22. November 2006

Zurück aus Deutschland: Erfahrungen eines Bloggers

Bei einer Reise durch Deutschland in der letzten Woche durfte der American-Arena-Blogger folgende Erfahrungen machen:

• Die drahtlose Internetkommunikation für reisende Laptop-Besitzer wird besser, besonders wenn man in den ländlichen Gegenden einen McDonald’s findet. Ein Plus: die neuen McCafés (besseres Ambiente und eine Gestaltungsidee, die es im McDonald's Mutterland nicht gibt).

• Die Penetration von amerikanischen Webseiten mit aufgepropfter deutscher Werbung oder mit deutscher Anwendungsmatrix ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern nervig. Bei Google automatisch auf google.de zu landen, wenn man google.com braucht, um das zu finden, wonach man sucht, ist ein Nachteil. Es gibt offensichtlich keine Funktion, mit der man diese Automatik abwählen kann.

• Wenn der Kopf nicht dort ist, wo die eigenen Blogger-Themen angesiedelt sind, lässt die Energie und die Phantasie nach. So könnte aufgrund dieser Erfahrung der erste Satz des Blogger-Axioms folgendermaßen lauten: All blogs are local.

• Das Informationsangebot auf den Sportseiten der Tageszeitungen sollte Sportblogger in Deutschland konzeptionell verstärkt in diese Richtung lenken: journalistisch denken und handeln. Informationen sind wichtiger als Meinungen. Eigenständige Recherchen und eine sich daraus ergebende Themensetzung werden auf Dauer die lahme und arme Medienarbeit des klassischen Organe aus dem Feld drängen. Etwas, was den Stadtmagazinen vor vielen Jahren mit dem Bereich Populärkultur ganz gut gelungen ist: Deren Erfolg basierte nicht auf Attitüde und Meinung, sondern auf ihren Informationsangeboten, durch die sie sich auf mindestens drei Jahrzehnte unersetzlich machen konnten.

• Die Rahmengesetzgebung, die im kommenden Jahr auf deutsche Blogger zukommt, ist gefährlich für jeden, der denkt, er kann seine Seiten auf dem Niveau einer Bierzeitung ins Netz stellen. Sich öffentlich zu artikulieren, hat Konsequenzen: Es gibt keinen Naturschutzpark für Menschen mit einem Hang zum unvorsichtigen Handeln und Formulieren. Die knallharte, existenziell bedrohliche Realität lautet: Jeder muss den Rechtsrahmen begreifen und beachten, in dem er sich bewegt. Aber da sollte die Entwicklung nicht stehen bleiben. Die Blogger-Szene braucht Zusammenschlüsse und Solidaritätsgruppen nach Art von Gewerkschaften oder Berufsverbänden oder ähnlichen Gruppen, die helfen und inspirieren. Und Anwälte, die am selben Strang ziehen.

• Das Gespräch mit älteren Redakteuren in Deutschland zeigt, dass vor allem in dem Bereich der arrivierten Medienarbeiter eine erstaunliche Ahnungslosigkeit existiert, wenn es um die Blogentwicklung geht. Gepaart mit einer übertriebenen Skepsis. Nach dem Motto: Man kann doch diesen Informationen nicht trauen. So als bestände die Bloggerwelt hauptsächlich aus Lügnern, Betrügern, Neppern, Schleppern und Bauernfängern. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man kann auch aus Deutschland auf die Google.com-Suche zugreifen:

http://www.google.com/intl/en/

Ausserdem, ich find Ihren Blog echt interessant. Thumbs up.

Andreas

Anonym hat gesagt…

Es gibt durchaus irgendeine Voreinstellung bei Google, mit der man per gesetztem Cookie automatisch das "englische" Google bekommt und bevorzugt englischsprachige Suchergebnisse. Kann aber beim besten Willen nicht sagen, wo, nur dass es bei mir funktioniert.

Re: Sportblogger vs. Sportjournalisten
Hier stößt man schnell an die Grenzen der Ressourcen von Bloggern. Zum einen mangelt es an Zeit um ggf. Einträge zu schreiben, die in die Tiefe zu gehen.

Andererseits fehlt es auch an "Anerkennung" durch Vereine, Sender, Behörden oder ähnliches.

Ich bin bislang nicht bei einer einzigen Pressestelle durchgekommen.

Selbst als ich bei EUROSPORT um ein Passwort für die Presse-Website gebeten habe und mein sehr offensichtliches Anliegen vorgebracht hatte (Material für "Screensport"-TV-Übersichten), habe ich noch nicht einmal eine Antwort bekommen.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Wahrscheinlich kommt man beim Thema Anerkennung nur dann weiter, wenn man sich zusammenschließt - in welcher Form auch immer. So lassen sich leichter Türen öffnen. Und so bekommen alle gemeinsam vermutlich mehr Beachtung bei jenen Medienleuten, die die Bloggerszene als Thema sträflich vernachlässigen. Vielleicht ist das unlängst gegründete Sportnetzwerk eine erste Anlaufstelle...

Anonym hat gesagt…

kurz zum sportnetzwerk, dass ich als außenstehender bei gründung interessiert beobachtet habe. das interesse hat schnell nachgelassen.

mir hat es letztendlich überhaupt nicht gefallen, wie das netzwerk das internet NICHT benützt hat und, mit verlaub, zwei recht hirnlose websites aufgesetzt hat. das hat man auch wunderbar am gästebuch bzw. forum sehen können, wie das anfängliche interesse völlig verpufft ist. dazu kamen weitere fehler in der aussendarstellung, wie z.b. die anfängliche künstliche trennung zwischen den "dummen" journalisten der elektronischen medien und den "einzig wahren" vertretern des papiernen journalismus.

was einen wie-auch-immer-gearteten zusammenschluß von bloggern angeht: habe ich auch meine probleme mit. ich bin als blogger nunmal ein individueller schreiber. und ich halte diese unabhängigkeit für einen ganz großen unterschied zu den anderen medien. deswegen bin ich extrem vorsichtig was das replizieren von normalen medienstrukturen für blogger angeht.

ich verlange auch keine bevorzugte behandlung von bloggern, ähnlich wie journalisten, also zutritt zu PKs o.ä. es stünde einfach nur den unternehmen/sendern/vereinen gut an, auf eine eMail adäquat zu reagieren und bei einem berechtigten anliegen auch darauf einzugehen (und das kann dann auch mal der zugang zum pressebereich für einen blogger sein). das sollte bei bloggern nicht anders sein, als bei journalisten oder normalen kunden.