14. Februar 2008

Wählt den besten Sport-Blog-Beitrag des Jahres 2007

Dies ist ein Experiment. Aber, eins, für das die Zeit schon länger reif war. Denn die kleine Welt der deutschen Sport-Blogs, die nach der Gründungsbegeisterung rund um die Fußball-Weltmeisterschaft etwas müde zu werden drohte, hat im letzten Jahr effektiv zugelegt. Und damit ist nicht Quantität gemeint, sondern Qualität.

Wie kann man das dokumentieren? Am besten so: In dem man ganz unterschiedliche Highlights aus dem riesigen Topf von tausenden von Beiträgen fischt, herausputzt und noch einmal serviert. Damit aber die Sache wirklich interessant wird, entstand vor ein paar Tagen spontan diese Idee: Blog-Leser stimmen darüber ab, welchen Beitrag der deutschen Sport-Blogosphäre aus dem Jahr 2007 sie am besten/einfallsreichsten/stärksten finden. Jeder kann mitmachen. Je mehr desto besser. Der Zählapparat oben rechts im Layout läuft eine Woche (jeder kann nur einmal klicken, also bitte erst die Geschichten genau lesen). Dann wird abgerechnet.

Gut möglich, dass bei dieser Vorauswahl (getroffen mit Hilfe von ein paar kundigen Kollegen) ein paar gute und einfallsreiche Sachen unter den Tisch gefallen sind. So etwas passiert selbst den Leuten in Hollywood, die das mit den Oscars seit mehr als 70 Jahren machen und es noch jedes Jahr schaffen, gute Filme zu übersehen. Hier, in diesem Theater, gibt es zumindest eine Auffangstation: Wer seine Favoriten vermisst, sollte sich aktiv einschalten und sie in den Kommentarspalte nennen und verlinken.

Und noch ein Hinweis: American Arena versteht sich als neutraler Ausrichter dieser Abstimmung, die normalerweise von Instituten für publizistische Bildungsarbeit oder ähnlichen Einrichtungen auf die Beine gestellt werden. Da wir nicht warten wollten, bis die aufwachen und sich mit Sport-Blogs beschäftigen, probieren wir es erst einmal auf diesem Weg. Wenn eine unabhängige Stelle demnächst die Veranstaltung übernehmen möchte: nichts dagegen.

1.
dogfood belegt mit Hilfe seiner Leser am Beispiel der spektakulären Beichte des Ex-Radprofis Bert Dietz beim Fernseh-"Beckmann" den defensiven Umgang des NDR mit seiner eigenen Doping-Aufklärung.

Die ARD-Tonstörung namens Godefroot
(Blog: allesaussersport)

"Gestern gab es den wellenschlagenden Auftritt des Ex-Profiradsportlers Bert Dietz der bei Reinhold Beckmann über seine Zeit beim Team Telekom sprach. Dabei redete er ziemlich offen darüber dass er selber gedopt war und Team-Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid seit Mitte der Neunziger Jahre recht systematisch EPO verabreicht hätten. Inzwischen hat auch der Sportchef von Team Gerolsteiner und bis 1999 Telekom-Fahrer Christian Henn gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger die Mitwirkung der Teamärzte am Doping bestätigt. Um die Sendung wurde im Vorfeld nicht sehr viel Wind gemacht um möglicherweise juristischen Tingeltangel wie im Vorfeld der Jan-Ullrich-Sendung zu vermeiden. Rein zufällig gab es dann gestern bei Ausstrahlung der Sendung eine Tonstörung in Form eines hohen Pfeiftons. Und rein zufällig steht die gestrige Sendung auch nicht als Video on Demand zur Verfügung...

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2.
Seitdem Dülp geheiratet hat, läuft vieles in seinem Leben als Fußball-Fan ganz anders als früher.

Hochzeitstag
(Blog: Bolzplatz)

Comic (Link)


3.
Oliver Fritsch sieht bereits im Oktober 2007 voraus, was wenig später eintrifft: Wie Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld zum Auslaufmodell degradiert werden wird.

Ein Trainer, der nichts zu gewinnen hat
(Blog: Direkter Freistoss)

"Ottmar Hitzfeld wird in dieser Saison vermutlich einen oder mehrere Titel erringen; zu gewinnen hat er nicht viel. Der Anteil des Trainers an dem derzeitigen Erblühen der Bayern wird von der Fachwelt gering geschätzt, sein Name taucht in Zeitungen als Randnotiz ab, in Fernsehsendungen sind meist andere gefragt. Die Stuttgarter Zeitung Hitzfeld degradiert sogar zum "Übungsleiter"– als würde er nicht mehr tun, als Hütchen aufstellen; als gehörte zum modernen Profil eines Trainers nicht Menschenführung; als müsste dem bayerischen Millionensturm nicht eine taktisch geschulte Abwehr in den Rücken gestellt werden. Alle Hurra-Rufe gelten Luca Toni, Miroslav Klose oder Franck Ribéry. Der natürlich eine Belebung für die Bundesliga ist. Aber, nebenbei gefragt: Muss man, wie einige Kollegen von Premiere oder Steffen Simon von der ARD, wirklich jeden seiner Pässe und selbst Kullerbälle preisen wie eine Erscheinung, eine Erlösung? Liebe Bayern-Fans, ist Euch das ständige "Weltklasse!" nicht wenigstens ein Stück weit peinlich? Falls nein, es ließe tief blicken..."

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4.
Herr Wieland weiß: Im Ruhrgebiet prallen Fußball und die Leidenschaft der Anhänger von Bundesliga-Clubs schon mal ganz unvermittelt aufeinander.

Das Problem der Straßenbahnderbys...

(Blog: Drei Ecken, ein Elfer)

"Das Problem an Straßenbahnderbys... ist die Straßenbahn. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bedeutet für Fußballfans normalerweise eine Anreise mit dem Zug. Gegnerische Fans werden dann im Gelsenkirchener Hauptbahnhof zu einem anderen Ausgang geleitet und mit gesonderten Bussen zum Stadion gebracht. Das klappt meistens tadellos.

Bochumern reicht der Dienst der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA). Mit der Linie 302 geht’s direkt auf Schalke. Dies ist allerdings genau die Linie, die auch von Schalke-Fans für den Weg vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof zum Stadion genutzt werden muss..."

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5.
Als Fan muss man auch den schlechten Zeiten ein wenig Humor abgewinnen können.

Idolwechsel
(Blog: Fan-Faktor)

"Ruhm und Zuneigung der Massen sind in diesen Tagen eher kurzlebig..." - Foto-Beitrag (Link)


6.
Die Champions League hätte soviel Potenzial. Aber statt dessen reduziert sie es, hat fred ermittelt.

CL Reloaded
(Blog: Fooligan)

"Als ich vor einiger Zeit bemerkte, die (auch marketingorientierten) Überlegungen Anfang der 90er hätten es nötig gemacht,

'einige Wettbewerbsänderungen durchzusetzen, wie beispielsweise die Gruppenspielphase: Damit ließ sich das Risiko, dass ökonomisch wertvolle Clubs, deren Spiele große Zuschauermassen vor den Fernseher lockten, frühzeitig aus dem Wettbewerb ausschieden, minimieren.'

hab ich das höchstens mit dem Fernrohr überprüft. Zitate genug gabs, dass die CL zur Melkkuh großer Fußballclubs taugte: die Faktenlage war mir nicht bis in letzte Konsequenz bewußt. Jetzt schon.

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein frühes Ausscheiden fantechnisch relevanter (und deswegen auch finanziell potenterer) Clubs zu verhindern, und beides ließ sich mit Einführung der Gruppenphase locker bewerkstelligen:
Möglichkeit eins: Vermehrung der Spiele, bevor überhaupt jemand ausscheidet. Wenn man momentan drin is in der CL, hat man garantierte 6 Spiele, davon garantierte drei Heimspiele, was garantiert jedesmal dreimal so viel is wie früher..."

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7.
nolookpass berichtet über seine Redaktionserfahrung als Praktikant bei einer Boulevard-Zeitung und gibt seinem unsensiblen Vorgesetzten in dessen Urteil über den Fußballprofi Sebastian Deisler nur ungern Recht.

Wie ich einmal Mitleid mit Sebastian Deisler bekam
(Blog: Nachspiel)

"Ich habe mal ein Praktikum in der Sportredaktion eines Berliner Boulevardblatts gemacht. Und wie das so ist mit Praktikanten, machen die erstmal Fleißarbeit. Meine erste Aufgabe, überbracht von einem grummeligen Redakteur, der offenbar froh war, die lästige Arbeit losgeworden zu sein:

'Hier ein Janzkörper-Bild von Basti. Such ma die janzen Fahletzungen ausm Aaachif und machn schwuppigen Einstieg. Aber dalli, dit muss morgen noch mit!'

Sebastian Deisler spielte damals bei Hertha BSC, ein großes Gladbacher Talent sollte bei der Alten Dame zu einem Weltstar reifen. Doch außer einem phänomenalen Freistoß gegen Hansa Rostock hatte man noch nicht viel von Deisler gesehen, gerade war er wieder verletzt. Dieter Hoeneß und sein launiger Verein sollten ihre Illusionen schnell verlieren: Wenn Deisler nicht an irgendwas laborierte, spielte er so gut, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Wursthändler von der Isar zuschnappen würde..."

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8.
Kurtspaeter betrachtet die eigenartige Wechselbeziehung zwischen einem Fußballverein, der hoch hinaus möchte und einer Ortszeitung, die diese Ambitionen mit einem anderen Maß misst.

Provinz voll Leben (oder eine Provinzposse)
(Blog: Pfostenschuss)

"Selbsternannte Provinz voll Leben ist die Stadt Siegen.

Unistadt, Heimatstadt. Zum ansässigen Verein Sportfreunde Siegen hatte ich schon immer ein zurückhaltendes Verhältnis. Über Niederlagen konnte ich mich in den 80ern köstlich amüsieren, der Versuch, zu einer überregionalen Größe zu werden endete dilettantisch in einem Abstiegsspiel aus der damaligen Verbandsliga im Geisweider Hofbachstadion.
Später übernahm Ingo Peter den Trainerposten und die Sportfreunde wurden sportlich salonfähig. Dessen Abgang, eine Mischung aus Entlassung, Re-Inthronisierung und erneutem Abgang war dann wieder typisch Sportfreunde. Semi-Professionelles Komödienkino.

Das Provinznest Siegen stieg vor drei Jahren unter dem Trainer Ralf Loose und mit Top-Torjäger Patrick Helmes völlig überraschend in die zweite Fußball-Bundesliga auf.
Loose ging in die Schweiz, Helmes nach Köln, Jan Kocian übernahm und im Laufe der Saison machte der Verein zweifelhafte überregionale Schlagzeilen, weil man die Verpflichtung Werner Lorants als fix meldete, während dieser lieber in der Türkei blieb.

Am Ende stieg man relativ sang- und klanglos wieder ab..."

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9.
Trainer Baade nutzt eine erneute Gelegenheit, sich mit seinem Serienhelden Franz Beckenbauer zu beschäftigen, dem er ein Etikett angeheftet hat, das kleben bleiben wird.


Wenn der Dummschwätzer mal nicht Erster ist (XVII)
(Blog: Trainer Baade)

"Es gibt da diesen Newsletter. Eigentlich mache ich nicht gerne Werbung für solche Produkte und erst recht schreibe ich nicht gerne einfach etwas ab. Da ich das mit dem Kaiser aber ohnehin schon wusste, könnte ich das jetzt auch als „selbst recherchiert“ verkaufen, was ja im Endeffekt dann ohnehin wieder nur abgeschrieben wäre, nämlich von der eigenhändig gefundenen Quelle. Also schreibe ich einfach ab und gebe es zu, auch wenn ich es sonst, wie gesagt, äußerst ungerne mache, wie man auch an der äußerst geringen Zahl an externen Links in diesem Blog erkennt.

Besagter Newsletter liefert dem geneigten Abiturienten Abonnenten jedenfalls freitäglich einen kleinen Appetithappen aus dem Buch „Fast alles über Fußball“ von der Fußballberichterstattungskoryphäe Christoph Biermann, der mir alleine schon deshalb sympathisch ist, weil er a) Fan des VfL Bochum ist und b) sich heute noch darüber ärgert, bei einem Auswärtsspiel in Gladbach zu früh das Stadion verlassen zu haben und deshalb den Ausgleich verpasste. Letztens ereilte mich aber auch bei ihm das tödliche Schicksal, dass ich sein Gesicht sah..."

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1o.
Rob Alef zeigt, wie man Fußball und das bisschen Rest der achtziger Jahre auf 30 Höhepunkte reduziert.

30 mal wertvoller Sekundenschlaf

(Blog: Volk ohne Raumdeckung)

1. Mal wieder die alten Falco-Platten rausgekramt. War schon eine verwegene Zeit damals.
2. Die Leute fingen an darüber zu reden, wie wild und gefährlich sie lebten.
3. Wer sonst nichts wußte, schrieb sicherheitshalber eine Liste.
4. Focus macht das heute noch so.
5. Damals war Helmut Markwort beim Gong.
6. Aber auch die meisten anderen Publikationen waren wild und gefährlich.
7. Bayern wurde sechsmal Deutscher Meister.
8. Angela Merkel ließ sich scheiden.
9. Thomas Häßler wurde Fußballer des Jahres.
10. Was die DDR damals wirklich gebraucht hätte: Eine bewaffnete Befreiungsbewegung aus den Reihen der FDJ...."

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11.
Anmerkungen von Marc zum System Doping und dem Tanz und Getue der Beteiligten.

Scheinheiligkeiten, Blindheit und Systemzwänge » Dopingarrangements im Spitzensport I
(Blog: Wissenswerkstatt)

"Doping hat System. Wer sich in diesen Tagen beim Lesen der Berichte über die Dopingbeichten geläuterter Ex-Radprofis darüber wundert, daß einige der alljährlich gefeierten Radhelden offenbar zu unterstützenden Mitteln gegriffen haben, hat leider immer noch nichts verstanden. Die manipulative, leistungssteigernde Medikamenteneinnahme ist wesentlicher Bestandteil aller (Ausdauer-)Sportarten. Es muß klar sein: wenn sich die Nation über den positiven Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen freut, dann ist die Erfolgsbilanz immer auch der effizienten Arbeit der medizinischen Abteilungen zu danken. Der Spitzensport hat sich längst mit Doping arrangiert..."

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Kommentare:

Easyfunk hat gesagt…

Da muss ich aber überlegen. Und vor allem lesen. Tolle Aktion, ich werde morgen einen Beitrag bei der Welt Hertha Linke schreiben und für eine Beteiligung werben. Bonuspunkte hat für mich aber auf jeden Fall Rob Alef verdient. Er ist ja ausgestiegen und hat das nicht weiter begründet. Vielleicht kommt er noch mal auf einer unabhängigen Plattform zurück. Ich würde es mir jedenfalls sehr wünschen. Mir schien es, als hätte er Knatsch mit der taz gehabt. Aber das ist reine Spekulation...

sternburg hat gesagt…

versteht sich zwar ausweislich der eigenen Beschreibung nicht als Blog, sondern als "Online-Magazin".
Wenn ich aber deine Intention richtig deute, auf Amateure bis Semiprofesionelle im Netz aufmerksam zu machen, die mit Herzblut und journalistischen Grundtugenden ein Feld besetzen, das von den, eine ganze Redaktion im Rücken wissenden, Profis unbestellt bleibt, möchte ich ganz entschieden auf den dort eingestellten "Zweitliga-Check" aufmerksam machen, der allen deutschen vorsaisonalen Sonderheften extrem zeigt, wo der Hammer hängt.

Statt jeden einzeln zu verlinken: sie sind alle zu finden, in dem man auf der Homepage (www.seitenwahl.de) nach ganz unten scrollt.

sternburg hat gesagt…

Hust. Ehrlich, in der Vorschau war noch nur das nun fehlende allererste Wort ("Seitenwahl") verlinkt.

Anonym hat gesagt…

Extrem schwere Entscheidung. Darf ich wirklich nur eine Stimme abgeben?