31. Juli 2009

Gal: Absacker am zweiten Tag

Hart ist der Boden aller Realität: Sandra Gal hat auf dem Par-72-Platz bei den British Open in der zweiten Runde eine 80 gespielt, gestandene elf Schläge schlechter als am Tag davor. Das heißt, sie ist so gut wie mit keinem einzigen Loch zurecht gekommen. Nach dem Absacker liegt sie im vorderen Mittelfeld und schafft den Cut, genauso wie Martina Eberl, die einen Schlag mehr auf dem Konto hat. Bettina Hauert ist noch unterwegs und könnte sich noch nach oben hangeln. Sie liegt einen Schlag unter der derzeitigen Cut-Linie.

30. Juli 2009

Aber Hallo: Gal führt bei den British Open

Man mag nichts beschreien und nichts beschwören, wenn man liest, dass Sandra Gal nach dem ersten Tag der British Open auf dem schweren Linksplatz in Lytham St. Annes in England mit einem Schlag Vorsprung auf dem ersten Platz liegt. Aber vermelden will man es dann doch. "Um 21.15 Uhr und am Ende einer Runde, die fast sechs Stunden dauerte, chippte Gal aus dem Rough am Grün am letzten Loch den Ball über einen Hügel und legte ihn rund 30 Zentimeter von der Fahne entfernt ab und lochte ihn zu einem brillianten Par ein", schwärmte AP. Die Agentur zitierte Gal hinterher folgendermaßen: "Du gewinnst kein Major in der ersten Runde, aber es ist immer nett, wenn man oben steht. Es steht noch viel Golf auf dem Programm, und ich freue mich darauf."

Noch drei Runden, um genau zu sein. Und das auf einem Platz, auf dem kleine und große Fehler zum täglichen Brot gehören. Weshalb am Ende genauso wichtig sein wird, wer am entspanntesten spielt und wer sich aus der Ruhe bringen lässt. Martina Eberl liegt sechs Schläge hinter Gal auf dem 24. Platz und kann sich gute Chancen auf eine Platzierung ausrechnen, die ihr für eine Qualifikation für den Solheim Cup nützlich sein würde. Bettina Hauert auf Platz 106 mit 9 über Par kämpft mit der Cut-Linie.

Schmutzige Socken: Auch Ortiz war gedopt

Die Mannschaft, die im Jahr 2003 2004 nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit die World Series gewinnen konnte, hatte mehr als nur einen Doper im Team. Das berichtet die New York Times, die sich seit Wochen um die Frage kümmert: Welche Spieler wurden im Rahmen der damals durchgeführten so genannten anonymen Proben positiv getestet? Der neue Name ist David Ortiz von den Boston Red Sox. Offiziell sind die Namen unter Verschluss, auch nachdem die Ermittlungsbehörden bei einer Beschlagnahmeaktion bei der Spielergewerkschaft die fraglichen Daten sichern konnten. Statt die Unterlagen zu schreddern (etwas, was die Spieler vermutlich gerne gehabt hätten), waren sie aufbewahrt worden. 104 Spieler wurden vor sechs Jahren als Doper identifiziert, eine Zahl, die hoch genug war, um eine Vereinbarung der Liga mit der Gewerkschaft wirksam werden zu lassen, wodurch ab 2004 ein reguläres Testprogramm begann.

Die Einführung von Tests sorgte für ein auffälliges Phänomen: Spieler, die bis dahin wie Popeye-Klone aussahen, schrumpften gleich reihenweise. Die Home-Run-Flut ging zurück. Zu den Spielern, die inzwischen die Einnahme von Anabolika zugegeben haben, gehört der höchst bezahlte Spieler der Liga, Alex Rodriguez von den New York Yankees.

Bei den Red Sox konnte man bislang immer sehr ahnungslos tun. Denn ihr ehemaliger Outfielder Manny Ramirez wurde erst neulich offiziell positiv getestet. Er spielt jedoch seit dem letzten Jahr bei den Los Angeles Dogders und nicht mehr in Boston. Dank der Sache mit Ortiz wird man sich nun wohl doch befleißigen müssen, das Thema abzuarbeiten. Die Flecken auf der Weste werden wohl trotzdem bleiben.

Blick zurück: Der Name Sosa befindet sich vermutlich auch auf der Liste

Olympisch fern sehen

In fast jedem größeren Land der Welt gehört es zum Alltag der Eliten, sich aufmerksam und pomadig im Spiegel zu betrachten und genussvoll um den eigenen Bauchnabel zu kreisen, um auf diese Weise zu erforschen, wie der Rest der Menschheit wohl so ticken könnte. Die Innensicht der Außensicht der Innensicht.

In Deutschland stand dieser Reflex zwar jahrzehntelang offiziell auf der schwarzen Liste, weil dadurch die unfrohe Erinnerung an das na(r)zis(s)tische Debakel wach gerufen wurde. Aber ausgerottet wurde er nicht. Er tobte sich nur – gut kaschiert – in anderen Segmenten des gesellschaftlichen Alltags aus.


Im Sport zum Beispiel, wo man sich mit einer Fußballnationalmannschaft identifizieren kann, die tradionell zu den besten der Welt gehört und die Mythologie mit dem “Wunder von Bern” bereichert hat. Wo man bei Olympischen Spielen seit den denkwürdigen Tagen von Berlin 1936 im Medaillenspiegel zwar nicht mehr mit den Übermächten wie den USA, Russland (vorher UdSSR) und neuerdings China Schritt halten kann, aber sich notgedrungen auch an Disziplinen begeistert wie Synchron-Turmspringen oder Dressurreiten.


Der Faszinationsmechanismus funktioniert vermutlich so ähnlich wie bei den Modeweinen, die immer etwa fünf Jahre lang brauchen, bis sogar die Frau an der Kasse im Supermarkt weiß, welche Sorte man trinken muss, um als Kenner zu gelten. Nach weiteren fünf Jahren haben sich alle den immer gleichen Geschmack leidgetrunken. Im Sport haben wir uns auf diese Weise eine Zeitlang an Tennis besoffen. Und dann an Skispringen. Radrennfahrer waren auch mal penetrant populär. Dieser Tage erreicht die Abwärtsbewegung in der Geschmackskurve gerade solche Kuriositäten wie Boxen und Biathlon. Nicht schlimm: Die Triathleten stehen bereit. Snowboarder könnten Lücken schließen.


Die Beispiele zeigen, dass Spitzensport jenseits der etablierten großen Ligen in wenigen Mannschaftssportarten weltweit trendabhängig ist und von der Hand in den Mund lebt. Das Fernsehen leistet einen erheblichen Teil in der besinnungslosen Verwertungs- und Verwurstungskette: Es schüttet Geld in die Maschine und erzeugt Aufmerksamkeit. Dieser Mechanismus ist mitverantwortlich für die Bereitschaft von Athleten zum Doping und zum Betrug und für den Zynismus der Hintermänner, die ein idealtypisches Bild von einem sauberen Sport auf die Fahnen geheftet haben, das sich naiven Sponsoren aus der Industrie verkaufen lässt, die die Medienpräsenz von Sport als Vehikel für ihre eigenen Geschäfte nutzen.


Da ist es nachgerade absurd, dass ausgerechnet die Gebührenzahler des öffentlich-rechtlichen Fernsehens solche Netzwerke mit ihrem Geld füttern. Genauso wie die Tatsache, dass das nach eigener Einschätzung so anspruchsvolle öffentlich-rechtliche Fernsehen keine Distanz zum Thema Sport herstellen kann, sondern sich lieber als Transmissionsriemen von Interessen einspannen lässt, die in einem effektiv unkontrollierbaren, immer häufiger auf Pump in Milliardengrößenordnungen basierenden, grenzenüberschreitenden Kartell das Unterhaltungsbedürfnis der Massen bedienen.


Aber weil es an der notwendigen Distanz fehlt, darf man sich über das Lamento nicht wundern, das Bernd Gäbler in seiner neuesten Kolumne bei stern.de aufgreift (siehe Das Schachem um die Olympiarechte). Da beklagen sich Vertreter des Gebührenfernsehens doch tatsächlich darüber, dass das IOC ihnen nicht mehr einfach für vergleichsweise kleines Geld die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 überlässt. Die Olympiabosse hatten nämlich das Lizenzpaket, das sonst immer geschlossen an die European Broadcasting Union (EBU) ging, einem Makler in die Hand gedrückt, der mit jedem einzelnen Land Verträge abschließen darf und nun hofft, dass die ARD, das ZDF und die BBC im Wettbewerb mit Privatsendern wie SAT1, RTL oder Sky mehr bieten als sie bisher gezahlt haben.


Was bei den Beschwerden stets untergeht, ist die Frage: Wer leidet eigentlich wirklich darunter, sollten die öffentlich-rechtlichen Sender dabei den Kürzeren ziehen? Die Sportler, die in den Glanzsportarten hinreichend Geld verdienen und in Deutschland obendrein in einem beachtlichen Umfang vom Steuerzahler als Soldaten oder Polizisten alimentiert werden? Oder vielleicht die Zuschauer, die womöglich nicht mehr wochenlang von morgens bis abends zäh dahinzappelnde Veranstaltungen mit Athleten aus 200 Ländern geboten bekommen, die keiner kennt (die Athleten nicht und auch nicht die Länder)? Die Modernen Fünfkämpfer und andere Exoten, die sowieso niemand wahr nimmt? Oder leidet am Ende doch nur das Selbstverständnis der Programmverantwortlichen, die nicht von alten Gewohnheiten lassen können? Wozu in Deutschland die absurde Sondersituation gehört, dass man nicht ein Team, sondern gleich zwei komplette Reporter-, Redakteur- und Technik-Teams an die Veranstaltungsorte schickt – von ARD und ZDF.


Was hat das mit dem eingangs erwähnten Bauchnabel zu tun, um den in Deutschland bei solchen Themen gekreist wird? Das Betrachten desselben füttert ein falsches Selbstwertgefühl und fördert Verzerrungen in der Einschätzung der wahren Verhältnisse. Nur so lässt sich die Warnung von ARD-Programmdirektor Volker Herres erklären (zitiert nach Gäbler): “Sollte es zu einem Verlust der Fernsehrechte an den Olympischen Spielen kommen, würde dies zahlreiche, vor allem kleinere Sportarten, entwerten. Wir würden unser Engagement zwischen den Spielen für jede Einzelsportart überprüfen.” Da fragt man sich: Warum so lange warten? Warum wird nicht bereits jetzt überprüft? Oder anders: Warum wurde es nicht schon vor Jahren getan?


Dass es dem IOC um viel Geld geht, ist spätestens seit 1984 klar, als die Spiele von Los Angeles erstmals in der Geschichte der Spiele enorme Überschüsse erwirtschafteten. Dass Superstars die Plattform bevölkern dürfen, um Publikum neugierig zu machen, wurde 1992 etabliert, als das Dream-Team der USA den Rest der Welt mit attraktiven Basketball an die Wand spielte. Die Veränderungsprozesse gehen weiter. Wozu gehört, dass inzwischen das ganze antiquierte olympische Sammelsurium aus Kanu und Judo, Segeln und Tontaubenschießen nur noch dann als medienrelevant wahrgenommen wird, wenn es Event-Charakter bekommt. Auch das ist nicht neu. An dem Rad haben die Öffentlich-Rechtlichen doch gerade in Deutschland bis zum Erbrechen selber gedreht –mit den Klitschkos und anderen Import-Boxern aus Ländern, in denen die ARD und das ZDF von niemandem empfangen werden. Wenn das Gebührenfernsehen eine Chance auf Neubesinnung im Umgang mit Sport hätte, dann jetzt. Jetzt, da ihm vom IOC die kalte Schulter gezeigt wird. Dazu müsste man aber den Kopf nach oben bringen und nach vorne schauen. Am besten in die Zeit nach 2016. Wenn die Olympischen Spiele unter der Last des eigenen Größenwahns zusammenfallen.

(Dieser Text ist gleichzeitig bei carta.info erschienen, dem Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie, der in Berlin produziert wird und vor ein paar Wochen mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Redaktion & Autorschaft ausgezeichnet wurde.)

29. Juli 2009

Es ist zum Heulen: Tanz um die Coyoten geht weiter

Das Aufsichtsgremium der National Hockey League hat soeben per Beschluss den Kaufantrag von Jerry Reinsdorf und seinen Freunden abgenickt und dem Mitbewerber Jim Balsillie einen Korn gegeben. Die Entscheidung, die unterstreicht, dass die anderen Clubs in der Liga dafür sind, dass die Phoenix Coyotes in Arizona bleiben, zwingt den Konkursrichter, der in Phoenix das Insolvenzverfahren vorantreibt, zu gar nichts. Der kann zum Beispiel sagen, dass die Offerte von Reinsdorf zu niedrig ist, um alle Gläubiger hinreichend zufrieden zu stellen. Aber sie ist ein klares Signal. Denn wenn sich der Richter am Ende für den fast dopelt so viel Geld bietenden Balsillie und einen Umzug des Club nach Kanada aussprechen sollte, müsste die Liga ihre Einwilligung geben. Und dazu ist sie nicht geneigt. Damit kommt eine dritte Lösung wieder ins Visier: die komplette Liquidation des Clubs verbunden mit einem Regress auf ligaeigene Geldquellen, um die Schulden abzudecken.

Shaq vs. Becks

Shaquille O'Neal versucht über Twitter David Beckham zu erreichen, weil er ihn auf diese Weise für eine neue Fernsehsendung ins Boot holen will. In der neuen Sendung schwimmt er gegen Michael Phelps, spielt gegen Serena Williams Tennis, steigt gegen Oscar de la Hoya in den Ring. Bislang hat Becks noch nicht reagiert. Dafür haben es Zeitungen wie der Telegraph in London.

Übrigens: Es gibt jetzt auch Tweets von American Arena. Die ersten Erfahrungen mit dem Konzept sind gemischt. Der Server spinnt immer mal wieder und spamt einem irgendwelche Leute rein, über die man nichts wissen will. Auf der anderen Seite kann man schon mal schnell mit jemandem kommunizieren, mit dem die Verabredung über Skype nicht klappt, weil die gerade irgendeine Macke haben.

Sehnsucht nach dem kleinen Karo

Wenn man mal in Cooperstown und in der Baseball Hall of Fame gewesen ist, versteht man die besondere Stellung der Sportart in der amerikanischen Mythologie. Eine kleine, herausgeputzte Stadt am See in einer attraktiven Mittelgebirgslandschaft, die provinziell und traditionell zugleich wirkt, ist das perfekte Passepartout zu jener Mythologie wie sie von solchen kuriosen und gleichzeitig populären Politikern wie Sarah Palin beschworen wird. Die Mehrheit der Amerikaner mag in großen Städten wie New York und aufgedunsenen Agglomerationen wie Los Angeles und den in den Sand gebaggerten exurbanen Ausläufern von Metro-Wohnmaschinen wie Phoenix, San Diego oder Atlanta leben – die Idee, dass das real America, also das echte Amerika, woanders zuhause ist, lässt sich davon nicht beeinflussen. Die Sehnsucht nach dem kleinen Karo in einem so großen Land. Ja, die gibt es. Und sie ist stark.

Es gibt Vorläufer für diese Beharrlichkeit, die zeigen, dass man in den USA unter Selbstreflektion eben nicht so etwas versteht wie Vergangenheitsbewältigung, sondern so etwas wie eine geschönte und gefönte Nachbearbeitung der Realität. Geschichtsbewusstsein kommt so nicht zustande. Man denke nur an den langen Lauf der Cowboy-Filme in Hollywood und im Fernsehen. Bis in die siebziger Jahre wurde ohne Unterlass dieses Genre-Bild gefüttert, das zu dem Zeitpunkt mehr als hundert Jahre alt war und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) zu keinem Zeitpunkt den authentischen Westen abzubilden versucht hatte, im gleichen Atemzug aber roboterhaft alle Klischees von Gut und Böse durchratterte.

Wie angenehm zu lesen, dass es im selben Land durchaus Stimmen gibt, die die Luftblase der Wohlanständigkeit und den aufgetragenen Lack des Klischees zum Platzen bringen. Konkret: Das Buch Cooperstown Confidential: Heroes, Rogues and the Inside Story of the Baseball Hall of Fame von Zev Chafets. Mit dem Anstrich "Confidential" produziert das Buch allerdings Erwartungen, die es nicht einlöst. Da wird nichts enthüllt, was nicht bereits bekannt wäre. Sondern einfach nur kompakt zusammengetragen, was oft gerne unter den Teppich gekehrt wird: Dass zu den in Cooperstown geehrten Baseballspielern Leute gehören, die als Drogenhändler verurteilt wurden oder sogar zugegeben haben, dass sie die Regeln ausgetrickst haben, um es in dieses Walhall der Sportart zu schaffen. Das passt übrigens ganz gut zu den aktuellen Diskussionen über die eventuelle Rehabilitation von Pete Rose (der als Trainer auf den Ausgang von Majore-League-Spielen gewettet hat) und die Stimmung gegen die gedopten Stars, denen man gerne die Aufwertung zur Sportlegende verweigern möchte. Man muss wohl nicht das Buch kaufen, aber man sollte vielleicht mal diese Besprechung in der New York Times lesen.

27. Juli 2009

NFL: Nachwuchs für die Chef-Etagen

Die Verjüngungskur in den oberen Etagen des amerikanischen Sports geht nahtlos weiter (während an manchen Stellen noch immer die Patriarchen mit dem Geist des 19. Jahrhunderts regieren, also Figuren wie Joe Paterno in Penn State. Der ist fast hundert Jahre alt). Ende letzten Jahres wurde bei den San Francisco 49ers mit Jed York ein 27-jähriger in den Sattel gehoben. Der Job (Team President) ist alles andere als einfach. Der einst so erfolgreiche Club bedarf dringend einer sportlichen Energieauffrischung.

Es gibt Ambitionen für ein neues Stadion außerhalb der Stadt. York hinterließ einen ersten Eindruck seiner Entscheidungsfreude, als er den Trainer entließ und Mike Singletary verpflichtete, dem ein Ruf als Schinder und Diktator vorausging. Jetzt wurde er vom Blog Niners Nation interviewt. Ein Indiz dafür, dass er einen entwickelten Spürsinn für die neue Medienrealität besitzt.

Bei den New Orleans Saints handelt es sich um eine junge Frau, der Enkelin von Club-Besitzer Tom Benson, die ganz offensichtlich für die Aufgabe ausersehen wurde, der Mannschaft neuen Schwung zu geben. Assoziationen an Any Given Sunday werden wach, dem Football-Film von Oliver Stone, wo die junge Cameron Diaz den altenn Coach Al Pacino nervt. Die Neue – Rita Benson LeBlanc – ist keine Schauspielerin, sondern eine Marketing-Spezialistin, die nach dem Studium zunächst in den Büros anderer NFL-Clubs gearbeitet hat und seit einer Weile die Karriereleiter bei den Saints hochklettert. Ihr offizieller Titel: Executive Vice President.

US-Verteidiger Onyewu: Erster Einsatz bei AC Mailand

Wenn AC und Inter in einem Freundschaftsspiel gegeneinander antreten, wird man nicht überall auf der Welt viele Zuschauer auf die Beine bringen. Aber in Foxboro außerhalb von Boston, der Heimstatt der New England Patriots, klappt das. Da kamen gestern 42.000 Besucher und sahen unter anderem den Amerikaner Oguchi Onyewu bei seinem ersten Einsatz für seinen neuen Arbeitgeber AC. Onyewu war vorher beim belgischen Meister Standard Lüttich und zeigte beim Confed-Cup in Südafrika als Alles-Aufräumer der amerikanischen Hintermannschaft seine eigentlichen Qualitäten. Sollte sich der Verteidiger in Mailand auf einen Stammplatz vorkämpfen, wäre das ein weiteres Indiz für das Potenzial von US-Kickern. Der Ordnung halber noch das Resultat: 0:2 aus Sicht von AC.

ESPN: Konsequentes Abstrafen

Vor ein paar Tagen hat sich ein Leser anonym beschwert, weil ihm eine Formulierung in einem Text über ESPN nicht gepasst hat: Geschrieben stand da, dass der Sender so wirke, als werde er mittlerweile "von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika" gelenkt. Ich hatte in diesem Zusammenhang an die politischen Verhältnisse im Iran gedacht (man kann sich auch andere Theokratien ausmalen), wo von oben nach unten regiert wird und alles seinen geordneten Gang geht, solange niemand muckt oder etwas verändern will.

Wie das im Prinzip funktioniert, wissen wir. Wie es ein Sender umsetzt, nicht so gut. Immerhin hat sich heute Mike Freeman bei CBS Sports zur Wort gemeldet und folgende Einschätzung abgeliefert:

"Nach Angaben mehrerer Leute bei ESPN sind bis zu hundert Leute – überwiegend Journalisten – vom ESPN verbannt worden oder werden zur Zeit verbannt. Die Zahl könnte höher sein."

Kein Medienunternehmen habe sich "so stalinistisch in der Behandlung abweichender Meinungen" gezeigt, schrieb Freeman, der ein Buch über die Geschichte des Senders geschrieben hat, in dem auch der interne Umgang mit dem Thema "sexuelle Nötigung" abgehandelt wird. Freeman geht in seinem Vorwurf allerdings weiter. Auch das NFL Network, das zwar der Liga gehört, aber in den höheren Etagen eine Reihe von Ex-ESPN-Leuten beschäftigt, scheibt sich an dem Boykott bestimmter Journalisten zu beteiligen.

Die absichtsvolle Abstinenz schließt ganz offensichtlich auch die beiden profiliertesten amerikanischen Sport-Blogs ein: Deadspin und The Big Lead.

Warum ist das alles von Belang? Der Sender mit seinen Tentakeln im Print-, Radio- und Online-Sektor ist eine Geldmaschine und inzwischen so groß und einflussreich, dass es kein Gegengewicht im US-Mediengeschäft mehr gibt. Zwar halten in manchen Bereichen die großen Networks wie CBS, NBC und Fox (ABC gehört wie ESPN zu Disney) noch eine gewisse Position, weil sie im Rechtgeschäft für eine Reihe von Sportarten noch hinreichend mithalten können. Aber die sich abzeichnende Konsolidierung dieses Mediensegments, vor dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des ganzen Landes nicht Halt machen werden, werden die Position des Kabelanbieters weiter stärken. Ehe nicht NBC Universal, das einen umfangreichen Kanal-Mix betreibt, ernsthaft in den Wettbewerb einsteigt, wird es kein ernsthaftes Gegengewicht geben. Der Sender ist allerdings zur Zeit noch immer auf die Olympischen Spiele fixiert, wo er sich eine Stellung als Monopolist aufgebaut hat. Für andere Ambitionen scheinen die Ressourcen zu knapp. Man macht NHL-Eishockey nur als schnelle Drive-in-Kost, hat nur ein bescheidenes Bein im NFL-Geschäft und konzentiert sich ansonsten hauptsächlich auf Tennis und Golf. Vermutung von dieser Stelle aus: Da die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele nach 2012 in London noch nicht vergeben sind und der Austragungsort der Sommerspiele 2016 noch nicht feststeht, könnten sich ab Oktober neue Kräftefelder auftun. Prognose: Sollte Chicago bei der Kandidatur verlieren, wird es für NBC keinen Grund mehr geben, sich mit diesem enormen Drahtseilakt zu beschäftigen., bei dem man eine Milliarde Dollar ausgeben muss, um etwas mehr als eine Milliarde Dollar einzunehmen.

25. Juli 2009

Was der Körper alles verrät

Kluge Menschen haben endlich eine Möglichkeit gefunden, langwierige Prozesse abzukürzen und die Beweisaufnahme aufs Wesentliche zu reduzieren. Besser als Lügendetektoren und richtig gut fürs Fernsehgericht. Man möge doch einfach so genannte Körpersprache-Experten anheuern, die in der Lage sind zu beurteilen, ob ein Mensch die Wahrheit sagt oder nicht. Das jüngste Beispiel dafür, wie einfach und schnell man schwierige Fälle lösen kann, ist die Arbeit von Sally Chopping, die von einem Fernsehsender in Pittsburgh engagiert wurde, um sich den Auftritt von Ben Roethlisberger bei seiner Pressekonferenz anzuschauen. Dort hatte der Quarterback der Pittsburgh Steelers den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs auf eine Hotelangestellte in Reno kategorisch zurückgewiesen. Ms. Chopping, durch ihren britischen Akzent als Charakterdarstellungs-Bewertungsinstitution ausgewiesen, kam zu einem klaren Resultat: Nicht schuldig. Der Mann sagt die Wahrheit.

Übrigens: Ms. Chopping lebt davon, Managern genau das beizubringen, was sie hier herausgefiltert hat – die überzeugende schauspielerische Leistung, mit der man in jeder Lebenslage dem Rest der Welt einen vormachen kann.

24. Juli 2009

Weißwäscher mit Flecken auf der Weste

Nur ein Jahr nach dem Medaillenfestival in Peking hat die jamaikanische Leichtathletik jene Spuren der Leistungsmanipulationen offenbart, für die es schon immer Indizien gab, nur keine Beweise. Gleich fünf Dopingfälle hat das kanadische Labor identifiziert, das die Proben aus Kingston erhalten hatte, die bei den Meisterschaften von 50 Athleten genommen wurden. Die betroffenen Sportler wurden noch nicht benannt. Es soll sich um vier Männer und eine Frau handeln. Das gab ausgerechnet jener Mann öffentlich bekannt, der im vergangenen Jahr als Weißwäscher herumlief und jeden Verdacht ins Reich der Fabel verwies: Dr. Herb Elliott, ein Arzt. Die Öffentlichkeit hatte schon damals jeden Grund, diese frivole Haltung anzuzweifeln. Auch wegen solcher Geschichten. Wir sind auf die Namen der glorreichen Fünf gespannt.

23. Juli 2009

Wer die Qual hatte, hat die Wahl

Michael Vick soll nach Informationen von zwei ESPN-Reportern in der nächsten Woche die Chance erhalten, jenen 31 Clubs der National Football League seine Dienste anzubieten, die ihn noch nicht unter Vertrag hatten. Die Atlanta Falcons hatten sich angesichts der strafrechtlichen Probleme des Quarterbacks von ihm, so schnell es ging, distanziert, aber erst im Juni vertraglich getrennt. Bis dahin hatte das Team den im Mai aus dem Gefängnis entlassenen Football-Profi überall herumgereicht. Aber kein Club wollte ihn haben, beziehungsweise für ihn im Rahmen eines Tausches irgendeinen Spieler abgeben. Das hatte womöglich damit zu tun, dass die NFL-Spitze den wegen Tierquälerei verurteilten Vick auf unbestimmte Zeit gesperrt hatte. Eine solche Sanktion kann eine Liga jedoch nicht ewig aufrecht erhalten, wenn sie nicht Gefahr laufen will, wegen Diskriminierung verklagt zu werden. So soll der 29-jährige in dieser Saison noch einen Nachschlag von vier Spielen Sperre erhalten. Und dann wird ein Strich unter die Angelegenheit gezogen.

In seiner besten Zeit war Vick der höchstbezahlte Spieler in der NFL. Die beiden Strafprozesse (bundesrechtlich sowie in Virginia auf der Basis des dort geltenden bundestaatlichen Rechts) haben sein Vermögen auf Fingerhutgröße reduziert.
Blick zurück: Vick zahlt Millionen an Atlanta, um aus seinem Vertrag herauszukommen
Blick zurück: Die Villa, die keiner haben will
Blick zurück: 23 Monate Freiheitsentzug und ein Schrieb an den Richter

...und rollt und rollt und rollt

Lance Armstrongs Firma Capital Sports & Entertainment hat am Montag die Domain teamradioshack.com angemeldet und wurde am Donnerstag von einer Nachricht auf espn.com aufgescheucht, die eine rasche offizielle Reaktion erzwang. Dazu gehörte die Stellungnahme des Pedaleurs und das Aufschalten der neuen Website. Der neue Hauptsponsor des dritten amerikanischen Profi-Radteams ist eine Ladenkette, die sich auf den Verkauf von Elektronik, Telefonen und anderen Gadgets spezialisiert hat und der Filialen über ganz Amerika verstreut anzufinden sind. Für die neue Mannschaft will Armstrong nach Angaben der Los Angeles Times auch als Langstreckenläufer und Triathlet antreten.

Sein Wert für einen amerikanischen Sponsor ist weiterhin sehr hoch. So meldete der Fort Worth Star-Telegram, dass seine Teilnahme an der Tour de France die Einschaltquoten des Spartensenders Versus, der die Übertragungsrechte an dem Rennen für die USA besitzt, vom letzten Jahr zu diesem um 88 Prozent gestiegen sind. RadioShack (das ist die offizielle Schreibweise ohne Leerraum zwischen den beiden Wörtern) steckt bereits einen Teil seiner Werbeausgaben ins NASCAR-Geschäft.

Kompass in der Tunika

Der world wide leader befindet sich auf einem seltsamem Kurs. Als die Nachricht über die Zivilklage gegen Pittsburgh Steelers Quarterback Ben Roethlisberger die Runde machte, gab es zwei Tage lang kein einziges Wort auf ESPN. Der Fernsehsender hat einen eigenen News-Kanal und eine Aktualitäten-Show namens SportsCenter und kann sich nie herausreden und sagen, sie hätten keinen Platz gehabt. Zwei Tage, in denen sich nicht nur die Blogger wunderten: Was ist das für eine redaktionelle Politik? Wenn schwarze Football-Profis in Schwierigkeiten geraten, werden sogleich die Reporter in Marsch gesetzt oder zumindest die Meldungen vom AP-Ticker abgelesen. Wenn der Quarterback des amtierenden Super-Gewinners in schattigem Licht erscheint, hält man sich zurück. Mit Schweigen. Liegt das am Ende an der Hautfarbe der betreffenden Person und den Klischees im amerikanischen Alltag? Wer weiß? Inzwischen wurde berichtet.
(Nachtrag: Und Roethlisberger hat sich mit einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt, in der alles bestreitet. Fragen von Journalisten hat er keine beantwortet.)

Der Sender wirkt zunehmend wie gelenkt von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika. Das kann man an der Reaktion auf die Berichterstattung der New York Post in der Erin-Andrews-Sache erkennen. Das Boulevard-Blatt, das soviel Druckerschwärze produziert, dass man sich mit einer einzigen Ausgabe einen Schornsteinfeger-Look zum Karneval verpassen kann, hatte mal wieder die alte Nummer abgezogen: Empörung (über den bösen Videofilmer) und voyeuristische Geilheit (seht her, liebe Leser, so sieht die Frau nackt aus) in einem Aufguss. Bei ESPN, wo man ganz offensichtlich zum ersten Mal mit allen rechtlichen Mitteln und mit viel Dampf eine populäre Mitarbeiterin des Hauses verteidigt, führte das zu folgender Reaktion: Es wurden alle Sportreporter der Zeitung, die bislang als Experten bei allerlei Gelegenheiten eingesetzt wurden, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Zeitung, die Rupert Murdoch gehört und eine politisch rechte Ausrichtung pflegt, lässt sich durch solche Schüsse vor den Bug nicht beeindrucken. In einer Meldung auf der meistgelesenen Klatschspalte Amerikas (Page Six), gab es die erste Retourkutsche: ESPN wurde als "Mickey-Maus-Sportnetwork" verspottet. Warum das? Der Sender gehört zum Unterhaltungskonzern Disney.

An den zwei Sachverhalten fällt einiges auf. Erstens: ESPN ist mächtig und übt die Macht auch aus. ESPN hat sehr schwammige Kriterien im Umgang mit Prinzipien. Was immer denn deutlich wird, wenn der Sender den Eiertanz zwischen Rechteverwerter und Cheerleader von Sport (zur Zeit ist das Baseball, Mondey Night Football, NBA, Major League Soccer, Collegesport) einerseits und distanziertem Journalismus andererseits hinbekommen muss. Ich bin gespannt, ob der neue Ombudsman Don Ohlmeyer zu diesen Themen etwas zu sagen hat. Gedanken zu dem alten Fernseh- und Fahrensmann hat dogfood bei allesaussersport bereits vor ein paar Tagen formuliert. Sollte man lesen, wenn man sich für den Sender interessiert, der zwar bei den Bundesliga-Rechten neulich nicht ins Geschäft kam, aber inzwischen im Land von Elizabeth Zwo mitmischt.

Gehälter für Nowitzki und Co.: Cuban lebt auf Pump

Der Chef von Dirk Nowitzki und der Mann, der den jungen Deutschen damals in Würzburg zusammen mit Trainer Don Nelson besuchte, um ihn dazu zu bewegen, in die NBA zu wechseln, tragen öffentlich eine interessante Fehde aus. Am lautesten kräht dabei Mark Cuban, der vermutlich Oberwasser hat, weil er erst vor kurzem einen Freispruch erster Klasse in einem anderen Fall erhalten hat. Im Grunde gar nichts sagt Ross Perot jr., der ehemalige Besitzer der Dallas Mavericks, der noch immer einen kleinen Anteil an der Halle hält, die der Club zusammen mit dem Eishockey-Team Dallas Stars vor ein paar Jahren gebaut hat. Was er nicht sagen will, sagt seine Klageschrift. Es geht um Darlehen in Höhe von 29 Millionen Dollar und eine komplizierte Schachtelbeteiligungssituation, in der Cuban offensichtlich sehr viel Management-Macht hat.

Zur Schachtelbeteiligung: Cuban gehört der Club und eine Mehrheitsbeteiligung an der Firma Radical Arena, der wiederum ein Drittel der Betriebsgesellschaft des American Airlines Center namens Center Operating Co. gehört. Perot ist mit der Firma Hillwood an Radical Arena beteiligt. Radical Arena erwirtschaftet Überschüsse, von denen Cuban in seiner Rolle als Chef das Geld seinem anderen Laden – den Mavericks – geliehen hat. Zunächst waren einfach nur die Zinssätze grandios niedrig. Dann aber schob Cuban die Fälligkeit des Kredits hinaus und spendierte sich für die ausstehende Summe eine noch niedrigere Verzinsung.

Sollten die von der Perot-Seite vorgebrachten Fakten stimmen, sehen wir hier nicht nur einen Finanzjongleur bei der Arbeit, sondern jemanden, der offensichtlich in seinem manischen Bedürfnis, seinen Spieleretat in die Höhe zu treiben, den Sinn für die Realitäten verloren hat. Tatsächlich verschleudern die Mavericks seit Jahren enorme Summen und müssen Luxussteuer an die NBA entrichten, weil sie über der Salary Cap liegen. Und das alles auf Pump. Die sportliche Leistung ist im Vergleich dazu undiskutabel. Auch wenn Cuban in seiner Stellungnahme seine Verschwendungssucht mit Worten wie "we tried to improve the team further" kaschiert.

Man sollte davon ausgehen, dass Nowitzkis Chef auch diesen Rechtsstreit nicht verlieren wird. Denn als Chef von all diesen Schachteln kann er schalten und walten und Geld von einer Ecke in die andere transferieren. Das wird ihm als nächstes ein Gericht bestätigen.

22. Juli 2009

Die (vermeintliche) Macht der Baseball-Liga

Hier ist – als Einstieg zu einem längeren Exkurs – erst mal eine aktuelle Information für Medien- und Urheberrechtsspezialisten, die sich für die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten interessieren (zugegeben: vermutlich eine Kleinstgruppe): Major League Baseball hat Viacom gezwungen, aus einem in den Internetarchiven geparkten Clip der Daily Show mit Jon Stewart den jammervollen Pitch von Präsident Obama beim All-Star-Spiel herauszuschneiden. Viacom ist die Fernsehfirma, der der Comedy Channel und die Sendung gehört, die inzwischen als das vertrauenswürdigste Nachrichten-Programm Amerikas eingestuft wird. Was ist das Problem? Die Rechte an den Aufnahmen gehören der Liga, die nichts dagegen hatte, dass im Rahmen der sogenannten Fair-Use-Klausel des amerikanischen Urheberrechts gleich nach dem Ereignis im Fernsehen ungefragt Ausschnitte gezeigt und kommentiert wurden. Aber dass diese Ausschnitte nun online als Kopie der Sendung ad infinitum zu sehen sein würden, das ging der Liga gegen den Strich. Viacom reagierte vorsichtshalber und schnitt die fragliche Stelle aus dem Archivstück heraus. Wie die Geschichte weiter geht, weiß noch keiner. Sollte sie vor einem Gericht landen, darf man gespannt sein, wie ein Urteil aussieht. Es wäre allerdings kurios, wenn die Argumentation der Baseball-Leute durchdringen würde. Das würde auf andere Medien, sagen wir mal Bücher, übertragen heißen: die Erstauflage darf Zitate aus anderen Werken enthalten, aber alle weiteren Auflagen nicht, denn damit verdient der Verlag und der Autor Geld, das er dem Rechteinhaber des Orginalmaterials vorenthält.

Ohne an dieser Stelle allzuweit auszuholen: Das wäre absurd und würde die Rolle der durch eine Reihe von höchstrichterlichen Urteilen untermauerten Rechtsdoktrin völlig aushöhlen. Eine Sichtweise, die es unter anderem ermöglicht, dass in den USA zu Zwecken der Parodie keine Genehmigung vom Urheberrechtsinhaber des parodierten Materials eingeholt werden muss. Aber nichts am und im Rechtswesen lässt sich vorher genau vorhersagen.

Mir fällt in solchen Momenten meistens der Rechtsstreit um die Videos vom deutschen Amateuerfußball ein. Da haben zwei Instanzen in Deutschland auf der Basis des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb mit einem Federstrich das Urheberrecht ausgehebelt. Das Verfahren geht nun in die dritte Instanz – vor den Bundesgerichtshof. Oliver Fritsch vom Indirekten Freistoß und Triebfeder hinter den Hartplatzhelden hat heute getwittert, dass die Anwälte diesmal wohl eine etwas andere Stoßrichtung haben. Sie wollen offensichtlich weniger die Frage zuspitzen, wer denn eigentlich in einer freien Gesellschaft das Recht an den entstehenden und entstandenen Bildern hat. Diesem Argument, das auf der Basis des Urheberrechts eindeutig für die Ersteller der Videos spricht und das durch seine Formulierungen klar macht, dass Sport keine urheberrechtlich geschütze Leistung ist, hatten die beiden ersten Instanzen eine eiskalte Schulter gezeigt. Vielleicht wäre es deshalb wirklich wirksamer, die Gegenseite – den Württembergischen Fußballverband – dazu zu zwingen, endlich mal zu beweisen, dass sie überhaupt sind, was sie immer behaupten: ein Veranstalter von Fußballspielen. Genauso wie sie mal beweisen sollten, dass sie so etwas wie ein Gewerbebetrieb sind und nicht ein steuerfreier, vom Staat alimentierter Verein, der sich eine Geschäftstätigkeit anmaßt, zu der er gar nicht befugt ist.

Zur Interpretation des Veranstalter-Begriffs im Sport ist die folgende Passage aus dem Buch von Matthias Laier mit dem Titel Die Berichterstattung über Sportereignisse ganz nützlich. "Nach dem BGH erbringen die Vereine die wesentliche wirtschaftliche Leistung" und "die wesentliche organisatorische Leistung", liege "beim Heimverein". Falls der Verband für sich einen eigenen Leistungs- und Abgeltungsanspruch in die Waagschale werfen will, reicht es nicht, "bloße Koordinierungsaufgaben" wie die "Erstellung des Spielplans" erbracht zu haben. Wobei sich diese Abwägung ausschließlich auf den Profisport bezog. Das fiel beim OLG in Stuttgart nicht ins Gewicht. Der Senat schien von seiner persönlichen, "aus eigener aus Stadionbesuchen, Massenmedien und Presse gewonnener Kenntnis" (siehe Absatz 117) so sehr beeindruckt, dass er den Unterschied zwischen Amateurfußball und Profifußball und die gewerblichen Kriterien desselben sowie der Funktion eines Verbandes einfach unter den Tisch fegte. Der Unterschied sei "nicht prinzipieller sondern nur gradueller Natur", meinten die Richter. Offensichtlich hatten sie sich nicht die Mühe gemacht, die Satzung des Verbandes zu lesen und sie mit dem entspechenden Grundlagenpapier der Deutschen Fußball-Liga zu vergleichen. Die DFL ist eine GmbH. Der WFV ist ein der Gemeinnützigkeit verpflichteter steuerbefreiter Verein, der nicht mal in seiner Satzung den Anspruch formuliert, dass ihm irgendetwas an den Spielen gehört.

Mir sind bei den letzten Recherchen zum Thema ein paar andere kluge Gedanken aufgefallen, die sich in einem Rechtsgutachten mit dem Titel Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter?“ von Professor Dr. Reto M. Hilty und Dr. Frauke Henning-Bodewig finden und die sich unter anderem mit den Auswirkungen der vor ein paar Jahren vorgenommene Reformierung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb auf die Rechtssprechung in diesem Bereich befassen. Ich empfehle Menschen mit Sinn für juristische Fragen dieses Papier. Es ist durch die Bank erhellend. Zwei Zitate sollten aufhorchen lassen:

Seite 41: "Die wirtschaftliche Auswertung der im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen erbrachten Leistungen fällt in den Schutzbereich des Rechts am Gewerbebetrieb. Vorausgesetzt wird jedoch weiter ein unmittelbarer und betriebsbezogener Eingriff. Die ungenehmigte Ausnutzung der wirtschaftlichen Leistungen der Sportveranstalter müsste sich also gegen dessen „Betrieb“ richten."
Den "Betrieb" des Amateurfußballs in Baden-Württemberg haben die Hartplatzhelden zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Im Gegenteil: Der Verband konnte sogar ohne Störung einen eigenen Vertrag mit einer Firma über die Verwertung von Videos im Internet auf die Beine stellen.

Seite 47: "Aus dem geänderten Verständnis des UWG 2004 folgt daher, dass ein Schutz der Leistungen des Sportveranstalters auf der Grundlage der Generalklausel nur in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen in Betracht kommen wird. Investitionen als solche in eine Sportveranstaltung sind daher de lege lata nicht schutzfähig. Dies gilt auch, wenn sie zu konkreten Ergebnissen wie die Erstellung von Spielplänen etc. geführt haben."

Und so sei aus diesem Anlass noch mal dran erinnert (auch wenn die Materie kompliziert ist und die Beschäftigung damit ziemlich mühsam): Solidarität mit den Hartplatzhelden ist mehr als eine Attitüde. Es geht bei der Entscheidung in Karlsruhe um mehr als nur um Fußball. Es geht um den Bestand des Urheberrechts, der Gewerbefreiheit und der Meinungsfreiheit.

Pfusch mit dem Alter: DNA-Tests schaffen Klarheit

Major League Baseball nutzt DNA-Tests, um das wahre Alter von Spielern zu ermitteln, die aus Mittelamerika kommen. Der Hintergrund: Die Dominikanische Republik gehört seit Jahren zu einer der Hauptnachwuchsschmieden der amerikanischen Profiligen. Aber immer wieder gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass das wahre Alter nach unten korrigiert wird. Der Grund ist einleuchtend: Wenn man stärker ist, als die angeblich gleichaltrige Konkurrenz, hat man bessere Chancen auf einen Vertrag. Inzwischen werden prospects ziemlich gut bezahlt, selbst dann wenn nicht klar ist, ob sie jemals das höchste Spielniveau erreichen.

Auf den ersten Blick wirken solche Tests wie eine gute Sache. Aber juristisch gibt es da ein Problem: die Geninformationen gehören zur Privatsphäre und obliegen dem Datenschutz. Mehr in einem ausführlichen Bericht in der New York Times von heute (via The Big Lead, wo das Thema als "gefährlicher Tanz" aufgebauscht wurde). Im Grunde geht es um nichts anderes als bei den Dopingregeln auch. Die greifen weit über das Übliche im normalen gesellschaftlichen Alltag in die Privatsphäre ein und verstoßen dabei sogar gegen einen im Alltag geltenden Rechtsgrundsatz, wonach erst einmal ein begründeter Verdacht vorliegen muss, ehe die Sanktionsautorität ermittelt. Für den Dopingbereich wurde der Grundsatz festgezurrt: der Athlet muss bei den Kontrollen mitmachen, sonst kann er nicht mitmachen. Leistungssport ist schließlich freiwillig. Genauso wurde das Prinzip verankert, wonach der Athlet für den Befund in seinem Körper verantwortlich ist, ganz egal ob die Substanzen mit Absicht, aus Versehen oder ganz ohne seinen umittelbaren Einfluss in diesen Körper gelangt sind.

In der Welt der amerikanischen Baseball-Profis wird man vermutlich die Nachricht über das DNA-Thema mit Widerwillen und bösen Vorahnungen quittieren. Man erinnere sich: Die Befunde aus der anonymisierten ersten Doping-Kontrollphase wurden am Ende von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, obwohl die Sportler sich nur unter der Prämisse hatten testen lassen, dass die Resultate anonym bleiben.

Davon abgesehen, was hindert eigentlich den Internationalen Turnverband und das IOC, solche Tests auch bei den chinesischen Turnerinnen vorzunehmen, die ganz offensichtlich bei den Olympischen Spielen gegen die Altersregeln verstoßen haben?

21. Juli 2009

Blondinen bevorzugt

Vor ein paar Tagen wurde Erin Andrews das Opfer ihres Berufs. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Erin Andrews läuft in den USA unter sideline reporter. Und das bedeutet, dass man bei einem Baseballspiel einer ständig drohenden Gefahr ausgesetzt ist: dass man von einem herumirrenden Ball getroffen wird. Ein Baseball ist ein steinhartes Objekt aus Kork und Leder und hat schon so manchen Spieler schwer verletzt. Erin Andrews erlitt zum Glück nur eine Prellung am Kinn und wurde ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen scheint die Sache verheilt. Es gab ein paar Meldungen auf den Seiten von amerikanischen Sportbloggern, die mit einer auffallenden Hingabe das Wohl und Wehe der blonden Fernsehfrau verfolgen. Das war's.

Am Wochenende wurde Erin Andrews Opfer ihres Ruhms. Einer Bekanntheit und Popularität, die sehr wenig mit ihrer Fähigkeit zu tun hat, vor laufender Kamera gerade Sätze zu formulieren, sondern mit ihrem Aussehen. Wie wichtig das ist, erkennt man schon an der gängigen Kategorisierung jener Arbeit, die Erin Andrews erledigt, wenn sie während der Liveberichterstattung von Spielen Trainer und Akteure interviewt. Man nennt die Leute (inzwischen sind es überwiegend Frauen): sidelinehotties. Niemand ist hotter als Erin Andrews.

Deshalb schlug auch die Aktion ihres Arbeitgebers ESPN große Wellen, nachdem ein durch eine kleine Öffnung in der Wand (womöglich auch durch das Guckloch in der Tür) eines Hotelzimmers geschossenes Video von ihr im Internet zu kursieren begann. An dem Video ist nur eines bemerkenswert: Erin Andrews trägt keine Kleidung und bedient damit – ungewollt und ohne es verhindern zu können – die erotischen Phantasien einer ganzen Generation von jungen Sportfans, die auf einer reichen Diät aus ESPN-Berichten und Blog-Beiträgen groß geworden sind. Das Video, obwohl von den meisten Seiten angesichts der möglichen rechtlichen Konsequenzen, sofort wieder getilgt, geistert auch noch weiter herum. Cache-Links helfen den unerbittlichen Suchern, die in den letzten beiden Tagen die nackte Erin Andrews zum Spitzenreiter der Such-Charts gemacht hatten.

Das heißt, die Prognose von letztem Jahr – "Es wird nicht mehr lange dauern, und Leute werden Sportübertragungen anschauen, um Erin Andrews zu sehen. Nicht wegen des Sports." – ist damit eingetroffen. Wer sich für die Hintergründe des Phänomens interessiert, sollte sich die alte Geschichte zu Gemüte führen. Sie selbst wurde damals mit den Worten zitiert: " I don’t look at myself as a sex object. I’ve never carried myself in that way." So unschuldig. So naiv. So lange her.

Dies ist ein anderes Video mit der Dame, in dem ein College-Trainer beim Interview versucht, ihr etwas sehr nahe zu treten.

18. Juli 2009

Chicago das Opfer der Kabale?

In eigener Sache: Der Deutschlandfunk hat heute einen ausführlichen Bericht über den Streit zwischen dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (hierzulande gerne USOC genannt) und dem IOC ausgestrahlt. Es geht ums Geld. Und um einen eigenen Fernsehkanal, den die Amerikaner ohne NBC und notfalls auch ohne das Wohlwollen von NBC auf die Beine stellen wollen.

Die Gemengelage ist inzwischen derart kitzlig, dass man das Gefühl nicht los wird, dass womöglich Chicago zum Opfer der Kabale wird. Die Stadt tritt gegen Madrid, Rio de Janeiro und Tokio bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an. Die Entscheidung fällt am 2. Oktober in Kopenhagen. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, bei der die Rolle des Dritten, des Senders NBC, von purem Eigennutz getrieben ist. Das taktische Verhalten der NOK-Führung, die erst vor kurzem neu besetzt wurde, wirkt dagegen vergleichsweise generös, allerdings auch ungeschickt. Mal wieder besonders dubios sind die Signale aus den Reihen des IOC, wo man sich wohl offensichtlich von dem Schock der letzten Jahre der Samaranch-Ära erholt hat, als man sich angesichts von zahllosen Korruptionsfällen vor dem Zorn des mächtigen amerikanischen Kongresses fürchten musste, der über allerlei Daumenschrauben verfügt, um die grandiose olympische Idee auf ein kleineres Format zusammenzustauchen.

Das wurde durchgestanden. Der Salt-Lake-City-Skandal wurde abgearbeitet. Samaranch ging in den Ruhestand. NBC zahlte Milliarden und stach dabei dank der gut geölten Kontakte die inneramerikanischen Konkurrenten aus. Nun verlangt der Sender wohl den return on investment aus Lausanne: eine harte Haltung gegenüber dem NOK in Sachen Fernsehprojekt. Der Medienkonzern hat dabei seine beste Karte bereits gespielt, als er dafür sorgte, dass die Vergabe der Fernsehrechte für 2016 bis nach Kopenhagen vertagt wurde. Ich sah das zu seiner Zeit als interessantes Druckmittel an, um den IOC-Mitgliedern aus dem Rest der Welt durch die Blume zu sagen: Wenn ihr wieder viel Geld wollt, solltet ihr uns (NBC) die Spiele in Chicago geben.

Mittlerweile könnte angesichts des Fehlens eines jeden echten quid pro quo sicher auch jemand anderer das Rennen machen. Und NBC würde sich möglicherweise aus der Olympiaberichterstattung zurückziehen. Dick Ebersol, dem Chef, wäre das sicher auch egal, ob er die Rechte hat oder nicht, wenn die Spiele 2016 in Tokio stattfinden. Er hat das Ende seiner Karriere erreicht.

Der alte Mann und das Mehr

Vor einem Jahr hatten wir das schon mal so ähnlich. Da stand Greg Norman am Sonntagmorgen am ersten Abschlag der British Open, nachdem er drei Tage lang locker und gekonnt gespielt hatte. Er lag in Führung und wirkte wie jemand, dem man das Unwahrscheinliche zutrauen konnte. Im hohen Alter jenseits der 50 noch einmal alles zu zeigen und alles zu geben und ein bedeutendes Turnier zu gewinnen. Daraus wurde nichts. Andere waren zäher, konzentrierter, präziser.

In diesem Jahr heißt der Frührentner, der mit einem Schlag Vorsprung auf Leute, die halb so alt sind wie er, die letzten 18 Löcher attackiert, Tom Watson. Der wird in zwei Monaten 60 Jahre alt und kann bei einem solchen Turnier nur deshalb mitmachen, weil ihm als ehemaligem Champion bis in dieses hohe Alter das automatische Startrecht zusteht. Fünfmal hat er allein die British Open gewonnen, darunter eine denkwürdige direkte Auseinandersetzung gegen Jack Nicklaus hier in Turnberry. Watson brauchte vor kurzem ein neues Hüftgelenk und läuft auch damit ziemlich eckig über den Platz. Das Gesicht verrät einen Grübler, der ganz offensichtlich nicht aufgehört hat, über das Golfspiel und seinen eigenen Schwung nachzudenken. Sein Rezept besteht aus stoischer Ruhe, einem akkuraten und kontrollierten Abschlag, dem auch der Seitenwind nichts anhat und der Fähigkeit, auf diesen nur leicht ondulierten Grüns den Ball auch aus der Distanz im Loch zu versenken.

Als er heute vom amerikanischen Fernsehen interviewt wurde, ließ er durchblicken, dass er nicht einfach nur Golf spielt. Er setzt einen Plan um, den er sich für die letzten 36 Löcher überlegt hat. Einen Tag vor der Entscheidung hatte er das Gefühl, genau das erreicht zu haben, was er sich ausgemalt hatte. Mehr verriet er nicht. Weshalb wir morgen zuschauen müssen, wenn wir wissen wollen, wie das mit dem Plan ausgeht. Nur soviel ist klar. Von hinten wird sich kaum jemand auf diesem Parcours mit einer niedrigen Schlagzahl nach vorne arbeiten können. Dazu ist Turnberry zu schwer. Der einzige Gegner, den Watson wirklich in Schach halten muss, ist er selbst.

Martin Kaymer kann sich allerdings sicher noch einen besseren Platz erspielen. Auch nach den acht Bogeys von heute und einer 74er Runde, durch die er auf den 27. Platz zurückfiel. Vom zehnten Rang ist er nur zwei Schläge entfernt.

Tom Watson gibt zusammen mit Werbepartner Cadillac hin und wieder Unterricht. Hier sind seine Ausführungen dazu, wie er das Geheimnis des Golfschwungs gelöst hat.
Das Publikum lacht, wenn er sagt, er habe das das Geheimnis 1992 geknackt. Kein Wunder, denn damals hatte er bereits die beste Zeit hinter sich.

16. Juli 2009

Eine Chance für die Basketball-Diplomatie

Der jüngste Sohn des nordkoreanischen Diktators Kim Jon-il ist ein Fan von NBA-Basketball, trug in seiner Schulzeit teure Nike-Schuhe und verehrte den Kroaten Toni Kukoc. Er fertigte stundenlang Zeichnungen von Michael Jordan an und war froh, über die Gelegenheit, sich in Paris ein Freundschaftsspiel zweier amerikanischer Mannschaften anzuschauen.

Das alles mutmaßte die Washington Post heute in einem ausführlichen Bericht, nachdem ihr Reporter intensiv in der Schweiz recherchiert hatte. Der Artikel dokumentiert zumindest soviel: Wie faszinierend das Ratespiel sein kann: "Ist der Patriarch von Pjöngjang totkrank und wird Kim Jon-un sein Nachfolger?"

Vor vier Wochen wurden erstmals Informationen bekannt, die eine Truppe von ausländischen Journalisten nach Bern pilgern ließ, um von den Verantwortlichen der Schweizer Schule Liebefeld Steinhölzli zu erfahren, ob dort vor ein paar Jahren der mutmaßlich nächste Chefwärter des Gefangenenlagers für Millionen nördlich des 38. Beitengrades unterrichtet wurde. Die Antwort fiel unbefriedigend aus. Was diesmal vermutlich nicht an der typischen Schweizer Zurückhaltung und an den üblichen diplomatischen Gebräuchen lag. Offiziell weiß das wohl wirklich niemand. Der Junge war inkognito unterwegs.

Aber damit gab sich Post-Reporter Andrew Higgins nicht zufrieden und erkundigte sich bei den Familien von Mitschülern jenes mysteriösen Teenagers aus Nordkorea, der in deutscher Sprache Demokratieunterricht erhielt und eines Tages verschwunden war wie ein Phantom. Hundertprozentig konnte auch diesmal nicht herausgearbeitet werden, ob es sich bei jenem Jugendlichen um den Typen handelt, der neulich angeblich den nordkoreanischen Geheimdienst anvertraut bekam, politische Verhandlungen mit der chinesischen Führung abhielt und bereits zum Amtsnachfolger ausgerufen wurde.

Aber wenn er es ist, dann bestände womöglich Hoffnung, dass eines Tages anstelle der Ping-Pong-Diplomatie der Amerikaner eine basketball-diplomatische Initiative entsteht. Zumindest haben die USA zur Zeit einen Präsidenten, der das höchstpersönlich umsetzen kann. One on one. Die andere Option – Golf – hatte Obamas Amtsvorgänger wohl nicht ins Kalkül gezogen. Obwohl es tatsächlich Plätze Nordkorea gibt. Vielleicht hatte er zuviel Respekt vor dieser Geschichte über den Amtsinhaber: "Bei einer Gelegenheit verbreiteten die nordkoreanischen Medien, dass Kim Jong-il bei seiner ersten Golfrunde 1994 einen Eagle erzielt hatte, gefolgt von fünf Hole in Ones." Obwohl George W. Bush war und ist kein schlechter Golfer.

"Am besten mit Demut wappnen"

Die British Open in Turnberry rufen Erinnerungen an eine Runde wach, die ich vor ein paar Jahren auf dem Platz an der schottischen Westküste gespielt habe, und an einen Artikel, den ich anschließend für das Schweizer Golf-Magazin Drive geschrieben habe.

"Es ist grau und nass an dem Morgen, als das Flugzeug in Glasgow landet. Pfützen auf dem Asphalt. Linksverkehr, an den man sich gewöhnen muss. Stau auf der Autobahn. Und eine Vorahnung im Bauch, dass dies alles keine guten Vorzeichen für eine Reise durch jenes Land sind, an das man als Golfer unweigerlich gewisse Ansprüche stellt. Das miserable Wetter ist aus Irland herangefegt, wo es in den Tagen zuvor den Profis im K-Club außerhalb von Dublin zugesetzt hat. Nun toben sich die letzten Reste der Front über Schottland aus. Mit Windböen in einer Stärke von über 50 Stundenkilometern.

Überall auf der Welt erklären einem die Einheimischen, dass man, wenn man mit dem Wetter nicht zufrieden ist, einfach ein paar Stunden warten soll, dann ändert es sich garantiert. In Schottland versprechen sie einem gar nichts. Die unausgesprochene Aufforderung lautet: dass man immer mit allem rechnen soll. Aber dies ist dann doch ein kleines Wunder: In Ayrshire, eine Stunde südlich von Glasgow, am Ende einer Strecke, die der Küstenlinie folgt und an Schafherden und kleinen Bauernhöfen vorbeiführt, reißt plötzlich der Himmel auf.Und so beginnt die Reise in die Geschichte der Freizeitsportart Golf dort, wo einst das Schloss des schottischen Königs Robert Bruce stand, der 1314 in der Schlacht von Bannockburn die Unabhängigkeit von England erkämpfte, fast wie bestellt: Auf dem Ailsa Course von Turnberry. Mit Sonne. Mit brutalem Wind. Mit einem zufälligen Weggefährten, der als Sportreporter bei der Sunday Mail in Glasgow arbeitet. Und mit einer Runde auf einem dieser schwierigen British-Open-Plätze, für die sich der Besucher am besten mit Demut wappnet. Mit ein paar mehr Bällen als gewöhnlich. Und mit der Vision von einem heißen Tee danach.

Der Platz, auf dem sich 1977 die beiden Amerikaner Jack Nicklaus und Tom Watson bis zum 18. Grün ein dramatisches Duell lieferten und auf dem 1994 Nick Price gewann, der Mann aus Simbabwe, verrät heute nichts mehr von seiner kuriosen Geschichte. Zu der gehört, dass ihn die Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg zu einem Flugplatz umfunktioniert hatte. Ein Zustand, aus dem er Jahre danach mit sehr viel Geld herausgerissen wurde."


Heute hatten die Profis überhaupt keinen Wind und kehrten aufgrund dessen mit vergleichsweise guten Resultaten ins Hotel zurück. Tiger Woods hatte jedoch Schwierigkeiten und produzierte eine 71 (eins über Par). Martin Kaymer ist noch unterwegs und scheint ebenfalls eine 71 anzupeilen. Für Freitag ist schlechteres Wetter angekündigt. Die Überraschung des Tages ist der schon erwähnte Amerikaner Tom Watson, der in seiner besten Zeit die British Open fünfmal gewonnen hat. Er ist inzwischen 59 Jahre alt und ging am Morgen mit einer 65 in Führung. Die Leistung ist vergleichbar mit dem, was Greg Norman im letzten Jahr vorlegte. Niemand gab dem Australier auch nur die geringste Chance. Trotzdem ging er in Birkdale als Erster in die letzte Runde und verlor erst am Sonntag die Lockerheit, mit der er das gesamte Feld in Schach gehalten hatte. Er wurde immerhin noch Dritter. Norman hatte 1986 das Turnier in Turnberry gewonnen. Heute kratzte er nur eine 77 zusammen.

Update 13.35 h Ortszeit New York: Kaymer hat sich gegen Ende der Runde noch gesteigert und zwei Birdies erzielt. Eine 69 ist sein Resultat für den ersten Tag. Vier Schläge hinter Watson, dem Amerikaner Ben Curtis und dem Spanier Miguel Ángel Jiménez, die sich den Spitzenplatz teilen.

Update 13.46 h: Jiménez spielt eine 64 und setzt sich an die Spitze. Plus: Er unterstreicht auf diese Weise, dass die nostalgischen Wünsche, die Watson auch morgen wieder begleiten wetden, eben doch nicht mehr sind als das: nostalgisch. Mehr über Watson auf faz.net.

Update 13.52 h: Beim Blick aufs Klassement bleibt der Blick ganz unten bei einem alten Bekannten hängen: Sir Nick Faldo. SIR Nick Faldo? Ja. Die Königin hat den Maybach-Besitzer geadelt.

15. Juli 2009

Der Klingelbeutel: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Die Hochzeitsfeierlichkeiten sollten zwei Millionen Dollar kosten und im Mandarin Oriental, einem der schicksten New Yorker Hotels, stattfinden (Geheimtipp für New-York-Besucher: von der Lobby aus hat man einen feudalen Blick auf den Central Park, und zwar kostenlos, man muss dafür ja nicht gleich ein Zimmer buchen). Aber kurz vorher sagte NBA-Profi Richard Jefferson die Sache ab. Immerhin erhielt die Braut bereits einen Tag vorher die schlechte Nachricht. Viele Gäste erfuhren es erst, als sie an Ort und Stelle eintrafen. Jefferson war kurz zuvor von den Milwaukee Bucks zu den San Antonio Spurs abgegeben worden. Die Verlobte hatte einst das Tanzbein für den alten Club des Bräutigams geschwungen, die New Jersey Nets.
NACHTRAG ein Tag danach: Richard Jefferson hat im Radio Details zu seiner Entscheidung mitgeteilt. Die Kosten? Wohl nur ein Viertel des genannten Betrags. Die Mitteilung an die Braut und Gäste? Mehrere Tage vor dem Termin. Per Email. Der Grund? Noch immer nicht ganz klar. Aber es handelte sich um eine langjährige Beziehung, in der beide Seiten immer mal wieder fremd gingen und beiden wohl immer wieder von Trennung gesprochen haben. Wie sagt man da gewöhnlich? Alles nicht so schlimm.

• Der Commissioner der National Hockey League verdient ganz gut. Zuletzt sogar noch mehr: 7,1 Millionen Dollar in der Saison 2007/2008 meldet das Sport Business Journal (via The Big Lead).

• An den Universitäten wird an der Schraube gedreht. Sportbereiche machen zu, weil das Geld fehlt. Stipendien werden gestrichen. Das Orchester, das den Katzenjammer vortragen wird, stimmt zur Zeit die Instrumente. Wir erleben den Anfang vom Ende einer mehr als hundert Jahre alten stolzen und zugleich naiven Sportkultur. Wie immer werden die Opfer nicht nach fairen Maßstäben gebracht. Die hochbezahlten College-Trainer müssen nicht um ihre Pfründe fürchten.

NBA-Spielermarkt: Das Beispiel Marcin Gortat

In eigener Sache: Nachdem sich in diesem Sommer eine Menge auf dem Transfermarkt in der NBA getan hat, war es an der Zeit, die Aktivität und die Hintergründe für das nervöse Hin und Her auszuleuchten. Der Beitrag für die FAZ zu dem Thema wurde heute bei faz.net hochgeladen. Man kann bei einer solchen Gelegenheit in einer Tageszeitung, in der die NBA eine Nebenrolle spielt, die Flut der Ereignisse nicht auch nur annähernd im Detail abhandeln. Man muss sich schlichtweg für einen eigenen und ganz besonderen Themenzuschnitt entscheiden und durch den die bemerkenswerten Facetten auffächern.

Die meisten würden in einer solchen Situationen vermutlich den Schwerpunkt im Text auf den Wechsel von namhaften Figuren wie Shaquille O'Neal (von den Phoenix Suns zu den Cleveland Cavaliers), Vince Carter (von den New Jersey Nets zu den Orlando Magic), Rasheed Wallace (von den Detroit Pistons zu den Boston Celtics) legen. Ich persönlich habe nichts gegen solch eine Herangehensweise, finde aber den Drang nach der Beschäftigung mit den großen Namen eher fad. Was sollen die uns auch schon aufzeigen? Bei solchen Geschäften wird doch nur eine einzige konzeptionelle Überlegung umgesetzt: Die klassische Arbeitshypothese von Clubverantwortlichen, die darauf spekulieren, ihre schon ziemliche gute Mannschaft durch die Verpflichtung eines ausgewiesenen älteren Einzelkönners um jenen Hauch besser zu machen. der ihnen gefehlt hat, um den Titel zu gewinnen. Wenn das drei Manager gleichzeitig machen, wird das am Ende für mindestens zwei von denen trotzdem zu einem Fehlschlag. Es gibt ja jedes Jahr nur einen Champion. Darüber zu spekulieren, wer das am Ende sein wird – die Cavaliers, die Celtics oder die Magic (oder vielleicht doch die Lakers) finde ich journalistisch ziemlich uninteressant. Selbst wenn sich die meisten NBA-Fans vermutlich am liebsten sehr gerne über solche Fragen unterhalten.

Da finde ich schon sehr viel interessanter und anregender, solch ein Thema aus einem etwas anderen Blick anzugehen. Zumal uns naturgemäß die Aussichten von Dirk Nowitzki auf eine Meisterschaft immer noch am meisten beschäftigen. Und in dem Zusammenhang gab es diesen, wie ich fand, sehr vielversprechenden und erst am Montag abgeblockten Versuch des Clubs, den Polen MarianMarcin Gortat aus Orlando zu holen. Gortat, den man in Deutschland noch kennen dürfte, weil er drei Jahre lang bei RheinEnergie Köln im Einsatz war, wirkte wie eine effektive Verstärkung für die Mavericks. Denn die sind mit Erick Dampier wirklich bestraft. Ich fand auch, dass Donnie Nelson dabei taktisch sehr geschickt vorging, als er Gortat, einem restricted free agent, einen überdurchschnittlich hoch dotierten Vertrag anbot, der immer noch weit unter dem Dampier-Salär lag. Denn der zwang die Orlando Magic zu einer langen und harten Selbstbefragung. Sollten sie sich wirklich für 6,8 Millionen Dollar im Jahr einen Ersatzmann für Dwight Howard leisten und sich zum ersten Mal weit ins Luxussteuer-Territorium vortasten? Was niemand ahnen konnte und auch Gortat überraschte: Die Magic zogen gleich und hielten ihn in Florida fest.

Theoretisch hätte man den Artikel auch komplett auf die Orlando Magic zupitzen können, denn deren Einkaufspolitik (sie haben auch noch Brandon Bass verpflichtet, der zuletzt in Dallas als Ausputzer am Brett geglänzt hatte) ist wirklich bemerkenswert. Aber, ehrlich gesagt: Dazu ist noch Zeit, wenn sich abzeichnet, ob sich diese Investitionen gelohnt haben oder ein Schlag ins Wasser waren. Ich sah zunächst vor allem im Los des nunmehr ziemlich reichen, aber auch ziemlich traurigen Marcin Gortat die faszinierendere Schnittmenge eines hyperaktiven Trade-Sommers.

Übrigens auffällig, wenn auch nicht leicht in einen unmittelbaren Zusammenhang zu bringen: In diesem Jahr drehte sich nach dem Ende der Saison in der NBA das Trainerkarussell nur mäßig (anders als in den ersten Wochen der Spielzeit, als gleich sechs Leute ihres Amtes enthoben wurden). Ich tippe mal, dass die relative Ruhe bei den Coaches in einem reziproken Verhältnis zu dem Hin und Her auf dem Spielermarkt steht. Aber beweisen lässt sich das natürlich nicht.

Blackhawks-Manager muss gehen

Der Chef-Manager der Chicago Blackhawks ist für seinen exorbitanten Fehler massiv abgestraft worden. Er wurde seines Amtes enthoben. Wirtschaftlich wirkt sich das nur halb so schwerwiegend aus. Das Gehalt wird ihm auch in der kommenden Saison bezahlt und danach darf er einen – sicher weniger gut dotierten – Posten als Berater des Clubs wahrnehmen. Wir erinnern uns: Dale Tallon war mitverantwortlich dafür, dass die Teamführung insgesamt wohl acht Spielern (die Zahlen sind aus den Medienberichten nicht ganz einfach herauszulesen) , die man eigentlich behalten wollte, die aufgrund des Tarifvertags notwendige rechtsverbindliche Erklärung Papiere zu spät und per Post zuschickte. Entscheidend für die Rechtsverbindlichkeit ist nicht das Datum des Poststempels, sondern wann der Brief beim Spieler eintrifft.

14. Juli 2009

Viel Haut, wenig Hirn

Es tut sich etwas in Europa rund um die Übertragungen von NFL-Spielen im Fernsehen. Nur was das genau ist, hat auch dogfood von allesaussersport noch nicht dechiffriert. Wir sind gespannt...

Nicht alles im TV-Land im Umgang mit den Giganten des weißgestreiften Rasens wirkt so mysteriös. Man nehme nur die neue Reality-Sendung mit Terrell Owens, die am 20. Juli auf VH-1 beginnt. Titel: The T.O.Show. Wir erinnnern uns: über den Wide Receiver der auf seinen Karrierestationen seinen Ruf als Drama Queen gefestigt hat, sei es bei den San Francisco 49ers, den Philadelphia Eagles oder zuletzt bei den Dallas Cowboys, und der ab dieser Saison für niemanden anderen als die Buffalo Bills aufläuft, haben wir schon des öfteren berichtet. Sein angeblicher Selbstmordversuch mit einer Überdosis Pillen war das Highlight.

Natürlich hat man Owens für die Vorabwerbung erst mal sehr schauwertig in Szene gesetzt. Ohne Kleidung. Das wird die Buffalo Bills sicher ärgern, Die wollen doch Owens-Trikots verkaufen. So wird das natürlich nichts. Wer sich schon mal eistimmen möchte:

13. Juli 2009

Grüße aus Vancouver: Ski unheil

Die arme Richterin, die in Kanada über die Aufnahme der Skispringerinnen in das Olympiaprogramm entscheiden sollte, hat sich so salomonisch wie möglich aus der Sache herauslaviert. Ja, sagte sie, wenn Frauen in Sportarten nicht zu den Spielen zugelassen werden, die Männer aber doch, sei das durchaus Diskriminierung. Aber nein, sagte sie, daran könne sie nichts ändern. Das sei die Angelegenheit des IOC.

Wie nicht anders zu erwarten, hat diese Entscheidung den üblichen Mitleidseffekt gehabt. "Enttäuschung pur und Angst um die erhoffte große Zukunft des Frauen-Skispringens" lautete die Einstiegszeile im dpa-Bericht über die Entscheidung, in dem dann bequemerweise nur zwei Seiten zu Wort kamen: die betroffene Sportlergruppe und die gute Lauri Ann Fenlon. So als hätten die Gegner eines solchen Zwangseingriffs von außen überhaupt keine Argumente. Oder als handele es sich bei den Planern von Olympischen Winterspielen um "eine rückständige Herrenrunde", wie Benedikt Voigt im Tagesspiegel und auf Zeit Online schreibt, der damit jedweden Einwand gegen das Begehr der Frauentruppe grosso modo diskreditiert. Das Spektrum der herbeigeredeten Political correctness ist weit gefächert. So befand die österreichischen Zeitung Die Presse, dass Frauen schon allein deshalb auf Olympianiveau mitmachen sollen dürfen: "Sie trainieren so hart wie ihre männlichen Kollegen". Da fängt man dann doch an zu schmunzeln und denkt: Ja, wenn das so ist, dass Leistung nicht zählt, sondern Eifer, warum werden dann nicht die Dartwerfer und Murmelmeister zugelassen? Die trainieren vermutlich auch ganz hart.

Es war zu erwarten, dass bei einem solchen Thema erst mal alle alten Faltenröcke laut rascheln und anders als damals in der Blechtrommel von Günter Grass auf dem kaschubischen Kartoffelacker nichts Bedeutendes herauskommt. Zumal die Fokussierung auf "Mann gegen Frau" (so die Überschrift in Die Presse) einfacher ist als die Auseinandersetzung mit einer viel wichtigeren Frage: Wie kommt es, dass ein ordentliches kanadisches Gericht erklärt, keine rechtliche Entscheidungshoheit zu besitzen, um auf der Basis kanadischen Rechts die Veranstalterorganisation von Olympischen Spielen zu rechtsverbindlichem Verhalten zu zwingen? Wenn das Schule macht, dann ist das ein Armutszeugnis erster Güte für das Rechtsempfinden in Kanada und dem Rest der Welt. Wo steht geschrieben, dass der IOC so etwas wie eine diplomatische Vertretung mit exterritorialen Rechten ist? Darf der IOC also auch gegen die Korruptions- und Steuergesetze des Ausrichterlandes verstoßen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen? Können jetzt Sportler aus fremden Ländern ohne Pass einreisen? Können sich Sportler dopen und das unter Meineid abstreiten, ohne dass sich dafür der Staatsanwalt in Vancouver interessiert?

Es wäre gut, wenn die Skispringerinnen Berufung gegen dieses Urteil einlegen würden. Denn tatsächlich ist Frau Fenlons Supreme Court nicht die höchste gerichtliche Instanz in der Provinz, wie das bedauerlicherweise aus den Berichten in den deutschsprachigen Organen herausklingt, wo man von "Oberstes Gericht" spricht. Es gibt im Instanzenzug des Rechtsstaats noch eine höhere Stufe: den Appeals Court. Die Causa könnte also noch eine Runde lang weiter ausgefochten werden und dann auch ganz anders ausgehen. Für die Sportler und für das Recht des Veranstalterlandes, das bei Olympischen Spielen seine Gesetze gelten und keine anderen.

Im College gewesen. Nicht viel gelernt (Fortsetzung)

Der amerikanische Footballspieler Robert Lunn hat mit seinem Humor und seinen Berichten aus dem niederklassigen österreichischen Liga-Alltag in seiner Heimat offensichtlich einen Nerv getroffen und beachtliche Klickzahlen erreicht. Aber wie sich zeigt, ist der Mann allenfalls gut im Austeilen. Im Einstecken wirkt er wie ein Anfänger.

Als ich im April auf seine Blogeinträge aufmerksam machte, weil sie über Deadspin in den USA ein ziemlich großes Publikum gefunden hatten, brauchte er nicht lange, bis er genau das bestätigte, was mein Text (Titel: "Im College gewesen. Nicht viel gelernt") nur gemutmaßt hatte. Wie wurde das deutlich? Jemand der nicht der Landessprache mächtig ist, nimmt heutzutage gerne eine Übersetzungssoftware im Internet zur Hand. Und das, was die ihm sagt, nimmt er für bare Münze. Aus der Überschrift der American-Arena-Beitrags, der als Gastkommentar auch auf Football Austria lief, wurde bei ihm im Blog beim Versuch einer Replik im Handumdrehen dieses hier: "Rob Lunn has learned nothing in college". Mal abgesehen von der fehlenden Nuancierung, auf die ich besonderen Wert lege: Offensichtlich hatte er nicht mal gemerkt, dass sein Name überhaupt nicht in dem fraglichen Text auftauchte.

Wer nicht lesen kann, vermag aber trotzdem zu schreiben. Und so wurde aus dem falschen Zitat gleich ein regelrechtes Eigentor. Er hoffe solche "broad and sweeping generalization" zu vermeiden, schrieb er empört. Mag sein, dass ihm das hin und wieder auch gelingt. In diesem Fall war seine Verballhornung des Urtextes allerdings nichts anderes als exakt dieses: eine "breit angelegte und pauschale Verallgemeinerung". Dumm gelaufen, möchte man sagen.

Heute verabschiedete sich Lunn von den Lesern von Deadspin und lamentierte noch einmal über die Episode, die ihm ganz offensichtlich sehr nachgegangen war:
"But the ultimate in "ze ignorant American" came when a German reporter did a write up on me titled "What Has This Man Learned in College? Nothing". (That title, by the way, sounds even better when shouted in your best German accent:"NAh-SSING!!!")"

Leider wurde diesmal der Orginaltext zum Text des "deutschen Reporters" nicht verlinkt, obwohl das gewöhnlich in der Bloggerwelt zum guten Ton gehört. Den Namen dieses Reporters nannte er denn auch gar nicht, was zeigt, dass Robert Lunn (Selbstdarstellung: "four years of college, graduating above a 3.0 with a degree in political science") in den vier Jahren an der University of Connecticut neben anderen Dingen auch die Gepflogenheit der Quellenangaben und die Fußnotenkultur nicht gelernt hat. Vom richtigen Zitieren ganz zu schweigen.

Ich gebe aber die Hoffnung noch nicht auf. Was nicht ist, kann ja noch werden.

12. Juli 2009

Fixiert auf Star

Es ist noch keine anderthalb Jahre her, da brachen sich die Medien in Deutschland sprachlich bei dem Versuch einen ab, den Entwicklungsstand des jungen Profigolfers Martin Kaymer in den Griff zu bekommen. Das war kein Ruhmesblatt für die Zunft, denn solche Sprachbilder wie "Lehrgeld", des kleinen Bernhards Langers "große Fußstapfen" und "Shooting Star" dominierten und ließen einen ratlos zurück: Wo bleibt die angemessene journalistische Leistung, wenn mal ein Sportler aus Deutschland in die Weltklasse vorstößt, lautete die Frage. Die Urenkel von Goethe und Schiller können zwar hervorragende Autos bauen. Ihre Alltagssprache jedoch kommt wie ein Gogo daher. Man befürchtet das Schlimmste. Wird die schöpferische Leistung inzwischen billig in Indien oder Slowenien hergestellt?

Zum Glück hat Martin Kaymer mittlerweile durch seine Leistungen höchstpersönlich die Wortfindungsprobleme der jüngeren Vergangenheit für obsolet erklärt. Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen.

Ob aber die deutschen Medien ein solches Phänomen sprachlich verdauen können, halte ich für sehr viel unwahrscheinlicher. Wie stand heute über der Nachricht über den erneuten Turniererfolg des 24-jährigen etwa auf der Online-Seite der Financial Times? "Golfstar Kaymer". Und was hatte Focus zu bieten? "Golf-Shootingstar", Zu dem Unsinnswort Shootingstar gibt es hier eine ausführliche Erläuterung. Die Ortsangabe "in Glasgow" im selben Text kann ich leider nicht erklären. Die Südspitze von Loch Lomond, wo die Scottish Open ausgetragen werden, liegt mehr als 30 Kilometer von der schottischen Metropole entfernt, der Golfplatz mehr als 50 Kilometer.

Die neue Diktion scheint übrigens quer durch viele Blätter der Begriff "Golfstar" zu sein. Verzeihung: Aber es stellen sich einem die Nackenhaare auf, vor allem, wenn man solche Begriffe aus angelsächsischen Sportteilen nicht gewöhnt ist. Da wird nicht mal Tiger Woods so etikettiert. Und der hat wenigstens gewisse Glamourwerte (und eine riesige Villa, und eine riesige Yacht und ein eigenes Flugzeug). Mal abgesehen von dem inflationären Gebrauch der Vokabel "Star", die aus der Filmindustrie stammt, wo man einst die Hauptdarsteller gerne mit einem hübschen weichen Lichtkranz um den Kopf fotografierte: Das Wort ist einfach extrem unsachlich und wertet die sportliche Leistung nicht auf, sondern ab. Es ist in diesem konkreten Fall nicht mal in einem übertragenden Sinne sinnvoll eingesetzt. Der Martin Kaymer, den ich kennengelernt habe, ist ein zurückhaltender, nachdenklicher, entspannter Typ, der viel arbeitet und sich extrem gut auf seinen Beruf konzentriert. Nun kommt zu diesem Ehrgeiz und diesem Fleiß ein wachsender Erfolg. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Kaymer vollbringt Erstaunliches: Zweiter Sieg in einer Woche

Was soll man sagen? Da bleibt einem einfach die Spucke weg. Martin Kaymer gewinnt innerhalb von einer Woche sein zweites Turnier auf den European Tour. Nachdem er an den Tagen zuvor nie weit von der Spitze entfernt in Lauerstellung lag, drehte er an der Wende nach neun Löchern den Hahn auf und ging in die Führung. Die baute er zwischendurch auf drei Schläge aus und schloss das Ganze mit einem Vorsprung von zwei Schlägen ab. Der Sieg brachte ihm soviele Weltranglistenpunkte ein, dass er am Montag im Computer von der 19 auf Platz 11 vorrücken wird. Damit ist er so gut wie durchgebucht für die beiden ersten Majors des nächsten Jahres – dem Masters und den US Open. Von den British Open in der nächsten Woche und den PGA Chamiponships in ein paar Wochen gar nicht zu reden. Kann er die Form konservieren und auf dem extrem windigen und schwierigen Platz in Turnberry um die Silberkanne kämpfen? Die Spannung steigt....

11. Juli 2009

LPGA: Kein Licht am Ende des Tunnels

Zwischenstand beim Golf: Unter den ersten sechzehn bei den US Open der Frauen sind nach drei Runden acht Südkoreanerinnen. Man sollte meinen, die koreanische Industrie exportiert nur noch Golfspieler. Dazu kommen zwei Chinesinnen (aus Taiwan) und eine Japanerin und machen die Dominanz der Asiatinnen perfekt. Vielleicht sollten die Amerikaner mit ihrem Turnier mal auf Reisen gehen und es auf der anderen Seite des Pazifik austragen? Ein Drittel aller 156 Teilnehmerinnen kommen aus dem Ausland, darunter 26 aus Südkorea. Das ist nichts Neues, aber muss im Lichte all der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich die LPGA eingehandelt hat, als einer der Gründe genannt werden, weshalb kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.

In der nächsten Woche wird die Frau, die als Commissioner die Verantwortung inne hatte, auf Druck einer Reihe von Topspielerinnen den Hut nehmen. Der Abgang von Carolyn Bivens, die den Job übernahm, nachdem der langjährige Geschäftsführer Ty Votaw in einer weniger prominenten Rolle zur PGA Tour wechselte, löst keines der Probleme der LPGA. Sicher, an Ms. Bivens werden sich nur wenige nostalgische Gedanken anknüpfen lassen. Sie war die Frau, die den Turnierveranstaltern sagte, sie müssten sogenannte sanctioning fees von 100.000 Dollar aufbringen – ein Anstieg um ein Vielfaches, der kleinere Termine aus dem Kalender scheuchte, Sie war es, die den Asiatinnen abverlangte, dass sie vernünftig Englisch sprechen, damit sie bei ProAms und bei Medienterminen eine halbwegs ordebntliche Konversation in der Sprache des Landes betreiben können. Der Gegenwind blies schon lange. Was sicher in erster Linie daran lag, dass sie keinen Weg suchte und fand, um die potenziell größte Zugnummer in die LPGA einzubinden. Michelle Wie musste – den Regeln entsprechend – so lange warten, bis sie alt genug war und sich über die Qualifying School eine Tourkarte erspielen konnte. In der gleichen Zeit spielte sie für Antrittsgeld bei Männerturnieren.

Dabei zeigt gerade das Beispiel Wie, die als junge Spielerin exorbitante Werbeveträge abschließen konnte und von vielen etablierten Profigolferinnen mit sehr viel Skepsis betrachtet wurde, dass ein Commissioner eigentlich nie alles richtig machen kann. Hält er/sie sich an die Regeln, kann sich das zum Nachteil auswirken. Bevorteilt er eine bestimmte Person zum Nachteil von anderen, führt das vermutlich ebenfalls zum Aufstand. Ganz obendrein hat Wie in den vergangenen Jahren leistungsmäßig nichts von dem Potenzial eingelöst, das sie als 13-jährige gezeigt hat. Und mit der Etiquette auf dem Golfplatz nahm sie es auch nicht so genau. Besonders krass war ihr Verhalten 2007, als sie bei einem LPGA-Turnier, zu dem sie eine Ausnahmestartgenehmigung erhalten hatte, während der ersten Runde wegen einer angeblichen Verletzung vom Platz ging und wenige Tage später fleißig auf der Anlage der US Open trainierte. Warum hatte sie so getan, als hätte sie Probleme mit ihren Handgelenken? Weil ihr der Agent unterwegs rechtzeitig zugeflüstert hatte, dass die LPGA eine Regel hat, die einem die Einladungen für alle möglichen anderen Turniere des Jahres kosten kann. Sie lag zu dem Zeitpunkt bei 14 über Par und befand sich am 17. Loch. Mit einer 16 über Par hätte die 88er Regel gegriffen, die besagt: Wer als Sondergast eine 88er Runde (oder schlechter) abliefert, ist nicht gut genug und kann die Saison über nicht mehr mitmachen.

Zurück zu Bivens und den eigentlichen Problemen der LPGA. Die sind mit solchen Namen wie Stanford Financial und Bobby Ginn verbunden. Also mit Figuren, die auf allerlei schattige Art und Weise das Geld anderer Leute abgegriffen haben und denen in schlechten Zeiten die Puste ausgeht. Der angebliche Milliardär Allen Stanford sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft. Ginn wurde von zahllosen Zivilklagen eingedeckt. In vermeintlich besseren Zeiten mussten sich die Profigolferinnen in den USA über solche Sponsoren nicht den Kopf zerbrechen. Da hätten sie vermutlich rasch neue gefunden. Aber in diesen Zeiten, in denen jeder Liga und jede Sportart die Grenzen des Wachstums erlebt, sind Frauensporten stärker betroffen. Sie sind schließlich leistungsmäßig nur zweite Wahl, müssen sich aber übers Fernsehen in den USA finanzieren, wo die Männer mit der regulären PGA Tour (und dem Amerikaner Tiger Woods) und der Champions Tour der Altstars bereits jede Menge Aufmerksamkeit und Geld absorbieren.

Da hilft es nicht, wenn Frauen, die fast alle Kim, Park oder Lee heißen und keinen amerikanischen Zuschauer hinter dem Ofen hervorlocken können, auch noch die Ranglisten dominieren.

Ach, ja. Sandra Gal ist in der dritten Runde der US Open mit einer 77 rapide ins Mittelfeld abgesackt. Ihre Chancen auf eine Top Twenty-Platzierung sind so gut wie dahin.

Yahoo hält ESPN in Schach

Manche Völker hören dieser Tage laute und vernehmliche Signale. Zum Beispiel die Leute von Sparty and Friends, wo man sich sehr aufmerksam mit der Arbeitsleistung der Sportreporter der Internetplattformen Yahoo und ESPN beschäftigt. Das Kriterium, das dort für eine Analyse zu Grunde gelegt wird, ist nicht Intelligenz, Schreibstil oder die Attitüde gegenüber Sport und Stars. Es sind die guten alten Journalisten-Tugenden Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Das sind übrigens zwei Eigenschaften, die in der Hetze des Medienalltags stets im Konflikt zueinander stehen. Wer schneller sein will als die Konkurrenz, wird bei der Genauigkeit der Information rasch mal fünf gerade sein lassen, weil er sich nicht die Zeit nimmt, das Gehörte von mehreren Quellen bestätigen zu lassen. Wer Wert auf akkurates Berichten legt und nicht verlacht werden will, weil er zu früh am Abzug war, landet im Rennen um die Breaking-News-Ehre schnell auf dem zweiten Platz.

Im Internet, dieser rasanten Infoschleuder, verdient der rasende Reporter meistens trotzdem mehr an Lorbeeren. Denn da draußen wartet eine große hungrige Masse am Computer, inzwischen längst auf den Nachrichtenempfang über Feeds und ähnliche Automatismen eingestellt. Wer da zuerst kommt, erhält mehr Clicks. Wer mehr Clicks bekommt, gewinnt bei der Werbekundschaft.

ESPN war da bislang aufgrund seiner Struktur einfach immer im Vorteil. Der Sender kann sich aufgrund seiner ertragreichen zahlreichen anderen Plattformen – Fernsehen, Radio, Magazin – ein Heer von Zuträgern leisten, die fast alle von der gleichen Scoop-Mentalität beseelt sind. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren fleißig profilierte Schreiber und sogar Blogger von draußen eingekauft und dabei immer wieder signalisiert: Wir sind groß und mächtig und wir wollen das auch bleiben. Auf der Strecke geblieben bei diesen aggressiven Manövern ist die Konkurrenz von Sports Illustrated, die einst den Goldstandard im Sportjournalismus darstellte – und zwar vor allem, weil sie nicht auf das schnelle Geschäft setzte, sondern auf das ausführliche und nachdenkliche Programm. Die Marke Sports Illustrated ist so gut wie verbrannt, trotz zahlreicher Ankäufe von guten Journalisten. Aus dem Magazin wurde nie eine Anlaufadresse im Internet, was angesichts der enormen Aktivtität im Hause Disney langsam zu einem richtigen Problem geworden sein dürfte.

Bei Yahoo hat man dagegen keine Stunde geschlafen, sondern an einem Anspruch gebastelt, der angesichts der schwachen Stellung gegenüber dem Google-News-Konkurrenten geradezu erstaunlich ist. Die Logik war simpel: Als schlichter Aggregator à la Google kann man sich im Sport nicht profilieren. Da braucht man eigene Arbeitsbienen, eigenständige Themensetzung und muss denn auch oft genug vor allen anderen die Nachricht haben – exklusiv. Die durch diese Überlegungen entstandene Konstruktion reicht nicht, um den standhaften Erfolg zu erklären. Bei Sparty deutete ein Kommentator an, was auch wichtig ist: Leser nicht zu nerven und zu überfordern. Das Angebot muss übersichtlich serviert werden. Und es bringt nicht viel, jedem Nachrichtenpups ein Video einzuspielen, das der Nutzer erst mal abstellen muss, wenn er genervt ist. Die Fantasy-Sports-Komponente kommt dazu. Yahoo gilt hier als führend. Bei der hier verlinkten Messung aus dem Mai dieses Jahres steht zwar ESPN ganz oben, aber wenn man die frei nachfolgenden Yahoo-Werte zusammenrechnet, kann man erkennen, wer stärker ist.

ESPN hat bestimmt nicht die Absicht, die Hände in den Schoß zu legen. So wurde neulich ein regionales Konzept angeschoben, um ähnlich wie eine Tageszeitung mit ihrem Lokalteil eine Dienstleistungsebene einzuziehen, die neue Nutzer ansprechen könnte.