16. Juli 2009

Eine Chance für die Basketball-Diplomatie

Der jüngste Sohn des nordkoreanischen Diktators Kim Jon-il ist ein Fan von NBA-Basketball, trug in seiner Schulzeit teure Nike-Schuhe und verehrte den Kroaten Toni Kukoc. Er fertigte stundenlang Zeichnungen von Michael Jordan an und war froh, über die Gelegenheit, sich in Paris ein Freundschaftsspiel zweier amerikanischer Mannschaften anzuschauen.

Das alles mutmaßte die Washington Post heute in einem ausführlichen Bericht, nachdem ihr Reporter intensiv in der Schweiz recherchiert hatte. Der Artikel dokumentiert zumindest soviel: Wie faszinierend das Ratespiel sein kann: "Ist der Patriarch von Pjöngjang totkrank und wird Kim Jon-un sein Nachfolger?"

Vor vier Wochen wurden erstmals Informationen bekannt, die eine Truppe von ausländischen Journalisten nach Bern pilgern ließ, um von den Verantwortlichen der Schweizer Schule Liebefeld Steinhölzli zu erfahren, ob dort vor ein paar Jahren der mutmaßlich nächste Chefwärter des Gefangenenlagers für Millionen nördlich des 38. Beitengrades unterrichtet wurde. Die Antwort fiel unbefriedigend aus. Was diesmal vermutlich nicht an der typischen Schweizer Zurückhaltung und an den üblichen diplomatischen Gebräuchen lag. Offiziell weiß das wohl wirklich niemand. Der Junge war inkognito unterwegs.

Aber damit gab sich Post-Reporter Andrew Higgins nicht zufrieden und erkundigte sich bei den Familien von Mitschülern jenes mysteriösen Teenagers aus Nordkorea, der in deutscher Sprache Demokratieunterricht erhielt und eines Tages verschwunden war wie ein Phantom. Hundertprozentig konnte auch diesmal nicht herausgearbeitet werden, ob es sich bei jenem Jugendlichen um den Typen handelt, der neulich angeblich den nordkoreanischen Geheimdienst anvertraut bekam, politische Verhandlungen mit der chinesischen Führung abhielt und bereits zum Amtsnachfolger ausgerufen wurde.

Aber wenn er es ist, dann bestände womöglich Hoffnung, dass eines Tages anstelle der Ping-Pong-Diplomatie der Amerikaner eine basketball-diplomatische Initiative entsteht. Zumindest haben die USA zur Zeit einen Präsidenten, der das höchstpersönlich umsetzen kann. One on one. Die andere Option – Golf – hatte Obamas Amtsvorgänger wohl nicht ins Kalkül gezogen. Obwohl es tatsächlich Plätze Nordkorea gibt. Vielleicht hatte er zuviel Respekt vor dieser Geschichte über den Amtsinhaber: "Bei einer Gelegenheit verbreiteten die nordkoreanischen Medien, dass Kim Jong-il bei seiner ersten Golfrunde 1994 einen Eagle erzielt hatte, gefolgt von fünf Hole in Ones." Obwohl George W. Bush war und ist kein schlechter Golfer.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dieser Artikel ist fantastisch, genau wie dieser ganze Blog. Super. Tolle Informationen und großartige Kommentare. Das ganze wird nur noch übertroffen von dem unvergleichlichen Blogschreiber selbst, der kürzlich den Mut hatte 5 mal hintereinander über George W. Bush zu lästern (Kalwa ist halt ein alter Querdenker und Nonkonformist!) und dessen Leser die Gnade erfahren dürfen, die "Wahrheit" aus erster Hand zu erfahren.

ker0zene hat gesagt…

Spiegel-Online liest auch mit:
http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,634900,00.html

ker0zene hat gesagt…

Just for the record: Die Sport Bild (Gott bewahre, nicht das ich die ...) bringt die uralte Episode der golfenden Diktators in der aktuellen Ausgabe in den "Top 10" der Woche.