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21. Dezember 2007

ESPN: Die Zuschauer wandern ab

Während ESPN in Europa ganz, ganz langsam in Schwung kommt, steht der Sender in den USA (Eigenwerbung: "Worldwide Leader in Sports") vor einem Problem: Die Einschaltquoten für die Abendsendungen ("Prime Time") sind in diesem Jahr um 10,2 Prozent gesunken. Das Zuschauerminus umgelegt auf den ganzen Tag beträgt 5 Prozent. Solche Zahlen signalisieren keine Zufallsresultate, sie signalisieren einen Trend: Wir schätzen mal, dass nicht nur Zeitungen (junge) Leser ans Internet verlieren, sondern Fernsehsender ebenfalls. Trotzdem glaubt man beim Mutterschiff Disney, dass man die Kabelnetzbetreiber in den USA (und damit die Kabelfernsehzuschauer) noch mehr Geld aus der Tasche ziehen kann als bisher. So steigt der der Preis, den man pro zahlenden Zuschauer kassiert, Anfang 2008 von 3,26 Dollar auf 3,65 Dollar pro Monat. Irgendwo nicht mehr ganz so fern liegt eine Schallmauer für das, was Sport den anonymen Massen wert ist. Aber vermutlich macht man sich darüber in Bristol/Connecticut im Moment keine großen Gedanken. Die Unternehmensfiliale, die einst als klitzekleiner Fisch von einem mutigen Gesellen gegründet wurde und dann von größeren Fischen aufgefressen und mit beachtlichen Investitionen immer größer gemacht wurde, soll einem Marktkenner zufolge 30 Milliarden Dollar wert sein. Vielleicht versteht man angesichts solcher Zahlen, weshalb ESPN 2009 für die Rechte der Premier League mitbieten will und kann.

Dogfood hat, als er die Meldung auf allesaussersport vor ein paar Tagen kommentierte, folgendes geschrieben: "Auch wenn hinter ESPN mit Disney ein Konzern mit großen Resourcen steht, überschätzt ESPN massiv die Strahlkraft seiner Marke in Europa, ganz zu schweigen von seiner Reichweite. Den Fehler hat die NFL bereits bei Vergabe seiner TV-Rechte in Kontinentaleuropa gemacht. Noch schlimmer: ein Abrücken des Fokus auf US-Sport wird die Marke massiv verwässern."

Das fand ich einen ziemlich kräftigen Konter auf eine Nachricht, die nur Absichten formuliert, aber keine Taten mitliefert. Und die eigentlich zeigt, dass ESPN sich gar nicht als Marke versteht, sondern als Profitcenter, das außerhalb der USA wachsen muss, wenn es denn Zahlen schreiben will, die als einziges Faktum in der Konzernzentrale ernst genommen werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn die treibenden Kräfte einer solchen Strategie dabei auch Fehler machen. Aber auf der anderen Seite zeigt das Engagement amerikanischer Investoren in der Premier League (Manchester United, FC Liverpool, Arsenal), dass die eifrigsten Sportunternehmer Amerikas schon länger keine Furcht mehr davor haben, sich am europäischen Treiben zu beteiligen.

"Wachstum in Europa ist eine Schlüsselstrategie für uns", sagte Russell Wolff, der Chef von ESPN, bereits vor einem Jahr, als der NASN-Deal bekannt wurde, für den der Sender wohl mehr als 100 Millionen Dollar verauslagt hat. Ein hoher Preis, wenn man weiß, wieviele/wie wenige Menschen NASN nutzen (6 Millionen Abonnenten). Bezahlt hat man also knapp 17 Dollar pro Kunden. Wenn man aber sieht welche Preise in den USA mittlerweile üblich sind, wirkt das nur och halb so teuer. Mit anderen Worten: Das rechnet sich.

Die andere Frage lautet allerdings: Kann ESPN glaubwürdig eine Mehr-Länder- und Mehr-Sprachen-Politik umsetzen, die jene Schwächen eliminiert, wie sie von dogfood aufgespürt wurden. Ich denke, in naher Zukunft wäre mal wieder ein Gespräch mit Wolff fällig. Wir haben uns zuletzt während der Fußball-WM miteinander unterhalten.

2. November 2009

Trainer Baade: Das Exklusiv-Interview

Am 1. September hat dogfood von allesaussersport ein bisschen Mediengeschichte geschrieben. Und "geschrieben" ist in dem Zusammenhang nicht nur im übertragenen Sinne gemeint. Sein ausführlicher Blogbeitrag mit dem Titel Wie JAKO anderen Leuten das letzte Hemd auszieht bestand aus mehr als 2000 Wörtern und war damit dreimal so lang und dreimal so ausführlich und dezidiert wie ein herkömmlicher Artikel in einer Tageszeitung. Der Text begann so:
"Die Art und Weise wie der Sportartikelhersteller JAKO AG und die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen derzeit gegen den Fußballblogger Trainer Baade vorgehen, stellt für mich einer der Tiefpunkte dar, die ich in meinen 8-9 Jahren Bloggerei und Schreiberei über Blogs erlebt habe. Es ist einer der Momente wo man ein Gefühl der Ohnmacht bekommt."

Heute stehen unter diesem Post mehr als 800 Kommentare. Und von einem Gefühl wie Ohnmacht ist vermutlich nicht mehr die Rede. Denn dogfood trat mit seinen Informationen über die Abmahn- und Abstrafaktivitäten der besagten Firma ein kleineres Lawinenbrett los. Das Thema wurde von mehr als hundert Blogs aufgegriffen, landete kurzfristig bei Twitter in den Top-Tags und erlangte auf diese Weise jenen Stellenwert, den klassische Medien für hinreichend hoch erachteten, um darüber zu berichten. Die Auseinandersetzung "mittelgroße Firma gegen kleinen Blogger", "Rechthaberei gegen gutes Recht" schlug sich innerhalb weniger Tage auf den Seiten des Handelsblatt, der Süddeutschen Zeitung, der taz, auf Spiegel Online und am Ende sogar in einem Hörfunk-Bericht des Bayrischen Rundfunks nieder. JAKO hatte sich den Streisand-Effekt eingehandelt und ruderte denn auch langsam wieder zurück. Wer sich einen Überblick über die Angelegenheit verschaffen möchte: probek.net hat die Links archiviert.

Während sich Blogger und ihre Leser über den Ausstatter des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt entrüsteten, bekam Trainer Baade auf seiner Seite sehr viel Besuch. Die Zahl seiner Twitter-Follower stieg rapide. Und das obwohl er mit keinem Wort auf die Angelegenheit einging. Er hatte beschlossen, nicht auch noch Öl ins Feuer zu gießen, wie er sagt, auch wenn er sich im Prinzip gar nichts vorzuwerfen hatte. Den beanstandeten Beitrag hatte er aus dem Netz genommen, als er von der Abmahnung der Firma erfuhr. Dafür, dass ein tschechischer Newsaggregator den alten Text noch immer im Speicher hatte, konnte man ihn nicht verantwortlich machen. Genausowenig wie für das Echo aus dem Netz, das den Abmahnwahn deutscher Unternehmen und Rechtsanwälte mit Grausen erlebt und eine heftigere Tonlage erreicht, je ungerechfertigter und vermessener die Anwaltschreiben klingen.

Trainer Baade ist eine Kunstfigur. Hinter ihr verbirgt sich Frank Baade, der seit ein paar Jahren im Netz schreibt und die besten Fußball-Glossen in Deutschland verfasst. Seine Sprache und sein Humor liegen – leider – nicht jedem. Was hauptsächlich mit dem Milieu der klassischen Sportberichterstattung zu tun hat. Dort wird wenn überhaupt, eher nur nach Gutsherrenart gewitzelt. Selbstironie ist so gut wie unbekannt. Sprachliche Klischees und angebliches Expertenwissen bestimmen das Bild.

Über all das und den Fall JAKO haben Frank Baade und ich uns neulich ausführlich unterhalten – in seinem ersten Interview überhaupt seit dem besagten 1. September. Hier ein Vorgeschmack auf den Mitschnitt des Gesprächs.

Die ausführliche Fassung von rund 30 Minuten Länge gibt es als Teil der neuen und siebten Ausgabe des Ballpodder-Podcasts, eine Gemeinschaftsproduktion einer Gruppe von Fußballbloggern, die seit ein paar Monaten alle zwei Wochen veröffentlicht werden. Hier geht's zum Podcast. Kommentare auch bitte gerne dort bei probek.

23. Oktober 2006

Nichts ist undurchsichtiger als US-Sport im Fernsehen

Es wäre schön, wenn die Sache durchschaubarer wäre und es mehr ums Programm und weniger um die Aktienpakete ginge, die hinter den Kulissen hin- und hergeschoben werden. Aber solange bis ESPN International nicht für klare Verhältnisse sorgt (und sein Chef Russell Wolff, mit dem ich mich während der Fußball-WM am Firmensitz in Bristol lange unterhalten habe, ist ein Buch mit sieben Siegeln), sind Spekulationen über NASN wirklich nur das: Spekulationen.

dogfood hat das Thema auf seiner (zum Glück) wieder aufflackernden Seite allesaussersport dankenswerterweise aufgegriffen. Meine Recherchen weisen eher in eine andere Richtung als ein Verkauf von NASN an ESPN. Der neue interessante Player in dem ganzen Geschehen ist die Modern Times Group (MTG) in Schweden, die das von dogfood angedeutete Osteuropa-Projekt vorantreibt. MTG arbeitet in manchen Bereichen unter dem Firmennamen Viasatsport und hat vor wenigen Wochen eine Sportweb-Initiative unter dem Namen viasatsport.com gestartet, die mit dem aufwändigen Begriff "Portal" belegt wurde (Zielmarkt hier: ganz Skandinavien) Diese Burschen brauchen Programm, denn sie haben bereits Abspielplattformen. Und das NASN-Programm ist vergleichsweise billig. Für die macht es Sinn, sich in die Wertschöpfungskette einzukaufen, denn so können sie Wert schaffen und den auch noch später abschöpfen.

Vielleicht noch eine Anmerkung zu ESPN: die Entwicklungslogik der Firma wirkt bisher ziemlich konsequent. Es gibt keine Hast. Man greift nie einfach nur zu (sonst hätten sie bei der Kirch-Pleite zugeschlagen). Man entwickelt Märkte immer auch mit einer Programm- und Gestaltungsdenke und mit der Antwort auf die Frage im Hirn: Wie passt das zum bereits existierenden Kanal-, Personality- und Brand-Format.

Die ticken nicht wie Venture-Capital-Typen. Return on Investment zieht man bei ESPN (also bei Disney) nicht aus kurzfristigen spekulativen Aktiengeschäften, sondern aus Erlösmodellen, die garantiert funktionieren. Wie beim amerikanischen Kabelfernsehen (Abonnementsfernsehen), das eine Goldgrube ist. Meine Prognose geht so: ESPN läuft sich jetzt erst einmal mit der FIFA beim Fußball warm, entwickelt Fachkompetenz und steht eines Tages in Europa mit Vorschlägen zu diesem Thema vor der Tür. Die wissen ganz genau, dass man weder mit der NBA (trotz der wachsenden Zahl europäischer Spieler) noch mit Football oder Baseball mehr als eine sehr müde Mark in Europa verdienen kann. Beim Fußball hingegen sieht alles ganz anders aus.

23. August 2006

Esoterik auf amerikanisch: die AAFL

Der Kollege dogfood von allesaussersport hat ein sehr esoterisches Thema aus dem amerikanischen Sport angepackt, das vieler erklärender Vorbemerkungen und Hinweise bedarf: die All American Football League. Hut ab vor soviel Elan. Ich halte mich gewöhnlich bei solchen Geschichten sehr zurück. Aus reiner Angst davor, dass beim werten Leser allzu rasch die Rolläden runtergehen. Ausnahme: wenn man über enormen Platz verfügt wie zum Beispiel in Büchern. In American Sports und Faszination American Football steht denn auch eine Menge über amerikanischen Collegesport.

Den letzten Artikel für die FAZ mit Collegebezug habe ich über den Schmu geschrieben, der im Tennis abläuft, wo eine beachtliche Zahl an deutschen Stipendiaten gegen die Amateurregeln verstößt. Die Trainer stecken mit den Spielern unter einer Decke und tun so, als ob sie nichts wüssten. Die Erfahrung lehrt: Selbst solch schwarz-weiß-gerasterten Themen in hundert Zeilen zu erklären, ist unerhört schwierig

Die Kanzept der AAFL zu erklären ist noch viel schwieriger, da sie noch ein zusätzliches Problem mit sich bringt: Sie existiert nur auf dem Papier. Die Idee kann man durchaus nachvollziehen: Die besten Colleges produzieren mehr akzeptable Nachwuchsfootballkräfte als die NFL (und die Canadian Football League) aufnehmen kann. Für die ausgesiebten Athleten gibt es jedoch keine Auffangstation, keine Farm Teams, keine Developmental League etc. Auf der anderen Seite stehen die riesigen Division 1 Stadien wie in Ann Arbor (University of Michigan) oder Knoxville (University of Tennessee) mit Platz für sage und schreibe 100 000 Zuschauer im Frühjahr einfach leer. Wie kann man das kombinieren? Indem man die arbeitslosen Talente in den leeren Stadien in einer neuen Liga gegeneinander antreten lässt.

Die Sache hat mehr als einen Haken, wie man an solchen Beispielen wie der gescheiterten Frauen-Fußball-Liga sehen kann. Aber wer sagt, dass die Existenz in der Nische nicht möglich ist, möge bitte folgendes berücksichtigen: Wir haben eine Arena Football League in der Halle mit einem verkürzten Spielfeld. Die funktioniert. Wir haben eine Profi-Lacrosse-Liga. Die funktioniert. Wir haben die X Games auf ESPN, die sogar noch eine platte Kopie namens Gravity Games ausgelöst haben. Auch die funktionieren. Warum? Weil sich das Freizeitverhalten der Amerikaner und ihre Neugier auf etwas andere Entertainment-Angebote auf unterschiedlichen Kanälen entfaltet.

Konzepte, die in der Konkurrenz gegen die etablierten Ligen, gegen Golf und NASCAR eine Chance haben wollen, müssen vor allem den Metropolen bewusst aus dem Weg gehen. Metropolen schaffen Sachzwänge der seltsamsten Art. Zum Beispiel verbindet sich mit denen ein unausgesprochener Qualitätsanspruch. Provinzieller Sport ist von solchem Ballast befreit. Universitätssport ist die Inkarnation von provinziellem Sport, bei dem das halbe Land aus Tradition besoffen darüber hinwegsieht, auf welchem Leistungsniveau der eigentlich stattfindet.

Ich will's nicht zu kompliziert machen. Ich gebe der AAFL zumindest eine Chance. In Staaten wie Texas, Nebraska, Oklahoma, Tennessee, Alabama sind die Leute einfach unersättlich, wenn es um Football geht.

P.S. Ein großes Kompliment an dogfood für die Energie, das Wissen und die Courage, solche Themen anzupacken. Die NASN kann froh sein, dass jemand sich derart massiv reinhängt und die Aufklärungsarbeit leistet, ohne das amerikanisches Sportgeschehen im Fernsehen so aussieht wie Böhmische Dörfer.

5. Januar 2008

Beim Football vor der Glotze

Drüben in Hamburg bei allesaussersport hat dogfood zu den Wild-Card-Spielen der NFL eine spezielle Live-Blog-Software ausgepackt. Die mischt alle Kommentare gleich mit hinein und bietet Abstimmungsmöglichkeiten. Ganz beachtlich. Noch beachtlicher: Das Durchhaltevermögen der Leser, die noch nach 4 Uhr nachts die NASN-Übertragung aus Pittsburgh verfolgen und gleichzeitig den Blog lesen. Weil man drüben aber nicht die Werbung bekommt, die NBC heute abend ausstrahlt, wollen wir mal zwei der Werbethemen auflegen. Daraus, wer wofür inseriert, kann man nämlich bequem schlussfolgern, welche Zuschauerschicht in den USA beim Football vor der Glotze hängt: Männer mit Erektionsproblemen und mit zuviel Cholesterin.


Hinweis: Dies sind nicht die Orginalspots, sondern zwei Parodien. Wer will schon die Originaldinger sehen? Die sind ja nicht mal lustig...

4. Februar 2007

Super Bowl: Chicago wird alle ü-bear-rushen

Der Kollege dogfood von allesaussersport (auch diesmal wieder die erste Adresse online für alle, die sich in den Stunden vor dem Super Bowl und während der Übertragung in der ARD eine große Tüte Infos und Sportsgeist besorgen wollen) hat als erster gezuckt. Er drückte vor kurzem nach längerem In-sich-Gehen ("Unveränderter Gefühlszustand: ich werde mit dem Superbowl heute nicht warm.") und einem Besuch auf der Bandwagon-Seite der NFL in abwägender Weise den Colts den Favoritenstempel auf die weiße Trikotage. Ich komme gerade von einem Besuch derselben Seite zurück und erhielt die Auskunft: Mein Team seien die Bears.

Das hatte ich schon befürchtet. Nicht, weil man bei der NFL womöglich diesen Blog auswertet und auf heimliche und unheimliche Botschaften hin abklopft. Sondern weil mir hier seit Tagen nur Dinge eingefallen sind, die für Chicagos Chancen sprechen. Damit befindet man sich im Kontrast zu einer riesigen Menge sogenannter Experten. Von denen hat unter anderem kaum jemand Devin Hester auf dem Zettel, den besten Kick-off-Returnspezialisten, den die Liga je gesehen hat. Fünf Touchdowns hat er in diesem Jahr hingelegt (zwei nach Kick-offs, drei nach Punts). Also in jedem dritten Spiel einer. In den zwei Playoff-Spielen fand er nicht die Gasse. Aber wir sagten ja: Er bringt's in jedem dritten Spiel (und die Special-Teams-Formation der Colts - Unterabteilung "Return Coverage" - gehört zum schlechtesten, was die Liga zu bieten hat). Was heißt: Hester wird in jedem Fall Feldvorteile produzieren. Je mehr Field Goals die Colts schießen, desto häufiger. Dann haben wir Cornerback Nathan Vasher. Sammelt Interceptions mit Vorliebe von Quarterbacks ein, bei denen im letzten Moment vor dem Wurf auf der Netzhaut ein freier Mann aufschimmert. Oder wird Manning diesmal den Ball woanders hinwerfen? Zum Beispiel dorthin, wo der Manning (Vorname: Danieal) der Bears herumturnt? Das könnte spannend werden.

Vielleicht sollten wir der Ordnung halber noch Brian Urlacher erwähnen. Wer in der Colts-Offense soll den bremsen oder gar festnageln? Der Tight End? Der Full Back? Mannschaften, die Peyton Manning mit Macht unter Druck setzen, haben ihn immer wieder in Verlegenheit gebracht. Zum guten Schluss: Die Bears werden sich darüber freuen, dass man sie zum Außenseiter erklärt hat. Das war alles, was sie brauchten, um sich bei Laune zu halten. Die Bears packen es - mit einem Tatz-down Vorsprung.

7. Dezember 2009

"Eine giftige Kombination"

Die New York Times beschäftigt sich mit dem SSV Ulm, um dem Wettskandal im deutschen Fußball auf die Schliche zu kommen. Man könnte also sagen: Das Thema zieht weite Kreise. "In den unteren Ligen sorgt eine giftige Kombination aus hohen Erwartungen, bescheidendem Erfolg und erstaunlich niedriger Bezahlung dafür, dass die Spieler in Deutschlands 33 Clubs der Regionalgruppen Zielscheiben für Bestechung sind", schreibt die Zeitung.

Im jüngsten Ballpodder-Podcast haben wir versucht, diese Mischung etwas genauer zu betrachten. Interviewpartner: dogfood von allesaussersport.de und gses von rasenschach.eu. In einem separaten Gespräch mit Probek geht's um Bayern München. Er ist auch der Gastgeber der Podcast-Ausgaben. Link.

13. Juli 2010

RIP: Yankees-Besitzer George Steinbrenner

In der Geschichte der New York Yankees gibt es drei wichtige Phasen. Die erste begann, als Babe Ruth in Boston in Ungnade fiel und in der Bronx zum Kern einer unschlagbaren Mannschaft wurde, in der unter anderen der deutschstämmige Lou Gehrig eine wichtige Rolle spielte. Das Leben von beiden wurde in Hollywood verfilmt. Denn solche Figuren gibt es nicht alle Tage.

Die zweite Phase kulminierte in den fünfziger Jahren gegen Ende der Karriere von JoeDiMaggio und ist mit Spielernamen wie Yogi Berra und Mickey Mantle verbunden. Zu jener Zeit waren die Yankees schon so wichtig in der amerikanischen Alltagskultur, das sie zum Ausgangsthema eines Broadway-Musicals wurden, das später auch in Hollywood inszeniert wurde. Es trägt den Titel Damn' Yankees, was der Stimmung im Rest des Landes entsprach. Diese Yankees waren einfach zu gut. Und deshalb verhasst und beneidet. Man denke nur an das Aufsehen, dass die Heirat von Joe DiMaggio mit Marilyn Monroe verursachte. Das war im wahrsten Sinne eine Traumehe, weil sich damals kein Sportler auch nur erträumt hätte, es bis in die Welt der Paparazzi und der Klatsch-Postillen zu schaffen.

Als diese Ära zu Ende ging, hatten die Yankees zwar jede Menge Sportgeschichte geschrieben, aber standen vor einer schwierigen Phase. Dann kam George Steinbrenner, der Nachfahre eines Reeders aus Ohio, der mit seinem Geld und seinem autoritären Charakter ein neues Zeitalter im amerikanischen Ligasport einläutete. Von ihm über Jerry Jones bei den Dallas Cowboys und zu Mark Cuban bei den Dallas Mavericks sowie zu den (amerikanischen, russischen) Hyper-Spekulanten, die sich in die Premier League verirrten, führt eine ziemlich gerade Linie. Und auch diese Phase wurde von der amerikanischen Entertainment-Industrie auf ihre Weise widergespiegelt. George Steinbrenner wurde in den neunziger Jahren in Seinfeld, der erfolgreichsten Sitcom aller Zeiten, zu einer Figur. Während alle anderen Rollen in der Serie fiktiv waren, war Steinbrenner, Spitzname The Boss, er selbst. Die Besonderheit: Man sah ihn meistens nicht von vorne, sondern meistens von hinten. Seine Texte wurden von einem Schauspieler gesprochen – in jenem abgehackten, herausgepressten, rauhen Tonfall, für den er bekannt war. Denn George Steinbrenner war – zumindest in den USA – tatsächlich berühmt geworden.

Sein interventionistischer Stil bei den Yankees führte zu unterschiedlichen Resultaten. Er kaufte teure Spieler ein, wechselte Trainer nach kurzer Zeit aus – das produzierte zunächst ziemlich wenig. Er war abergleichzeitig in der Lage, die Yankees-Mystik in hochdotierte Fernsehverträge im Lokal-TV umzumünzen. Steinbrenner war der Wegbereiter jenes Netzes aus regionalen Fernsehkanälen, wie man es sich heute nicht mehr wegdenken kann. Als Populist verstand er es selbstverständlich auch, die Stadt New York unter Druck zu setzen, der das alte Stadion gehörte, in dem die Yankees für eine lächerlich geringe Miete nur Gast waren. Zwischendurch drohte er, mit dem Club nach New Jersey umzuziehen. Danach wollte er unbedingt in Manhattan ein neues Stadion haben, denn in der schmuddeligen Bronx wirkte sein Yankees-Brand zunehmend angeschabt.

Aber schließlich war er in der Lage, mit seinen Millionen eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die wieder die World Series gewann. Mit den Erfolgen ab Mitte der neunziger Jahre – und sicher auch mit dem Alter – wurde Steinbrenner gnädiger und toleranter. Irgendwann gab er das Management an seine Familie ab und genoss die sportlichen Erträge seiner Arbeit. Das Denkmal, dass er der Nachwelt hinterlässt, ist ein nagelneues Stadion gleich neben dem alten, dass im letzten Jahr eröffnet wurde.

Steinbrenners Rolle als Supporter von Richard Nixon hätte ihn beinahe ins Gefängnis gebracht. Er kam mit einer Geldstrafe davon. Sein Versuch, den Ruf des ehemaligen Yankees-Profis Dave Winfield zu schädigen, handelte ihm eine dreijährige Sperre von Major League Baseball ein. Eigentlich lautete das Urteil auf lebenslänglich. Aber nach drei Jahren wurde er wieder rehabilitiert. Rechtzeitig zu dem Lauf seiner Spieler, die zwischen 1996 und 1999 unschlagbar schienen.

Steinbrenner starb heute im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als den Club 1973 erwarb, musste er 10 Millionen Dollar bezahlen. Die Yankees sind heute rund 1,6 Milliarden Dollar wert.

Einer seiner Seinfeld-Auftritte in echt:


Co-Produzent Larry David als Steinbrenner:


Sehr ausführlich und lesenswert zu diesem Thema: dogfood bei allesaussersport

Plus: Steinbrenner-Bilder im Archiv von Sports Illustrated:

22. März 2009

Geht auf die Galle

Kai Pahl von allesaussersport, der unter dem Namen dogfood bloggt, hat notgedrungen seinen Laden schließen müssen, weil ihm die Ärzte dringend eine Operation an der Galle nahegelegt haben. Von den Untersuchungen im Krankenhaus hat er noch fleißig Twitter-Meldungen abgesetzt. Die bislang letzte von gestern lautete: "In den nächsten Minuten geht es unters Messer. Good-Bye Samstag, Gold-bye Galle." Nun warten wir auf die nächste – hoffentlich gute – Nachricht. Und das nicht nur, weil damit die Aussicht auf eine schnelle Gesundung verbunden ist. Wenn Kai nicht bloggt, fehlt im deutschen Medienwald eine wichtige Stimme. Das betrifft zuerst einmal die pure Qualität seiner Arbeit, aber ebenso die enormen Quantitäten, die er fast täglich bewältigt. So wickelte er zuletzt ein riesiges Pensum zum College-Basketball ab, für das sich in Deutschland eine erstaunliche Menge an Sportkonsumenten interessieren.

Eine solche Leistung nötigt mir jedes Mal sehr viel Bewunderung ab, weil ich abschätzen kann, wieviel Wissen und Energie man braucht, um so etwas auf die Beine zu stellen. In der Kommentarspalte von allesaussersport hat sich aber zuletzt eine Diskussion entwickelt, die den Eindruck erzeugt, dass selbst intensive Leser des Blogs kaum zu schätzen wissen, was ihnen da mit steter Regelmäßigkeit serviert wird. Kostenlos serviert wird, wohlgemerkt. Da wurden lautstark und in einem seltsam kessen Ton Bemühungen von anderen Informationsdienstleistern schlecht gemacht, nur weil sie womöglich eines Tages durch ihre Arbeit ein bisschen Geld verdienen könnten.

Das Internet verdirbt demnach nicht nur die Preise, sondern womöglich auch die Sitten. Der Anspruch, den eine lautstarke Gruppe von Konsumenten vor sich her trägt: dass sie nur lupenreine Idealisten unterstützen wollen. Der Rest wird als "kommerziell" eingestuft und geschmäht.

Mich erinnert diese Haltung an Debatten aus der Zeit, als die ersten Stadtillustrierten aufkamen und einigermaßen Auflagen erzielten. Es ist die elende Diskussion aus dem Umfeld der taz, deren Mitarbeiter sich für die gute Sache jahrelang extrem selbst ausgebeutet haben. Damals wurde von den Lesern am Ende zwar dann doch der jeweilige Copy-Preis bezahlt (was blieb den Usern auch anders übrig, wenn sie die Infos haben wollten?). Aber das Gegrummel über Anzeigenpreise und angebliche und tatsächliche Profite war nicht zu überhören. Und die Leute, die mit viel Engagement und so manchem Risiko die Blätter auf die Beine gestellt hatten und Arbeitsplätze für junge Journalisten und andere Kreative schufen, befanden sich in einem ständigen Rechtfertigungsnotstand. Man nahm ihnen übel, dass sie mit ihren Projekten Geld verdienen wollten.

Die Crux an der Sache ist gar nicht mal, dass es Menschen mit hohen Ansprüchen an den Rest der Welt gibt (hoffentlich lösen sie den auch immer ein, wenn sie selbst an der Reihe sind). Sondern dass da viel zu vieles durcheinander geht. So gehört zu den beliebten unterschwelligen Schmähworten der Begriff des "Geschäftsmodells". Das klingt gut, führt aber im Fall der Medien auf eine völlig falsche Fährte. Medien sind nicht von ungefähr Teil des Grundrechtskonzepts in der Verfassung und werden nicht von ungefähr in eigenen Gesetzen (Pressegesetze, Telemediengesetz, nicht zu vergessen das Urheberrecht) besonders definiert und gesellschaftlich eingeordnet. Sie sind nämlich zuerst einmal überhaupt kein Geschäft, weil Information (und Meinung), genauso wie Wasser und Luft, zu den unerlässlichen Lebensmitteln gehört. Wer an der Arbeit der Medien zuerst einmal nur den wirtschaftlichen Aspekt sieht und nicht deren Aufgabe und Rolle im gesellschaftlichen Kräftespiel, ist ganz bestimmt kein Idealist, sondern entweder ein rettungsloser Zyniker oder ein Wirrkopf.

Kai Pahl, der für seine imposante Bloggerarbeit keinen Pfennig bekommt, war übrigens angesichts des Niveaus der Kommentare zu diesem Thema reichlich ungehalten, was nicht nur an dem Zustand seiner Galle gelegen haben kann. Er deutete an, dass er angesichts solcher Meinungen in einer Situation, in dem womöglich er selbst wegen der von ihm publizierten Informationen oder Ansichten von Machtkartell-Typen aus Verbänden oder Industrie juristisch unter Druck käme, seinen Blog einfach schließen würde. In den nächsten Tagen haben seine Leser Zeit, sich schon mal auszumalen, was ihnen fehlt, wenn es allesaussersport nicht mehr gibt.

16. Dezember 2006

Asien ist anders als Amerika

Manche Blogger haben seherische Kräfte, aber reden nicht weiter darüber. Uns fällt da dogfood von allesaussersport ein, der seine Visionen hinter einem solchen Code-Wort wie Screensport verbirgt. Hat Tip wegen der Asian Games. Da war mehr los, als unsereins auch nur erwarten durfte. Wir hatten: einen toten Military-Reiter aus Korea, der von seinem eigenen Pferd erschlagen wurde (Das Video ist brutal, deshalb hier ausnahmsweise nur das Link, damit sich jeder noch mal das mit dem Anklicken überlegt). Wir hatten eine Sprinterin, die von Kopf bis Fuß in Tuch gehüllt läuft und trotz ihrer schlechten Windwiderstandsbeiwerte über 200 Meter die Konkurrenz abhängte (Sie behauptet, der Stoff mache sie schneller) Und wir hatten einen thailändischen Staffelläufer, der seine Götter anbetete, als er auf die Zielfotoentscheidung wartete und denen versprach, er werde nackt laufen, wenn sein Team Gold holt. Es gewann...

Dagegen sind die Nachrichten aus den USA geradezu profan. Ein erschossener Leibwächter von einem Football-Profi der Chicago Bears, der Tage zuvor wegen unerlaubtem Waffenbesitz von der Polizei angezeigt wurde. Eine mit Stanozolol gedopte Marathonläuferin in Minnesota. Und ein ehemaliger Schwergewichtsboxer, der nach dem Erfolg des George-Foreman-Grills ein Produkt für die Müllbeseitigung entwickelt hat und verkauft. Wir nennen die Dinger trash compactor, etwas, das nur in Ländern gebraucht wird, in denen Abfall im Überfluss produziert und nicht getrennt wird.

5. Februar 2007

Super-Bowl-Nachlese: Der Auftritt von Prince in Miami


Die ersten Kopien des Auftritts von Prince beim Super Bowl blubbern bei YouTube hoch. Dann wollen wir mal nicht mit dem Platz geizen und die beiden Schnipsel verlinken, die wir soeben lokalisieren konnten. Wie immer waren Leute im Stadion beeindruckt, wie schnell beim Super Bowl in der Halbzeit umgebaut und abgebaut wird. Die Bühne ist schließlich nicht gerade klein. Andere machten sich Sorgen, dass sich Prince in dem Regen einen Stromschlag einfangen könnte. Es gab da wohl in der Vergangenhiet bei Konzerten unter freiem Himmel Zwischenfälle. Aus Sicht eines Nicht-Physikers, der über das Leitungsverhalten von Strom bei Feuchtigkeit nichts Kompetentes sagen kann, hier nur der Hinweis: Musiker spielen heute nicht mehr verkabelt, sondern drahtlos. Die gesendeten Signale gehen über Radiowellen zu den Empfangsgeräten. Dafür werden nur kleine Batterien gebraucht. Genauso sind die Monitorboxen verschwunden, die Musiker früher benutzt haben, um sich selbst auf der Bühne spielen und singen zu hören. Der Ton wird jetzt ebenfalls drahtlos über kleine Ohrstecker vermittelt. Die einzig spannende Frage ist: Wie verhindern die Techniker bei Open-Air-Veranstaltungen dieser Art einen Frequenzsalat mit anderen, die mit ihren Geräten in der Umgebung herumfunken?
Dies ist Teil zwei des Mitschnitts.

Wie gut war die Darbietung und die Musikauswahl von Prince? Sicher nicht so klasse, wie man insgeheim hoffen durfte. Aber um Längen besser als vorher die Rolling Stones und davor - au, weia - Paul McCartney. Diese Jungs sind wahrscheinlich wirklich schon jenseits von Gut und Böse, um beim Spiel mit einem Massenpublikum etwas Schillerndes, Aufreizendes, Magisches auf die Bühne zu bringen. Prince hingegen ist der perfekte Narziss für diesen Anlass. Einer, der den Moralwächtern in Amerika - im Schattenriss - einen aufrechten Phallus unterjubelt, der sich gewaschen hat (danke dogfood für den Hinweis).

24. November 2006

Heia Safari. Die Link-Linien sind weg

Heute konnte nach langer Zeit endlich eine kleine Panne behoben werden, die Mac-Menschen mit Safari-Browser betraf. Es dauert eben, wenn der Mensch am Schaltpult in Web-Dingen nur das Allernötigste weiß. Der Dank geht an dogfood, der nicht nur den Finger auf das Problem gelegt, sondern auch jenen Hinweis gegeben hatte, der sich als höchst sachdienlich herausstellte.

14. Januar 2008

Es liegt am Kollen

Manchmal möchte man einfach ein neues Wort erfinden, weil man mit den existierenden Begriffen nicht ausdrücken kann, was man sagen will. Der Playoff-Sonntag gestern in der NFL zum Beispiel - der schreit danach. Wie soll man schließlich erklären, dass mit den Indianapolis Colts und den Dallas Cowboys gleich zwei Favoriten vor eigenem Publikum ausgeschieden sind? Und wie, dass sie das beide auf ähnliche Weise hinbekommen haben - durch das Versieben von zahlreichen Chancen im letzten Spielabschnitt? Denn sie waren beide wirklich nicht die schlechteren Mannschaften.

Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.

Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).

Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.

P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.

25. März 2009

Der Klingelbeutel: Schluck aus der Pulle

• Der Schlüsselbeinbruch von Lance Armstrong, den er sich am Montag bei einem Sturz in Spanien zugezogen hatte, ist etwas komplizierter als zunächst diagnostiziert und muss operiert werden. Trotzdem will der Amerikaner den Giro fahren.

• Kai Pahl von allesaussersport twittert schon wieder mit einer Energiestufe, als wäre ihm im Krankenhaus in Hamburg ziemlich langweilig. Der Mann, der unter dem Aliasnamen dogfood bloggt, hat zwar bisher nur angedeutet, wie massiv der Eingriff war, dem er sich unterziehen musste. Aber aus den Andeutungen lässt sich schlussfolgern, dass es keine simple laparoskopische Operation gewesen ist, wie sie bei schlichteren Gallenproblemen vorgenommen wird. Der Mann, dessen Blog-Motto lautet "Gepinkelt wird nur in der Halbzeit", hat im Hospital eine neue Erfahrung gesammelt. Gepinkelt wird da nach Operationen vor allem im Bett – in eine sogenannte Urin-Ente. Und zwar auch dann, wenn plötzlich Besucher ins Zimmer kommen. Abgesehen von solchen Situationen: Weiterhin gute Besserung von dieser Stelle aus.

• Die Parallele, die Klaus Höltzenbein in der Süddeutschen Zeitung zwischen den Problemen im Profisport und denen in der Finanzindustrie skizziert hat ("...beide Geschäftsmodelle wucherten über viele Jahre hinweg nahezu unkontrolliert: das Modell der Banker, das niemand mehr verstand, und das der Sportfürsten, die das obskure Privileg genossen, sich untereinander kontrollieren zu dürfen - ohne Furcht vor Prüfung von außen"), hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielleicht nicht sofort, denn Wall Street und seine Satelliten weltweit absorbieren momentan ein erhebliches Maß an Energie und Aufmerksamkeit (und Geld). Aber möglichst bald. Vermutlich befindet sich der Sport in einem weit schlimmeren Zustand als AIG und Konsorten, deren Fehlleistungen allmählich immer klarer werden (ich habe just zu dem Thema einen Beitrag für das Magazin FELDHommes geschrieben, das in ein paar Tagen an die Kioske kommen wird). Denn es mangelt an einem Minimum an Aufsicht. Pleitegeier sind bereits im Anflug. Hübsch die Nachricht aus Arizona von den Phoenix Coyotes, die (noch) in der NHL spielen. Da gibt man inzwischen auf die kurioseste Art und Weise Eintrittskarten ab. Zum Beispiel an Leute, die eine Flasche Wodka kaufen.

• Japan hat das Länderturnier namens World Baseball Classic gewonnen, das ein paar Trends andeutete: Kuba hat nachgelassen. Und die Niederlande sind in der Lage, eine Mannschaft wie die aus der Baseball-Hochburg Dominikanische Republik zu schlagen. Sogar zweimal. Über die amerikanische Mannschaft muss man nicht viele Worte verlieren. So kurz vor Beginn der Saison in der MLB nimmt kaum jemand den Wettbewerb ernst. Nicht die guten Spieler. Und auch nicht das Publikum. Ja, wenn A-Roid gespielt hätte....

• Witali Klitschko hat sich mit seinem Sieg vom Wochenende wieder in den USA ins Gespräch gebracht. Das müde Box-Business braucht dringend Buzz. Aber eine solche Diskussion wird solche Geräusche wohl nicht provozieren.

27. Januar 2008

NHL-Gruppenreise nach Europa: Das Programm steht

Auf dogfood bei allesaussersport (wo wir uns die Infos geholt haben) wirkt das Programm für den nächsten Abstecher der NHL relativ rund. Die Kernansetzungen stehen: Pittsburgh Penguins gegen die Ottawa Senators in Stockholm und die New York Rangers gegen Tampa Bay Lightning in Prag (am 4. und 5. Oktober) und davor noch das erste Spiel um den neuen Victoria Cup zwischen den Rangers und Metallurg Magnitogorsk in der Schweizer Hauptstadt Bern (wo vorher noch ein Freundschaftsspiel zwischen den Rangers und dem SC Bern stattfinden soll). Im Gespräch ist wohl auch noch ein Match von einem Mitglied der Reisegruppe in Berlin. Mal sehen.

Was die Auswahl der Teams und der Spielstandorte angeht, wurden erstmals ganz vernünftige Kriterien berücksichtigt. Jagr und seine Landsleute bei den Rangers dürfen vor ihrem alten Heimpublikum spielen. Und zum ersten Mal wurd eauch die Schweizer Eishockeyleidenschaft belohnt. Die hat zwar bislang nur Torleute von nennenswertem Format für die NHL produziert, dürfte aber trotz mangelnder Durchsetzungskraft ihrer Abgesandten in der besten Liga der Welt dank ihrer Fans die ideale Zwischenstation für durchreisende Eishockeyclubs jedweder Art sein.

Ein Match (in der Schweiz ist das Match übrigens maskulin und heißt der Match) wie das gegen Bern wird allerdings auch einen ungeheueren optischen Kontrast produzieren. Europäische Eishockeyspieler wie die in Bern sind mit Werbeaufdrucken geradezu zugekleistert. Die Rangers tragen nur ein Logo: das der Rangers.

Zur Zeit wird das Problem: "Was hält die Spielergewerkschaft von den extracuriccularen Aktivitäten?" besonders in Kanada hochgespielt. Angeblich wurde bisher noch nicht mal der Victoria Cup von der Gewerkschaft abgesegnet. Kein Wunder, dass die Liga da erst mal vorgeprescht ist und nun die peinliche interne Kritik an ihrem Verhalten über sich ergehen lassen muss. Vernünftige Argumente, um das Projekt aufzuhalten, haben die Arbeitnehmervertreter nicht. Aber Klappern gehört zum Handwerk.

10. Juli 2010

LeBron & Co. – im Zirkus der Alpha-Tiere

Das größte Spektakel abseits vom Spielfeld, das die NBA je erlebt hat, hinterließ am Ende nur einen faden Eindruck. Es ging zwar um viel. Schließlich war (ist?) LeBron James der rundum beste Spieler in der Liga. Aber das ändert sich nicht durch seinen Wechsel zu einem anderen Club. Er wird, was seine Solo-Performances angeht, in Miami nicht mehr bieten als in den sieben Jahren bisher in Cleveland. Wenn man so will: das Beste von LeBron James haben wir bereits gesehen. Im neuen Trikot mit der Nummer sechs wirken die Kabinettstückchen nicht besser.

Wovon wir allerdings nur einen Vorgeschmack erhalten haben, ist die extreme ESPN-fizierung der Sportberichterstattung. Denn die Sondersendung am Donnerstagabend aus Greenwich/Connecticut sorgte für eine bemerkenswerte Einschaltquote. Der Rating-Wert belief sich auf 7,3, was ungefähr acht Millionen Haushalten entspricht. Das ist das Grundrauschen, um einen Begriff aus der WM-Berichterstattung von dogfood auf allesaussersport zu entlehnen. Eine Kennziffer für den Buzz, der dem Basisinteresse in den USA an einer Figur wie LeBron James, entspricht wenn ein paar Kriterien erfüllt werden:

• Die Ausstrahlung muss in der Prime Time stattfinden.
• Das Sportangebot auf anderen Kanälen muss dünn sein.
• Es muss vorher hinreichend Spannung aufgebaut worden sein, damit die Mitteilung der bereits gefassten Entscheidung als besonderes Ereignis verkauft werden kann.
• Es müssen sich hinreichend andere Medien-Outlets nicht zu schade sein, um den Vorgang selbst tagelang aus allen spekulativen Richtungen zu beackern.
• Die Hauptfigur muss ein Sympathieträger sein, vom dem sich viele wünschen, er käme womöglich auch zu ihrem Club.

Die Ironie der Geschichte ist: LeBron James selbst hat in der Abteilung "Sympathieträger" an diesem Abend sehr viel Kredit verspielt. Da half es auch nichts, dass er ESPN den Weg verbaute, aus dem Event mehr als 2 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen zu vereinnahmen (die Werbespots wurden von einem eigens von James und seiner Marketingfirma gegründeten Unternehmen an langjährige Werbepartner verkauft und die Einnahmen angeblich für wohltätige Zwecke bereitgestellt). Die Einlassungen über die Gründe seines Wechsels wirkten schlichtweg nicht begründet, sondern fischig. Denn dass jemand wie er mit den Cleveland Cavaliers keine Titel gewinnen kann, ist schlichtweg nicht wahr. Die Mannschaft zeigte Jahr und Jahr in leicht unterschiedlichen Besetzungen, dass sie Chancen auf die Meisterschaft hat. Die einzige Frage, die sich über die Zeit stellte, war: Ist LeBron James als Star einer Mannschaft überhaupt in der Lage, solch eine Leistung zu produzieren? Es ist die gleiche Frage, die man sich bei Dirk Nowitzki vorlegt. Manche Basketballer sind einfach keine Meisterschafts-Typen, weil sie die innere Struktur eines Teams nicht auf eine Weise dominieren wie das etwa Michael Jordan bei den Chicago Bulls getan hat. In Chicago vergingen übrigens auch viele Jahre, ehe die Bulls eine Formation zusammen hatten, die mehr war als eine Jordan-Highlight-Show. Nicht zu unterschätzen: Der Trainerwechsel, der Phil Jackson, Tex Winter und die Triangle Offense zu den Bulls brachte.

Das heißt: Der Wechsel ist ein Eingeständnis von Schwäche. Das ist a priori kein Problem. Basketball ist eine Mannschaftsportart. Da braucht man eine Reihe von guten Leuten, um eine derartige Mammutsaison an der Spitze zu beenden. Und ebenso ein hervorragendes Trainerteam, das im entscheidenden Moment mit taktischen Geniestreichen aufwarten kann. Aber die Vermarktungsarena rund um den Sport von heute tickt nicht derart differenziert. Alles in der Außendarstellung – vor allem in der NBA – baut sich auf eine Reduktion der Auseinandersetzungen auf dem Platz auf eine Willensleistung der Stars im direkten Spiel gegeneinander auf. Die Medien sind auf diesen Alpha-Tiere-Zirkus hereingefallen und stricken an den entsprechenden Mythen. Sei es in der Vorberichterstattung, wenn die Begegungen von Teams mit namhaften Profis als Duell der stars charakterisiert wird, oder in der Nachbearbeitung, wenn am liebsten spektakuläre Einzelleistungen gefeiert werden. In diesem Schema sah das bisher so aus: In Cleveland war James der King. In Miami ist das Dwayne Wade. LeBron – ein König ohne Land.

Diese Denkfixierungen auf Individuen und deren Persönlichkeitsmerkmale macht nirgendwo halt. So hatten sowohl Dwayne Wade in einem Fernsehinterview bei ESPN als auch LeBron James bei seinem seltsamen Auftritt erklärt, dass sie mit dem seit zwei Jahren amtierenden Trainer Erik Spoelstra zusammen werden. Woher kam die Neugier nach Spoelstra? Nun Team-Präsident Pat Riley hatte schon einmal einen jüngeren Trainer, den er selbst installiert hatte, ohne erkennbaren Grund auf die Seite geschoben und sich selbst wieder zum Inszenator Rex ernannt. Das war die Saison, in der Miami am Ende zum ersten und bisher einzigen Mal die Meisterschaft gewann. Der geschasste Stan van Gundy (offiziell hatte er seinen Rücktritt eingereicht, um "mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen"), zeigte wenig später in Orlando, was er kann. Rileys Post-Titel-Phase hingegen entblößte ihn schließlich als Kaiser ohne neue Kleider. Der höchst unzufriedene Shaquille O'Neal wurde nach Phoenix weggetauscht (für Shawn Marion and Marcus Banks). So zog er sich 2008 wieder in die Chefetage zurück und übergab seinem langjährigen Assistenten Erik Spoelstra den Posten.

Spoelstra hat in der NBA nur in einem Club gearbeitet – bei den Miami Heat, wo er 1995 als Videospezialist anfing und sich allmählich nach oben arbeitete. Als die Mannschaft nach zwei Niederlagen in der Finalserie 2006 gegen die Dallas Mavericks im letzten Viertel des dritten Spiels einen Rückstand von 13 Punkten aufholte und das Match gewann und anschließend auch die Serie, war Spoelstra Chefscout und Taktikfuchs auf der Bank. Eine Rolle, die er heute gerne herunterspielt. Ich nehme mal an, weil man das in der Zunft so macht. Und weil er nicht den Eindruck erwecken möchte, als bräuchte eine Figur wie Pat Riley wirklich Hilfe.

Niemand sollte sich wundern, wenn die Spekulationen eintreffen, die seit gestern von der New York Daily News und von yahoo gestreut werden. Bis zum Beginn der Saison ist es noch weit. Ich tippe allerdings, dass Spoelstra, der mit einer nicht besonders guten Mannschaft in der ersten Runde der Playoffs gegen die Boston Celtics ausschied, eine ganze Weile lang fest im Sattel sitzen wird. Der Rest hängt, wie immer, von den Ergebnissen ab, die die Mannschaft einfährt.

Mehr zu dem LeBron-Tamtam gleich im Deutschlandfunk in der Sendung Sport am Samstag (Beginn: 19.10 Uhr).

Sehr zu empfehlen: Diese Betrachtung von Matt Taibbi im Rolling Stone zum Donnerstags-Ereignis und den Weiterungen dieses Inszenierungsstils aus der Reality-TV-Ecke auf das amerikanische Fernsehen und die von der Medienkultur beherrschte amerikanische Politik.

21. August 2008

Im Keller des Internet finden Blogger noch immer die Wahrheit

Arglose Chinesen, die gedacht haben, sie könnten für die eigens für Proteste vorgesehenen Zonen in Peking bei den Behörden tatsächlich um eine Erlaubnis zum Protest nachsuchen, sind auf dem Weg ins Arbeitslager. Wie wird angesichts solcher Härte in harmlosen Fällen das Strafmaß gegen die chinesische Fälscherbande ausfallen, die für die Teilnahme von Turnerinnen bei den Olympischen Spielen verantwortlich ist, die nicht alt genug sind? Das werden wir vielleicht nie erfahren. Denn zuerst einmal muss das IOC, das nach einer ewig langen Karenzzeit endlich die Ermittlungen eingeleitet hat, die Belege für den Fälschungsakt als plausibel akzeptieren. Wer weiß, ob Jacques Rogge daran ein Interesse hat. Und zweitens müssen erst einmal die Sportfunktionäre in China ihre Betrugsversuche zugeben. Aber falls sie den krassesten Fall weiter abstreiten, werden sie das vor allem mit einer Paranoia unterfüttern, die alle Beschuldigungen erst mal auf die bösen Ausländer schiebt, das wären die, die ein Problem mit der chinesischen Unterdrückungskultur haben.

Aber vielleicht erstmal zu dem konkreten Vorgang, der nach Informationen der Londoner Times endlich vom IOC untersucht wird, nachdem der Internationale Turnverband offensichtlich seine Unfähigkeit dokumentiert hat, eine Angelegenheit zu klären, die in seiner Zuständigkeit liegt, weil sie das Regelwerk betrifft: Man muss 16 sein, um international turnen zu dürfen. Die fragliche Chinesin ist 14.

Es gab in den letzten Tagen schon Fundstellen im Internet, die belegten, dass die Aufsicht gepennt hat. Ich schrieb dann aber lakonisch: "Niemand hat den Mut oder möchte in China den Chinesen ins Gesicht sagen, dass sie betrügen." Warum? Die Turnwettbewerbe und die Spiele standen noch am Anfang. Eine Aufklärung des Sachverhalts und die Aufhellung der unmoralischen Haltung der Chinesen hätte mit einem Schlag die Stimmung gekippt – und das mehr als eine Woche vor dem Ende der Veranstaltung.

Kurz vor Schluss der Spiele ist diese Gefahr gebannt. Zumal sich die betroffenen US-Turnerinnen und ihre Begleiter nicht sonderlich echauffierten. Wer weiß, welchen Dreck die am Stecken haben, dass sie (außer Ex-Trainer Bela Karoly, der im Studio als Fachkommentator seinen Einschätzungen freien Lauf ließ) so still vor sich hin schwiegen? Sie hatten jeden Grund zu meckern: Sie haben schließlich die Goldmedaille in der Mannschaft und am Stufenbarren verpasst.

Als ich gestern las, was der New Yorker Blogger Mike Walker herausgefunden hatte, habe ich denn auch ehrlich gedacht: Das wird niemanden weiter beschäftigen, dass es nun noch mehr Beweise für den Betrug gibt. Denn obwohl die Hinweise auf die Verschleierungsmaßnahmen der chinesischen Sportführung nun klar und deutlich werden, nachdem sie die entscheidenden Webseiten mit den inkriminierenden Excel-Dateien klammheimlich aus dem Netz genommen hat: Wahrscheinlich brauchen die Verantwortlichen die Beweise auf dem Silbertablett, ehe sie einen Anfangsverdacht entwickeln und selbst ermitteln. Aus diesem Grund habe ich nichts über die Fundsachen geschrieben. Obwohl es mich ziemlich in den Fingern gejuckt hat.

Einen Tag später hat sich der Skandal weiterentwickelt und der Blogger scheint auf dem Weg zum Stardetektiv. Ich denke, er wird (sicher nicht bei NBC) im Fernsehen auftauchen. Und er wird allen kleinen Kindern, die davon träumen, mal selbst einen großen Fall zu knacken, als Vorbild dienen. Man fühlt sich übrigens unweigerlich an dogfood, allesaussersport und die "Tonstörung namens Godefroot" erinnert. Denn auch in jenem Fall vor einem Jahr war kein Journalist in der Lage gewesen, den Knackpunkt aufzuhellen. Das war die Leistung eines Bloggers gewesen. Etwas, was man beim Spiegel in der umstrittenen Blogger-Geschichte neulich sehr gerne übersehen hat. Einen Monat später allerdings zollt man dem findigen Blogger Walker bei diesem Spiegel sehr viel mehr Respekt. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil er in New York sitzt und nicht in Hamburg?

Walker selbst spielt sich in der Sache bis zu einem gewissen Grad herunter. "I am one, but You are Many. Good luck.", schrieb er seine Leser, um sie ermuntern, sich mit der Technik des Auffindens von Informationen im Internet vertraut zu machen. Sein eigentliches Thema: Das Ausmaß an Zensur, in die offensichtlich in China auch Google verwickelt ist. Denn über die chinesische Suchmaschine Baidu gab es bei seiner Suche durchaus relevante Resultate.

30. Juni 2008

Kunst und Katharsis

Am Tag danach hat in Deutschland eine Bestandsaufnahme stattgefunden, die angesichts der Geschwindigkeit, mit der diese Texte entstehen müssen, schlichtweg erstaunlich ist. Vor allem, wenn man die Gravitas berücksichtigt, die sich bei solchen Gelegenheiten einschleicht. Das muss man sich mal vorstellen: Da hat die liebste Mannschaft der Nation ein Match mit dem knappsten aller Ergebnisse mit 0:1 verloren. Und schon setzt es Analysen, die so tun, als sei Zeit für Katharsis.

Das Verlangen ist immer das Gleiche. Es entspringt dem Impuls einer enttäuschten Kritikergemeinde, die sich gewöhnlich sehr sachverständig und wohlwollend mit dem Fußball im Großen und im Kleinen beschäftigt. Aber nach den wochenlangen sorgenvollen Blicken über den Zaun am Rand des Mannschaftslagers im Tessin und dem permanenten Lugen durch die Ritzen dieses inszenierten Schweigens, bei dem jede Pressekonferenz und jedes Round-Table-Gespräch absolut nichts Neues produziert, mag der Kritiker nicht länger zurückhalten mit den Vorbehalten. Denn er weiß es und hat es schon immer gewusst, dass diese Niederlage symptomatisch und wegweisend zugleich war: "Die Probleme sind fundamentaler." (Ralf Köttker in der WELT). Vermutlich gibt es da nämlich mehr als jene "inneren Widersprüche und sportlichen Defizite" im Team, die Philip Selldorf (Süddeutsche Zeitung) erspäht hat. Mehr als den Irrglauben im Führungskader der Auswahl, wonach "Spiele schon allein aufgrund spielerischer und taktischer Klasse" gewonnen werden können (Michael Horeni in der FAZ). Es muss da noch irgendwo unter dem Rasen von Wien eine tiefe Wahrheit über die deutsche Mannschaft geben. Und die muss ausgebuddelt werden.

Nennen wir es den deutschen Reflex. Auch so eine Tugend wie die anderen, die im Rest der Welt gerne sterotyp den Nachkommen der Germanen zugesprochen werden. Und zwar Reflex im doppelten Sinne – als Nervenimpuls und als Ableitung von "Reflexion". In dem vorliegenden Fall gehören dazu Betrachtungen über Handlungsbedarf, allerlei Beschwerden, der Gestus des Analytischen und bei manchen auch das Insinuieren (etwa von massiven internen Meinungsunterschieden, die niemals als positiv bewertet werden. Meinungsunterschiede sind nach einer landläufigen Basisannahme professioneller Kritiker einfach Gift. Dialektik? Nein, danke.).

Wer vergessen hat, was Heinrich von Kleist mal in diesem Zusammenhang geschrieben hat, dem sei es noch einmal in Erinnerung gerufen: "Wir sehen, daß in dem Maße, als in der organischen Welt die Reflexion dunkler und schwächer wird, die Grazie immer strahlender und herrschender hervortritt." Der Umkehrschluss ist in diesem Zusammenhang noch reizvoller: Je mehr man bei der Betrachtung des Showgeschäfts aufs Nachdenken und auf Bespiegelungen verfällt, desto mehr verliert man den Blick für die Aufführung selbst.

Bei der Darbietung der deutschen Fußballer am Sonntag in Wien wäre dann doch wohl als allererstes mal festzuhalten, dass die Männer in Weiß-Schwarz wirklich nur Statisten waren. Mit anderen Worten: Sich mit ihnen zu beschäftigen und ihre mimischen Darbietungen zu charakterisieren oder auch noch gar zu interpretieren, wäre mithin so aussagestark wie die Kritik einer Aufführung der Verdi-Oper Nabucco, die sich hauptsächlich dem Gefangenenchor und seinen Mitgliedern widmet. In einem solchen Ensemble machen auch ganz ordentliche Sänger mit, aber um eine Analogie zu benutzen, die dem dogfood von allesaussersport abgeluchst ist: Im Chor landen jene, "die nicht die Werkzeuge und die Spielintelligenz" haben, "die im Spiel sich stellenden Probleme zu lösen": ein Solo hier, ein verdammt hohes C dort, eine Theatralik, die überzeugt, Timing, Einvernehmen mit dem Dirigenten des Orchesters etc.

Vielleicht klingt das komisch. Aber sollte man sich an einem solchen Tag nicht zuerst und überhaupt nur mit den wirklichen Stars auf der Bühne beschäftigen? Und herausfiltern, wo bei denen die Musik spielt und mit welchem Singsang die arbeiten? Auf der Suche nach deutschsprachigen Beiträgen, die sich vor und nach dem Finale mit dem spanischen Kunstwerk beschäftigen haben, konnte man tatsächlich so einiges lernen (Vielleicht kapieren es die nächste deutsche Nationalmannschaft und der DFB und der Jogi noch rechtzeitig vor der kommenden WM, vielleicht auch nicht):

"Tatsächlich ist Spaniens Kurzpassfußball allenfalls auf den ersten, oberflächlichen Blick selbstverliebt. In Wirklichkeit wissen sie ihn taktisch exzellent einzusetzen....Keine Elf bei der EM ließ weniger Torchancen zu...." Ronald Reng in der Financial Times

"Wir haben diesen Kader seit vielen Jahren verfolgt... Fàbregas machte als U17-Spieler bei einer unserer Endrunden erstmals auf sich aufmerksam. Wir haben verfolgt, wie die spanische Mannschaft den letzten U17-Wettbewerb in der Türkei gewonnen hat und es war eine der besten Leistungen, die ich je von einer Jugendmannschaft gesehen habe. Die Spanier werden weiterhin versuchen, die nächste Generation weiterzuentwickeln.....Man muss den Spanischen Fußballverband loben. Sie haben mit viel Arbeit und Einsatz die Spieler weiterentwickelt. Gestern Abend haben sie an ihrer Philosophie festgehalten, sie haben nicht versucht, etwas zu ändern. Sie sind nicht besonders groß gewachsen, deshalb muss man schnell, intelligent und technisch begabt sein.... Ihre Spielweise ist fantastisch kreativ. Es geht dabei um technische Qualitäten, Ballbesitz, brillante Kombinationen, und die Fähigkeit, selbst unter enormen Druck den Ball behaupten." Andy Roxburgh, Technischer Direktor der UEFA.

"Sie beherrschen unterschiedliche Formen des Angriffspiels. Als Konter-Kombinierer sind sie zu überfallartigen Angriffen genauso in der Lage wie zu geduldigen Passfolgen, bis ein Loch in der gegnerischen Abwehr gefunden ist. Ja, die Mannschaft von Aragonés kann sogar das schnelle und langsame Spiel in einem Angriffszug miteinander verbinden, den frühen Pass und den ganz späten." Christoph Biermann auf SpOn.

"Wir sind die Besten!“ tönt das Sportblatt Marca. „Klar schaffen wir das!“, heißt es bei As, Unterzeile: „Spanien erhebt den Fußball in den Rang der Schönen Künste.“ Dort also wollen sie hin, ins Museum, in die Kulturgeschichte. Ein höheres Ziel hatte noch niemand." Paul Ingendaay, FAZ.

7. Januar 2007

Singh-Sang und Seattles Sieg: Wild ist etwas anderes

Während Vijay Singh in Kapalua langsam, aber sicher einem Sieg zuschreitet und dabei vor allem durch seine Putting-Qualitäten überzeugt, lässt sich mit einem Blick auf den Fernsehschirm ganz entspannt das NFL-Playoff-Wochenende abhaken. Der wichtigste Punkt in der Bilanz: Die Mannschaften, die stärker eingeschätzt wurden, fanden alle am Ende Mittel und Wege zu gewinnen. Bleiben acht Teams übrig, die sich am kommenden Wochenende beharken.

In der NFC sind das
Chicago Bears - Seattle Seahawks
New Orleans Saints - Philadelphia Eagles

In der AFC spielen:
San Diego Chargers - New England Patriots
Baltimore Ravens - Indianapolis Colts

Wild war an dem Wild-Card-Wochenende nur ein Spiel: die Niederlage der Dallas Cowboys in Seattle, bei der den Zuschauern ein höchst unterhaltsamer vierter Spielabschnitt geboten wurde, der hauptsächlich aus einer Kette von Fehlleistungen bestand (für ein detailliertes Studium der kritischen Phase empfehlen wir diesen Post von dogfood bei alles aussersport). Hier statt dessen ein paar Gedanken, die die Themen streifen, die wir hier vor einer Weile angetextet haben. Zu erst einmal betreffend die Entscheidung von Mike Holmgren, bei Rückstand von 13:20 und einem Fourth Down zwei Yards vor der Endzone kein Field Goal zu probieren, sondern ein Laufspiel, das dann nicht funktioniert (siehe "Super-Bowl-Weisheiten, Folge 3" als Inspiration und Hintergrund-Info). Die Entscheidung war zwingend: Mit einem Field Goal kommt man nur auf 16:20 heran, braucht also immer noch einen Touchdown, um etwas zu erreichen. Da kann man den Touchdown auch gleich in diesem Moment probieren. Wenn man nicht scort, ändert sich nichts: Man braucht auch dann noch einen Touchdown, um zumindest gleichzuziehen. Ein weniger etablierter und weniger gut bezahlter Coach als Holmgren hätte womöglich trotzdem lieber die Field-Goal-Lösung gewählt. Wegen des besseren Eindrucks. Die Ironie der Entscheidung konnte der Seahawks-Trainer natürlich nicht ahnen. Dallas mit einer schlechter Ausgangsposition an der eigenen Zwei-Yard-Linie fängt sich einen Safety und muss danach den Ball schnurstracks wieder bei Seattle abliefern. Nicht schlecht für Holmgren und seinen Quarterback Hasselbeck, der postwendend den Touchdown produziert, der Seattle mit 21:20 in Führung bringt. Wiederum entscheidet Holmgren in diesem Moment richtig. Er lässt eine Zwei-Punkt-Conversion versuchen, um auf 23:20 zu kommen. Das bedeutet im Falle eines ja durchaus möglichen Dallas-Field-Goals, dass man sich zumindest in die Verlängerung retten würde. Wenn es nicht funktioniert, ist auch nichts passiert. Ein Point-After-Kick brächte nur einen Punkt. Damit wären die Seahawks bei 22 und ständen keinen Deut besser. Der Plan funktioniert nicht, aber unterstreicht erneut, wie Holmgren als Game Coach tickt: Er will immer eher mehr als weniger. Natürlich ist es nicht sein Verdienst, dass Tony Romo im Gegenzug den Field-Goal-Versuch von Dallas vergölst, aber es ist die Basis für eine aggressivere Haltung der Mannschaft im vierten Viertel. Holmgren hätte man hinterher keinen Vorwurf machen können, falls seine Mannschaft verliert.

Nun zu Dr. Z. und seiner Detail-Prognose (siehe vorhergehender Post hier). Falls Dallas das eigentlich sichere Field Goal kurz vor Schluss produziert, trifft sein Vorhersage von 23:20 für die Cowboys fast ein. Hut ab. Aber knapp daneben ist auch vorbei. Eine Wette gegen die Linie der Buchmacher in Las Vegas (Seattle gewinnt mit drei Punkten Vorsprung oder mehr) brachte dennoch Geld ein. Geld, um sich als Anhänger der Cowboys einen fetten Rausch an- und sich das Hundegesicht von Bill Parcells schön zu trinken, der in der Pressekonferenz ganz anders drauf war, als man ihn kennt. Keine cholerischen Attacken gegen die fragenden Reporter. Keine sarkastischen Bemerkungen auf Kosten der Spieler. Das sah aus, als ob der "Thunfisch" wusste, dass er am Ende seiner Fahnenstange angekommen war. Wir brauchen nicht zu wetten. Denn eines ist klar: Parcells geht in die Rente. Der Mann hat nichts mehr im Tank.

1. April 2009

Zum neuen Quartal: Bulletin aus HH

Beste Nachricht des Tages? Nein, nicht dass Mario Gomez zumindest die Gegner dazu zwingt, Eigentore zu fabrizieren. Dies hier: dogfood (Kai Pahl) hat ein ausführliches Bulletin durchgegeben, das zum ersten Mal etwas genauer beschreibt, was ihn neulich so rasch ins Krankenhaus gebracht hat und weshalb das keine kleine Operation war. Wie schon vermutet: Statt mit dem unaufdringlichen laparoskopischen Besteckkasten wurde der Patient nach alter Sitte behandelt. 20 Zentimeter Schnitt, mein lieber Herr Gesangverein. Sich von einem solchen Eingriff wieder aufzurappeln, ist nicht einfach und braucht Zeit. Der Mann wird vermutlich sogar demnächst Sport treiben müssen. Den Blog dazu malen wir uns schon mal aus. Er könnte heißen: aag (allesaussergalle).