11. Oktober 2007

Steuerzahler subventionieren die Sport-Millionäre im großen Stil

Das eine ist die Einsicht, ist der Verstand, ist die Logik, ist Recherche, ist...ein ungetrübter Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von kommerziellem Sport. Das andere ist das Spiel, das die Betreiber von Ligen und Clubs um solche Dinge spielen wie Loyalität, Ortsverbundenheit und mit der Behauptung garnieren: Major-League-Sport sei eine Lokomotive für eine Stadt oder zumindest den heruntergekommenden Teil, in dem eine neue Halle oder Stadion gebaut werden soll. Denn basierend auf dieser Behauptung werden Steuerzahler und Lokalpolitiker immer wieder dazu gebracht, diese teuren Immobilien zu errichten und damit bedroht, das Team werde andernfalls woandershin verpflanzt. Wer am Ende wirklich verdient, sind die Clubeigentümer und vor allem die Sportler, deren Gehälter auch deshalb in dne letzten Jahren massiv gestiegen sind.

Aber lassen wir jemanden zu Wort kommen, die das ganze genauer studiert hat: die Harvard-Professorin Judith Grant Long. Sie hat ermittelt, dass zwischen 1990 und 2006 die öffentliche Hand in den USA zusammen rund 12 Milliarden Dollar in den Bau von Arenen investiert hat. Wobei das die geschönte Zahl ist. Wenn man wirklich alles einrechnet, kommt man auf 18,5 Milliarden und auf dieses Fazit: "Es gibt absolut keine Indizien dafür, dass seit 1990 18,5 Milliarden Dollar als Ertrag für die öffentliche Hand herausgesprungen sind, um den Betrag wett zu machen." Mit anderen Worten: die amerikanischen Steuerzahler subventionieren Unternehmen der Entertainment-Industrie, obwohl die gesamte Politik darauf ausgerichtet ist, möglichst gar nichts zu subventionieren - schon gar nicht den Kulturbetrieb, der ja vielleicht noch einen produktiven Beitrag für den gesellschaftlichen Hormonhaushalt leisten würde.

Die Gegenmaßnahme aus Sicht des Kongresses, wo das Thema auftauchte: Man verbietet die mündelsicheren Schuldverschreibungen, die Städte, Counties etc. für solche Zwecke aufnehmen. Das bringt das auf Pump ausgelegt Finanzierungskonzept durcheinander. Ob es an der Situation etwas ändert, lassen wir mal dahingestellt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Grundsätzlich ist das richtig, gilt aber so vor allem für Amerika. Dort geht es ja tatsächlich um Franchises im wahrsten Sinne des Wortes. Wechsel des Unternehmenssitzes immer als Drohgebärde inpetto.

In Deutschland ist es noch ein bisschen anders. Da bleibt der Verein wo er ist, Stadt und Club sind auf Gedeih und Verderb aneinander gebunden.

Wenn hierzulande eine Investition erfolgt, kann man sich zumindest sicher sein, dass diese langfristig ist.

Und es ist keine bundesweite Rechnung, sondern es geht um Standortvorteile. Eine Stadt wie Mönchengladbach hat so gar nichts anderes von nationalem Ruf zu bieten als die Borussia. Deswegen ist klar, dass der Lokalpolitik es einiges wert ist, diesen Werbefaktor aufrechtzuerhalten.

Ebendies kann man auch in Zahlen runterrechnen. Und da sind einige Millionen auf 20 oder 30 Jahre nicht mehr soviel.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Das Problem ist nicht, dass eine Kommune das Geld für den Bau vorstreckt und dann über die Miete an den Club im Verlauf von 20 oder 30 Jahren wieder hereinholt. Das wäre eine akzeptable Lösung, zumal solche Bauten auch noch für andere Zwecke genutzt werden können - sei es ein Kirchentag oder ein Rockkonzert. In den USA zahlen die Clubs aber fast immer so wenig, dass die öffentliche Hand am Ende zuschustert. Das Argument, das dagegen von den Clubs zu Felde geführt wird: Wir schaffen durch unsere Spiele Arbeitsplätze (in den Arenen) und wirtschaftliche Aktivität. Das Argument ist pure Propaganda. Das Geld wird einfach nur aus anderen Bereichen des Freizeitbetreibes einer Stadt umgelenkt. Es entsteht kein Mehr an wirtschaftlicher Aktivität. Abgesehen davon sind auch Betriebe in anderen prosperierenden Wirtschaftszweigen in der Lage, ihr Geschäft ohne Subventionen durchzuführen und Geld zu verdienen. Sportclubs könnten das auch. Sie müssten nur ihren Spielern weniger zahlen. Die Durchshcnittsgehälter in den wichtigsten Ligen der vier Sportarten Baseball, Basketball, Football und Eishockey liegen bei weit über einer Million Dollar im Jahr. Das soll der Steuerzahler unterstützen?