31. August 2009

Wenn College-Trainer den Tränen nah sind

Es hat nicht lange gedauert, bis der ominöse Football-Trainer Rich Rodriguez in eine Situation geriet, die sein Image und seine Karriere als College-Coach endgültig als das entlarvt, was es ist: die eines Scheinriesen. Das letzte Mal, als er den Leuten unangenehm aufgefallen ist, da machte er sich über Nacht in West Virginia vom Acker und brach dabei einen Vertrag, der ihn dazu zwang, im Falle eines vorzeitigen Abschieds 4 Millionen Dollar an die Universität zu bezahlen. Eine außergerichtliche Einigung sorgte dafür, dass sein neuer Arbeitgeber, die University of Michigan in Ann Arbor, 2,5 Millionen Dollar der ausstehenden Summe übernahm. Rodriguez muss 1,5 Millionen abdrücken – in Raten von 500.000 Dollar pro Jahr.

Derselbe Mann zeigte jedoch bei seiner neuen Aufgabe in Michigan, wo man bei Heimspielen ein Stadion mit einer Kapazität von 100.000 Zuschauern füllt, noch nicht die Qualitäten, die soviel finanzielle Unterstützung wert wären. In der ersten Saison lieferte er eine Bilanz von 3:9 ab, die schlechteste in der Geschichte der Bildungseinrichtung. Vor Beginn dieser Saison wurde bekannt, dass er seinen jungen Spielern Trainingseinheiten abverlangt, die weit über das hinausgehen, was die Aufsichtsgremien der NCAA zulassen. Gewinnen um jeden Preis und Profitieren auf Teufel komm raus sind aber keine Prinzipien, die man im College-Football ohne weiteres durchdrücken kann.

Vielleicht gab Rodriguez deshalb heute bei einer Pressekonferenz das Opfer und spielte den Mann, der notfalls ein paar Tränen heult, wenn es um sein eigenes prinzipienloses Dasein geht. In West Virginia parodiert man den Trainer mit dem doppeldeutigen Spruch: "I wanna be Rich".


Der weinerliche Auftritt von heute bei ESPN.

Der Klingelbeutel: Wenn die guten Geister ausbleiben

Nach einer Schulteroperation und einer langen Pause hat Maria Scharapowa Mühe, den Ball ins Spiel zu bringen. Mehr Doppelfehler denn je. Ihre Probleme haben mit einem veränderten Bewegungsablauf beim Aufschlag zu tun. Der soll gesünder sein für die lädierte Schulter. Das Wall Street Journal hat eine Statistik zum Thema und vergleicht die Werte unterschiedlicher Tennis Ladies miteinander. Der Name Lisicki steht auch auf der Liste. Ach, ja: Heute beginnen die US Open.

• Die Eigentümer der New York Giants haben ein Loch in der Tasche, durch das ihnen 300 Millionen Dollar abhanden gekommen sind. Sie gehören zu den Gläubigern der Konkurs gegangenen New Yorker Investmentbank Lehman Bros., mit deren Hilfe sie Geld zur Finanzierung des neuen Stadions (1,6 Milliarden Dollar) auftreiben wollten. Lehman ging in den ersten Tagen der Finanzkrise unter (und pumpte dadurch die akuten Ängste der Anleger weltweit in nervöse Höhen, während andere Finanzinstitute von der amerikanischen Regierung und der Bundesbank mit enormen Mitteln über Wasser gehalten wurden. Die finanzielle Unterstützung tröpfelt mittlerweile wieder in den Staatshaushalt zurück. Die New York Times berichtet, dass sich der Gewinn für den Steuerzahler bislang auf 4 Milliarden Dollar beläuft. Was aus der angeschlagenen CitiBank (Namensgeber für das neue Stadion der New York Mets) und der noch krankeren Versicherung AIG wird, muss man abwarten. Dort könnte der amerikanische Staat weiter mehr verlieren, als er bisher gewonnen hat.

Das Stadion der Giants ist übrigens kein mit guten Geistern ausgestattetes Projekt. Man erinnere sich an die Episode rund um die Namensrechte für die deutsche Firma Allianz. Selbst mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs, werden Unternehmen, die einst vom Holocaust profitiert haben, nicht den Schattender Vergangenheit los.

• Nach ein paar Wochen der Twitter-Lektüre des geistigen Outputs von Sportlern wie Ian Poulter, Brad Ocho Cinco, Shaquille O'Neal und Shawn Marion zeigt sich: je extrovertierter desto nichtiger. Spannend ist es nur bei Leuten, bei denen nicht klar ist, ob sie's wirklich sind oder ob jemand unter ihrem Namen dummes Zeug fabriziert.

30. August 2009

Stimmenfang

Die Verfeinerung von Videospielen für Sportarten findet hat vermutlich auf der visuellen Ebene die meisten Fortschritte gemacht. Aber auch in dieser Produktkategorie macht der Ton die Musik. Die besondere Leistung herauszuhören, ist nicht ganz leicht. Hier ist mal eine Geschichte auf Kotaku, die etwas Licht ins Dunkel der Arbeit dieser Sprachkünstler bringt, die einen stundenlangen Aufwand treiben müssen, um die Elementarteilchen einer Kommentatoren-Audio-Legebatterie aufzunehmen. Das Beispiel widmet sich den San Jose Sharks aus der NHL und Kommentator Randy Hahn. Zitat:

"Dann ging es an die Arbeit. Die Aufnahme begann damit, dass er die Namen aller 30 NHL-Teams aufsagte - Sharks, Bruins, Leafs, Red Wings etc. Dann nannte er alle 30 Städte mit NHL-Clubs - San Jose, Boston, Toronto, Detroit. Dann sprach er sie mit stärkerer Betonung aus. Dann mit einer noch stärkeren Betonung."

Hahn legt wert darauf, solche Wortbrocken mit unterschiedlicher Intensität zu artikulieren – "für die reguläre Saison, für die Playoffs, für das Stanley-Cup-Finale. Das muss alles eingearbeitet werden. Ob du es glaubst oder nicht, dass schlaucht dich körperlich. Wenn du nach Hause gehst, brauchst du ein oder zwei Stunden, um Abstand zu gewinnen."

Ex-NBA-Profi heute Soldat der US-Armee im Iraq

"Was für eine Art von Soldat ist er?" – "Ein großgewachsener."
Zitat aus dem Bericht von Dan LeBatard für den Miami Herald, der versucht, die Beweggründe eines amerikanischen Basketballprofis auszuloten, der einst in der NBA spielte, dann in verschiedenen Teilen der Welt seinem Beruf nachging und jetzt als Freiwilliger in der amerikanischen Armee dient. Einsatzgebiet: Irak.

Tim James, schreibt LeBatard, nachdem er mit seiner Mutter, einem Vorgesetzten und ihm selbst gesprochen hat, "ist nicht Pat Tillman, obwohl er das nächstliegende Beispiel aus dem Sport ist, seitdem Tillman die Footballmannschaft der Arizona Cardinals verließ. James sehnt sich nicht nach einem Schusswechsel. Er will einfach nur helfen. Er befindet sich auf einem Luftwaffenstützpunkt in einem Gebiet, den sein Hauptmann als 'staubig, karg und abgelegen' beschreibt" (via The Big Lead).

Wer war Pat Tillman? Ein Mann, der zur Symbolfigur für die Propaganda des Pentagon wurde, das so lange es ging der Öffentlichkeit den schlichten Sachverhalt vorenthielt, dass er bei einem Gefecht von einem eigenen Kameraden erschossen wurde.

Monogram Man

Zum Auftakt der US Open am morgigen Montag hat sich die New York Times eine intelligente Geschichte über das Logo gegönnt, mit dem Roger Federer seit ein paar Jahren seine Welt definiert. Es sind die Buchstaben RF, die grafisch leicht bearbeitet wurden: Es fehlen ihnen die vertikalen Linien, was Menschen auf den ersten Blick ein Problem schafft: Sie müssen sich den Rest dazudenken, sonst verstehen sie nicht, was die Strichelei soll. Das Logo ist nicht nur ein Symbol für den Aufstieg des besten Tennisspielers aller Zeiten zu einem Emblem, sondern seine Entstehungsgeschichte der Beweis dafür, wie intensiv und präzise in den Köpfen von Marketingstrategen nachgedacht wird, um die Popularität und Werbewirksamkeit eines Sportlers auszuschlachten und gleichzeitig zu fördern. Das Markenzeichen hat dem Schweizer, dem in der Tennisbranche nicht eine Spur von Abneigung entgegen gebracht wird, übrigens zum ersten leicht stichelenden Spitznamen verholfen: Manche nennen ihn den Monogram Man (eine Ableitung des Filmtitels Marathon Man).

Die Autorin des Times-Artikels ist übrigens keine Sportjournalistin, sondern eine Mode- und Lifestyle-Autorin. Und das ist gut so. Wer weiß, was die Kollegen aus dem Schwatz-Schweiß-Metier daraus gemacht hätten?

Blick zurück: Logo raten

28. August 2009

Ehrhoff zu den Vancouver Canucks

Christian Ehrhoff ist der beste deutsche Eishockeyspieler in der NHL (auch dann, wenn Marco Sturm nicht verletzt ist). Und die San Jose Sharks waren in den lezten Jahren eine der besten Mannschaften in der Liga. Aber solche Feststellungen müssen Spieler und Teams in jedem Frühjahr auf dem Eis unter Beweis stellen. Und da haben die beiden – der Verteidiger mit dem enormen Angriffspensum und sein Club – am Ende stets gepatzt. Diese Serie ging gestern mit einer für den nordamerikanischen Sport typischen Maßnahme definitiv zu Ende. Ehrhoff wurde zusammen mit dem Mannschaftskollegen Brad Lukowich im Tausch für zwei jüngere und billigere Spieler an die Vancouver Canucks abgegeben. Geld war ganz offensichtlich das Hauptproblem. Denn die harte Salary Cap der NHL zwingt die Manager vor jeder Saison zm Rechnen. Ehrhoff hat einen Vertrag, der ihm für die nächsten beiden Jahre jeweils 3,1 Millionen Dollar garantiert. US-Dollar wohlgemerkt, völlig unabhängig davon, wo der Wechselkurz zum kanadischen Dollar gerade steht.

Mehr über Ehrhoffs Zeit in San Jose stand im Frühjahr in diesem Artikel in der FAZ.

Nachtrag: Die San Jose Mercury News konnte mit Ehrhoff reden, der zu dem Tausch sagte: "Ich war nicht total überrascht, aber natürlich bis du erstmal geschockt, wenn du getradet wirst." Vancouver ist übrigens eine angenehme Stadt mit viel Lebensqualität. Die Olympischen Spiele im nächsten Jahr wirbeln bei den Canucks das Programm durcheinander. Das liegt nicht an der Spielpause, die den NHL-Profis gestattet, für ihre Nationalmannschaften anzutreten, sondern daran, dass die Mannschaft wochenlang am Stück auswärts antreten muss. Die Halle gehört zu den Veranstaltungsorten der Winterspiele und muss vorher mit zahlreichen Umbaumaßnahmen auf olympisches Niveau gebracht werden. "Auswärts" ist für ein Team wie Vancouver mit ellenlangen Reisen verbunden. Eine längere, aber kompakte Zeit unterwegs sorgt allerdings dafür, dass man in jedem Fall im Vergleich zum klassischen Reiseplan, weniger Zeit im Flugzeug verbringt. Nur mal als Anhaltspunkt für Leute, die denken, Aserbeidschan liegt weit weg : Flugzeit Vancouver - New York: fünf Stunden.

Marcel Goc, der vor einem Jahr in San Jose nicht mehr als einen Ein-Jahres-Vertrag herausholen konnte, spielt in der kommenden Saison auch für einen neuen Club. Er wechselt zu den Nashville Predators. Viel Geld gibt es nicht. 550.000 Dollar im Rahmen eines Two-Way-Vertrages bedeutet: Wenn er ins Farm Team muss, reduziert sich die Apanage noch mehr.

Komplott im Hause Stanford: Erstes Geständnis

Die massiven Vorwürfe gegen Sir Allen Stanford verdichten sich. Der Texaner, der sich durch seine Sponsorenrolle im Golf und Cricket eine gutes Quantum an Sympathien erkauft hatte, kann seit gestern nicht mehr behaupten, in seinem Finanzimperium sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Sein ehemaliger Finanzchef hat im Rahmen des gegen ihn gerichteten Verfahrens gestanden, an einem riesigen Betrugskomplott beteiligt gewesen zu sein. Wir reden im Moment von 7 Milliarden Dollar, die über die Karibikinsel Antigua kanalisiert wurden, wo der Chef den Adelstitel Sir verliehen bekommen hatte. So bleibt Stanford jetzt nur noch jene klassische Verteidigungslinie, von der sich bisweilen die Geschworenen in Wirtschaftstrafprozessen in den USA tatsächlich überzeugen lassen: Er habe von dem Gewese in seinem Laden überhaupt nichts gewusst.

Der Betrugsfall muss offensichtlich nach dem Konzept eines Pyramidenspiels oder eines Schneeballsystems abgelaufen sein. Dabei verleitet man Investoren über das Versprechen von hohen Renditen, sich von ihrem Geld zu trennen, legt es aber nicht an, sondern verbraucht es für die eigenen Zwecke. Solange frische Summen hereinkommen, lassen sich Rückzahlungsforderungen bedienen. Die Finanzkrise brachte jedoch solche Aktivitiäten zu Fall. Denn plötzlich versuchten mehr Anleger ihr Geld zurückzuerhalten als noch da war. Der riesigste Betrugsfall ist mit dem Namen Bernard Madoff verbunden, der vor ein paar Wochen zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der Erfinder dieses Betrugskonzept war übrigens nicht jener Charles Ponzi, der in den USA dafür bekannt wurde. Aber der Name hat sich eingeprägt.

27. August 2009

Brot und Spiele (2000 Jahre nach Ben Hur)

Für den, der schon alles hat, aber noch nicht genug zu essen: Der Formel-1-Rennwagen aus Brot. Jalopnik weiß alles über die Zutaten.
Blick zurück: Mosleys Mann – des Bäckers Konkurrenz im Styroporformat

Alles nur Kulisse?

Es gibt nicht so viele Golfplätze auf der Welt, bei dem einem der Ausblick von den meisten Abschlägen schlichtweg die Sprache verschlägt. Manche haben einzelne spektakuläre Bahnen, bei denen man den Ball etwa über windumtoste Meeresbuchten schlagen muss und nach Art von Manni Kaltz eine Flugbahn gegen die Brise absteuern muss. Manche gestatten einem von den höchsten Punkten des Geländes aus ein einladendes Panorama von Ozean und Dünen, Kliffs und Brandung. Aber hinten am Horizont läuft die Optik in flachen Farben und dünnen Linien aus. Wenn da nicht ein Wal aus dem Wasser aufsteigt, wie das schon mal in Kapalua auf der Insel Maui passiert, ist der vorherrschende Eindruck eher Beschaulichkeit.

Deshalb ist der Platz, auf dem an diesem Wochenende die Profi-Karawane der PGA Tour Station macht, so außergewöhnlich: Auf Liberty National bestimmen zwei der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten die Kulisse: die Freiheitsstatue und die Wolkenkratzerlandschaft von Manhattan. Der Platz wurde vor ein paar Jahren für teures Geld auf eine Schutt- und Giftmüllzone gekleistert, was lange dauerte, weil die Behörden nicht leichtfertig Genehmigungen erteilen. Die New York Times hat diesen Teil der Geschichte neulich ausführlich erzählt. Der Club ist in privater Hand und steht deshalb für Normalsterbliche nicht auf der Wunschliste.

So reizvoll das Visuelle auch sein mag und so leicht es sich auch in attraktive Fernsehbilder und Fotografien umsetzen lässt, irgendetwas an der Entscheidung der PGA Tour für diese Anlage ähnelt einem Griff ins Klo. Das Gefühl jedenfalls erhält man, wenn man den Bericht von John Hawkins in Golf Digest liest, der zwar keinen der Spieler offiziell dazu bringen konnte, sein Missfallen zu Protokoll zu geben, aber hinter vorgehaltener Hand viele Beschwerden eingesammelt hat. Das Besondere: die Tour-Leitung hat ganz offensichtlich die sonst so meinungsfreudigen Profis dazu vergattert, bloß nichts Negatives über den Platz zu sagen. Weshalb sich Tiger Woods zu einer Wischi-Waschi-Aussage bequemte: "Es ist interessant", sagte er über den grünen Teppich mit seinen relativ kleinen Grüns und der künstlich aufgeschütteten Golflandschaft.

Mit dem Turnier auf der anderen Seite des Hudson in New Jersey beginnt die letzte Phase der Saison, das Playoff-Format um den FedEx-Cup. In zwei Wochen wird das Feld auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft sein und die Crème de la Crème bei der BMW Championship in Cog Hill außerhalb von Chicago antreten. Wie vor zwei Jahren auch werde ich von dort aus berichten. Voraussichtlich auch über das Thema: Was wenn Golf olympisch wird?

Martin Kaymer, der sich bei einem Unfall auf einer Go-Kart-Bahn in Phoenix mehrere Knochen im Fuß gebrochen hat, wäre übrigens sowieso weder in New Jersey noch in Chicago dabei gewesen. Er hatte als Nichtmitglied der PGA Tour mit der PGA Championship das jährliche Kontingent seiner Gastauftritte in den USA ausgeschöpft. Die aktuellen Meldungen über den Weltranglistenzwölften sagen, dass er wohl nach einer notwendig gewordenen Operation sechs Wochen Zwangspause einlegen muss.

26. August 2009

ESPN: Eine Forde-Setzungsgeschichte

Ist das eigentlich normal, dass ein Journalist, der zusammen mit einem bekannten Trainer ein Buch (links) geschrieben hat, als Berichterstatter eines Medienunternehmens wie ESPN fungiert, wenn exakt dieser Trainer in Schwierigkeiten ist? Falls es nicht normal sein sollte, müsste Pat Forde von seinem Auftraggeber aus der journalistischen Arbeit zum Thema Rick Pitino zurückgezogen werden. Was aber vermutlich nicht passieren wird, denn bei ESPN agiert man mit einem Verhaltenskodex, der selektiv das schöne auflackierte Imagebewusstsein pflegt.

Es macht den Leuten bei der Disney-Tochter offensichtlich nichts aus, dass die Nähe zwischen Subjekt (Autor, siehe Bild) und Objekt (Sportikone) zu einer heuchlerischen Sicht der Dinge führt. Was nicht nur schlecht ist, wenn man entscheidet, tagelang nicht über die Klage gegen einen NFL-Quarterback zu berichten oder andere negativen Nachrichten ignoriert. Es ist ganz besonders schlecht, wenn man einen narzistischen Maniac wie Rick Pitino deckt, der seitdem seine außerehelichen Aktivitäten publik wurden, so tut, als sei er das Opfer und nicht etwa ein ganz durchschnittlicher Trieb-Täter, der mal eben zwischendurch in Restaurants der Stadt Lousville wildfremde Frauen begattet.

Pitino, der vermutlich im Prozess gegen die mutmaßliche Erpresserin Karen Sypher (links in einem Screenshot von einem Interview mit Good Morning America von TV-Sender ABC) aussagen wird, aber bislang lieber den Mund gehalten hatte, ist heute um 15 Uhr komplett ausgerastet und hat eine kurze Pressekonferenz gegeben. Er attackierte die Medien und nicht etwa die Polizei, die die Vernehmungsprotokolle mit seinen Aussagen der Ortszeitung zur Verfügung gestellt hatte: "Alles, was gedruckt worden ist, alles, was berichtet worden ist, alles, was an dem Tag, an dem Teddy Kennedy gestorben ist, in den Nachrichten gebracht wurde, ist eine Lüge. Eine Lüge."

Pitino, der pro Jahr mehr als zwei Millionen Dollar verdient, ist im Prinzip nicht mehr tragbar. Und zwar aus einem eher nebensächlichen Grund. Je mehr die Öffentlichkeit von Sypher erfuhr – sie hatte nach der Sexkapade einen Anruf Pitinos auf ihrem Anrufbeantworter aufgezeichnet und die Aufnahme neulich einem örtlichen Fernsehsender gegeben, ihre Vergewaltigungsanschuldigungen wurden von der Polizei als nicht glaubwürdig eingestuft, Aufnahmen von Gesprächen mit den Ermittlern, die heute publiziert wurden, zeigen einen Menschen mit einer deutlichen Persönlichkeitsstörung – desto mehr regen sich die Zweifel an Pitino. Verfügt der Mann überhaupt über eine Spur von Menschenkenntnis? Sollte der wirklich die Kinder anderer Leute betreuen?

Man darf davon ausgehen, dass der Coach mit seinem jüngsten Auftritt eigentlich nur noch eine Strategie verfolgt: sich gegenüber der Leitung der Universität so zu positionieren, dass sie ihn feuern muss. Und dass er bei einer solchen Auseinandersetzung nicht den 3,6 Millionen Dollar Bonus verliert, der ihm laut Vertrag 2010 ausgeschüttet werden soll.

Übrigens das Buch von Pitino und Forde trägt einen seherischen Titel: Rebound Rules. Auch wenn der Trainer gezwungen werden sollte, in Louisville sein Amt aufgeben muss, wird er nach einer Pause woanders wieder auftauchen. Der Mythos des erfolgreichen College-Magiers ist ungebrochen. Solche Leute sind unbesiegbar. Hier noch eine Hörprobe aus dem Buch.

Blick zurück: Wie man bei ESPN mit Leuten umgeht, die man nicht mag
Blick zurück: Die Pitino-Saga, Teil 1
Blick zurück: Die Frau, die Michael Jordan per Blog hinterherlief

25. August 2009

Reinsdorf zieht Coyotes-Kauf-Angebot zurück

Die von der NHL favorisierte Lösung in Sachen Phoenix Coyotes ist geplatzt. Jerry Reinsdorf, der Besitzer der Chicago Bulls und Chicago White Sox, hat sein ursprüngliches Angebot zur Übernahme des Clubs vom Tisch genommen. Hauptgrund: das Manöver der Anwälte des bankrotten alten Besitzers, die Verhandlungen von Reinsdorf mit der Stadt Glensdale, dem Hallenbesitzer, um Subventionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Man darf davon ausgehen, dass der Anwalt, der Michael Jordan Zeit seiner Karriere ziemlich schlecht bezahlte und Scottie Pippen obendrein, nicht empfindlich ist und mit solchen Enthüllungen leben kann. Das Problem: Die Stadtverwaltung saß plötzlich mit roten Ohren da und musste sich die Frage gefallen lassen: Warum müssen wir eigentlich Multimimillionäre aus fernen Städten mit Steuergeldern beschenken?

Was bedeutet das alles? Schwer zu sagen. Die NHL hat zunächst mal reagiert und dem Konkursrichter ein neues Angebot unterbreitet, wonach die Liga den Club übernehmen will. Wieviel Geld sie hinzublättern bereit ist, wurde auf die Schnelle noch nicht bekannt. Es wird sicher ein Betrag in der Größenordnung von dem sein, was Reinsdorf ausgeben wollte. Also etwa 148 Millionen Dollar.

Blick zurück: Gar nichts okay am O. K. Corral

Mit Windeln wedeln

Seit Tagen braut sich aus dem verletzten Stolz einer Nation und dem Unverständnis vieler Leute, die sich nur hin und wieder mit Sport beschäftigen, eine seltsame Aufwallung der Gefühle zusammen. Als sei eine junge 800-Meter-Läuferin mit einer tiefen Stimme, Barthaaren im Gesicht und einem maskulinen Körper tatsächlich eine Symbolfigur für eine verfehlte Auslegung der Regeln im Sport. Einmal mehr werden ausgerechnet die Kontrollmaßnahmen als übermächtige Eingriffe in die Privatsphäre diffamiert. Ohne dass auch nur jemand fragt: Was ist mit der Chancengleichheit? Warum nimmt niemand Partei für die anderen Teilnehmer des Endlaufs, die um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurden?

Man kann ja noch den Vater verstehen, der ihre Windeln gewechselt hat und der einem Bericht auf bild.de zufolge eine Geburtsurkunde vorweisen kann, auf der ihr Geschlecht mit "weiblich" angegeben wurde. Aber das Echo auf den Vorgang beim Deutschen Ärzteblatt ist schon bizarr. Die Untersuchung einer Sportlerin auf ihr Geschlecht leiste "einer Diskriminierung von Sportlern Vorschub", schrieb ein nicht genannter Autor, nachdem er sich ein paar Zeilen zuvor auf die Vorstellung eingetaktet hatte, die biologisch fundierte Einkreisung der Frage, ob jemand männlich oder weiblich sei, wäre "für den Sport unerheblich".

Mit der gleichen Begründung könnte man natürlich auch sagen: Dopingkontrollen diskriminieren. Auch sie haben etwas Entwürdigendes, wenn die Sportler vor den Augen des Kontrolleurs ihren Urin lassen müssen. Man könnte dann gleich noch weiter gehen und sagen: Auch Qualifikationsnormen diskriminieren. Gewichtsklassen und das Wiegen vorm Kampf diskriminieren. Auch die unterschiedlich guten Trainingsbedingungen diskriminieren. Warum baut die IAAF nicht in allen Ländern hervorragende Stadien und Anlagen, um den Wettbewerb zu entzerren? Auf diese Weise kommt man ziemlich schnell auf die schiefe Ebene hin zum Absurden.

Es gibt angesichts des aktuellen Fallbeispiels aber auch Beschwerden entlang einer feministischen Gedankenkette. So las ich bei Jens Weinreich den Kommentar der Kollegin Barbara Klimke von der Berliner Zeitung, deren Anmerkungen in dem Satz endeten: "Männer aber mussten sich nie in Frage stellen lassen." Das war ein Anwurf aus dem Gedankenkreis der alten Fairness-Debatte, die entstand, als Frauen sich gegen erhebliche Widerstände ihren Platz im gesellschaftlichen Alltag erkämpfen mussten.

Das Argument hätte sicher mehr Gewicht, wenn Frauen im Sport so wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch an den Wettbewerben der Männer teilnehmen würden. Aber solange sie – anders als bei den Ärzten und Anwälten, Lehrern und Journalisten – eine eigene Leistungskategorie für sich in Anspruch nehmen wollen, klingt das nicht gut. Sie wollen schlechteren Sport abliefern dürfen und wollen dafür mit eigenen Medaillen und Geldprämien gefeiert werden, aber Kriterien für diesen Sonderstatus nicht akzeptieren. Nach dieser Lesart wäre es also in Ordnung, wenn in Zukunft Männer an den Frauenwettbewerben teilnehmen und eine Aufklärung über ihr Geschlecht mit dem Hinweis verweigern, das verletze ihre Würde. Auch das wäre absurd.

Das Thema wäre nur halb so interessant, wenn sich nicht eine Denkart im Sport verselbständigt hätte, die aus der Zeit vor der Professionalisierung stammt. Damals konnte man noch auf den Gleichheitsgrundsatz pochen. Aber heute – im Zeitalter einer kompletten Kommerzialisierung – sollte man mit solchen Forderungen etwas vorsichtiger hantieren. Es ist eine simple Tatsache, dass Frauensport (abgesehen von den Einzelsportarten Tennis und Golf) alleine wirtschaftlich gar nicht überleben könnten. Sie werden von den Männern subventioniert, wie man bei der WBNA im Basketball unschwer nachvollziehen kann. Die erste Frauenfußball-Liga in den USA ging vor ein paar Jahren pleite, nachdem sie 50 Millionen Dollar Anfangskapital durch den Schornstein gejagt hatte. Dabei wurden die Spielerinnen keineswegs exorbitant bezahlt. Das Problem waren die fehlenden Zuschauer und die fehlenden Fernseheinnahmen und die fehlenden Sponsoren. Warum fehlten die? Weil sie sich nicht im gleichen Maße für Sport auf einem schlechteren Leistungsniveau interessieren wie für die Top-Kategorie.

Der Fall Semenya taugt deshalb eigentlich nur zu einem – zu einer redlichen Selbstbefragung: Ist man für den subentionierten Frauensport mit Leistungen zweiter Klasse, um auf diese Weise möglichst vielen Frauen eine Chance zu geben, sich zu exponieren? Oder ist man für den ehrlichen Sport, bei dem Frauen gegen die Männer antreten und dann auch nicht mehr befürchten müssen, dass man sich für ihren Chromosomensatz interessiert?

Wer für die erste Variante ist, sollte nicht über den Umgang mit Frau Semanya jammern, sondern lieber lesen, was die BBC heute berichtet: Es gab schon vor der WM Hinweise auf extreme Testosteron-Werte bei der Guten, die womöglich einen anderen Schluss nahelegen: einen stinknormalen Fall von Doping. Nicht zu unterschlagen: Der verantwortliche Trainer für die süddafrikanischen Frauenleichtathletik ist ein gewisser Dr. Ekkart Arbeit, der in der DDR für jene Form der Leistungsförderung verantwortlich war, deren Opfer noch heute unter den Folgen leiden.

Wer die zweite Variante will, muss sich übrigens nicht grämen. Es gibt eine Reihe von Sportarten, in denen Frauen den Männern Paroli bieten können.

Toni Sailer in Badgastein

video
Die Nachricht vom Tod von Toni Sailer bringt Erinnnerungen an einen der besten Skifahrer aller Zeiten. Er war der Roger Federer, Tiger Woods und Michael Jordan einer Epoche im Sport, die noch ganz unschuldig wirkte und keine Vermarktungsmaschine unter Dampf hielt. Mit nur 24 Jahren stieg er aus dem alpinen Renngeschehen aus, obwohl er vermutlich noch Jahre lang die Konkurrenten hinter sich gelassen hätte.

Als Schauspieler und Sänger hinterließ er nicht ganz so tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis. Aber das gilt für alle Sportler jener Zeit, die sich von ambitionierten Produzenten in die gleiche Richtung drängen ließen. Während Wikipedia rasch den Sailer-Eintrag modifizierte, hat man bei tonisailersports.com schon vor einiger Zeit vergessen, dass die Zeit weiter geht. Die Seite hätte eine Nachruf auf den "Blitz von Kitz" verdient. Über die schwere Krankheit, unter der er litt, wurde schon früh spekuliert. Sailer wurde 73 Jahre alt.

Das Video ist ein Ausschnitt aus einer amerikanischen Wochenschau aus dem Jahr 1958. Das Material hat den Urheberrechtsstatus "Public Domain".

Leseempfehlungen zu Toni Sailer aus dem Archiv von Sports Illustrated:
"He Wins Uphill Battles, Too" – eine Geschichte aus dem Jahr 1975, die seine erfolgreiche Arbeit als Trainer der österreichischen Nationalmannschaft beschreibt.

"Bad Day at Bad Gastein" – Eindrücke von der WM 1958 mit Beschreibungen der Skifans, die damals zu solchen Events anreisten
"The modern millionaires of the Ruhr and their wives, expensively and inelegantly dressed, sat all week long by the gross marble columns and under the immense chandeliers, their stately and stuffy presence a baroque contrast to the hearty, informal, booted ski crowd."

Sportmonopole vs. Medienmacht: Das Beispiel SEC

Der Collegesport in den USA wird von mehreren Verwertungsmaschinen in Schwung gehalten. Das Reglement wird von der NCAA bestimmt (die im Football aber auch nach hundert Jahren noch keine amerikanische Meisterschaft auf die die Beine bekommen hat), die Organisationstruktur von den sogenannten Conferences. Die haben meistens engeren regionalen Zuschnitt, was die Reisekosten im Zaum und die traditionellen Rivalitäten zwischen einzelnen Universitäten in Schwung hält. Die Conferences sind mächtig. So mächtig, dass sie jetzt in der populärsten aller Sportarte – im Football – als Speerspitze im Kampf gegen die Verwertung von Informationen, Bildern und Videos durch die traditionellen Medien antreten.

Das interessante an dem aktuellen Tauziehen, ist, dass es nicht vor Gericht ausgetragen wird wie etwa der Streit des Württembergischen Fußballverbandes mit dem Internetportal Hartplatzhelden. Es ist mehr das typisch amerikanische Powerplay, in dem zwei Seiten die Muskeln spielen lassen und sich vermutlich am Ende irgendwo auf halbem Weg einigen werden. Die treibende Kraft ist zur Zeit die Southeastern Conference (SEC), die Journalisten, die sich zu ihren Spielen akkreditieren wollen, ein Papier vorgelegt hat, dass journalistische Arbeit im Internet-Zeitalter (mit Video, Audio-Dateien, Blogs) unmöglich macht. Wer das Papier unterschreibt, bekommt zwar Zugang, aber soll gleichzeitig noch seine eigenen Rechte zur Verwertung an die Conference abtreten. Zur SEC gehören überwiegend staatliche Universitäten in Arkansas, Louisiana, Kentucky, Tennessee, Alabama, Mississippi, Georgia und Florida.

Nun haben die Nachrichtenagentur Associated Press und der Großverlag Gannett (USA Today und rund zwölf Zeitungen im Verbreitungsgebiet der Conference) den Leuten von der SEC erklärt, dann müssten sie eben ohne die Berichterstattung dieser beiden Institutionen auskommen. Nicht schlecht. Aber die Frage stellt sich mittlerweile: Brauchen solche mächtigen Einrichtungen wie die SEC mit ihrem eingebauten Fan-Gerüst und eigenen Webseiten und modernen technischen Ausstattungen, um eigene Medienarbeit zu betreiben, überhaupt noch die klassischen Medien? Würden sie ohne den PR-Effekt der Agenturen und Verlage wirtschaftlich zurecht kommen?

Vermutlich durchaus. Das einzige, was sie nicht gewinnen können, ist guter Wille. Die Universitäten betreiben nämlich mit Hilfe ihrer Vermarktungsstrategien ein perverses Spiel. Sie nutzen zu einem erheblichen Teil öffentliche Ressourcen (in Form von Steuersubventionen und kostenlosen Polizeieinsätzen), um Trainern von lupenreinen Amateuren Gehälter jenseits der 2 Millionen Dollar pro Jahr zu bezahlen. Obendrein sind sie als steuerbefreite und staatliche Bildungseinrichtungen, die sich über hohe Studiengebühren finanzieren, dem Grundgedanken des Allgemeinnutzens verpflichtet. Da kann man nicht so ohne weiteres der Öffentlichkeit den nackten Allerwertesten ins Gesicht strecken.

Ähnlich wie bei den Hartplatzhelden geht es um mehr als um den Einzelfall. Andere Ligen und Sporteinrichtungen dürften sich brennend dafür interessieren, wie die Sache ausgeht. So viel ist klar: Dass die Monopolbetriebe des Sport freiwillig und ohne Druck irgendetwas aufgeben, was sie für ihres halten, sollte man gar nicht erst vermuten. Sie ticken da so ähnlich wie die Ölkonzerne und die Investmentbanken an Wall Street. Sie betrachten das Ganze als ihr Casino. Wir sind nur willkommen, solange wir die einarmigen Banditen mit Chips füttern und am Roulette-Tisch brav unser Erspartes verzocken.

24. August 2009

Fünf Jahre Gefängnis für Nowitzkis Ex

Die ehemalige Lebensgefährtin von Dirk Nowitzki ist heute in St. Charles im Bundesstaat Missouri zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Und alles nur, weil Cristal A. Taylor, inzwischen 38, seit Jahren gegen die Auflagen einer zu Bewährung ausgesetzten Haftstrafe verstoßen hatte, mit der sie aufgrund einer alten Geschichte zu tun hatte. Wann sie wieder herauskommt, ist noch nicht ganz klar. Ein Teil der neuen Strafe wird ihr angerechnet. Gute Führung hinter Gittern würde ihre eine weitere Ermäßigung bringen. In den Meldungen von der Urteilsverkündung wird erneut nicht verbindlich gesagt, ob Taylor tatsächlich schwanger ist, sondern nur spekuliert. Was Nowitzki und den möglichen Nachwuchs angeht, so hat sein Anwalt bereits für den Fall des Falles das alleinige Sorgerecht beantragt. Dass sich die Mama um den Säugling kümmern wird, ist aufgrund des heutigen Urteils schlichtweg ausgeschlossen.
Blick zurück: Nowitzki redet über seine privaten Probleme
Blick zurück: Kein bisschen Mitleid – Nowitzki kurioser Mangel an Interesse für die Frau, die er fast geheiratet hätte

23. August 2009

Amerikanerinnen gewinnen Solheim Cup noch klar

Zwei Tage lang schienen die europäischen Spielerinnen eine Chance zu haben, die Pleite von vor zwei Jahren in Schweden vergessen zu machen. 8:8 lautete der Zwischenstand nach den Fourball und Foursomes im Solheim Cup, der bekanntlich alle zwei Jahre ausgetragen wird und das Gegenstück der Frauen zum Ryder Cup ist. Aber heute konnten die zwölf gegen die starken Amerikanerinnen nur sehr wenig ausrichten und verloren den Wettbewerb noch ziemlich deutlich mit 12:16. Dem Turnier auf dem Platz in Sugar Grove außerhalb von Chicago fehlte dadurch das gewisse Prickeln. Bemerkenswerte Einzelleistung: Michelle Wie, die viermal spielte (dreimal im Duo, einmal Solo) und drei Matches gewann und eines Remis beendete. Von den Spannungen, die es einst im Verhältnis zu dem von ihren Eltern ferngesteuerten Talent gab, war nichts zu spüren. Die Cup-Leistung hat ihrem angekratzten Image sehr genützt.

Blick zurück: Solheim Cup ohne deutsche Beteiligung

21. August 2009

Wo bleibt die Fußball-Europa-Liga?

Drüben bei allsaussersport lief in dieser Woche in den Kommentaren ein Gedankenaustausch über den Sinn von solchen amerikanischen Erfindungen wie Draft, Salary Cap, Luxussteuer und Kadergrenzen, die alle dazu dienen, zwischen den Clubs in den einzelnen Ligen so etwas wie Chancengleichheit herzustellen. Der Auslöser dort waren die extremen Marktverzerrungen, die sich quer über den europäischen Kontinent im Rahmen der Champions League abspielen. Mal abgesehen davon, dass es schweriger ist, die Repräsentanten aus unterschiedlichen Ländern mit dem ihnen eigenen gewissen patriotischen Bedürfnissen unter einen Hut zu bekommen als in den USA, wo man quasi intern die Weichen stellen kann (die Kanadier in der NBA, der NHL und Major League Baseball haben nicht mal so etwas wie ein Vetorecht): Eine Neuorientierung tut not. Wenn schon der schwerreiche Silvio Berlusconi stöhnt und wenn man sieht, auf welchen Luftschlössern die Clubs in der Premier League herumturnen und wenn man darüber hinaus erkennt, dass nur eine kleine Gruppe von Mannschaften überhaupt ganz oben mitmischen, dann weiß man: Das geht nicht mehr so weiter.

Im Grunde steht der europäische Clubfußball an einer Schwelle wie der deutsche Vereinsfußball Ende der fünfziger Jahre, als man wie gewohnt den Meister in einem hübschen, kleinen Turnier ausspielte, zu dem die Tabellenersten der damals Oberliga genannten höchsten Spielklassen Zutritt hatten. Die logische Entwicklung heraus aus dieser überkommenen Vorstellung von einem regionalisierten und föderalen Profisport (damals noch schlecht bezahlt) war die Bundesliga, die mit 16 Vereinen an den Start ging und zunächst den Modus der Aufstiegsrunde beibehielt, der dem alten Meisterschaftsturnier ähnelte.

Die neue Liga hatte ihre Kinderkrankheiten (die sich in dem ersten großen Bestechungsskandal manifestierte, der mit Namen wie Bernd Patzke und dem Hertha BSC verbunden ist). Aber sie brachte auch einen Schub. Man könnte so weit gehen und sagen: Die Nationalmannschaften von 1966 (die sich mühevoll qualifizierte, aber dann in England einen erstklassigen Ball spielte) über 1970 (ich sage nur "Spiel des Jahrhunderts") bis 1974 (Weltmeister) waren das Nebenresultat dieser neuen Eliteliga. Man denke nur an die Zeit, als der damalige Bundestrainer Helmut Schön aus zwei Spielerblöcken mit Leuten von Bayern München und Borussia Mönchengladbach das Grundgerüst formte. Das war schlicht und formschön zugleich.

Wenn sich heute jemand über die Zukunft des Elitefußballs in Europa Gedanken machen will, dann sollte er den gegenwärtigen Modus vergessen und ein neues Stockwerk obendrauf setzen. Was fehlt ist eine Europa-Liga mit etwa 20 oder 22 Clubs, die sich ständig auf diesem Niveau messen und sich am Ende auch das Geld reinschieben, das auf dieser Plattform zu verdienen ist. Eine solche Liga kann Vereinbarungen treffen, die den amerikanischen Modellen ähneln (manches geht nicht, weil zum Beispiel das Arbeitsrecht dagegen steht) und die davongaloppierenden Gehaltskosten eindeckeln. Aber sie kann noch etwas anderes tun: Einer Liga wie der Bundesliga diese auf Bayern München fixierte Dauerkonstellation nehmen, die der sportlichen Qualität nichts bringt. München würde in der Europaliga spielen (bis sie absteigen), wo auch noch Platz sein sollte für einen zweiten deutschen Club. Und der Rest würde sich in einem wirtschaftlichen adäquaten Rahmen um die Aufstiegsmöglichkeiten bemühen. Am liebsten in einem Turnierformat, das dem jetzigen Champions-League-Wettbewerb ähnelt und sich über eine ganze Saison hinzieht. Das böte den Aufstrebern einen beachtlichen finanziellen Anreiz und ein illlustres Gegengewicht zum Liga-Alltag ganz oben.

Wer die Idee einer Europa-Liga mag, darf gerne in den Kommentaren seine Clubliste posten. Wer etwas einwenden möchte, darf sich ebenso ausführlich zu Wort melden. Ich denke, diese Diskussion ist überfällig.

20. August 2009

T Times


Seit ein paar Tagen läuft dieses Video in der Blog-Sektion der New York Times. Es zeigt im Zeitraffer die Installation einer Bambus-Skulptur des amerikanischen Zwillingskünstler-Teams Doug and Mike Starn für die Titelseite der Jubiläumsausgabe des Times-Sonntagsmagazins namens T. Das Heft ist am letzten Wochenende erschienen. In eigener Sache ein Hinweis (auch weil's eine Premiere ist): Der Film besteht zur Hälfte aus Material, das ich vor ein paar Wochen beim Besuch der beiden in einer riesigen Fabrik in Beacon eine Stunde außerhalb von New York gedreht habe. Wenn die Redaktion jetzt auch noch den Namen richtig geschrieben hätte.... Aber sie machen halt Fehler (siehe hier).

Mehr zum Thema und zur Entstehungsgeschichte des Projekts.

19. August 2009

Williams-Festival in Miami

Die beiden Williams-Schwestern gesellen sich zu Gloria Estefan und Marc Anthony und kaufen sich einen kleinen Anteil an den Miami Dolphins. Bei solch einer Gelegenheit fällt uns ein: Das letzte Mal als bei dem NFL-Team der Name Williams in aller Munde war, ging es um einen gewissen Ricky. Es wurde eine Seifenoper der seifigsten Art. Als er 2002 im Rahmen eines Trades von den New Orleans Sainst nach Florida kam, bestätigte er seinen Ruf als exzellenter Running Back und kam in seiner ersten Saison auf die meisten Yards von allen auf der Position: 1853 Yards. Aber irgendwie sah es immer so aus, als ob Williams bergab lief. Depressionen soll er gehabt haben. Und Furcht vor Menschen. 2004 nach einer Marihuana-Geschichte stieg er aus der NFL aus und studierte Ayurveda. Ein Jahr später kehrte er wieder zurück, spielte mittelmäßig und kam erneut mit den Drogenverboten der NFL in Konflikt. Die Strafe: ein Jahr Pause. Also wich Williams nach Kanada aus und unterzeichnete einen Vertrag mit den Argonauts. 2007 kehrte er tätsächlich wieder nach Miami zurück und war ein Jahr danach ein Teil jenes Teams, das ziemlich überraschend die Playoffs erreichen konnte. Auch in diesem Jahr ist er wieder dabei. Angeblich sehen ihm Fachleute sein Alter von 32 Jahren an. Was wollen die eigentlich? Der Mann ist Vegetarier. Da verliert man unweigerlich an Biss.
Hier ein Williams-Video mit einer Sammlung an Highlights aus seiner Karriere.

18. August 2009

Pferd und Wagen

Außerhalb von New York erlebt man so etwas schon mal mit Rehen. Die interessieren sich nicht für den Straßenverkehr und rumms. Schon hat man sie erlegt. In Argentinien sind die Rehe offensichtlich etwas größer. Und man nennt sie deshalb auch Pferde. Aber über die Straße rennen sie auch. So entstanden diese Bilder – bei einer Rallye in Patagonien. Am Steuer: Mitsubishi-Fahrer Federico Villagra. Sein Tempo: etwa 140 km/h.

Mitsubishi hat übrigens durchaus ein Herz für Pferde. Die Firma sponsert ein Turnier in Badminton.

Favre zu den Wikingern

Auf der offziellen Seite von Brett Favre ist diese Nachricht die frischeste. Sie stammt vom 28. Juli und bezieht sich auf eine Meldung, die espn.com dem Star Tribune in Minneapolis entnommen hat (ja, so umständlich geht es manchmal zu). Ihre Überschrift lautet:
"Report: Favre opts to remain retired".
Was soviel bedeutet wie: "Bericht besagt, Favre zieht es vor, im Ruhestand zu bleiben".
Klingt umständlich, aber solche Verwicklungen im Semantischen entsprechen irgendwie dem Geschehen rund um die Rasendiva.

Denn natürlich hat sich Brett Favre nach der Seifenoper des vergangenen Jahres, zu deren Finale er das Trikot der New York Jets überstreifte, nie so richtig von dem Gedanken verabschiedet, vielleicht doch noch eine Saison dranzuhängen. Und so war es nur konsequent, dass vor ein paar Minuten der letzte Stand in dieser endlosen Geschichte auf die mediale Umlaufbahn geballert wurde: Favre hat bei den Minnesota Vikings unterschrieben. Und so verlauten wir es pflichtschuldigst auch, denn die Sache genießt zumindest oberflächlich einen Hauch von picante. Die Vikings und die Green Bay Packers spielen in derselben Division NFL und werden mithin zweimal gegeneinander antreten.

Die Packers und ihre Fans werden sich so fühlen, wie sich Alberto Contador im Astana-Team gefühlt haben muss, als er erfuhr, man werde ihm den Egozentriker und von Verfolgungswahn geplagten Lance Armstrong an die Seite geben. Die Antwort von Contador kennen wir. Wie die Packers reagieren? Mal sehen.

Blick zurück: Reebok hat das Trikot bereits genäht
Blick zurück: Seelenqualen in Green Bay

Käufmännisches Rechnen

Weshalb sich in deutschen Medien ziemlich stabil die Idee hält, dass ein ehemaliger Leichtathletik-Bundestrainer im Falle eines Prozesses, der ihm theoretisch 15 Jahre Gefängnis einhandeln kann, nur mit einem abgekürzten Nachnamen genannt werden darf, ist und bleibt ein Rätsel. Übereinstimmenden Berichten zufolge hat der Mann inzwischen sogar ein Geständnis abgelegt – und zwar über den hundertfachen sexuellen Missbrauch junger Menschen. Wir reden also nicht mehr von bloßen Anschuldigungen und Vorwürfen, die ein Angeklagter in einem Strafprozess bekanntlich theoretisch entkräften kann. Wir reden von einem Serientäter, der zugegeben hat, systematisch (und bis zu seiner Festnahme) ohne weitere Konsequenzen Kindern das Leben zur Hölle gemacht hat. Nicht irgendein Mensch in der Provinz war das. Sondern ein Mann auf der Lohnliste des Deutschen Leichtathletikverbandes. Ein Mann, der im Rahmen seiner Arbeit und seiner Rolle als Coach einen Weg fand, seine Opfer zum Schweigen zu bringen. Und dann noch das: "In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu", liest man bei SpOn.

Der Mann hat natürlich einen Namen. Er heißt nicht Ewald K., sondern Ewald Kaufmann. Er hat natürlich auch eine Biographie. Und er hat Spuren in der deutschen Presselandschaft hinterlassen, die man heutzutage immerhin im Internet finden und nachverfolgen kann. Ewald K. wurde er da nie genannt.

Hier zwei Links, die auf Berichte in der Süddeutschen Zeitung zurückgehen:
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-26_kaufmann.htm
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-11_talentschule.htm
Hier ein Foto, das nach Angaben der Leichathletik Coaching Academy jenen Mann zeigt, der sich vor Gericht eine Kladde vor den Kopf halten durfte, um sein Gesicht nicht in den Zeitungen wiederzufinden.

Die Frage, die einem angesichts solch einer frivolen Angst vor Bloßstellung einfällt, ist: Welches Interesse hat eine Gesellschaft daran, einen solchen Menschen nicht bloßzustellen? Wie weit reicht die Zurückhaltung, wenn doch deutsche Richter durchaus einen Unterschied machen:
"Dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit über schwere Straftaten kommt [...] im Rahmen der aktuellen Presseberichterstattung, also im unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Tat und einem Strafverfahren, der Vorrang gegenüber dem Persönlichkeitsrecht des Täters unter dem Gesichtspunkt des Anonymitätsinteresses, zu."

Wem dient aber die Anonymisierung? Und was bezweckt sie?

US-Fußball: Er wächst, aber nicht zusammen

Manches im professionellen Sport in den USA ist anders als im Rest der Welt. Was hauptsächlich damit zu tun hat, dass sich das Geschäft schon früh entwickelte – ab dem Ende des 19. Jahrhunderts und völlig unbeeindruckt von solchen Konzepten wie den Vereins- und Verbandsstrukturen der britisch beeinflussten Verhältnisse in Europa.

Das Resultat ist eine Mixtur, die man womöglich als exotisch bezeichnen würde: Clubs als Unternehmen, Ligen ohne Auf- und Abstieg, einflussreiche Spielergewerkschaften, das System von Farm Teams. Tatsächlich war dieses System und die profitorientierte Philosophie dahinter für Zeiten wie heute – mit dem Zufluss von riesigen Beträgen aus der Vermarktung und der Lizensierung von Sport und von Stadien (Stichwort: Namensrechte) weit besser ausgerüstet als die Europäer. Nichts allerdings ist perfekt. Auch nicht die Situation in den USA, wie man an solchen Hängepartien wie dem Bankrott der Phoenix Coyotes erkennen kann. Von der doppelten Ausbeutung der College-Athleten (durch die Universitäten und durch die Ligen, die darüber auf billige Weise an ihren Nachwuchs gelangen) wollen wir gar nicht erst reden. Das Thema würde alleine mehrere Spalten füllen.

Ein kurioses Beispiel für die Verzerrungen, die das amerikanische System produziert, kann man zur Zeit im Fußball studieren, wo es Major League Soccer gibt und eine Organisation mit dem Namen United Soccer League (USL). Die beiden haben nichts miteinander zu tun, wurden aber jetzt zumindest über ein Gerücht zusammengebracht. Demnach steht die USL, aus der die MLS zuletzt ihre Expansion-Teams rekrutierte, zum Verkauf. Und die MLS war angeblich an einem Erwerb interessiert. Eine solche Verschmelzung wäre aus vielen Gründen überfällig – sei es um ein Farm-Team-Konzept zu schaffen oder eine Aufstiegs-Abstiegs-Mechanik. Aber die wirtschaftlichen Realitäten werden das wohl verhindern. Eine der Konsequenzen: Die meisten guten US-Kicker werden auch weiterhin zumindest zeitweise in Europa spielen und dort fehlen, wo sie dringend gebraucht werden: beim Aufbau einer flächendeckenden Struktur, die am Ende Major League Soccer die Zuschauer bringt, die ihr jetzt noch immer fehlen, um wirklich ernst genommen zu werden.

Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken

Die Kanadier hatten enorme Schwierigkeiten, ein Trikot für ihre Olympia-Eishockeynationalmannschaft zu entwerfen. Es gab fünf Versuche. Und das obwohl man in Kanada normalerweise nur mit zwei Farben und einem Symbol (dem Ahornblatt) arbeitet. Das IOC will außen drauf keine Logos der Hersteller mehr sehen. Da will man als Veranstalterland natürlich nicht unangenehm auffallen. Trotzdem wird in Geschichten über solche Dinge gerne der Name der Firma genannt, die die Produkte herstellt. Das muss an Werbung reichen.

• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...

ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).

• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.

16. August 2009

Vicks erstes Fernsehinterview

Michael Vick hat heute abend in der amerikanischen Magazinsendung 60 Minutes sein erstes Fernsehinterview gegeben. Das Timing für den Auftritt und die Auswahl der Sendung war sicher kein Zufall. Denn nachdem er vor ein paar Tagen einen Vertrag bei den Philadelphia Eagles unterschrieb, interessierte sich die Sportwelt dafür, wie er denn einer wie er nach zwei Jahren Gefängnis seine Läuterung dokumentiert. Er hat geweint, sagt er, hat erkannt, dass er Schuld auf sich geladen hatte, sagt er. Aber den Hassgefühlen vieler Amerikaner kann er trotz alle dem nicht entgehen. Der Medienblog Gawker verweist auf die Kommentare auf der CBS-Seite, auf der das Interview gepostet wurde und auf Twitter, wo viele Leute ihr krudes Gefühl artikulieren, dass Vick noch nicht genug bestraft worden ist.

Tiger patzt. Kaymer auf Platz sechs

Tiger Woods gewinnt zum ersten Mal ein Major nicht, obwohl er ständig in Führung lag und mit zwei Schlägen Vorsprung in die letzte Runde ging. Martin Kaymer wird Sechster und zeigt erneut, was in ihm steckt. Diese PGA Championship werden den Leuten womöglich als historischer Wendepunkt im Gedächtnis bleiben. Der Sieger: Y. E. Yang aus Südkorea zeigte allen anderen Profigolfern, dass man neben Woods nichts in die Knie gehen muss. Es wäre schön, wenn sich daran auch andere ein Beispiel nehmen.

Kopftreffer

Deshalb tragen Baseballspieler Helme, wenn sie am Schlag stehen. Pitcher: Matt Cain, San Francisco Giants. Batter: David Wright, New York Mets. Geschwindigkeit des Balles: 145 km/h. Diagnose: Gehirnerschütterung.

Nachtrag: Die Sportfirma Rawlings hat einen neuen Helm für Baseballspieler entwickelt, der bei solchen Treffern den Kopf wirksamer vor der Wucht des Lederklopses schützt. Problem: Die Spieler sind womöglich zu eitel, um ihn zu tragen. Obwohl er Fluggeschwindigkeiten Stand hält, die etwa zehn Stundenkilometer höher sind als im Fall von Wright (via New York Times)

Nachtrag 2: So sieht es aus, wenn der Pitcher am Kopf getroffen wird. Auch das passierte am Wochenende und regt die Gemüter auf.

(via The Big Lead)

Diesmal gab es was auf die Rehaugen

Bei den Martial-Arts-Leuten gibt es eine Frau, die nicht nur durch Siege auffällt, sondern auch durch ihr Erscheinungsbild. Sie heißt Gina Carano und wirkt bei ihren Auftritten im Fernsehen wie eine schüchterne, zurückhaltende Person, die eher zufällig in den Kreis der blutrünstigen Schläger geraten ist und sich eigentlich dafür schämt. Diese Mischung aus Rehaugen und Rocky-Gemüt hat vor allem einen Aspekt dieses Kampfgetöses in den Vordergrund gerückt: das Wiegen, bei dem die Frauen normalerweise zwar nicht mehr an Kleidung ablegen als im Ring. Aber mehr und mehr Kerle hoffen, dass sie einen Auftritt wie diesen erleben: Gina Carano, die hinter mehreren Handtüchern ihre Unterwäsche auszieht, um auf der Waage die letzten Gramm herauszuschinden, weil sie andernfalls disqualifiziert werden könnte.

Das Wiegen vor ihrem jüngsten Kampf verlief dagegen eher normal. Nicht jedoch der Kampf gestern gegen die Gegnerin mit dem Fightnamen Cyborg. Carano verlor.

Olympic Network: Rückzieher der Amerikaner

Der NOK-Chef der Vereinigten Staaten hat in Berlin im Gespräch mit IOC-Chef Jacques Rogge einen taktischen Rückzieher gemacht. Das wird aus einer E-Mail deutlich, die soeben kurioserweise vom Chicagoer Bewerbungskomitee herausgegeben und an die Journalisten im Verteiler verschickt wurde. Man wolle nichts ohne die Zustimmung der IOC machen, versicherte Larry Probst, der Vorsitzende des NOK.

Der Streit dreht sich um eine Initiative der Amerikaner, in den USA zusammen mit dem Kabelanbieter Comcast einen eigenen Sportfernsehkanal zu eröffnen, der Olympic Network heißen soll. Als das Projekt vor einem Monat bekannt wurde, gab es nicht nur Widerspruch von NBC, dem Sender, der seit vielen Jahren für extrem viel Geld die amerikanischen Übertragungsrechte von den Olympischen Spielen besitzt. Auch beim IOC meldeten sich die Beschwerdeführer, die darauf aufmerksam machten, dass ein NOK (egal welches) aus eigener Kraft und im Alleingang so gut wie gar nichts darf, sobald die Markenrechte des IOC betroffen sind.

Die Angelegenheit wäre für sich genommen nur halb so interessant, wenn da nicht diese anhaltende Kontroverse um die Verteilung der Sponsoren und Fernsehlizenzen wäre, die den Amerikanern einen überproportional relativ hohen Anteil zubilligt (Begründung: aus den USA kommt auch überproportional mehr Geld in den großen Topf). Die anderen NOKs wollen mehr. Das USOC will nichts abgeben. Verkompliziert wird die Angelegenheit noch dadurch, dass sich Chicago um die Austragung der Sommerspiele 2016 bemüht und jedweder Gegenwind die Kandidatur gefährdet, Die Entscheidung wird im Oktober in Kopenhagen getroffen.

Hinweis in eigener Sache: Mehr zum Hintergrund der Entwicklungen und der Idee eines eigenen Fernsehkanals in einem Radiobeitrag, den ich im Juli für den Deutschlandfunk produziert habe.

15. August 2009

Kaymer nach drei Runden Achter bei der PGA Championship

Martin Kaymer liegt bei der PGA Championship, dem vierten und letzten Major des Jahres, nach drei Runden auf dem achten Platz. Besser ist es ihm bei noch keinem Major ergangen. Sein Rückstand auf den mit acht unter Par führenden Tiger Woods beträgt sechs Schläge. Tief unten im Netz schlummert übrigens ein gutes Transkript von der Pressekonferenz mit dem 24-jaehrigen, die er vor einer Woche beim Turnier in Ohio gegeben hat. Hier ein paar der Kernaussagen, die einem das Gefühl geben: Je besser er spielt, desto gesprächiger wird er:

"Ich habe am Anfang der Saison darüber nachgedacht, mehr auf der US Tour zu spielen. Aber ich habe meine Meinung ein wenig geändert. Ich würde gerne nach Amerika kommen. Ich lebe im Moment in Phoenix...aber alles hat auch so sehr, sehr gut funktioniert. Ich habe alle großen Turniere gespielt...Ich hoffe, ich kann das im nächsten Jahr auch so machen. Das ist mein Plan, auf jeden Fall für nächstes Jahr und für 2011."

"Ich gehe gewöhnlich direkt nach Amerika von China bis zum ersten ersten Turnier der Europäischen Tour in Abu Dhabi. So komme ich auf fünf bis sechs Wochen in Amerika und dann im Laufe des Jahres noch mal auf drei bis vier Wochen....Freunde haben dort seit 20 Jahren ein Haus. Ich habe über das Wetter in Deutschland geklagt, dass es so schlecht sei, dass ich kein Golf spielen kann. Ich konnte nicht an meinem kurzen Spiel arbeiten. Da haben sie gesagt: "Komm rüber nach Phoenix und trainiere hier im Winter." ... Das war vor vier Jahren. Ich bin hingegangen, 2005, 2006, 2007, jeden Winter und war ganz alleine dort. Durch einen Deutschen, der zur Arizona State University gegangen ist, habe ich viele Freunde kennengelernt, die Golf spielen."

Ziemlich verfahren

Athleten und Autos – das ist eigentlich eine symbiotische Beziehung aus Testosteron und Oktan. Aber sobald die Sportler ihre Neigung zu Fahrzeugen wirtschaftlich ausschlachten sollen, wirken sie so, als könnten sie mit dem Thema nichts anfangen. Aus amerikanischer Sicht hat der Blog ingamenow ein paar Beispiele aus dem Videoangebot bei YouTube herausgesucht. Bitte lächeln... (via Tweet von Jonathan Sacks).

Dirk sagt "Nein, danke"

Dirk Nowitzki wird bei der Europameisterschaft nicht für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Das hat er am Freitag offiziell bekannt gegeben. Die Interessen seines Arbeitgebers gehen vor. Mark Cuban hat in diesem Sommer neue Leute verpflichtet und braucht einen ausgeruhten Starspieler. Nicht einen ausgepumpten wie im vergangenen olympischen Jahr. Die Hoffnung, dass sie auf Chris Kaman zurückgreifen können, wollen die Verantwortlichen des Basketballbundes noch nicht aufgeben. Ob der sich aber noch daran erinnert, wie man ihm vor einem Jahr im Supersondereilverfahren den deutschen Pass zukommen liess?

14. August 2009

Olympia: Golf und Rugby eine Runde weiter

Die Zeitung, die als erste darüber berichtete, wie das IOC-Exekutivkomitee in Sachen neue Sportarten für Olympia 2016 tickt, hat jetzt die – erwarteten – Reaktionen zusammengestellt. Wer drin ist (Frauenboxen) oder Chancen hat, reinzukommen (Golf oder Rugby), ist begeistert. Selbst Tiger Woods will 2016 mitmachen. Die Leute, denen die Tür vor der Nase zugeschlagen wurden, haben Katerstimmung.

Noch ein bisschen breiter und vor allem gründlicher kann man sich zum Ablauf des Entscheidungsverfahrens bei Jens Weinreich einlesen. Ich zitiere:

"Nach einem jahrlangen Ringen der sieben Weltverbände, nach einer viele Millionen Dollar teuren PR-Kampagne, lag es also in der Macht von vierzehn IOC-Vorständlern, über die Zukunft ganzer Sportler-Generationen zu entscheiden. Hochinteressant dabei, dass Golf, oft als Sport der alten Männer verspottet, in den ersten beiden Wahlgängen nur eine Stimme erhielt. Rugby setzte sich schnell durch, eliminiert wurden dann in dieser Reihenfolge: Inlineskating, Squash, Baseball, Karate, Softball - bis Golf als zweiter Sieger übrig blieb."

Der Klingelbeutel: Rehabilitation ist schwierig

Michael Vick hat bei den Philadelphia Eagles unterschrieben. Damit haben wir neben Terrell Owens und den Buffalo Bills ein zweites Dauerthema, das die NFL-Experten beschäftigen wird. ie Dauerwurst Brett Favre rückt damit auf einen Schlag endlich nach ganz hinten in den Ballschrank.

• Das Thema "Rick Pitino hat Sex mit einer Frau in einem Restaurant und gibt ihr ein paar Wochen später Geld für eine Abtreibung" bietet das perfekte Material aus dem sonst so lupenreinen College-Basketball für eine weitergehende Boulevardisierung der Sportberichterstattung. Der Fall kam ins Rollen, weil die Dame ganz offensichtlich mit den 3000 Dollar, die ihr der Coach der Mannschaft von Louisville gezahlt hatte, nicht zurecht kam und ihn zu weiteren "Geschenken" nötigen wollte. Eine Art von Erpressungsversuch, könnte man auch sagen. Was den angeht, wird die gute Frau vermutlich im Gefängnis landen. Denn die Gesetze in den USA sehen für vieles ziemlich hohe Strafen vor. Aber auch Pitino dürfte nicht schadlos davon kommen. Dabei geht es nicht nur um die Libido eines verheirateten und hochbezahlten Trainers, der die Aufsichtsperson und das Vorbild für junge Sportler ist, die offiziell zu hohen Verhaltensstandards angehalten werden. Sondern vor allem um das Stichwort "Abtreibung" - damit kann man in weiten Teilen der Vereinigten Staaten ganze Bevölkerungskreise gegen sich aufbringen. Vermutlich auch im Bundesstaat Kentucky. Pitino hatte die pikanten Details übrigens nicht freiwillig der Öffentlichkeit anvertraut. Die kamen aufgrund einer Anfrage der örtlichen Zeitung ans Tageslicht. In den USA gibt es auf Bundesebene, aber auch in den meisten Staaten, Gesetze, die es gestatten, dass man Einsicht in die Akten der Behörden nehmen darf. In dem Fall handelt es sich um Vernehmungsprotokolle der Polizei aus ihren Emittlungen rund um Erpressungsversuch. Wer sich für die Protokolle interessiert, kann sie bei Smoking Gun als pdf-Dateien herunterladen.

• Nach dem schlechten WM-Qualifikationsspiel der Amerikaner in Mexiko (1:2) hatte Landon Donovan zumindest eine Erklärung für seine Leistung: Er hat sich die Schweineinfluenza eingehandelt. Mutmaßlicher Übertragungsweg: zwei Galaxy-Mitarbeiter, die vom Virus in Boston bei den New England Revolution angesteckt wurden. Für die USA war das Resultat auch deshalb nicht gut, weil die Aspiranten in der Sechser-Tabelle näher zusammengerückt sind. Drei kommen weiter. Jedes Team hat noch vier Begegnungen abzuwickeln.

• Für Michael Phelps sind die Tage, an denen er nicht in einem Becken schwimmt, kein Vergnügen. Egal, was er macht, ob er tätowierte Barfrauen anbaggert oder Marihuana inhaliert – immer ist jemand zur Stelle, der die Nachricht ausplaudert. Diesmal ist es die Meldung von einem Autounfall, bei dem Phelps unverletzt blieb. Wer den Crash verursacht hat, steht noch nicht fest.

• Und der Sieger im diesjährigen Sportler-Wettbewerb "Die Reise nach Jerusalem" heißt? Quentin Richardson. Der Basketballprofi wurde zwischen dem Ende der letzten NBA-Saison und heute bereits viermal getradet. Der Trip begann bei den New York Knicks, ging über die Memphis Grizzlies, die Los Angeles Lakers und die Minnesota Timberwolves. Sein derzeitiger Arbeitgeber sind die Miami Heat. Jerusalem, here we come.

10. August 2009

Handball auf New Yorker Art

Wenn man in New York von Handball spricht, meint man damit eine ganz andere Sportart. Es ist eher so etwas wie Squash ohne Schläger. Und findet oft unter freiem Himmel statt. Die besten Spieler in dieser Disziplin haben keine Werbeverträge und keine Fernsehauftritte. Abe manchmal widmet ihnen zumindest eine Zeitschrift ein paar Zeilen.

9. August 2009

Golf oder Rugby: Wer wird olympisch?

Es gibt Spekulationen darüber, welche Sportarten als nächstes in die Liste der olympischen Disziplinen aufgenommen werden. Wir erinnern uns: Zunächst hatte das IOC Baseball und Softball gestrichen und dadurch wieder Platz geschaffen. Natürlich würden vor allem die Amerikaner am liebsten ihre beiden Ziehkinder wieder aufgenommen wissen. Aber es sieht statt dessen danach aus, dass das Vorauswahlkomitee, das am Donnerstag die Aspiranten auf zwei reduziert, sich für Golf und Rugby entscheiden wird. Als Golfspieler und Mensch mit einer beträchtlichen Zuneigung für das Geschäft der Profis fällt mir dazu nur ein: Etwas Alberneres als Golf bei Olympia kann ich mir nicht vorstellen. Die Sportart produziert weltberühmte, wohlhabende Repräsentanten, die regelmäßig auf den schwersten Plätzen der Welt spielen. Sie haben eine Weltrangliste, die als Qualifikationskriterium für die wichtigen Turniere fungiert. Ein Ryder Cup und einen Presidents Cup, in dem die besten in Mannschaftsformaten aufeinander treffen. Es gibt sogar ein Turnier mit jeweils zwei Abgesandten eines Landes. Und bei jeder Gelegenheit stehen Fernsehkameras bereit und Leute mit dicken Schecks. Was hat der Golfsport von einer Teilnahme bei Olympia außer dichtes Gedränge im Kalender? Nichts. Was hat Olympia von einer Teilnahme von Golfern? Nicht viel mehr. Wer von den Leuten, die sich nicht für Golf interessieren, wird sich vier Stunden lange Live-Übertragungen vom Geschehen anschauen? Kaum jemand. Golf ist mangels kämpferischer, spannender Aktion keine Fernsehsportart im eigentlichen Sinne, sondern nur etwas für Afficionados. Aber es ist zu befürchten, dass sich Golf durchsetzt. Erstens, um das amerikanische Olympia-Publikum und amerikanische Sponsoren bei der Stange zu halten. Und zweitens weil das Flair der Sportart die um die Zukunft der Spiele besorgten IOC-Mitglieder dazu verführen wird, sich für Golf zu entscheiden. Leider.

Zumal die Rugby-Initiative einen absurden Zuschnitt hat. Man würde bei den Olympischen mit Siebener-Teams antreten anstatt mit 15 Spielern pro Team (Rugby Union) oder mit 13 (Rugby League). Das soll angeblich besser für die Zuschauer sein. Wer kommt eigentlich immer auf solche Ideen? Warum sollte man jahrhundertealte Sportarten mit Millionen von Fans auf der ganzen Welt auf eine solche hohlstirnige Art und Weise um ihr Kernkonzept bringen? Kommt jetzt demnächst Ski alpin auf einem Brett? Fußball als Tipp-Kick-Version? Oder Mini-Golf?

Wie man mit dem Abmahnen von Journalisten das Ende der Pressefreiheit einläutet

Als eine der wenigen Zeitungen auf der Welt beschäftigt die New York Times einen Menschen, der sich als Advokat der Leser versteht und der jeden Sonntag eine Drittelseite belegt, um sich mit drängenden Beschwerden und kritischen Fragen zu beschäftigen. Seine Berufsbezeichung: Public Editor. Kein Medienprodukt ist unfehlbar, nicht mal das beste der Welt. Weshalb die Times neben den Leserbriefen eine weitere Rubrik pflegt, die man woanders meistens vergeblich findet: eine tägliche Spalte mit Korrekturen genannt Corrections.

Die Arbeit der beiden Instutionen greift bisweilen recht nuanciert und lehrreich ineinander. So wie neulich, als die Flut der Empörung angesichts zahlreicher Fehler in einem Artikel der Times-Fernsehkritikerin über die soeben verstorbenen Fernsehikone Walter Cronkite anschwappte. Die besagte Fernsehkritikerin, die fast in jedem Artikel einen Bolzen schießt und mittlerweile einen eigenen Korrektor zur Seite gestellt bekam, mag eine liebenswürdige Dame mit allerlei lesenswerten Ansichten sein. Sie verfügt allerdings über ein Defizit, das im so genannten "Qualitätsjournalismus" normalerweise zum Arbeitsplatzverlust führt: Sie weiß nicht, was sie nicht weiß.

Der Public Editor, der mit bürgerlichem Namen Clark Hoyt heißt, ist kein scharfer Hund. Er formuliert milde und abgewogen. Weshalb sein Resümé der Cronkite-Affäre besonders vernichtend klang: Sieben sachliche Fehler in einem Artikel, die allesamt korrigiert werden mussten, brachten ihn dazu, der Redaktion folgende Worte ins Stammbuch zu schreiben: "Eine Fernsehkritikerin mit einer Geschichte von Fehlern hat hastig geschrieben und versäumt, ihre Arbeit zu überprüfen. Und Redakteure, die aufmerksam sein sollten, waren es nicht." Ein Kinnhaken allererster Güte.

Clark Hoyt ist allerdings kein Mann, der nur in eine Richtung austeilt. Heute verteidigte er den jungen Reporter Michael S. Schmidt, der seit einer Weile für das Blatt die Dopingthemen beackert und der nach einer ersten Enthüllung über die bis heute offiziell anonym gehaltenen positiven Testresultate der Baseballprofis aus dem Jahr 2003 uns mit dem Namen Sammy Sosa versorgen konnte. Vor zwei Wochen legte er nach und benannte Manny Ramirez und David Ortiz. Die Enthüllung nervt den scheidenden Chef der Spielergewerkschaft, in dessen Büro die Dopingresultate unter Verschluss lagen, ehe die gegen Barry Bonds ermittelnde Staatsanwaltschaft die Akten beschlagnahmte. Also schoss Donald Fehr wenige Tage später gegen den Journalisten und die Zeitung. Informationen zu veröffentlichen, die vom zuständigen Richter zur Verschlusssache erklärt worden waren, sei kriminell.

Hoyt hat sich mit der Frage beschäftigt und unter anderem Rechtsgelehrte aus dem verfassungsrechtlichen Spezialgebiet Meinungsfreiheit konsultiert, ein Themenkomplex, der in den USA unter Bezug auf den ersten Artikel in der Verfassung meistens als "first amendment" etikettiert wird und über die Jahrhunderte einen sehr viel rigoroseren höchstrichterlichen Katalog an relevanten Präzedenzfällen produziert hat als die sechs Jahrzehnte Bundesrepublik mit ihrem Grundgesetz-Artikel 5. Die Ansicht der zitierten Juristen ist unstrittig: Die Medien haben das Recht zu recherchieren. Und sie haben das Recht zu publizieren. Eine Frage, die Schmidt mit dem Hausjuristen vor Veröffentlichung vermutlich hinreichend abgeklärt hatte.

Es ist gut, wenn hinter Journalisten Institutionen stehen, die es ihnen nicht nur finanziell ermöglichen, ihre Arbeit zu leisten, sondern die auch in heiklen Rechtsfragen nicht gleich die weiße Fahne schwenken. Was mich zu einem jüngeren Fall in Deutschland bringt, der einmal mehr zeigt, dass ohne eine solche Rückendeckung und ohne eine substanzielle Unterstützung von Reportern und Autoren das Berichterstattungsrecht und der Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen ausgehöhlt wird. Und zwar mit der Keule des Rechtsmittels.

Der Fall betrifft Jens Weinreich, freier Journalist und als kenntnisreicher und kritischer Archivar der Doping- und Korruptionsaktivitäten im Sport bekannt. Weinreichs juristische Auseinandersetzung mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, die mit einer Meinungsäußerung in einem Blog begann, wirde hier im Blog hinreichend belegt. Sie wurde sogar von den etablierten Zeitungen aufgegriffen und illustrierte dabei, wie ein mächtiger Verband seine Muskeln spielen lässt, wenn ihm die Worte eines Journalisten nicht gefallen. Dabei schlug Zwanzigers Anwalt formaljuristisch die Taktik der einstweiligen Verfügung ein (womit er allerdings nicht durchkam). Der eigentliche Effekt der Attacke bestand jedoch darin, den Gegner wirtschaftlich zu treffen. Denn der brauchte nun ebenfalls einen Anwalt und viel Zeit, um sich um die Angelegenheit zu kümmern. Der Streit ist inzwischen beigelegt und kann als Beispiel für das Entstehen eines handfesten Solidargefühls unter deutschen Blog-Lesern gelten. Denn Weinreich erhielt hinreichend Spenden, um zumindest die Anwaltskosten decken zu können.

Der neue Angriff auf seine Arbeit geht über eine artverwandte, aber genau betrachtet etwas andere Schiene. Diesmal wurden ihm aus derselben Kanzlei, die schon Zwanziger vertreten hatte, zwei Unterlassungserklärungen zugestellt, verbunden mit den branchenüblichen finanziellen Forderungen, die sich zusammen auf rund 1500 Euro belaufen. Ein Ausläufer der PR-Kampagne der Eisschnellläuferin Pechstein.

Rechtsformal geht es diesmal um Tatsachenbehauptungen und nicht um eine Meinungsäußerung, aber das macht in der Substanz keinen Unterschied. Wieder schicken die Anwälte keine Briefe, wie sie vielleicht im normalen Miteinander einer Gesellschaft üblich wären, Briefe, in denen einfach eine Richtigstellung einer womöglich falschen Tatsachendarstellung verlangt wird oder man sich im Namen eines Mandanten auf das Presserecht beruft, in dem ein Recht auf Gegendarstellung verankert ist. Nein. Wieder geht es in der Attacke offensichtlich auch darum, den Journalisten wirtschaftlich zu treffen. Der soll der Kanzlei die Arbeit bezahlen.

Das deutsche Abmahnrecht, das in seinen historischen Wurzeln aus dem Wettbewerbsrecht stammt, aber inzwischen immer häufiger auf den Arbeitsalltag der Medien angewandt wird, ist der Quell dieses Übels. Denn es gefährdet viel mehr als nur die Arbeit von Sportjournalisten, die sich mit Dopern beschäftigen. Es gefährdet die Arbeit von Journalisten und Verlagen, die eine öffentliche Aufgabe haben und im Rahmen dieser Arbeit durchaus Fehler machen. Warum? Vieles an der Arbeit ist hektisch und steht unter dem Druck, aktuell und schnell die Informationen zu liefern. Wenn sich die Verlage dann nicht vor oder hinter die Reporter stellen, die ihnen diese Arbeit zuliefern, und wenn sie glauben, deren wirtschaftliches Risiko sei mit dem bisschen Zeilenhonorar bereits gedeckt, werden wir auf Dauer eben nicht solche nützlichen Einrichtungen wie die Korrekturen-Spalte erleben und nicht solche Männer wie Clark Hoyt, sondern nur noch fleißige Anwälte, die ihr Kanzleisekretariat mit Abmahnungen auf Touren halten, und Journalisten, die angesichts der Bedrohung verstummen.

Vom vielen Geld bleibt oft nichts übrig

Es gibt da an einer amerikanischen Universität ein ungewöhnliches Institut mit einem mysteriösen Namen. Es nennt sich Professional Athletes Transition Institute. Dessen Webseite gibt zu, dass es sich bei der Arbeit um eine Nischenthematik handelt: Man will zusammen mit seinen Studenten Dienstleistungen entwickeln, die Profisportlern in den unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere zugute kommen können. Man scheint sich vor allem auf die populären Mannschaftssportarten eingeschossen zu haben, in denen viel Geld bezahlt wird. Ein elitärer Kreis von etwas mehr als 2000 Athleten. Zunächst mag man gar nicht annehmen, dass angesichts einer solch kleinen Zahl besonders viele Absolventen der Universität eine berufliche Perspektive haben. Aber wenn man liest, wie schlecht es um den Übergang der meisten Top-Sportler ins Privatleben bestellt ist und wieviele kurz nach dem Ende ihrer Laufbahn pleite sind und vor den Trümmern ihrer Ehe stehen, kann man sich zumindest ausmalen, dass rechtzeitige Hilfe und guter Rat not täte.

Mehr zu dem Thema hat die New York Times in ihrer neuesten Ausgabe zu berichten. Zu den interessanten und bislang nicht weiter untersuchten Phänomenen, die der Artikel bietet, gehört übrigens dieses: Spieler, die sich geistig schon früh auf die Zeit nach ihrer Karriere einstellen, entwickeln im Schnitt eine andere Haltung zu Geschäft: Sie zeigen mehr Einsatz in ihren Clubs, haben mehr Erfolg und kommen auf eine längere aktive Zeit als die Sportler ohne Zukunftspläne. Angeblich ergab sich bei Eishockeyspielern folgende Konstellation: Die mit Lebensperspektive stehen mehr auf dem Eis und erleben den Sport weniger als Stressveranstaltung.

Blick zurück: Fünf Jahre nach der aktiven Zeit ist die Mehrheit der NBA-Spieler pleite

6. August 2009

Doping-Fall in der NBA: Zehn Spiele Sperre

Die NBA sperrt Doper für zehn Spiele. Zum Beispiel Rashard Lewis von den Orlando Magic, der soeben bei einem Test mit dem Steroid-Precursor DHEA aufgefallen ist. Lewis verteidigt sich mit dem Spruch, wonach das ohne jede Absicht passiert sei. Die Substanz habe sich in einem normal im Geschäft verkauften Mittel befunden. Die NBA-Doping-Strafenliste sieht so aus: Erster Verstoß – zehn Spiele Sperre, zweiter Verstoß – 25 Spiele Sperre, dritter Verstoß – ein ganzes Jahr (via Deadspin)

Ein seltenes Fußball-Fest auf der Osterinsel

Es gibt sehr wohl Bier auf Hawaii. Und es gibt Fußball auf der Osterinsel. Keinen richtig guten Fußball, aber immerhin. Das Eiland mit den berühmten figurativen Steinstatuen, die aussehen, als könnte man mit überlebensgroßes Tip-Kick spielen, liegt mehr als 3000 Kilometer vom Mutterland Chile entfernt und mehr als 2000 Kilometer von Pitcairn, der am nächsten gelegenen bewohnten Insel weit und breit. Man könnte auch sagen: Es ist einsam da unten im Pazifik. Jetzt kam im Rahmen der Copa Chile Besuch vom Festland - die Spieler vom Club Colo Colo aus Santiago flogen ein. Und jemand war so liebenswürdig, das Ganze etwas ausführlich auf Video festzuhalten (via Offside. reuters hat die Einzelheiten über die Vorbereitungen zum Match und den Spielverlauf).

Olympia-Aspiranten nicht versichert

Die NHL-Profis, die sich für einen Platz in den Nationalmannschaften von Kanada und den USA bei den Olympischen Spielen in Vancouver interessieren, spielen mit einem unkalkulierbaren Risiko. Die Trainingslager werden nicht von den Versicherungspolicen der Clubs gedeckt. Die Verbände haben keine Zusatzversicherungen. Und so kann eine Verletzung erhebliche Folgen haben. Man wird es deshalb wohl langsam und vorsichtig angehen lassen. Zumal Steve Yzerman, Chefmanager des kanadischen Teams, die Aspiranten zu beruhigen versucht hat: "Das Trainingslager ist kein Leistungstest. Das wäre nicht fair. Es geht darum, sich zu organisieren. Die Auswahl der Spieler findet auf der Basis ihrer Leistungen während der NHL-Saison statt."