30. Juni 2009

Don't Kidd yourself

Die Public-Relations-Kampagne pro Jason Kidd kommt in Schwung. Die jüngste Lobeshymne kommt aus der Feder von Ric Bucher von ESPN, der zu jenen Journalisten gehört, die sich möglichst nahe an die Stars ranwanzen, weil sie glauben, dass dadurch viel Glanz auf sie selbst herunterscheint. Diesmal also Kidd und seine angeblich so glorreiche Bilanz in Dallas, wo er mehr Geld verdient hat als Dirk Nowitzki, was jeder Mensch normalerweise für absurd erklären würde, aber nur verdeutlicht, wie wenig Mark Cuban davon versteht, eine vernünftige Basketballmannschaft auf die Beine zu stellen. Hätte er Steve Nash behalten, wäre er um die Hälfte billiger gefahren und hätte immer noch einen gewissen Devin Harris, der mit 25 schon richtig gut ist und in die besten Jahre kommt. Okay, Schnee von vorgestern. Aber es musste noch mal gesagt werden...

Kidd ist 36 und Free Agent und glaubt, er müsse noch ein paar Jahre arbeiten. Natürlich für ein Honorar in der höchsten Kategorie der NBA-Gehaltsskala. Das wäre der vollendete Wahnsinn, angesichts der Wirtschaftslage und der nüchternen Entwicklungsprognose, die man Kidd stellen muss. Den Zampano mimt er bestenfalls noch in einer Mannschaft, die für die Playoffs nicht in Frage kommt. Aber Cuban will ihn halten, so heißt es in Dallas. Eine Minute nach Mitternacht in knapp 24 Stunden wissen wir mehr. Dann beginnt das Rennen um die Freelancer.

Kommentare:

Finki hat gesagt…

Lieber Herr Kalwa,
ich finde die meisten Beiträge in ihrem Blog interessant und auch sehr fundiert. Aber mit ihrer Einschätzung von J. Kidd bzw. Dirk liegen sie meines Erachtens daneben... Ich möchte hier gar nicht das Fass "leadership" aufmachen, sondern rein statistisch argumentieren. Z.B. hier:

http://www.wagesofwins.com/Top152009.html

Ich glaube, wenn Dallas Kidd nicht wieder verpflichten kann (oder einen wirklich guten Sign & Trade Deal einfädelt), kommen sie nicht in die Play-Offs...

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Danke für den Hinweis auf die Statistik, an der ich allerdings ein paar Dinge bemerkenswert finde. Chris Paul liegt darin in der Point-Guard-Wertung mit weitem Abstand vor Kidd. Paul wird im kommenden Jahr aber nur 13 Millionen Dollar verdienen. Steve Nash, statistisch gesehen ein ein gutes Stück schlechter als Kidd, bekommt ebenfalls 13 Millionen Dollar. Devin Harris, noch einen Hauch tiefer in der Liste, spielt für 8 Millionen und ein paar zerquetschte. Für mich sind das die zentralen Orientierungspunkte, um zu bewerten, was einer wirklich bekommen sollte. Kidd hat zuletzt 21,37 Millionen Dollar verdient. Und alles, was Dallas dafür bekommen hat, war ein sechster Platz in der Conference, aus dem beinahe ein achter Platz geworden wäre und eine Konfrontation mit den Lakers gleich in der ersten Runde.

Ich weiß, dass es solche Verzerrungen zwischen Verdienst und effektiver Leistung immer wieder gibt. Aber vor den kommenden Verhandlungen sollten sich die entscheidenden Leute vielleicht mal einen Taschenrechner besorgen.

Einen Sign and Trade erwarte ich übrigens nicht. Es sei denn Cuban stopft Kidd aus lauter Dankbarkeit die Taschen.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Weitere Infos und Einschätzungen in diesem Bericht von Eddie Sefko von der Dallas Morning News: http://www.dallasnews.com/sharedcontent/dws/spt/stories/070109dnsposekfo.3f53add.html