ziemlich anspruchsvoll sind): darunter das Wigwam Resort außerhalb von Phoenix.
Besonders dramatisch scheint die Entwicklung bei abgeschlossenen Wohnanlagen, die in den letzten zwanzig Jahren Golfplätze in die Mitte pflanzten, um so die Bauplätze oder die Villen ringsherum zu höheren Preisen verkaufen zu können. Viele von denen sind in Gefahr, nicht mehr unterhalten zu werden. Die Natur bekommt zurück, was man aus ihr herausgebastelt hat.
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31. Dezember 2009
Schwimmen gegen den Strom
Was unser Comic-Held Carl über die Urban-Meyer-Saga in Florida zu sagen hat? Eigentlich hängt sein Herz an den New York Giants, aber manchmal, muss er sich einfach zum College-Football äußern. Ja, er muss einfach. Seine Kernaussage: "Don't never surrender. Don't never quit." Und schöne Grüße nach Cincinnati. "You hear me, Cincinnati? I hate your sports teams." Mehr zu Carls Heimat – adult swim – gibt es hier.
Blick zurück: Der erste Eintrag über Carl bei American Arena (mit Wikipiedia-Verweis)
Blick zurück: Der erste Eintrag über Carl bei American Arena (mit Wikipiedia-Verweis)
30. Dezember 2009
Winter Classic: Wir basteln uns eine Spielfäche
Für alle, die einst mit dem Stabilbaukasten oder den Lego-Steinen herumgebastelt haben und dabei nie eine Eishockey-Spielfläche hinbekommen haben: Hier zeigt uns das Time-Lapse-Video, wie's in echt geht. Der Ort: Fenway Park in Boston. Der Anlass: die dritte Auflage vom Winter Classic am 1. Januar zwischen den Boston Bruins und den Philadelphia Flyers, jenem publikumswirksamen NHL-Projekt unter freiem Himmel, das 2008 in Buffalo in einem Footballstadion begann. Vor einem Jahr war die Liga in Wrigley FIeld in Chicago. Die Wetterprognose verspricht übrigens Schnee. Es hat nur drei Jahre gedauert, bis die Veranstalter den Namen der Veranstaltung an einen Titelsponsoren verhökern konnten. Die japanische Reifenfirma Bridgestone machte das Rennen. Die wird sich über Schnee freuen. (Disclosure: fahre vorne auf dem Passat zwei All-Wetter-Schluffen von denen).
Blick zurück: Ausführliche Vorschau in der FAZ auf das Ereignis vor einem Jahr in Chicago mit Informationen zum Erfolg der Veranstaltung
Blick zurück: Ausführliche Vorschau in der FAZ auf das Ereignis vor einem Jahr in Chicago mit Informationen zum Erfolg der Veranstaltung
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29. Dezember 2009
NFL-Quarterback Drew Brees trifft
Die Magazinsendung Sport Science hat einen etwas anderen Zugang zu Themen, die amerikanische Sportfans interessieren. Sie widmet sich mit Hilfe von ein paar technischen Messgeräten solchen Fragen wie: Kann man eigentlich mit einem Eishockey-Knüppel-Golfschwung wie im Film Happy Gilmore weiter schlagen? Das Dumme sind die Antworten. Wirklich überraschen können Sie einen nicht. Weshalb die Beiträge mit sehr viel visuellem und akustischem Konfetti aufgepimpt werden, damit der Zuschauer auf der minutenlangen Strecke von Einstieg bis Ausstieg nicht abschaltet.
Besonders störend ist der pseudo-wissenschaftliche Anstrich, wie er jetzt auch in dem Beitrag über die Wurfgenauigkeit von Quarterback Drew Brees an den Tag gelegt wurde. Seinem Ball wurden Messsonden angepappt, die ergaben, dass der Football-Profi den Ball aus dem Stand und bei der immer gleichen Entfernung von 20 Yards mit der immer gleichen Geschwindigkeit wirft, den immer gleichen Wurfwinkel hinbekommt und dem Ei die immer gleiche Rotation mit auf den Weg gibt, die der braucht, um auch zielgenau anzukommen. Mit anderen Worten: Drew Brees ist so etwas wie ein Automat. Und nur ein Automat kann in der NFL was werden. Aber aus soviel Banalität schlägt man bei Sport Science die Funken eines bengalischen Feuers. Die Antwortet lautet in diesem Fall: Drew Brees trifft eine Bogenschützen-Zielscheibe aus dieser Entfernung genauer als ein guter Bogenschütze. Ja. Und das ist eine Erkenntnis, die uns alle sehr bewegt. Denn in den Playoffs spielt er mit den New Orleans Saints bekanntlich gegen eine Bogenschützenmannschaft und nicht gegen die Minnesota Vikings. Und da wollten wir vorher wissen, wie das ausgeht.
Das ist das Problem mit solchen Pseudo-Analysen: Während die videotechnische Darstellung der Präzision des Quarterbacks sehr animierend ausfällt – der Mann trifft nämlich bei zehn Versuchen tatsächlich zehnmal in die kleine gelbe Mitte, und die Kamera bringt uns das aus allen möglichen Richtungen – bleibt die Frage ungeklärt: Weshalb ist es überhaupt interessant, die Wurfleistung eines Footballspielers mit der eines Bogenschützen zu vergleichen? Die Jungs können doch beim besten Willen nicht als Maßstab für Treffgenauigkeit herhalten. Da hätte ich mir eher einen Trap- oder Skeet-Schützen als Vergleich ausgemalt. Der muss ein bewegliches Ziel treffen, kennt in etwa die Route und die Fluggeschwindigkeit der Tonscheibe. Wie oft hätte Drew Brees wohl eine Tontaube getroffen? Zehnmal bei zehn Versuchen? Vermutlich nicht.
Besonders störend ist der pseudo-wissenschaftliche Anstrich, wie er jetzt auch in dem Beitrag über die Wurfgenauigkeit von Quarterback Drew Brees an den Tag gelegt wurde. Seinem Ball wurden Messsonden angepappt, die ergaben, dass der Football-Profi den Ball aus dem Stand und bei der immer gleichen Entfernung von 20 Yards mit der immer gleichen Geschwindigkeit wirft, den immer gleichen Wurfwinkel hinbekommt und dem Ei die immer gleiche Rotation mit auf den Weg gibt, die der braucht, um auch zielgenau anzukommen. Mit anderen Worten: Drew Brees ist so etwas wie ein Automat. Und nur ein Automat kann in der NFL was werden. Aber aus soviel Banalität schlägt man bei Sport Science die Funken eines bengalischen Feuers. Die Antwortet lautet in diesem Fall: Drew Brees trifft eine Bogenschützen-Zielscheibe aus dieser Entfernung genauer als ein guter Bogenschütze. Ja. Und das ist eine Erkenntnis, die uns alle sehr bewegt. Denn in den Playoffs spielt er mit den New Orleans Saints bekanntlich gegen eine Bogenschützenmannschaft und nicht gegen die Minnesota Vikings. Und da wollten wir vorher wissen, wie das ausgeht.
Das ist das Problem mit solchen Pseudo-Analysen: Während die videotechnische Darstellung der Präzision des Quarterbacks sehr animierend ausfällt – der Mann trifft nämlich bei zehn Versuchen tatsächlich zehnmal in die kleine gelbe Mitte, und die Kamera bringt uns das aus allen möglichen Richtungen – bleibt die Frage ungeklärt: Weshalb ist es überhaupt interessant, die Wurfleistung eines Footballspielers mit der eines Bogenschützen zu vergleichen? Die Jungs können doch beim besten Willen nicht als Maßstab für Treffgenauigkeit herhalten. Da hätte ich mir eher einen Trap- oder Skeet-Schützen als Vergleich ausgemalt. Der muss ein bewegliches Ziel treffen, kennt in etwa die Route und die Fluggeschwindigkeit der Tonscheibe. Wie oft hätte Drew Brees wohl eine Tontaube getroffen? Zehnmal bei zehn Versuchen? Vermutlich nicht.
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26. Dezember 2009
Agent Zero weiß nicht, wie man mit Schusswaffen umgehen sollte
Die Haltung von Gilbert Arenas gegenüber Handfeuerwaffen war lange Zeit wohl ziemlich eindeutig: Haben ist besser als Nichthaben. Und registrieren derselben, wie das in einzelnen Bundesstaaten zum Teil verlangt wird, war nicht seine Sache. Siehe: die Episode aus jener Zeit in Kalifornien, wo die Gesetze etwas strenger sind und wo er sich 2003 eine Ordnungswidrigkeiten-Buße einhandelte. Dass man jetzt in der Umkleidekabine der Washington Wizards (die früher ironischerweise mal Bullets hießen) wieder Waffen fand, macht die Sache eher schlimmer. Nicht nur wegen der strikten Politik der NBA in solchen Dingen, sondern auch weil man in Washington D.C. mit dem Gesetz in Konflikt kommen kann, wenn man so etwas macht. Die Waffen waren angeblich nicht geladen. Und Munition hatte Arenas in seinem Spind wohl auch nicht aufbewahrt. Trotzdem klingt die Geschichte seltsam, die Agent Zero jetzt Reportern erzählte: Er habe die Knarren aus den Haus haben wollen und habe sie schlussendlich dem Sicherheitspersonal der Wizards-Halle gegeben, weil er sich von ihnen trennen wollte. Ein Konvertit sozusagen, der jetzt für seine Umsicht bestraft wird, weil er sich formaljuristisch falsch verhalten hat? Es gibt in den USA durchaus auch andere Möglichkeiten, seine Balerlmänner loszuwerden - auch ohne sie gleich in die Mülltonne zu werfen. Zwei fallen einem sofort ein: Man geht zur Polizei und gibt sie dort ab. Oder man geht zu einem Waffenhändler und verkauft sie ihm. Es ist allerdings in beiden Fällen besser, man hat sie legal erworben und kann das beweisen.
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Florida-Coach Urban Meyer tritt zurück
Der Rücktritt von Urban Meyer als Coach der Footballmannschaft der University of Florida hat ganz viel Luft aus dem Bowl-Getöse herausgesaugt, mit dem um diese Zeit des Jahres die College-Football-Saison austrudelt. Wie immer, wenn mit abgezirkelten Formulierungen durchsetzte schriftlichen Erklärungen das Nachrichtenbild prägen, arbeiten die Reporter wie die Schaufelbagger. Alle wollen wissen: Wie krank ist Urban Meyer, der erfolgreichste Coach der letzten Jahre, dass er zu diesem Zeitpunkt in den Sack haut? Ehe die Geräuschkulisse zu laut wird: Hier der Hinweis auf ein exzellentes Lesestück, das unlängst S. L Price in Sports Illustrated abgeliefert hat (Hat-Tip an Lee Jenkins und The Big Lead für den Retweet). Der Text erinnert einen an eine Zeit, als dieses Magazin hauptsächlich aus solchen Reportagen bestand und sich Sportautoren (zwecks wegen der Inspiration) und Leser jede Woche genüsslich die Zeit für die neueste Ausgabe gönnten. Und er öffnet ein kleines Schatzkästchen über die Abstammung des erst 45-jährigen Trainers.
Seine Mutter Gisela, geborene Gumpert, wanderte Ende der fünfziger Jahre aus Oberfranken in die USA aus. Ihre Familie aus dem benachbarte Thüringen hatte zuvor die Heimat verlassen, nachdem ihr Vater von den Sowjets nach Sibirien verschleppt wurde. Die Schlussredaktion des Magazins hat dabei einen kleinen Schreibfehler produziert, wie er mit deutschen Namen in amerikanischen Medien an der Tagesordnung ist. Man fummelt gerne noch irgendwo einen Buchstaben ein oder lässt einen weg. Die Gumperts waren aus Mupperg nicht Muppberg. Und Mupperg liegt nicht in Bayern, sondern ganz nah an der Grenze.
Übrigens: Solche Stammbäume haben fast keine der herausragenden Figuren im US-Sport. Aber hier wären zumindest zwei Namen: Football-Coach Herm Edwards (Mutter Martha aus dem hessischen Gelnhausen). Die Familie von Lou Gehrig (Heinrich and Christina Gehrig). Beide waren aus Deutschland in die USA ausgewandert. Lou, geboren in New York, hieß eigentlich Ludwig Heinreich.
Als Nachschlag: Ein Video, in dem Urban Meyer seine Philosophie beschreibt – ein Leistungswahnsinn, der vermutlich nirgendwo im Sport so angedockt ist wie im Football.
Nachtrag: Die New York Times berichtet über eine Gesundheitskrise bei Meyer nach dem Spiel neulich gegen Alabama, als er ins Krankenhaus musst. Die Info kommt wohl vom Coach persönlich.
Seine Mutter Gisela, geborene Gumpert, wanderte Ende der fünfziger Jahre aus Oberfranken in die USA aus. Ihre Familie aus dem benachbarte Thüringen hatte zuvor die Heimat verlassen, nachdem ihr Vater von den Sowjets nach Sibirien verschleppt wurde. Die Schlussredaktion des Magazins hat dabei einen kleinen Schreibfehler produziert, wie er mit deutschen Namen in amerikanischen Medien an der Tagesordnung ist. Man fummelt gerne noch irgendwo einen Buchstaben ein oder lässt einen weg. Die Gumperts waren aus Mupperg nicht Muppberg. Und Mupperg liegt nicht in Bayern, sondern ganz nah an der Grenze.
Übrigens: Solche Stammbäume haben fast keine der herausragenden Figuren im US-Sport. Aber hier wären zumindest zwei Namen: Football-Coach Herm Edwards (Mutter Martha aus dem hessischen Gelnhausen). Die Familie von Lou Gehrig (Heinrich and Christina Gehrig). Beide waren aus Deutschland in die USA ausgewandert. Lou, geboren in New York, hieß eigentlich Ludwig Heinreich.
Als Nachschlag: Ein Video, in dem Urban Meyer seine Philosophie beschreibt – ein Leistungswahnsinn, der vermutlich nirgendwo im Sport so angedockt ist wie im Football.
Nachtrag: Die New York Times berichtet über eine Gesundheitskrise bei Meyer nach dem Spiel neulich gegen Alabama, als er ins Krankenhaus musst. Die Info kommt wohl vom Coach persönlich.
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