9. August 2009

Golf oder Rugby: Wer wird olympisch?

Es gibt Spekulationen darüber, welche Sportarten als nächstes in die Liste der olympischen Disziplinen aufgenommen werden. Wir erinnern uns: Zunächst hatte das IOC Baseball und Softball gestrichen und dadurch wieder Platz geschaffen. Natürlich würden vor allem die Amerikaner am liebsten ihre beiden Ziehkinder wieder aufgenommen wissen. Aber es sieht statt dessen danach aus, dass das Vorauswahlkomitee, das am Donnerstag die Aspiranten auf zwei reduziert, sich für Golf und Rugby entscheiden wird. Als Golfspieler und Mensch mit einer beträchtlichen Zuneigung für das Geschäft der Profis fällt mir dazu nur ein: Etwas Alberneres als Golf bei Olympia kann ich mir nicht vorstellen. Die Sportart produziert weltberühmte, wohlhabende Repräsentanten, die regelmäßig auf den schwersten Plätzen der Welt spielen. Sie haben eine Weltrangliste, die als Qualifikationskriterium für die wichtigen Turniere fungiert. Ein Ryder Cup und einen Presidents Cup, in dem die besten in Mannschaftsformaten aufeinander treffen. Es gibt sogar ein Turnier mit jeweils zwei Abgesandten eines Landes. Und bei jeder Gelegenheit stehen Fernsehkameras bereit und Leute mit dicken Schecks. Was hat der Golfsport von einer Teilnahme bei Olympia außer dichtes Gedränge im Kalender? Nichts. Was hat Olympia von einer Teilnahme von Golfern? Nicht viel mehr. Wer von den Leuten, die sich nicht für Golf interessieren, wird sich vier Stunden lange Live-Übertragungen vom Geschehen anschauen? Kaum jemand. Golf ist mangels kämpferischer, spannender Aktion keine Fernsehsportart im eigentlichen Sinne, sondern nur etwas für Afficionados. Aber es ist zu befürchten, dass sich Golf durchsetzt. Erstens, um das amerikanische Olympia-Publikum und amerikanische Sponsoren bei der Stange zu halten. Und zweitens weil das Flair der Sportart die um die Zukunft der Spiele besorgten IOC-Mitglieder dazu verführen wird, sich für Golf zu entscheiden. Leider.

Zumal die Rugby-Initiative einen absurden Zuschnitt hat. Man würde bei den Olympischen mit Siebener-Teams antreten anstatt mit 15 Spielern pro Team (Rugby Union) oder mit 13 (Rugby League). Das soll angeblich besser für die Zuschauer sein. Wer kommt eigentlich immer auf solche Ideen? Warum sollte man jahrhundertealte Sportarten mit Millionen von Fans auf der ganzen Welt auf eine solche hohlstirnige Art und Weise um ihr Kernkonzept bringen? Kommt jetzt demnächst Ski alpin auf einem Brett? Fußball als Tipp-Kick-Version? Oder Mini-Golf?

Kommentare:

Jogi vom WM 2010 Journal hat gesagt…

man kann echt nur hoffen, dass dieser Reichen-sport Golf nicht olympisch wird. In Sachen Kampf-Ersatz hat sicherlich Rugby mehr Berechtigung!

Jan K. hat gesagt…

7er-Rugby ist durchaus Gang und Gäbe (wenn auch nicht so populät wie RL oder RU) - so wird z.B. bei Commonwealth Games in dieser Variante gespielt.

Ihr Vergleiche hinken also etwas...

Jan K. hat gesagt…

Ach ja, mit ihren eher unpassenden Vergleich sind sie in guter eidgenössischer Tradition. Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/7er-Rugby

oder besser auf englisch:
http://www.guardian.co.uk/sport/2005/jun/12/rugbyunion.duncanmackay

Jürgen Kalwa hat gesagt…

@Jan K.: Man kann das Pferd natürlich immer auch von hinten aufzäumen und die wichtigsten Traditionsstränge an einer Sportart ignorieren. Genauso wie man sagen kann: Ja, beim Golf da wollen wir Tiger Woods und die Top-Leute bei den Spielen haben. Aber, nein, beim Rugby wollen wir nur die Schmalspur-Variante. Da wollen wir nicht die Superstars.

Man kann auch solche Überlegungen wie Traditionsbewusstsein über Bord werfen (Rugby Union war das System, mit dem die Sportart einst bei den Sommerspielen vertreten war). Genauso wie man Speerwerfen und Diskus abschaffen kann und die Leute von The World's Strongest Man holen und Lastwagen ziehen lassen oder die Jungs von den Timber Games verpflichten. Geht alles und wird sicherlich auch so kommen. Den Herrschaften vom IOC muss man/darf man wirklich alles zutrauen.

Jörg C. hat gesagt…

Beim Auftritt der Golfer bei Olympia werden wegen des Modus Spieler aus den Top 25 oder 30 fehlen, um Spielern kleinerer Nationen Platz zu machen, die in der Weltrangliste auf Platz 500 rangieren, oder dort gar nicht registriert sind. Bei dem Wettbewerb der Frauen wird dies zu einem Desaster führen, wenn wir als Beispiel Michelle Wie in einem Flight sehen werden, die Mitspielerinnen hat, die froh sind, wenn sie unter 90 Schläge benötigen.

Nehmen wir die aktuelle Rangliste zur Hand und Olympia würde derzeit stattfinden, dürften nur die Top 15 spielen und von den nächsten 35 hätten wegen der Teilnehmerbegrenzung von zwei Spielern pro Nation nur 13 Spieler die Möglichkeit teilzunehmen.

Es ist wahr, dass die Olympischen Spiele nicht das Mekka des Basketballs darstellen. Die NBA Finalrunde isst wichtiger, doch beim olympischen Turnier waren zuletzt die besten Spieler der Welt zusammen an einem Ort.

Zumindest ist Golf eine weltweit betriebene Sportart, mehr als manch andere. Baseball und Softball wurden aus dem olympischen Programm gestrichen und müssen auf die Zukunft hoffen. Softball wird nur in wenigen Ländern gespielt. Und Baseball? Die besten amerikanischen Baseball Spieler taten alles, um den Spielen fern zu bleiben. Warum? Wahrscheinlich wegen der strengeren Doping Tests.

Anonym hat gesagt…

Tja, wer Leichtgewichtsrudern ins Programm aufnimmt, dem ist wohl alles zuzutrauen.