Posts für Suchanfrage Baseball werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Baseball werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

13. Juli 2010

RIP: Yankees-Besitzer George Steinbrenner

In der Geschichte der New York Yankees gibt es drei wichtige Phasen. Die erste begann, als Babe Ruth in Boston in Ungnade fiel und in der Bronx zum Kern einer unschlagbaren Mannschaft wurde, in der unter anderen der deutschstämmige Lou Gehrig eine wichtige Rolle spielte. Das Leben von beiden wurde in Hollywood verfilmt. Denn solche Figuren gibt es nicht alle Tage.

Die zweite Phase kulminierte in den fünfziger Jahren gegen Ende der Karriere von JoeDiMaggio und ist mit Spielernamen wie Yogi Berra und Mickey Mantle verbunden. Zu jener Zeit waren die Yankees schon so wichtig in der amerikanischen Alltagskultur, das sie zum Ausgangsthema eines Broadway-Musicals wurden, das später auch in Hollywood inszeniert wurde. Es trägt den Titel Damn' Yankees, was der Stimmung im Rest des Landes entsprach. Diese Yankees waren einfach zu gut. Und deshalb verhasst und beneidet. Man denke nur an das Aufsehen, dass die Heirat von Joe DiMaggio mit Marilyn Monroe verursachte. Das war im wahrsten Sinne eine Traumehe, weil sich damals kein Sportler auch nur erträumt hätte, es bis in die Welt der Paparazzi und der Klatsch-Postillen zu schaffen.

Als diese Ära zu Ende ging, hatten die Yankees zwar jede Menge Sportgeschichte geschrieben, aber standen vor einer schwierigen Phase. Dann kam George Steinbrenner, der Nachfahre eines Reeders aus Ohio, der mit seinem Geld und seinem autoritären Charakter ein neues Zeitalter im amerikanischen Ligasport einläutete. Von ihm über Jerry Jones bei den Dallas Cowboys und zu Mark Cuban bei den Dallas Mavericks sowie zu den (amerikanischen, russischen) Hyper-Spekulanten, die sich in die Premier League verirrten, führt eine ziemlich gerade Linie. Und auch diese Phase wurde von der amerikanischen Entertainment-Industrie auf ihre Weise widergespiegelt. George Steinbrenner wurde in den neunziger Jahren in Seinfeld, der erfolgreichsten Sitcom aller Zeiten, zu einer Figur. Während alle anderen Rollen in der Serie fiktiv waren, war Steinbrenner, Spitzname The Boss, er selbst. Die Besonderheit: Man sah ihn meistens nicht von vorne, sondern meistens von hinten. Seine Texte wurden von einem Schauspieler gesprochen – in jenem abgehackten, herausgepressten, rauhen Tonfall, für den er bekannt war. Denn George Steinbrenner war – zumindest in den USA – tatsächlich berühmt geworden.

Sein interventionistischer Stil bei den Yankees führte zu unterschiedlichen Resultaten. Er kaufte teure Spieler ein, wechselte Trainer nach kurzer Zeit aus – das produzierte zunächst ziemlich wenig. Er war abergleichzeitig in der Lage, die Yankees-Mystik in hochdotierte Fernsehverträge im Lokal-TV umzumünzen. Steinbrenner war der Wegbereiter jenes Netzes aus regionalen Fernsehkanälen, wie man es sich heute nicht mehr wegdenken kann. Als Populist verstand er es selbstverständlich auch, die Stadt New York unter Druck zu setzen, der das alte Stadion gehörte, in dem die Yankees für eine lächerlich geringe Miete nur Gast waren. Zwischendurch drohte er, mit dem Club nach New Jersey umzuziehen. Danach wollte er unbedingt in Manhattan ein neues Stadion haben, denn in der schmuddeligen Bronx wirkte sein Yankees-Brand zunehmend angeschabt.

Aber schließlich war er in der Lage, mit seinen Millionen eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die wieder die World Series gewann. Mit den Erfolgen ab Mitte der neunziger Jahre – und sicher auch mit dem Alter – wurde Steinbrenner gnädiger und toleranter. Irgendwann gab er das Management an seine Familie ab und genoss die sportlichen Erträge seiner Arbeit. Das Denkmal, dass er der Nachwelt hinterlässt, ist ein nagelneues Stadion gleich neben dem alten, dass im letzten Jahr eröffnet wurde.

Steinbrenners Rolle als Supporter von Richard Nixon hätte ihn beinahe ins Gefängnis gebracht. Er kam mit einer Geldstrafe davon. Sein Versuch, den Ruf des ehemaligen Yankees-Profis Dave Winfield zu schädigen, handelte ihm eine dreijährige Sperre von Major League Baseball ein. Eigentlich lautete das Urteil auf lebenslänglich. Aber nach drei Jahren wurde er wieder rehabilitiert. Rechtzeitig zu dem Lauf seiner Spieler, die zwischen 1996 und 1999 unschlagbar schienen.

Steinbrenner starb heute im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als den Club 1973 erwarb, musste er 10 Millionen Dollar bezahlen. Die Yankees sind heute rund 1,6 Milliarden Dollar wert.

Einer seiner Seinfeld-Auftritte in echt:


Co-Produzent Larry David als Steinbrenner:


Sehr ausführlich und lesenswert zu diesem Thema: dogfood bei allesaussersport

Plus: Steinbrenner-Bilder im Archiv von Sports Illustrated:

6. Februar 2010

Äpfel und Birnen

Es gibt Leute, die können es nicht lassen, Äpfel und Birnen zu vergleichen. Oder wie man hierzulande sagt: apples and oranges. Der Anlass liegt auf der Hand. Sonntag ist Super Bowl und die NFL läuft wie immer mit breit gespreizter Brust herum und versucht dem amerikanischen Publikum die vermeintliche Bedeutung des Events als Einschaltquotenknüller von absolutem Weltformat anzudrehen.

Natürlich ist das übertrieben. Aber diese Übertreibung liegt in einer Preisklasse wie die Bezeichnung von NBA-Champions oder Baseball-World-Series-Siegern als "World Champion". Das kleine Karo wird ja nicht größer nur weil jemand behauptet, es sei groß. Aber den Leuten von der NFL vorzurechnen, dass sie fernsehmäßig mit dem Super Bowl hinter Fußballendspielen bei der WM, der EM und nun auch in der Champions League hinterherhinkt, ist dann doch etwas schräg. Schließlich konkurrieren die Football- und die Fußball-Profis nie direkt miteinander. Des einen Gewinn ist keineswegs des anderen Verlust. Auch dann nicht, wenn man der NFL vorrechnet, dass sie mit ihrem Football-Produkt in neuen Märkten wie China nicht mit Fußball und Basketball mithalten kann. Das mag als Hinweis an die Verantwortlichen der National Football League taugen, mit ihren kleinen Brötchen nicht so anzugeben. Aber genug Butter ist auf diesen Brötchen allemal. Das erkennt man nicht zuletzt an den Werbeeinnahmen, die der übertragende Sender hereinverdient. Trotzdem: Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich mit diesem Artikel auf cnn.com beschäftigen.

Hier ein paar Infos aus dem Text:
• Seit dem Jahr 2003 hat der Super Bowl einen Zuschauerzuwachs in absoluten Zahlen von 7 Prozent zu verzeichnen.
Forbes hat den Markenwert ausgerechnet und mit anderen Sportereignissen verglichen (auch das Äpfel- und Birnenmus, aber sei's drum): 1. Super Bowl 420 Mio. Dollar. 2. Olympische Sommerspiele 230 Mio. Dollar, Fußball-WM 120 Mio. Dollar, Fußball-EM 110 Mio. Dollar, Baseball World Series 106 Millionen Dollar.
• American Football hat angeblich 83 unterschiedliche Strafen im Regelwerk verankert. Fußball kennt angeblich 17 unterschiedliche Fouls (So steht das in dem Artikel, gemeint sind wohl die 17 Regeln, mit denen das Spiel auskommt).

21. Januar 2010

Der Klingelbeutel: Nicht alles im Griff

Die Ambitionen von David Beckham, sich über den Winter in Mailand für die englische WM-Mannschaft zu empfehlen, produzieren immer wieder ein paar widrige Nachrichten. In der vergangenen Saison gab es das Tauziehen über seine Rückkehr zu Los Angeles Galaxy. Das wurde beigelegt. Nun musste er sich von einer Italienerin fürs Fernsehen das Gemächt begrapschen lassen. Warum? Weil sich aufgrund der Emporio-Armani-Unterwäsche-Anzeigen und eines (mutmaßlich getürkten) Nacktfotos, das online kursiert, das Gerücht hält, Becks habe schwer zu tragen. Die Dame brüllte vor laufender Kamera: Das sei alles nicht halb so wild. Der Fußballer war über solch eine Attacke entsetzt und stürmte davon.

• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.

• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).

12. Januar 2010

McGwires Doping-Geständnis – ein Flashback

Übrigens: Falls sich jemand fragt, weshalb Mark McGwire nach so vielen Jahren den Mund aufmacht und zugibt, was er im Grunde nie bestritten, sondern immer nur pflaumenweich umschifft hatte. Dies wäre eine Spur: Sein Bruder Jay, mit dem er schon jahrelang keinen Kontakt mehr hat, wird nach Angaben von Amazon in ein paar Tagen mit einem Buch auf den Markt kommen, dass das Doping-Thema Schwarz auf Weiß belegt. Jay hatte eigenen Angaben zufolge einst als Bodybuilder und Fitnesstrainer den Baseball-Bruder mit Anabolika bekannt gemacht und ihm wohl auch die ersten Spritzen verpasst. McGwire wollte vermutlich den neuerlichen Anschuldigungen (die alten kamen konkret von seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Jose Canseco) den Wind aus den Segeln nehmen. Trotzdem hat er mit dem späten Eingeständnis aus heiterem Himmel gestern keine Sympathiepunkte gesammelt. Der Tenor vor allem unter anderen ehemaligen Spielern, ist eindeutig: Die Leistungen von Leuten wie McGwire haben in dem statistikversessenen Spiel natürlich ihre eigenen Werte schlechter aussehen lassen. Wer weiß, wer alles in jener Zeit als Trainer oder redlicher Spieler seinen Job verloren hat, weil plötzlich die aufgepumpten Michelin-Männchen antraten und die Maßstäbe für Erfolg verschoben.

Mir ist in diesem Zusammenhang übrigens eine Episode aus dem Jahr 1998 wieder eingefallen, als ich für den Züricher Tages-Anzeiger zunächst über McGwire schrieb: "Zu seinem Aufbauprogramm gehören nicht nur Steaks und Hamburger, sondern ebenso die unter Amerikas Profis populäre Muskelsubstanz Kreatin und das testosteronfördernde Mittel Androstenedion, das ausser im Baseball und Basketball in fast allen Sportarten auf der Dopingliste steht." Wenige Tage später monierte ich die Art und Weise, wie man in den USA das Auslöschen des alten Rekords von Roger Maris gefeiert hatte: Mit einer Unterbrechung mitten im Spiel, in der McGwire ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekam und eine Ansprache halten durfte. Parallel liefen damals auf der Anlage in Flushing Meadow die US Open im Tennis. Und die Schweizer Spielerin Martina Hingis wurde tatsächlich von den anwesenden Journalisten in der Pressekonferenz genötigt, zu diesem Baseball-Theater eine wohlwollende Stellungnahme abzugeben.

Ich charakterisierte diesen Vorgang als "krankes Wir-Gefühl". Das gefiel den Baseball-Fans in der Schweiz ganz und gar nicht. Und so findet man noch heute in den Archiven der Zeitung einen ärgerlichen Leserbrief mit pauschalen und völlig überzogenen Vorwürfen an meine Adresse.

Schwamm drüber. Es war natürlich krank. Und ein Symbol für all das, was an dem Massenwahnsinn des amerikanischen Sports bisweilen durchknallt. Ja, und Mark McGwire war gedopt. Seinen Ruf als Sportbetrüger zementierte er allerdings erst vor vier Jahren, als er bei einer Anhörung im Kongress in einem denkwürdigen Auftritt unter Eid wiederholt einer Antwort auf die zentrale Frage auswich. Ein Betrüger. Geständig, ja. Aber ein Mann ohne Mumm, der sich immer nur Sorgen um sich selbst machte, weil der Anabolika-Konsum gegen Gesetze verstoßen hatte und die Verjährungsfrist für seine Vergehen noch nicht abgelaufen war. So jemand wirkt im Jahr 2010 denn einfach nur wie eine Karikatur.

Die nächste Frage lautet: Wann wird Major League Baseball darüber nachdenken, die Rekorde aus der Anabolika-Zeit zu streichen? Mit jedem Geständnis der Top-Spieler wie zuletzt Alex Rodriguez fällt die Blase in sich zusammen. Aber wahrscheinlich darf man von Commissioner Bud Selig in der Richtung nichts erwarten. Amerikas nostalgisch angehauchte Sportart leistet sich im höchsten Amt einen Menschen, der aussieht wie einen Schluck Wasser in der Kurve.

18. November 2009

WM-Arena für eine halbe Million an neuen Besitzer

Kurz vor der Fußball-WM 1994 haben die Eigentümer des Silverdome in Pontiac vor den Toren von Detroit alles in Bewegung gesetzt, um in der Arena richtigen Rasen bereit zu haben, sobald die Spiele stattfinden. Man hat damals ein System aus Rollwagen mit einer Erdschicht und Gras obendrauf entwickelt, die man die meiste Zeit draußen vor der riesigen Halle parken konnte. Zu den Spielen wurden sie hinein geschoben. Es gab keine andere Lösung. Denn im Innern wäre das Gras selbst bei bester Pflege eingegangen – selbst im Silverdome, in den tagsüber ein stark gefiltertes Restlicht gelangt. Die Atmosphäre während der Spiele war feucht warm, also nicht besonders angenehm. Aber die Halle war ausverkauft – zumindest beim Vorrundenspiel zwischen den USA und der Schweiz.

Arenen wie der Silverdome waren mal der letzte Schrei in den Vereinigten Staaten und so wurden sie eine Zeitlang überall gebaut: in Houston, New Orleans, Atlanta, St. Louis, Minneapolis, San Antonio, Tampa, Seattle und eben auch in Pontiac. Für die Kaltwetterregionen war es die Antwort auf Schnee und Regen. Für die Warmwettergebiete der Clou gegen die Hitze draußen. Denn in den Hallen wurden riesige Klimaanlagen installiert. Die Erfahrungen mit den Gebäuden waren jedoch eher negativ. Von den Unterhaltskosten nicht zu reden. Weshalb seit ein paar Jahren kaum noch eines der neuen Football- oder Baseballstadien mehr total überdacht wurden. Ausnahme von der Regel: das neue Footballstadion der Detroit Lions in der Innenstadt, das in einen Enertainment-Komplex mit einer neuen Arena für den Baseball-Club Detroit Tigers integriert wurde. Was heißt neu? Ford Field ist bereits seit 2002 im Einsatz. Und seither ist der Silverdome obsolet.

Wie wenig er wert ist, wurde jetzt bei einer Auktion deutlich, bei der das Gebäude für ganze 583.000 Dollar den Besitzer wechselte. Das entspricht den Baukosten einer gleich großen Parkgarage in der Gegend. Tatsächlich gibt es Pläne, den Silverdome in eine Fußballspielstätte zu verwandeln. Wozu unter anderem gehören würde, die Kapazität abzubauen. 80.000 Stühle füllt in der Region keine Mannschaft. Außerdem ist das Spielfeld, das von einer Betonmauer eingerahmt wird, für Fußball eigentlich zu schmal. Die Halle war 1975 von der Stadt Pontiac gebaut worden und hatte damals fast 60 Millionen Dollar gekostet.

12. November 2009

Kluge Bekenntnisse auf Lettermans Couch

Das bislang beste Interview mit Andre Agassi seit der Veröffentlichung seiner Autobiographie (Titel: Open) hat David Letterman auf die Beine gestellt. Weil die Enthüllungen – Drogenmissbrauch und künstliche Haare – keine Nachrichtenwert mehr haben, schlägt der Showmensch eine andere Route ein, um den ehemaligen Tennisspieler zum Reden zu bringen. Das Resultat: kleine, aber kluge Bekenntnisse zur Psychologie des Sports und den Tennisspiels im besonderen: "Da musst du nicht gut sein, sondern nur besser als der Gegner. Das ist wie bei einem Wettbewerb, bei dem man sich gegenseitig anstarrt." Agassi wäre, so sagt er, lieber Mannschaftssportler geworden, um in etwas mitwirken zu können, dass größer ist als er selbst. Sein Vater, der ihn früh in die Misere trieb, aus der er sich erst nach der großen Selbstbefragung nach der Leistungskrise der neunziger Jahre herausarbeiten konnte, hat sich über die in dem Buch enthaltene familieninterne Abrechnung nicht weiter aufgeregt. Der allzu geldfixierte Erzeuger sagte seinem Sohn: "Ich würde alles genauso machen. Mit einer Ausnahme: Ich hätte dich Baseball oder Golf spielen lassen sollen. Da ist man länger im Geschäft."
Blick zurück: Die Ankündigung der Memoiren im Jahr 2007 mitsamt den Angaben zum Autorenhonorar und einer Fehleinschätzung: Agassi hatte tatsächlich noch ein paar interessante Details aus seinem Leben auf Lager

11. November 2009

Fußball-Power-Index: Silver sieht Gold

Wenn man bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr den Ausgang der Abstimmung in 49 von 50 Staaten richtig vorausgesagt hat und das mit dem Hinweis auf eine kluge Auswertung vorhandener statistischer Daten begründen konnte, sollte man keine Zeit verschwenden und sich größeren Aufgaben zuwenden. Schließlich findet im nächsten Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Eine Veranstaltung, bei der nur wenige der 32 Mannschaften ernsthaft für einen Titelgewinn in Frage kommen. Je weniger Aspiranten von echtem Schrot und Korn, desto leichter lässt sich das Thema zu einer prickelnden Versimplung zuspitzen: Wer wird es denn diesmal, wenn nicht Brasilien, Italien, Frankreich oder Deutschland?

Das weiß Nate Silver zu diesem Zeitpunkt natürlich auch noch nicht. Trotzdem hat er schon mal die Eckdaten für seinen Soccer Power Index zusammengetragen, der online von ESPN unters Volk gestreut wird. Natürlich kann man sich fragen, was denn wohl Nate Silver für statistische Werte abgreift und ob die Eckdaten einer seriösen Prüfung stand halten. Klar ist vermutlich nur eines: dass die Konkurrenz, die FIFA-Rangliste, einem überhaupt keine Anhaltspunkte über die relative Spielstärke einzelner Nationalmannschaften gibt. Weshalb eigentlich fast jede andere Auflistung zumindest genauso aussagerkäftig ist. Hier mal ein paar Beispiele, wie weit Silvers Kalkulationen die Tabelle durcheinanderwirbelt:

FIFA hat England auf sieben, Chile auf 17 und Uruguay auf 25. Silver, der sich einst im statistikbesessenen Baseball einen Namen gemacht hatte, gibt England den dritten Platz, Chile den achten und Uruguay den zehnten. Italien sackt vom vierten auf den zwölften Rang. Jogis Jungs werden auf dem sechsten Platz geführt, eine Position schlechter als in der FIFA-Liste. Das Silver-System berücksichtigt mehr als nur die Resultate der Spiele von Nationalmannschaften. Es bemuht sich auch um eine Gewichtung der Leistungen von Stammspielern im Rahmen ihrer Arbeit auf Clubebene in vier europäischen Ligen – England, Spanien, Italien und Deutschland. hier ist die aktuelle Tabelle. Und hier die Geschichte über Silver im Wall Street Journal.

3. November 2009

Wie Hollywood Frauen Baseball erklärt

Weil die World Series schon heute zu Ende gehen kann, hier eine kleine Reminiszenz. Im Film Woman of the Year (1942) lädt Sam Craig (Spencer Tracy), der Sportkolumnist des New York Chronicle, Tess Harding (Katherine Hepburn), eine politische Journalistin bei der gleichen Zeitung, zu einem Baseballspiel zwischen den Yankees und den A's ein (ab 6:35). Die Szene in der Pressbox ist von feinsinniger Komik. Nicht nur, weil man zu jener Zeit noch laut rufen durfte: "No women in the pressbox!", sondern weil Tracy der Dame die Grundzüge der Baseballregeln zu erklären versucht. Bei den A's dürfte es sich übrigens um die Philadelphia Athletics handeln, die zu den Gründungsmitgliedern der American League gehörten und später abwanderten (1955 nach Kansas City und dann 1968 weiter nach Oakland).

Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"

30. Oktober 2009

Wenn Dummheit bestraft wird

Es ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen, worüber sich Kerry J. Byrne eigentlich beschwert. Da listet er zuerst in einem ellenlangen Artikel eine Reihe von statistischen Auffälligkeiten auf, die allesamt einen eindeutigen Trend bestätigen: Dass die 32 Clubs der National Football League in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zerfallen und dass die oft geäußerte Behauptung der Liga-Führung, man habe Ausgewogenheit ("parity") und Chancengleichheit in der NFL pure Propaganda ist. Und dann beschließt er diesen Beitrag mit der Feststellung, dass das gegenwärtige Regularium mit seinen strengen Salary-Cap-Regeln, den nicht garantierten Verträgen und einer ernormen Mobilität unter den Trainern und Spielern diesen Effekt hat: "Die NFL hat ein System geschaffen, das gut gemanagte Teams belohnt und schlecht gemanagte Teams bestraft. Die Colts, Patriots und Steelers verfeinern weiterhin jahrein, jahraus und eine erfolgreiche Saison nach der anderen dieses System. Die Browns, Lions und Teams (wie zuletzt) die Redskins machen Fehler bei ihren verzweifelten Entscheidungen abseits vom Spiefeld, die dafür sorgen, dass sie auf dem Platz nicht mithalten können."

Was genau ist daran so verwerflich, dass Dummheit für Misserfolg sorgt und Intelligenz für Super-Bowl-Siege? Nun Mr. Byrne sagt es uns: Früher hätten auch die schlecht geführten Clubs zwischendurch eine Chance gehabt, wenn sie kurzfristig viel Geld in die Mannschaft pumpten. Geld sei "der große Gleichmacher".

Wenn man so etwas unter der Rubrikenüberschrift Cold Hard Football Facts auf der Seite von Sports Illustrated liest, runzelt man erst mal die Stirn. Das Blatt, in dem einst Dr. Z. für die Auswertung der harten Fakten zuständig war und Peter King jeden Stein (und seinen schwergewichtigen Korpus) in Bewegung setzt, um den Lesern erhellende Informationen zu liefern, ist jetzt auch eine Anlaufstelle für Dummschwätzer?

Zunächst ist die Beobachtung, dass Denver, New England, Indianapolis und Pittsburgh in den letzten Jahren die NFL dominiert haben, nicht von der Hand zu weisen. Wobei wir aus New England wissen, dass man das geschafft hat, obwohl man ständig gute Spieler und Trainer ziehen lassen musste. Es ist auch richtig, dass Mannschaften wie Denver, Indianapolis und New Orleans in diesem Jahr ein Kunststück fertig gebracht haben, das es noch nicht gab. Drei Mannschaften, die nach sieben Spieltagen ungeschlagen sind.

Wer New Orleans sagt, sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass diese Mannschaft einst weder mit viel Geld noch mit guten Worten irgendetwas Bemerkenswertes auf die Beine stellen konnte. Sie war das, was die Lions heute sind: abgrundtief schlecht. In sofern kam hier parity zum Tragen. Auch die Arizona Cardinals, die im Februar zum ersten Mal den Super Bowl erreichen konnten, waren früher einfach nur eine Fußmatte für die anderen Clubs. Zur Zeit muss man mit ihnen rechnen.

Erstes Fazit: Wer parity nur an einer Handvoll von Teams misst, die Super Bowls gewinnen, hat keinen Blick fürs große Ganze.

Zweitens: Wer die Tatsache ignoriert, dass die NFL mit 32 Mannschaften, aber nur 16 Spieltagen einen hochgradig manipulierten Spielplan hat, der versteht nicht das kleine Einmaleins der Tabelle. Gute Mannschaften haben nicht nur Erfolg, weil sie gut gemanagt werden, sondern, weil sie im Schnitt leichtere Gegner haben. Pittsburgh trägt vier Spiele pro Saison gegen die Cleveland Browns und die Cinicinnati Bengals aus. Das waren zuletzt Spaziergänge. New England hat im Osten der AFC mit Buffalo und Miami und den Jets zu tun. Auch das waren Aufbauprogramme und keine Leistungstests.

Drittens: Eine Liga mit 32 Teams und mithin 1600 Footballprofis kann nicht auf ewige Zeiten davon ausgehen, dass sie genug gute Spieler anlocken kann. Die Expansion der Liga hat zwangsläufig für eine Ausdünnung der Leistungsdecke gesorgt. Die NHL konnte das gleiche Problem mit dem Import von hochtalentierten Eishockeyspielern aus Europa kompensieren. Auch die NBA vertritt eine Politik der offenen Tür. Major League Baseball holt sich mittlerweile einen erheblichen Teil des Nachwuchs aus der Karibik und lockte gute Japaner an. Welches Reservoir hat die NFL? Den Collegesport in den USA. Trainer und Scouts, die in einer solchen Landschaft die Spieler mit Potenzial und Lernbereitschaft erspähen, erarbeiten sich selbstverständlich auf diese Weise sehr viel leichter ein Fundament für Erfolg. Die Leute mit Tomaten auf den Augen werden als das entlarvt, was sie sind: blind.

Was sollte daran falsch sein?

19. Oktober 2009

Der Roboter schreibt die Spielberichte

Studenten vom Intelligent Information Laboratory der Northwestern University in der Nähe von Chicago ist etwas gelungen, was außergewöhnlich klingt, worüber man sich aber eigentlich gar nicht wundern sollte: Sie haben ein Programm entwickelt, das journalistische Spielberichte von Baseball-Begegnungen schreibt und die Reporter arbeitslos macht. Man gibt einfach nur während des Matches alle statistischen Details ein (und das sind in der statistikverliebten Welt des Baseball ziemlich viele) und drückt am Ende auf eine Taste, die aus dem Material einen lesbaren Text verfertigt. Lesbar und durchaus sinnig geschrieben, wirkt das Resultat, wie die New York Times berichtet. Was daran liegt, dass die Beschreibung von repetitivem Sportgeschehen auch in den Köpfen von klassischen Sportjournalisten mit Hilfe von irgendwelchen Baukastenschemata passiert. Gewinner und Verlierer, Favorit und Außenseiter, Erwartungen und Überraschungen – die Denkschablonen, die man braucht, um das geistig in den Griff zu bekommen, sind gar nicht so vielfältig. Man kann sich leicht vorstellen, dass das System auf fast alle Sportarten anzuwenden ist. Auch auf Fußball, dessen Free-Flow-Dynamik in Agenturberichten auf Kernauskünfte reduziert wird, die – angereichert – um ein paar Zitate von Trainern und Spielern, ebenso austauschbar werden wie in datendefinierten Sportarten. Wann das ganze in die Praxis vor allem der Agenturarbeit, weiß noch keiner. Nur soviel steht fest: Es wird kommen. Der Kostendruck in den Medien wird dafür sorgen.

9. Oktober 2009

Neuer Podcast: Die besten Sportspielfilme


Podcast Nummer zwei ist im Kasten. Diesmal geht es um Kinofilme, die mit ihren Geschichten um Figuren aus dem Sportmilieu kreisen. Genauer gesagt: Es geht um die Glanzlichter des Genres. Interviewgast ist Carsten Elleszus, der unter dem Namen tumulder den lesenswerten Blog Zeitverschwender betreibt. Bei ihm geht es um Film, Musik und Schalke. Allerdings nicht immer in dieser Reihenfolge. Seine Kritiken sind ausführlich und bieten Stoff für eine kluge Auseinandersetzung mit einem emotionalen Material, das Sportspielfilme nun einmal sind. Denn sie wandern auf einem schmalen Grat zwischen heroisierendem Kitsch und distanzierter Sympathie, zwischen konventionellen Liebe-Triebe-Hiebe-Plots und einem Auge für eine glaubwürdige Darstellung der jeweiligen Sportart.

Eines der Probleme ist: Die meisten Filme werden in der Illusionsmaschine Hollywood produziert. Was bedeutet, dass sie von Geldgebern finanziert werden, denen mehr an formelhaftem und klischiertem Kino liegt als an eigenständigen, pointierten Produkten von Autoren, die auf der großen Leinwand vielleicht nicht den großen visuellen Punch besitzen, aber viele kleine Momente, die stimmen.

Trotzdem sind in Hollywood immer wieder bemerkenswerte Sportspielfilme entstanden. Von denen haben die besten oft allerdings diesen einen Haken: Weil sie sich mit einem Milieu wie Baseball oder Football beschäftigen, fehlt den Zuschauern in Europa die Beziehung zum Kern der Sache. So wirkt denn auch für viele Kinofans in Deutschland eine Rangliste wie die des American Film Institute – abgesehen von den beiden Topfilmen Raging Bull und Rocky mit ihren Boxer-Stories – eher mysteriös. Obendrein wurden von den im Rahmen einer Umfrage zu Wort gebetenen Drehbuchautoren, Kameraleuten, Regisseuren und Schauspielern Filme aus dem nicht-amerikanischen Teil der Kinowelt komplett ignoriert.

Wer sich wirklich einen Überblick verschaffen will, der wird spätestens beim Blick auf diese Wikipedia-Seite die Stirn in Falten legen. Hunderte von Titeln gibt es, und zig Sportarten sind vertreten. Auch Fußball. Bei sportwissenschafen.info kann man sich weiter in die Materie einlesen. Deren Verzeichnis umfasst sogar Kurzfilme.

Carsten a.k.a. tumulder ist da vielleicht sogar die etwas bessere Quelle. Denn er liefert im Blog auch die Antwort auf die Frage: Wie ordnet man die einzelnen Filme ein? Er hat ein Bewertungssystem mit maximal zehn Punkten eingeführt und pflegt seine Ansprüche. Selbst die unumstrittenen Klassiker müssen froh sein, wenn sie bei ihm neun Punkte bekommen.

Und weil er sich auskennt, während sich unsereins sich nur punktuell mit dem Thema beschäftigt, soll es in diesem Podcast in erster Linie um seine Einschätzungen gehen. Ganz nach dem Konzept dieses Formats. Denn der American Arena Podcast ist keine Videobude für Monologe eines Kappeskopps mit Mikrofon vorm Bauch noch soll er ein Debattierclub werden. Er soll anregen und informieren.

Obwohl: Meinungen und Kommentare – sei es hier im Blog oder auf YouTube Dailymotion – sind selbstverständlich hochwillkommen. Zum Beispiel zu der Frage: Wie esoterisch ist diese Auswahl und sind die dazugehörigen Ausschnitte aus den Filmen?

Selbstverständlich haben Carsten und ich uns ausführlicher über dieses breit gefächerte Thema unterhalten, als sich dies in einem Video in dem von YouTube Dailymotion vorprogrammierten Zeitfenster von maximal zehn Minuten einfangen lässt. Was am Ende im Video unter den Tisch fiel, war unter anderem unser Gedankenaustausch zu Bull Durham, dem 1988 entstandenen Drehbuch- und Regie-Debüt des ehemaligen Baseballprofis Ron Shelton (mein Lieblingsfilm in dieser Kategorie). Und sein und mein Lamento über das hässliche Häkeldeckchen aus Zelluloid aus deutscher Produktion – Das Wunder von Bern. (tumulder: "Das ist ein fürchterlicher Film, kitschig in jedem Fall. Er kommt mir so vor, als ob er aus einem Baukastensystem entstanden ist.")

Blick zurück: Der erste Podcast – "Baseball zieht in den Krieg" war der Auslöser für eine Leserdebatte auf zeitonline über den Wert oder Unwert von Werbevideos, die sich martialischen Symbole der Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu eigen machen. Titel: "Darf Werbung alle Waffen einsetzen?" Die Kommentare im Blog von Gesprächspartner Philip Würfel auf MLB-Insider.de beschäftigen sich mehr mit der Stimm-Performance der beiden Podcast-Protagonisten.

P. S. Vielleicht an dieser Stelle noch ein Hinweis auf ein anderes, sehr vielversprechendes Podcast-Projekt: Am Dienstag erschien die fünfte Ausgabe jener Fußball-Blogger-Gemeinschaftsarbeit, die bislang noch unter dem Arbeitstitel Nullnummer firmiert. Die Themen: Die Lage bei Hertha BSC und Bayern München sowie ein Ausblick auf das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Russland. Die Drähte laufen alle zwei Wochen in der Münchner Küche von probek zusammen, der zu den Initiatoren gehört. Weil er gewöhnlich als Moderator mit seinem Lieblingsthema – dem FCB – zu kurz kommt, wurden diesmal die Rollen verteilt. Er wurde interviewt. Die Produktionsweise des Podcasts ist übrigens bemerkenswert. So läuft während der Aufnahmesession über UStream das Live-Videobild aus der Küche übers Internet, während die Mitwirkenden aus den anderen Städten parallel in einem Chat-Room versammelt sind und nicht nur miteinander, sondern auch mit probek kommunizieren. Gemischt wird in Hamburg von dogfood, der bei der Gelegenheit die Musik einbaut. Wann die Stützräder abgenommen werden und das Ganze auch tontechnisch in der oberen Liga spielt, steht noch nicht fest. Die Trainingsphase geht zunächst noch weiter.

1. Oktober 2009

Die Ankündigung des Jahres


Wären wir beim Tennis würde es vielleicht eine Kommission geben, die ernsthaft herausfinden möchte, ob da irgendetwas manipuliert wurde. Aber da wir beim Baseball in den USA sind, geht man mit solchen Vorfällen nach guter alter Art eher folkloristisch und humorvoll um. So wie bei einem Hole-in-One beim Golf.

Wenn ein Ex-Profi wie Mike Blowers vor einem Spiel der Seattle Mariners voraussagt, dass ein soeben von der Minor League hochgeholter Spieler in seinem ersten Spiel bei seinem zweiten Auftritt am Schlag bei einem 3:1 Pitch-Count einen Home Run in die linke Zone und dort in die zweite Etage der Zuschauertribüne drischt, und genau das eintrifft, dann verneigen sich die naiven Fans vor soviel Prognosen-Glück. Skepsis? Nicht beim Baseball. Aber schauen wir doch einfach der Kommentatorin Rachel Maddow zu, die sich normalerweise um die hohe Washingtoner Politik kümmert und alles kritisch hinterfragt, einfach mal dabei zu, wie sie so etwas feiert. Wie ein kleines Kind.

20. September 2009

Podcast-Premiere: "Baseball zieht in den Krieg"


In Europa läuft zur Zeit eine bemerkenswerte Veranstaltung, die in mehreren Ländern parallel stattfindet und in der ersten Phase unter anderem in Regensburg Station machte: Der World Cup 2009 der IBAF – die Baseball-Weltmeisterschaft. Das Kürzel steht für den Internationalen Baseballverband, der gemerkt hat, dass man das stark wachsende Interesse an der Sportart östlich vom Atlantik vor allem dann weiter anschieben kann, wenn man dem Publikum das ganze Spektrum bietet: Spieler aus den Hochburgen und Talentschmieden und aus den aufstrebenden Baseball-Ländern. Angereichert mit einer Prise Nationalstolz.

Bei dem Versuch, den Zuschauern den World Cup schmackhaft zu machen, sind die Produzenten eines Werbevideos in Italien, wo das Finale stattfindet, jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie inszenierten in Anspielung an eine der blutigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Italien eine Landeoperation für die Kamera. Die Baseballspieler kommen vom Meer und stürmen – nur mit Baseballschlägern bewaffnet – den mit Panzersperren und Stracheldraht übersäten Strand. Vermutlich haben sich die Macher an der Auftaktsequenz des Films Saving Private Ryan (deutscher Titel: Der Soldat James Ryan, spielt in der Normandie) orientiert und fanden das militaristische Sujet irgendwie passend (hergestellt von der italienischen Werbeagentur Link, Regisseur Mauro Mancini).

Tatsächlich ist die Darstellung nichts anderes als eine Verhöhnung all jener, die von ihren Generälen in den Kugelhagel geschickt wurden, um das von den Nazis besetzte Europa zu befreien. Die Webseite The Daily Tube meinte über den Missgriff, bei dem am Ende im Stile der Reality-TV-Serie Survivor ein Baseball-Schläger als Fackel über dem leeren Strand lodert, das Video zeige "eine generelle Unfähigkeit".

Der eingeblendete englische Text am Anfang des Videos lautet:
"Am 22. Januar 1944 landeten 36.000 Soldaten an der italienischen Küste zwischen Anzio und Nettuno südlich von Rom. Sie wurden in eine der berühmtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In diesem Jahr machen sich Wettkämpfer aus allen Teilen der Welt bereit, über dasselbe Feld der Ehre zu laufen."

Die historischen Fakten: Die Landeoperation, an der auf alliierter Seite Truppen aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt waren, wurde vor allem deshalb berühmt, weil sie als abschreckendes Beispiel für einen militärischen Fehlschlag gilt. Sie führte zu monatelangen Gefechten auf engstem Raum und kostete auf beiden Seiten knapp 10.000 Soldaten das Leben. Die Zahl der Verwundeten lag bei über 30.000.

Es geht auch anders, wie ein zweiter Werbefilm aus dem gleichen Haus zum gleichen Anlass zeigt: Hier ließ man sich von einem der erfolgreichsten Baseballfilme aller Zeiten inspirieren: Field of Dreams (Feld der Träume, Hauptrolle Kevin Costner), der in den Maisfeldern von Iowa spielt und die Sportart und einen ihrer Traditionsclubs mythologisiert.

Über beide Videos und den Baseball World Cup (der noch bis Ende September läuft) geht es im ersten America-Arena-Podcast. Gesprächspartner ist der deutsche Baseball-Journalist Philipp Würfel, der unter anderem für die Webseite Mister Baseball und den MLB Insider schreibt.

Den Podcast wird es von jetzt ab regelmäßig geben – zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Anlässen. Ziel ist nicht, einfach nur geschriebene Texte zu vertonen oder zu bebildern, sondern die vielen technischen Möglichkeiten da zu nutzen, wo sie sich anbieten: um Impressionen und Atmosphären einzufangen, wie man sie sonst nur aus dem Radio oder dem Fernsehen kennt. Der inhaltliche Anspruch? Alles aus dem weiten Feld der Themen, die American Arena seit den Anfängen abdeckt.

Feedback? Sehr willkommen.

P. S. Zu einem gewissen Grad geht die Inspiration zu diesem Podcast auf die ambitionierte und vielversprechende Arbeit einer Gruppe von Fußballbloggern in Deutschland zurück, die soeben – noch immer im Stadium des Experimentierens (deshalb auch der Arbeitstitel Nullnummer) die vierte Ausgabe aufgenommen hat. Diesmal auch mit einem kleinen Beitrag von dieser Stelle aus. Federführend ist probek in München, der am Montag übrigens zum ersten Mal im Alleingang eine Produktion gefahren hat und das hervorragend hinbekommen hat. Zu seinem Live-Mitschnitt in seiner Küche schalten sich regelmäßig Blogger aus anderen Städten über einen parallel laufenden Chat ein. Die Mitstreiter wiederum können die Studioarbeit über Stream live im Netz per Video verfolgen. Auf probeks Blog laufen auch die Kommentare ein. Reinhören lohnt sich.

16. September 2009

Patriotismus im Sportstadion: Aufstehen, bitte

Vorsorgliche Warnung an alle Amerika-Besucher, die auf ihrer Reise die eine oder andere Sportveranstaltung besuchen wollen. Man kann aus Stadien und Hallen geworfen werden, wenn man während des Abspielens der Nationalhymne (am Anfang) oder der patriotischen Weise God Bless America (meistens irgendwann zwischendurch) aus welchen Gründen auch immer nicht aufsteht. Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Natürlich stellt sich bei so etwas immer die Frage: Haben Veranstalter überhaupt das Recht, einem Ticketzahler solches Verhalten aufzunötigen? Vermutlich nicht. Weshalb auch zur Zeit drei Jugendliche einen Minor-League-Baseball-Club in Newark/New Jersey verklagen, dessen Chef sie exakt solches vorwerfen. Das Problem: Der bestreitet die Vorwürfe. Also müssen die Teenager erst einmal nachweisen, dass die Geschichte so abgelaufen ist, wie sie behaupten. Persönliche Anmerkung: Wundern würde es mich nicht, wenn die Version der jungen Herren den Fakten entspricht. Siehe oben: Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Da nützt es nichts, dass der sehr geschätzte Woody Guthrie God Bless America kritisierte und als Reaktion darauf This Land Is Your Land schrieb (und es zunächst God Blessed America For Me nannte).

Falls jemand wissen möchte, wie das Lied von Irving Berlin aus dem Jahre 1938 klingt, wenn es eine Kanadierin mit öligem blechernem Timbre singt:

21. August 2009

Wo bleibt die Fußball-Europa-Liga?

Drüben bei allsaussersport lief in dieser Woche in den Kommentaren ein Gedankenaustausch über den Sinn von solchen amerikanischen Erfindungen wie Draft, Salary Cap, Luxussteuer und Kadergrenzen, die alle dazu dienen, zwischen den Clubs in den einzelnen Ligen so etwas wie Chancengleichheit herzustellen. Der Auslöser dort waren die extremen Marktverzerrungen, die sich quer über den europäischen Kontinent im Rahmen der Champions League abspielen. Mal abgesehen davon, dass es schweriger ist, die Repräsentanten aus unterschiedlichen Ländern mit dem ihnen eigenen gewissen patriotischen Bedürfnissen unter einen Hut zu bekommen als in den USA, wo man quasi intern die Weichen stellen kann (die Kanadier in der NBA, der NHL und Major League Baseball haben nicht mal so etwas wie ein Vetorecht): Eine Neuorientierung tut not. Wenn schon der schwerreiche Silvio Berlusconi stöhnt und wenn man sieht, auf welchen Luftschlössern die Clubs in der Premier League herumturnen und wenn man darüber hinaus erkennt, dass nur eine kleine Gruppe von Mannschaften überhaupt ganz oben mitmischen, dann weiß man: Das geht nicht mehr so weiter.

Im Grunde steht der europäische Clubfußball an einer Schwelle wie der deutsche Vereinsfußball Ende der fünfziger Jahre, als man wie gewohnt den Meister in einem hübschen, kleinen Turnier ausspielte, zu dem die Tabellenersten der damals Oberliga genannten höchsten Spielklassen Zutritt hatten. Die logische Entwicklung heraus aus dieser überkommenen Vorstellung von einem regionalisierten und föderalen Profisport (damals noch schlecht bezahlt) war die Bundesliga, die mit 16 Vereinen an den Start ging und zunächst den Modus der Aufstiegsrunde beibehielt, der dem alten Meisterschaftsturnier ähnelte.

Die neue Liga hatte ihre Kinderkrankheiten (die sich in dem ersten großen Bestechungsskandal manifestierte, der mit Namen wie Bernd Patzke und dem Hertha BSC verbunden ist). Aber sie brachte auch einen Schub. Man könnte so weit gehen und sagen: Die Nationalmannschaften von 1966 (die sich mühevoll qualifizierte, aber dann in England einen erstklassigen Ball spielte) über 1970 (ich sage nur "Spiel des Jahrhunderts") bis 1974 (Weltmeister) waren das Nebenresultat dieser neuen Eliteliga. Man denke nur an die Zeit, als der damalige Bundestrainer Helmut Schön aus zwei Spielerblöcken mit Leuten von Bayern München und Borussia Mönchengladbach das Grundgerüst formte. Das war schlicht und formschön zugleich.

Wenn sich heute jemand über die Zukunft des Elitefußballs in Europa Gedanken machen will, dann sollte er den gegenwärtigen Modus vergessen und ein neues Stockwerk obendrauf setzen. Was fehlt ist eine Europa-Liga mit etwa 20 oder 22 Clubs, die sich ständig auf diesem Niveau messen und sich am Ende auch das Geld reinschieben, das auf dieser Plattform zu verdienen ist. Eine solche Liga kann Vereinbarungen treffen, die den amerikanischen Modellen ähneln (manches geht nicht, weil zum Beispiel das Arbeitsrecht dagegen steht) und die davongaloppierenden Gehaltskosten eindeckeln. Aber sie kann noch etwas anderes tun: Einer Liga wie der Bundesliga diese auf Bayern München fixierte Dauerkonstellation nehmen, die der sportlichen Qualität nichts bringt. München würde in der Europaliga spielen (bis sie absteigen), wo auch noch Platz sein sollte für einen zweiten deutschen Club. Und der Rest würde sich in einem wirtschaftlichen adäquaten Rahmen um die Aufstiegsmöglichkeiten bemühen. Am liebsten in einem Turnierformat, das dem jetzigen Champions-League-Wettbewerb ähnelt und sich über eine ganze Saison hinzieht. Das böte den Aufstrebern einen beachtlichen finanziellen Anreiz und ein illlustres Gegengewicht zum Liga-Alltag ganz oben.

Wer die Idee einer Europa-Liga mag, darf gerne in den Kommentaren seine Clubliste posten. Wer etwas einwenden möchte, darf sich ebenso ausführlich zu Wort melden. Ich denke, diese Diskussion ist überfällig.

18. August 2009

Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken

Die Kanadier hatten enorme Schwierigkeiten, ein Trikot für ihre Olympia-Eishockeynationalmannschaft zu entwerfen. Es gab fünf Versuche. Und das obwohl man in Kanada normalerweise nur mit zwei Farben und einem Symbol (dem Ahornblatt) arbeitet. Das IOC will außen drauf keine Logos der Hersteller mehr sehen. Da will man als Veranstalterland natürlich nicht unangenehm auffallen. Trotzdem wird in Geschichten über solche Dinge gerne der Name der Firma genannt, die die Produkte herstellt. Das muss an Werbung reichen.

• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...

ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).

• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.

14. August 2009

Olympia: Golf und Rugby eine Runde weiter

Die Zeitung, die als erste darüber berichtete, wie das IOC-Exekutivkomitee in Sachen neue Sportarten für Olympia 2016 tickt, hat jetzt die – erwarteten – Reaktionen zusammengestellt. Wer drin ist (Frauenboxen) oder Chancen hat, reinzukommen (Golf oder Rugby), ist begeistert. Selbst Tiger Woods will 2016 mitmachen. Die Leute, denen die Tür vor der Nase zugeschlagen wurden, haben Katerstimmung.

Noch ein bisschen breiter und vor allem gründlicher kann man sich zum Ablauf des Entscheidungsverfahrens bei Jens Weinreich einlesen. Ich zitiere:

"Nach einem jahrlangen Ringen der sieben Weltverbände, nach einer viele Millionen Dollar teuren PR-Kampagne, lag es also in der Macht von vierzehn IOC-Vorständlern, über die Zukunft ganzer Sportler-Generationen zu entscheiden. Hochinteressant dabei, dass Golf, oft als Sport der alten Männer verspottet, in den ersten beiden Wahlgängen nur eine Stimme erhielt. Rugby setzte sich schnell durch, eliminiert wurden dann in dieser Reihenfolge: Inlineskating, Squash, Baseball, Karate, Softball - bis Golf als zweiter Sieger übrig blieb."

9. August 2009

Golf oder Rugby: Wer wird olympisch?

Es gibt Spekulationen darüber, welche Sportarten als nächstes in die Liste der olympischen Disziplinen aufgenommen werden. Wir erinnern uns: Zunächst hatte das IOC Baseball und Softball gestrichen und dadurch wieder Platz geschaffen. Natürlich würden vor allem die Amerikaner am liebsten ihre beiden Ziehkinder wieder aufgenommen wissen. Aber es sieht statt dessen danach aus, dass das Vorauswahlkomitee, das am Donnerstag die Aspiranten auf zwei reduziert, sich für Golf und Rugby entscheiden wird. Als Golfspieler und Mensch mit einer beträchtlichen Zuneigung für das Geschäft der Profis fällt mir dazu nur ein: Etwas Alberneres als Golf bei Olympia kann ich mir nicht vorstellen. Die Sportart produziert weltberühmte, wohlhabende Repräsentanten, die regelmäßig auf den schwersten Plätzen der Welt spielen. Sie haben eine Weltrangliste, die als Qualifikationskriterium für die wichtigen Turniere fungiert. Ein Ryder Cup und einen Presidents Cup, in dem die besten in Mannschaftsformaten aufeinander treffen. Es gibt sogar ein Turnier mit jeweils zwei Abgesandten eines Landes. Und bei jeder Gelegenheit stehen Fernsehkameras bereit und Leute mit dicken Schecks. Was hat der Golfsport von einer Teilnahme bei Olympia außer dichtes Gedränge im Kalender? Nichts. Was hat Olympia von einer Teilnahme von Golfern? Nicht viel mehr. Wer von den Leuten, die sich nicht für Golf interessieren, wird sich vier Stunden lange Live-Übertragungen vom Geschehen anschauen? Kaum jemand. Golf ist mangels kämpferischer, spannender Aktion keine Fernsehsportart im eigentlichen Sinne, sondern nur etwas für Afficionados. Aber es ist zu befürchten, dass sich Golf durchsetzt. Erstens, um das amerikanische Olympia-Publikum und amerikanische Sponsoren bei der Stange zu halten. Und zweitens weil das Flair der Sportart die um die Zukunft der Spiele besorgten IOC-Mitglieder dazu verführen wird, sich für Golf zu entscheiden. Leider.

Zumal die Rugby-Initiative einen absurden Zuschnitt hat. Man würde bei den Olympischen mit Siebener-Teams antreten anstatt mit 15 Spielern pro Team (Rugby Union) oder mit 13 (Rugby League). Das soll angeblich besser für die Zuschauer sein. Wer kommt eigentlich immer auf solche Ideen? Warum sollte man jahrhundertealte Sportarten mit Millionen von Fans auf der ganzen Welt auf eine solche hohlstirnige Art und Weise um ihr Kernkonzept bringen? Kommt jetzt demnächst Ski alpin auf einem Brett? Fußball als Tipp-Kick-Version? Oder Mini-Golf?

4. August 2009

US-Fußballer wollen mehr Geld

Das Fußvolk der Spieler in Major League Soccer hat lange genug still gehalten und die Verzerrungen akzeptiert, die sich in der Gehaltslandschaft der Liga etabliert haben. Aber der alte Tarifvertrag läuft aus. Weshalb sich allmählich klare Fronten in einer Auseinandersetzung entwickeln, die in anderen Ligen (auch dank gerichtlicher Entscheidungen) längst geklärt waren. Die amerikanischen Kicker wollen Free Agency und garantierte Verträge haben. Das beste Druckmittel, das sie haben, ist gar nicht mal, mit einem Streik zu drohen. Das geht inzwischen viel eleganter, nachdem europäische Clubs erkannt haben, wie preisgünstig und ehrgeizig die jungen Amerikaner sind. Sollte MLS die Spieler im Rahmen eines Tarifstreits aussperren, wären sicher nicht mal Transferzahlungen fällig, um sich die Rechte der Kandidaten zu sichern.

Was am Ende bei einem Konflikt herauskommt, lässt sich schwer abschätzen. Es wäre keine Überraschung, wenn die Gewerkschaft zunächst einmal die Sache mit den garantierten Verträgen durchdrückt (etwas was zum Beispiel in der NBA und in Major League Baseball gibt, nicht jedoch in der NFL). Denn gegen einen solchen Fortschritt werden sich vermutlich die Clubeigentümer nicht sträuben, wenn sie sehen, dass sich auf dem internationalen Transfermarkt trotzdem gutes Geld mit den Spielern verdienen lässt (Kenny Cooper ging jetzt für rund eine Million Dollar zu TSV 1860 München, was knapp der Hälfte des Gehaltsbudgets der gesamten Mannschaft entspricht).

2. August 2009

Baseball-Gewerkschaft: Veröffentlichung der Doper-Namen "ein Verbrechen"

Der Manager der Chicago White Sox hatte neulich eine gute Idee: Veröffentlicht doch endlich alle Namen auf der "dummen Liste" der im Jahr 2003 positiv getesteten Baseball-Profis. "Das ist lächerlich", sagte Ozzie Guillen, nachdem die Namen David Ortiz und Manny Ramirez bekannt geworden war. "Das ist beschämend, das ist ein Witz. Wer drauf steht, steht drauf. Mach die Namen bekannt und Schluss damit."

Ein guter Gedanke. Aber so schnell wird das wohl nicht passieren. Die Spielergewerkschaft, die die Akten mit den Namen verwaltet hatte, die von der Staatsanwaltschaft im Barry-Bonds-Meineidprozess beschlagnahmt wurde, hat eine andere Idee: Warum nicht Reporter Michael S. Schmidt und die New York Times verklagen? Das sei kriminell, was die Zeitung da mache. Einfach Informationen zu veröffentlichen, die sie sich besorgt habe, damit muss jetzt Schluss sein.

"Das Heraussickern von Informationen, die ein Gericht zur Verschlusssache erklärt hat, ist ein Verbrechen", erklärte die Arbeitnehmer-Organisation, deren Mitglieder im Schnitt 3,2 Millionen Dollar brutto im Jahr verdienen, in einer Stellungnahme. "Das aktive Bestreben, Informationen zu erhalten, die auf legale Weise nicht veröffentlicht werden dürfen, weil sie von einem Gericht zur Verschlusssache erklärt wurden, ist ein Verbrechen. Dass die Informanten nach Angaben der Times Rechtsanwälte sind, ist zugleich schockierend und traurig."

Vermutlich wäre nach dieser Rechtsauffassung auch das Schreiben über die Beschwerde der Gewerkschaft
ein Verbrechen, denn es zwingt einen dazu, die Recherchen der New York Times zu zitieren. Aber diesen Vorwurf hat man am Freitag nicht erhoben, als man die entsprechende Presseerklärung herausgab. Sonst hätte ja niemand darüber berichtet. Und das wollte Donald Fehr sicher überhaupt nicht.

Eine solche massive Drohung an die Adresse von Journalisten ist übrigens nicht neu. Rund um den BALCO-Skandal wurde zwei Journalisten des San Francisco Chronicle zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie die Quellen für die Informationen in ihrem Buch – unter Verschluss gehaltene Protokolle von staatanwaltschaftlichen Vernehmungen – nicht preis geben wollten. Die Angelegenheit wurde schließlich niedergeschlagen, nachdem sich ein Anwalt als Informant geoutet hatte und bestraft wurde.