30. Juni 2009

Don't Kidd yourself

Die Public-Relations-Kampagne pro Jason Kidd kommt in Schwung. Die jüngste Lobeshymne kommt aus der Feder von Ric Bucher von ESPN, der zu jenen Journalisten gehört, die sich möglichst nahe an die Stars ranwanzen, weil sie glauben, dass dadurch viel Glanz auf sie selbst herunterscheint. Diesmal also Kidd und seine angeblich so glorreiche Bilanz in Dallas, wo er mehr Geld verdient hat als Dirk Nowitzki, was jeder Mensch normalerweise für absurd erklären würde, aber nur verdeutlicht, wie wenig Mark Cuban davon versteht, eine vernünftige Basketballmannschaft auf die Beine zu stellen. Hätte er Steve Nash behalten, wäre er um die Hälfte billiger gefahren und hätte immer noch einen gewissen Devin Harris, der mit 25 schon richtig gut ist und in die besten Jahre kommt. Okay, Schnee von vorgestern. Aber es musste noch mal gesagt werden...

Kidd ist 36 und Free Agent und glaubt, er müsse noch ein paar Jahre arbeiten. Natürlich für ein Honorar in der höchsten Kategorie der NBA-Gehaltsskala. Das wäre der vollendete Wahnsinn, angesichts der Wirtschaftslage und der nüchternen Entwicklungsprognose, die man Kidd stellen muss. Den Zampano mimt er bestenfalls noch in einer Mannschaft, die für die Playoffs nicht in Frage kommt. Aber Cuban will ihn halten, so heißt es in Dallas. Eine Minute nach Mitternacht in knapp 24 Stunden wissen wir mehr. Dann beginnt das Rennen um die Freelancer.

29. Juni 2009

Shaq hat drauf gezahlt

Shaqs Riesenanwesen in Miami war lange auf dem Markt. Jetzt hat es endlich einen Besitzer gefunden. Dies sind die Zahlen, und sie signalisieren, dass dies in manchen Teilen der USA schlechte Zeiten für Immobiliengeschäfte sind – wenn man verkaufen will: Mehr als 18 Millionen Dollar hatte O'Neal bezahlt, als er 2004 von den Lakers an die Heat abgegeben wurde und eine neue Bleibe brauchte. Als er sich von der Villa trennen wollte, hoffte er auf ein Abschluss für zwischen 32 und 35 Millionen Dollar. Niemand war bereit, so viel Geld zu bezahlen und musste er ständig seine Forderungen reduzieren. Erhalten hat er jetzt 16 Millionen Dollar – von einem russischen Geschäftsmann, der sicher auch nur Reibach machen wird, wenn der Markt nicht weiter absackt. Miami ist neben Las Vegas und Teilen des südlichen Kaliforniens am stärksten vom Abschwung der Preise für Häuser und Grundstücke betroffen. Übrigens hat der neue Besitzer so etwas wie B-List-Prominentenstatus. Er ist der Lebensgefährte des ehemaligen Supermodels Naomi Campbell (via The Big Lead).

Shaquille O'Neal dürfte derweil bereits etwas Passendes in Cleveland suchen. Das sollte nicht schwer fallen. Da stehen ganze Straßenzeilen leer. Ob die sich allerdings so einfach auf so schmuck trimmen lassen, ist schwer zu sagen. LeBron James hatte sich einst etwas ganz Neues bauen lassen. Der Komplex hat ein zweistöckiges Aquarium und eine Bowlingbahn.

Blick zurück: Villa im Angebot

Die Agentur und der Unfalltod eines deutschen Journalisten

Vor ein paar Tagen kam aus Südafrika die Meldung über einen schweren Autounfall. Solche Nachrichten wirken auf viele Menschen bestürzend, nicht nur auf jemanden wie unsereins, der ebenfalls oft in fremden Landen unterwegs ist. Die einzige nachvollziehbare Kerninformation, die der Text enthielt, lautete, dass es sich bei den Betroffenen um vier Sportjournalisten handle, die auf dem Weg zum Fußballspiel der USA gegen Spanien waren. Deutsche Sportjournalisten wohlgemerkt. Denn über andere berichtet dpa vermutlich gar nicht.

Dass zunächst keine Namen mitgeliefert wurden, konnte man noch verstehen. Es ist schließlich nicht immer ganz leicht, vor Ort etwas zu recherchieren. Die Nachricht von heute allerdings ist traurig und bizarr zugleich: "Nach dem schweren Unfall von vier deutschen Sportjournalisten in Südafrika ist einer der Verunglückten am Montag gestorben. Das teilte die deutsche Botschaft in Pretoria mit." Aber wieder wurde kein Name genannt, nachdem in einer vorausgegangenen Depesche zumindest dieser scheinbar pietätvolle Hinweis eingehäkelt worden war: "Nähere Angaben wurden zum Schutz der Privatsphäre der Opfer nicht gemacht."

Deutlicher kann man gar nicht zeigen, dass man keinen Respekt vor dem Schicksal von Menschen hat. Was sind das für Meldungen, in denen die Opfer nicht genannt werden, aber das Mitgefühl der Oligarchen abgefeiert wird? Worin besteht da die Verhältnismäßigkeit? Weshalb hat man keine Zeit und keinen Platz für eine kurze Würdigung des verstorbenen Journalisten und einen Abriss seiner Karrierestationen? Er war schließlich nicht irgendjemand, sondern der ehemalige Ressortleiter des Berliner Tagesspiegel Wolfgang Jost. Ein Mann mit Profil: Er hat nach meinen Recherchen mindestens an einem Buch mitgeschrieben. Macht das zuviel Arbeit, das herauszufinden und es in knappen, klugen Worten zu formulieren? Ist es zuviel verlangt, zu recherchieren und festzustellen, dass der Verband der deutschen Sportjournalisten einen Spendenfonds für die Hinterbliebenen des Freiberuflers einrichten will? Soll das alles ungenannt bleiben, um eine nicht näher begründete Privatsphäre zu schützen?

Normalerweise nicht. Solche Informationen werden bei Menschen aus anderen beruflichen Sphären tagtäglich publiziert. In kleinen und in großen Blättern. Ausgerechnet bei einem Journalisten spielt man Omertà? Der Tagesspiegel sah das zum Glück anders.

Es geht übrigens auch auf diese Weise. Hier die Reuters-Meldung aus Südafrika.

Nachtrag am 1. Juli: Vor wenigen Minuten wurde bei SpOn eine Geschichte gepostet, die Informationen über den Unfall und die medizinische Versorgung der Opfer liefert. Wolfgang Jost hatte selbst die Risiken seiner Reise in Südafrika in einem Beitrag kurz vor dem Unfall für die Augsburger Allgemeine thematisiert. Sie spricht zudem Ereignisse detailliert an, die zeigen, dass im "kriminellsten Land der Erde" (Jost) Journalisten nicht nur im Straßenverkehr hochgradig gefährdet sind. Die Allgemeine hat es übrigens fertig gebracht, diesen Text grußlos mit der schon angesprochenen ersten dpa-Meldung über den Unfall zu verlinken. Mehr war wohl nicht drin, um den Lesern der Online-Ausgabe dieser Zeitung die traurige Nachricht zu bringen, dass der Mitarbeiter des Blattes und Autor jener ahnungsvollen Zeilen in der Ausübung seines Berufs tödlich verunglückt war.

28. Juni 2009

Gal patzt kurz vor Schluss

Ganz zum Schluss auf ihrer vierten Runde in Rochester hat sich Sandra Gal noch zwei teure Bogeys geleistet. Der Unterschied in Geld? Die bekam 35.630 Dollar für den geteilten zehnten Platz. Sie wäre allerdings mit durchaus realistischen zwei Schlägen weniger auf dem geteilten vierten gelandet, wo etwas mehr als das Doppelte ausgeschüttet wurde. Trotzdem kletterte sie in der Geldrangliste der Saison ein paar Plätze nach oben und dürfte ihre Tourkarte für das kommende Jahr so gut wie sicher haben.

NASCAR wartet schon auf Danica Patrick

Die Geräusche werden unüberhörbar. Demnach wird Danica Patricks nächstes Auto wohl ein NASCAR-Schlitten sein. Jahrelang gab es zwischen den Open-Wheeler und den Stock-Car-Leuten nur wenig Durchlauf. Was erstaunlich ist, denn die Rennstrecken für beide sind ähnlich. Einer der Hauptgründe: Die amerikanischen Talente, die sich Chancen ausrechneten, zog es meistens gleich zu NASCAR und den dort existierenden regionalen Rennserien. Dort gab es Möglichkeiten, sich einzugewöhnen und nach oben zu arbeiten. Während dessen kam der Nachwuchs für die CART und Indycar-Autos zunehmend aus allen Teilen der Welt – aus Kanada, Brasilien, Frankreich, sogar aus Deutschland. Nachteil: Fahrer aus fremden Ländern hätten es lange Zeit extrem schwer gehabt, im Redneck-Milieu einer sternenbannerfixierten Mischpoke auch nur akzeptiert zu werden. Die Verhältnisse haben sich inzwischen ein bisschen geändert. NASCAR braucht mehr denn je Gesichter, die man verkaufen kann. Die Identitätsfindung über die Logos und die Produkte der Sponsoren reicht nicht mehr.

Der erfolgreichste Wechsler überhaupt ist Tony Stewart. Inzwischen hat sich offensichtlich nach einigen Anfangsschwierigkeiten auch der ehemalige IndyCar- und Formel-1-Mann Juan Pablo Montoya aus Kolumbien etabliert. Ebenso deutlich ist das Interesse an anderen Autoherstellern gestiegen. Kein Wunder. General Motors (hatte einst mit Chevrolet und Pontiac zwei Marken im Rennen) und Chrysler (mit der Marke Dodge) werden sich auf die Dauer sehr beschränken müssen. Das Geld ist einfach nicht mehr vorhanden. Warum nicht Danica Patrick? Die Frau hat sich längst zu einer Werbefigur ersten Ranges hochgetunt. Die muss man niemanden mehr erklären. Ob sie in dem Gedröhne mithalten kann, ist eine andere Frage.

US-Fußballnationalmannschaft: Diese Formation hat Potenzial

Es reicht noch nicht ganz, was die amerikanische Nationalmannschaft auf die Beine stellen kann. Jedenfalls nicht gegen Brasilien, das die USA in Johannesburg mit 3:2 schlagen konnte (und dabei noch vom Schiedsrichter um ein Tor gebracht wurde, als Howard in der 60. Minute den Ball von hinter der Linie an die Latte hochklatschte, von wo er ins Feld zurückprallte). Aber nach dem Spanien-Sieg im Halbfinale zeigten die Jungs erneut eine beachtliche Entwicklung: Sie haben zum ersten Mal opportunistische Angriffspieler, die viel aus wenig machen können, weil sie einen Blick für freie Räume entwickelt haben. Sie haben eine kopfballstarke robuste Verteidigung, deren Abpraller von den eigenen Spielern mit defensiven Mittelfeldaufgaben abgefangen werden, und einen erstklassigen Torwart (Tim Howard). Und so gingen sie auf ziemlich beeindruckende Weise mit 2:0 in Führung. Richtig gut: das zweite Tor von Landon Donovan, der einen schnellen Konter mit zwei gegen zwei einleitete und nach einer geschickten Körpertäuschung, bei der er die Flanke mit rechts annahm, mit links von der Strafraumkante aus abzog. Schwer zu sagen, ob diese US-Formation eine solche strukturelle Steigerung konservieren kann. In den Spielen der WM-Qualifikation gegen die Gegner aus Mittelamerika sahen sie meistens vergleichsweise ratlos aus. Da arbeiten sie meistens wie redliche Klempner mit großen Rohrzangen, um die Löcher aufzureißen, die sie brauchen. Es fehlt ihnen an kreativer Beweglichkeit und Intuition. Vielleicht können Trainer Bob Bradley und seine Leuten aus dem Südafrika-Trip etwas lernen. Diese Mannschaft hat Potenzial.

Wer den Spielverlauf nachlesen will: der Live-Blog-Text von Unprofessional Foul.

27. Juni 2009

Reinsdorf macht das Rennen?

Bie besten Karten hat wohl Jerry Reinsdorf im Wettlauf um den Aschenhaufen namens Phoenix Coyotes. 148 Millionen Dollar will der Besitzer Chicago Bulls und der Chicago White Sox ausgeben, um den Laden zu übernehmen, womit zuerst einmal die meisten Gläubiger bedient würden. Der Mann, der vermutlich ganz leer ausgeht, heißt Moyes und findet ganz offensichtlich nirgendwo hinreichend Mitleid. Die Entscheidung fällt im Rahmen einer Auktion, an der sich Bieter beteiligen können, die den Club an seinem jetzigen Standort in Glendale außerhalb von Phoenix belassen wollen. Sollte dabei nichts heraus kommen, wird das Karussell noch einmal neu gedreht. Ein Umzug nach Kanada wäre dann sehr wahrscheinlich.

Man kann über Reisndorf übrigens sagen, was man will. Seine Bulls haben sechsmal den NBA-Titel geholt und sind nach einem Marsch durch die Talsohle wieder auf einem guten Weg. In diesem Jahr hätten sie beinahe in der erste Runde die Boston Celtics aus den Playoffs geworfen. Ihr Spielstil hat Flair. Die White Sox haben zumindest einmal die World Series gewonnen (2005). Etwas was den Ortsrivalen seit Generationen nicht gelungen ist. Die Erfolge haben wenig mit Geld zu tun. Denn Reinsdorf – Lernberuf Anwalt – ist knausrig. Sondern mehr mit der Verpflichtung von Leuten, die es gebacken bekommen.

26. Juni 2009

Zu weit weg von Eichenried

Für jenen Teil der deutschen Medien, der sich für Golf interessiert, ist High-Time in Eichenried. Dahinter verblasst alles andere. Martin Kaymer ist da und verteidigt den Turniererfolg des vergangenen Jahres (und damit auch jede Menge Weltranglistenpunkte). Bernhard Langer ist da. Bild hat erfahren, dass sich Kaymer von seiner Freundin getrennt hat. Das ist natürlich extrem relevant. Denn auf diese Weise kann man endlich den sehr verhaltenen jungen Mann in einem etwas anderen Licht zeigen. Das ist zwar nicht ganz so grell wie das, in das Leute wie Boris Becker und Dirk Nowitzki geraten sind. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. An Bild soll's nicht liegen.

Während dessen spielt Sandra Gal in den USA ihr derzeit bestes Golf. Nach dem ersten Tag lag sie auf dem ersten Platz beim LPGA-Turnier im Locust Hill Country Club in Rochester im Bundesstaat New York. Am Freitagabend wurde wegen Dunkelheit die wegen Regen zwischendurch unterbrochene zweite Runde vertagt. Sie spielte 18 Löcher und rutschte leicht ab: auf Platz zwei. Anja Monke verpasste erneut und wieder knapp den Cut. In Deutschland kann man nichts darüber lesen. Muss erst die Bild-Zeitung kommen und die Golferin zum Thema machen?

John Daly verliert Rechtsstreit – und eine Menge Geld

Manchmal kann es in den USA für einen Sportler ziemlich teuer werden, wenn er einen Journalisten und den Verlag vor Gericht bringt, der ihn beschäftigt. Das aktuelle Beispiel: Der Golfer John Daly hatte den Medienmann Mike Freeman und seinen Arbeitgeber wegen einer Reihe von Behauptungen verklagt, weil er die als rufschädigend. Da ging es um alte Geschichten, zum Beispiel, die, dass der populäre, aber ziemlich unbeherrschte Golfprofi, bekannt für seine Alkohol- und Wettprobleme, dereinst in Schwierigkeiten geriet, weil ihn seine Frau mit dem Vorwurf vor Gericht zerrte, er habe sie geschlagen. dass er drei Kinder mit drei Müttern hat und überhaupt "Thug Life qualifcations" aufweise.

Es dauerte eine Weile, bis sich ein Gericht in Florida mit dem Fall beschäftigte und die Klage zurückwies. Keiner der von Freeman zitierten Tatbestände sei falsch. Also habe der Journalist auch das Recht diese Fakten als Fundament für eine Meinungsäußerung zu nutzen. Es handle sich mithin nicht um üble Nachrede ("libel"). Das Problem für Daly. Er hat nicht nur seinen eigenen Kosten für das Verfahren zu tragen, sondern wurde dazu verdonnert, die 271.763,99 Dollar zu übernehmen, die der Gegenseite entstanden waren.

25. Juni 2009

Mosleys Mann

Es gibt durchaus noch einen Job für Max Mosley, nachdem er durch seinen Abgang das Überleben Formel 1 sichern konnte. Ein Mann mit seinen Fähigkeiten könnte sicher sogar noch solche Geräte in Schwung bringen: Rennwagen, Format eins zu eins, aus Styropor. Die Produktion ist extrem kostengünstig. Autofirmen und Sponsoren spucken nicht in den Teller. Er sollte mal mit Michael Salter reden. Seine Arbeit wird gerade in Portland/Oregon im John Ross Plaza Studio ausgestellt (via Jalopnik). Dies ist die Webseite des Urhebers, auf der man sehen kann, das ihm schion das eine oder andere mit Styropor eingefallen ist.

J und J und Jam

...und dann fragte er Michael Jordan: "Was ist ein Point Guard?" Und Michael Jordan sagte ihm: "Der Mann, der das Spiel aufbaut." Aber dann zeigte er Michael Jordan ein paar Tanzschritte, was produktiver war, als zusammen Basketball zu spielen. Michael Jackson war beweglich, aber unsportlich. Wenn man dann die Klänge im Hintergrund hört, wird man wirklich nostalgisch. Dieser Jackson war mal richtig gut, und seine Songs waren ganz hervorragend gemischte Wunderwerke der Akustik. Auf Wiederhören. Thanks for the music. Die bleibt.

Das fertige Video zu Jam gibt es hier. Einflicken in den Blog geht ausnahmsweise nicht, weil YouTube nicht will. Hier der Song-Text.

Das Kornheiser-Syndrom

Was passiert, wenn Journalisten Stars werden und sehr viel Geld verdienen? Dann entwickeln sie einen Sinn für die Medienarbeit, die nicht mehr viel mit Journalismus zu tun hat, aber ganz viel mit Eitelkeit und Narzismus. Es dürfte schwer sein, sich dem zu entziehen. Amerikanische Wertkategorien wie Erfolg (messbar in Geld) und Aussehen (messbar in Popularität) gekoppelt mit dem enormen Tempo des Wirtschaftssystems und dem riesigen potenziellen Markt von mehr als 300 Millionen Verbrauchern beeinflussen schlichtweg jeden. Sagen wir mal: fast jeden. Ausnahmen wie den Einsiedler J. D. Salinger da oben in New Hampshire, der seit Jahren allen Versuchen widerstanden hat, sich auch nur in der Öffentlichkeit zu zeigen, gibt es natürlich auch. Aber die sind sehr selten.

Im Sportjournalismus ist die Lust auf Selbststilisierung eher neu, wurde aber keineswegs von ESPN erfunden. Die Disney-Tochter spielt das Instrumentarium einfach nur aus. Die Imageaufwertung von profilierten Sportschreibern geht auf eine langjährige hochwertige Arbeit bei Sports Illustrated zurück, wo man einen Reportagestil entwickelt und gepflegt hat, der dem profanen Milieu Sport den Stempel von Nachdenklichkeit und Analysetiefe aufdrückte. So konnte eine Buchserie wie "The Best American Sportwriting" entstehen. Die Hinwendung von Qualitätszeitungen wie New York Times und Washington Post zu einer anspruchsvolleren Beschäftigung mit Sportthemen hatte einen zusätzlichen Effekt. Dort konnten Kolumnisten ihr Profil schärfen. Nicht jeder von diesen exponierten Figuren hat den Hang dazu, aus jedem Fenster hinaus auf die Straße hinabzubrüllen. Aber sehr viele können es nicht lassen. Was oft – zumindest kurzfristig – durchaus der eigenen Karriere nützen kann.

So sind solche Biographien wie Stephen A. Smith entstanden, der am meisten verlachte Sportschreiber des Landes. Der hatte zwischendurch sogar seine eigene Fernsehtalkshow bei ESPN und durfte während des Obama-Wahlkampfs bei anderen Sendern seine Ansichten zu politischen Themen äußern. Der Mann hat nichts Interessantes zu sagen. Er besteht aus nichts anderem als attitude. Seine Fahrkarte hatte er beim Philadelphia Inquirer gelöst, als er es verstand, sich in den Allen-Iverson-Jahren bei den 76ers als Basketball-Journalist in den Vordergrund zu spielen. Sein Abstieg begann, als er seinen Job bei der Zeitung verlor, wo man keine Lust mehr hatte auf im Blackberry hastig getippte und eingesandte Texte.

Wir könnten auch über Mike Lupica reden, den kleinen Vielschreiber, der den Chef des Sportreporter-Corps mimt, wenn sonntags bei ESPN diese Quasselrunde zusammensitzt. Der Mann scheint noch im Sattel zu sitzen, weil er sich zumindest jeden Tag hinreichend anstrengt und nicht mit anderen Medien-Outlets flirtet.

Etwas ähnliches ist Tony Kornheiser nicht gelungen. Nach dem Aufstieg hin zu Pardon The Interruption und zu Monday Night Football (wo angeblich er in den Sack gehauen hat, vielleicht war es ja auch ganz anders, who knows?) kam die Schattenseite ins Spiel. Die Washington Post hatte keine Lust mehr auf einen Mitarbeiter, dessen Texte sie den Lesern nicht mehr allzu oft präsentieren konnte. Das akzeptiert man bei dieser Zeitung nur bei einem: dem angesehenen Ex-Watergate-Reporter Bob Woodward, der nur noch Bücher schreibt, das dort akkumulierte Wissen zwischendurch für sich behält, aber bei Erscheinen der Werke dem Blatt jeweils einen Vorabdruck gewährt. Kornheisers aktuelles Lamento fällt vergleichsweise milde aus. Wenn auch die Verteidigungsrede einen Grad an Selbstüberschätzung verrät, der uns zum eingangs aufgeworfenen Phänomen zurückbringt. Zitat: "...wenn Michael Wilbon und Tony Kornheiser keine Marke für die Washington Post sind, was wäre es dann?"

Ich nehme an, dass Wilbon, der noch viel für die Zeitung schreibt, aber längst bei seinen vielen Auftritten vor den Fernsehkameras die Aura eines Pfaus ausstrahlt, schon bald seinen Kolumnistenposten verliert. Zeitungen, die Auflagen einbüßen und (noch stärker) Anzeigenumsätze, haben eine Strukturkrise zu bewältigen, die eitle Luxusgeschöpfe, die sich nicht mehr als Dienstleister, sondern als Stars betrachten, nicht länger finanzieren kann. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich das Ende einer Ära. Das Prestige, das man sich durch die Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften erarbeiten kann, geht ebenfalls flöten. Das neue Erfolgsprodukt (und springen wir jetzt mal zur Verdeutlichung nach Deutschland) ist so etwas wie Rheinische Post Online, die sich nicht daran stören, dass ihnen das journalistische Format fehlt, um ein gutes Produkt abzuliefern, und dass sie zum Lachsack einer medienkritischen Kundschaft werden. Sie laufen Klickzahlen hinterher. Typisch: eine der Hauptverantwortlichen und ihre Berichte aus ihrer Freizeit in einem prätentiösen vollgefaselten Blog. Autorenleistung? Fehlanzeige. Wie sagt man hierzulande? When you live by the sword you die by the sword.

Shaq muss wandern – von einem Ort zum andern

Wenn der Handlungszwang zu groß wird, kommt so etwas dabei heraus: Ben Wallace, Sasha Pavlovic und ein Draft-Platz plus eine Summe Bargeld für Shaquille O'Neal. Das ist das Arrangement zwischen den Cleveland Cavaliers und den Phoenix Suns, das beiden Mannschaften auf unterschiedliche Weise NICHT hilft, sondern nur an der Optik bastelt. In Phoenix ist es die Optik der Gehaltsstruktur, weil man in O'Neal einen extrem teuren Center hatte. Jetzt kann man ein Sparprogramm fahren. In Cleveland ist es die Anmutung einer Lösung für ein Problem auf dem Platz. Und das funktioniert auch nur unter einer Bedingung: Dass O'Neal nicht verletzt zuschauen muss. Aber der Umbau sorgt wirklich für nicht mehr als ein Heftpflaster. Dass LeBron James jetzt manchmal den Ball an jemanden in Korbnähe abgeben kann, der ihm diesen Ball dann wieder zuwirft, führt gegen die beste Verteidigungsarbeit der Liga, also das, was die Los Angeles Lakers zuletzt gezeigt haben, zu nicht mehr als Geplänkel. Tempogegenstöße mit O'Neal? Viel Glück, möchte man da sagen. Die letzte Mannschaft, die noch etwas von diesem einst wirklich ganz bemerkenswerten und wirkungsvollen Spieler hatte, war Miami Heat. Lang, lang ist's her. Immerhin: Die Gerüchte um einen Wechsel von Yao Ming sind damit vom Tisch.

24. Juni 2009

Weinreich und carta ausgezeichnet

Der Kollege Jens Weinreich hat den Grimme Online Award in der Kategorie "Information" gewonnen. Seine Leser und Freunde können ihm hier gratulieren und sollten das auch bitte tun: jensweinreich.de. Verdient hat er es. Nicht nur wegen seiner Standhaftigkeit in dem vom DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger angezettelten und inzwischen beigelegten Rechtsstreit. Und auch nicht nur wegen seiner Arbeitsweise, mit der über das Bloggermilieu hinaus einen bemerkenswerten neuen Standard für die Informationskultur im Internet und die Offenheit im Umgang mit schwierigen Themen gesetzt hat. Sondern vor allem weil der perfide Versuch, den meinungsfreudigen Blogger und Journalisten Weinreich in die Knie zu zwingen, dank einer starken Reaktion quer durch alle Medien gescheitert ist. Daran waren viele beteiligt, nicht zuletzt all jene, die im Rahmen einer Spendenaktion dafür sorgten, dass er in einer besonders kritischen Phase zumindest nicht das Geld für die Anwalts- und Gerichtskosten aus eigener Tasche aufbringen musste.

Ein weiterer Preisträger ist carta.info, eine Blogger-Plattform, die sich vor allem medienpolitischen Themen widmet. Denen kann und sollte man ebenfalls gratulieren. Disclosure: Ich habe auch schon mehrfach bei carta.info publiziert. Unter anderem über Aspekte der Causa Weinreich. Allen beiden gratuliere ich schon mal persönlich von hier aus.

USA schlägt Spanien 2:0

So etwas sieht man nicht alle Tage. Und ESPN ist live dabei. Die amerikanische Fußballnationalmannschaft schenkt in Südafrika den Spaniern zwei Tore ein und hält einem wuchtigen Ansturm stand. Mit dem 2:0 steht die die USA im Finale des Confed Cups. Ohne Michael Bradley von Borussia Mönchengladbach. Der erhielt kurz vor Schluss eine rote Karte, weil er mit gestrecktem Bein und Sohle in einen Kampf um den Ball eingestiegen war. Nur soviel: Wenn man erlebt hat, wie schwer sich die Mannschaft in der WM-Qualifikation gegen mittelamerikanische Gegner getan hat, durfte man so etwas nicht erwarten. Der Gegner: Südafrika oder Brasilien.

Schlechte Nachricht: Vier deutsche Sportjournalisten wurden bei einem Unfall auf der Fahrt zum Spiel schwer verletzt und wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Um wen es sich handelt, ist noch nicht bekannt (via Kommentar bei allesaussersport).

Nachtrag: Die amerikanischen Tore auf Video (spanischer Kommentar)

Brad Pitt kann's nicht ändern: Verfilmung von Moneyball gestoppt

Die Nachrichtenhappen der letzten Tage über die Verfilmung von Moneyball hatten alle einen Hauch von bizarr. Nicht weil die Chefproduzentin drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten das 57-Millionen-Dollar-Projekt abgeblasen hatte. So etwas dürfte in Hollywood am laufenden Band vorkommen. Sondern weil einem nicht klar war, wieso diese Ambitionen nicht schon sehr viel früher beendet worden waren. Denn nicht mal Michael Lewis, der Autor des erfolgreichen Baseball-Sachbuchs, hatte verstanden, was so prominente Kinoleute wie Brad Pitt und Regisseur Steven Soderbergh in dem Stoff gesehen hatten (nicht dass er sich deshalb gegen die Verfilmung gesperrt hätte, was dafür spricht, dass die Lizenzgebühren im mittleren sechsstelligen Bereich liegen).

Immerhin hat sportsbybrooks seitdem weiter recherchiert und eine schöne Fundsache aufgetrieben: ein Drehbuch, das der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Produzentin und Regisseur ist. Niemand vermag zu sagen, ob dies eine alte oder eine aktuelle Version ist. Aber sicher ist es nicht die, die Soderbergh zuletzt daraus gemacht hatte. Denn die war zum Stein des Anstoßes geworden.

Kompliziert? Wenn man mal die Blaumilchkanal-Welt von Hollywood wegstreicht, wo sich Produzenten weniger Gedanken über die Qualität von Stoffen machen als viel mehr darüber, wie man wieviel Publikum ins Kino locken kann und ob Frauen die Filme sehen wollen und ob man mit einem solchen Werk im Ausland die Lichtspielhäuser füllen kann, bleibt immer noch ein Lesestück (als pdf-Datei). Der Drehbuchautor ist übrigens kein Unbekannter. Steven Ziaillian hat Schindlers Liste, American Gangster, Gangs of New York und Mission:Impossible geschrieben. Die Szene über die alle reden, ist allerdings kein Meisterwerk. Da hat der Oakland A's-Manager Billy Beane in einem Restaurant Sex mit der Kellnerin, die ihm das Essen serviert hat.

Blick zurück: Die Meldung über den Einstieg von Brad Pitt ins das Projekt,
Blick zurück: Wie Oakland im Baseball gegen die reichen Clubs besteht

Kleines Extra: Autor Michael Lewis in einem Interview zu seinem Football-Buch The Blind Side.

Das Beispiel Landon Donovan

Nach der Lektüre dieser Geschichte erkennt man ziemlich schnell das Problem, das talentierte deutsche Fußballnachwuchsspieler haben, sobald sie die Leistungsstufe erreichen, in der sie sich nur dann weiterentwickeln können, wenn man ihnen Platz zur Entfaltung gibt. In diesem Fall handelt es sich um den Amerikaner Landon Donovan, der auch bei seinem dritten Abstecher in die Bundesliga zu Jürgen Klinsmanns Bayern (zweimal vorher hatte er es in Leverkusen versucht) kläglich scheiterte. Der Kontrast wird illustrativ beschrieben. Derselbe Spieler, den Hermann Gerland nicht mal in der zweiten Mannschaft aufstellen würde, zieht in der US-Nationalmannschaft nach Lust und Laune das Spiel auf und zeigt, was er wirklich kann (via Oliver Fritsch). Das Problem hat wirklich sehr wenig mit Donovan zu tun, der vermutlich besser beraten gewesen wäre, wenn er es mal in England probiert hätte, und der kein Weltklassespieler ist. Aber wer ist das schon von den jungen Typen aus der jüngsten Generation, die jetzt in der U21 ihr Können zeigen?

23. Juni 2009

Gutes Rad ist teuer

Es ist wirklich nicht so klug, sich mit Lance Armstrong anzulegen oder sich seinen Privatbesitz anzueignen. Der Heilige der Velo-Welt hat überall seine Freunde. Auch in Kreisen der Justiz. sonst wäre sicher nicht dieses Urteil zustande gekommen: Drei Jahre Gefängnis für den Mann, der vor ein paar Monaten in Kalifornien aus dem Astana-Lager Armstrongs Rad gestohlen hatte. Kein Schreibfehler: DREI Jahre Gefängnis.

Der Mann aus Texas hat trotz seines Comebacks viel Zeit. Neulich legte er sich per Leserbrief mit dem Wall Street Journal an und bestritt Aussagen, die ein Reporter über seine Rolle im Hintergrund eines Rechtsstreits zwischen Greg LeMond und dem Radhersteller Trek getroffen hatte. Wie immer, wenn er sich beschwert oder sich verteidigt, argumentierte Armstrong nicht besonders genau und faktenorientiert, sondern wie ein getroffener Hund mit Hirn, der hofft, dass die anderen Mitleid mit ihm haben, weil er bellt. Aber so kennen wir ihn – als großen Nebelwerfer vor dem Herrn. Beispiel aus dem Schrieb, den er auf seinem eigenen Blog komplett publizierte, nachdem sich die Zeitung weigerte, den ganzen Sermon ("generell gesprochen lag der Artikel auf vielen Ebenen unter einem Minimum an journalistischen Standards") zu publizieren.

Ein Beispiel für Armstrong und seine Verdrehungsmethode: "Wäre ich für Treks Verhalten verantwortlich, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter; hätte ich mit böser Absicht seine Geschäftsaktivitäten behindert, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter. Ich bin es nicht."

Das hatte die Zeitung aufgrund ihrer Recherchen geschrieben: "Die Zivilklage behauptet ebenfalls, dass Herr Armstrong mit böser Absicht andere Geschäftsaktivitäten von LeMond behindert hat."

Ehe wir das hier zu einem Seminar über die Kunst des Schreibens ausarten lassen: Das Blatt zitiert ein Rechercheergebnis. Armstrong zieht daraus seine eigene Schlussfolgerung, baut darauf eine Absurdität ("wäre ich in diesem Fall ein Beklagter") und bemüht sich auf diese Weise den Originaltext zu desavouieren. Armstrong ist nur deshalb kein Beklagter, weil LeMond ihn nicht vor den Kadi gezerrt hat. Das ist keine Frage der Rechtslogik, sondern eine der angewandten Rechtsmechanik. LeMond hat sich einfach ein anderes Ziel ausgesucht als den Mann, den er vor Monaten bei einer Pressekonferenz mit kritischen Fragen auf den Keks gegangen war.

Die Taktik von LeMonds Anwälten ist nicht schlecht. So versuchen sie, Armstrongs Ex-Frau Kristin im Rahmen des Vorverfahrens als Zeugin zu vernehmen. Sie soll beschwören, dass Lance einst bei einem Abendessen gesagt haben soll, er würde dafür sorgen, dass Trek LeMond in die Mangel nimmt. Die Radfirma stellte lange Jahre die Räder des dreifachen Tour-de-France-Siegers und ersten amerikanischen Radheroen her. Im letzten Jahr beendete sie die Geschäftsbeziehung vorfristig, offensichtlich weil LeMond erneut die alten Dopingvorwürfe an die Adresse von Armstrong aufgegriffen hatte. Trek ist auch Geschäftspartner von Armstrong, der wichtigsten Werbefigur des Unternehmens, und hatte einst LeMond abgenötigt, den Mund zu halten.

Der Klingelbeutel: Musik drin

Die Sängerin Gloria Estefan übernimmt eine kleine Tranche der Miami Dolphins. Ist da wirklich Musik drin? Immerhin gelang ihr etwas, was Celine Dion nicht gelungen ist. Die Montreal Canadiens gingen an Molson.

• Michael Stich hat in London zu Beginn des Wimbledon-Turniers, das er immerhin schon mal gewonnen hat, eine Mini-Kontroverse angezettelt. Es geht um Frauen und Tennis und um die Frage, weshalb sich Menschen wohl ernsthaft für deren Spiel interessieren. Stich, der (anders als Jermaine Jones) hervorragend Englisch spricht, wird etwas mysteriös aus dem Zusammenhang gerissen zitiert und wirkt dabei doch nur so, als ob er eine Urerkenntnis des Kapitalismus zitiert: Sex sells. Aber wer das sagt, der bekommt heutzutage gleich was vor den Koffer.

• Eishockey-Dinosaurier Chris Chelios ist 47 und hat wohl auch deshalb von den Detroit Red Wings keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Verständlich auch deshalb: Im Stanley-Cup-Finale saß er nicht mal auf der Bank. Trotzdem will er weitermachen. Irgendwo in der NHL.

• Irgendjemand bei den Boston Celtics ist nicht mit dem Kader zufrieden. Nehmen wir mal an, es handelt sich dabei vor allem um Manager Danny Ainge. Sonst wäre nicht neulich folgendes Tauschgeschäft ins Gespräch gebracht worden: Ray Allen und Rajon Rondo für Tayshaun Prince, Richard Hamilton und Rodney Stuckey von den Detroit Pistons. Aus der Sache wurde nichts.

• Der Chef der mächtigen Baseballspieler-Gewerkschaft gibt seinen Posten auf. Donald Fehr geht nach nach 26 Jahren im Amt. Er ist 61 und wird den Leuten wegen drei Dingen im Gedächtnis bleiben: Der Streik in den neunziger Jahren, dem eine World Series zum Opfer fiel, dem beharrlichen Verhindern eines brauchbaren Anti-Dopingreglements und den extrem gestiegenen Gehältern der Profis. ESPN hat eine Liste mit der Entwicklung der Durchschnittssummen.

Gerne noch "ein paar kleine Dirks"

Dirk Nowitzki hat sich erstmals ein wenig genauer zu seinen privaten Schwierigkeiten eingelassen. In Deutschland. Sein amerikanischer Anwalt war auch dabei. Zitat: "Er könne sich nur vorwerfen, dass 'ich wohl ein bisschen naiv war'. Dass etwas nicht stimmte, hatte der auf ungewöhnliche Art Gehörnte nämlich erst gemerkt, als er einen Ehevertrag aufsetzen wollte, und die Rechtsanwälte die Identität seiner Geliebten etwas genauer checkten. 'Und dann kam alles raus.' Und dann wollte er sie aus dem Haus haben."

Mehr zum Thema verbreitet dpa: "Cristal Taylor sei eine 'sehr interessante Frau' gewesen. 'Witzig, überhaupt nicht langweilig. Und jeder, der sie getroffen hat, hat gemerkt, wie intelligent sie ist.' Es werde für eine Frau nun schwieriger sein, sein Herz zu gewinnen. Auf jeden Fall aber wolle er eine Familie haben und 'mal ein paar kleine Dirks rumrennen' sehen."

Nicht zu empfehlen: die riesenlange Geschichte auf SpOn, vollgestopft mit Klischees über den Sport in Amerika, das Leben von reichen Leuten, ein paar nichtssagenden Recherchergebnissen von Gesprächen mit Randfiguren (einem Privatdetektiv in Beaumont/Texas und einem NBA-Angestellten in New York) und geschrieben im Stil einer Bild-am-Sonntag-Sottise. Die Autorin hat übrigens Nowitzki sogar in Würzburg getroffen und dabei kein bisschen davon herausgefunden, was sein Verhalten in der Angelegenheit erklärt.

Die Antwort auf die hier gestellte Frage hat er diesen Berichten zufolge bislang noch nicht gegeben.

22. Juni 2009

Für Lucas haut's so gerade hin

Es gab zwei sentimental favorites und beide hatten eine Chance auf den Pott: David Duval und Phil Mickelson. Es gewann bei den US Open jedoch ein totaler Außenseiter: Lucas Glover, weil er einen enormen Vorsprung und viel Geduld auf die durch den Regen auf Montag gerutschte letzte Runde mitbrachte. An diesem Sieger werden die amerikanischen Medien nicht viel Spaß haben. Er ist scheu und sieht meistens so aus, als ob er schmollt. Duval büßte seine Möglichkeiten gleich am ersten Loch des Tages ein, dem dritten auf dem Black Course von Bethpage. Sein Abschlag landete in einem dieser riesigen steilen Bunker und steckte tief im Sand und das auch noch unmittelbar unter der Oberkante. Das Missgeschick kostete ihn drei Schläge. Denn er erzielte eine sechs statt eines Pars mit drei Schlägen. Ohne diesen Rückschlag wäre er heute unschlagbar gewesen. Mickelson lag gegen Ende kurz mit Glover gleichauf an der Spitze, nachdem einige Fehler gemacht hatte. Aber Lefty patzte auf der 15 und der 17 und ging einmal mehr leer aus. Zum fünften Mal bei den US Open auf dem zweiten Platz. Das ist Rekord. Gewonnen hat er das Turnier noch nie.

Besetztzeichen bei Reebok unter Favres Nummer

Angeblich haben die Minnesota Vikings der Firma Reebok den Auftrag gegeben, Trikots mit der Nummer 4 zu nähen. Die Nummer 4 ist die Kennziffer von Brett Favre, der in Minneapolis bei seinem vierten NFL-Team landen würde. Die Gerüchtemühle wird durch das Verhalten der Beteiligten am Laufen gehalten. Favre, der in der letzten Saison bei den New York Jets im Einsatz war und das Team nicht in die Playoffs führen konnte, hat nicht dementiert, dass er weitermachen will. Zwei Jahre, nachdem er eigentlich seine Karriere beendet hatte, ist allerdings das Medienecho rund um dieses Gezicke eher lau. Kein Wunder, der Mann ist längst über den Zenit.

21. Juni 2009

Im Auge des Tigers

Zu irgendetwas muss Rocky III also doch gut gewesen sein. Und sei es als Vorlage für die neuen USB-Datenspeicher. Die Produktidee wurde in Japan ausgekocht. Hat man in China noch immer nicht die Kreativität entwickelt, solchen Klimbim zu entwickeln? In der Mitte übrigens Rocky himself (via With Leather und engadget).

Typisch New York: Golfer auf dem Nervengrill

Es gibt einen unausgesprochenen Kodex für den Besuch eines Golfturniers: Leise sein, bestenfalls flüstern, positiv denken und freundlich applaudieren. Das ist ein Ausfluss der jahrhundertalten Etiquette, die Golfspieler pflegen, wenn sie in Gruppen über den Platz gehen. Sie stammt aus dem Großbritannien der guten alten Zeit, wo man Sport stets als Übung in sportsmanship betrachtet hat. Fairness und Redlichkeit im Umgang mit den Regeln, nicht bescheißen wollen – das sind alles Konzepte eine adeligen Gesellschaftsschicht, die allerdings längst ihren Einfluss auf das Verhalten von Menschen im Alltag eingebüßt hat.

Bei Golfturnieren in Augusta und anderen Gegenden der Vereinigten Staaten bringen die Zuschauer noch die Selbstdisziplin mit, die Spieler möglichst nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Weichbild von New York kann man das vergessen. Die US Open im Tennis waren da der Tempomacher. Sie locken seit dem Umzug nach Flushing Meadow in kavernöse Stadienbauten die lautesten und respektlosesten Grand-Slam-Zuschauer auf dem Globus an. Im Golf sieht das nicht anders aus. Bethpage, das eine Tages-Kapazität von 45.000 Zuschauern verkraften kann, ist das jüngste Beispiel für eine Verhaltenskultur, die auf den Straßen von Manhattan geboren ist. Statt gehupt wie dort, wird auf dem Platz nun zynisch gebrüllt. Und es werden Witze gerissen. Alles nach dem Motto: Provozieren geht über studieren. Irgendein Spieler wird doch vielleicht reagieren, ärgerlich werden und auf diese Weise aus dem Tritt geraten. Das ist vor sieben Jahren, als das Turnier zum letzten Mal in Bethpage ausgetragen wurde, dem Spanier Sergio Garcia passiert. Damals hat er noch minutenlang in einem Anflug von manierierter Nervösität vor dem Schlag den Griff immer wieder neu angesetzt. Das dauerte den Zuschauern zu lange. Also haben sie den Mund aufgemacht. Garcia, der Chancen hatte, das Turnier zu gewinnen, was not amused und zeigte Nerven.

Ein ähnliches Opfer hat sich in diesem Jahr noch nicht herausgeschält. Aber das kann sich noch ändern. Die ersten haben sich bereits in Stimmung gebracht. Denn nicht nur der Regen fließt in Strömen, auch das Bier.

US Open: Hank und das Wetter

Hinweis in eigener Sache. Ein Porträt von Hank Haney, dem Trainer von Tiger Woods, ist heute in der FAS erschienen. Anlass: die US Open in Bethpage, bei denen frühestens ab heute mittag Ortszeit weitergespielt wird. Die Regenmengen von gestern abend waren sintflutartig. Die neuerliche Verschiebung bedeutet, dass die vierte Runde des Turniers auf jeden Fall erst am Montag zu Ende gehen wird. Theoretisch bedeutet das aber nicht wirklich das Ende. Sollten zwei oder mehr Spieler dann ex equo an der Spitze liegen, gibt es ein Stechen über 18 Löcher – am Dienstag. Eine weitere Golf-Geschichte ist heute in der Schweizer SonntagsZeitung erschienen. Da geht es um den besonderen Charakter des Turniers, für das sich auch Amateure qualifizieren können, vorausgesetzt sie sind richtig gut. Das waren in diesem Jahr mehr als 9000 Freizeitspieler. Den Text gibt es nur am Kiosk.

20. Juni 2009

Gillett sorgt für eine glatte Rasur

Anders als in Phoenix läuft der schon vor einer Weile angedeutete Besitzerwechsel bei den Montreal Canadiens ganz glatt ab. Für etwas mehr als 500 Millionen Dollar geht der Club samt Halle wieder in den Besitz der Brauerei Molson über. Der bisherige Eigentümer, FC-Liverpool-Co-Eigner George Gillett, hat damit das Geld, um sich in England stark zu engagieren und seinen schwer angeschlagenen Partner Hicks herauszukaufen.

Nachtrag: Sehr viele gute Detailinformationen in diesem Beitrag auf allesaussersport.

Singh mir das Lied von Sir Allen

Es gab schon vor ein paar Monaten Grund, sich ausführlich mit den Geschäftspraktiken des amerikanischen Geschäftsmannes Allen Stanford zu beschäftigen – damals im Deutschlandfunk im Rahmen einer ausführlichen Reportage. Da war der ominöse Fall, bei dem es um mindestens 8 Milliarden Dollar geht, gerade erst ins Rollen gekommen. Die Beziehungen des Texaners zum Sport sind mannigfach. Er hatte undurchsichtige Vereinbarungen mit der Tennisorganisation ATP, mischte im Cricket mit, sponsorte Golfturniere und suchte auf vielerlei Art die Nähe von Athleten, von denen heutzutage so viel Geld verdienen, dass sie sich im großem Stil über das Anlegen desselben Gedanken machen müssen.

In der letzten Woche wurde Stanford, dem sie auf der Karibikinsel Antigua, einer Steueroase, den Adelstitel Sir verliehen haben, festgenommen. Nun versuchte ein Reporter des Wirtschaftsfernsehkanal CNBC ein weiteres Geheimnis zu lüften: Weshalb läuft der Golfprofi Vijay Singh noch immer mit dem Logo von Stanford herum? Der Mann schuldet auch ihm noch immer sehr viel Geld und wird es vermutlich nie bezahlen. Gegenüber Reuters druckste der bekannt wortkarge Singh ebenfalls herum. Immerhin verzichtete er auf der zweiten Runde der US Open auf einen Golfsack mit dem Aufdruck. Vielleicht war er die Fragerei leid.

Dichtung und Wahrhaftigkeit

Es gibt diese Bereitschaft von Menschen, sich professionelle Fußballspieler intelligenter und attraktiver zu zeichnen, als sie das sind. Und das ist kein Hieb gegen Fußballspieler, unter denen es so gut wie keine Universitätsabsolventen gibt, keine Leser von klugen Zeitschriften und guten Büchern und sicher keine Liebhaber von bemerkenswerten Gedichten. Es ist eher ein Hieb gegen die Träumer, wie sie womöglich auch beim BBC sitzen, wo man mit diesem Beitrag in eine seltsame Richtung gegen den Strich bürstet und dabei zumindest den Eindruck erweckt, als gäbe es Fußballprofis, die Gedichte wenigstens auf eine ansprechende Weise rezitieren können. Das konnten schon 95 Prozent meiner Klassenkollegen nicht. Und von denen ging jeder an die Uni.

Ich weiß, es war als Provokation gedacht. Als Stolperstein, so wie die kurzen Zeilen auf den Werbetafeln in der New Yorker U-Bahn, auf die unweigerlich der Blick fällt, weil man den Augen des Gegenübers entgehen will und niemanden aus Versehen anstarren. Aber das macht nur Sinn, wenn man sich mit dem in einem reizvollen flachgebürsteten schottischen Akzent vorgetragenen Gedicht auch wirklich beschäftigt. Und so wird man feststellen, dass Jerusalem von William Blake einem angesichts seiner nachlässigen Haltung gegenüber der Philosophie der Aufklärung heute eher gar nichts sagt. Außer dass diese Worte verdammt gut klingen. Aber das ist mir zu wenig (via Anke Gröner)

Kavaliere der Landstraße gesucht

Es ist ein bisschen zu mühsam, dem Knistern der Gerüchtemühle rund um die Cleveland Cavaliers zu folgen. Klar ist nur soviel: Die Mannschaft ist nicht gut genug, um LeBron James dabei zu helfen, den Olymp der NBA zu erklimmen. Und: Der Club offeriert mit Ben Wallace (einst Meister in Detroit, dann bei den Chicago Bulls in Verwahrung) und Sascha Pavlovic gleich zwei Spieler, um sich im Tausch etwas Besseres zu holen. Die Kollegen aus den amerikanischen Medien, die ihre Ohren intensiv auf die Gleise gepresst haben, scheinen aber nur zu hören, was sich selbst wünschen. Dass die Cavaliers einen guten Center holen. Also wurde zunächst Shaquille O'Neal gehandelt. Was ein völlig unsinniger Trade wäre. O'Neal verdient irre Summen und ist inzwischen nur noch ein Schatten seiner ursprünglichen Platzpräsenz.

Also kam ein neuer Name auf – der von Yao Ming. Das macht nach einer schlichten Arithmetik Sinn, weil nämlich neulich chinesische Investoren mit einer Einlage in den Club eingestiegen sind. Chinesisches Geld für chinesische Sportler in Amerika? Das klingt nach "Deutsche esst deutsche Bananen". Ganz abgesehen davon, könnte Ben Wallace einfach seinen Rücktritt erklären, wofür es ebenfalls Anzeichen gibt. Dann fällt der ganze Luftballon einer Tauschaktion in sich zusammen, und Cleveland müsste sich auf dem Markt der Free Agents verstärken. Dort ist zur Zeit nicht viel zu holen. Ich tippe mal, dass eher diese Lösung ausgekocht wird: Antawn Jamison von den Washington Wizards geht nach Cleveland. Aber diese Spekulation ist so gut wie jede andere auch.

Die Koffer stehen bereit

Die Wetterverhältnisse beim Golf in Bethpage sind verschärft. So verschärft, dass Tiger Woods gleich losgeht – am dritten Tag der US Open – um seine zweite Runde zu spielen. Den ersten Teil der ersten Runde hatte er am Donnerstagmorgen abgeliefert. Den zweiten gestern früh. Beide Teile unter schwierigen Bedingungen. Und für heute muss man erneut mit Trouble von oben rechnen. Diesmal wird es vermutlich nicht nur Regen geben, sondern womöglich auch Gewitter. Eine Situation, bei der man zehntausende von Zuschauern in Sicherheit bringen muss und das Spiel unterbrochen wird.

Wenn er sich nicht verbessert – sein Zwischenstand ist vier über Par – kann er seine Koffer packen. Warum? Die Leute an der Spitze konnten gestern in der zweiten Tageshälfte spielen, teilweise bei strahlendem Sonnenschein und auf einem Platz, der aufgrund des Regens seine Fangzähne eingebüßt hatte. Wenn die Grüns wattig weich sind anstatt knallhart, wie sonst bei den US Open, platzieren die Profis ihre Bälle viel näher an die Fahnen. Und da die Grüns auf dem Bethpage Black nicht diabolisch gestaltet sind, kommen auf diese Weise einige Birdies zustande. Diese Vorausetzungen hat Woods heute fürs erste auch. Aber nicht, wenn die Himmelschleusen aufgehen. Zuviel Wasser produziert auf diesem Platz auch wieder Probleme. Das konnte man am Donnerstag sehen, als Brigaden von Helfern mit Wischroll-Geräten herumliefen, um die enormen Pfützen wegzubringen. Schafft also Tiger Woods überhaupt den Cut? Das ist die Frage des Tages. Martin Kaymer hat ein ähnliches Schicksal getroffen. Auch er muss sein Zwischenresultat verbessern. Auch er saß gestern den ganzen Tag herum.

Mehr zum Thema auf faz.net: "Spielen, bis ein Champion gefunden ist"

18. Juni 2009

Herzgeschichten

Vor ein paar Tagen ist in Belgien auf einem Fußballfeld etwas passiert, das in Urzeiten sicher als Wunder eingestuft worden wäre. Zuerst brach Anthony van Loo von KSV Roeselare während einer Begegnung gegen den FC Antwerpen auf dem Rasen zusammen, weil sein Herz aussetzte. Der Spieler überlebte die Attacke, weil ihm Ärzte ein Jahr vorher einen Kardioverter-Defibrillator eingepflanzt hatten. Betreuer mussten ihn danach immer noch vom Platz tragen. Aber das Schlimmste war da wohl schon überstanden. Das Video aus Belgien zeigt übrigens, dass man dort im Fernsehen mit sehr wenig Ausrüstung arbeitet. Keine Nahaufnahme von der Szene. Nur ein Zoom der Führungskamera, der dann nichts anderes als die herumstehenden Kicker zeigt.

17. Juni 2009

Sosa in der Falle

Sammy Sosa ist in Schwierigkeiten. Denn nachdem die New York Times gestern die begründete Vermutung publizierte, dass der Baseball-Profi 2003 genauso wie Alex Rodriguez bei anonym durchgeführten Dopingtests mit einem positiven Resultat erwischt wurde, interessiert sich der Kongress für ihn. Warum? In jenem legendären Hearing im Abgeordnetenhaus im Jahr 2005, als mehrere Spieler unter Eid aussagen mussten, hatte der ehemalige Home-Run-Held schlichtweg folgendes erklärt: “Ich habe mir nie etwas injiziert oder wurde von niemanden mit etwas injiziert. Ich habe weder die Gesetze der Vereinigten Staaten gebrochen noch die der Dominikanischen Republik [sein Heimatland]. Ich bin zuletzt 2004 getestet worden, und ich bin sauber." Des weiteren mimte er den Ausländer mit dem kräftigen spanischen Akzent, dem man verzeihen möge, dass er nicht alles richtig versteht und sich nicht in jedem Fall sehr gut ausdrücken kann.

Die Sätze klingen im Nachhinein ziemlich messerscharf gewählt. Vor allem dann, wenn sich Sosa statt per Spritze den Stoff oral verabreicht haben sollte, was man einst in der DDR hinreichend praktizierte. Dann hätte er nicht mal gelogen. Und die Feststellung, dass er keine Gesetze gebrochen habe, müsste man ihm als legitime Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch wenn der Besitz von nicht verordneten Anabolika in den USA damals strafbar war. Ein positives Testresultat aus dem Jahr 2003 wäre aber zumindest die Basis für den Vorwurf, dass er die Politiker unter Eid bewusst an der Nase herumgeführt haben könnte. In wie weit das justiziabel ist, wird man sehen.

In der Zwischenzeit sei die Lektüre dieser Kolumne von Rick Reilly anempfohlen, in der der ehemalige Sports-Illustrated-Autor beschreibt, wie er im Jahr 2002 Sosa in der Umkleidekabine ansprach und ihm anbot, mit ihm zu einem Labor zu gehen. Ziel: Herauszufinden, ob der Baseballprofi wirklich so sauber ist, wie er immer behauptet hatte. Was war an der Konfrontation so ungewöhnlich? Sosa hatte zuvor öffentlich posaunt, man könne ihn jeder Zeit testen. Reilly wurde jetzt noch einmal zu dieser Geschichte befragt, die damals viel Staub aufwirbelte.
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Solidarität in grün

Iranische Fußballnationalspieler haben beim WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea grüne Armbänder als Geste der Solidarität getragen. Das berichtet der Iran-Liveblogger der Huffington Post und hat es mit einem Foto illustriert. Grün ist die Farbe des Mussawi-Lagers, erläutert CNN. Die Mannschaft kam in Seoul nur zu einem 1:1, nachdem sie bis zur 81. Mannschaft in Führung gelegen hatte. Ob der Iran nächstes Jahr in Südafrika dabei sein wird, hängt vom Ausgang des Spiels Saudi-Arabien gegen Nordkorea ab. Nach Angaben von faz.net hat sich auch der für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielende Mehdi Mahdavikia an der Aktion beteiligt.

Gal schafft US-Open-Qualifikation

Während die berühmte Michelle Wie zusammen mit der ebenfalls ziemlich berühmten Nathalie Gulbis die Qualifikation für die US Open der Frauen verpasst hat, erspielte sich die nicht halb so berühmte Sandra Gal die Spielberechtigung für das Prestigeturnier, das vom 9. bis 12. Juli in Bethlehem/Pennsylvania stattfindet.

Übrigens steht Martin Kaymer ab Donnerstag bei den US Open der Männer in Bethpage vor einer neuerlichen Bewährungsprobe. Ich werde das Turnier für die FAZ und den Züricher Tages-Anzeiger verfolgen. Vorberichte werden morgen in beiden Zeitungen erscheinen. Möglich, dass die Online-Ausgaben die Texte vorher bringen. Auf wen sollte man, abgesehen von Tiger Woods, achten? Auf Paul Casey und Henrik Stenson auf jeden Fall. Martin Kaymer hat zwar theoretisch viel zu bieten, um den schweren Platz in den Griff zu kriegen (an den ich mich noch gut anlässlich zweier vor ein paar Jahren selbst gespielter Runden erinnern kann). Aber man wird bei dem 24 Jahre alten Golfer noch immer nicht das Gefühl los, dass er mit zuviel Respekt an die Sache geht und sich aus der Perspektive an die schweren Plätze nähert, dass er dort ganz viel lernen will. Während Lernbereitschaft sicher eine schätzenswerte Tugend ist, zeigt sie sich im direkten Kampf gegen die Besten der Welt eher als hinderlich. Die Jungs mögen noch so zurückhaltend wirken. Sie haben alle keine Scheu. Vor nichts und niemandem.

Nachtrag: Die beiden angesprochenen Beiträge kann man inzwischen online lesen. Hier und hier.

16. Juni 2009

Coyote-Konkurs: Balsillie bekommt nur einen Kaktus

Die Phoenix Coyotes werden in Arizona bleiben. Nichts mit Umzug zurück nach Kanada. Das hat am Montagabend der Konkursrichter entschieden. Die NHL will jetzt einen Käufer finden, der den wirtschaftlich untragbaren Club mit frischem Geld versorgt. Jim Balsillie, der seit Jahren versucht, sich ein Team zu kaufen (Pittsburgh, Nashville und zuletzt Phoenix), sollte angesichts seiner Misserfolgssträhne vielleicht mal darüber nachdenken, sich ein neues Ziehkind zu suchen. In einer anderen Sportart.

Blaue Augen oder nur blauäugig?

Der Fall Jermaine Jones ist auch eine Lehrstunde in Sachen Medienverständnis. Da wird ein deutscher Fußballprofi in der Sprache seines Vaters interviewt und traut sich zu, dass er das schon hinbekommt. Er redet ja mit einem Vertreter der New York Times, der besten Zeitung der Welt. Dann wird er in einem Beitrag auf der Internetseite des Zeitung ausführlich porträtiert und in wörtlicher Rede zitiert. Wie reagiert man in Deutschland darauf? Man zieht sich eine Facette aus dem Ganzen heraus und spült sie hoch. Dergestalt aus dem Zusammenhang gerissen klingt die Aussage nach einer hässlichen Bewertung der deutschen Realität und macht dem betroffenen Fußballprofi klar, dass er sich damit in der Öffentlichkeit noch unbeliebter macht als er ohnehin ist. Das ist schlecht fürs Geschäft. Und so lässt er die Behauptung in die Welt setzen, wonach er das komplette Gegenteil von dem behauptet hat, was in der New York Times geschrieben wurde.

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Ja, das kommt vor. Man versteht den Gesprächspartner in einem Interview schon mal falsch. Aber dass ein Reporter das glatte Gegenteil heraushört und schreibt, halte ich für eine Schutzbehauptung des Sportlers. Und zwar vor allem deshalb, weil Jermaine Jones überhaupt nicht bestreitet, etwas anderes gesagt zu haben: Dass Beckham als weißer Fußballer mit seinen Tätowierungen nie auf Probleme in der Öffentlichkeit gestoßen ist. Was soll der Hinweis auf Beckham, wenn nichts anderes als seine eigene These abzustützen? ("Maybe because I don’t have blue eyes and blond hair"). Hätte er das Gegenteil gesagt – sinngemäß: "das hat mit meiner Hautfarbe nichts zu tun, dass ich nicht in der Nationalmannschaft spiele" – wäre Beckham überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Worin bestände denn sonst auch die Verknüpfung? Doch wohl nur als Beispiel für die Kontrasterfahrung. Jeder andere Bezug zu Beckham wäre so vermessen, dass der Reporter sicher verwundert nachgefragt hätte. Sinngemäß wohl so: "Sie vergleichen sich mit Beckham? Worin besteht die Parallele?"

Jermaine Jones' Berater haben übrigens noch einen anderen hübschen red herring in ihre eilige Reaktion hineingearbeitet. Angeblich habe der Reporter zugesichert, dass er das Geschriebene noch einmal per E-Mail vorlegt. Das sogenannte Autorisieren von Stellungnahmen und Zitaten von Prominenten ist eine deutsche Krankheit. Die hat sich unter dem Deckmantel eines Generalverdachts eingebürgert, wonach man den Journalisten nicht trauen kann, dass sie ihren Beruf ordentlich machen. Das kennt man in den USA nicht, und so wird auch von niemandem Autorisierung gefordert. Einer der Gründe dafür ist, dass amerikanische Journalisten in einem Umfeld von Schadensersatzklagen arbeiten, die die Verlage ruinieren können. Wer mit solchen Risiken konfrontiert ist, arbeitet konzentrierter, besser, weniger gedankenlos und wägt sehr viel genauer ab. Er fragt auch gerne noch mal nach, um Dinge abzuklären.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Jermaine Jones und seine Berater bei der Lektüre einer E-Mail von Times-Reporter Jack Bell den entscheidenden Passus herausgestrichen hätten. Aber vermutlich nur deshalb, weil sie die Explosivkraft einer solcher Stelle erkannt hätten, nicht weil Jones das Gegenteil gesagt hatte.

Autorisierter Journalismus mag ja für die Prominenten ganz schick sein. Aber nicht für die Leser, die gar nicht wissen, wie da im Hintergrund gearbeitet wird und denen wichtige Sachverhalte gar nicht erst mitgeteilt werden. Leute, die nicht zu dem stehen wollen, was sie denken und sagen, sind Heuchler und Manipulateure. Und von denen gibt es immer mehr. Leider.

Blick zurück: Reaktionenen auf die Jones-Ankündigung – mit einem Fehler, der inzwischen auf der Webseite der New York Times getilgt wurde. Bell hatte Jones in seiner Urversion an einer Stelle als James bezeichnet.

15. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Tote fahren länger

Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.

...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).

...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.

...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.

An der Strippe

Das letzte Mal als uns auf diesen Seiten der ESPN-Moderator und Interviewer Scott Van Pelt über den Weg gelaufen ist, ging es um ein Gespräch zwischen ihm und über-Blogger Will Leitch von Deadspin. Davor tauchte er im ersten Teil einer Serie von witzigen ESPN-Werbespots auf, die wir nacheinander vorgestellt haben. Beide Male ließ sich erkennen, dass Mr. Van Pelt, ein ziemlich langer Lulatsch mit lichtem Haar, etwas von Selbstironie versteht und bei Gelegenheit auch als Stilmittel einsetzt. Vielleicht wurde er deshalb von Videospiele-Hersteller Electronic Arts ausgesucht, um als Pappfigur und als Stimme vom Band in diesem neuen Werbeauftritt von Tiger Woods mitzuwirken. Ob der Witz allerdings drei Minuten verdient hätte, ist eine andere Geschichte (via With Leather)

Überraschend hohe Quoten beim Stanley Cup

Dann wäre ja noch Hoffnung, dass professionelles Eishockey in den USA eines Tages wieder wirtschaftlich Morgenluft schnuppert: Die Einschaltquoten für Spiel sieben vom Freitag sind da und wirken überraschend positiv. 7,51 Millionen Zuschauer im Schnitt haben Detroit und Pittsburgh angezogen, was in der Gegend von etwa der Häfte des NBA-Publikums liegt. Man könnte ins Schwärmen geraten. Das sind Werte wie in den frühen neunziger Jahren.

Was braucht man aber, um vo viele Fernsehkonsumenten auf Dauer neugierig zu machen? Vor allem braucht man Mannschaften aus Städten, in denen die Eishockeybegeisterung virulent ist. Dann braucht man Mannschaften mit Köpfen und Können und Identifikationsschnittlinien, die den peripheren Sportkunden neugierig machen. Obendrauf ein Sahnehäubchen aus Tradition, und schon kommt ein attraktives Produkt dabei heraus. Diese Mischung kann man nicht backen. Aber man kann auf sie zusteuern, wenn man eine Liga mit zuviel totem Holz durchharkt und exakt auf jene Märkte herunterfährt, in denen das eigentliche Potenzial schlummert. Die NHL käme auch mit 15 US-Clubs bestens zurecht.

14. Juni 2009

Kobe hat's geschafft

Es ist vollbracht. Kobe Bryant gewinnt den Titel – zum vierten Mal in seiner Karriere und zum ersten Mal ohne Shaquille O'Neal. Wenn man bedenkt, dass der Mann erst 30 Jahre alt ist, kann man sich leicht ausmalen, dass wir uns inmitten der Kobe-Ära befinden und nicht etwa schon an ihrem Ende. Im fünften Spiel der Serie – 99:86 für die Los Angeles Lakers – wirkten die Orlando Magic wie Schlafwandler und nicht wie motivierte Herausforderer. Ihr Trainer klagte, dass die Spieler im entscheidenden Moment mit dem Ball in der Hand die falschen Entscheidungen getroffen hatten. Sein Gegenüber Phil Jackson klagte gar nicht, sondern hatte meistens ein wissendes zartes Grinsen auf dem Gesicht. Dies ist sein zehnter NBA-Titel (sechs mit den Chicago Bulls und vier mit den Los Angeles Lakers), womit ihm Platz eins in der ewigen Tabelle der Trainer gehört. Anders als damals in Chicago, als viele ihm den letzten Respekt verweigerten, weil er Michael Jordan zur Verfügung hatte, werden die Leute wohl diesmal anerkennen müssen, dass er für den Erfolg hart arbeiten musste. Trotz der beachtlichen Überlegenheit in der letzten Zeit (Finalteilnahme gegen Boston vor einem Jahr) sollte man nicht annehmen, dass die Lakers in der kommenden Saison wieder gewinnen. Der Trend der letzten Jahre spricht dagegen. Selbst in ihren Championzeiten so gute Teams wie die Detroit Pistons und die San Antonio Spurs schafften die Zugabe nicht. Im Westen ist Portland auf dem Sprung. Und im Osten wird sich Cleveland wieder zu Wort melden.

Dreist, gemein, brutal

Das kommt sowieso auf Wiedervorlage, dass Jermaine Jones als amerikanischer Nationalspieler die Fahrkarte zur WM in Südafrika lösen will. Hier erst mal nur eine erste Resonanz aus den USA:

Die New York Times hat den Namen noch nicht richtig drauf.
"Sie sind nicht allein, wenn Sie noch etwas über James [sic!], einen Mittelfeldspieler von Schalke 04 in der Bundesliga gehört haben."
Immerhin Englisch kann er, meint das Blatt aus bester Quelle zu wissen. “'Ich verstehe es, aber ich kann es nicht gut sprechen'", sagte Jones über die Sprache seines Vaters, "ehe er ziemlich gut in passablem Englisch sprach."

Soccer by Ives vermutet Gerangel um einen Stammplatz: "Die am besten besetzte Position in der amerikanischen Nationalmannschaft wird demnächst noch besser besetzt sein."
"Ein dreister defensiver Mittelfeldspieler mit einer unglaublichen Athletik und einer hinlänglich bekannten gemeinen Ader."

Major League Soccer Talk liefert eine Einschätzung des Leistungsvermögens: "Abgesehen von den Pluspunkten von Jones inklusive der Tatsache, dass er Stammspieler in einem europäischen Spitzenclub ist, ist er ein Fall für den Psychologen. Anders als Jose Torres, der andere jüngste Konvertit, verfügt er über keine besonders guten technischen Fähigkeiten und ist ein wenig der brutale Typ, der gut in die Bundesliga passt, aber ein Problem im Kampf mit lateinamerikanischem Flair haben könnte."

Vielleicht wäre es an der Zeit, mal von Herrn Wieland vom Königsblog die Sache genauer erklärt zu bekommen.

Kein bisschen Mitleid


Ein Mann, ein Ball, ein Ziel, ein Video mit Symbolkraft: Dirk Nowitzki trainiert und trainiert und trainiert....

Ziemlich alleine ist auch die kleine Frau, die die Polizei in seinem Haus festgenommen hat. Sie sitzt in Untersuchungshaft, weil ihr das Geld für die Kaution fehlt. Wenn man etwas länger nachdenkt, stößt man zumindest auf einige ungelöste Fragen: Nachwievor gibt es keine Nachrichten, wonach Dirk Nowitzki von der Dame auf gesetzwidrige Weise geschädigt wurde. Warum hilft aber ein Mensch mit viel Geld nicht einer Frau, mit der er mal ziemlich eng zusammen war (und die Zeitungsberichten zufolge ein Kind von ihm erwartet), wenn die ihm offensichtlich de jure noch nie zu nahe getreten ist? Warum empfindet der Fahnenträger auf einmal so wenig Zuneigung zur Mutter seines ungeborenen Kindes, dass er sie im Knast schmoren lässt? Glaubt er, dass die Haftanstalten in Texas so etwas sind wie Pflegeheime, in denen die Menschen bestens versorgt werden? Oder ist da doch etwas vorgefallen, was ihn zutiefst verletzt hat, woraufhin er – anders als im Steuerhinterziehungsfall Geschwindner (musste ebenfalls in U-Haft, und zwar weil die Finanzbehörden mit Erfolg beim zuständigen Richter wegen Verdunkelungsgefahr antchambrierten) – jede Form von Solidarität sausen ließ?

Wie so oft werden solche Fragen gar nicht erst aufgeworfen, wenn in den Medien die Güterabwägung vorgenommen wird. Denn zunächst gilt mal die Unschuldsvermutung auch gegenüber einem Menschen, der selbst gar nicht in die Mühlen der Justiz geraten ist. "Nicht berichten" und "Nicht nachhaken" kann man auf unterschiedliche Weise. Die bislang geschickteste Methode in diesem Zusammenhang kann man dieser Geschichte in der Würzburger Mainpost finden. Da werden den Lesern all jene süffisanten Informationen geliefert, nach denen sie gieren, aber gleichzeitig mit einer saftigen Medienschelte drapiert. Honi soit qui mal y pense. "Scheinbar seriöse Blätter der Republik" hätten im Privatleben des Sohnes der Stadt herumgestochert, heißt es da ohne einen Anflug von Ironie und ohne einen Hinweis darauf, dass der besagte Sohn der Stadt der Öffentlichkeit eine Antwort schuldet. Zumindest auf die eingangs aufgeworfene Frage: Warum, Herr Nowitzki, lassen sie die mutmaßliche Mutter ihres Kindes in einer Zelle in Texas sitzen, während Sie in den Indischen Ozean in die Ferien fliegen? Die Antwort des Vaters reicht nicht.

13. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Von Manchester über Paris nach Madrid

Christiano Ronaldo hatte offensichtlich noch nicht genug von diesem Video gesehen. Also machte er sich auf nach Los Angeles, zwecks wegen des eigenen Augenscheins. One Night in Paris...
Nachtrag: Guter Spruch zum Thema vom twitternden Oliver Fritsch: "Warum knutscht Ronaldo eigentlich mit der Hilton rum? Kann der sich keinen richtigen Mann nehmen?"

... Michael Vicks Zukunft in Atlanta ist offiziell zu Ende. Die Falcons haben versucht, den Quarterback an ein anderes NFL-Team abzugeben. Die Tauschambitionen führten ins Nichts. Jetzt wurde er aus seinen Vertragsverpflichtungen entlassen. Theoretisch könnte er bereits in der nächsten Saison als Free Agent irgendwo unterkommen.

...Nicht alle Leute, die man extra anheuert, um sich zuhause etwas sicherer zu fühlen, sind wirklich koscher. Basketballprofi Tony Parker (San Antonio Spurs) weiß von einem solchen Fall zu berichten. Ein Teil seines Privateigentums wurde von einem Angestellten auf Craigslist angeboten. Die Geschichte hat eine hübsche Pointe, die zeigt, dass Verbrecher auch im Zeitalter des Internet noch nicht viel schlauer geworden sind. Der mutmaßliche Täter bot ein Trikot von Tony Parker für 500 Dollar an, dass nach Schätzungen der Polizei um die 20.000 Dollar wert sein dürfte.

...Die Aktion von NASCAR-Fahrer Kyle Busch, der vor einer Woche nach dem Sieg in Nashville im Stil von Pete Townshend anno 1966 auf spektakuläre Weise die Gitarre zertrümmerte, die ihm als Ehrenpreis überreicht wurde, klingt noch nach. Busch sieht keinen Grund, sich für die radikale Tat zu entschuldigen (das spricht für ihn). Und sein Spruch über die Qualität der Arbeit des Gitarrenherstellers Gibson ist geradezu grandios: "Das Auseinanderbrechen verlief nicht ganz nach Plan. Gibson macht verdammt solide Gitarren." Das kann ich übrigens bestätigen. Von einem Besuch in der Fabrik vor ein paar Jahren in Memphis, wo wir zwar keine Zerstörungswut an den Objekten auslassen durften, aber sehen konnten, in welchem Zustand sich reparaturbedürftige Instrumente befinden: meistens in einem noch ziemlich brauchbaren. Noch mehr off topic: Im gleichen Haus sitzt Rock N Soul Museum. Das ist anders als die Manufaktur wirklich einen Besuch wert.

Altmetall von besonderem Wert

Es gibt einen Mannschaftswettbewerb, für den im Jahre 1900 von einem Harvard-Studenten namens Dwight Filley Davis ein Pokal gestiftet wurde. Genau genommen ist es eine Schüssel. Das passierte acht Jahre, nachdem der damalige Generalgouverneur von Kanada den Dominion Hockey Challenge Cup auslobte. Der Herr hieß Lord Stanley of Preston. Und wie sah seine Hinterlassenschaft aus? Wie eine Schüssel.

Gefäße aus Silber mit und ohne Deckel, mal bauchig, mal gertenschlank, die sich gut in Glasvitrinen machen, sind so etwas wie die mysteriösen Legate an uns aus jener Zeit, als sich Mannschaftsportarten formierten und Leute Regeln in praktische Handhabungen auf den Sportplätzen umgossen. Man könnte auch sagen: Lang ist's her. Aber immer mal wieder wird man durch schnell hingeworfene Aussagen wie "die älteste Mannschafts-Trophäe der Welt" daran erinnert, das sie noch mit uns sind – die "Trophäen" von einst. Wobei die Schüssel von Lord Stanley womöglich dieses Etikett gar nicht verdient hat. Nicht nur, weil die Übersetzung des Wortes trophy extrem daneben geht. Ein Umstand, an den wir dank Wikipedia erinnert werden: Demnach versteht man im deutschen Sprachgebrauch unter "Trophäe" zumindest seit 1905 Dinge wie im "Kampf eroberte Fahnen, Standarten und Geschütze, auch Zusammenstellungen von Waffen" und feindliche Besitztümer aller Art, natürlich auch Geweihe und Schrumpfköpfe. Pokale im Sport sind nicht darunter. Und abgesehen davon: Der Stanley Cup gehört jeweils ein Jahr lang dem Gewinner der NHL-Playoffs. Dann muss er ihn wieder herausrücken.

Das Problem mit dem Superlativ "älteste" wäre allerdings noch etwas größer. Denn so gab es ab 1872 zumindest den FA Cup, der 1895 aus dem Schaufenster eines Schuhgeschäftes in Birmingham gestohlen wurde und auf immer verschwand und mit einem Nachfolgeexemplar ersetzt wurde. FA steht übrigens für Football Association und demnach für eine Mannschaftssportart. Man darf annehmen, dass Lord Stanley die Idee für die Schüssel für die Eishockeyspieler in der Kolonie Kanada aus dem Mutterland kopiert hat.

Jetzt könnte natürlich jemand argumentieren und sagen: Weil der Pokal von Lord Stanley (verlängert um einen massiven Sockel) noch existiert und keiner weiß, wo der alte FA Cup abgeblieben ist (vielleicht wurde er sogar eingeschmolzen), ist er älter. Aber das ist natürlich ein Scheineinwand. Denn die Information darüber wie alt ein Pokal ist, ist ziemlich unerheblich im Vergleich dazu, wie alt der Wettbewerb ist, in dessen Rahmen er ausgespielt wird. Also zum Beispiel wie beim America's Cup, dem von vielen Rechtshändeln bestimmten Segelwettbewerb. Dessen Pokal stammt aus dem Jahr 1851 und ist damit die "oldest active trophy in international sport". Ich überlasse es mal anderen, diese Sprachkonstruktion vernünftigt zu übersetzen. Genauso wie ich mir eine Entscheidung darüber spare, ob das Segeln mit mehr als zehn Mann an Bord, die alle perfekt aufeinander abgestimmt synchron arbeiten müssen, wenn sie gewinnen wollen, eine Einzelsportart oder eine Mannschaftssportart ist.

Übrigens ist die NHL und ihr System, den Meister zu ermitteln, nicht so alt wie der Cup. Die Liga ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und hat den Pott in den zwanziger Jahren einfach ursupiert und kam damit auch juristisch durch, als man 1947 den Umgang mit dem Ding in ein rechtsverbindliches Papier goss.

Penguins holen den Pott

Die Pittsburgh Penguins holen den Pott. In Detroit. Mit 2:1 im siebten Spiel. Das war zwar relativ ausgeglichen und rechtschaffen spannend. Aber es zeigte auch, dass die im Schnitt jüngere Mannschaft mit Spielern angereist war, die meistens einen kleinen Tick schneller waren. Sidney Crosby fehlte ab der Mitte des zweiten Drittels wegen einer Knieverletzung, die er sich bei einem Body Check an der Bande eingefangen hatte. Aber das brachte die Penguins, die zu dem Zeitpunkt mit 2:0 1:0 führten, nicht aus dem Schema. Mit dem Erfolg rundet Pittsburgh ein erstaunliches Comeback ab, das vor ein paar Jahren niemand für möglich gehalten hatte. Crosby, der mit 21 jüngste Stanley-Cup-Sieg-Captain, war nur ein Baustein in der Entwicklung. Die Verpflichtung von Jewgeni Malkin, der als MVP der Playoffs ausgezeichnet wurde, war ein weiterer Coup. Denn tatsächlich wollte ihn der russische Verband nicht ziehen lassen, weil es Streit über die Ablöse gab. In diesem Jahr – nach der Niederlage in der Finalserie vor zwölf Monaten ebenfalls gegen Detroit – sah vieles danach aus, als ob man das Team abschreiben müsste. Erst wurde der Trainer ausgewechselt, dann qualifizierte sich die Mannschaft doch noch für die Playoffs. Und dort gewann sie zweimal in einem siebten Match auf dem Eis des Gegners (zuerst gegen die Washington Capitals, am Freitag gegen die Red Wings).

Beobachtung am Rande: Warum Commissioner Bettman den Cup überreicht, ist mir ein Rätsel. Der ist einen halben Kopf kleiner als der auf einem Tisch aufgebaute Pott. Das sieht immer so aus, als sei er im falschen Film.

11. Juni 2009

Wie einst im Juni 2006

Dies ist die erste ziemlich gründliche Betrachtung über die laufende NBA-Finalserie, die mit einem Hinweis auf den Ausgang des Vorgängermodells anno 2006 zwischen den Dallas Mavericks und den Miami Heat arbeitet. Und was ist das Resultat der Betrachtung? Orlando Magic wird Meister. Wir erinnern uns: Damals sahen Dirk Nowitzki und seine Mannschaft nach zwei Begegnungen wie der sichere Sieger aus. Alles kippte im dritten Match in Miami, das Dallas knapp verlor. Die Mavericks fanden anschließend keine Mittel mehr, um die alte Überlegenheit zu rekonstituieren und gingen mit 2:4 unter. Paul Peszko vom Bleacher Report hat noch eine andere Beobachtung angestellt. Kobe Bryant setzt seine Nebenleute nicht gezielt genug ein. Was die wiederum verunsichert und verwirrt. Heute abend nach dem vierten Spiel werden wir alle ein wenig schlauer sein.

Nachtrag: Orlando verliert zum zweiten Mal in dieser Serie nach Verlängerung, nachdem die Mannschaft zum zweiten Mal hervorragende Chancen besaß, das Spiel im Rahmen der regulären Spielzeit zu gewinnen. Da kommt eine besondere Form von fehlendem Können zum Tragen. Ein Problem der Magic: Center Dwight Howard ist ein grottenschlechter Freiwurfschütze, steht aber ganz oft an der Linie, weil er oft gefoult wird. Der Zwischenstand von 1:3 wirkt wie ein Nagel im Sarg. Wie soll diese Mannschaft drei Begegnungen in Folge für sich entscheiden? Und das müsste sie nun hinbekommen. Ja, ganz knapp daneben ist auch vorbei.

Fazit: Die Serie läuft nicht so ab wie im Jahr 2006. Orlando ist nicht so stark besetzt wie es damals Miami war.

Wege zum Ruhm

Die New York Times hat eine hübsche Geschichte über einen jungen amerikanischen Fußballspieler, der es im Alter von 13 vorzog, nach Italien in das Land seiner Vorväter zu ziehen, wo er sich ganz allmählich in die Nationalmannschaft hochgehangelt hat. Niemand weiß, ob er in den USA auch nur annähernd so gut geworden wäre. Aber klar ist auch, dass die Amerikaner angesichts solcher Geschichten keine guten Karten haben, um jemals eine eigene starke Mannschaft aufzubauen. Denn nicht mal die beachtlichen Bemühungen von Schuhfirmen und Firmen wie IMG, die in Florida eine Schule für Sportlernachwuchs betreibt, können einen solchen Drang eindämmen.

Wo wir gerade bei der Fußballberichterstattung der Times sind. Ebenfalls lesenswert: das jüngste Stück von Rob Hughes über die Möglichkeit, dass nicht nur Ronaldo bei der WM im kommenden Jahr fehlen wird, sondern auch Messi. Mit anderen Worten: der wichtigsten Veranstaltung der Sportart könnten eine Reihe von herausragenden Stars fehlen. Der Gedankengang dahinter ist nicht besonders brilliant. Ist etwas mit dem Modus falsch, wenn sich die Nationalmannschaften mit diesen Herrschaften im Team nicht durch diesen löchrigen Käse namens Qualifikation fressen können? Wohl kaum. Entscheidend ist bekanntlich auf dem Platz. Andersherum gefragt: Ist vielleicht etwas mit dem Blickwinkel von Leuten falsch, die die Mannschaftssportart Fußball als Plattform für Auftritte einzelner Zirkusartisten umdeuten? Schon eher. Der Trend ist sicher nicht aufzuhalten. Weshalb auch weiterhin gute Torleute und solide Verteidiger kaum Beachtung finden werden und unter Wert eingestuft werden, aber Leute mit Vorwärtsdrang in dieser einäugigen Art des Fußballkonsums immer sehr viel besser abschneiden.

Nur hin und wieder – und das ist jetzt ein Verweis auf das gleiche Phänomen im amerikanischen Basketball, wo die Startümelei völlig gaga ist – schaut jemand genauer hin und erzählt eine Geschichte über einen Sportler, dessen Wirkungsgrad ganz erheblich ist, dessen Profil in der Öffentlichkeit im Vergleich dazu sehr dünn ausfällt. Dies ist eine ausführliche Geschichte über Shane Battier von Michael Lewis – ebenfalls in der New York Times (aber schon ein paar Monate alt). Über Lewis und sein verblüffendes Talent, Perlen im Schweinetrog zu finden, war schon mal hier und hier die Rede. Sein Buch Moneyball wird tatsächlich verfilmt. Das kann man sich zwar nur schwer vorstellen. Aber das ist Steven Soderberghs Problem. Und der hat schon ganz andere Sachen hinbekommen.